Suche, Flucht und Wanderung

„Zusammenrücken, bitte!“ rief der Schaffner in der Straßenbahn, wenn neue Fahrgäste einsteigen wollten und der Wagen schon voll schien. Mich als Kind erfüllte es immer wieder mit Erstaunen, wie viel da auf einmal an Platz frei wurde. Was mich wohl auch heute noch auf meinem Weg zur sozialen Gesundheit und Risikointelligenz bewegt, ist die Suche nach einer solchen empathischen Gesellschaft, die in Umbrüchen und Zeiten des Wandels kooperativ handelt.
Suche, Flucht und Wanderung
von Gerald Koller aus “wirks”
7 Schritte, die jede/r von uns tun kann, damit die Geschichte einen guten Verlauf nimmt
Niemand kennt die Spielregeln – selbst für die nächste Zukunft: das Drama der Flüchtenden und Suchenden, das das Herz des alten Kontinents aufschreckt, vermittelt nur eine Gewissheit: Nichts bleibt, wie es war.
Doch war das nicht schon immer so? Seit Jahrtausenden ist Suche, Flucht und Wanderung zentrales Thema der Menschen und Gesellschaften. Und nicht umsonst beginnt die Geschichte, auf die das christliche Abendland baut, gleich nach Jesu Geburt mit der Flucht von Maria und Josef mit dem Neugeborenen nach Ägypten.
Die Flüchtenden, die an uns vorbei und zu uns hinziehen, erinnern uns also an die Bewegtheit des Lebens – und bringen eine Botschaft mit: der Kurswechsel, der sich als drängende Notwendigkeit angekündigt hat, seit die Talfahrt des globalen kapitalistischen Systems, seiner ökologischen Kahlschläge und seiner nicht eingelösten Heilsversprechungen begann, steht nicht mehr vor der Tür. Er passiert soeben.
Und wie immer in Epochen grundlegenden Wandels in der Zivilisationsgeschichte werden ihn jene zukunftsfähig mitgestalten, die nicht nach Sicherung des Status quo rufen, sondern im risikointelligenten Miteinander innere Sicherheit entwickeln: denn jede ( biologische oder kulturelle) Geburt ist ein Prozess, der nicht Rückzug und Erstarrung, sondern Mut und Kommunikation erfordert. Nicht jene gestalten also Grundlagen für eine gute Zukunft, die die gewohnten Verhältnisse bewahren wollen, sondern jene, die wissen, dass sich Europa nun bewähren muss. Zukunftsfähig sind die, die keine Angst vor Verlust haben; die nicht zum Spielball erstarren, sondern selbst spielen. Die dabei neue Spielregeln entwickeln, die der Komplexität der globalen Zusammenhänge angemessen sind: Empathie 3.0. Und die in einer Welt der neuen Nachbarschaften eine angemessene Form der Nächstenliebe entwickeln. Denn nach Jahrzehnten der Verformung des Liebesbegriffs haben wir nun die Aufgabe und Chance, der fundamentalen, auch biologisch gültigen Erkenntnis folgen: Liebe ist nicht das Begehren nach Erfüllung und Wachstum, sondern der Verzicht auf Ansprüche, auf Totalität.
Eine solche Liebe hat keine Angst – und daher die Kraft zur politischen Gestaltung-indem sie zu handeln, durchzuhalten, aber auch loszulassen versteht: eben Mut zur Lücke entwickelt. Die 7 Schritte, die wir täglich neu tun können: Einzelne, communities, Unternehmen und Regierungen – stehen in diesem Sinne unter dem Stern einer neuen Bescheidenheit:
1) ANKOMMEN LASSEN
Die Realität der Flüchtenden bei uns ankommen zu lassen, sich ihr zu stellen, ohne sie sofort zu bewerten, ohne reflexartig Strategien der Angstminderung zu entwickeln – ob sie nun Hilfe oder Abwehr heißen -, die Wucht dieser Realität auszuhalten, die täglich massiver wird: das kann helfen, aus Reflex über Reaktion und kritischer Reflexion Resonanz zu entwickeln. Und so vom Getriebensein (das nicht nur den Flüchtenden, sondern auch den von dieser Flucht Betroffenen eigen ist) zu überlegter Gestaltungskraft zu gelangen. Und es gilt noch etwas ankommen zu lassen, das lange ins Dunkel verdrängt wurde: die Realität des eigenen Traumas. Viele europäische Gesellschaften haben ihre ethnischen Traumata des letzten Jahrhunderts nicht aufgearbeitet. Die Flüchtenden wühlen diese Vergangenheit mit ihrer Existenz wieder auf. Sich den eigenen Schatten zu stellen, hilft, diese nicht auf die Überbringer der schlechten Botschaft ( die uns sagt, dass es noch etwas im Inneren zu tun gilt) zu projizieren.
2) ERINNERN
Der Umstand, dass wir zu jedem Weihnachtsfest die Flucht nach Ägypten als Teil des HEILsgeschehens memorieren, wie auch die Verwobenheit unserer Eltern- und Großelterngeneration in Wirtschaftsmigration, Deportation und Massenflucht zeigen eine Gesetzmäßigkeit: Flucht ist Folge von Gewalt und Not. Die Betroffenen brauchen Hilfe auf ihrem Weg, die damit verbundenen Traumata brauchen zur Heilung aber mehr: bedrohungsfreien Raum, souveräne Begleitung solcher, die nicht selbst in Angstreflexe verfallen, am meisten jedoch die Gewissheit: gesehen zu werden.
3) RELATIVIEREN
Die Zahl der nach Europa Flüchtenden, die hier um Asyl ansuchen, macht etwa 0,5 % der europäischen Gesamtbevölkerung aus. Aus dem 1% der österreichischen Bevölkerung könnten in nächster Zeit 4% werden, aus den 2,4% im Top-Aufnahmeland Schweden bis zu 10%. Allgemein gilt für das Transitland Österreich: nur max. ein Zehntel der Notreisenden wird hier als Asylwerbende bleiben, von diesen wiederum nur ein Viertel Asyl bekommen also 2,5% aller, die derzeit Österreichische Grenzen passieren. Schon deshalb ist es wichtig, zwischen Flüchtenden, Asylwerbenden und schließlich Asylberechtigten zu unterscheiden, um die verschiedenen Stadien, deren Bedürfnisse und Problematiken besser beantworten zu können. Der Sammelbegriff „Flüchtlinge“ pauschaliert und kategorisiert in gleichem Maße. Er schafft damit Bedrohungsängste und lässt nebulose Diskussionen um die Vermittlung unserer Leitkultur entstehen. Doch hier stellt sich die Frage: weiß diese Leitkultur noch, was sie leitet?
Die Gruppe der Asylwerbenden (noch einmal: 1-4% der Gesamtbevölkerung) als potentielle Totengräber der abendländischer Kultur auszumachen, lässt nur darauf schließen, dass das Abendland bereits selbst am Sterbebett liegen muss: nur eine Gesellschaft, die durch süchtiges Verhalten geschwächt bereits in einer Agonie liegt, deren Symptome Depressionen und burn out-Epidemien ebenso sind wie die Aufgabe von Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit ( den bisherigen Grundfesten unserer demokratischen Leitkultur), könnte von einem solchen vergleichsweise temporären Virus zur Strecke gebracht werden.
Eine umfassende Diagnose hilft da, ein Therapieprogramm zu entwickeln, das über bloße Symptombehandlung hinausgeht – und das direkt unser aller Lebensstil berührt:
4) ÖKONOMISCH LEBEN
Wenn mehr Menschen um den Suppentopf sitzen gilt es zu teilen und somit auf eigene Totalitätsansprüche zu verzichten. Diese Haltung der neuen Bescheidenheit ist Merkmal der kommenden Suffizienzgesellschaft, deren Basis die Erkenntnis ist: es ist genug für alle da.
Teilen und Bescheidenheit gilt es nicht nur am heimatlichen Tisch zu pflegen. Auch jene, direkte Hilfe und Intervention in den Notgebieten fordern, werden diese nur durch Verzicht auf Ansprüche der reichen Weltregionen verwirklichen können. Der Ausgleich beginnt beim Teilen von Lebensmitteln (und alltagsnahen Maßnahmen, diese nicht zu verschwenden oder gar wegzuwerfen) und mündet in der globalen sharing economy.
5) ÖKOLOGISCH LEBEN
Wie Ökonomie der Umgang mit knappen Ressourcen ist, ist Ökologie der nachhaltige Umgang damit – im Sinne einer enkeltauglichen Gesellschaft. Die dringende Notwendigkeit der Reduktion des westlichen Ressourcenverbrauchs kann gerade durch die neue Bescheidenheit der teilenden Gesellschaft Unterstützung finden – die Flüchtenden könnten somit Fluchthelfer aus dem globalen ökologischen Desaster werden.
6) EINANDER SPIELEND BEGEGNEN
Furcht lähmt. Aus ihr entstehen keine tauglichen Zukunftsentwürfe. Wenn also Chaos die Dynamik unserer Tage bestimmt, dann entwickeln wir neue Ordnung wohl am besten durch das älteste Kulturmittel der Menschheit, um in Balance zu kommen: das Spiel. Miteinander zu spielen schafft Lebensfreude, die wir alle so dringend brauchen. Und erst im Spielen entwickeln und passen wir Spielregeln an die sich verändernden Gegebenheiten an: spielerisch vermitteln wir gerade Asylwerbenden die Regeln unserer bisherigen Leitkultur. Und miteinander tragen wir damit zu einer Empathie höherer Ordnung bei, aus der eine neue, weil globale Leitkultur entstehen kann.
7) GRÜNDEN
Gründen wir mit den schließlich in Europa Asylberechtigten Netzwerke, communities, start ups, collaborative spaces, interkulturelle Lernorte, politische Initiativen auf Augenhöhe, Regionalwährungen, Sprachcafes, Talentebörsen, sharing-Projekte, Spielgemeinschaften, Festvereine, Genossenschaften, Tafelrunden, BürgerInnengesellschaften: entfalten wir Potentiale, schaffen wir Arbeitsplätze, initiieren wir eine neue Gründerzeit. Seien wir neugierig auf das Neue! Und arbeiten wir mit daran, dass es von allen, die es mitgestalten wollen, mitgestaltet werden kann.
Gerald Koller, Forum Lebensqualität
www.qualitaetleben.at/willkommen.html
Originaltext
“MUT ZUR LÜCKE; Was jede/r von uns tun kann, damit die Flucht gut endet”
„Es gibt zwei Nachrichten: eine schlechte und eine gute. Die schlechte ist: die uns bekannte Zivilisation geht ihrem Ende entgegen. Die gute ist: die uns bekannte Zivilisation geht ihrem Ende entgegen.“
Bruce H. Lipton und Steve Bhaerman
Die Ströme der Flüchtenden, das Ankommen der Geflohenen, die Ängste der Überraschten, die Offenheit der Herzen und die Verteidigungsversuche der Nationalstaaten, der Wille und Unwille der Vermögenden: wir fahren durch bewegtes Meer einem neuen Europa, einer neuen Welt entgegen.
Dass diese nicht eine Welt der gespaltenen Gesellschaften wird, sondern eine, die die aktuellen Turbulenzen zum Anlass für (längst fällige) Weichenstellungen nimmt, die ALLEN Kindern und Ungeborenen Zukunft bieten, ist das Anliegen des neuen Buches:
Gerald Koller: MUT ZUR LÜCKE. Was jede/r von uns tun kann, damit die Flucht ein gutes Ende nimmt“ erschienen im Verlag Edition Rösner, November 2015.
Bei Kauf von 3 Exemplaren je € 15.- direkt beim Autor werden 20% an das MeWeSyria Erzählprojekt mit geflohenen Jugendlichen im jordanischen refugee camp Zataari überwiesen
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Zika-Virus: Gentechnische Manipulation erschafft Super-Viren

Plötzlich ??? – haben Moskito-Stiche viele Babys mit zu kleinem Kopf und schweren Hirnschäden zur Folge.

” Wir brauchen keine Bio-Terroristen, wenn wir Gentechniker haben.”

Die Ursache für die neueste Zika-Virus-Epedemie sollte spätestens seit dem Jahre 2001 bekannt sein.
Eine hilfreiche Lektüre für die aktuelle Debatte über die Zika-Virus-Epedemie ist der Bericht des Institute of Science in Society:

“Plädoyer für eine gentechnikfreie zukunftsfähige Welt”

Das Gremium aus internationalen Experten verschiedener Disziplinen nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.
Die bei weitem heimtückischsten Gefahren, die dem Prozess der gentechnischen Manipulation selbst inne wohnen, der den Umfang und die Wahrscheinlichkeit von horizontalem Gentransfer und Rekombination stark verstärkt, ist der Hauptweg, Viren und Bakterien zu erzeugen, die Krankheits-Epidemien verursachen.
Dies wurde 2001 im Verlaufe eines anscheinend harmlosen gentechnischen Experiments durch die “zufällige” Erschaffung eines Mäusekiller-Virus herausgestellt. Neuere Techniken, sowie das Mischen von DNA, erlauben es Genetikern im Labor, in Minuten Millionen von rekombinanten Viren zu erzeugen, die in Milliarden Jahren der Evolution niemals existiert hatten.
Krankheitsauslösende Viren und Bakterien sowie ihr genetisches Material sind die hauptsächlichen Materialien und Werkzeuge der gentechnischen Veränderung, genauso wie auch bei der absichtlichen Erzeugung von Bio-Waffen.
Hierzu ein Bericht von Urs P. Gasche aus “infosperber”:

Jetzt warnt «Ecologist» vor genmutierten Mücken

Das Aussetzen genveränderter Mücken soll gestoppt werden, bis klar ist, dass sie mit den missgebildeten Babys nichts zu tun haben.
Bereits mehrere tausend Mütter sind verzweifelt, weil sie ein Kind mit schweren Hirn-Schäden geboren haben. Das Zika-Virus, das bisher nur zu Grippe-Symptomen führte, soll schuld sein.
Jetzt schreibt die angesehene britische Umwelt-Plattform «The Ecologist» («Pandora’s box: how GM mosquitos could have caused Brazil’s microcephaly disaster»), es sei sehr gut möglich («highly significant possibility»), dass die Freisetzung von genveränderten Moskitos mit der Mikrozephalie-Epidemie, der hirngeschädigten Babys, etwas zu tun haben. Siehe Infosperber vom 3.2.2016: «Missgebildete Babys wegen genveränderter Moskitos?»)
Im April und November 2015 sind in Brasilien etwa 25 Millionen genveränderte männliche OX513A-Moskitos ausgesetzt worden. Das berichtete TechTimes im Januar 2016. Sie sollen den Bestand an Moskitos des Typs Aedes aegypti dezimieren.
In den beiden Aussetzungsgebieten, eines war die Gegend um die Stadt Juazeiro, sind just die Gebiete, in denen es heute sehr viele Fälle von Babys mit abnormal kleinen Köpfen und Hirnschäden gibt (Mikrozephalie).
Um die Gene der Mücken zu verändern, hätte Herstellerin Oxitec die Methode der sogenannten PiggyBac Transposons verwendet. Mit der gleichen Methode haben Forscher bisher unbekannte Risikogene für Krebs der Bauchspeicheldrüse entdeckt (siehe Bericht des Deutschen Krebsforschungszentrums).
Die PiggyBac Transposons bauten Forscher in das Erbgut von Mäusen ein. Transposons sind DNA-Stücke, die im Erbgut «herumspringen» können, sich also selber aus der DNA lösen und an einer beliebigen anderen Stelle wieder einbauen.
Laut «Ecologist» sei bisher nicht erforscht worden, was passiert, wenn solche Transposon von den genmutierten Moskitos des Typs Aedes aegypti ins menschliche Gewebe gelangen. Dies ist dann der Fall, wenn die mit Hilfe der genmanipulierten männlichen Moskitos entstandenen Larven trotz des eingebauten genetischen Defekts nicht alle sterben, weil Antibiotika-Rückstände die Larven am Leben erhalten. In Testversuchen haben bis zu 15 Prozent der Larven überlebt, weil Reste des weit verbreiteten Antibiotikas Tetracyclin vorhanden waren. Das stellte die Herstellerin Oxitec in einem internen, vertraulichen Bericht fest, der im Jahr 2012 an die Öffentlichkeit gelangte. Oxitec ist eine Tochterfirma des US-Biotech-Konzerns Intrexon. Die überlebenden weiblichen Moskitos, welche das veränderte Erbgut übernommen haben, stechen Menschen. Die Forschung zum Bauchspeicheldrüsenkrebs habe gezeigt, dass Transposon in menschliche Zellen überspringen könne.
Nur Vermutung, kein Beweis
Der «Ecologist» betont, dass genveränderten Moskitos «gut möglich» die Ursache der Mikrozephalie-Epidemie seien, dass diese mögliche Ursache aber vorerst wissenschaftlich erhärtet werden müsse. Allerdings solle das Aussetzen genveränderter Mücken gestoppt werden, bis klar ist, dass sie mit den Babys, die mit zu kleinen Köpfen und lebenslangen Schäden zur Welt kommen, nichts zu tun haben.
Warnung schon im Jahr 2014
Auf der Webseite des britischen «The Institute of Science in Society» (ISIS) hatte die auf Gentechnik spezialisierte Forscherin, Biologin und Umweltaktivistin Mae Wan Ho vor einer grossflächigen Freisetzung von genmutierten Moskitos gewarnt: «Transgene Moskitos sind nicht die Lösung um das Dengue-Fieber und die Malaria auszurotten. Im Gegenteil: Sie gehörden zu den risikoreichsten genveränderten Organismen, die produziert wurden
Der Biotech-Konzern Intrexon, dessen Tochterfirma Oxitec die genmutierten Moskitos in Brasilien produziert, hält diese offensichtlich für absolut sicher. Denn Oxitec wolle ihre Anstrengungen verdoppeln, um die Zika-Viren in Brasilien mit ihren männlichen OX513A-Moskitos zu bekämpfen, gab Intrexon am 19. Januar bekannt.
Der von «Ecologist»-Redaktor Oliver Tickell vermutete Mechanismus im Original-Wortlaut
Has the GM nightmare finally come true?
So down to the key question: was the Oxitec’s GM Aedes aegypti male-sterile mosquito released in Juazeiro engineered with the piggyBac transposon? Yes, it was. And that creates a highly significant possibility: that Oxitec’s release of its GM mosquitos led directly to the development of Brazil’s microcephaly epidemic through the following mechanism:
1. Many of the millions of Oxitec GM mosquitos released in Juazeiro in 2011/2012 survive, assisted, but not dependent on, the presence of tetracycline in the environment.
2. These mosquitos interbreed with with the wild population and their novel genes become widespread.
3. The promiscuous piggyBac transposon now present in the local Aedes aegypti population takes the opportunity to jump into the Zika virus, probably on numerous occasions.
4. In the process certain mutated strains of Zika acquire a selective advantage, making them more virulent and giving them an enhanced ability to enter and disrupt human DNA.
5. One way in which this manifests is by disrupting a key stage in the development of human embryos in the womb, causing microcephaly and the other reported deformations. Note that as Melo Oliveira et al warn, there are almost certainly other manifestations that have not yet been detected.
6. It may be that the piggyBac transposon has itself entered the DNA of babies exposed in utero to the modified Zika virus. Indeed, this may form part of the mechanism by which embryonic development is disrupted.
In the latter case, one implication is that the action of the gene could be blocked by giving pregnant women tetracycline in order to block its activity. The chances of success are probably low, but it has to be worth trying.
No further releases of GM insects!
While I am certainly not claiming that this is what actually took place, it is at least a credible hypothesis, and moreover a highly testable one. Nothing would be easier for genetic engineers than to test amniotic fluids, babies’ blood, wild Aedes mosquitos and the Zika virus itself for the presence of the piggyBac transposon, using well established and highly sensitive PCR (polymerase chain reaction) techniques.
If this proves to be the case, those urging caution on the release of GMOs generally, and transgenic insects bearing promiscuous transposons in particular, will have been proved right on all counts.
But most important, such experiments, and any deployment of similar GM insects, must be immediately halted until the possibilities outlined above can be safely ruled out. There are plans, for example, to release similarly modified Anopheles mosquitos as an anti-malarial measure.
There are also calls for even more of the Oxitec Aedes aegypti mosquitos to be released in order to halt the transmission of the Zika virus. If that were to take place, it could give rise to numerous new mutations of the virus with the potential to cause even more damage to the human genome, that we can, at this stage, only guess at.
Originaltext
Weitere Informationen:
Original-Artikel im «The Ecologist» vom 1.2.2016
Genmanipulation
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Kultur der Ambiguität

Von Eduard Kaeser aus “Journal21”
Eine andere Geschichte des Islams
In einer Zeit, in der die Klischees über „den“ Islam ins Kraut schiessen und die Debatte nur so strotzt von Gegensatzpaaren wie Aufklärung versus Vormoderne, Skeptizismus versus Fundamentalismus, säkulare Gesellschaft versus Gottesstaat, wissenschaftliche Evidenz versus Offenbarung und Schriftengläubigkeit, Menschenrechte versus Stammesrechte, Materialismus versus Spiritualität und so fort – just in einer solchen Zeit begrüsst man ein Buch, das wie ein Ventilator im Mief abgestandener Klischees wirkt. Ich spreche von „Kultur der Ambiguität“ des deutschen Islamwissenschafters Thomas Bauer, das mit dem Anspruch auftritt, eine „andere Geschichte des Islams“ zu schreiben. Das Buch ist bereits vor fünf Jahren erscheinen, aber seine Aktualität bleibt gerade vor dem Hintergrund der neuesten Ereignisse ungeschmälert.
Es ist für den Nichtkenner des Islams, wie ich einer bin, nicht so sehr der Anspruch der „anderen“ Geschichte, als vielmehr eines anderen Blicks auf unsere eigene Kultur, die das Buch aus der Fülle der einschlägigen Literatur heraushebt. Dass die eigene Kultur den Blick auf die andere Kultur überformt, wenn nicht verzerrt, ist ja eine bleibende Einsicht der modernen Ethnologie, die sich von der paternalistischen kolonialen Völkerkunde des 19. Jahrhunderts emanzipiert hat. Und sie wurde in jüngerer Zeit zum Fanal rabiater postkolonialer Kulturwissenschafter, die – allen voran Edward Said -, nun den Spiess umkehrten und an den „westlichen“ Islamexperten und ihrer „orientalistischen“ Verzerrung kaum einen guten Faden liessen. Dass dabei ironischerweise wiederum Klischees produziert wurden, gehört wohl zu den Merkmalen solch intellektueller Gockeleien (was sie nämlich in der Regel auch sind).
Ambiguitätstoleranz: It ain’t necessarily so
Bauer rückt einen Begriff ins Zentrum seiner Geschichtsschreibung, der auf erstes Anhören nicht sonderlich attraktiv klingt: Ambiguitätstoleranz. Ursprünglich ein psychologischer Terminus, kann er salopp kulturwissenschaftlich mit einem Songtitel von Gershwin umschrieben werden: It ain’t necessarily so – es kann so, aber auch anders sein. Es gibt nie nur eine einzige Sicht auf ein Phänomen, ein Objekt, eine Norm, eine Lebensform, eine Doktrin, einen heiligen Text. Das mag trivial klingen, aber überraschenderweise entpuppt sich gerade diese Trivialität als äusserst brisant. Obwohl wir ihr gerne Lippendienst zollen, tun wir uns insgeheim schwer mit ihr. Hand aufs Herz: Man suche für sich selbst eine Idee oder Norm, die herauszufordern einen ins Mark trifft. Meinungsäusserungsfreiheit zum Beispiel. Wie viel Toleranz – Ambiguität – lässt man in ihrer Auslegung zu? Billigt man die Interpretation des Fundamentalisten, diese Freiheit habe vor dem Wort Gottes zurückzutreten, als eine Sicht unter anderen? Wo werde ich ambiguitätsintolerant: von hier weg hört die Mehrdeutigkeit auf, wird nicht mehr verhandelt?
Der Machtwille der Rechtgläubigkeit
Ambiguitätsintoleranz zeigt sich überall. Sie hängt sich auch gern den Mantel der Scheintoleranz um: Andere Wege des Heils sind möglich und erlaubt, solange sie in die Ecclesia universalis des Christentums münden. Der christliche Geist ist in den andern Religionen präsent, nur nicht so voll ausgewachsen wie in der Kirche. Muslime, Juden, Hindus, Buddhisten haben immer noch ein religiöses Minus im Vergleich mit den Christen. So verlautet z.B. die Schrift „Christentum und die Weltreligionen“ (1997) der römischen Glaubenskongregation, als deren Präfekt der spätere Papst Bendedikt amtete. Er, dessen empfindliches gelehrtes Geruchsorgan in jeder Art von religiöser Vielfalt den versteckten Pferdefuss des Relativismus witterte.
Diese Unbeweglichkeit verdeckt den heimlichen Macht­willen der Rechtgläubigkeit. John Locke, der klarsichtige Verfechter der Toleranz­idee, hat ihn schon vor über dreihundert Jahren blossgelegt: „(Jede) Kirche ist in ihren eigenen Augen rechtgläubig, in denen der anderen im Irrtum und ketzerisch. Denn was auch eine Kirche glaubt, davon glaubt sie, dass es wahr ist, und das diesem Entgegengesetzte erklärt sie für Irrtum. So dass der Streit dieser Kirchen über die Wahrheit ihrer Lehre und die Reinheit ihrer Gottesverehrung auf beiden Seiten gleich steht.“
Gegen solchen Machtwillen traten auch Denker im Islam an. „Im Grunde sind alle wichtigen Bereiche des klassischen Islams das Ergebnis eines Kompromisses zwischen einander widerstreitenden, einander zunächst feindlich gegenüberstehenden Diskursen,“ schreibt Bauer. Das  „Bemühen, Ambiguität zu bändigen, nicht aber zu beseitigen“ charakterisiere die arabisch-islamische Kultur und Wissenschaft der Blütezeit. So betrachtete zum Beispiel der Korangelehrte Ibn al-Dschazari im 15. Jahrhundert die Deutungsoffenheit des Korans als Gnade Gottes. Das heilige Buch, sei „ein gewaltiges Meer, in dem man nie auf Grund stösst und nie durch ein Ufer zum Halten gebracht wird“. Eindeutigkeit im Verständnis erschien ihm weder möglich noch erstrebenswert.
Opfer seines eigenen Ansatzes
Bauers Blick auf die „andere“, den Deutungspluralismus kultivierende Denktradition des Islams kann ideologische Verhärtungen lösen und Augen öffnen. So begrüssenswert das ist, so bedenklich erscheint aber umgekehrt die Darstellung der neuzeitlichen europäischen Entwicklung. Hier, so hat man den Eindruck, konstruiert Bauer nun um des Kontrastes willen seinerseits ein Klischee, nämlich jenes des ratiozentrischen Denkens, das die „intolerante“ vereindeutigende Vernunft über alles stellt und in deren Namen Absolutheitsansprüche anmeldet. Die Tendenz gibt es, gewiss, und sie ist sogar einflussreich, in monistischen Strömungen, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts sich vor allem in den Naturwissenschaften Geltung verschaffen.
Aber das ist nur die eine Seite der Geschichte. Das Europa der Neuzeit habe, so Bauer, „auf dem Gebiet der Ambiguität nicht allzu viele Leistungen anzubieten“. Hätte er seinen Blick etwas tiefenschärfer eingestellt, wäre ihm schnell aufgefallen, dass die Situation so eindeutig nicht ist. Er schreibt zum Beispiel, der Islam der „nachformativen“ Periode (ca. 11. – 15. Jahrhundert) sei nicht „eine Welt der Gewissheiten, sondern der Wahrscheinlichkeiten“ gewesen. Aber war es nicht just Blaise Pascal, der aus einem tiefen theologischen Zweifel heraus der Reflexion über das Nichtwissen und die Wahrscheinlichkeit das Feld ebnete? Selbst Descartes, meist als Prediger des „geometrischen Geistes“ und der absoluten Gewissheit gehandelt, äusserte, wenn es um die praktische Vernunft ging, durchaus Vorbehalte gegen seine „Methode“. Und Lockes „Brief über die Toleranz“? Montesquieus „Perserbriefe“? Die Ringparabel von Lessing? Herder und seine Kulturenvielfalt, überhaupt die Romantiker als „Aufklärer der Aufklärung“, die Hermeneutik von Schleiermacher bis Gadamer und Rorty – allesamt Positionen gegen den Absolutheitsanspruch der eindeutigen Gewissheit.
„Ambiguitätsfurcht, Wahrheitsobsession und Universalisierungsehrgeiz“
Problematisch wird die Argumentation Bauers noch aus einem anderen Grund. Der Westen sollte seiner Meinung nach in der Demokratisierung der islamischen Welt mitwirken, indem er die „Trias“ aus „Ambiguitätsfurcht, Wahrheitsobsession und Universalisierungsehrgeiz“ aufgibt und „den Demokratisierungsprozess wohlwollend verfolgt, auch wenn er Richtungen einschlägt, die nicht immer im Sinne des Westens zu sein scheinen.“ Man glaubt nicht recht zu hören: Wahrheit eine Obsession, die eindeutige Rede eine Furchtreaktion, das Einstehen für universelle Werte und Rechte ein Ehrgeiz? Alles „im Sinne des Westens“? Soll man es lassen, die verschlagen-„ambiguen“ Statements von Politikern, Wirtschaftsführern und ihren medialen Schranzen auf eindeutig behaftbaren Gehalt abzuklopfen? Ist es Obsession, einen Machthaber wie Baschar al-Assad der Lüge zu bezichtigen, wenn er sagt, es gebe keinen Bürgerkrieg? Blosser Ehrgeiz, wenn man lokale Bräuche, welche Frauen unterdrücken, im Namen der Universalität der Menschenrechte anprangert?
Verteidigung des Universalismus
Hier unterläuft Bauer ein elementarer logischer Fehler: Er vermischt psychologische Motive (Obsession, Furchtreaktion, Ehrgeiz) und rationale Gründe für Eindeutigkeit, Wahrheit, Universalität. Gewiss, seine „Trias“ mag einen europäischen Mainstream im Visier haben, der im Namen von Eindeutigkeit, Wahrheit und Universalität oft mit „kolonialisierendem“ Effekt auftrat und auftritt. Und in diesem Sinn ist Bauers Demolierung von Klischees über den Islam ein Gewinn. Man sollte deswegen aber nicht gleich auch universalistische Tendenzen unterbinden wollen. Sie sind keinesfalls bloss „im Sinne des Westens“. Sie dienen, recht interpretiert, der Befreiung aller Menschen aus  weltanschaulichen und moralischen  Zwangsjacken. Es gibt zwei ernstzunehmende Universalismen: die Idee der Objektivität auf dem Gebiet der Erkenntnis und die Idee der Menschenrechte auf dem Gebiet der Moral. Ihr Status war immer prekär. Und er ist es heute mehr denn je. Machtgeil-bornierte Vertreter kultureller, ethnischer, religiöser „Wahrheiten“ verkünden den Anspruch auf „ihre“ Objektivität und „ihre“ Moral und treiben jenen unsäglichen Zerstückelungsprozess der Welt voran, dessen Zeugen wir täglich sind. Den Universalismus der Objektivität und der Menschenrechte ernst zu nehmen, ja, ihn gegen eine kulturrelativistische Verblasenheit zu verteidigen, gehört also zu einem ersten Gebot post-postmodernen Denkens. Und zwar entschieden eindeutig. Zu hoffen wäre, dass diese Verteidigung dereinst als Anfang einer neuen Grosserzählung in die Geschichte eingehen wird.
Thomas Bauer: Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islams. Verlag der Weltreligionen / Suhrkamp, Berlin 2011.
Originaltext
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Väterlicher Fangschuss im Namen der gekränkten Ehre

von Nicholas D. Kristof, Übersetzung Milena Rampoldi, aus “Tlaxcala”

UNABHÄNGIG von seinem Erfolg könnte dieser höchst wirkungsvolle Oscar-nominierte Film, der vielleicht Tausenden Mädchen das Leben retten könnte, ein Film sein, von dem sie noch nichts gehört haben.

Der Protagonist ist nicht DiCaprio, sondern Saba Qaiser, ein authentisches, 19jähriges, pakistanisches Mädchen. Ihre tragische Geschichte begann, als sie sich in einen Mann verliebte, den die Familie nicht wollte. Sie brannte dann mit dem Freund durch, um ihn zu heiraten. Wenige Stunden nach der Hochzeit überzeugten sie ihr Vater und ihr Onkel mit süßen Worten, ins Auto zu steigen. Sie brachten sie an eine Flussufer, um sie dann zu töten, weil sie sie herausgefordert hatte. Somit geht es um Ehrenmord.
Zuerst schlugen sie beide auf Saba ein. Dann hielt sie ihr Onkel fest, während ihr Vater ihr die Knarre an den Kopf hielt, um dann zu schießen. Es gab Blutspritzer. Saba fiel in Ohnmacht. Der Vater und der Onkel packten sie in einen großen Sack und warfen sie in den Fluss, um sie zu versenken. Und dann gingen sie weg und dachten, sie hätten die Ehre der Familie wiederhergestellt.
Unerwartet war Saba nur ohnmächtig und somit noch am Leben. Sie hatte den Kopf ruckartig bewegt, während der Schuss abgegeben wurde. Die Kugel ging durch den linken Teil des Gesichts, ohne sie zu töten. Das Wasser des Flusses sorgte für ihre Wiederbelebung. Sie schaffte es, aus dem Sack zu kriechen und an Land zu klettern. Wankend erreichte sie eine Tankstelle, und jemand suchte Hilfe.
Fast jede 90 Minuten wird in einem Teil der Welt, in den meisten Fällen in einem muslimischen Land, ein Ehrenmord begangen. Allein in Pakistan gibt es mehr als 1.000 Fälle pro Jahr. Und oft kommen die Täter straflos davon.
Während ich mir den Dokumentar von Saba, A Girl in the River: The Price of Forgiveness, ansah, dachte ich immer wieder daran, dass die ethische Herausforderung in der Welt des 19. Jahrhunderts in der Sklaverei bestand, die des 20. Jahrhunderts im Totalitarismus und die wichtigste ethische Frage unseres Jahrhunderts im Missbrauch und der Unterdrückung so vieler Frauen und Mädchen in der ganzen Welt besteht.
Ich weiß nicht, ob „A Girl in the River“ einen Oscar in der Kategorie der Kurzdokus gewinnen wird, aber es macht schon den Unterschied. Der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif zitierte den Film und versprach Gesetzesänderungen im Lande, um die Ehrenmorde aus der Welt zu schaffen.
Die Geschichte von Saba zeigt auf, wie das geltende Gesetz den Mördern die Möglichkeit gibt, straflos davonzukommen, wenn sie den Mord mit der Ehre begründen. Nachdem die Ärzte Saba das Leben gerettet hatten und die Polizeibeamten ihre Tür bewachten, um dem Vater nicht die Möglichkeit zu bieten, seine Arbeit zu beenden, entschied die Tochter, den Vater und den Onkel vor Gericht zu bringen.
„Man müsste sie öffentlich auf dem offenen Marktplatz hinrichten“, meinte sie im Gespräch mit der Regisseurin des Films, Sharmeen Obaid-Chinoy, „damit sich so etwas nicht nochmal wiederholt.“
Die Polizei verhaftete Sabas Vater Maqsud und ihren Onkel Mohammed, die zu ihrer Verteidigung behaupteten, das Richtige getan zu haben.
„Sie hat uns unserer Ehre beraubt“, meinte Maqsud aus seiner Gefängniszelle. „Wenn ich in eine Gallone Milch einen Tropfen Pisse gebe, ist die gesamte Milch versaut. Genau das hat sie getan… Deshalb habe ich entschieden, sie selbst zu töten“.
MaqsUd erzählte, dass er nach der Ermordung von Saba, nach Haus gegangen war und seiner Frau erzählt hatte: „Ich habe unsere Tochter getötet.“ Dann fügte er hinzu: „Meine Frau fing an zu weinen. Was hätte sie denn sonst tun können? Ich bin ihr Mann, und sie ist nur meine Frau“.
Die Täter, die Ehrenmorde begehen, werden oft nicht verurteilt, weil das pakistanische Gesetz den Familien der Opfer die Möglichkeit bietet, einen Mord zu verzeihen. Demzufolge verzeiht der Rest der Familie dem Mann, der die eigene Tochter ermordet hat, und er kommt straffrei davon.
Die Älteren der Gemeinde übten einen extremen Druck auf Saba aus, um sie dazu zu bewegen, dem Vater und dem Onkel zu verzeihen. Am Ende forderte sie auch der ältere Bruder ihres Mannes – das Familienoberhaupt ihrer neuen Familie — auf, ihnen zu verzeihen und die Sache abzuschließen. „Es gibt keine andere Möglichkeit. Wir müssen mit diesen Menschen in der Nachbarschaft zusammenleben“.
Saba ließ sich überreden, und ihr Vater und ihr Onkel wurden aus dem Gefängnis entlassen. „Nach diesem Unfall, sagen alle, dass ich noch mehr Respekt verdiene als vorher“, gab ihr Vater an. „Ich kann stolz sagen, dass auch in den nächsten Generationen niemand so handeln wird wie Saba“. Die Familien leben immer noch im selben Viertel. Und der Vater beharrt darauf, er werde nie wieder versuchen, Saba zu töten.
Die einzige Möglichkeit, um die Ehrenmorde aus der Welt zu schaffen, besteht darin, die Mörder nicht mehr straffrei davonkommen zu lassen. Saba hat versucht, ihren Beitrag dazu zu leisten. Wir hoffen, dass nun auch der Premierminister Sharif seine Pflicht erfüllen wird, um dem Rechtssystem der Verzeihung ein Ende zu bereiten.
„Ich wollte eine nationale Debatte zu diesem Thema in Gang bringen“, sagt Obaid-Chinoy, die Regisseurin des Films. „Bis es keine Haftstrafen gibt, um ein Exempel zu statuieren, werden die Ehrenmorde verewigt.“
Seit dem 11. September 2011 haben die USA Milliarden Dollar ausgegeben, um Afghanistan und Pakistan mit militärischen „Werkzeugen“ neu zu „modellieren“. Ich glaube, dass wir viel mehr erreicht hätten, wenn wir auf die Erziehung und die Mittel zwecks Emanzipierung der Frau fokussiert hätten.
Ein Ausgangspunkt sollte darin bestehen, die Regierungen anzuspornen, die jungen Mädchen vor den Vätern zu schützen, die sie umbringen wollen. Dieses breite Modell der gender-basierten Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen ist eine Herausforderung, die uns alle betrifft. Genau darin besteht die große, unvollendete Aufgabe unseres Jahrhunderts.
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Der Westen plündert sich selbst

von Paul Craig Roberts aus “antikrieg”
Ich selbst, Michael Hudson, John Perkins und ein paar andere haben über die vielfältige Ausbeutung von Völkern durch Wirtschaftsinstitutionen des Westens berichtet, in erster Linie durch die großen New Yorker Banken mit der Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Länder der Dritten Welt wurden und werden ausgebeutet, indem sie in Entwicklungspläne für Elektrifizierung oder ähnliche Zwecke hineingelockt werden. Den leichtgläubigen und vertrauensseligen Regierungen wird versprochen, dass sie ihre Länder reich machen können, indem sie ausländische Kredite aufnehmen, um einen vom Westen präsentierten Entwicklungsplan zu realisieren, der zu entsprechenden Steuereinnahmen aus der wirtschaftlichen Entwicklung führt, mit dem sie dann die ausländischen Kredite zurückzahlen können.
Das passiert selten, wenn überhaupt. Was passiert, ist dass der Plan dazu führt, dass das Land total verschuldet ist bis zur Grenze seiner Einnahmen in ausländischer Währung und darüber hinaus. Wenn das Land nicht imstande ist, die Entwicklungskredite zurückzuzahlen, schicken die Kreditgeber den IWF, um der verschuldeten Regierung zu sagen, dass der IWF die Bonität der Regierung aufrecht erhalten wird, indem er ihr das Geld borgt, um es den Banken zurückzuzahlen. Die Bedingungen sind allerdings, dass die Regierung die notwendigen Sparmaßnahmen durchführt, damit sie dem IWF das Geld zurückzahlen kann. Diese Maßnahmen bestehen darin, dass öffentliche Dienste und der öffentliche Sektor zurückgestutzt, staatliche Pensionen gekürzt und nationale Ressourcen an Ausländer verkauft werden. Das Geld, das durch die gekürzten Sozialausgaben und den Verkauf von öffentlichem Eigentum an Ausländer hereinkommt, dient dazu, die Schulden beim IWF zu bezahlen.
Das ist die Art und Weise, auf die der Westen in der Geschichte die Länder der Dritten Welt ausgeplündert hat. Wenn der Präsident eines Landes zögert, einen derartigen Handel abzuschließen, dann wird er einfach mit Geld bestochen, wie vor kurzem die griechische Regierung, damit sie mitmacht bei der Ausplünderung des Landes, das zu vertreten der Präsident vorgibt.
Als diese Methode der Ausplünderung nicht mehr ging, kaufte der Westen landwirtschaftliche Nutzflächen auf und zwang den Ländern der Dritten Welt eine Politik auf, die zur Aufgabe der Deckung des eigenen Ernährungsbedarfs führte und eine oder zwei Ernten zwecks Einnahmen aus dem Export produzierte. Diese Politik macht die Bevölkerungen der Dritten Welt abhängig von Nahrungsmittelimporten aus dem Westen. Üblicherweise werden die Einnahmen aus den Exporten von korrupten Regierungen kassiert oder von ausländischen Käufern, die wenig bezahlen, während die ausländischen Nahrungsmittelverkäufer hohe Preise verlangen. Auf diese Weise wird Deckung des Eigenbedarfs in Verschuldung umgewandelt.
Nachdem die gesamte Dritte Welt jetzt bis zu den Grenzen des Möglichen ausgeplündert wird, hat sich der Westen der Ausplünderung des eigenen Bereichs zugewendet. Irland wurde ausgeplündert, und die Ausplünderung von Griechenland und Portugal ist dermaßen schlimm, dass sie große Zahlen junger Frauen in die Prostitution getrieben hat. Das macht allerdings dem westlichen Gewissen nichts aus.
Wenn früher ein souveränes Land mehr Schulden hatte, als zurückbezahlt werden konnten, mussten die Kreditoren die Schulden auf ein Ausmaß herabsetzen, das das Land bedienen konnte. Wie ich in meinem Buch The Failure of Laissez Faire Capitalism ausführe, wurde diese herkömmliche Vorgangsweise eingestellt.
Die neue Regel sieht so aus, dass den Menschen eines Landes, sogar eines Landes, dessen Regierungskreise Schmiergelder kassiert haben, um das Land an Ausländer zu verschulden, ihre Pensionen, Arbeitsverhältnisse und sozialen Dienste gekürzt werden und wertvolle nationale Ressourcen wie kommunale Wassersysteme, Häfen, die nationale Lotterie und geschützte Flächen wie griechische Inseln unter Naturschutz an Ausländer verkauft werden müssen, die dann die Freiheit haben, die Wasserpreise zu erhöhen, der griechischen Regierung die Einnahmen aus der nationalen Lotterie vorzuenthalten und das geschützte Landeserbe an Immobilienentwickler zu verkaufen.
Was Griechenland und Portugal passiert ist, ist auch im Gang in Spanien und Italien. Die Völker sind machtlos, weil ihre Regierungen nicht sie vertreten. Ihre Regierungen kassieren nicht nur Schmiergelder, die Mitglieder der Regierung sind auch gehirngewaschen und glauben, dass ihre Länder in der Europäischen Union sein müssen oder andernfalls von der Geschichte links liegen gelassen werden. Die unterdrückten und in Not geratenen Menschen selbst sind in der gleichen Art gehirngewaschen. Zum Beispiel war in Griechenland die Regierung, die gewählt worden war, um die Ausplünderung Griechenlands zu verhindern, machtlos, weil die Menschen in Griechenland gehirngewaschen sind und glauben, dass sie um jeden Preis in der EU sein müssen.
Die Kombination aus Propaganda, finanzieller Macht, Dummheit und Schmiergeldern bedeutet, dass es keine Hoffnung für die europäischen Völker gibt.
Dasselbe trifft zu auf die Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Australien und das Vereinigte Königreich. In den Vereinigten Staaten von Amerika haben zig Millionen Bürger stillschweigend akzeptiert, dass sie sieben Jahre lang keine Zinsen für ihre Ersparnisse bekommen haben. Anstatt Fragen zu stellen und zu protestieren, haben die Amerikaner ohne zu denken die Propaganda akzeptiert, dass ihre Existenz vom Überleben einer Handvoll künstlich geschaffener Megabanken abhängt, die „zu groß sind, um scheitern zu dürfen.“ Millionen Amerikaner sind davon überzeugt, dass es besser für sie ist, wenn sie ihre Ersparnisse aufbrauchen, als wenn eine korrupte Bank pleite geht.
Um die Völker des Westens weiterhin in Verwirrung über die wirkliche Gefahr zu behalten, die ihnen droht, wird den Menschen gesagt, dass hinter jedem Baum, hinter jedem Passwort, unter jedem Bett Terroristen stecken, und dass alle umgebracht werden, wenn die allumfassende Macht der Regierung nicht außer Frage gestellt bleibt. Bisher hat das perfekt gewirkt, wobei eine Aktion unter falscher Flagge nach der anderen immer wieder mit vorgetäuschten Terrorattacken dazu dient, jede Erkenntnis zu verhindern, dass es sich um einen Schwindel handelt, bei dem es darum geht, alles Einkommen und und allen Reichtum in wenigen Händen anzuhäufen.
Unzufrieden mit seiner obersten Gewalt über „demokratische Völker” hat das Eine Prozent die transatlantische und transpazifische Partnerschaft vorgeschlagen. Diese sind angeblich „Freihandelsabkommen,“ die allen nützen werden. In Wahrheit handelt es sich dabei um sorgfältig versteckte, geheime Vereinbarungen, die privaten Unternehmungen die Kontrolle über die Gesetze souveräner Regierungen verleihen.
Zum Beispiel ist ans Licht gekommen, dass unter der transatlantischen Partnerschaft von den privaten Gerichten, die im Rahmen der Partnerschaft eingerichtet werden, entschieden werden könnte, dass der nationale Gesundheitsdienst im Vereinigten Königreich ein Hindernis für die private Krankenversicherung bildet und von privaten Firmen auf Schadenersatz geklagt und sogar zur Auflösung gezwungen werden könnte.
Die korrupte Regierung des Vereinigten Königreichs unter dem Vasallen Washingtons David Cameron hat den Zugang zu den rechtlichen Dokumenten blockiert, die die Auswirkung der transatlantischen Partnerschaft auf Britanniens National Health Service zeigen. (> Artikel auf GlobalResearch [in englischer Sprache] )
An den Bürger jedes westlichen Landes, der so dumm oder gehirngewaschen ist, dass er das noch nicht kapiert hat: das gesamte Bemühen der Politik „seiner“ Regierung ist darauf gerichtet, jeden Aspekt seines Lebens habsüchtigen privaten Interessen auszuliefern.
Im Vereinigten Königreich wurde die Post an politisch verbandelte private Interessenten zu einem symbolischen Preis verhökert. In den Vereinigten Staaten von Amerika beabsichtigen die Republikaner und vielleicht auch die Demokraten, Medicare und Sozialversicherung zu privatisieren, wie sie bereits viele Bereiche des Militärs und des Gefängnissystems privatisiert haben. Öffentliche Dienste sind Ziele für private Profitmacherei.
Einer der Gründe für die Eskalation bei den Kosten des Militärbudgets der Vereinigten Staaten von Amerika ist dessen Privatisierung. Die Privatisierung des Gefängnissystems der Vereinigten Staaten von Amerika hat dazu geführt, dass eine große Anzahl unschuldiger Menschen in das Gefängnis gesperrt wird, wo sie dann gezwungen sind, für Apple Computer, IT-Services, Textilfirmen, die für das Militär der Vereinigten Staaten von Amerika produzieren, und eine große Zahl weiterer privater Unternehmen zu arbeiten. Die eingesperrten Arbeiter bekommen so wenig wie 69 Cents die Stunde, das liegt unter dem chinesischen Stundenlohn.
Das ist Amerika heute. Korrupte Polizei. Korrupte Staatsanwälte. Korrupte Richter. Aber Höchstprofite für den amerikanischen Kapitalismus aus Gefängnisarbeit. Am freien Markt orientierte Wirtschaftswissenschaftler priesen private Gefängnisse und behaupteten, diese würden effizienter sein. In der Tat sind sie effizient bei der Erwirtschaftung von Profiten aus Sklavenarbeit für Kapitalisten.
In The Guardian findet sich ein Bericht über den Premierminister des Vereinigten Königreichs David Cameron, der die Auswirkungen der transatlantischen Partnerschaft auf das Gesundheitswesen Britanniens bestreitet (> Artikel in The Guardian [in englischer Sprache] ).
Die Zeitung The Guardian im Vereinigten Königreich, die sich oft genug prostituieren muss, um ein bisschen Unabhängigkeit aufrecht zu erhalten, beschreibt den Zorn, den die Menschen in Britannien auf die Geheimnistuerei der Regierung in einer Angelegenheit haben, die so wesentlich ist für das Wohlergehen der britischen Menschen. Dennoch stimmen die Briten weiterhin für politische Parteien, die die britischen Menschen hereingelegt haben.
In ganz Europa haben die korrupten von Washington kontrollierten Regierungen die Menschen vom Ausverkauf durch „ihre” Regierungen abgelenkt, indem sie ihre Aufmerksamkeit auf Flüchtlinge gerichtet haben, deren Anwesenheit eine Folge dessen ist, dass die europäischen Regierungen Washingtons Interessen vertreten und nicht die Interessen ihrer eigenen Völker.
Irgendetwas düsteres ist geschehen mit der Intelligenz und Aufmerksamkeit von Völkern des Westens, die nicht mehr in der Lage zu sein scheinen, die Machenschaften „ihrer“ Regierungen zu verstehen.
Verantwortungsvolle Regierung im Westen ist Geschichte. Nichts außer Scheitern und Zusammenbruch liegen vor der westlichen Zivilisation.
Paul Craig Roberts ist ein US-amerikanischer Ökonom und Publizist. Er war stellvertretender Finanzminister während der Regierung Reagan und ist als Mitbegründer des wirtschaftspolitischen Programms der Regierung Reagans bekannt.
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Hurrikan-Warnung

Von Christoph Zollinger aus “Journal21”
Die EU steckt in der Krise. Auswege bieten sich an. Es gilt, diese rasch freizuschaufeln. Dazu braucht es mutige Reformschritte.
Hurrikane haben enormes Zerstörungspotenzial. Durch die Kondensation riesiger Wassermassen werden gewaltige Mengen Energie freigesetzt. Treffen diese auf Land, sind Sturmfluten, Erdrutsche und Überschwemmungen die Auswirkungen. Tausende von Toten und Milliarden Dollars materieller Schäden können die verheerenden Folgen sein. Der Mensch ist der Natur ausgeliefert.
Hurrikan-Warnung über Europa
Ein „tropischer Wirbelsturm“ ist im Entstehen begriffen, die Vorhersage der Zugrichtung: Europa. Diese Metapher ist Warnruf, quasi Wetterprognose für den europäischen Kontinent, Hauptgefährdungszone ist die EU. Doch, obwohl sich Anzeichen eines Aufbaus des gefährlichen hurrikanähnlichen Wettersystems verstärken, herrscht unheimliche politische Passivität. Der Nukleus ist ein lähmendes „Tief“, in dem sich die Kräfte der Bewahrer und Reformer der europäischen Idee, des europäischen Friedensprojekts befinden. Es gibt sie zwar, doch sie finden zu wenig Gehör. Wer den jetzigen EU-Stillstand als „alternativlos“ bezeichnet, die Kapriolen ungarischer und polnischer Führer „zur Kenntnis nimmt“, die Augen verschliesst vor dem Niedergang Europas, hat nicht begriffen. Die Abwesenheit von Politik als Führungsinstrument ist bedrohlich. Das Ignorieren der Hurrikan-Warnung ist unentschuldbar. Denn, im Gegensatz zum Tropensturm, ist der Mensch dem politischen „shitstorm“ nicht machtlos ausgeliefert.
Griechenland im Fokus
Es sind keine sieben Monate her, da beherrschte die griechische Schuldenkrise die europäische Politik. Geht man noch weiter zurück, zeigt sich, dass schon die Aufnahme Griechenlands in die EU ein Missverständnis war. Das Überstülpen des Euro eine Illusion. Die Folgen Jahre später: Die EU-Krise als Schattenwurf der Euro-Krise. Und auch diesmal wurde nicht Ursachenforschung, sondern Symptomglättung betrieben. Der unumgängliche Schuldenschnitt blieb aus, um deutsche und französische Banken zu schonen. Damals fragten sich Laien, warum diese dem bankrotten Land überhaupt Geld geliehen hätten? Die Antwort: um hohe Zinsen zu generieren, die hohe Boni für die verantwortlichen Manager bewirkten. Diese wiederum vertrauten (zu Recht) auf ihre nationalen Politiker. So blieb ein erster Schritt zur EU-Reform leider aus.
Die Schuldenpolitik der EZB
Seit fünf Jahren flutet die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte mit frisch gedrucktem Papiergeld. Ihre Begründung: Wachstums-Ankurbelung und Förderung eines gewissen Inflationsdrucks. Allerdings: Wachstum bleibt aus, Inflation ebenfalls, ausser in Irland und Deutschland wachsen nur die Schuldenberge. Durchwursteln als europäische Strategie? Eine unheimliche Allianz aus Banken und Staaten signalisiert: „alles unter Kontrolle“. Traditionelle Marktkräfte sind ausgehebelt, Bürgerinnen und Bürgern bleibt das Nachsehen, ihr Geld und ihre Altersvorsorge verlieren jährlich an Wert. Der zweite, gebieterische Schritt zur EU-Reform bleibt ungetan. Der Wille dazu fehlt.
Das Flüchtlingsdrama
Inzwischen beherrscht die europäische Asylpolitik die Medien. Die anschwellenden Flüchtlingsströme überfordern die Nationen. Längst hat sich das Dublin-Abkommen als Papiertiger erwiesen. Ursprünglich gedacht, um die nationalen Zuständigkeiten für die Asylsuchenden zu bestimmen und ihnen damit einen speditiven Zugang zu einem Verfahren zu verschaffen, ist diese Konvention gar nie ordnungsgemäss gestartet. Zu viele Mitgliedstaaten missachten sie ganz einfach. Die Kooperation unter den Staaten und die Rückführungspflicht funktionieren nicht. Osteuropäische Staaten sabotieren die EU-Flüchtlingspolitik unverhohlen. Österreich hat angekündigt, eine Höchstgrenze für Asylanten einzuführen.
Neuerdings soll der Zerfall des Schengenraums dadurch vermieden werden, dass die Verlängerung der nationalen Grenzkontrollen vorerst um bis zu zwei Jahre geduldet wird. Offensichtlich kann Brüssel wenig bis nichts gegen diese Desintegrationserscheinungen unternehmen. Kann es wirklich nicht, wo doch bei völlig unwesentlichen Vorschriften mit Nachdruck auf deren Einhaltung geachtet wird? Ein dritter, offensichtlich bitter notwendiger Reformschritt wird damit verpasst.
Populisten im Vormarsch
Bereits haben sich diese Heilsverkünder in Ungarn und Polen (mit legalen Mitteln) in die Regierung geputscht, die Aushebelung demokratischer Strukturen ist in vollem Gange. Völkerverbindende, friedensstiftende und Menschenwürde achtende Verhältnisse, an denen seit 1945 unermüdlich gearbeitet wurden, werden zertrümmert.
Mit Blick auf Polen ist Brüssel beunruhigt, die EU äussert Besorgnis. Doch das genügt bei weitem nicht. Die Aussetzung des Stimmrechts wegen „schwerwiegenden und anhaltenden Verletzungen“, angedroht durch die EU-Justizkommissarin, würde den Nationalisten geradezu in ihr Konzept passen. Somit leitet die EU-Kommission vorerst ein „Rechtsstaatsverfahren“ ein, um abzuklären, ob die Unabhängigkeit der Justiz oder der Medien gefährdet sind. Ein polnischer Verfassungsrechtler: „Manchmal glaube ich fast, Kaczynski ist ein Agent Putins. Jemand, der die Demokratie in Polen zerstören und Europa spalten soll“, (DIE ZEIT, 14.1.16).
Der Zerfall einstiger EU-Errungenschaften ist so offensichtlich und bedrohlich, dass der diskret erhobene Zeigefinger nicht mehr ausreicht. Oder wird auch der überfällige vierte Reformschritt nicht gewagt, aus Respekt oder weil Konsequenzen befürchtet werden? Wie beim ausgebliebenen ersten, zweiten, dritten?
Hochkonjunktur für den Nationalismus
Das Denken in nationalen Kategorien ist die grösste Gefahr für die EU, einst Antithese zum Nationalismus mit langen Wurzeln im 20. Jahrhundert. Der dies sagt: Joschka Fischer, ehemaliger deutscher Aussenminister und Vizekanzler.
„Die EU, welche doch Nationalismen überwinden sollte, wird zu einer Maschine, welche fast im Monatstakt neue gegenseitige Ressentiments produziert“, sagt Jan-Werner Müller, Professor für politische Theorie in Princeton in der NZZ. Er beobachtet in der EU eine Art Desintegration, da Regeln (ungestraft) gebrochen  werden und Rechtsstaatlichkeit immer mehr in Gefahr gerät. Klare Worte findet er bei der Beurteilung des IST-Zustands: „alle paar Wochen an Gipfeltreffen streiten die Regierungschefs zu Themen wie Euro oder Flüchtlingen – mit der Folge, dass Europa plötzlich als eine Veranstaltung erscheint, in der Nationalstaat gegen Nationalstaat steht.“
Die Kritik, dass Regierungschefs und führende Politiker ihre jeweiligen nationalen Ansichten höher einstufen als die ursprünglich gemeinsam formulierten Ziele ist berechtigt und trifft keineswegs nur zwei, drei besonders harsch auftretende Damen und Herren. In allen europäischen Ländern, auch Nicht-EU-Mitgliedern, ist plumper, penetrant geschürter Nationalismus probates Mittel, um Wahlen und Macht zu gewinnen. Das erprobte Mittel zum Zweck: den nationalen Volkswillen über eine als lästig empfundene internationale Dachorganisation zu erheben.
Diesem Trend zu begegnen, in dem seinem Volk in Erinnerung gerufen wird, welche Auswirkungen er im letzten Jahrhundert in Europa hatte, wäre ein Gebot der Stunde und der fünfte Reformschritt.
Stillstand, Reform oder Niedergang?
Damit nicht Skepsis über Frieden und Sicherheit in Europa überhandnimmt, sich eine eigentliche Sinnkrise um Stabilität, Wohlstand und Integration ausbreitet, damit dies alles nicht langsam, aber sicher ins Desaster führt, sind Reformen überlebensnotwendig. Es genügt nicht, empört zu sein!
Das Vorsichherschieben, statt Lösen der Finanz- und Schuldenkrisen steht am Anfang einer niederschmetternden Kaskade von Debakeln. Das „mit Besorgnis verfolgte“ Auseinanderbrechen oder Ignorieren gemeinschaftlicher Regeln verstärkt den europäischen Niedergang. Diese Führungsschwächen bergen ein eigentliches Katastrophenpotenzial. Führen heisst nicht verwalten. Mit Führen ist auch das Orten von Fehlentwicklungen und deren Korrekturen gemeint.
Das Subsidiaritätsprinzip endlich anzuerkennen und damit die Rückverlagerung von Kompetenzen auf nationale Ebene zu erlauben, ist ebenso drängend, wie oft falsch verstanden. Dies würde nicht den oben beschriebenen Nationalismus, sondern die Bewegungsfreiheit der Nationen und damit die Identifikation mit der EU stärken. Somit ist die innere Reform der EU-Strukturen überfällig – doch, wer packt das an? Braucht es zuerst einen Generationenwechsel?
Wolfang Schüssel, ehemaliger österreichischer Bundeskanzler, meinte kürzlich in Zürich: „Europa müsste alles weglassen was nicht nötig ist – was die Nationalstaaten überfordert“. Ist das Rezept zu einfach?
Eine EU, ein Europa „der verschiedenen Geschwindigkeiten“ – eine alte, vernünftige Idee? Die Ungleichzeitigkeiten der Nationen sind so eklatant, dass sie nicht mehr länger ignoriert werden können. Die Bösen strafen, falsch! „Die Schnellen anspornen“, schreibt die ZEIT, wäre sinnvoller als Strafaktionen.
Der Umbau der EU wäre eine heroische Tat. Tatenlos zuzuschauen („beobachten“), wie die Kräfte immer stärker und ihre Töne immer lauter werden, die die EU zerschlagen wollen, ist vergleichbar mit der Missachtung der Vorwarnung des Wetterdienstes vor dem heraufziehenden Hurrikan. Wenn der Respekt vor der ursprünglichen friedenssichernden Idee verblasst, werden die Schäden dereinst gewaltig sein.
Geschenkte Demokratie, geschenkten Frieden gibt es nicht. Beides will erkämpft sein.
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Geschichte aus dem Mittelalter…

… mit der Bitte, keine Vergleiche oder Parallelen, oder ein Bezug zu unseren heutigen, modernen Zeiten herzustellen.
In unserer Frühzeit wollte ein König zum Fischen gehen. Er bat den königlichen Wetterwart um eine möglichst präzise Wettervorhersage für die nächsten Stunden. Wer Wetterwart sagte für die nächsten Stunden keinerlei Regen an.
Der König begab sich alsdann mit der Königin auf den Weg zum Fischplatz. Auf dem Weg dorthin traf er einen Bauern mit seinem Esel. Als der Bauer seinen König und seine Königin mit dem Fischgerät sah, meinte er: „Königliche Hoheiten, Sie sollten zurück nach Hause und nicht fischen gehen, denn binnen kürzester Zeit wird ein Regen herunter gehen, der sich gewaschen hat“.
Der König blieb höflich und erwiderte: „Ich habe den sehr geschätzten und hoch professionellen königlichen Wetterwart um seine Wetterprognose gebeten. Zusätzlich bezahle ich ihn bestens. Er gab mir eine von Ihnen abweichende Wettervoraussage. Ich werde also meinen Weg mit der Königin fortsetzen!“
Kurze Zeit später setzte ein fürchterlicher Regen ein, und König und Königin wurden nass wie die Katzen, sodass sich ihre menschliche Umgebung bereits Sorgen um ihre Gesundheit machte. Äußerst aufgebracht und wütend, ließ der König nach seiner Rückkehr ins Schloss den königlichen Wetterwart fristlos feuern.
Anschließend bat er den Bauern, dessen Posten als bestens bezahlten königlichen Wetterwart einzunehmen.
Der Bauer weigerte sich jedoch: „Königliche Hoheit, ich weiß nichts über Wetter-vorhersagen. Ich erhalte meine Wetterinformationen von meinem Esel. Wenn seine Ohren nach unten hängen, bedeutet dies baldigen Regen!“ Aufgrund dieser Aussage stellte der König den Esel als königlichen Wetterwart ein.
Und so bürgerte sich von diesem Zeitpunkt ab ein, dass Esel im Regierungsbetrieb lukrativ bezahlte und wichtige Posten zugewiesen bekommen.
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Sinnlose Jobs – Sinnlose Arbeit

Sind unsere Jobs sinnvoll ?

aus “Initiative”
Sinnlose Arbeit: Etwa 70 Prozent aller Jobs sind gesellschaftlich überflüssig. Gleichzeitig werden wichtige Jobs gestrichen oder nicht bezahlt. Was läuft da falsch ? Dass Arbeit allein den Sinn erfüllt, unsere gemeinsamen Bedürfnisse zu befriedigen und uns als Wesen auszudrücken und zu entfalten, hat die Menschheit scheinbar längst vergessen und so dreht sie sich nunmehr in einem Hamsterrad, das sie gar nicht mehr als solches erkennt.
Das Ende der Arbeit
Im Jahre 1930 sagte der berühmte Ökonom John Maynard Keynes voraus, dass die technologische Entwicklung die Welt schon zur Jahrtausendwende in ein kleines Schlaraffenland verwandelt haben würde: Dank der Hilfe der Maschinen müsste kein Mensch mehr als 15 Stunden arbeiten und die Menschheit wäre frei, ihre Genialität anderen Dingen zu widmen.
Auch heute versichern uns zahlreiche Forscher, dass die meiste Arbeit im Grunde überflüssig ist und wir das von Keynes beschriebene Utopia schon längst erreicht haben.
“Technologisch sind wir dazu durchaus in der Lage. Und doch ist es nicht geschehen. Stattdessen wurde Technologie dazu verwendet, neue Wege zu finden, uns alle noch mehr arbeiten zu lassen. Um dies zu erreichen, mussten Arbeitsplätze geschaffen werden, die – praktisch gesehen – sinnlos sind. Insbesondere in Europa und Nordamerika verbringen weite Teile der Bevölkerung ihre gesamte Arbeitszeit mit der Durchführung von Aufgaben, von denen sie selbst heimlich wissen, dass sie gar nicht gebraucht werden. Der moralische und geistige Schaden, der aus dieser Situation entsteht, ist tiefgreifend. Er ist eine Narbe quer über unsere kollektive Seele. Doch fast niemand spricht darüber“,
beklagte 2013 der  Anthropologe David Graeber die Situation in seinem berühmten Aufsatz „On the Phenomenon of Bullshit Jobs“.
Warum ist die Arbeit also trotz des technischen Fortschritts, der die kühnsten Erwartungen von Herrn Keynes noch weit übertroffen haben dürfte, nicht verschwunden? Die vermeintlich offensichtliche Erklärung, dass einfach die Produktion und der Konsum ebenso dramatisch zugenommen haben, erweist sich als statistisch ebenso unhaltbar wie die Idee, dass die Welt heute eben so komplex sei, dass sie ein riesiges mittleres Management bräuchte.
Denn während der Großteil der „produktiven Arbeit“ in Landwirtschaft, Fabriken und ähnlichen Bereichen mittlerweile tatsächlich von Maschinen verrichtet wird, hat sich ein völlig neuer Arbeitsbereich gebildet, der mittlerweile bis zu drei Viertel der gesamten Arbeitsplätze ausmacht.
Es sind die Call-Center, Finanzberater, PR-Fachleute, Social-Media-Experten, Wirtschaftjuristen, 24-Stunden-Supermarktkräfte und all die anderen seltsamen Jobs im Dienstleitungs-Bereich, deren Aufkommen Herr Keynes wohl nicht im Entferntesten erahnen konnte.
„Es ist, als säße irgendwo jemand, der sich sinnlose Jobs ausdenkt, nur um dafür zu sorgen, dass wir weiterhin arbeiten“,
wunderte sich Graeber im bereits zitierten Aufsatz. Aber es ist sogar noch mysteriöser:
„In unserer Gesellschaft scheint es eine allgemeine Regel zu geben, dass man um so schlechter bezahlt wird, je offensichtlicher die eigene Arbeit anderen Menschen nutzt. Auch hier ist eine objektive Beurteilung natürlich schwer zu finden, aber eine einfache Möglichkeit, ein Gefühl dafür zu bekommen, wäre zu fragen: Was würde passieren, wenn diese gesamte Berufsgruppe einfach verschwinden würde? Bei Krankenschwestern, Müllmännern oder Mechanikern ist es offensichtlich, dass – sollten diese je in einer Rauchwolke aufgehen – die Folgen augenblicklich und katastrophal wären. Eine Welt ohne Lehrer oder Hafenarbeiter wäre ebenfalls irgendwann in Schwierigkeiten, und sogar ohne Science-Fiction-Schriftsteller oder Ska-Musiker wäre diese Welt ein geringerer Ort. Es ist aber nicht ganz klar, wie genau die Menschheit leiden würde, wenn alle Private-Equity-CEOs, Lobbyisten, PR-Forscher, Versicherungsmathematiker, Telemarketer, Gerichtsvollzieher oder Rechtsberater ähnlich plötzlich verschwinden würden. (Viele vermuten sogar, dass es die Welt deutlich verbessern könnte.)“
Die Situation scheint in der Tat absurd und wird immer absurder, je näher man hinschaut. Während die Arbeit knapp wird, sinken immer größere Teile der Bevölkerung in die Arbeitslosigkeit, wo sie aber nicht als Betroffene eines erkrankten System begriffen, sondern von den Medien als Parasiten der Gesellschaft verteufelt werden. Ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung wiederum hängt in Jobs fest, die sinnlos sind. Damit nicht genug: Diese Menschen arbeiten oft auch noch 10-Stunden-Tage in diesen Jobs, oder haben – wie oftmals in den USA – gleich drei solcher Beschäftigungen, um ihre Familien zu ernähren.
Arbeit und die kranke Gesellschaft
Der spirituelle Schaden, der so am Menschen verursacht wird, ist gar nicht zu ermessen. Und doch wird dieser Sachverhalt erstaunlicherweise kaum wirklich ernsthaft diskutiert. Die Empörung über dieses globale Verbrechen an der menschlichen Seele, über die gewaltige Verschwendung an Kreativität und Ressourcen bleibt erstaunlicherweise aus, so sehr ist es Normalität geworden.
Arbeit hat sich längst von seiner eigentlichen Funktion entfremdet – nämlich einen nützlichen Beitrag für die Gemeinschaft der Menschen zu leisten – und erfüllt nurmehr vor allem die Funktion, Gewinne für eine kleine Elite zu erwirtschaften und den Status Quo aufrecht zu erhalten. Es geht nicht mehr um den Nutzen der Arbeit und natürlich schon längst nicht mehr um den kreativen Ausdruck des Menschen. Trotzdem wird Arbeit heute beinahe glorifiziert als etwas in sich selbst Moralisches, ohne dass der Mensch nurmehr eine parasitäre Last für die Gesellschaft darstellen würde.
Weder im Kapitalismus, noch im Kommunismus fand eine Kritik der Arbeit selbst statt – und in beiden Systemen treten sinnlose Jobs in gleicher Weise auf, wenn auch aus anderen Gründen. Arbeit scheint etwas Unantastbares an sich zu haben – auch aufgrund dieses seltsamen moralischen Status der Arbeit, fällt eine deutliche Kritik offenbar schwer. Und das, obwohl die Folgen mittlerweile recht dramatisch sind.
In China sterben mittlerweile 600.000 Menschen pro Jahr an Überarbeitung, und zwar ganz direkt, wie im bekannten Fall des PR-Mitarbeiters Gabriel Li, der nach einem Arbeits-Marathon einfach tot vom Stuhl fiel. Oder die indonesische Werbetexterin, deren letzter Tweet „30 Stunden Arbeit und noch immer Top-Fit“ noch immer auf Twitter zu lesen ist. Wenige Stunden nach diesem Tweet starb auch sie – an einer Kombination aus Erschöpfung und zu vielen Energy-Drinks.
Doch diese spektakulären Tode sind nur mehr die Spitze des Eisbergs. Sämtliche Gesundheitsorganisationen sind sich einig, dass es eine wahre Epidemie an arbeitsbedingten Stress-Erkrankungen, Burn-Out, Depressionen, Angst-Zuständen und den daraus resultierenden physischen Leiden gibt. Der gesellschaftliche Umgang mit Arbeit fordert einen hohen Preis.
Arbeit kann Folter sein
In russischen Gefangenenlagern pflegte man Menschen dadurch zu brechen, dass sie 12-Stunden am Tag völlig sinnlose Arbeiten erledigen mussten – etwa Steine von einem Haufen auf den anderen und wieder zurück zu befördern. Während harte Arbeit allein die Menschen zwar erschöpfte, vermochte nur die offensichtliche Sinnlosigkeit des Tuns die Menschen wirklich zu zerrütten, wie man bald herausgefunden hatte. Es gibt wenig Furchtbareres für ein menschliches Wesen, als sein Leben mit etwas vollständig Sinnlosem zu verbringen.
Und doch tun es Millionen von uns, jeden Tag. Die Tragweite der gegenwärtigen Umstände ist uns allen kaum mehr bewusst, so normal ist der Wahnsinn mittlerweile geworden. Noch weniger bewusst dürfte den meisten sein, dass dieses System nicht zufällig entstanden ist.
„Die herrschende Klasse hat schnell erkannt, dass eine glückliche und produktive Bevölkerung mit einem Haufen Freizeit für sie eine tödliche Gefahr darstellt. Und die Idee, dass Arbeit an sich ein moralischer Wert zukommt, und dass jeder, der nicht bereit ist, sich für den Großteil seiner wachen Stunden irgendeiner Art von intensiver Arbeits-Disziplin zu unterziehen, auch nichts verdient, ist außerordentlich bequem für sie.“ so Graeber.
Dass Arbeit allein den Sinn erfüllt, unsere gemeinsamen Bedürfnisse zu befriedigen und uns als Wesen auszudrücken und zu entfalten, hat die Menschheit scheinbar längst vergessen und so dreht sie sich nunmehr in einem Hamsterrad, das sie gar nicht mehr als solches erkennt.
Lösungen
Wie kommt die Gesellschaft aus dieser Situation heraus? Der erste Schritt ist sicherlich, Arbeit von ihrem moralischen Podest zu heben und zu erkennen, dass unser heutiges, auf Arbeit aufbauendes System ohnehin dem Untergang geweiht ist. Um die Bedürfnisse der Menschheit zu erfüllen, wären wohl wenig mehr als 4 Arbeitsstunden pro Tag nötig. Unsere politischen und wirtschaftlichen Systeme arbeiten jedoch noch immer mit der Illusion der Vollbeschäftigung, die es nie wieder geben kann und wird.
Der nächste wichtige Schritt ist ziviler Ungehorsam im Sinne der Verweigerung gegenüber sinnlosen Jobs und dem Konsum sinnloser Produkte. Was dabei „sinnlos“ bedeutet, muss natürlich jeder Mensch für sich selbst entscheiden.
Zuletzt gibt es zahlreiche Ansätze – wie etwa das Bedingungslose Grundeinkommen oder alternative Wirtschaftsmodelle – die versuchen, eine neue Vision der Gesellschaft zu entwickeln. In einigen Ländern, wie etwa der Schweiz, wäre ein System wie das Grundeinkommen mit etwas Engagement der Bevölkerung vermutlich zeitnah durchsetzbar. Von oben allerdings werden solche Veränderungen wohl kaum zu erwarten sein.
Es braucht eine Neudefinition von Arbeit, mit einer Diskussion, die sich vor allem daran orientiert, welchen Beitrag eine Arbeit für die Gesellschaft leistet. Warum werden eine Mutter oder ein Vater nicht bezahlt, ein Investmentbanker aber schon? Vor allem die Arbeiten, die anderen Menschen wirklich helfen, sollten nicht am Rande der Gesellschaft stehen, sondern in ihrer Mitte.
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Sensationell! Abgeordnete erhalten Leseerlaubnis!

von Egon W.Kreutzer
Wenn ich Abgeordneter wäre, was mir aus Gewissensgründen leider nicht möglich ist, würde ich so lange in den Abstimmungsstreik treten, bis die verschworene Bande, die hinter verschlossenen Türen in abhörsicheren Räumen ein Freihandelsabkommen auskasperlt, mir alle zugehörigen Dokumente, fein säuberlich sortiert, mit Inhaltsverzeichnis und Begriffserläuterungen, mit der Bitte um Zustimmung auf den Tisch legt.
Und dann würde ich lesen, wenn es sein muss, ein Jahr lang, mir juristischen Rat einholen, mit den Befürwortern und mit den Kritikern so lange diskutieren, bis ich sicher bin, ob ich dem zustimmen soll, oder ob ich es ablehnen muss.
Wenn ich Abgeordneter wäre, was mir aus Gewissensgründen leider nicht möglich ist, würde ich meinen Partei- und Fraktionsvorsitzenden öffentlich und laut das Misstrauen aussprechen, solange sie, ohne selbst zu wissen, was in den Dokumenten steht, von mir verlangen, einem geheimen Vertragswerk blind zuzustimmen, nur weil im Hintergrund irgendwelche Lobbyisten stehen, die dringend dazu anraten.
Wenn ich Abgeordneter wäre, was mir aus Gewissensgründen leider nicht möglich ist, würde ich mich auch weiterhin daran erinnern, dass Gesetze vom Parlament nicht nur unterschrieben werden, für das Unterschreiben leisten wir uns schließlich einen Bundespräsidenten, sondern dass das Parlament als “Legislative”, also als gesetzgebende Gewalt, im Ringen um die optimale Lösung Gesetze entwerfen, gestalten und beschließen soll. Also ließe ich es mir nicht nehmen, ein Gesetz über ein Freihandelsabkommen nur dann zu beschließen, wenn das gesamte Abkommen in deutscher Übersetzung, und, wo erforderlich, mit Vorbehalten – in Bezug auf ein Rücktrittsrecht bei unerwünschten Entwicklungen – ins Gesetzblatt mit aufgenommen wird.
Wenn ich Abgeordneter sein wollte, müsste ich mein Gewissen bei Entgegenahme des Parteibuchs an der Garderobe abgeben und dürfte es nur wieder herausholen, wenn es um im Grunde belanglose Fragen der Ethik geht, weil man weiß, dass da auf eine so unmäßige Weise in die Privat- und Intimsphäre der Menschen hineinregiert werden soll, dass es einen Aufstand geben könnte, wenn auch in diesen Fragen einfach nur die Mehrheitsideologie per Fraktionszwang durchgesetzt würde.

Wenn es mir aber aus Gewissensgründen nicht möglich ist, Abgeordneter zu werden, weil ich mein Gewissen nicht gegen ein Parteibuch eintauschen würde, und weil ich selbst dann, wenn ich es wollte und es mir gelänge, ein Direktmandat zu erringen, einsam und noch rechtloser als Grüne und Linke im Parlament sitzen müsste, und nichts, aber auch gar nichts bewirken könnte, dann muss doch die Frage erlaubt sein, wofür diese 598 plus X Volksvertreter eigentlich gut sind!

Derzeit sitzen im Bundestag (sollten wirklich einmal alle da sein) 631 Abgeordnete.
Für die Inaugenscheinnahme der konsolidierten TTIP Verhandlungsergebnisse wird nun ein Lesesaal mit insgesamt 8 (in Worten: acht!) Plätzen eingerichtet. Wenn ich davon ausgehe, dass ein halbwegs sinnvolles Einlesen in die Thematik eine Vollzeitbeschäftigung für mindestens einen Monat darstellt, und zu Gunsten der Abgeordneten des Deutschen Bundestages davon ausgehe, dass sich jeder mindestens diesen Monat Zeit nimmt, um im Lesesaal festzustellen, ob TTIP die Demokratie aushebelt, und wie das gegebenenfalls durch Änderungen zu verhindern sei, wenn ich ferner davon ausgehe, dass sich auch vor dem Hintergrund dieses so mächtigen und folgenschweren Vertragswerkes, während der Parlamentsferien (2016: 20 Sitzungswochen, 32 Wochen sitzungsfrei) niemand in den Lesesaal verirren wird,
dann wird es ungefähr 17 Jahre, also bis 2033 dauern,
bis jeder Abgeordnete sich im Lesesaal so schlau gemacht haben kann, dass er Zustimmung und Ablehnung zu TTIP tatsächlich vor seinem Gewissen verantworten könnte.

Dieses Vorgehen überhaupt zu akzeptieren,
ist eine Schande für das Parlament!

Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt,
dass die Abgeordneten über das, was sie da zu sehen bekommen,
Stillschweigen bewahren müssen,
und dass sie sich allenfalls handschriftliche Notizen machen dürfen.

DEMOKRATIE GEHT ANDERS!

(Diese Farce regt mich noch mehr auf, als die
gesamte Zuwanderungskrise. Ich bin wütend!)

Einfach mal lesen dürfen

Originaltext
Veröffentlicht unter Éthnos, Bewußtsein, Kultur-Leben, Menschenwürde, Rechts-Leben, Soziales Leben, Wirtschafts-Leben, Zum Aufwachen | 1 Kommentar

Wie der Westen Terrorismus erzeugt

von Andre Vltchek
Übersetzung Toni Brinkmann; aus “antikrieg”
Terrorismus hat viele Formen und viele Gesichter, aber das Schrecklichste daran ist die kalte Grausamkeit.
Wir werden aufgefordert zu glauben, daß Terroristen schmutzige Verrückte sind, die mit Bomben, Maschinenpistolen und explosiven Gürteln herumrennen. So sollen wir sie uns vorstellen. Viele von ihnen sind bärtig, fast alle „ausländisch aussehend“, nicht-weiß, nicht-westlich. Kurzgefasst: sie sind Frauenverprügler, Kindervergewaltiger und Zerstörer griechischer und römischer Statuen.
Genau genommen gab es während des Kalten Krieges einige weiß aussehende „Terroristen“ – die Linksaußen, die zu verschiedenen revolutionären Zellen gehörten, in Italien und anderswo in Europa. Aber erst jetzt erfahren wir, dass die Terrorakte, die ihnen zur Last gelegt wurden, tatsächlich vom Imperium, von einigen europäischen Rechts-Regierungen und Geheimdiensten verübt wurden. Sie erinnern sich, die NATO-Länder sprengten diese Züge in den Tunnels oder bombardierten ganze Bahnhöfe…
Es „musste getan werden“, um die Linke zu diskreditieren, einfach um sicherzustellen, dass die Leute nicht so unverantwortlich wurden, für die Kommunisten oder echte Sozialisten zu stimmen. Ebenso gab es mehrere lateinamerikanische „Terror“gruppen – die revolutionären Bewegungen, die für Freiheit und gegen Unterdrückung kämpften, hauptsächlich gegen westlichen Kolonialismus. Sie mussten eingedämmt, liquidiert und, falls sie an der Macht waren, gestürzt werden.
Aber wirklich populär wurden Terroristen im Westen erst, nachdem die Sowjetunion und der kommunistische Block durch tausende ökonomischer, militärischer und propagandistischer Mittel zerstört war, und der Westen sich plötzlich entblößt fühlte, so allein, ohne jemanden zum bekämpfen.
Irgendwie fühlte er, dass es notwendig war, seine monströsen Unterdrückungshandlungen in Afrika, im Mittleren Osten, Lateinamerika und Asien zu rechtfertigen. Er brauchte einen neuen „mächtigen“, wirklich mächtigen, Feind, um seine astronomischen Militär- und Geheimdienstausgeben zu begründen. Dafür reichten ein paar hundert „Fanatiker“ irgendwo im kolumbianischen Dschungel oder Nordirland oder Korsika nicht. Es musste irgendetwas richtig Riesiges sein, etwas das dem „Bösen“ der sowjetischen „Bedrohung“ entsprach.
Oh, wie diese Bedrohung plötzlich vermisst wurde! Nur eine Bedrohung natürlich, nicht die Gefahr egalitärer und internationalistischer Ideale…
Und so verknüpfte der Westen Terrorismus mit dem Islam, der eine der größten Kulturen auf der Erde ist, mit 1,6 Milliarden Anhängern. Der Islam ist groß und mächtig genug, um den Mittelklassehausfrauen in irgendwelchen westlichen Vorstädten einen Heidenschrecken einzujagen. Und darüber hinaus musste er sowieso eingedämmt werden, er war eigentlich zu sozialistisch und zu friedlich.
Zu jener Zeit der Geschichte wurden alle großen und sozialistischen Führer muslimischer Länder (wie Iran, Indonesien und Ägypten) vom Westen gestürzt, ihr Vermächtnis wurde verächtlich gemacht, oder sie wurden einfach verboten.
Aber das war dem Westen nicht genug!
Um den Islam zu einem würdigen Gegner zu machen, musste das Imperium zunächst zahllose muslimische Bewegungen und Organisationen radikalisieren und pervertieren, dann die neuen schaffen, konsequent ausbilden, bewaffnen und finanzieren, so dass sie wirklich erschreckend genug wirken konnten.
Es gibt natürlich noch einen wichtigeren Grund, weshalb „Terrorismus“, insbesondere muslimischer „Terrorismus“, so unerlässlich für das Überleben westlicher Glaubenssätze, Einzigartigkeit und globaler Diktatur ist: Er rechtfertigt die Auffassung des Westens von seiner absoluten kulturellen und moralischen Überlegenheit.
So funktioniert das:
Jahrhundertelang hat sich der Westen wie ein verrücktes blutdürstiges Monster verhalten. Trotz der selbstverherrlichenden Propaganda, die die westlichen Medien über die ganze Welt ausstreuen, wurde es allmählich zu Allgemeinwissen, dass das Imperium in tatsächlich allen Teilen der Welt raubte, mordete und plünderte. Noch wenige Dekaden und die Welt würde den Westen nur noch als eine finstere und giftige Krankheit ansehen. Ein solches Szenario musste mit allen Mitteln verhindert werden!
Und so kamen die Ideologen und Propagandisten des Imperiums mit einer neuen und brillanten Idee: Lasst und etwas erschaffen, das sogar noch schlimmer aussieht und handelt als wir, und dann könnten wir verkünden, dass wir in Wirklichkeit noch die vernünftigste und toleranteste Kultur auf der Erde sind.
Und lasst uns eine richtige Kehrtwende machen: lasst uns unsere eigene Schöpfung bekämpfen – lasst sie uns im Namen von Freiheit und Demokratie bekämpfen!
Auf diese Weise wurde die neue Generation, die neue Brut von „Terroristen“ geboren. Und sie lebt! Sie ist lebendig und es geht ihr gut! Sie vervielfacht sich wie Karel Čapeks Salamander.
isis-trojan-horse-middle-east-monitor_betrug* * * * *
Westlicher Terrorismus wird nicht wirklich diskutiert, obwohl seine höchst extremen und gewalttätigen Formen unbarmherzig auf die Welt einprügeln und seit langer Zeit eingeprügelt haben, mit hunderten von Millionen von überall aufgehäuften Opfern.
Selbst die Legionäre und Gladiatoren des Imperiums, wie die Mudschaheddin, al-Kaida oder IS, können der Brutalität, die wieder und wieder von ihren britischen, französischen, deutschen oder US-Lehrmeistern demonstriert wurde, niemals nahekommen. Natürlich geben sie sich die größte Mühe, ihren Gurus und Brotherren ebenbürtig zu sein, aber sie sind einfach zu deren Gewalttätigkeit und Brutalität nicht fähig.
Es bedarf der „westlichen Kultur,“ um einige 10 Millionen Menschen in einer einzigen Weltgegend beinahe auf einen Schlag abzuschlachten!
* * * * *
Was ist also richtiger Terrorismus und wie konnten IS und andere seinem Beispiel folgen? Sie sagen, dass IS seine Opfer köpft. Schlimm genug. Aber wer ist ihr Lehrer?
Jahrhundertelang haben die europäischen Reiche Menschen auf allen Kontinenten der Welt ermordet, gefoltert, vergewaltigt und verstümmelt. Diejenigen, die das nicht direkt taten, „investierten“ in koloniale Expeditionen oder schickten ihre Leute, sich den völkermörderischen Bataillonen anzuschließen.
König Leopold II und seine Helfer schafften es, rund 10 Millionen Menschen in West- und Zentralafrika, heute als Kongo bekannt, zu vernichten. Er ließ sie zur Strecke bringen wie Tiere, zwang sie, auf seinen Gummiplantagen zu arbeiten. Wenn er dachte, dass sie seine Schatzkammer nicht schnell genug füllten, zögerte er nicht, ihre Hände abzuhacken oder ganze Dorfbewohnerschaften lebendig in ihren Hütten zu verbrennen.
10 Millionen Opfer verschwanden. 10 Millionen! Und das passierte nicht in irgendeiner fernen Vergangenheit, im „dunklen Mittelalter“, sondern im 20. Jahrhundert, unter der Herrschaft einer sogenannten konstitutionellen Monarchie und selbsternannten Demokratie. Wie lässt sich das mit dem Terrorismus, der über die von IS besetzten Gebiete herrscht, vergleichen? Lassen Sie uns Zahlen und Brutalitätsniveau vergleichen!
Und die Demokratische Republik Kongo hat seit 1995 wieder nahezu 10 Millionen Menschen in einer grauenvollen Orgie des Terrors, entfesselt von den Stellvertretern des Westens, Ruanda und Uganda, verloren (sehen Sie den Trailer zu meinem Film “Rwanda Gambit”).
Deutsche vollbrachten Holocausts in Südwestafrika, das jetzt Namibia ist. Der Stamm der Herero wurde ausgerottet, oder wenigstens nahezu 90 % von ihm. Zuerst wurden die Menschen aus ihrem Land und ihren Häusern vertrieben und in die Wüste getrieben. Wenn sie überlebten, folgten die deutschen prä-Nazi- Expeditionen und benutzten Geschosse und andere Formen der Massentötung. Medizinische Experimente wurde an Menschen durchgeführt, um die Überlegenheit der germanischen Nation und der weißen Rasse zu beweisen.
Das waren einfach unschuldige Zivilisten, Menschen, deren einziges Verbrechen darin bestand, dass sie nicht weiß waren und sich auf Land aufhielten, das von den Europäern besetzt und geschändet wurde.
Die Taliban kamen dem niemals nahe, nicht einmal IS!
Bis heute fordert die namibische Regierung die Rückgabe zahlloser abgetrennter Köpfe ihres Volkes: Köpfe, die abgeschlagen und dann für medizinische Experimente an die Universität Freiburg und verschiedene Krankenhäuser in Berlin geschickt wurden.
Stellen Sie sich vor, IS schlüge tausende europäischer Köpfe ab, um mit dem Ziel, die Überlegenheit der arabischen Rasse zu beweisen, medizinische Experimente durchzuführen. Das wäre absolut undenkbar!
Die Einheimischen wurden in nahezu allen Kolonien, die Europa an sich riss, terrorisiert, etwas, das ich im Detail in meinem letzten 840 Seiten umfassenden Buch “Exposing Lies of the Empire” beschrieben habe (siehe unten).
Was ist mit den Briten und ihren Hungersnöten, die sie als Bevölkerungskontrolle und Einschüchterungstaktik in Indien benutzten! In Bengalen starben mindestens 5 Millionen allein 1943, 5,5 Millionen 1876-78, 5 Millionen 1896-97, um nur ein paar Terrorakte zu nennen, die das britische Empire gegen eine schutzlose Bevölkerung, die gezwungen war, unter seinem schrecklichen und unterdrückerischen Terrorregime zu leben, beging.
Dies sind nur 3 kurze Kapitel aus der langen Geschichte westlichen Terrors. Zu dem Thema könnte ein ganzes Lexikon erstellt werden.
Aber das alles ist dem westlichen Bewusstsein fern. Die europäischen und nordamerikanischen Massen ziehen es vor, nichts über die Vergangenheit und Gegenwart zu wissen. Soweit es sie betrifft, regieren sie die Welt, weil sie frei, klug und hartarbeitend sind. Nicht, weil ihre Länder jahrhundertelang geplündert und gemordet und vor allem die Welt terrorisiert und zur Unterwerfung gezwungen haben.
Die Eliten wissen natürlich alles. Und je mehr sie wissen, desto mehr lassen sie das Wissen arbeiten.
Terroristisches Handwerk und Erfahrung werden von den westlichen Herren an ihre neuen muslimischen Rekruten weitergegeben.
Die Mudschaheddin, al-Kaida, der IS – bei näherer Betrachtung sind ihre Taktiken der Einschüchterung und des Terrors überhaupt nicht originell. Sie bauen auf den imperialistischen und kolonialistische Praktiken des Westens auf.
Nachrichten darüber oder über den Terror, der vom Westen dem Planeten zugefügt wurde, werden sorgfältig zensiert. Sie würden sie nie in den Programmen des BBC sehen oder über sie in den Mainstreamzeitungen und –magazinen lesen.
Andererseits werden die Gewalttätigkeit und Unbarmherzigkeit der terroristischen Organisationen, dieser Schützlinge des Westens, ständig hervorgehoben. Bis ins kleinste Detail werden sie erfasst, wiederholt und „analysiert“.
Jeder ist wütend, entsetzt! Die UN sind „tief betroffen“, westliche Regierungen „empört“ und die westliche Öffentlichkeit „hat genug – sie will keine Immigranten aus diesen fürchterlichen Ländern, die Terrorismus und Gewalt ausbrüten.“
Der Westen “muss sich einfach engagieren“. Und so kommt’s zum Krieg gegen den Terror.
Es ist der Krieg gegen des Westens eigenen Frankenstein. Es ist ein Krieg, der nie gewonnen werden sollte. Denn wenn er gewonnen wird, Gott behüte, müsste ja Frieden werden und Frieden bedeutet, die Verteidigungsbudgets zu kürzen und auch, sich um die echten Probleme des Planeten zu kümmern.
Frieden würde bedeuten, dass der Westen sich seiner eigenen Vergangenheit stellt. Er würde bedeuten, über Gerechtigkeit nachzudenken und die gesamten Gewaltstrukturen des Planeten neu zu gestalten. Und das kann niemals zugelassen werden.
Und so „spielt“ der Westen Kriegsspiele; er „bekämpft“ die von ihm selbst Rekrutierten (oder gibt vor, es zu tun), während unschuldige Menschen sterben.
Kein Teil der Welt, außer dem Westen, wäre fähig, etwas so Widerwärtiges und Barbarisches wie IS oder Al-Nusra zu erfinden und zu entfesseln!
Sehen Sie sich die Strategie dieser implantierten Gruppen an: Sie hat keine Wurzeln in welcher Art muslimischer Kultur auch immer. Aber sie ist total inspiriert durch die westliche Philosophie des kolonialen Terrorismus’: „Wenn du unsere Dogmen und Religion nicht vollständig annimmst, dann werden wir dir den Kopf abschlagen, deine Kehle aufschlitzen, deine ganze Familie vergewaltigen oder dein Dorf oder deine Stadt bis zum Boden abbrennen. Wir werden dein großes kulturelles Erbe zerstören, wie wir es vor 500 Jahren in Südamerika getan haben und an so vielen anderen Orten.“
Und so weiter und so weiter! Es bedarf wirklich großer Disziplin, die Verbindungen nicht zu bemerken!
* * * * *
2006 besuchte ich meinen Freund, einen früheren Präsidenten von Indonesien und großen fortschrittlichen muslimischen Führer, Abdurrahman Wahid (in Indonesien als „Gus Dur“ bekannt). Unser Treffen fand im Hauptquartier seiner starken Muslimorganisation Nahdlatul Ulama (NU) statt. Zu jener Zeit war NU die größte Muslimorganisation in der Welt.
Wir diskutierten Kapitalismus und wie er Indonesien zerstörte und korrumpierte. Gus Dur war ein „heimlicher Sozialist“, und das war einer der Hauptgründe, weshalb die servilen pro-westlichen indonesischen „Eliten“ und das Militär ihn 2001 als Präsidenten absetzten.
Als wir das Thema „Terrorismus“ berührten, erklärte er plötzlich mit seiner typischen sanften, kaum hörbaren Stimme: „Ich weiß, wer das Mariott Hotel in Jakarta gesprengt hat. Es wurde durch unsere eigenen Geheimdienste getan, um die Erhöhung ihres Budgets und die Hilfe, die sie vom Ausland erhielten, zu rechtfertigen.“
Natürlich, die indonesische Armee, die Nachrichtendienste und Polizei bestehen aus einer besonderen Sorte von Menschen. Seit mehreren Dekaden, seit 1965, haben sie ihre eigene Bevölkerung brutal terrorisiert, als der pro-westliche Coup den fortschrittlichen Präsidenten Sukarno stürzte und eine faschistisch-militärische Clique an die Macht brachte, die von der überwiegend christlichen Geschäftswelt unterstützt wurde. Dieser Terror kostete 2-3 Millionen Leben in Indonesien selbst, ebenso wie in Ost-Timor und (bis heute) im besetzten und gründlich ausgeplünderten Papua.
3 Völkermorde in nur 5 Dekaden!
Der indonesische Coup war einer der größten Terrorakte in der Geschichte der Menschheit. Die Flüsse waren verstopft mit Leichen und färbten sich rot.
Warum? Damit der Kapitalismus überlebte und westliche Bergbaugesellschaften ihre Beute machen konnten, auf Kosten einer vollkommen ruinierten indonesischen Nation. Damit die Kommunistische Partei Indonesiens (PKI) Wahlen nicht gewinnen konnte, demokratisch.
Aber im Westen wurden diese intensiven, vom Imperium geplanten, Massaker von 1965 nie als „Terrorismus“ beschrieben. Ein Hotel oder ein Pub in die Luft zu sprengen dagegen immer, besonders, wenn sie von einer westlichen Klientel besucht werden.
Nun hat Indonesien seine eigenen Gruppen von „Terroristen“. Sie kehrten aus Afghanistan zurück, wo sie im Auftrag des Westens gegen die Sowjetunion gekämpft hatten. Jetzt kommen sie aus dem Mittleren Osten zurück. Die kürzlichen Angriffe in Jakarta könnten einfach ein Vorspiel sein, ein gut geplanter Anfang von etwas viel Größerem, vielleicht eine Eröffnung der neuen „Front“ von Spielzeugsoldaten des Imperiums in Südostasien.
Für den Westen und seine Planer gilt: je mehr Chaos, desto besser.
Wäre Abdurrahman Wahid gestattet worden, Präsident von Indonesien zu bleiben, hätte es höchstwahrscheinlich keinen Terrorismus gegeben. Sein Land wäre sozialistischen Reformen unterzogen worden, soziale Gerechtigkeit institutionalisiert, Kommunisten rehabilitiert und Säkularismus eingeführt.
In sozial ausgeglichenen Gesellschaften gedeiht Terrorismus nicht.
Das wäre unannehmbar für das Imperium. Das würde bedeuten – zurück zu Sukarnos Tagen!
Der größten muslimischen Nation der Welt kann nicht erlaubt werden, ihren eigenen Weg zu gehen, Sozialismus anzustreben und terroristische Zellen zu zerstören.
Sie muss am Rande bleiben. Sie muss bereit sein, als Pfand benutzt zu werden. Sie muss eingeschüchtert werden und Furcht erregen! Und so geschieht es.
* * * * *
Die Spiele, die der Westen spielt, sind komplex und raffiniert. Sie sind undurchsichtig und nihilistisch. Sie sind so destruktiv und brutal, dass selbst die schärfsten Analysten oft ihren eigenen Augen und Urteilen nicht trauen: „Könnte dies alles wirklich geschehen?“
Die kurze Antwort ist: „Ja, es kann. Ja, es ist so, seit langen Dekaden und Jahrhunderten.“
Geschichtlich ist Terrorismus eine ursprünglich westliche Waffe. Er wurde reichlich von Leuten wie Lloyd George, einem britischen Premierminister, genutzt, der es ablehnte, die Vereinbarung gegen Flächenbombardements von Zivilisten zu unterzeichnen, mit unerschütterlicher britischer Logik: „Wir behalten uns das Recht, diese Nigger zu bombardieren, vor.“ Oder Winston Churchill, der dafür war, die „niedrigeren“ Rassen wie Kurden und Araber zu vergasen.
Deshalb wird der gesamte Westen von Panik ergriffen, wenn ein Außenseiter, ein Land wie Russland, seinen echten Krieg gegen Terrorgruppen startet. Russland verdirbt sein ganzes Spiel! Es ruiniert ein wunderbar angefertigtes neokolonistisches Gleichgewicht.
Sehen Sie nur, wie entzückend alles ist: Nach der Tötung von hunderten von Millionen überall auf der Welt steht der Westen nun als selbsternannter Verteidiger von Menschenrechten und Freiheit da. Er terrorisiert noch immer die Welt, plündert sie aus, kontrolliert sie völlig – aber er wird als der höchste Führer, als wohlwollender Ratgeber und einziger vertrauenswürdiger Teil der Welt akzeptiert.
Und fast niemand lacht!
Weil sich jeder fürchtet!
Seine brutalen Legionen im Mittleren Osten und Afrika destabilisieren ganze Länder, ihre Ursprünge sind leicht aufzufinden, aber fast niemand wagt solche Spurensuche. Manche von denen, die es versucht haben – starben.
Je erschreckender diese erfundenen, fabrizierten und eingepflanzten terroristischen Monster sind, desto schöner sieht der Westen aus. Das sind alles Tricks. Sie haben ihre Wurzeln in Werbung und jahrhundertealten Propaganda-Instrumentarien.
Dann gibt der Westen vor, diese Kräfte der Dunkelheit zu bekämpfen. Er verwendet kraftvolle „rechtschaffene“ Sprache, die eindeutige Grundlagen im christlich-fundamentalistischen Dogma hat.
Eine ganze Mythologie wird entfesselt, es fühlt sich an wie Wagners „Ring“.
Die Terroristen, nicht die enormen Ausgaben aus den Budgets des US State Department, der Europäischen Union und der NATO, repräsentieren das Böse. Sie sind böser als selbst der Teufel!
Und der Westen, auf seinem weißen Pferd reitend, leicht getrübt sein Wein, aber immer guter Stimmung, wird sowohl als Opfer als auch als Hauptfeind jener satanischen Terrorgruppen dargestellt.
Es ist eine unglaubliche Show. Es ist eine schreckliche Farce. Blicken Sie unter die Maske des Reiters: blicken sie auf diese gebleckten Zähne, das tödliche Grinsen! Sehen Sie seine roten Augen, voller Habsucht, Begierde und Grausamkeit.
Und lassen Sie uns niemals vergessen: Kolonialismus und Imperialismus sind die beiden tödlichsten Formen von Terrorismus. Und sie sind noch immer die beiden Hauptwaffen des Reiters, der die Welt erwürgt!
Andre_Vltchek_Exposing_Lies_of_the_Empire_Western_imperialism_Imperialismus_Rwanda_Gambit_Ruanda_capitalist_fundamentalism_Voelkermord_Genozid_KolonialAndre Vltchek ist ein Philosoph, Romanautor, Filmemacher und investigativer Journalist. Er schrieb über Kriege und Konflikte in Dutzenden von Ländern. Andre macht Filme für teleSUR und Press TV. Nachdem er viele Jahre in Lateinamerika und Ozeanien gelebt hat, wohnt und arbeitet er jetzt in Ostasien und im Mittleren Osten.
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