„Ohne Frieden ist alles nichts“

lautete eine Maxime von Egon Bahr.
Am 20. August 2015  ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.
von Renè Cassien
egonbahr4_v-contentgrossSein Tod hat mich sehr betroffen gemacht. Ich habe ihn sehr bewundert und möchte mich bei ihm postum recht herzlich bedanken.
Als er nach seiner frühesten Kindheitserinnerung gefragt wurde antwortete er:
Meine Großmutter saß an meinem Bett und sagte: „Ich glaube, das hier ist ein Floh oder eine Laus. Der Junge wird mal weit rumkommen.“
Er ist nicht nur weit rum gekommen, sondern hat einen völlig neuen, eigenen und erfolgreichen Politikstil geprägt.
Egon Bahr war politischer Stratege und Architekt mit visionärem Wagemut und er konnte Verhandlungen bis zur Erschöpfung und darüber hinaus führen.
Dazu meinte er:
„Man muss der Gegenseite auf Augenhöhe begegnen und darf sie nicht überfordern. Nur wer dazu in der Lage ist, kann eine rationale Politik gestalten.“
Seinen Einstieg in die Politik und Eintritt in die SPD begründete er wie folgt:
»Ich wollte nicht die Welt verbessern, und ich wollte auch nicht die Banken verstaatlichen. Ich wollte mithelfen, dass der Frieden bleibt.«
Für mich geht mit seinem Tod eine Ära der Politik und Politiker zu Ende. Nach dieser Ära ist Politik für mich nur noch Marionetten-Theater.
Hierzu Zitate von Egon Bahr :
“Die Öffentlichkeit ist durch eine Fülle von Unsicherheiten geprägt und denkt unwillkürlich, die Rettung könne von der Erfahrung kommen. Da zeigt sich der Generationenwechsel. Ich gehöre zu einer Generation, die noch elementare Entscheidungen treffen musste, während die Nachfolgegenerationen in die Selbstverständlichkeit eines Wohlfahrtsstaats hineingeboren wurden.”
“Es genügt doch nicht, ein Problem theoretisch zu analysieren, sondern es gehört die Kunst dazu, es umzusetzen, und das heißt: Einfühlsamkeit, Berücksichtigung der Sorgen und Hoffnungen des Partners. Man muss gemeinsame Interessen herausdestillieren, das ist eine Frage der Klugheit und der Psychologie und hat nichts mit Macht zu tun.”
“Was mir Sorge macht: Ich sehe nirgends Vorbilder. Die Menschen brauchen Vorbilder. Es ist gefährlich, wenn das Vertrauen in die Politik verloren geht. Es ist furchtbar jammervoll, wenn immer mehr Politiker glauben, sich leisten zu können, nationalistisch zu sein. Das passiert, wenn große Ideen fehlen. Europa ist eine große Idee, aber sie wird nicht überzeugend formuliert. Wir Menschen vergessen gerne, dass der Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. Es kann schnell alles verloren sein.”
Mit 91 Jahren sagte Egon Bahr:
„Ich weiß, dass jeder Tag der letzte sein kann, und lebe damit sehr zufrieden, auch wenn ich gern noch die nächsten 30 Jahre erleben würde, um zu sehen, wie es mit der Welt weitergeht. Meine feste Überzeugung ist, dass man neugierig bleiben muss, solange Gehirn und Physis mitmachen.“
Wie soll man sich an ihn erinnern:
Ich weiß nicht. Ich glaube, ein relativ bescheidener Mensch geblieben zu sein. Und dann endet es so, wie es bei Willy Brandt geendet hat, mit dem Satz: „Man hat sich bemüht.“
Zum Schluss eine Botschaft von Egon Bahr:
“Vielleicht habe ich einen Rat an jeden Einzelnen, und das ist die griechische Botschaft „Erkenne dich selbst“, Gnothi seauton. Du musst das machen, was in dir drinsteckt, damit du dich voll entfaltest, im Interesse der Gesellschaft und im eigenen Interesse. Wenn du dich überschätzt, wird es zuweilen komisch und lächerlich; wenn du dich unterschätzt, ist es schade.“
Und zur Erinnerung ein Video:
“Der Geheimdiplomat Egon Bahr”

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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