Investmentbanking – Verlust ist Gewinn

Ein paar rote Zahlen aus einer absurden Welt

Von René Zeyer aus „Journal21“
Man macht ein Geschäft, um Profit zu erzielen. Das fundamentale Prinzip der kapitalistischen Wirtschaft. Ausser Kraft gesetzt im Investmentbanking. Dort entstehen Gewinne aus Verlusten.
Bevor hier Banker besserwisserisch den Zeigefinger erheben: Natürlich gibt es Teilgebiete des Investmentbankings, die einigermassen Sinn machen. Also die Vorbereitung von Börsengängen (IPO) oder die Begleitung von Geschäftsübernahmen (Merger & Acquisition). Im rotglühenden Kern des Geschäfts, dem wilden Zocken im Derivatecasino mit wenig eigenem und viel geliehenem Geld, herrscht aber eine absurde Umkehrung der Grundlagen jeder Geschäftstätigkeit. Hier werden Gewinne aus Verlusten generiert. Wie geht das?
Milliardengewinne …
Alle Jahre wieder berechnet die Finanzplattform «Financial News» das Verhältnis zwischen Gewinn und Verlust im Investmentbanking. Sie nimmt dafür die Zahlen von 7 grossen Banken, die weiterhin dem Universalbank-Prinzip huldigen. Darunter der Branchenprimus Goldman Sachs, dazu JP Morgan, Deutsche Bank und die UBS, die hinter verschlossenen Türen gerade ihr 150-jähriges Jubiläum feiert. Dabei werden ganz einfach die Vorsteuer-Gewinne im Investmentbanking seit 2006 bis Ende 2011 zusammengezählt. Die Zeitspanne umfasst die Boomjahre 2006 und 2007, die Krise von 2008 und die sogenannte Erholung bis heute. In diesen 6 Jahren wurden von diesen 7 Banken Gewinne in der Höhe von stolzen 124 Milliarden Dollar im Investmentbanking generiert. Ein hübscher Batzen.
… werden zu Milliardenverlusten
Dieser Zahl stehen aber insgesamt Vergütungen in der Höhe von, schluck, 362 Milliarden Dollar gegenüber. Es wurde also rund 3 mal mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Es entstand in diesem grossartigen Geschäftsmodell ein Verlust von gigantischen 238 Milliarden Dollar. Der schlägt sich in kontinuierlich sinkenden Aktienkursen dieser grossartigen Banken nieder, kratzt an der sowieso viel zu dünnen Eigenkapitaldecke und führte diverse dieser Banken mindestens ein Mal an den Rand des Bankrotts. Vor dem Abgrund mussten sie mit Multimilliarden an Steuergeldern gerettet werden. Es gäbe also eigentlich keinen einzigen Grund, dieses absurde Geschäftsmodell sofort, restlos und ersatzlos zu streichen. Das wäre eine gute Nachricht für die Besitzer, die Aktionäre, und die Steuerzahler. Aber nicht für die Investmentbanker.
Primus und Allerletzter
Selbst der Branchenprimus, Goldman Sachs, zahlte an seine Investmentbanker in diesen 6 Jahren 91 Milliarden Dollar, damit die einen grossartigen Gewinn von 72 Milliarden im Schweisse ihres Angesichts erwirtschaften konnten. Kassensturz: 19 Milliarden Verlust. Noch absurder ist das Verhältnis bei der UBS, die auch hier die rote Laterne des Allerletzten trägt. Die Bank schmiss ihren Investmentbankern 46 Milliarden Vergütungen in den Rachen. Die stellten dafür einen Gesamtverlust von 51 Milliarden Dollar her. Nicht viel besser sieht es bei der Credit Suisse aus. Die verzeichnete bis Ende 2010 immerhin einen Gewinn von 4,2 Milliarden Dollar. Allerdings erkaufte sie sich diesen Betrag mit Ausgaben von sagenhaften 37 Milliarden Dollar. Alle diese Zahlen beweisen: Investmentbanking ist die einzige Tätigkeit auf der Welt, bei der aus Verlusten Gewinne geschlagen werden können.
Profite müssen bezahlt werden
Nun ist es bekanntlich ein weiteres Grundprinzip des modernen Finanzgeschäfts, dass zwar Geld für nichts, sogar für das Herstellen von Verlusten, rausgeschmissen werden kann, aber Geld nicht aus dem Nichts entsteht. Also zahlen andere die Zeche, die Investmenbanker ihren Finanzinstituten einbrocken. In der rational funktionierenden Realwirtschaft würde ein Geschäftszweig nicht erst nach 6 Jahren geschlossen, der unter Verursachung gigantischer Kosten genauso gigantische Verluste herstellt. Wieso ist das bei Banken anders? Dafür gibt es zunächst einmal einen ganz einfachen Grund. Der allmächtige Boss der Credit Suisse, Brady Dougan, ist Investmentbanker. Sein gerade mal wieder bei der UBS gescheiterter Vorgänger, Oswald Grübel, ist Investmentbanker. Sein UBS-Nachfolger Sergio Ermotti ist Investmentbanker. Investmentbanker können sich ziemlich viel vorstellen. Ausser, dass ihre ureigenste Profession untauglich, unsinnig, überflüssig und schädlich ist.
Bremsweg des Tankers
Seitdem vorher durchaus erfolgreiche und profitable Schweizer Banken sich in die Zockerhölle des Investmentbanking à la USA und England begeben haben, kamen sie in Teufels Küche, machten Milliardenverluste, gerieten ständig in die Bredouille von Haftungsprozessen, Bussenzahlungen und schaufelten Milliardengräber. Währenddessen kannten ihre Aktienkurse, zum grossen Leid ihrer Besitzer, nur eine Richtung: Nach unten, steil nach unten. Der Börsenwert der beiden Flagschiffe des Schweizer Banking schrumpfte auf ein Viertel und weniger, wenn man ihn mit den Zahlen vor dem Eintritt ins Investmentbanking vergleicht. Und dabei sind die wohl zu dünnen Rückstellungen für anstehende Rechtshändel, denen sich die beiden Banken in den USA und anderswo ausgesetzt sehen, nicht einmal einberechnet. Denn der einzelne Investmentbanker kassiert seinen Lohn ja weitgehend haftungsfrei. Seine Bank ist es nicht. Muss man angesichts dieser Zahlen noch die Frage stellen, wieso dieses absurde, untaugliche, verlustbringende Geschäftsmodell weiterbetrieben wird?
Originaltext 

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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