Der Mensch wird durch sich getäuscht und aufgeklärt

von René Cassien
Ich erlebe die Welt immer gleichzeitig auf zwei Ebenen. Auf einer Ebene erfasse ich die Welt mit meinen Sinnen, meinem Verstand und kommuniziere mit meiner Sprache und nenne es die Realität. Auf der zweiten Ebene erscheint mir jedoch eine Welt die sich „hinter“ und „über“ der Realität befindet, ja gleichsam in einem weit größeren Umfang die Realität „umhüllt“ und ich nenne sie Wirklichkeit. Die Realität ist ein Bestandteil der Wirklichkeit.
So geschieht es auch wenn ich ein Buch lese. Es gibt Bücher, da ist die Realität sehr groß gegenüber der Wirklichkeit und bei anderen Büchern ist die Wirklichkeit riesig im Vergleich zur Realität.
Im ersten Fall „spricht“ mich das Buch nicht sehr an, ich verliere häufig das Interesse und überfliege nur noch den Inhalt oder ich beende die Lektüre vorzeitig. Im zweiten Fall bin ich begeistert und will gar nicht mehr aufhören zu lesen – ich bin in Resonanz geraten.
Der zweite Fall geschah als ich das Buch „Die Ökonomie von Gut und Böse“ von Tomáš Sedláček las. Es hat mich fasziniert.
Anhand von drei Passagen aus dem Buch möchte ich versuchen dieses Geschehen zu erklären.
1. Das Buch wird eröffnet mit einem Gedicht von Alexander Pope:
Erkenn Dich selbst, erforsch nicht Gottes Kraft!
Der Mensch ist erstes Ziel der Wissenschaft.
Er steht am Isthmus, ist ein Mittelding –
an Größe grob, an Weisheit Däumeling.
Für einen Skeptiker ist er zu klug,
für einen Stoiker nicht stolz genug.
Er hängt dazwischen, ist des Zweifels voll,
ob er nun handeln oder nichts tun soll,
ob er mehr Geist, mehr Leib, mehr Tier, mehr Gott.
Im Denken irrt er, lebt nur für den Tod;
bleibt ohne Wissen, bringt er auch ins Spiel
Vernunft zu wenig oder gar zu viel.
In ihm Gefühl und Geist als Chaos gärt,
durch sich wird er getäuscht und aufgeklärt.
Geschaffen für den Aufstieg und den Fall,
Herr aller Dinge, Beute auch für all ‚.
Der Wahrheitshüter, der dem Trug verfällt,
der Stolz und Witz, das Rätsel dieser Welt!
Drei Sätze des Gedichtes sind für mich besonders wichtig:
Im Denken irrt er, lebt nur für den Tod
… durch sich wird er getäuscht und aufgeklärt.
Der Wahrheitshüter, der dem Trug verfällt
Alexander Pope meint, durch unser Denken geraten wir auf einen Irrweg (leben in einer Illusion), der zum Untergang führt (tödlich sein kann !), durch uns selbst erliegen wir einer Täuschung bei gleichzeitiger Aufklärung und wir sind Hüter der Wahrheit, verfallen aber dennoch dem Trug, dem Betrug, der Täuschung.
Diese Aussagen erweitern die Wirklichkeit enorm gegenüber der Realität.
2. Im Vorwort des Buches schreibt Václav Havel:
„Die Mehrheit unserer politischen Parteien handelt aus einem engen materialistischen Blickwinkel heraus. In ihren Programmen präsentieren sie zuerst die Ökonomie und das Finanzwesen; die Kultur finden wir irgendwo am Schluss, als Anhängsel, als Trankopfer für ein paar Verrückte. Ob sie nun rechts oder links stehen – die meisten von ihnen akzeptieren und verbreiten bewusst oder unbewusst die marxistische These von der ökonomischen Basis und dem spirituellen Oberbau.
Vielleicht hängt all das damit zusammen, dass die Ökonomie als wissenschaftliche Disziplin oft irrtümlicherweise als bloße Buchführung betrachtet wird. Aber was nützt die Buchführung, wenn sich doch vieles von dem, was unser Leben beeinflusst, schwer oder gar nicht berechnen lässt?
Ich frage mich, was Ökonomen dieses Schlags tun würden, wenn man ihnen die Aufgabe übertragen würde, die Arbeit eines Sinfonieorchesters zu optimieren. Wahrscheinlich würden sie alle Pausen in Beethovens Konzerten streichen – sie sind ja schließlich zu nichts gut, sie halten nur den Lauf der Dinge auf, und die Mitglieder des Orchesters können doch nicht dafür bezahlt werden, dass sie nicht spielen …“
3. Auf Seite 169 des Buches findet man folgende Passage:
„Jesus sagt: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot“, und das trifft zweifellos zu. Der Mensch kann allerdings auch nicht ohne Brot leben. Wir haben einen Leib und eine Seele, wir sind spirituelle und materielle Wesen zugleich. Aus einem extremen Blickwinkel betrachtet sind diese Positionen beide unmenschlich, in bestimmtem Sinne sogar tödlich. Ohne das Materielle werden wir sterben, ohne das Spirituelle werden wir aufhören, Menschen zu sein. Beide Aspekte sind wichtig, doch es muss definitiv nicht so sein, dass der eine auf Kosten des anderen geht, wie oft gesagt wird. Wir dürfen allerdings auch nicht glauben, dass diese beiden Aspekte voneinander unabhängig sind und sich nicht gegenseitig beeinflussen. Gerade die Tatsache, dass wir externe, materielle Faktoren brauchen, um durch den Schweiß unseres Angesichts: am Leben bleiben zu können, wird als Grund dafür genannt, von unserer Hast und Geschäftigkeit abzulassen und über die Ökonomie nachzudenken.“
Als Einstieg wähle ich die Sätze von Václav Havel:
„Ich frage mich, was Ökonomen dieses Schlags tun würden, wenn man ihnen die Aufgabe übertragen würde, die Arbeit eines Sinfonieorchesters zu optimieren. Wahrscheinlich würden sie alle Pausen in Beethovens Konzerten streichen …“
Auch ich fragte mich: Welche Bedeutung haben Pausen in der Musik ?
Stille in der Musik ist relativ: Sie wird von äußeren, akustischen Gegebenheiten und von innerlichen Sinnenempfinden und -erleben geprägt. Umso spannender ist es, welche Bedeutung jeder Mensch den Pausen in der Musik gibt. Was nehmen zum Beispiel Synästhetiker in den Pausen wahr? Verstehen wir uns durch die Pausen? Sind wir in der Stille in Resonanz – wenn ja – mit wem oder was sind wir in Resonanz?
Stille und ihre Bedeutung in der Musik ist mit den Phänomenen in der Natur vergleichbar:
  • der Abstand zwischen zwei Atomen, der im Größenverhältnis unendlich erscheint,
  • das Vakuum im Weltall, in dem kein Schall übertragen werden kann,
  • die Abstände zwischen einzelnen Bäumen in einem Wald. Durch diese Abstände können wir erkennen, ob der Wald dicht oder licht ist. Ohne Abstände ständen wir vor einer geschlossenen Wand.
Die Abstände beschreiben ein Verhältnis zwischen Detail und Ganzem; die Leere zwischen den Bäumen zeigt sich – ebenso wie die Stille zwischen zwei Klängen – als eine Aktivität und keinesfalls als ein „Nichts“.
Auf den ersten Blick ist die Pause nichts. Ein Moment des Nicht-Handelns, Nicht-Sagens, Nicht-Geschehens. Pause ist Stillstand. Langweilig. Auf den zweiten Blick ist sie alles. Zeit zum Atmen, Schwungholen, Wirken. Aus diesem paradoxen Moment der Pause erzeugt die Kunst genau das, wovon sie lebt: Kontraste, Brüche, Spannung. Sie ist unabdingbares Werkzeug der Kulturschaffenden, für den Elektro-DJ wie für den Dramaturgen, für den Dirigenten wie für den Regisseur. In der Pause als Höhepunkt wird das Nichts zur Explosion.
Wenn Dirigenten über die Bedeutung der Pause nachdenken, werden sie zu wahren Philosophen. „Schwarz könnte nicht existieren ohne Weiß“, sagte ein berühmter Dirigent, „und genau so ist es mit Musik und Pause.“ Musik und Stille gehören zusammen und es sind gerade die Pausen, die der Musik die Struktur geben! Musik ohne Pause ist unerträglich, nichts als ein unverständliches Kontinuum, etwas Mechanisches, Unorganisches und man verliert die Wahrnehmungsfähigkeit.
Wie in der Musik gilt auch im Leben:
Bevor Neues entstehen kann, muss man erst einmal Platz dafür schaffen, eine innere Offenheit entstehen lassen, Raum für die Wahrnehmung und neue Zugänge.
Ich unterstelle, viele Menschen wissen um diesen Zusammenhang, aber die wenigsten wissen: Wie kann ich eine innere Offenheit, Raum für die Wahrnehmung und neue Zugänge bewusst entstehen lassen ?
Bevor ich diese Frage beantworte, muss ich etwas weiter ausholen und mich näher mit dem menschlichen Bewusstsein beschäftigen.
Vorab einige Zahlen:
Das Universum besteht zu 4% aus Materie und zu 96% aus Leere, auch genannt Quanten-Vakuum.
(Im Zusammenhang mit Musik und Pausen, würde die Musik in den 4% und die Pausen in den 96% enthalten sein.)
Die 96%ige Leere enthält (besteht aus ?) Informationen (In-Formationen).
Eine Zelle unseres Körpers kann ein bit (Informations-Maßeinheit) an Information pro Sekunde (1bit/sec = subjektives Zell-Quant = SZQ) wahr-nehmen.
Da der menschliche Körper 40 – 70 Billionen (1 Billion = 1.000 Milliarden oder 1.000.000.000.000 = 1012, also eine Eins mit 12 Nullen) Zellen besitzt, sind wir in der Lage 40 – 70 Billionen bit/sec wahr-zunehmen.
Unsere Sinnesorgane (sehen, hören, riechen, schmecken, tasten) erfassen hiervon (erstes Filter) 11 Millionen bit/sec.
Da unser Gehirn diese Informationsmenge (ohne Schaden zu nehmen) nicht verarbeiten kann (zweites Filter), erfasst es bewusst (unser Bewusstsein) hiervon nur 40 bit/sec.
Wenn wir die wahr-genommenen Informationen in Form von Sprache weiter vermitteln wollen (verbal oder schriftlich), so reduziert sich (drittes Filter) die Informationsmenge wiederum auf nur 16 bit/sec.
Die Informationsmenge unseres Bewusstseins (so wie wir die Welt bewusst wahr-nehmen !!!) zu der Informationsmenge die allein unsere Zellen aufnehmen verhält sich demgemäß
40 : 40 – 70 000 000 000 000
Es gibt immer noch einige Hirnforscher und andere Naturwissenschaftler, die noch im menschlichen Körper nach dem Aufenthalts-Ort des Bewusstseins suchen. Doch eine zunehmende Anzahl der Hirnforscher, Kosmologen und Quantenphysiker (auch die Weisen des Altertums und viele Philosophen) haben den Ort schon längst gefunden.
Der menschliche Geist, zusammen mit dem hoch entwickelten Gehirn des Menschen, ist ein Ausdruck des kosmischen Bewusstseins auf hoher Ebene, eines Bewusstseins, das aus dem Vakuum erwächst und alle Dinge in Raum und Zeit erfüllt.
Im gegenwärtigen Kontext ist das Bewusstsein allgegenwärtig, mit tiefen Wurzeln in der physischen Realität: im Quantenvakuum. Erwiesener maßen, liegt der Ursprung der Wellenpakete gebundener Energie, die wir als Materie betrachten, in diesem unterschwelligen Ozean virtueller Energie,
Da wir das Bewusstsein im Vakuum nicht direkt beobachten können, könnten wir jedoch ein Experiment versuchen. Wir könnten einen veränderten Bewusstseinszustand annehmen und uns mit dem Vakuum identifizieren, der tiefsten und fundamentalsten Ebene der Realität. Wenn uns das gelingt (und Psychotherapeuten sagen, in solchen Zuständen können sich Menschen mit fast jedem Teil des Universums identifizieren), würden wir dann ein physisches Feld fluktuierender Energien erleben? Oder wäre unsere Erfahrung die eines kosmischen Bewusstseinsfelds?
Nun, meine persönliche Erfahrung ist Letzteres.
Ich durfte diesen Zustand, die „Wirklichkeit“ wie ich es eingangs nannte, zum ersten mal vor mehr als zwei Jahrzehnten erfahren. Die Erfahrungs-Inhalte kumulieren sich im Lauf der Jahre und irgendwann wird es zum Dauerzustand.
Die Erfahrung zeigt ein unermessliches und unergründliches Bewusstseinsfeld voller Intelligenz und Schöpfungskraft. Das Feld des kosmischen Bewusstseins ist eine kosmische Leere, die paradoxerweise zugleich eine essentielle Fülle ist. Obwohl sie nichts konkret Manifestiertes enthält, ist alles Dasein in ihr potentiell vorhanden. Das Vakuum ist ein Plenum: Nichts fehlt darin. Es ist die tiefste Quelle des Daseins, die Wiege allen Seins. Es ist voller Möglichkeiten für alles, was es geben kann. Es ist der Schöpfungsgrund der Welt der Phänomene, die nichts anderes ist als die Realisierung und Konkretisierung seines inneren Potentials.
So wird Bewusstsein nicht als etwas betrachtet, das aus materiellen Strukturen wie dem Gehirn und dem Nervensystem erwächst, sondern als ein unermessliches Feld, das die primäre Wirklichkeit des Universums darstellt und es ermöglicht den Zugang zur Wahrheit.
Das universelle Bewusstsein ist nicht an Raum und Materie gebunden. Es ist aber auch zeitlos, obwohl es sich ständig verändert. Aber diese Veränderungen finden nicht innerhalb der Zeit statt.
Das kann man sich nur sehr schwer vorstellen. Tatsächlich muss es aber veränderliche Dinge außerhalb der Zeit geben, ansonsten hätte nie unser Universum inklusive Raum und Zeit entstehen können. Es ist das universelle Bewusstsein, das die Zeit erzeugt. Jede Neubildung eines Objekts führt über die damit bewirkte (zeitlose) Veränderung des universellen Bewusstseins zu einem neuen universumweiten Zeitpunkt (besser sagt man dazu Zeitquant). Ohne das universelle Bewusstsein gäbe es daher keine Veränderung im Universum, also keine Veränderung im Raum.
Diese Veränderungen (also auch die Bewusstseins-Veränderung beim Menschen) hängt hauptsächlich mit der Fluktuation der elektromagnetischen Felder zusammen. Und die ist ihrerseits von den Verhältnissen unseres Sonnensystems und unserer Sonne abhängig und das kann gemessen werden (siehe: Schumann-Resonanz).
Noch viel wichtiger ist jedoch die Art der Informationen, die das Gehirn aufnehmen kann. Selbst mit den empfindlichsten Instrumenten sind bestimmte Wahrnehmungen unseres Gehirns nicht messbar. Dazu müssten die Instrumente vor allem interaktiv registrieren können. Wenn wir etwas messen, treten wir mit der Energie der Objekte, die wir messen, interaktiv in Kontakt. Die sehr feinen Energien vermitteln uns auf der physischen Ebene keine hinreichende Information.
Was das Gehirn aufnehmen und dadurch Teil unseres Bewusstsein werden kann, ist keine energetische, sondern aktive Information. David Bohm (1917-1992) hat das entdeckt. Es ist sozusagen subtile Energie, die physisch, also auf normale Weise, nicht gemessen werden kann.
Dennoch ist sie Wirklichkeit. Sie entsteht auf Quantenniveau nonlokal, man kann ihren genauen Ort nicht bestimmen. Sie ist interaktiv und kommunikativ auf der Bewusstseinsebene des Menschen. Auf diese Art wird eine Transformation des Bewusstsein möglich.
Leider ist es daher auch nicht möglich den Zustand detaillierter zu beschreiben. Das universelle Bewusstsein ist, wie oben bereits erwähnt, ein raum-, zeit- und materieloser Informationsspeicher, der die räumlichen Strukturen aller sich neu bildenden Objekte archiviert. Es existiert auch keine Quantität, es „wirkt“ nur Qualität.
Unsere Sprache (siehe oben) ist jedoch nur ein Werkzeug für die physische/materielle Welt und daher nicht in der Lage dem Verstand, ebenfalls nur ein Werkzeug der physischen/materiellen Welt, den Zustand „verständlich“ zu vermitteln.
Doch nun zurück zu unserer Frage: Wie kann ich eine innere Offenheit, Raum für die Wahrnehmung und neue Zugänge bewusst entstehen lassen ? Wie erhalte ich Informationen aus dem universellen Informationsspeicher ?
Eine kurze Antwort wäre:
  1. Lerne Dein DENKEN wahr-zunehmen.
  2. Lerne Deine GEFÜHLE wahr-zunehmen.
  3. Lerne Deinen WILLEN wahr-zunehmen.
  4. Lerne Deine WAHR-NEHMUNG wahr-zunehmen.
Nun, dieses Unterfangen dürfte für die meisten Menschen sehr schwierig, wenn nicht sogar gänzlich unmöglich anmuten, obwohl es einer der effektivsten Wege zum universellen Bewusstsein (Quantenvakuum) darstellt.
Daher ein weiterer Weg, der vielleicht manchem einfacher zu gehen erscheint:
Lerne zuerst Konzentration ohne Anstrengung.
Konzentration als Fähigkeit, das Höchstmaß an Aufmerksamkeit auf ein Mindestmaß an Raum festzulegen.
Goethe sagt:
„Wer etwas Treffliches leisten will, …
der sammle still und unerschlafft im kleinsten Punkt die grösste Kraft.“
Es handelt sich hierbei um die Unterdrückung der Eigenregungen des Denkens.
Denn die Eigenregungen der mentalen Substanz finden automatisch statt. Dieser Automatismus in den Bewegungen des Denkens und der Vorstellung ist das Gegenteil von Konzentration. Nun ist die Konzentration nur möglich um den Preis und unter der Bedingung der Ruhe und des Schweigens des Automatismus im Denken und Vorstellen.
Das „Schweigen“ geht also dem „Wissen“, Können“ und „Handeln“ voraus.
Die wahre Konzentration setzt einen uneigennützigen und leidenschaftslosen Willen voraus, denn der Zustand des Willens ist der bestimmende und entscheidende Faktor bei der Konzentration.
Es ist unnütz, sich Mühe zu geben, um sich zu konzentrieren, wenn der Wille von etwas eingenommen ist. Die „Eigenregungen des Denkens“ werden niemals zur Ruhe gebracht werden können, wenn der Wille ihr nicht seine eigene Ruhe mitteilt.
Der schweigende Wille ist es, welcher das Schweigen des Denkens und Vorstellens in der Konzentration bewirkt.
Uns beschäftigt hier jedoch nicht allein die Konzentration im allgemeinen, sondern vor allem und im besonderen die „Konzentration ohne Anstrengung“. Worin besteht sie ?
Betrachten Sie einen Seiltänzer. Er ist augenscheinlich völlig konzentriert, denn wenn er es nicht wäre, würde er zur Erde fallen. Sein Leben steht auf dem Spiel, und nur die vollkommene Konzentration kann es bewahren.
Glauben sie indessen, dass sein Denken und Vorstellen mit dem beschäftigt sind, was er tut?
Glauben sie, dass er überlegt und dass er berechnet, dass er sich vorstellt und dass er plant bei jedem Schritt, den er auf dem Seil tut ? – Er würde sofort herunterfallen !
Er muss alle Tätigkeit des Intellekts und der Vorstellungskraft, er muss die „Eigenregungen des Denkens“ ausschalten, um den Sturz zu verhüten.
Die Intelligenz seines rhythmischen Systems – Atmung und Kreislauf – ersetzt während seiner akrobatischen Übung diejenige des Gehirns.
Nun ist auch die Konzentration ohne Anstrengung die Verlegung des leitenden Zentrums des Gehirns in das rhythmische System – von dem Bereich des Mentalen und der Vorstellung in denjenigen der Moralität und des Willens.
Der Zustand der Konzentration ohne Anstrengung ist der Zustand des Bewusstseins, in dem das leitende Zentrum des Willens „herabgestiegen“ ist (in Wirklichkeit hat es sich „erhoben“) vom Gehirn in das rhythmische System und in dem die „Eigenregungen des Denkens“, weil sie zum Schweigen und zur Ruhe gebracht sind, nicht mehr die Konzentration hindern.
Die „Konzentration ohne Anstrengung“, d.h. wo es nichts mehr zu unterdrücken gibt und Sammlung ebenso natürlich wird wie die Atmung und das Schlagen des Herzens, ist der Zustand des Bewusstseins – des Denkens, der Vorstellung, des Gefühls und des Willens – in vollkommener Ruhe, begleitet von völliger Entspannung der Nerven und der Muskeln des Körpers. Sie ist das tiefe Schweigen der Wünsche, der Sorgen, der Vorstellungen, der Erinnerungen und des diskursiven Denkens.
Das Schweigen wächst, wächst immer mehr. Sein Anwachsen geschieht in regelmäßigen Wellen, welche eine nach der anderen unser ganzes Wesen durchströmen: eine Welle des Schweigens, gefolgt von einer anderen, tieferen Welle des Schweigens, dann eine noch tiefere Welle des Schweigens …
Im Anfang sind es Augenblicke, dann Minuten, dann Viertelstunden, die das völlige Schweigen oder „Konzentration ohne Anstrengung“ währt. Im Laufe der Zeit wird das Schweigen oder die „Konzentration ohne Anstrengung“ zum immer gegenwärtigen Grundelement in unserem Leben.
Es ist wie der ununterbrochene Gottesdienst in der Kirche, inmitten einer geschäftigen Stadt, währenddessen man außerhalb der Kirche arbeitet, Handel treibt, sich vergnügt, schläft, stirbt….
So ist es, als ob ein ununterbrochener Dienst des Schweigens sich in der Seele vollzieht und sich fortsetzt, selbst wenn man tätig ist, wenn man arbeitet, und wenn man sich unterhält.
Wenn diese „Zone des Schweigens“ sich einmal hergestellt hat, nähern Sie sich, sowohl in der Ruhe als auch in der Arbeit, mit riesigen Schritten dem universellen Bewusstsein und seinen Informationen.
Man muss mit sich selbst eins sein und zugleich eins sein mit der geistigen Welt, damit eine offenbarende oder verwirklichende geistige Erfahrung stattfinden kann. Dadurch werden wir zum Menschen, der die Harmonie und das Gleichgewicht zwischen der Spontaneität des Unbewussten und der gewollten Handlung des Bewusstseins erreicht hat. Unser Bewusstseinszustand ist dann die Synthese von Bewusstsein und Unbewussten, von schöpferischer Spontaneität und ausführender, gewollter Handlung.
Nun, Tomáš Sedláček hat nach meinem Empfinden diesen Bewusstseinszustand längst erreicht und die Informationen des universellen Bewusstseins in sein Buch „Die Ökonomie von Gut und Böse“ einfließen lassen.
Zum Schluss möchte ich ihn dies mit seinen eigenen Worten ausdrücken lassen:
„Wir haben einen Leib und eine Seele, wir sind spirituelle und materielle Wesen zugleich. Aus einem extremen Blickwinkel betrachtet sind diese Positionen beide unmenschlich, in bestimmtem Sinne sogar tödlich. Ohne das Materielle werden wir sterben, ohne das Spirituelle werden wir aufhören, Menschen zu sein. Beide Aspekte sind wichtig, doch es muss definitiv nicht so sein, dass der eine auf Kosten des anderen geht, wie oft gesagt wird. Wir dürfen allerdings auch nicht glauben, dass diese beiden Aspekte voneinander unabhängig sind und sich nicht gegenseitig beeinflussen.“
Zur Ergänzung: „Die Ökonomie von Gut und Böse“
Sehr empfehlenswerte Literatur zum Thema:

Zu Hause im Universum: Die neue Vision der Wirklichkeit

cover_zu_hause_im_universumDas Buch (u.a. Grundlage dieses Beitrages) beschreibt die Ursprünge und wesentlichen Elemente der Idee eines auf Information und Energie gründenden Universums und erkundet, wie und warum es in Physik und Kosmologie, in den Biologiewissenschaften und in dem neuen Feld der Bewusstseinsforschung zum Vorschein kommt. Es unterstreicht die zentrale Eigenschaft der Theorie, die revolutionäre Entdeckung, dass die reale Welt in einem verbindenden, Information erhaltenden und Information übermittelnden kosmischen Feld wurzelt.

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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3 Antworten zu Der Mensch wird durch sich getäuscht und aufgeklärt

  1. Pingback: Annäherung an das universelle Bewusstsein … | Der Mensch - das faszinierende Wesen

  2. www.gold-dna.de schreibt:

    Vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel, der verdeutlicht, dass zwischen Wirklichkeit und Realität in der Tat unzählige mögliche Welten liegen.

    In diesem Zusammenhang noch eine weitere Buchempfehlung:
    http://www.amazon.de/Sri-Aurobindo-oder-Abenteuer-Bewusstseins/dp/3873481669/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1386835022&sr=8-1&keywords=satprem+bewusstsein

    Gruß

  3. Pingback: Der Transformations-Prozess schreitet unaufhaltsam voran | Akademie Integra

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