NICHT!

Eine Kündigung in 19 Pointen

von Franz Schandl aus „Streifzüge“
1. Politik ist ganz vom Spiel der Verwertung und der Konkurrenz geprägt, aus dem sie nicht ausbrechen kann, weil sie ihm ehern zugehörig ist. Politik ist ein Form der Kapitalherrschaft, sie ist mit dieser entstanden und wird mit dieser verschwinden.
2. Politik ist ein staatsbürgerliches und daher bürgerliches Programm. Mit ihr kann nur so weitergemacht werden wie bisher. Aber auch das funktioniert zunehmend abnehmend.
3. Politik idiotifiziert. Sie macht nicht frei, sondern dumm. Sie befreit von Engagement und Initiative, von Reflexion und Selbstermächtigung, indem sie uns zum Kunden von Parlamentarismus und Populismus macht, uns die Stimmen abnimmt und als Legitimation konsumiert.
4. Politik als solche ist zu hinterfragen, nicht bloß sind deren Mandatare oder Funktionäre, deren Apparatschiks oder Bürokraten zu skandalisieren. Das Personal ist um keinen Deut schlechter als das System, für das es steht.
5. Politik, das ist eine Falle der Immanenz. Sie hat keine Perspektive und sie ist keine Perspektive. Sie bietet keine Lösung, sie ist ein Problem.
6. Politik hat ausgedient. Sie ist nicht das Feld der Selbstbestimmung, sondern der Ort der Stimmabgabe. Wahlen sind dazu da zu rechtfertigen, was gegen uns ist.
7. Wähler werden in diesem aufgeregten, aber doch todlangweiligen Spiel zusehends zur Verschubmasse der Kulturindustrie. Wähler sind nicht der Souverän, sie schwanken vielmehr darin, eine genügsame Herde oder eine aufgebrachte Horde zu sein.
8. Frei sind Menschen nur dann, wenn sie weder Herde noch Horde sind. Wenn sie wirklich selbstbestimmte Individuen sein können und nicht formatierte Exemplare, deren Affekte über Wut und Empörung nicht hinauskommen.
9. Der herrschenden Politik, aber auch ihren Scheinalternativen, dem Populismus und dem Obskurantismus ist eine entschiedene Absage zu erteilen. Politikverdrossenheit ist kein Übel, sondern ein Ansatz.
10. Zu Demagogie und grober Anmache, zu Reklame und gesundem Menschenverstand ist entschieden NEIN zu sagen. Wo es nichts zu wählen gibt, gibt es nichts zu wählen.
11 „Keine Politik ist möglich!” ist erstens eine Absage an alle herkömmlichen Varianten der Politik, zweitens ist es aber auch eine Absage an die Politik generell. Und drittens ist das Motto eine transpositive und offensive Ansage. „Ist möglich” heißt es, nicht „ist unmöglich”.
12. Angesagt ist keine andere Politik, sondern etwas anderes als Politik. Der Käfig der bürgerlichen Form wird nicht anerkannt. Partout NICHT!
13. NICHT mitzutun und NEIN zu sagen, wo auch immer, ja selbst unter schwierigsten Bedingungen, ist die Prämisse, dass sich wirklich etwas ändern kann.
14. Das NEIN ist der Ausgangspunkt und die Motivation der Aktivierung. Das NICHT steht als Zeichen nicht für den Zusammenbruch sondern für den Aufbruch. Akteure des Lebens wollen wir sein, nicht Kunden des Geschäfts.
15. Nur das NICHT sagt NEIN zur Destruktion, es verhält sich destruktiv zur großen Destruktivität und ist daher wahrhaft konstruktiv.
16. NICHT meint nicht Resignation, es ist vielmehr ein bewusster Schritt gegen Verdrängung und Depression. Wir sind nicht wir, solange wir dafür sind.
17. Wir wollen NICHT mehr wollen. Wir kündigen. Wir sind nicht wir, solange wir mitspielen.
18. Postulieren und praktizieren wir dieses NICHT, wo immer es möglich ist, aber auch wo immer es unmöglich erscheint. Jeder Erscheinung erhöht die Möglichkeiten.
19. Das NEIN ist heute das beste JA zu Lust und Leben, zu Freundschaft und Liebe, ein JA, das sich von der traurigen Existenz der Versäumnisse und Pflichten deutlich unterscheidet. Das NICHT ist leise noch, aber es wird lauter werden….
Originaltext
Ausschnitt aus einem Kommentar von Barbara Jencik

… Man kann ja diese Gedanken, die ich im übrigen teile, auf verschiedene Art und Weise ausdrücken. Es ist natürlich erstmal eine Provokation, aber nur erstmal, wenn wir unsere Welt mit wachem Blick betrachten und unsere Erkenntnisse nicht nur dem Mainstreamjournalismus entnehmen, dann müssen wir letztendlich zu diesem, Ihrem, Schluss kommen, aber wie so häufig fragen die Menschen, ja, was sollen wir denn tun? Und genau darin liegt der Haken. Selber denken, selber machen, selber Verantwortung übernehmen, Kreativ sein, Angst besiegen, sich zusammentun, nicht in Parteien, sondern im Freundeskreis, im Haus, in der Gemeinde, in kleinen Gruppen und sich selbst sehr kritisch befragen. Das wäre der Anfang, nicht mehr mitmachen, aussteigen, wo es immer geht, egal ob aus dem Job, aus dem Auto, aus dem Konsum oder sonstigen Zwängen. …

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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