Die NATO ist eine Agressionsmaschine geworden

Danke Lisa Fitz für Deine deutlichen Worte !!!

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Zeitungsleser: das Aussterben einer Gattung

 Jürg Müller-Muralt, „infosperber“
Ein kluger, leicht wehmütiger Abgesang auf die Zeitung – verfasst von einem Internet-Pionier.
Das machen wahrscheinlich nicht viele Leute: Eine Zeitung kaufen, die sie nicht lesen können. Claus Peymann macht es. Peymann ist Regisseur und künstlerischer Leiter des Berliner Ensembles und kauft in jeder Stadt, in der er sich aufhält, eine Zeitung, selbst dann, wenn er ihren Inhalt nicht versteht, wie etwa in Moskau oder Tokio. Durch die Zeitung atme er den Geist einer Stadt ein, sagt er. Der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard wiederum reiste vor Jahrzehnten 350 Kilometer durchs Land, um eine bestimmte Ausgabe der NZZ zu erstehen, nur weil diese in der engeren Umgebung gerade nicht mehr erhältlich war.
Poetische Huldigung
Nachzulesen ist das alles im Büchlein «Der letzte Zeitungsleser» von Michael Angele. Der Titel lässt es erahnen: Es ist eine Hommage an die gute, alte Zeitung, denn der Autor weiss: «Die Zeitungssüchtigen sterben langsam aus». Das ist zwar keine neue und schon gar keine originelle Erkenntnis, und es ist auch schon sehr viel darüber geschrieben und debattiert worden. Doch noch kaum je ist der Zeitung als Lebensform derart poetisch gehuldigt worden. Und zwar nicht von einem hoffnungslosen Nostalgiker, der die Zeichen der Zeit nicht versteht und sich mit Händen und Füssen gegen technische Neuerungen wehrt, sondern von einem medialen Internet-Pionier. Angele war Ko-Chefredaktor der «Netzeitung», der ersten deutschen Internetzeitung; heute ist er stellvertretender Chefredaktor der deutschen Wochenzeitung «Der Freitag».
Ein Gedankenspaziergang
Michael Angele hat keinen Beitrag zur Medienwissenschaft geschrieben, auch nicht zur Medienpolitik oder zur Debatte um den Service public. Es ist ein Essay eines phasenweisen weit aus- und abschweifenden Beobachters, eines assoziativ-verspielten Gedankenspaziergängers, der sich und uns bewusst macht, was wir mit dem Verlust des raschelnden Mediums verlieren – wenn es denn tatsächlich dereinst dazu kommen sollte. Die Zeitung ist nicht nur eine bestimmte Form der journalistischen Nachrichtenübermittlung, sondern eine kulturelle Erscheinung. Schon nur die Präsenz der Zeitung im öffentlichen Raum unterscheidet sich fundamental von der individuell abgeschotteten Lektüre der News auf dem Smartphone. Es sieht keiner, auf welcher News-Plattform ich im Restaurant gerade herumsurfe; aber wenn ich öffentlich eine bestimmte Zeitung lese, dann gebe ich ein klein wenig von mir preis. Und nur die bereitliegende Zeitung, die lokale und die internationale, signalisiert in der Lobby eines anspruchsvollen Hotels so etwas wie Weltläufigkeit.
Es sind diese kleinen anekdotischen und pressephilosophischen Beobachtungen, welche die Lektüre zu einem Gewinn machen. Etwa wenn der Autor lapidar feststellt: «Die meisten Versuche zur Rettung der Zeitung gehen davon aus, dass die Menschen eine Zeitung lesen wollen. Dass sie sich eine Zeitung besorgen, bloss um sie lesen zu können, wird nicht bedacht, es würde ja auch ein wenig ratlos machen. Aber es ist in vielen Fällen so». Denn kaum jemand liest die Zeitung lückenlos von vorne bis hinten; wenn man an zwei, drei oder vielleicht vier grösseren Beiträgen hängenbleibt, ist es viel. Aber man sucht auch nicht in jedem Fall die News, den tiefschürfenden Hintergrund, den luziden Kommentar oder die kluge Analyse. Wenn gerade nichts Anderes aufzutreiben ist, gibt sich die Leserin, der Leser, auch mit dem Amtsanzeiger zufrieden, und man liest die dürren Mitteilungen «als wären es Aphorismen.» Passiert einem nur im gedruckten Anzeiger.
Axiome hinterfragt
Michael Angele stellt auch einige Axiome des heutigen Journalismus in Frage. Eines dieser Axiome kristallisiert sich im «Info-Kasten». Doch «zu viele Verstehenshilfen sind der Tod des leidenschaftlichen Zeitungslesens», findet Angele. Der Trend zur totalen Verständlichkeit ist ihm ein Gräuel: «Kein Rest an Fremdheit soll bleiben, es könnte die Leser abschrecken. Vor lauter Angst, den Leser anzustrengen, vergisst man, ihn anzuregen». Der Leser, die Leserin, muss abgeholt werden, man muss ihm und ihr die Zugänge erleichtern, und «er muss immer irgendwo ein Bild sehen, sonst wird er unruhig. So denken sie (die Zeitungsmacher; J.M.). Sie stellen sich den Leser als grosses Kind vor: etwas begriffsstutzig, dabei nicht gutmütig, sondern reizbar und schnell beleidigt, das Abo praktisch schon gekündigt.»
Verengung der Sicht im Internet
Es ist also das leicht Elitäre, das den passionierten Zeitungsleser in den Augen von Angele charakterisiert. Und dieser gehört meist auch zur Gattung der Sammler, weil er nicht selten Zeitungsseiten herausreisst, die er dann am Sonntag lesen will. Doch da es jetzt auch Sonntagszeitungen gibt, die meist dicker sind als jene unter der Woche, geraten die Sammlerinnen und Sammler in manchmal hoffnungslosen Rückstand. Überhaupt, der Umfang: Wenn er zu gross ist, kann die Zeitung auch zur Belastung werden: «Anstelle des guten Gefühls, viele Möglichkeiten zur Lektüre zu haben, tritt das schlechte Gewissen. Anstelle der Freude einer Entdeckung, und das ist ja eigentlich, was eine Zeitung gewähren soll und was sie zu einem kleinen Abenteuer des Geistes macht, tritt die Last des Pensums.» Ein Problem, das man beim Medienkonsum im Internet nicht hat: Man hat die unendlich viel grössere Stoffmenge nie physisch vor sich. Aber paradoxerweise führt die Unendlichkeit des Netzes beim Nutzer eher zu einer thematischen Verengung als zu einer Ausweitung des Horizontes.
Ein auch ästhetisch schönes Denkmal
Wie lange es die Tageszeitung noch macht, lässt Michael Angele offen. Jahre? Vielleicht gar Jahrzehnte? Selbst eine kleine Renaissance will er nicht ausschliessen. Aber eines ist für ihn sicher: Sie verschwindet irgendwann. «Daran zweifelt keiner. Aber nicht jeder erkennt den Verlust, den dieses Verschwinden bedeutet». Mit seinem Büchlein hat Michael Angele, wenn es denn einmal soweit sein sollte, der Lebensform Zeitung schon heute ein schönes Denkmal gesetzt. Übrigens auch ein ästhetisch schönes Denkmal, das sich grafisch an das Medium anlehnt, indem die Buchseiten im Spaltenformat der Zeitung daherkommen.
Michael Angele: «Der letzte Zeitungsleser», Verlag Galiani, Berlin 2016, 153 Seiten
Originaltext
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Rezepte gegen die Angst – Bilderfasten

von Prof. Harald Walach
Ich hatte das große Privileg, in meiner Studienzeit im Jahr 1980/81 die hervorragende japanische Logikerin Hide Ishiguro vom University College London als persönliche Tutorin zugeteilt zu bekommen. Ich musste mit meinem Kollegen wechselweise Texte lesen und dazu Kurzreferate vorbereiten. Einmal erzählte sie uns eine Geschichte, die mir hängenblieb: Als in Japan durch europäische Händler im 16. Jahrhundert Feuerwaffen eingeführt wurden, veränderte sich das Kriegswesen. Einige Schlachten waren so brutal – etwa die, die in Akira Kurosowas Film Kagemusha erzählt wird – dass Japan sich mindestens für eine kurze Zeit darauf einigte, die Feuerwaffen zu bannen. Das ist ein interessantes historisches Beispiel dafür, dass eine vermeintlich unumgängliche technologische Revolution rückgängig gemacht werden kann, weil man verstanden hat, dass sie verheerende Folgen hat. Wir wissen, dass das leider nicht auf Dauer war. Aber es ist möglich.
Kann eine vermeintlich unumgängliche technologische Revolution rückgängig gemacht werden?
Mir fiel die Geschichte jüngst wieder ein angesichts der terroristischen Attentate in Frankreich und Deutschland, die nichts anderes sind als eine Verlängerung des aberwitzigen Krieges, den IS und Co. im Nahen Osten führen und den man wiederum als Reaktion auf die vom Westen ausgehende Destabilisierung der Region sehen muss. Wir denken zwar, dass dieser Krieg bei uns in Europa mit Sprengstoff, Waffen, Autos, Messern, Äxten und Blut geführt wird. In Tat und Wahrheit wird er aber mit Bildern geführt.
Die Attentäter und vermeintlichen Glaubenskrieger spekulieren nämlich darauf, dass der Schrecken, der wahrlich groß genug ist, wenn zig Menschen sterben oder verletzt werden, dadurch potenziert wird, dass die Bilder, die dabei entstehen, millionenfach um die Welt gehen. Aufgenommen als private Videos von unfreiwilligen Möchtegernreportern, die gerade vor Ort sind, von Fernsehteams, die das Ganze noch mit offiziellem Segen krönen und in die Nachrichten strahlen, Gruselunterhaltung rund um die Uhr für jedermann.
Und so gelangt das, was die Attentäter eigentlich wollen, überall hin.
Und so gelangt das, was die Attentäter eigentlich wollen, überall hin: Angst und Schrecken verbreiten, damit wir von uns aus das tun, was ihnen nie gelingen kann. Nämlich unsere freiheitliche Ordnung und Lebensart, die wir uns über unsere eigenen historischen Kriege und politischen Auseinandersetzungen über Jahrhunderte mühsam errungen haben, einzuschränken. Die damit verbundenen Tugenden von Offenheit, Hilfsbereitschaft, Menschlichkeit, Freiheit und Toleranz einzuschränken.
Das kann keiner Terrororganisation mit direkten Interventionen von Gewalt und Kampf gelingen, weil ihnen dazu die nötige Schlagkraft und Mannschaftsstärke fehlen. Aber das könnte ihnen gelingen, wenn es sie es schaffen, in uns die Saat für Angst so zu legen, dass wir diese Tugenden freiwillig opfern. Aus Furcht und Sorge. Dann stehen wir am Ende genau so da in den Augen der Welt, wie sie uns zeichnen wollen und sehen: finster, menschenfeindlich, selbstsüchtig und egoistisch, nur auf den eigenen Profit bedacht.
Die Waffen, mit denen das für sie erreichbar ist, sind die Bilder.
Die Waffen, mit denen das für sie erreichbar ist, sind die Bilder. Bilder, die mehr oder weniger unvermeidbar entstehen und solche, die mit Absicht erzeugt werden, entweder von den Terroristen selber oder von unseren Medien. Die freie Information und die Pressefreiheit, die in der Tat ein extrem hohes Gut sind, wenn man an die Geschichte von Fouché, über Metternich und Hitler denkt, sie kehren sich in einer perfiden dialektischen Bewegung genau gegen das, was sie eigentlich schützen sollen: nämlich die freiheitliche Grundordnung.
Denn sie erst bringen die Bilder des Grauens in jedermanns Wohnzimmer und in aller Leute Köpfe. Bei Qualitätsmedien bemerkt man in letzter Zeit, dass sie sehr sorgsam mit den Bildern umgehen, die sie publizieren, gottseidank. Aber was ist mit den Bildern, die in den marktschreierischen Kanälen des Unterhaltungs-Nachrichtenmedienrummels transportiert werden? Mit den Bildern, die durch soziale Netze und das Internet geistern? Mit den Bildern, die durch rasche und hektische Whatsapp-, Facebook- und Twittertexte in den Köpfen der Leser entstehen?
Die ungefilterten Bilder transportieren ohne Denkpause direkten, ungefilterten Affekt.
Sie transportieren ohne Denkpause direkten, ungefilterten Affekt. Sie sind es, die als verkappte Zeitbomben in die Wohn- und Schlafzimmer, in die Schul- und Kinderzimmer gleiten und eine verspätete, stille Explosion auslösen. Sie erzeugen Angst und Schrecken. Und genau das ist die Kriegsstrategie derer, die das Tableau für die Bilder liefern.
Wie kann man sich dagegen schützen? Durch Enthaltsamkeit und Bilderfasten. Schalten wir den Fernseher ab und greifen zu einer Zeitung, um so die invasive Kraft schrecklicher Bilder zu bannen! Tun wir den Schergen des Grauens nicht den Gefallen, uns ihre Videoschnipsel auf Youtube und ihren Webseiten anzusehen! Und unterlassen wir es, die Bilder, die uns zuflattern weiterzuleiten in der irregeleiteten Meinung, damit der Aufklärung und der Information zu dienen! Wenn wir damit irgendwem dienen, dann denen, die uns Schrecken einjagen wollen.
Der Fernseher hat einen Ausschaltknopf.
Die wirksamste Methode gegen die Angst ist in diesem Falle, die Technologie, die uns die Angst frei Haus liefert, abzustellen und zu ignorieren. Das kann jeder und keiner muss mit den Fingern auf die bösen Medien oder auf das schlimme Internet zeigen, die uns mit Bildern bombardieren. Der Fernseher hat einen Ausschaltknopf. Der PC auch: Das Internet stellt seine Schattenseiten nur dem zur Verfügung, der sie sich auf den Schirm holt.
Dennoch würde ich mir wünschen, dass die Medien den Attentätern den Gefallen nicht tun, ihre Taten auf den Titelseiten reich bebildert breitzutreten. Eigentlich gehören sie dorthin, wo sonst Meldungen darüber stehen, dass in Darfour wieder mal 200 Leute getötet oder in den Philippinen eine Fähre mit 400 Leuten an Bord gesunken oder in Brasilien Goldschürfer ein Gebiet so groß wie Bayern mit Queckilber verseucht haben oder in Eritrea 200.000 Menschen vom Hungertod bedroht sind.
10-Zeiler in einer Viertelkolumne, ohne Bild. Das würde funktionieren, wenn wir einen gesellschaftlichen Konsens darüber hätten, dass man niemandem den Gefallen tun darf, mit Bildern und Berichten über seine aberwitzigen Taten auch noch Werbung für ihn zu machen. Wenn es ein Tabu wäre, aus solchen Ereignissen politisches Kapital für eigene Positionen zu schlagen. Weil das vermutlich illusorisch ist, bleibt uns nur eines: selber unsere Freiheit zu nutzen und Enthaltsamkeit zu üben. Bilderfasten, Nachrichtenfasten – auch das gehört zu einer Kultivierung des Geistes.
Originaltext
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Rezepte gegen die Angst – Transformation durch Verzicht.

Eine Besprechung von Stefan Brunnhubers Buch „Die Kunst der Transformation“
von Prof. Harald Walach
Dass wir in Krisenzeiten leben, braucht nicht extra gesagt werden, auch nicht, dass wir für die Überwindung der Krisen eigentlich keine guten Rezepte haben. Aber was wir wirklich benötigen ist eine zusammenschauende Analyse der verschiedenen Krisen, der partikularen Lösungsansätze und daraus entwickelt einige Ideen, die wirklich funktionieren könnten. Wenn wir uns das nachhaltige Überleben der Menschheit als Ziel überhaupt vorstellen können.
Das ist es, was Stefan Brunnhuber in seinem Buch „Die Kunst der Transformation“ tut. Er zeigt auf, dass die scheinbaren Teilkrisen – die Big 7, wie man sie nennt – alle zusammengehören und aus einem „Bewusstseinsschwerpunkt“ erwachsen, der zu wenig das Ganze, also den Bezug zu anderen Bereichen unseres Lebens, unserer Welt in den Blick nimmt. Daher ist das Veränderungsrezept klar: Wir benötigen eine Transformation dieses Bewusstseinsschwerpunktes, individuell und kollektiv, hin zu einer integralen Sicht und daraus resultierend eine Veränderung der privaten und gesellschaftlichen Praxis.
Eine andere Alternative scheint nicht in Sicht zu sein. Denn – und hier ist Brunnhubers Analyse messerscharf – all die anderen vorgeschlagenen Rezepte funktionieren nur in Teildomänen und haben auf lange Sicht und aufs Ganze gesehen verheerende Auswirkungen.
Die Big 7, die sieben großen Themen der Zukunft, sind
• die Überwindung absoluter Armut = Entwicklungsgerechtigkeit
• der Ausgleich sozialer Polaritäten = soziale Gerechtigkeit
• der Erhalt der Biodiversität = ökologische Gerechtigkeit
• die Vermeidung einer Klimakatastrophe = Generationengerechtigkeit
• die Erhöhung des globalen und lokalen Bildungsstandes = Bildungsgerechtigkeit
• die Verbesserung des Gesundheitszustandes der Weltbevölkerung = gesundheitliche Gerechtigkeit
• die nachhaltige Energieversorgung der Menschheit = Ressourcengerechtigkeit.
Fairerweise muss dazu gesagt werden, dass die Interpretation der Themen als verschiedene Formen der Gerechtigkeit von mir stammt, aber so wird der Zusammenhang noch deutlicher. Denn alle Themen, das macht das Buch sehr klar, hängen zusammen und jedes Thema hat einen Einfluss auf die anderen.
Dabei haben die sozialen Formen der Gerechtigkeit klarerweise Vorrang vor ökologischen. Bewusstsein für die Umwelt kommt erfahrungsgemäß ohnehin erst dann auf, wenn die menschlichen und sozialen Grundbedürfnisse erfüllt sind.
Was nun das Buch aus meiner Sicht so speziell und damit bedeutsam macht ist die Zusammenschau und der detaillierte Aufweis, dass Teilrezepte, die in einem Bereich funktionieren mögen, negative Auswirkungen auf andere Bereiche haben können. Wenn man beispielsweise durch ökologisch motivierte Innovation – green technology – allein, wie das manche in Deutschland gut finden, mit Blick auf die Klimaziele Wachstumsimpulse für die Wirtschaft setzt, so führt dies zu einer Verbilligung von kohlenstoffreicher Primärenergie. Das kann man derzeit beim Ölpreis beobachten. Das wiederum regt insgesamt zu mehr Konsum von Öl an, was zwar anderswo die Wirtschaft wachsen, aber die Klimaziele global verfehlen lässt. Solche Rebound-Effekte zeigen, dass Insellösungen nicht die Antwort auf die Probleme sind. Also muss man alle Themen gemeinsam in ihrer Verflechtung sehen und einen Ansatz suchen, der insgesamt tauglich ist.
Diesen Ansatz findet Brunnhuber darin, dass er einen Wandel des Bewusstseins einfordert. Denn ein Wandel von Bewusstsein ist die Basis. Das reicht aber nicht, denn
„ein isolierter Bewusstseinswandel ohne einen Wandel von Technologie, Praxis und Governancestruktur ist einsam und stumpf, da er ohne Konsequenzen bleibt. Technologiewandel ohne Wandel der Governance-Struktur ist blind, eine Veränderung der sozialen Praxis ohne Bewusstseinsentwicklung ziellos und die Entwicklung von Governance und Institutionen ohne Bewusstseins- und Technologiewandel leblos.“ (S. 78)
Genau diese Multiperspektivität macht das Buch so wertvoll und komplex. Es versagt sich die martkschreierische „Ich weiß wie es geht“ Propaganda des Strandlektüre Buches und nimmt den Leser auf eine komplexe Reise mit. Die Landkarte für diese Reise stammt von Ken Wilber, dessen Aufforderung zum Integralen Denken in allen vier Quadranten die Blaupause für Brunnhubers Ideen liefert. Aber die Reiseroute, die Lokaltermine, also die Fakten, sind sehr genuin und in dieser Weise meines Wissens nirgends zusammengetragen. Die Vier-Quadranten-Struktur zeigt sich darin, dass alle Veränderungen sowohl individuell als auch kollektiv sein müssen, dass sie sowohl in der Innensicht – also dem individuellen Bewusstsein und dem kollektiven Bewusstsein, der Kultur – sichtbar werden müssen, als auch in der Außensicht, also im individuellen Verhalten und den kollektiven Strukturen.
Diese Struktur wendet Brunnhuber auf seine Grundthese an. Sie lautet:
„Governancestruktur, Bewusstseinslage, soziale Praxis und technologische Errungenschaften fallen so lange auseinander, solange es nicht gelingt, deren psychologisches Missing Link hinreichend zu formulieren.“ (S. 28)
Das Problem sieht er im Wachstumszwang, der vom implizit geltenden Primat der Ökonomie verordnet wird. Dementsprechend sorgfältig analysiert er geltende ökonomische Prinzipien und zeigt, wie schwach deren Fundamente sind und vor allem, wie wenig sie unsere eigentliche psychologische Natur berücksichtigen. Denn diese sei viel leichter durch Kategorien wie „Verzicht, Weniger, Balance, Unterscheidung und Weglassen“ (S. 28) beschreibbar.
Auf die Beschreibung der Forschungsergebnisse, die diese Analyse stützen, verwendet Brunnhuber viel Zeit und Aufmerksamkeit, so dass die Lektüre des Buches für jeden viele Erkenntnisse und Überraschungen bereithält. Für Leute wie mich, die die psychologischen Hintergründe relativ gut kennen, sind die ökonomischen und sozialen Analysen sehr einsichtsvoll und bereichernd. Für ökonomisch gebildete Leser wäre wohl der Anschluss an die Psychologie und klinische Psychiatrie sehr erhellend.
Das Rezept, das Brunnhuber aus seinen Erkenntnissen destilliert und das er manchmal fast etwas verschämt und versteckt präsentiert – vermutlich, um skeptischen oder weniger offenen Lesern nicht gleich die Laune zu verderben und so möglichst lange bei der Stange zu halten:
Verzicht, statt immer währende Suche nach neuen Konsumgütern oder ökonomischen Wachstumsphantasien;
Fasten, statt Konsum komplexer Gesundheitsleistungen;
Balance im Zeitbudget, statt dauernde Beschleunigung;
Meditation, Achtsamkeit und radikale Konzentration aufs Wesentliche, statt sich in der Welt der Hypertechnisierung zu verlieren.
Man könnte auch sagen: es ist eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte und Tugenden. Die aber – im Gegensatz zu vielen Besinnungs- und Selbsthilfebüchern – argumentativ aufs Beste gestützt ist durch kenntnisreiche Lektüre neuer Literatur aus allen relevanten Sachbereichen. Die daher auch einen Sog entfaltet, der ernsthaften Lesern am Ende kaum eine Wahl lässt, als Brunnhubers Analyse zuzustimmen.
Man hätte sich am Schluss vielleicht noch ein Kapitel mit Konkretisierungen gewünscht, mit Vorschlägen und Ideen, wie das alles gehen soll. Aber das ist vielleicht Material für Workshops oder ein Folgebuch mit Praxisideen, denn das Buch ist mit seinen knapp 300 Seiten Text schon dick genug. 261 Anmerkungen führen die Argumentation in Spezialbereiche oder geben Hinweise zu ca. 320 Literaturzitaten, die das Argument stützen. Vieles, was aus Brunnhubers eigentlichem Spezialgebiet stammt – Medizin, Psychologie, Psychiatrie und Ernährungswissenschaften – führt er gar nicht erst an, vermutlich weil es ihm ohnehin klar ist, oder der Apparat nicht zu überladen werden sollte.
Dafür sind gerade die Argumente, die sich auf Ökonomie, Ökologie und Politik beziehen sehr gut gestützt und mit Referenzen unterlegt. Für einen solchen transdisziplinären Blick auf ökonomisch-politische Argumente, wie sie die Wirklichkeit in unseren Gesellschaften gestalten, benötigt man wahrscheinlich auch einen solchen frischen, unverstellten Blick aus der Warte eines Psychologen und Psychiaters: um zu erkennen, wie nackt der immer wieder von unseren politischen und ökonomischen Eliten eingekleidete Kaiser wirklich ist. Und Brunnhubers Buch ist der lange Finger des Buben der hinzeigt und sagt: „seht her, der Kaiser ist nackt“.
Das ist eine undankbare, aber höchst nötige Rolle, und es ist Stefan Brunnhuber zu danken, dass er sich davor nicht gedrückt hat. Seine Mitgliedschaft im Club of Rome und der Europäischen Akademie der Wissenschaften haben ihm dafür offenkundig sowohl das nötige Fingerspitzengefühl als auch die transdisziplinären Kontakte verschafft.
Damit ist dieses Buch ein außerordentlich wertvoller Diskussionsbeitrag, dem eine weite Verbreitung zu wünschen ist. Jeder, der mit Menschen arbeitet, jede, der unser Gemeinwesen ein Anliegen ist und alle, die sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgen, sollten das Buch lesen.
Für alle anderen ist es ein gutes Rezept gegen die Angst. Denn es zeigt einen konkreten Weg, den jeder gehen kann: seinen eigenen Lebensstil überdenken und überlegen, wo Verzicht vielleicht zu mehr Freiheit führen kann.
Link zum Buch
[1] Stefan Brunnhuber: Die Kunst der Transformation – Wie wir lernen, die Welt zu verändern. Freiburg: Herder, 2016, 334 Seiten, 24,99 Euro. ISBN 978-3-51-60003-6
Originaltext
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CETA – Biegen oder brechen?

320.000 Menschen: Stimme erheben, nicht abgeben

von U. Gellermann, „Rationalgalerie“
Da kamen sie: Frauen und Männer, Alte und Junge, auch Babys wurden gehört. Vom Berliner Alexanderplatz aus strömten sie zum Start der Demonstration gegen TTIP und CETA gegen Konzerne und für Demokratie. Ausgerechnet über die Karl-Marx-Allee. Ein Strom der elektrisierte. Und zeitgleich strömten sie auch in Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart. Sogar in Wien, Linz, Graz, Salzburg und Innsbruck waren sie parallel unterwegs. So hatte sich der Führer den Anschluss nicht vorgestellt. – Am 22. und 23. September treffen sich in Bratislava die EU-HandelsministerInnen und wollen dort den Beschluss zur Unterzeichnung des CETA-Vertrags auf den Weg bringen. Scheissegal, denken sie, was ihre Völker so denken. Da dachten manche Völker doch glatt: DENKZETTEL!
Mit Demokratie hat das TTIP-CETA-Gewürge der Eurokratie, sponsored by USA, natürlich nichts zu tun: In den deutschen Umfragen gab es eine vernichtende Mehrheit von 70 Prozent gegen die Freihandelsverträge. Gegen CETA reichten die Gegner jüngst Verfassungsbeschwerde ein – mit mehr als 125.000 Klägern ist ihr “Nein zu CETA“ die größte Verfassungsbeschwerde, die es jemals gab. Nur mit faulem Zauber können Befürworter der Ausbeuter-Verträge ihre eigene Gefolgschaft überzeugen: Sigmar Gabriel, sozialdemokratischer Trickbetrüger, ließ sein altes JA zu TTIP verschwinden, Simsalabim, um aus der anderen Tasche CETA rauszujubeln: Das sei viel besser, obwohl das gleiche Zeugs drin steht, Simsalabumm, so will er seinen SPD-Parteikonvent zum Kaninchen machen. Und aus der zersägten Kiste meldet sich Steinbrück (Wer? Der mit der Fahrradkette!) und sagt mit Grabesstimme: „Für meine Partei wäre es fatal, wenn wir Sozialdemokraten uns in die Reihen der Freihandelsgegner eingliedern“. Dieses düstere Krächzen des ewigen Verlierers sollte eigentlich jeden Sozialdemokraten endgültig gegen CETA bewegen.
Vorne vor dem großen Demonstrations-Strom in Berlin standen auf Traktoren ein paar dicke blaue Plakate: „Hier ist kein Platz für Rassismus, Rechtspopulismus und Antiamerikanismus.“ Mmhm, landläufig nennen Regierung und angeschlossene Medien genau die, die gegen Freibeuter-Abkommen sind oder auch gegen US-Kriege „antiamerikanisch“. Was nun? Musste sich die Demonstration auflösen? Ach nee, meinte der Pressesprecher hinter der Bühne, mit „antiamerikanisch“ ist die AfD gemeint. Aha. Die AfD ist für die NATO, also antiamerikanisch? Ach nee, meint der Pressesprecher, mehr so allgemein. Das meinte auch der Kollege aus der ersten Demo-Reihe von der IG Bau: Mehr so allgemein. – Im Strom: Keine AfD. Aber ein Motorradgespann: Voller US-Flaggen mit Totenköpfen statt der Sterne. Das ist doch!? Ja, ein altes MZ-Motorrad-Gespann aus Zschopau. Die MZ war doch!? Ja, aus der DDR. Die war natürlich schwer antiamerikanisch. Weiter im Strom: Gute Gesichter, fröhlich, eher aufgeschlossen als geschlossen die Reihen. Hie und da wird getanzt. Ist Salsa antiamerikanisch? Na klar, sagte einer der Tänzer, lateinamerikanisch eben! Ach so.
Es grüßten per Transparent der „Berliner Landesmusikrat“, diverse Gewerkschaften, die LINKE, die GRÜNEN, die Naturfreunde. Längst hatte der Regen nachgelassen. Kiek mal: Der ist auch dabei, und die und der da auch. Und noch mehr und noch mehr. Widerstand macht gute Laune. Sichtbar auch auf den Gesichtern von Gerti und Ute, den Hüterinnen der legendären Berliner Medienkneipe „Florian“. Ja, wenn der Widerstand die Berliner Szene erreicht hat, wer soll dem noch widerstehen wollen? – „Jetzt sind es 320.000 Teilnehmer in ganz Deutschland bei den Anti-CETA-Demonstrationen“, sagt der Pressesprecher der Demo und grinst infernalisch über das ganze Gesicht. – Was meldet die TAGESSCHAU als erstes? Die Polizei sage, die Teilnehmer-Zahlen blieben nach iher Einschätzungen hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Das ist gut pro-amerikanisch. Die von der TAGESSCHAU hätten also an der Demonstration durchaus teilnehmen dürfen.
Was nun? Wird die Eurokratie den Hinweis von den Straßen lesen wollen, lesen können? Wird man den Widerstand so lange biegen – über dem Dampf der Massenmedien, im Gequatsche der Hinterzimmer, über dem Feuer aus dem Geld des Lobbyismus – bis er sich den scheindemokratischen Entscheidungen der Gremien anpasst? Oder werden die Menschen auf den Straßen und Plätzen sich nicht biegen lassen? Lieber mit der Gewohnheit brechen und wieder und wieder aufbegehren, in der besten Schule der Demokratie, außerhalb der Parlamente, auf den Straßen, versteht sich. Da wo man lernt für sich selbst zu sprechen und nicht nur seine Stimme abzugeben.
Ach ja, Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus fanden anderntags auch statt. Die parlamentarische Demokratie hatte am Sonntag Ausgang. Und so sind die Wahlen dann auch ausgegangen: Wahrscheinlich wird es eine rot-rot-grüne Landes-Regierung geben. Eine parlamentarische Kompromissgeburt. Was wird das ändern? Der Verkauf von rund 61.000 landeseigenen Wohneinheiten an die Finanz-Spekulanten Cerberus und Goldman Sachs durch eine SPD-LINKE-Regierung im Jahr 2004 wird sicher unverzüglich rückgängig gemacht. Der Berliner Flughafen RBB, von der selben Rot-Rot-Regierung 2006 gestartet, wird dann gleich morgen eröffnet. Weihnachten und Ostern werden von der Koalition umgehend auf einen Tag gelegt.
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Am 17. September gilt: Alle auf die Straße!

CETA & TTIP STOPPEN! Für einen gerechten Welthandel!

Am 17. September um 12 Uhr:

Bundesweite Großdemonstrationen in Berlin, Frankfurt am Main, Köln, Stuttgart, Hamburg, Leipzig und München!

In sieben Städten demonstrieren wir am Samstag

zeitgleich gegen CETA und TTIP

Direkt vor der Woche der Entscheidung: Montags entscheidet die SPD auf ihrem Parteikonvent über CETA. Donnerstags muss Sigmar Gabriel beim Rat der Handelsminister in Bratislava entsprechend über das Handelsabkommen mit Kanada abstimmen. Wenn wir mit Hunderttausenden auf die Straße gehen haben wir eine riesige Chance, CETA zu stoppen – und damit auch TTIP.

Ein bundesweiter Trägerkreis aus 30 Organisationen ruft zu den Großdemonstrationen in sieben Städten auf – gegen CETA und TTIP und für einen gerechten Welthandel.

Wir treten ein für eine solidarische Welt, in der Vielfalt eine Stärke ist.

Auf unseren Demonstrationen gibt es keinen Platz für Rassismus, Rechtspopulismus und Antiamerikanismus.

Demonstrieren Sie mit!

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So geht’s nicht weiter

sagten 50 Förderer, Haupt- und Ehrenamtliche die sich im Juni 2016 zur zweiten „Postwachstumswerkstatt“ in der Greenpeace-Zentrale in Hamburg trafen und diskutierten: Wo kommt in unserem Alltag Wachstum vor? Wo können wir etwas verändern?
Und Greenpeace schreibt weiter:
Wohin wollen wir wirtschaftlich wachsen? Wie können wir Ressourcen sparen? Schwierige Fragen, die auch Greenpeace bewegen. Das Konzept „Gemeinwohlökonomie“ könnte Antworten geben.
Die vergangenen Jahrzehnte haben viel zum Guten verändert: Das Umweltbewusstsein ist gestiegen, der Naturschutz hat bedeutende Fortschritte gemacht. Dennoch sind das Klima, die Meere und die Artenvielfalt bedrohter denn je. Nach mehr als 40 erfolgreichen Jahren steht Greenpeace wie die gesamte Umweltbewegung vor dem Dilemma, dass sich trotz vieler Teilerfolge das Gesamtproblem eher verschärft hat.
Hauptursache ist der unaufhaltsam wachsende Ressourcenverbrauch und seine Auswirkungen auf die Umwelt – Folge einer auf Wachstum und Massenkonsum ausgerichteten globalen Kultur. Dabei wäre es ökologisch notwendig, den Ressourcenverbrauch zu drosseln und Wirtschaftswachstum um jeden Preis in Frage zu stellen. Das Konzept der Gemeinwohlökonomie bietet dazu einige Denkansätze.
Das Ziel von Greenpeace ist, unsere ökologischen Lebensgrundlagen zu erhalten. Deshalb ist es nötig, dass wir uns auch mit den tieferliegenden Ursachen ihrer Zerstörung beschäftigen. Wir tun dies derzeit auf unterschiedlichen Ebenen.
International…
Bei Greenpeace gibt es derzeit unter intensiver deutscher Beteiligung einen internationalen Diskurs, wie wir in unserer Arbeitsweise und bei unseren Kampagnen mit dem Thema Wachstum umgehen wollen. Wie werden wir in Zukunft Kampagnen gestalten? Welche tiefer liegenden Denkweisen und -strukturen müssen wir aufdecken und verändern? An welchen Stellen können wir am besten wirksam werden? Internationale Grundsatzbeschlüsse zu diesen und weiteren Fragen sollen noch in diesem Sommer gefasst werden; Ergebnisse erwarten wir für den Herbst 2016.
… und in Deutschland
Der Greenpeace e.V. will in einem ersten konkreten Schritt das eigene Handeln überprüfen und eine „Gemeinwohlbilanz“ erstellen: Diese stellt im Sinne der Gemeinwohlökonomie dar, wie stark ein Unternehmen oder ein Verein auf das Gesamtwohl der Gesellschaft wirkt. Unsere gesamte Arbeit steht dabei auf dem Prüfstand: von der Materialbeschaffung über den Umgang mit Mitarbeitern bis zur Wirksamkeit unserer Kampagnen.
In der Gemeinwohlökonomie geht es nicht um die Gewinnmaximierung einzelner Personen oder Gesellschaften, sondern darum, positiv auf das Wohl aller einzuwirken. Sie braucht deshalb neue Gradmesser für wirtschaftliches und gesellschaftliches Handeln: Ausgehend von den Werten „Solidarität“, „Menschenwürde“, „ökologische Nachhaltigkeit“ und „demokratische Mitbestimmung und Transparenz“ wird das Handeln untersucht und bewertet. Wir wollen uns mit diesem Messinstrument auseinandersetzen und durch die Erstellung einer eigenen Bilanz ganz konkrete Erfahrungen in der Anwendung sammeln.
Arbeiten in der Postwachstums-Werkstatt
Wir möchten aber nicht nur eine Bilanz aufstellen, sondern auch miteinander ins Gespräch kommen, um auszuloten, welche Veränderungen wir für nötig und machbar halten, und wo wir selbst Einfluss nehmen können. Hierzu haben wir Anfang März einen ersten Zyklus unserer „Postwachstumswerkstatt“ gestartet. Mit 50 Förderern, Ehren- und Hauptamtlichen haben wir Antworten auf folgende Fragen gesucht: Wo kommt in unserem Alltag Wachstum vor? Gibt es Bereiche, in denen Wachstum keine Rolle spielt? Wo sehen wir Veränderungsbedarf? Wo könnten wir etwas verändern? Wo hakt es dabei?
Es gibt großes Interesse an dem Thema, die Suche nach neuen Wegen hat begonnen. Greenpeace ist unterwegs – aber noch lange nicht am Ziel!
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cf-lachend-kleinInitiator der Projekte Demokratische Bank und Gemeinwohl-Ökonomie ist Christian Felber, geboren am 9. Dezember 1972 in Salzburg. Autor von zwölf Büchern, unterrichtet an der Wirtschaftsuniversität Wien, an der Universität Graz und ist UNESCO-Lehrbeauftragter sowie zeitgenössischer Tänzer und Performer.

Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist ein neues Wirtschafts-Modell. Die mitwirkenden Unternehmungen erstellen eine „Gemeinwohlbilanz“ (Gemeinwohl, was allen Menschen zugute kommt) ihrer Tätigkeiten. Sie ist ein bewusstes Gegenmodell zur üblichen Bilanz, denn neben Einnahmen und Ausgaben bewertet sie auch ökolo­gische und soziale Werte wie Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung. Die GWÖ und Christian Felber wird im AHS-Schulbuch für Geografie- und Wirtschafskunde neben Keynes, Hayek, Friedman, Marx als eine von 5 wichtigen Wirtschaftstheorien genannt.
Aus einem Dutzend Unterstützer-Unternehmen zu Beginn im Jahre 2010 sind mehr als 2100 geworden, fast 400 haben die Gemeinwohl-Bilanz erstellt, darunter, wie oben dargestellt, Greenpeace. Drei Banken haben bilanziert, ebenso drei Hochschulen, und gerade ist die erste Universität dabei (Barcelona).
Die Universität Barcelona hat auch einen Lehrstuhl GWÖ bei der UNESCO eingereicht. Die Fachhochschule Burgenland plant einen Master-Lehrgang GWÖ. Dutzende Gemeinden haben angedockt oder machen sich auf den Weg zur Gemeinwohl-Gemeinde. Weltweit sind 150 lokale Gruppen entstanden, allein 30 in Deutschland. 19 Vereine wurden gegründet, von Österreich bis Chile, der internationale Verband ist im Aufbau. Die GWÖ hat es in die Regierungsprogramme von Salzburg und Baden-Württemberg geschafft.
Der bisher größte politische Erfolg:
Der Europäische Wirtschafts- und Sozialaussschuss hat eine 10-seitige Stellungnahme zur GWÖ verfasst und mit 86% Stimmenmehrheit angenommen: die EU-Kommission möge die GWÖ in das EU-Recht einbauen.
Einige Zitate von Christian Felber zur Gemeinwohl-Ökonomie:
“Das schöne an der GWÖ ist, dass sie nicht zentral und spektakulär gelingt, sondern fein verteilt wie Goldstaub an 1000 Orten: in Form von Unternehmen, Vereinen, Projekten, Schulen, Universitäten, Gemeinden, Personen und Netzwerken, die in ihrem persönlichen Wirkungsradius zur Tat schreiten und zur Wandlung bereit sind. Das kann eine Gemeinwohl-Bilanz für ein Unternehmen sein, die Gründung einer neuen Unternehmung unter dem Gemeinwohl-Leitstern, ein Unterrichtsprojekt in einer Schule oder ein Forschungsprojekt an einer Universität. Es ist die Stadt Stuttgart, die 100.000 Euro für GWÖ – Projekte genehmigt hat oder die spanische Gemeinde Orendain, die alle BürgerInnen gefragt hat, ob sie sich auf den Weg zur Gemeinwohl-Gemeinde machen wollen. Knapp 90 Prozent haben mit Ja geantwortet. Irgendwann kommt der erste kommunale Wirtschaftskonvent und irgendwann die erste demokratische Verfassung, in der Geld als öffentliches Gut definiert ist. Von vielen Aktiven – UnternehmerInnen, BürgerInnen, KommunalpolitikerInnen, WissenschaftlerInnen – weiß ich, dass sie in ihrer Arbeit und ihrem Engagement spirituell motiviert sind. Einer von ihnen bin ich selbst.”
“Eine spirituell grundierte Ökonomie ist per definitio­nem gemeinwohlorientiert. Sie ist durchdrungen vom Geist der Ganzheit und der achtsamen Perspektive auf alle. Sie lässt keinen Wert unberücksichtigt und grenzt kein Lebewesen aus. Sie sorgt gleichermaßen für starke Bindungen und individuelle Freiheitsräume.
Spirituelle, von diesem Geist durchdrungene, von dieser Energie durchflossene Menschen agieren aus innerem Antrieb heraus, weil politisches Handeln ih­rem Herzen entspringt. Wer mit allem verbunden ist und mit allen fühlt, wird
  • Dinge nie nur um des Geldes willen machen,
  • nicht versuchen, sich auf Kosten anderer zu berei­chern,
  • keinen spekulativen und sinnlosen Tätigkeiten nachgehen,
  • die Schädigung von Grundwerten und Gemein­schaftsgütern vermeiden,
  • an der Errichtung einer Wirtschaftsordnung mit­wirken, die Gemeinwohl-Verhalten belohnt,
  • mitverantwortlich auf die Einhaltung der Regeln achten,
  • mit gutem Beispiel vorangehen, unabhängig vom Inhalt der Gesetze.”
Wann sagen sie:

So geht’s nicht weiter

Wann werden sie Mitglied der Gemeinwohl-Ökonomie
oder erstellen als Unternehmen / Institution / Verein eine „Gemeinwohlbilanz“ ?

 

Weitere (sehr empfehlenswerte) Informationen:
“Die Gemeinwohl-Ökonomie”, http://www.hanser-literaturverlage.de/autor/christian-felber/
“Die innere Stimme”, http://www.publik-forum.de
website Christian Felber: http://www.christian-felber.at/cv.php
website GWÖ: http://www.ecogood.org/de/
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Die Fliege und der freie Wille

Von Eduard Kaeser, „Journal21“
Die 2,5 x 0,8 mm kleine Schwarzbäuchige Taufliege (Drosophila melanogaster). Foto: André Karwath, Wikimedia
Die 2,5 x 0,8 mm kleine Schwarzbäuchige Taufliege (Drosophila melanogaster). Foto: André Karwath, Wikimedia
Der wissenschaftliche Blick sah im Naturgeschehen bisher nur Zufall oder Determination. Dass dies nicht reicht, zeigt sich nun auch im Labor.
Wir kennen Fliegen als Tiere von ziemlich beschränktem Verhaltensrepertoire. Wie sie da stur und unbelehrbar wiederholt an die Fensterscheibe bumsen, erscheinen sie uns als bedauernswerter Ausbund eines natürlichen Automaten, der nicht aus seinem programmierten Verhaltenskäfig ausbrechen kann. Und wir gratulieren uns, mit freiem Willen ausgestattet, unendlich erhaben zu sein über den immer gleichen Anläufen dieses dummen Insekts.
Womöglich tun wir der Fliege Unrecht. Sie agiert viel spontaner und variantenreicher als ein natürlicher Automat. Dies zumindest fand ein Team um den Zoologen und Neurobiologen Björn Brembs vor rund zehn Jahren heraus. Mit ihren Forschungsresultaten könnten sie der Diskussion um die biologischen Grundlagen des freien Willens einen neuen Dreh geben.
Der freie Wille und die Neurobiologie
Mit dem freien Willen hat die Neurobiologie ihre Mühe. Sagen wir es so: Es gibt Neurobiologen, welche die Existenz des freien Willens rundweg leugnen. Ihr Argument lautet: Wir finden mit unseren Methoden im Gehirn keinen empirischen Beleg für den freien Willen. Nun steckt in dieser Gedankenführung eine Prämisse, die das Resultat bereits vorwegnimmt: Der freie Wille lässt sich mit wissenschaftlichen Methoden im Gehirn entdecken. Und wenn man keine Evidenz für seine Existenz findet, bedeutet dies Evidenz für seine Nicht-Existenz.
Das ist ein patenter Fehlschluss, mit dem man alles Unliebsame wegeskamotieren kann. Er verrät auch eine ironische Rückbezüglichkeit. Diese Neurowissenschafter nehmen sich selbstredend die Freiheit (also ihren freien Willen) heraus, den freien Willen so zu definieren, dass er in ihrem Weltbild keinen Platz findet. Sie tun so, als ob sie nicht auch in dieses Weltbild gehörten.
Ein solches methodische Als-ob mag sogar bis zu einem gewissen Grad gerechtfertigt sein. Denn der naturwissenschaftliche Standardblick auf die Natur erkennt in ihr nur zufallsgesteuerte und determinierte Ereignisse. Wie es der philosophierende Molekularbiologe Jacques Monod auf die prägnante Formel brachte: Zufall und Notwendigkeit. Für alles dazwischen hat der Standardblick einen blinden Fleck.
Experimente im Verhaltenskäfig
Und genau für dieses Dazwischen interessieren sich Brembs und sein Team. Ihr ausgeklügeltes Versuchsarrangement ist von der Anlage her recht einfach zu verstehen. Sie klebten eine Taufliege mit dem oberen Teil des Kopfes via Kupferhäkchen an ein Drehmoment-Messgerät. Die Insekten-Probandinnen flogen also an Ort, aber sie konnten sich nach links oder rechts richten (sie sollten sich, laut Experimentatoren, nicht allzu „gestört“ fühlen). Das Messgerät zeichnete diese Links-Rechts-Bewegungen auf.
Hinzu kam, dass sich die Fliegen in einer völlig reizlosen Umgebung befanden, in einem Zylinder mit weissen Wänden, die quasi ein weisses Rauschen darstellten. Es gab keinen herausstechenden äusseren Input für das Insektenverhalten, im Besonderen auch nicht so etwas wie positives oder negatives Feedback. Die Anfangserwartung der Forscher war natürlich, dass sich die Fliege in ihrem experimentellen Gefängnis zufallsgesteuert verhalten würde. Das heisst, das vom Messgerät registrierte Muster sollte einem bekannten statistischen Muster („Verteilung“) ähneln, das man erhält, wenn man auf dem Computer Zufallsprozesse simuliert.
Zu ihrer Überraschung stellten die Forscher fest, dass das Muster der Fliegenbewegung mit keinem der computergenerierten Zufallsmuster übereinstimmte. Eher erinnerte es an die Suchprozesse beim Auffinden rarer Resourcen, wie man sie von anderen Arten kennt. Als ob die Fliege auf der Suche nach einem raren Reiz „von selbst“ eine Strategie entwickeln würde. Die Biologen interpretierten dies so, dass die Taufliege fähig ist zu einem spontanen – nicht von aussen bewirkten – und nicht-zufallsgesteuerten Agieren: zwei Merkmale, die man einem „freiwilligen“ Verhalten zubilligt.
„Freies“ Verhalten als Evolutionsvorteil
Das allein ist schon eine bemerkenswerte Beobachtung, legt sie doch nahe, dass Fliegen nicht blosse Verhaltensautomaten sind. Hier kommt aber auch der evolutionäre Gesichtspunkt ins Spiel. Nicht-Prognostizierbarkeit ist zum Beispiel bei Fluchtmechanismen vital. Der Hase, der vor dem Fuchs im zufälligen Zickzack weghoppelt, hat eine grössere Fluchtchance als jener, der sich auf eine vorhersehbare Weise bewegt.
Man hat zum Beispiel Wasserschlangen beobachtet, die auf der einen Seite des gejagten Fischs Wellen erzeugen und den Reflex des Fischs, nach der anderen Seite auszuweichen, nutzen, indem sie ihn genau auf dieser Seite erwarten. Zeigte der Fisch eine gewisse Variabilität in seinem Fluchtverhalten, erhöhte sich seine Überlebenschance. Eine Hypothese von Brembs lautet: Diese Variabilität entsteht in der Natur durch Ausprobieren und allmähliches Aussortieren von lebensdienlichem Zufallsverhalten. So entsteht, wie Brembs das nennt, eine „Grauzone“ des Verhaltens, ein „Mittelding zwischen Determinismus und Freiheit“.
Durch Evolution zum freien Willen?
Nun kann man sagen, das seien typische „Just-so-Storys“, wie sie Evolutionsbiologen gerne erzählen, um bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten einer Tierart plausibel zu machen. Das ist allerdings durchaus solides wissenschaftliches Vorgehen, stellt doch das Paradigma der natürlichen Selektion den grossen Erklärrahmen zur Verfügung, in den die Biologen die Naturphänomene hineinstellen. Warum also nicht auch den freien Willen?
Man muss hier indes semantische Vorsicht walten lassen. Die Forscher im Taufliegen-Experiment schreiben: „Die Konsequenzen unseres Resultats sind tief und könnten auf Anhieb widersprüchlich erscheinen: Obwohl im Ganzen deterministisch, falsifiziert unser Initiator das Konzept des Verhaltensdeterminismus (…) Er zeigt, dass echte Spontaneität sogar in Fliegen ein biologisches Charakteristikum darstellen.“
Der Ausdruck „Initiator“ kann leicht missverstanden werden: als ob die Fliege aus eigenem Antrieb ihre Aktionen initiieren würde. Genau genommen aber hat er mit besonderen Prozessen im Fliegenhirn zu tun, die man weder als rein zufällig noch als rein deterministisch einordnen kann – obwohl sie ein bestimmtes Ordnungsmuster manifestieren. Auch oder vielleicht gerade in einem sensorischen Vakuum arbeitet das Gehirn. Das ist tatsächlich eine Entdeckung mit womöglich weitreichenden Folgen: Bereits im Tierreich findet sich die Basis zu einer Spontaneität des Verhaltens, die man beim Menschen in der kultivierten Form als „freien Willen“ bezeichnet. Umgekehrt gesagt: Was wir „freien Willen“ nennen, scheint schon biologisch vorbereitet zu sein.
Den Mund zu voll genommen
Die experimentellen Resultate zeigen nicht, dass Fliegen einen „freien Willen“ hätten, wie dies erwartungsgemäss medial aufgepeppt wurde. Die Resultate weisen lediglich darauf hin, dass wir natürliches Verhalten auf einer reicheren Palette ansiedeln sollten, nicht bloss als Gegensatzpaar von Zufall und Notwendigkeit.
Die Physik lehrt uns seit über hundert Jahren, dass die Welt nicht streng deterministisch ist. Das heisst, in jedem System gibt es Hintergrundrauschen, sei es auf thermische oder auf Quanteneffekte zurückzuführen. Das setzt der exakten Prognose und Kalkulation eine natürliche Grenze. Brembs und sein Team glauben Hinweise gefunden zu haben, „dass das Gehirn dieses Hintergrundrauschen nutzt und je nach Bedarf verstärken kann. Wie das funktioniert, wissen wir bisher nicht, aber ich stelle es mir im Prinzip als eine Art Zufallsgenerator mit regelbarem Verstärker vor.“
Das ist eine faszinierende Aussicht für die Neurowissenschaften, bleibe auch dahingestellt, was sie alles noch herausfinden werden. Eine Lektion können wir aus den Resultaten aber schon jetzt lernen. Die Diskussion über die Nichtexistenz des freien Willens tritt in eine neue Runde. Und die vollmundigen Verkündigungen seines „Endes“ könnten sich als das herausstellen, was sie in Wirklichkeit sind: Äusserungen von Wissenschaftern, die den Mund zu voll nehmen und ihren beschränkt-naturalistischen Horizont zum allgemeinverbindlichen Mass dessen erklären, was existiert. Nicht der freie Wille gehört entzaubert, sondern diese Entzauberer des freien Willens.
Originaltext
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„Wir schaffen irgendwas“…

von Rico Albrecht, „Wissensmanufaktur“
Ein Jahr „Wir schaffen das“… aber noch immer wurde nicht definiert, was genau geschafft werden muss, wer mit „wir“ gemeint ist und warum „das“ angeordnet wird.
  • Warum schaffen wir es nicht, Flüchtlingen vor Ort zu helfen, anstatt nur denen, die sich Schlepper leisten und Grenzsperren überwinden können?
  • Warum schaffen es wir jetzt plötzlich, Milliarden Euro in Deutschland aufzubringen, obwohl die UN in Krisennähe nur Millionen gebraucht hätte?
  • Warum schaffen wir es nicht, selbst kinderfreundlich zu werden und Fachkräfte auszubilden? Müssen wir wirklich die Not in anderen Ländern ausnutzen, um „Human Resources“ – also Nachschub an billigen Arbeitskräften für die in Deutschland tätige (Rüstungs-)Industrie – zu erbeuten?
  • Warum schaffen wir es nicht, die Sanktionen gegen Syrien aufzuheben und „Verbündete“ dazu zu bringen, die Unterstützung des IS zu beenden?
  • Werden der IS und andere Terrorgruppen es schaffen, Syrien komplett zu vernichten, wenn Deutschland von dort auch die restlichen Sicherheitskräfte noch herlockt?
  • Wenn wir nun also alle Fluchtursachen weltweit bekämpfen müssen, welche davon haben wir seit einem Jahr schon geschafft? Läuft das jetzt bis niemand mehr irgendwoher aus irgendeinem Grund flüchtet oder bis Deutschland so aussieht, dass keiner mehr hin will?
  • Schaffen wir es auch dann noch, die Stabilität und Sicherheit der unserer Gesellschaft zu erhalten, wenn 20 % der Männer zwischen 18 und 35 aus Frauenmangel in dieser Altersgruppe keine Familie gründen können?
  • Würden eine Million deutsche Männer in Arabien es schaffen, sich dort an alles anzupassen?
  • Wie kommt es, dass EU-Staaten es einerseits schaffen, Libyen bis zur Ermordung des Staatsoberhaupts zu bombardieren, aber andererseits nicht in der Lage sind, Schiffbrüchigen dort wieder an Land zu helfen?
  • Warum müssen wir es als einziges Land auf der ganzen Welt schaffen, alle Fremden ohne Papiere einreisen zu lassen und ihnen dauerhaft unsere Heimat, Ressourcen und Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen?
  • Schaffen wir es noch lange, dafür freiwillige Helfer zu finden?
  • Falls mit „Wir schaffen das“ die totale Einwanderung gemeint ist, warum wurden wir dann bis heute nicht gefragt, ob wir das schaffen wollen?
Fragen über Fragen, die auf der Hand liegen, aber noch nie von irgendwem im medial-politischen Komplex öffentlich an Angela Merkel gerichtet wurden. Eine Konfrontation damit könnte das Lügengebäude zum Einsturz bringen und ihr (und damit auch den Strippenziehern) das menschenverachtende Handwerk legen. Damit dies bald geschieht, kann jeder Einzelne einen Beitrag leisten und z.B. durch Leserbriefe und Kommentare den „Qualitäts“-Journalisten klarmachen, dass sie ihre Glaubwürdigkeit verlieren werden, wenn sie diese offensichtlichen Fragen nicht endlich mal stellen.
Wie kann Deutschland wirklich helfen?
Rico Albrecht bei Speaker’s Corner im Gespräch mit Anna Maria August

Die Einwanderungspolitik der Bundesregierung wird in Medien und Politik als humanitäre Hilfe für syrische Flüchtlinge bezeichnet. Für diesen scheinbar guten Zweck stehen plötzlich schier grenzenlose Geldmengen und viel Platz zur Verfügung. Doch um in den Genuss deutscher Hilfe zu kommen, muss man zuerst gewisse Hürden überwinden und eine lebensgefährliche, kostspielige Schlepperreise nach Deutschland überstehen. Dementsprechend kommen überwiegend junge, kräftige Männer, die dafür auch die finanziellen Mittel zur Verfügung haben. Zurück bleiben Frauen, Kinder, Alte, Schwache, Kranke und Arme – und Staaten, deren wirtschaftliche Basis und Verteidigungsfähigkeit ausbluten. Doch damit nicht genug. Diese Art von Hilfe kostet den deutschen Steuerzahler ein Vielfaches von dem, was humanitäre Hilfe in Krisennähe gekostet hätte.
Im Gespräch mit Anna Maria August widerlegt Rico Albrecht den Vorwand einer humanitären Hilfe anhand von einfachen, öffentlich verfügbaren Zahlen, Daten und Fakten. Daraus ergibt sich, was wirklich geschehen müsste, wenn Deutschland die Aufgabe ernstnehmen würde, sich selbst zu erhalten und die Not auf der Welt zu lindern. Dabei geht es auch darum, wie jeder Einzelne zu einem humanen Wandel beitragen kann.
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Merkels Niedergang

Von Stephan Wehowsky,“Journal21″
Ist es allein der böse Seehofer, der die Kanzlerin ins Stolpern bringt?
Jedenfalls hat Horst Seehofer am vergangenen Wochenende zum wiederholten Male erklärt, dass die CSU derzeit eine erneute Kanzlerkandidatur von Angela Merkel nicht unterstütze. Darüber werde die CSU erst im kommenden Frühjahr entscheiden. Merkel reagiert darauf, indem sie sich selbst noch nicht festlegt. Aber als CDU-Vorsitzende möchte sie sich im Herbst auf dem entsprechenden Parteitag bestätigen lassen. Vor einem Jahr wäre es völlig undenkbar gewesen, dass die Macht Angela Merkels derartig schnell erodiert. Jetzt steht sie zur Disposition, und einige wackere Mitstreiter aus den vorderen Reihen der CDU müssen ihr laut pfeifend den Rücken stärken.
In der Zeit, als sie sich in ihrer Beliebtheit sonnen konnte, war sie keine Entscheiderin, sondern eine Vermeiderin. Sie moderierte Krisen, vermied aber harte Entscheidungen, um nicht für die unmittelbaren Folgen haftbar gemacht zu werden. Geld und Kompromisse verkleisterten erkennbare Brüche – und dafür war ihr das Publikum dankbar. Mit dem massenhaften Aufmarsch der Flüchtlinge an Deutschlands Grenzen im vergangenen Jahr kam dieses Spiel an sein Ende. Aber auch hier entschied sie, erst einmal nicht zu entscheiden, sondern die Last weiter zu reichen: Wir schaffen das.
Aber geht es wirklich um Merkel? Ist sie nicht nur ein Symptom für die Krise der politischen Führung insgesamt? Zwar treten zunehmend Demagogen auf, aber wer sich Politiker wünschte, mit deren Namen sich durchdachte und überzeugende politische Alternativen verbinden, greift ins Leere. Da stellt sich die Frage, ob die Welt inzwischen derartig komplex geworden ist, dass vor ihr auch die klügsten Köpfe kapitulieren müssen, oder ob kluge Köpfe zu klug sind, um sich in das politische Getümmel zu stürzen. Dann liefe uns mit der Intelligenz auch die Zeit für Problemlösungen davon.
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