“Fröhliche Ostern!”

Da seht aufs Neue, dieses alte Wunder:
Der Osterhase kakelt wie ein Huhn
und fabriziert dort unter dem Holunder
ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.
Und auch der Mensch reckt frohbewegt die Glieder -
er zählt die Kinderchens: eins, zwei und drei …
Ja, was errötet denn die Gattin wieder?
Ei, ei, ei
ei, ei
ei!
Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware
ins pappne Ei zum besseren Konsum:
Ein seidnes Schupftuch; Nadeln für die Haare,
die Glitzerbrosche und das Riechparfum.
Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben,
sucht die voll Sinn versteckte Leckerei.
Man ruft beglückt, wenn sie´s gefunden haben:
Ei, ei, ei
ei, ei
ei!
Und Hans und Lene steckens in die Jacke,
das liebe Osterei – wen freut das nicht?
Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke
und ohne jedes innre Gleichgewicht.
Die deutsche Politik …  Was soll ich sagen?
Bei uns zu Lande ist das einerlei -
und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen!
Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!
Kurt Tucholsky
507789_R_K_by_Elisa-Al-Rashid_pixelio.deAkademie Integra wünscht ebenfalls allen Lesern:

Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!

Wir gönnen uns ein paar Ruhetage und melden uns nach Ostern wieder.
Veröffentlicht unter Éthnos, René´s Notizen | Hinterlasse einen Kommentar

Sonne und Mond – Hintergründe und Wege im Ost-West-Konflikt um die Ukraine

von Johannes Mosmann aus “Dreigliederung”
Nimm keine Reiche,
Denn sie vertreibt dich aus dem Haus;
Nimm keine Arme,
Denn dann ist’s mit der Ruhe aus.
Die freie Freiheit,
Die nimm und den Kosakenruhm,
Soll sie auch nackt sein,
Ist sie nur frei, so sei es drum!
Taras Schewtschenko, Nationaldichter der Ukraine
Was will Russland?
„Mit 45,7 Millionen Einwohnern ist die Ukraine das einzige der Länder der östlichen Partnerschaft, welches eine herausragende strategische und wirtschaftliche Bedeutung für die Europäische Union hat, einerseits als sich entwickelnder Markt, andererseits als Transitland für russisches Gas.“
So die Friedrich-Ebert-Stiftung 2011 in einem Positionspapier zum Assoziierungsabkommen mit der Ukraine[1]. Im Auge hat die der SPD nahestehende Denkfabrik demnach den „Wert der ukrainischen Wirtschaft“ als Lieferant von Rohstoffen, Getreide und Ölpflanzen einerseits (die Ukraine ist der flächenmäßig größte Staat des Kontinents, drittgrößter Getreideexporteur der Welt und „Kornkammer“ des Ostens), und als Absatzmarkt für Technologie andererseits.
Ganz unverhohlen verfolgt der Westen in der Ukraine ökonomische Interessen. Diese Tatsache verführt leicht dazu, das ökonomische Motiv zu verallgemeinern, und als Erklärungsmuster auch für die russische Politik heranzuziehen. Doch genau das ist das Missverständnis, das die Welt an den Rand eines Weltkriegs bringen könnte. Sofern der russische Öl- und Gasexport auf seinem Weg nach Mitteleuropa die Ukraine passieren muss, hat Russland zwar auch ein ökonomisches Interesse an der Ukraine. Doch das ist sekundär. Die Friedrich-Ebert-Stiftung stellt richtig fest:
„Wenn man berücksichtigt, dass der Handel zwischen der Ukraine und Russland nur zwei Prozent der Gesamtleistung Russlands ausmacht und Russlands Exporte in die Ukraine im wesentlichen aus Gas bestehen, wird deutlich, dass es Russland nicht um wirtschaftliche Fragen, sondern um politischen und geopolitischen Einfluss und die Idee eines postsowjetischen Imperiums unter der Führung Russlands geht.“
Allerdings ist die Brandmarkung der russischen Politik als „Imperialismus“ selbst noch zu ökonomisch gedacht, um die wahren Motive aufdecken zu können. Russland hat sich Stück für Stück aus nahezu allen seinen ehemaligen Einflussgebieten zurückgezogen, so dass an die Stelle des einstigen Ost-Imperiums ein Gürtel aus Nato-Staaten rücken konnte. „Imperialismus“ ist dasjenige Motiv, das man gerade dem Osten am wenigsten nachsagen kann. Der Osten steht grundsätzlich anders in der Welt als der Westen. Solange der Westen das Wesen des östlichen Strebens nicht durchschaut, und stattdessen nur eine Abart der eigenen Logik auf den Osten projiziert, ist das Missverständnis, und letztendlich der kriegerische Konflikt unausweichlich.
Der Osten
Im unablässigen anti-russischen Spott der Medien im Vorfeld der olympischen Spiele 2014 kündigte sich der hässliche Konflikt um die Ukraine bereits an. Die russische Führung wurde verhöhnt, weil sie für das Sportereignis mit 50,8 Milliarden Dollar so viel ausgeben musste, wie alle bisherigen Spiele der vergangenen hundert Jahre zusammen gekostet hatten. Die USA dagegen kamen 2002 mit nur 2 Milliarden Dollar aus. Einmal mehr bewies Russland also: das ökonomische Geschick findet im äußersten Westen seinen Höhepunkt, und nimmt in Richtung Osten kontinuierlich ab.
Daran dürfte mittlerweile kein Zweifel mehr bestehen. Die Frage ist nur: Sind Hohn und Spott irgendwie praktikable Reaktionen auf dieses Phänomen?
Auf geistigem Felde ist man mindestens genau so ungeschickt wie Russland auf ökonomischem, wenn man in Korruption und Putinschem Großkönigtum die Ursachen der ökonomischen Ineffizienz vermutet, so als müsste man diese nur ausschalten, um den Osten mit Wohlstand zu segnen. Beide gehören jedoch ebenfalls mit zum Phänomen. Und es käme gerade darauf an, die Frage nach der gemeinsamen Ursache dieser Phänomene einmal ernsthaft zu stellen, ohne Beimischung irrationaler Gehässigkeit.
Hinweise auf diese Ursache kann man z.B. in der Begegnung mit Russen gewinnen. Ich selbst unterrichte seit mittlerweile 7 Jahren Deutsch für die Kinder von Zuwanderern aus Osteuropa, ehrenamtlich, und bin mit meinen russischsprachigen Kollegen befreundet. Regelmäßig mache ich die Erfahrung, dass eine Verhaltensweise, die für mich so selbstverständlich ist, dass sie unter meiner Bewusstseinsschwelle liegt, durch die entgegengesetzte Verhaltensweise eines russischsprachigen Kollegen plötzlich ans Licht gezerrt wird. Manches, das ich vorher instinktiv zu meiner Individualität gerechnet hatte, erscheint dann plötzlich als Eigenschaft meiner Nationalität, und ebenso ergeht es dabei meinem Gegenüber. In der Begegnung können wir uns deshalb der jeweils eigenen nationalen Prägung gegenüberstellen, und demgegenüber unser eigentlich Individuelles fassen.
Ich erinnere mich z.B. noch gut an ein rauschendes Fest. Es wurden Köstlichkeiten aus allen Gegenden Osteuropas gereicht, und ich war schnell satt. Doch die Teller wanderten weiter zu mir.
Ich sagte: „Nein, danke, ich bin satt“. Aber die Gastgeber trugen weiter auf, als wäre nichts gewesen. In den schmeichelndsten Tönen wurden mir weitere Speisen angeboten, und mein Nein freundlich überhört. Langsam wurde ich ärgerlich. Mein russischsprachiger Kollege bemerkte, was vor sich ging, und fing an zu lachen. Dann erklärte er mir: „Weisst Du, Du gehst von Deinen Bedürfnissen aus. Darum geht es hier aber gar nicht. Essen ist ein soziales Ereignis. Der Gastgeber hat sich in Unkosten gestürzt, um es Dir so angenehm als möglich zu machen. Du solltest nicht um Deinetwillen essen, sondern um dem Gastgeber die Möglichkeit zu geben, Dich zu beschenken.“
Später, auf dem Weg nach Hause, kamen wir noch einmal ins Gespräch. Mein Kollege war überzeugt, in meinem Verhalten einen Wesenszug des Westens entdeckt zu haben. Plötzlich sagte er: „Ich bewundere es, wie Du einfach sagst, ich habe Hunger, ich bin satt, und es einfach immer so machst, wie es Dir selber passt. Ich glaube, das ist der Kapitalismus.“ Und er erklärte, von mir lernen zu wollen, wie Kapitalismus funktioniert. Das war in diesem Moment keine Kritik, sondern aufrichtige Anerkennung.
Wer meine theoretischen Arbeiten kennt, wird sich vorstellen können, dass es für mich zunächst schwierig war, als Repräsentant der kapitalistisch-westlichen Lebensweise zu dienen. Bis heute konnte ich meinem Kollegen diesen Glauben nicht ausreden. Allerdings erkenne ich mittlerweile das Berechtigte dieser Rollenzuweisung an. Es hängt nämlich mit etwas ganz anderem zusammen, als man zunächst vermuten würde: Meine russischsprachigen Kollegen gehen selbstverständlich davon aus, dass der westlichen Wirtschaftsweise eine mindestens ebenso klare und umfassende Idee zugrunde liegen muss, wie dem Sozialismus. Und diese Idee wollen sie verstehen. Wenn ich deutlich machen will, dass der Kapitalismus gerade nicht auf einer Idee gründet, sondern auf dem Trieb- und Willensleben, das sich zunächst ökonomisch auswirkt, um dann hinterher einigermaßen hinreichend auch ideell abgebildet zu werden, ist das für sie einfach nicht akzeptabel.
Insbesondere in China, aber auch in Russland klingt die einstige Hochkultur Asiens nach. Nicht aus den Bedürfnissen und Fähigkeiten des Einzelnen ergab sich damals die soziale Ordnung, sondern der Einzelne war umgekehrt in die fertige Ordnung eigegliedert, die ihrerseits aus kultisch-religiösen Zusammenhängen gestiftet war. Die Religion wurde vom Sozialismus gründlich ausgetrieben, doch nur, um das religiöse Empfinden, den Kultus auf eine äußere Macht zu übertragen. Je weiter man nach Osten geht, desto mehr zeigt der Mensch auch heute noch die Bereitschaft, seinen Wert von der Bedeutung abzuleiten, die er für ein bestehendes System besitzt.
Damit hängt ein anderes Erleben der Ideenwelt überhaupt zusammen: Die großen Ideen, die Menschen in ihrer Brust fühlen können, sind nicht Mittel zum Zweck, sondern ein Wert an sich. Die Idee ist nicht bloß Abbild der äußeren Wirklichkeit, sondern selbst die wahre Wirklichkeit. Im Extremfall bedeutet das: das Individuum hat seinen Wert durch die gemeinsame Idee, und kann deshalb auch für diese geopfert werden.
Selbst Putin, der alles andere als ein Poet ist, zeichnet noch dieser hervorstehende Wesenszug des Ostens. Es ist sehr schade, dass in Deutschland Obamas Reden breit beworben werden, während von Putins öffentlichen Auftritten bestenfalls entstellende Videoschnipsel durchsickern. Denn für ein Verständnis der eigentlichen Ursache der Phänomene wäre es sehr hilfreich, wenn mehr Menschen hierzulande Auftritte des russischen Präsidenten unbefangen betrachten könnten. Putin spricht nämlich eine ganz andere Ebene bei seinem Publikum an als westliche Politiker. Obama beweist gewissermaßen selbst in der politischen Rede noch das ökonomische Geschick des Westens, indem er unmittelbar mit den Neigungen und Bedürfnissen seiner Zuhörer arbeitet. Putin dagegen dienen die äußeren Ereignisse als Material für einen mehr poetischen Ausdruck, der im Zuhörer das Gefühl erzeugen soll: es spricht Weisheit durch den Präsidenten. Der Präsident trägt Geist in sich, und diesen Geist teilt das Volk mit ihm, indem jeder von derselben Ideen-Kraft durchdrungen ist.[2]
Aus dieser Bewusstseinsverfassung folgt einerseits unmittelbar die Tendenz zum Despotismus, wobei das nicht ganz das treffende Wort ist, da der Patriarch hier selbst nur aufgrund der Glorie erstrahlt, die ihm sein Verbundensein mit der gemeinsamen Idee verleiht. Andererseits folgt daraus auch unmittelbar das ökonomische Ungeschick – die Wirtschaft muss gerade die individuelle Leiblichkeit in ihr Recht setzen, um sich entfalten zu können, sowohl von der Bedürfnis-, als auch von der Fähigkeitsseite her. Sie darf gewissermaßen den Geist nicht nur in der Idee erleben, sondern muss ihn auch in den Trieben und Neigungen suchen. Für den äußersten Osten verwandelt sich die Ignoranz der Leiblichkeit allerdings wieder in einen „ökonomischen Vorteil“, wenn auch in einen zweifelhaften: der geringe Wert des einzelnen Menschenlebens wird zum Kapital, auf dessen Grundlage der Westen mit billigen Konsumgütern versorgt werden kann.
Die Stärke des Ostens liegt darinnen, die Gemeinschaft um ihrer selbst willen zu wollen, und den Wert des Individuums an seinem Beitrag für diese Gemeinschaft zu bemessen. Als einseitiges Extrem kann dieser Zug unmenschlich werden. Als bewusst entwickelte Qualität könnte es allerdings wiederum den Westen über dessen Einseitigkeiten hinweg und seinerseits zu einer menschenwürdigen Gemeinschaft führen. Zumindest ist aber das Wahrnehmen und Erkennen dieses Wesenszugs die Vorraussetzung, um überhaupt mit dem Osten in ein Verhältnis zu kommen. Putin will die Ukraine, weil er von der Idee eines einheitlich wirkenden Reiches ergriffen ist. Ihm geht es im wesentlichen um eine  geistige Gemeinschaft. Auch wenn das in der Praxis häufig gerade zur Unterdrückung ethnischer Minderheiten führt – gemeint ist zunächst das genaue Gegenteil einer Expansion, nämlich die Integration, die Einladung der Welt zur Bruderschaft mit dem Slawentum.
Der Westen
Der genau entgegengesetzte Wesenszug ist in den USA vorherrschend. Letztendlich trägt das amerikanische Imperium nichts als der Instinkt für die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten.
Man kann das bis in alle Einzelheiten des wirtschaftlichen Lebens nachweisen. Es lohnt sich zum Beispiel, zu rekonstruieren, wie die Super-Unternehmen der Gegenwart von Amazon bis Google eigentlich entstanden sind: Es findet sich in der Regel, dass bereits in der frühen Entwicklungsphase ein US-Investor alle Konzepte, Finanzpläne und Sicherheiten in den Wind schlägt, und stattdessen sagt: „Ich fühle in meinen Knochen, dass dieser Mann Erfolg haben wird“.[3] Für deutsche Denkgewohnheiten ist das unvorstellbar. Die Deutschen wollen sich wenigstens mit einem Bein auf Verordnungen und Sicherheiten stellen können. In der Wahrnehmung von Amerikanern und Engländern liegt Deutschland deshalb viel östlicher, als Deutsche das glauben möchten. Genau so, wie die Deutschen über Putin’s olympisches Geldloch spotten, so spottet man im englischsprachigen Raum über „dummes deutsches Geld“ – Kapital, das wenig riskiert und deshalb kaum Zins bringt, und dennoch überdurchschnittlich häufig in Pleiten verbrannt wird.
Es beruht auf einem völligen Unverständnis für den amerikanischen Kulturimpuls, wenn sich Mitteleuropa aufgrund vermeintlich „gemeinsamer Ideen“ im selben Lager wähnt. Diesbezüglich ist es auch sehr erhellend, die Werke amerikanischer und deutscher Neoliberaler miteinander zu vergleichen. Die „Wirtschaftstheorie“ eines Milton Friedman ist nämlich gar keine. Vielmehr handelt es sich bei seinen „Ideen“ um situationsbezogene Lösungsversuche. Als solche sind sie zwar aus einer bestimmten Perspektive gedacht, und insofern einseitig, deshalb aber auch nicht falsch. Deutsche wie Walter Eucken dagegen lösen sich sehr bald von der konkreten Situation, und denken fortan um des Denkens willen.
Das Ergebnis ist eine geschlossene „Wirtschaftstheorie“ im eigentlichen Sinn, die dann gegenüber der Wirklichkeit ideologisch wirkt – die Theorie der „sozialen Marktwirtschaft“.
Ein solcher Umgang mit der Ideenwelt entspricht dem Osten, ist dem Westen aber völlig fremd. Als die US-Regierung im Herbst vergangenen Jahres Deutschland die Schuld an der Eurokrise gab, mit der Begründung, Deutschland produziere zu viel, konnte man die Verwirrung der Deutschen durch alle Parteien verfolgen. Schließlich war man angetreten, die vermeintlich gemeinsame Idee des Wettkampfs über Europa zu ergießen. Genau das sollte plötzlich falsch sein? Diese Verwirrung wird Dauerzustand bleiben, wenn nicht auch eine Erkenntnis des amerikanischen Wesens ernsthaft angestrebt wird. Für die USA ist es eben kein Widerspruch, einmal etwas zu fordern, und dasselbe im nächsten Augenblick zu verurteilen. Denn die westliche Bewusstseinsverfassung ist tatsächlich der Gegenpol zur östlichen: Die Idee ist hier lediglich Mittel zum Zweck. Sie stimmt, sofern und solange sie funktioniert.
Als solche hat die Idee für den Westmenschen keine Glorie, die ihr Dauer verleihen könnte. Sie ist vielmehr Ausdruck der jeweiligen Willens-Konfiguration. Nicht in der Idee, sondern im Willen erlebt der Westmensch das eigentlich Menschliche. Im Extremfall bedeutet das: Das gemeinsame Ideal ist nur Maske des niederen Triebs, und wird für letzteren geopfert.
Aus diesem Grund verdankt die Welt das Aufrechterhalten der realen Möglichkeit zur Freiheit aber auch den USA. Zwar hat Mitteleuropa große Denker hervorgebracht, und diese Denker große Ideen der Freiheit. Doch Ideensysteme allein führen nicht zur Freiheit. Wenn sie, wie z.B. die Gedankensysteme eines Hegels oder Fichtes, als in sich notwendig erscheinen und zudem geeignet sind, eine östlich-religiöse Stimmung hervorzurufen, können vielmehr gerade die Freiheitsideen in den Totalitarismus führen.
So paradox es zunächst erscheinen mag: Man muss die Idee weniger ernst nehmen können als ein deutscher Idealist, um Freiheit auch im sozialen Leben zu gewinnen.
Man erkläre das eigene Ideal einem Deutschen – der Deutsche wird sich herausgefordert sehen, die Richtigkeit dieses Ideals denkend zu prüfen, entsprechend zu urteilen, und unter Umständen rechtliche Mittel gegen die vermeintliche Sekte zu bemühen. Der Amerikaner dagegen sagt: „Also, wenn das für Dich funktioniert, ist es eine gute Sache.“ Er hat es gar nicht nötig, eine Weltanschauung selbst denken zu müssen, um sie dennoch bejahen zu können – sofern sie lebensfördernd erscheint.
Was kritisch über die USA gesagt werden muss, reicht nicht, um ihre Weltherrschaft zu erklären.
Diese beruht vielmehr auf der Fähigkeit, einmal gefasste Ideen und Konzepte in den Wind schlagen zu können und stattdessen die Fruchtbarkeit neuer Impulse unmittelbar zu erfassen und in das eigene System zu integrieren, indem sie der entsprechenden Individualität den zu ihrer Entfaltung nötigen Freiraum gewähren. Die USA expandieren, indem sie individuelle Fähigkeiten integrieren.
Europa
Die frühen Hochkulturen Asiens sind Personenverbände, innerhalb welcher der Mensch seinen Wert durch eine fest vorgegebene Stellung im Gesamtorganismus hat. An der Spitze stehen „Eingeweihte“, die sich durch besondere Fähigkeiten und Verrichtungen Erkenntnisse der göttlich-geistigen Welt verschaffen. Nur mittelbar, durch das Verbundensein mit diesen hochstehenden Persönlichkeiten, ist auch der einfache Mensch mit dem Göttlich-Geistigen verbunden.
Dementsprechend ist er auch noch nicht „Rechtssubjekt“ in unsere heutigen Sinn, sondern unselbständiges Glied einer vorgegebenen Ordnung. Die europäische Geschichte ist im Grunde genommen die Geschichte der (noch unvollendeten) Umstülpung dieses Organismus: Allmählich wird jedem Menschen als solchem ein unmittelbares Verhältnis zum Göttlich-Geistigen zuerkannt.
Damit einhergehend empfindet man immer deutlicher, dass jeder Mensch dem anderen in gewisser Beziehung gleicht. So entsteht als neue, gesellschaftsbildende Kraft das Rechtsleben.
Das Rechtsleben ist das eigentliche Lebenselement Europas.
Dabei kann natürlich nicht davon gesprochen werden, dass nun deshalb jeder Mensch in das alte Tempelwissen eingeweiht wird.
Vielmehr hängt das Entstehen des Rechtslebens gerade mit der Empfindung zusammen, dass es darauf nicht ankäme: Wie weit der Einzelne in geistiger Beziehung auch fortgeschritten sein mag oder nicht – das Göttlich-Geistige liegt als Ganzes, unabhängig von jeder möglichen Konkretion, im natürlichen Menschen selbst beschlossen.
Neben die Hierarchie, die im Osten wie von außen kommend die Gemeinschaft formt, stellt Europa so eine zweite Kraft, die nun die Gemeinschaft aus der Begegnung von Mensch zu Mensch hervortreibt. Insbesondere der zunehmende Handelsverkehr ermöglicht vielfältige Begegnungen, in denen sich allmählich ein Begriff für den allgemeinen Wert des Menschen, ungeachtet von Kaste, Rasse oder Geschlecht, heranbildet. So stellt sich neben das göttliche Gebot das menschliche Gesetz. Man kann es auch so sagen: Der Mensch löst den Geist aus seinen theokratischen Formen heraus, indem er ihn dem Menschen als solchem zuspricht. Auf dem Gebiet des Rechtslebens erscheint der Geist damit als  leere Form: er ist Anspruch und Zuspruch, ungeachtet seines konkreten Inhalts. Die Persönlichkeitsrechte etwa besagen nicht, der Mensch sei frei, diese oder jene Idee umzusetzen, sondern eben: der Mensch ist frei, zu entwickeln, was auch immer in ihm liegen mag. Das Rechtsleben setzt den individuellen Menschen somit als höchste moralische Instanz voraus. Es unterstellt:
der Mensch ist gut. Und nur, sofern sich aus seinem konkreten Handeln irgendeine Beeinträchtigung für die Rechte seines Nächsten ergibt, kann der Einzelne in seinen Rechten wieder beschnitten werden. Das heisst: das Rechtsleben fasst den Menschen als einen Werdenden, und macht ihn deshalb zur höchsten Instanz der sozialen Ordnung.
Damit schreitet aber das Rechtsleben dem Geistesleben voran. Das alte Geistesleben verliert seine Potenz. Das neue Geistesleben soll nun aus der freien Entfaltung des Individuums hervorgehen. Dieses neue Geistesleben ist aber noch nicht, sondern entsteht zunächst aufgrund des Gefühls für den allgemeinen Wert des Menschen als Möglichkeit. Das Rechtsleben ist also Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft – es baut auf etwas, das empirisch noch nicht vorhanden ist. In diesem Zusammenhang liegen sämtliche sozialen Verwerfungen der Gegenwart begründet. Denn wenn nicht von anderer Seite auch realisiert wird, was das Rechtsleben nur unterstellen kann, wenn also das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit nicht ausgefüllt werden kann eben durch eine tatsächliche freie Entfaltung der Persönlichkeit, dann zieht in das Rechtsleben etwas ein, das eigentlich eine Verkehrung des Rechts ist: das Normative. Dann weicht der Mensch überall da, wo nur das Ich tragen könnte, doch wieder aus auf den Schatten der Vergangenheit, auf die Hierarchiebildungen des alten Asiens, die nun aber, da sie nichts Wirkliches mehr sind, als realisierte Antithese des Menschen wirken. Das ist die andere Geschichte Europas: Weil ihm ein zeitgemäßes Geistesleben und ein zukunftfähiges Wirtschaftsleben als Gegenstücke fehlen, projiziert das sich entfaltende Rechtsleben das längst vergangene Geistesleben Asiens in die Gegenwart hinein, woraus dann der moderne Staat, und letztendlich der Verwaltungsapparat der EU entsteht.
Im Schatten des Ich
Die Geschichtswissenschaft weiß, wie jenes alte Geistesleben zunächst den Unterboden für das römische Reich bildet, wie die daraus resultierenden Verwaltungsformen dann abstrahiert werden, und, im Wechselspiel mit der katholischen Kirche, allmählich den heutigen Staatsapparat hervorbringen. Bereits die Entstehung des Karolinger Reichs vollzieht sich auf diese Weise: Mit Pippin dem Jüngeren rückt der „Hausverwalter“ (ein Überbleibsel des römischen Staatsapparats) zum König auf, und beginnt nun, unter Einfluss der katholischen Kirche, die gewachsenen Personenverbände des frühen Mittelalters durch Verwaltungsmechanismen nach antikem Vorbild zu ersetzen. Karl der Große richtet dann Verwaltungsbezirke («ducati») nach dem Vorbild Konstantins ein, und stellt an ihre Spitze entsprechende Verwaltungsbeamte. Gekleidet in zunehmend juristisch-logische Begrifflichkeiten vollzieht sich so ein Nachbau der Architektur früherer Gesellschaftsformen. Im europäischen Mittelalter werden die römischen Rechtsinstitutionen als «ratio scripta», als «geschriebene Vernunft», verehrt. Aus dem Studium der römischen Rechtsvorschriften entsteht dann allmählich das kodifizierte Recht, das dann auf das äußere Leben angewandt wird. Interessanterweise kommt es aber im 17. und 18. Jahrhundert aus dem unmittelbaren Rechtsempfinden zu einem Gegenschlag gegen dieses «Gelehrtenrecht»: neben das römische Recht stellt sich das sogenannte «neuere Naturrecht».
Am Beispiel der Geschichte der heiligen Kuh der Deutschen, dem Verein, möchte ich das Wesentliche dieser Auseinandersetzung hier kurz skizzieren, und so die Grundproblematik der europäischen Geschichte verdeutlichen. Die Naturrechtslehre führt den Begriff der «moralischen Person» oder der «persona mystica» ein. [4] Gemeint ist damit jenes Höhere, dass sich bildet, wenn Menschen frei zusammenwirken, so dass in dieser Hinsicht viele Menschen doch auch wie ein Wesen betrachtet werden können. Ganz selbstverständlich geht diese Rechtsauffassung vom Recht zur Bildung solcher Personenverbände aus – für die es aber, anders als heute, keinerlei staatlicher Anerkennung bedarf. Nach dieser Rechtsauffassung kann der Staat Personenverbände auch gar nicht anerkennen, da nicht die Gemeinschaft, sondern nur der individuelle Mensch in ein Verhältnis zum Staat tritt. Die Gemeinschaft bleibt immer erkennbar das Ergebnis des Zusammenwirkens konkreter Individualitäten, und löst sich nicht wie der heutige Verein als «juristische Person» von ihnen ab. Mit Austritt der Mitglieder verschwindet auch der Personenverband – mit neuen Mitgliedern bleibt er nicht als der selbe Verband bestehen.
Das römische Recht kannte solche Personenverbände nur in Ansätzen. Es beruhte mehr auf Gegenüberstellung von Bürger und Gemeinschaft. Entscheidend für das Verständnis der weiteren Entwicklung ist dabei allerdings der Umstand, dass im alten Rom mit «Bürger» nicht das Individuum gemeint war. Der mit allen Rechten ausgestattete volle «Bürger» im römischen Sinn war das älteste Familienmitglied mitsamt seines unselbständigen Anhangs, das heisst: Handwerker, Frauen, Sklaven, Kinder, Grund und Boden. Selbst der erwachsene Sohn dieses Bürgers konnte z.B. erst nach dem Tod seines Vaters überhaupt etwas erwerben, da zuvor alles, das er kaufte, automatisch in den Besitz seines Vaters überging. Die römischen Rechtsinstitutionen bilden sich auf Grundlage eines Geisteslebens, das gewissermaßen noch wie ein reiner Naturprozess aus Blut und Boden herauswächst. Die kleinste Einheit ist nicht das Individuum, sondern die Sippe.
In der Naturrechtslehre des 17. und 18. Jahrhunderts zeigt sich dagegen, wie das Rechtsempfinden bereits etwas zu ahnen beginnt von einer Gemeinschaft, die zugleich die freie Tat des Einzelnen ist. Der Begriff der menschlichen Individualität fliesst allmählich in den allgemeinen Menschen-Begriff ein. Und jetzt geschieht etwas Merkwürdiges, das allerdings ein grelles Licht auf das Lebensrätsel des modernen Menschen wirft. Dieser Prozess bedingt nämlich in gewisser Weise zugleich die eigene Vernichtung. Das Ich wird bald so stark empfunden, dass es die geistigen Erzeugnissen der Naturrechtslehre zu relativieren beginnt. Es gelingt ihm nicht, innerhalb des eigenen Wesens wiederum etwas Wirkliches zu finden – «Recht» ist plötzlich «bloß» subjektiv. [5] Indem das Ich nun einen Anhaltspunkt außer sich selbst sucht, von dem es das Recht herleiten kann, tritt neben die Naturrechtslehre die historische (und später die positivistische) Rechtstheorie. Diese wendet sich dem geschichtlich Gewordenen zu und versucht die Rechtsgebräuche der Vergangenheit für die Zukunft zu kodifizieren. Im 19. Jahrhundert erlebt die «ratio scripta» der Römer deshalb ihren Siegeszug, und verdrängt das Naturrecht.
Die Pandektenwissenschaft (Die Erforschung der «Pandekten», d.i. die 533 n. Chr. von Kaiser Justinian versammelten römischen Rechtsvorschriften) geht dazu über, den Deutschen ein einheitliches Gesetz zu stiften, das Bürgerliche Gesetzbuch. Ähnliche Bestrebungen gibt es überall in Mitteleuropa. Dabei versuchen die Gelehrten des römischen Rechts nun auch die «persona mystica» für die staatliche Verwaltung greifbar werden zu lassen. Also wenden sie das römische Recht, obwohl dieses die freie Personenvereinigung noch nicht kennt, auf die Personenvereinigung an. Sie verbinden gewissermaßen das Rechtssubjekt im römischen Sinn mit der Realität der Gegenwart, indem sie die «persona mystica» römisch interpretieren: Anders als die Naturrechtler glauben, existiere der Personenverband auch unabhängig von den konkreten Personen. Er sei eine Art «fiktiver» Bürger, verbunden mit einem «Substrat». Dieser fiktive Bürger bliebe bestehen, auch wenn die Mitglieder vollkommen ausgetauscht würden. Und der fiktive Bürger werde selbstverständlich erst durch einen Verwaltungsakt des Staates Wirklichkeit, müsse also vom Staat anerkannt werden. Außerdem müsse er, um anerkannt zu werden, ganz bestimmte Formen vorweisen, brauche also z.B. notwendig einen Vorstand, usw. So entsteht im 19. Jahrhundert als neuer rechtstechnischer Begriff die «juristische Person» – jene fiktive Person, die heute als «Konzern» oder «Anstalt des öffentlichen Rechts» anstelle des Individuums (scheinbar) Verantwortung» trägt, entscheidet, und zur Rechenschaft gezogen werden kann.
Was im Osten trotz allen Materialismus’ noch im Glanz spiritueller Verklärung erscheint, ist in Mitteleuropa zu einem juristisch-mechanischen Apparat gigantischen Ausmaßes herabgesunken. Vom Vereinsrecht bis hinauf zur EU-Verwaltung ist das soziale Leben eingefügt in eine «demokratische» Ordnung, die von der Gurken-Form bis hin zur frühkindlichen Erziehung alle Einzelheiten des Lebens definiert. Das ist das Eigentümliche an der gegenwärtigen Auseinandersetzung zwischen EU und Russland: es stehen sich zwei Apparate gegenüber, die in Wahrheit wesensverwandt sind.
Wem dient die EU?
Der europäische Verwaltungsapparat ist gewissermaßen das juristische Kleid für die unreflektierte Hierarchiebildung des alten Asiens. So ist in die EU auf der einen Seite der Osten hineingeschoben. Und in dieses Korsett ist nun von der anderen Seite her der Westen eingezogen. Das Wirtschaftsleben ist damit in Formen eingelaufen, die seinem Wesen nicht entsprechen. Gerade das Wirtschaftsleben hat die ihm gemäße Sozialgestalt noch gar nicht hervorbringen können, sondern ist hineingepresst in ein historisches Überbleibsel des Ostens. Das eigentliche Lebenselement Europas, das Rechtsleben, ist dadurch korrumpiert: auf der einen Seite ist es Hülle unreflektierter Autoritätsgläubigkeit, auf der anderen Seite Korsett für das Wirtschaftsleben.
Das Wirtschaftsleben hat nun aber die Eigenart, dass es denjenigen, der es in ein Korsett pressen will anstatt die dem Wirtschaftsleben gemäße Form auszubilden, als Ganzes ergreift und mit sich reisst: Wenn in juristische Formen gefasst wird, was wo wie produziert werden soll, dann wird in der Folge das Juristische selbst Gegenstand des ökonomischen Interesses. Wo umgekehrt der Staat nichts über wirtschaftliche Fragen zu entscheiden hat, macht Lobbyismus keinen Sinn. Das heisst: Weil das Wirtschaftsleben von einem Super-Staat verwaltet werden sollte, ist das Staatsleben insgesamt das Opfer der Wirtschaft geworden. Insofern kann die EU durchaus als ein westliches Projekt betrachtet werden. Dieses Projekt besteht allerdings gerade darin, das östliche Element, das man in den USA so niemals dulden würde, hier in einer Weise zu installieren, dass der gesamte europäische Raum über wenige Knotenpunkte kontrolliert werden kann. Westliches Kapitalinteresse und östliche Verwaltungsdiktatur bilden so eine sehr einträgliche Symbiose. Wenn etwa Goldman Sachs und Co. z.B. öffentlich fordern, die EU müsse diese oder jene Bank retten – dann muss die EZB die Bank retten, ohne deshalb irgendeiner formellen Anweisung zu folgen. Wenn sie nämlich den Rat der westlichen Finanzelite ignorierte, würde der Euro sofort Kursverluste erleiden. Die EU kann unter der Voraussetzung der gegenwärtigen Wirtschaft gar nicht anders, als ein juristisch-verwaltungsmäßiges Geflecht so nach Innen zu treiben, wie es den westlichen Kapitalinteressen entspricht.
Es ist eine völlige Verkennung der Sachlage, Europa und USA gleichzusetzen, und gemeinsam als Partei des «Westens» zu identifizieren. Die USA sind der Westen, Europa will westlich sein. Die Europäer gehen mit einer lehrbuchmäßigen Vorstellung davon, was westliche Werte und Interessen seien, an die Sache ran – und wirken deshalb gegenüber denjenigen, die diese Interessen als lebendige Impulse in sich tragen, schlichtweg plump. Darin liegen Tragik und Komik der Rolle der EU in der Krise um die Ukraine. Henry Kissinger, der wie kaum ein anderer für die westliche Politik steht, sagt über die Rolle der EU in diesem Konflikt: «Für die Europäische Union ist es an der Zeit zu erkennen, dass ihr bürokratisches Zaudern und die Unterordnung aller strategischen Elemente unter innenpolitische Erwägungen dazu geführt hat, dass aus Verhandlungen über die Beziehungen der Ukraine gegenüber der EU eine kapitale Krise geworden ist. Außenpolitik ist nun einmal die Kunst, Prioritäten zu setzen.» [6]
Die Europäer können gar nicht anders, als auch in diesem Konflikt nur halb-westlich, halb-ökonomisch zu wirken. Sie durchschauen deshalb nicht, worin eigentlich die «strategischen Elemente» der Politik des Westens liegen. So ist auch die Rechnung der Friedrich-Ebert-Stiftung nur ein Unterkonto in der Bilanz des eigentlichen Westens, der dieses Konto bei Beendigung der Laufzeit gewinnbringend auflösen wird.
Wie rechnet die Friedrich-Ebert-Stiftung nämlich? Die Ukrainer werden billig Rohstoffe liefern, und Getreide, sogar für Drittweltländer. Konsumieren werden sie aber Technologie und Industrieprodukte aus Deutschland. Das geht allerdings nur über Kredit. In der Praxis bedeutet diese Rechnung deshalb: die Ukrainer verschulden sich, damit Mitteleuropäer ihre Produkte absetzen können, und geben dafür ihren Boden als Pfand. Es wird eine Blase geschaffen, in welche die heisse Luft aus Südeuropa entweichen kann, bis auch sie platzt. Dass hierbei wieder derjenige «global player» als Gewinner hervorgehen wird, der den sichersten ökonomischen Instinkt beweist, liegt auf der Hand.
Doch das ist mehr ein Nebenschauplatz. Auf ganz andere Weise noch macht sich die EU mit ihren Halbheiten zum Erfüllungsgehilfen westlicher Kapitalinteressen: Indem die EU das westliche Einflussgebiet unmittelbar an die Grenze zu Russland verschiebt, drängt sie Russland aus Europa hinaus und bindet es an China. Das liegt jenseits jeder bewussten Absicht europäischer Politiker, ist aber gleichwohl ein Kernpunkt der westlichen Strategie: «Ohne die Ukraine ist Russland kein eurasisches Reich mehr. Es kann trotzdem nach einem imperialen Status streben, würde aber dann ein vorwiegend asiatisches Reich werden, das aller Wahrscheinlichkeit nach in lähmende Konflikte mit aufbegehrenden Zentralasiaten hineingezogen würde, die den Verlust ihrer erst kürzlich erlangten Eigenstaatlichkeit nicht hinnehmen und von den anderen islamischen Staaten im Süden Unterstützung erhalten würden […] Der springende Punkt ist, und das darf man nicht vergessen: Ohne die Ukraine kann Rußland nicht zu Europa gehören, wohingegen die Ukraine ohne Rußland durchaus Teil von Europa sein kann.» So der ehemalige Sicherheitsberater von Jimmy Carter, Zbigniew Brzeziński, im Jahr 1997. [7]
Russland will näher an Europa rücken. Doch nichts würde die derzeitige westliche Wachstumsstrategie mehr gefährden als ein freiheitlich-demokratisches Russland. Ein solches Russland könnte nämlich, indem es sich mit Mitteleuropa verbindet, die Dialektik zwischen Ost und West durchbrechen. Einerseits könnten sich in einem freiheitlich-demokratischen Russland neben den östlichen auch wieder eigentlich slawische Impulse geltend machen, die, im gegenseitigen Verständnis mit mitteleuropäischen Impulsen, unweigerlich völkerverbindend wirken müssten. Andererseits würde das mitteleuropäische Industrie- und Handelskapital in Verbindung mit dem russischen und osteuropäischen Bodenkapital einen Wirtschaftsorganismus ermöglichen, der weitgehend unabhängig vom westlichen Geldkapital und vom militärisch-industriellen Komplex agieren könnte. Dieses Horrorszenario für den Westen beschrieb der britische Geopolitiker Halford Mackinder bereits 1904 in seinem Aufsatz «The geographical pivot of history», der dann bekanntlich eine der Grundlagen der US-Außenpolitik während des kalten Krieges wurde. [8] Zwar nicht im Detail, aber in seinen Grundzügen gilt diese Leitlinie westlicher Politik heute mehr denn je.
Die EU handelt durchweg nach dem Drehbuch westlicher Strategen: Sie verfängt sich in der westlich initiierten Dialektik, beschimpft Putin als Despoten, und verleibt sich die Ukraine ein, indem sie die nationalen und rechtsnationalen Kräfte in der Ukraine aufbaut. Im Ergebnis muss sich Putin von Europa entfernen und an China orientieren. Fieberhaft wird derzeit daran gearbeitet, die Energieversorgung der Ukraine von Russland abzukoppeln, und letztendlich auch die europäische Abhängigkeit vom russischen Öl- und Gas zu beschränken. Dadurch wird Europa stärker an die amerikanisch kontrollierten Energiequellen im arabischen Raum gebunden und in die Kriegsherde im nahen Osten verwickelt, während Russland an China verkaufen muss – zu jedem Preis. Russland gerät unter die Kontrolle Chinas, so dass die chinesische Grenze immer mehr unmittelbar an Europa heranreicht. Die Polarisierung zwischen Ost und West findet keine Vermittlung mehr, sondern steigert sich, was, wie gesagt, einen ökonomischen Vorteil bringt – für die USA und China.
Ein freiheitliches Russland oder gar ein freiheitliches China liegen nicht im Interesse der USA. Dabei ist es völlig unerheblich, ob irgendeine bewusst formulierte Doktrin dieses oder etwas anderes fordern mag – das Interesse ergibt sich vielmehr einfach aus der Tatsache der gegenwärtigen Wirtschaftsweise: Die USA haben ein existenzielles Interesse daran, dass sich ihnen ein östliches System entgegenstellt. Denn westliches Kapital und chinesischer Totalitarismus bilden unter der Oberfläche der «Politik» eine Symbiose. China ist der Hauptversorger der USA. Das Handelsbilanzdefizit der USA gegenüber China betrug im Jahr 2013 etwa 318 Milliarden US-Dollar, das heisst, um diese Summe überstiegen die Importe aus China die Exporte nach China. Der Leistungsstrom verläuft also einseitig von Ost nach West. Doch dank dieser enormen Nachfrage aus dem Westen nimmt China Teil am Weltmarkt, und kann die so eingesammelten Dollarberge reinvestieren – z.B. in den amerikanischen Staat. China ist mit 1,3 Billionen Dollar größter Gläubiger des US-Haushalts. Die USA wiederum können Dank der billigen Bedarfsgüter aus China die eigenen Kräfte verstärkt auf Technologie, Dienstleistung und Militär verlagern. Der gigantische chinesische Kredit ermöglicht zudem geringe Steuern. China seinerseits kopiert die Technologie – und liefert mit deren Hilfe wiederum die Grundversorgung für den Westen. Der Westen lebt wirtschaftlich davon, dass im Osten ein Menschenleben wenig gilt, der Osten wiederum davon, dass das Glück des Einzelnen im Westen alles zählt.
Für den Westmenschen liegt die Leitlinie seines Handelns unmittelbar in dem, was die Tatsachen ökonomisch fordern. Es kann sich deshalb nicht darum handeln, die ökonomische Orientierung der USA zu verurteilen, und etwas anderes von der US-Politik zu fordern, als das, was eben im Wesen des Westens liegt. Damit bewiese man nur ein weiteres mal, dass man selbst nur in Vorstellungen leben, und nicht mit den Tatsachen rechnen kann. Es käme vielmehr darauf an, ein Verständnis für jene Tatsachenlogik zu entwickeln, die dem Westmenschen in die Instinkte gelegt ist. Es käme darauf an, zunächst grundsätzlich anzuerkennen, dass die westliche Orientierung mit einer Fähigkeit zusammenhängt, der Europa niemals gewachsen sein wird. Ein wirklich vollbewusstes Anerkennen des westlichen Impulses wäre der erste Schritt um seinerseits denkend an jene Tatsachen heranzukommen. Dieses Denken wird zwar dem Instinkt immer hinterherhinken, und also nicht geeignet sein, die USA irgendwie auszubooten. Doch dafür könnte es neue Tatsachen schaffen, mit denen der Westen dann genau so rechnen kann, wie er mit den Tatsachen der gegenwärtigen Wirtschaftsweise rechnet. Darauf kommt es an: in Mitteleuropa Tatsachen zu schaffen, die nun nicht auf einer Gegnerschaft zum Osten beruhen, die aber dennoch geeignet sind, vom westlichen Gespür für ökonomische Fruchtbarkeit ergriffen und weitergebildet zu werden.
Die Aufgabe Europas
Europa könnte eine vermittelnde, die Polarität überwindende Funktion übernehmen, sofern es sich seinerseits bewusst in die Polaritäten hineinstellt, und im Spannungsverhältnis das dritte Element entdeckt: ein Rechtsleben, in welchem sich die heute lebenden Menschen wieder finden. Dann wird dieses dritte Element die Brücke bilden zwischen Ost und West. Gelingt das nicht, wird Europa zwischen den beiden Kräftewirkungen zerrieben, und Ost und West prallen ohne jede Verständigungsmöglichkeit aufeinander. Das ist aber die gegenwärtige Situation. In der EU sind die beiden oben skizzierten Tendenzen gewissermaßen ineinander geschoben, aber so, dass sie sich paralysieren und ein Drittes, das sich als eigene Qualität der Mitte erst entwickeln will, ausschalten. Die Aufgabe Europas besteht deshalb darin, sich im mittleren Element, im Rechtsleben, zu begreifen und zu ergreifen, indem es auf der einen Seite das Geistesleben, und auf der anderen Seite das Wirtschaftsleben aus dem Staat hinauswirft, das heisst aber: Geistesleben und Wirtschaftsleben jeweils die Formen bereitstellt, die sie auffangen können, weil sie ihnen entsprechen.
Es kann hier nur angedeutet werden, was das im Einzelnen bedeutet. Das Geistesleben, also alles was irgendwie mit der Frage der Autorität zusammenhängt, damit etwa, dass der eine dem anderen etwas bedeutet z.B. im Hinblick der Entwicklung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, kann vom Menschen heute ebenso bewusst ergriffen werden wie das allgemeine Recht. Soll es aber vom Wachbewusstsein ergriffen werden können, darf das gegenseitige Verhältnis auf diesem Gebiet nicht durch den Besitz oder Nichtbesitz von Rechten, sondern allein durch die freiwillige Anerkennung bestimmt sein. Es müssen sich Hierarchien bilden können, in denen ein Mensch sofern und solange «oben» steht, als er die freie Anerkennung derjenigen geniesst, die ihm in der betreffenden Frage eben den größten Sachverstand zutrauen, und dessen Urteil umgekehrt nur für diejenigen relevant ist, die es bewusst und freiwillig entgegennehmen wollen. Dann löst sich das Geistesleben vom Skelett seines asiatischen Vorfahren, und findet allmählich in die Formen, die den heute lebenden Menschen entsprechen.
Erst ein solches Kultur- und Geistesleben, in dem weder ökonomische noch rechtliche, sondern ausschließlich geistig-erkenntnismäßige Gesichtspunkte strukturbildend wirken, vermag im Osten wirkliches Interesse für die Idee der Freiheit zu wecken. Zum einen wird es die Fruchtbarkeit einer richtig verstandenen individuellen Freiheit für die Gemeinschaft beweisen. Der Osten erlebt selbst am schmerzlichsten, dass die alten Quellen des Geisteslebens versiegen. Zum anderen kann ein solches Geistesleben die individuellen Kräfte so konzentrieren, dass es möglich wird, dasjenige, was der Westen mehr instinktiv versteht, als bewusste Erkenntnis auszubilden. Und ein wirklich ökonomisches Denken in Bezug auf die Ukraine wäre Europa, Russland und der Ukraine nur zu wünschen. Das wäre aber ein Denken, das so in die Tatsachenlogik untertaucht, dass es bis ins Einzelne durchschaut, wie das eine Leben ökonomisch mit dem anderen verknüpft ist, und wie sich jede Einzelunternehmung im weltweiten Gefüge der Produktions- und Konsumverhältnisse ausnimmt. Es wäre ein Denken, das gerade nicht ein einseitiges Interesse abbildet und nur zu einer halben Rechnung kommt, sondern das den weltweiten Wirtschaftsorganismus ganz und zu Ende denken kann. Es würde aus den wirtschaftlich-materiellen Verhältnissen die weltumspannende Idee herausschälen, die ihnen liegt. Als Begriff der Welt-Wirtschaft würde sie in ihrem Zusammenhang mit dem gesamten menschlichen Ideenkosmos erscheinen. Es würde sichtbar werden, dass es in Wahrheit ein Geistiges ist, das einmal im Ostmenschen als Idee, einmal im Westmenschen als Trieb lebt. Denn das Prinzip der Welt-Ökonomie ist in seiner wahren Gestalt nichts Geringeres als das sich realisierende Prinzip der Brüderlichkeit, nach dem der Osten sucht.
Mit einer wahrhaften Idee des Wirtschaftslebens könnte man dem Osten entgegentreten. Man könnte verstanden werden, wenn man dem Osten nicht auf wirtschaftlichem, sondern auf geistigem Boden begegnete, und auf diesem Boden dann etwas Geistvolles zur Wirtschaft zu sagen hätte. Stattdessen reckt man dem Osten den nackten Trieb entgegen. Niemals hätte man dem Wahn verfallen dürfen, mit dem Osten schachern zu wollen. Mag sein, dass das eine oder andere Geschäft glückt – indem man dem Osten aber primär ein wirtschaftliches Interesse entgegenbringt, erbringt man zugleich den Beweis, dass man geistig weit unter dem Ostmenschen steht. Denn wo das menschliche Ich nicht unmittelbar, sondern durch das ökonomische Interesse hindurch spricht, muss es vom Osten zurückgewiesen werden. Der Osten empfindet zunächst ein berechtigtes Misstrauen gegenüber dem zur Schau getragenen Individualismus der Europäer – ist doch dessen zersetzende Wirkung für das soziale Leben keines Beweises mehr schuldig. Es käme deshalb dem Osten gegenüber darauf an, den Beweis anzutreten, dass man auch vom Ich aus wieder zu einer geistigen Gemeinschaft finden kann. Dazu wäre aber nötig, dem Osten gegenüber eine Kultur zu entwickeln, bei der das Ich nicht mehr nur in der Maske der ökonomischen Interessen auftritt, sondern unmittelbar von Mensch zu Mensch spricht.
Dem Westen gegenüber kann nur nach dem Gegenteil gestrebt werden. So wie man für den Osten die materiell-wirtschaftlichen Verhältnisse im Licht der Idee erscheinen lassen muss, indem man das Ideenleben entsprechend weiterbildet, so muss man für den Westmenschen diese materiell-wirtschaftlichen Verhältnisse direkt so ergreifen können, dass sie selbst an den Geist heranführen. Das Wirtschaftsleben, das heute in das Korsett staatlich-hierarchischer Strukturen gepresst ist, muss in einer Form aufgehen können, die seinem eigenen Wesen gemäß ist. Dann wird dieses Wirtschaftsleben, das heute so unendlich viele Kräfte unproduktiv verschleisst, in einem nie geahnten Sinn fruchtbar und effektiv. Dann wird aber der Westmensch durch dieses Wirtschaftsleben hindurch auf eine Kosmologie der Wirtschaft schauen können, auf ein in den Tatsachen lebendes Gesetz, welches das individuelle Leben als Glied eines Weltprozesses erscheinen lässt. So begegnet der Westen dem Osten.
Im Osten erscheint das Ich eingegliedert in die soziale Ordnung. Das Individuum hat seinen Wert für die Idee einer übergeordneten Gemeinschaft. Im Westen erscheint die soziale Ordnung als Folge der individuellen Tat. Die soziale Ordnung hat ihren Wert durch das, was sie zum individuellen Glück beitragen kann. In dieses Spannungsverhältnis muss sich Europa hineinstellen, indem es aus dem Osten blickend den Geist im Ich entdeckt, und das Ich vom Westen her an den Geist heranführt. Dann wird der Westen in der Willenshandlung die umfassende Idee wieder finden, und der Osten in der umfassenden Idee den Einschlag des individuellen Wollens erleben. Europa aber wird in diesem rhythmischen Pendelschlag zwischen dem Geist, wie er bei sich, und dem Geist, wie er außer sich ist, etwas ganz Neues entwickeln: ein Gefühl für das Allgemein-Menschliche, für das Wesen, das sich entwickelt, indem es zwischen Leib und Geist hin und hergehen muss. Es wird zum ersten Mal ein Rechtsgefühl entwickeln, das diesen Namen verdient. Es wird einen Rechtsbegriff fassen, der den heute lebenden Menschen enthält, und diesen Menschen schützt, indem es ein Gleichgewicht zwischen geistigen und ökonomischen Interessen herstellt.
Wer in dieser Art den Sinn der Demokratie durchschaut, stellt sich ganz anders in die Welt als diejenigen, welche die freiheitlich-demokratische Ordnung nur als Bekenntnis auf den Lippen tragen. Denn selbstverständlich ist z.B. der Vorwurf von Seiten des religiösen Fundamentalismus zunächst richtig: Wer in die Städte Europas eintaucht, wird nicht leugnen können, dass der Anspruch der Freiheit den Menschen zunächst unter seine Menschenwürde herunterbringt, und ihn tierischer als das Tier werden lässt. Und weil der Fundamentalismus diesbezüglich die Wahrheit sagt, wird man den Kampf gegen den Fundamentalismus auch verlieren, wenn man ihm seinerseits nur eine Ideologie entgegenzuhalten vermag. Dem Fundamentalismus kann nur Eines entgegengestellt werden: Der praktische Beweis, dass der Mensch aus der Freiheit heraus wieder zu Würde und Ordnung findet.
Die Zukunft der Ukraine
Über die Situation in der Ukraine kursieren zwei Gerüchte. Das eine besagt, ukrainische «Revolutionäre» befreiten die Ukraine aus russischer Knechtschaft, das andere, die Ukraine werde von rechtsnationalen Kräften übernommen, die der Westen aus ökonomischen Interessen unterstützt. Beide Bilder sind für sich genommen falsch, miteinander jedoch teilweise richtig.
Man wird den Ukrainern nicht gerecht, wenn man ihre «Revolution» als einen Staatsstreich der Neo-Nazis abtut. Zwar ist in den westlich finanzierten Gewaltakten letztendlich der rechtsnationale Flügel zum Zuge gekommen, und es ist auch sehr wahrscheinlich, dass nationalistische bis rechte Kräfte nun den politischen Umbau der Ukraine massgebend beeinflussen werden. Doch die breite Bevölkerung ist für etwas ganz anderes auf die Straße gegangen. Das ukrainische Volk hat über Jahrzehnte Entbehrungen hinnehmen müssen, die man sich in Mitteleuropa nur schwer vorstellen kann. Jetzt lebt in der Ukraine tatsächlich so etwas wie im Prager Frühling oder wie zur Wende 1989. Kulturschaffende, Studenten, Arbeiter – Menschen aller Schichten sind bewegt von der Idee einer freiheitlichen, menschenwürdigen Gemeinschaft. «Freiheit» ist hier nicht die Kategorie eines theoretischen «Wertesystem», sondern ein revolutionärer Impuls – die Ukrainer fühlen die Morgenröte einer zukünftigen Gesellschaft wie einen Jungbrunnen, der ihnen Lebenskraft zurück schenkt.
Naturgemäß ist diesem Willens- und Gefühlsimpuls jedoch noch kein Begriff beigestellt. Das Freiheitsstreben führt nicht notwendig auch zu einer klaren Selbsterkenntnis, zu einem Begriff der Freiheit oder gar zu einer Vorstellung davon, was im Einzelnen geschehen kann, damit das Zusammenleben eben freiheitlicher werde. Der Freiheitsimpuls wirkt zunächst in der Instinktsphäre. Solange er aber unter der Bewusstseinsschwelle lebt, gehört gerade der Freiheitsimpuls zu den dunkelsten Kräften im Menschen. Das Wort «Freiheit» ruft starke emotionale Kräfte auf, die dann eruptiv hervorbrechen und von denjenigen, die sie anzusprechen wissen, genutzt werden können. Meint Freiheit nicht «Freiheit der Blutsbande», «Selbstbestimmung der Völker»?
Die Freiheit muss auf ihrem Weg ans Licht des Bewusstseins durch die Trübe des Nationalismus hindurch. Mit dem Verlassen der religiös-geistigen Gemeinschaft, die gewissermaßen noch über der Erde schwebte, findet der Mensch zunächst einen Ersatz in der Nation. Das Menschenverbindende, das er einstmals in einer geistig begründeten Gemeinschaft erlebte, soll nun Blut und Boden stiften – jedem Volk sein Staat. Der Nationalismus ist deshalb das Schicksal, das Europa nach dem Zerfall der Kirchenbande ereilte, das beim Zerfall der Sowjetunion dann auch die ehemaligen GUS-Staaten traf, und das nun die Ukraine bedroht. Der Westen hat den Nationalismus zur unanfechtbaren Doktrin («Selbstbestimmung der Völker») erklärt, und folgt ihm regelmäßig in den Krieg. Und in der Ukraine offenbart sich nun ein weiteres Mal das Groteske einer so verstandenen «Selbstbestimmung»: Nachdem die Krim ihre Unabhängigkeit von der Ukraine erklärte, fordern jetzt die Tataren auf der Krim ihrerseits die Unabhängigkeit von der Krim.
Das Kennzeichen des Nationalismus ist die in eine äußere Verwaltung projizierte Identität von Kulturgemeinschaft, Wirtschaftsgemeinschaft und Staatsgemeinschaft. Ein sich selbst verstehender Freiheitsimpuls dagegen strebt nach einer verwaltungsmäßigen Dreigliederung: Der Staat soll gerade nicht der Anwalt einer bestimmten Volkskultur, sondern neutral gegen die Kultur aller in ihm lebenden Bürger sein. Denn verbindet sich das Recht mit einer einzelnen Volkskultur, ist es notwendig das Unrecht einer anderen. Ein real existierender demokratischer Staat müsste deshalb das gesamte Kultur- und Geistesleben ausgliedern, damit dieses sich gerade nicht mit staatlichen Interessen vermischt, sondern so entfaltet, wie es eben in den eigenen Kräften liegt. Nicht einen kulturellen Inhalt, sondern das individuelle Recht zur Schöpfung jedes beliebigen Inhalts hätte ein demokratischer Staat zu schützen. Ebenso müsste er das Wirtschaftsleben ausgliedern, damit dieses sich ebenfalls nach den eigenen Gesetzmäßigkeiten entfalten kann. Dass die Staatsgewalt heute der Garant der ökonomischen Ansprüche der Völker ist, verleiht ihr die permanente Tendenz zum Krieg. Können ökonomische Interessen unabhängig von staatlichen Lenkungsversuchen diejenigen Völker- und Staatsgrenzen übergreifenden Verbindungen hervorbringen, die in ihrem Wesen liegen, dann erst tritt an die Stelle der Nationalwirtschaft eine Welt-Wirtschaft.
Die Proteste auf dem Maidan waren zu Beginn weder anti-russisch, noch pro-westlich. Nationalökonomische Interessen im Westen haben den berechtigten Freiheitsimpuls erst in dieses Fahrwasser gelenkt. Dem ukrainischen Volk ist zu wünschen, dass es die mit den Geldern von EU und IWF verbundenen Interessen durchschaut und ganz unabhängig von der weiteren Umformung ihres Staatsapparats die wirtschaftlichen Beziehungen zu Europa und Russland nach wirklich ökonomische Gesichtspunkten gestaltet. Solche unabhängigen Beziehungen sind trotz der nun angestrebten staatlichen Hemmnisse möglich, wenn sie in der hier angedeuteten Weise aus der ihnen eigentümlichen Logik heraus begriffen werden. Die nationalwirtschaftlichen Verwertungsinteressen der EU-Staaten greifen nur solange, als die arbeitenden Menschen in Konkurrenz zueinander treten – Zölle, Subventionen, Privatisierungsvorschriften und Renditezwänge haben jedoch keinen Einfluss auf eine Wirtschaftsgemeinschaft, deren Teilnehmer sich ungeachtet der staatlich protegierten Wettbewerbs-Ideologie kooperativ organisieren.
Auf der anderen Seite ist den Ukrainern zu wünschen, dass sie ihre Volks- und Kulturinteressen auf einen eigenen, staatsunabhängigen Boden stellen wollen, damit die Ukraine ein Staat für alle freiheitsliebenden Völker werden kann. Mag auch das Staatsleben unter die Kontrolle der ökonomischen Interessen einzelner europäischer Nationalwirtschaften geraten – niemand kann den Ukrainern verbieten, die kulturellen Beziehungen zum russischen Volk unabhängig davon im freien und freilassenden Dialog zu vertiefen, damit dasjenige, was jetzt aus den Instinkten als Freiheitsimpuls herauf schiesst, auch zu einer bewusst gestalteten Lebenswirklichkeit werden kann.
Anmerkungen
[1] http://library.fes.de/pdf-files/id/08359.pdf
[2] Weder die Medien, noch die Bundesregierung haben sich etwa die Mühe gemacht, Putins
Erklärung zur Krim-Krise ins Deutsche zu übersetzen. Dass sie nun dennoch auch in Deutschland
verfügbar ist, ist dem privaten Engagement einiger Bürger zu verdanken
http://www.stop-esm.org/up/doclist/Wladimir_Putins_Regierungserklaerung_zur-Krim_18-03-2014.pdf
[3] Filmtip: http://www.somethingventuredthemovie.com/?page_id=27
[4] Einen Überblick bietet das Werk „Entstehung, Rechtsträgerschaft und Auflösung der
juristischen Person“ von Jörg Pohlmann, Frankfurt am Main 2007.
[5] Ich betrachte das Naturrecht als ein Symptom der Geschichte im hier bezeichneten Sinn. Es
wäre ein Missverständnis, in mir deshalb einen Anhänger der Naturrechtslehre zu sehen. Dem
Naturrecht fehlt in der Tat das Bewusstsein dafür, dass das Recht eben nicht aus dem Individuum
herauskonstruiert werden kann, sondern die Begegnung braucht, und insofern „historisch“ ist. Dem
Historizismus wiederum geht in der Gesellschaftsbetrachtung das Individuell-Geistige verloren, das
in Wahrheit eben auch Beweggrund der Geschichte ist. Meine persönliche Rechtsauffassung wäre
eine Naturrechtslehre, welche die historische und positivistische Perspektive so integriert, dass sie
das individuell-geistige nicht mehr nur in der Selbstbetätigung des Individuums, sondern auch
gewissermaßen von Außen kommend in der Geschichte verfolgen kann. Es ist in Wahrheit kein
Widerspruch, dass der Mensch das Recht aus der geistigen Welt mit auf die Erde bringt, wie das
Naturrecht meint, und auf der anderen Seite erst im historischen Kontext entwickelt, wie die
historische Rechtstheorie festhält. Beides sind vielmehr die zwei Seiten des selben Prozesses.
[6] http://www.welt.de/debatte/kommentare/article125579944/So-wuerde-Kissinger-den-Ukraine-
Konflikt-beenden.html
[7] Zbigniew Brzeziński, „Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft“, Weinheim 1997.
[8] http://en.wikipedia.org/wiki/The_Geographical_Pivot_of_History
Originaltext
Zur Ergänzung:
„Wir müssen lernen, auf neue Weise zu denken.“
Veröffentlicht unter Éthnos, Bewußtsein, Entfaltung der Menschenwürde, Kultur-Leben, Menschenwürde, Rechts-Leben, Soziales Leben, Transformation, Wirtschafts-Leben, Zum Aufwachen | 1 Kommentar

„Wir müssen lernen, auf neue Weise zu denken.“

von René Cassien
Der Landesnamen „Ukraine“ bedeutet Grenzland und stammt aus dem Russischen. Diesem Namen entsprechend haben die jetzigen Vorgänge in dem „Grenzland“ für mich eine mehrschichtige Bedeutung:
Einerseits: Die früheren Zaren betrachteten die weiten Steppen als Pufferzone, als „Grenzland“ zum russischen Gebiet. Insofern würde es Sinn machen, die Ukraine – das „Grenzland“ – auch heute wieder als eine Brücke zu verstehen, einen Begegnungsort, eine Verbindung zur Verständigung, zwischen Ost und West, zwischen USA, EU, Nato auf der einen Seite und Russland (mit China, evtl. den BRICS-Staaten?) auf der anderen Seite.
Andererseits: Das Wort „Grenzland“ deutet darauf hin, dass wir – die Menschheit – eine Grenze erreicht haben, ein „Grenzland“ betraten um neue Wege zu gehen. Die Menschheit befindet sich in einem Zeiten- und Wertewandel, der nach Aussagen vieler Weiser im Jahre 1988 begann und bis ca. zum Jahre 2035 andauert. Wir haben dementsprechend ungefähr die Mitte des Wandlungs-Prozesses erreicht. Die vergangene Hälfte des Wandels diente überwiegend der Rekonstruktion oder evtl. Zerstörung alter Gewohnheiten, Werte und alter Systeme. Aber jetzt haben wir ein „Grenzland“ erreicht, das es uns ermöglicht ein Neues Bewusstsein, ein Neues Denken zu entwickeln.
Der nachfolgende Beitrag „Sonne und Mond – Hintergründe und Wege im Ost-West-Konflikt um die Ukraine“ von Johannes Mosmann in Akademie Integra bemüht sich die Vorgänge in der Ukraine, dem „Grenzland“, mit einem Neuen Bewusstsein und Denken zu hinterfragen. Ich habe lange gezögert den Beitrag zu veröffentlichen.
Erstens ist er ziemlich lang und aus Erfahrung weiß ich, dass lange Texte in einem Blog ungern gelesen werden. Aber diesen Beitrag sollte man, mit Bedacht, vollständig lesen.
Zweitens sollte man sich ebenfalls schon im „Grenzland“ zu einem Neuen Bewusstsein und Denken befinden und auch Kenntnisse über die Dreigliederung des sozialen Lebens haben.
Daher dieser Beitrag, als Hilfestellung zum Betreten und Bewegen im „Grenzland“.
Zum Einstieg ein Textauszug aus dem AI-Beitrag von Dr. phil. Christina Kessler:
ÜBER DIE JAHRE: Philosophischer Ausblick 2014
Dass wir uns in einem tiefgreifenden, ja epochalen und globalen Wandel befinden, daran dürfte wohl niemand mehr einen Zweifel haben, allenfalls jene, die diese Tatsache nicht wahrhaben wollen. Längst hat es sich auch herumgesprochen, dass wir alle dazu aufgefordert sind, konstruktiv bei der Gestaltung des Neuen mitzuwirken. Veränderung mag ohne uns geschehen, aber wird sie auch in eine Richtung führen, die wir uns wirklich wünschen? Und wer, wenn nicht wir selbst, kann uns herausholen aus dem, was wir auf keinen Fall mehr wollen – weil es uns und dem Leben nicht mehr dient, weil es lebensfeindlich geworden ist, weil es einfach keinen Sinn mehr macht. …
Eines (war) ist aber plötzlich nicht mehr vom Tisch zu wischen: die Tatsache nämlich, dass es nicht mehr so weitergehen kann: dass wir uns verfahren haben; dass unser vermeintlich – ach, so starkes – System im Kollabieren begriffen ist; dass wir mit Lügen abgespeist und nach Strich und Faden manipuliert werden. Dass das Leben an Qualität eingebüßt hat, weil Druck, Stress, Geschwindigkeit, Erwartungen und Anforderungen, Egoismus und Profitgier, Verblendung und Unverantwortlichkeit übermäßig geworden sind. …
Der Tempel der westlichen Zivilisation hat nicht nur Risse bekommen. Die Risse sind so tief, dass sie nicht mehr gekittet werden können. Das Gebäude kracht in sich zusammen – Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Technologie, Konsum, Bildung, Medizin…
Doch haben Risse und Löcher auch ihr Gutes. Wo verfestigte, starr gewordene Weltbilder zusammenbrechen, bricht der Mensch durch zur Einsicht in das innere Wesen der Wirklichkeit, zur Erkenntnis universellen Wissens von zeitloser Gültigkeit, zum eigentlich Wesentlichen, zum Sein. …
Dieses universelle Lebenswissen liegt nun vor uns wie weites Land – unbegrenzt (wie ein „Grenzland“), unverbaut, unbefleckt, ohne den leisesten Geschmack von Ideologie, Dogmatik, Konfession, wild, ungezähmt – und möchte von uns besiedelt werden. Ein frischer Wind weht, wie eine Einladung: „Mensch, werde wesentlich. Erinnere dich daran, was Leben wirklich bedeutet, was du wirklich leben willst. Lass dich nicht einlullen und narkotisieren von Konsum und Manipulation. Wach auf und geh deinen Weg. …
Um diesen Weg gehen zu können meint Prof. Hans-Peter Dürr, J. Daniel Dahm und Rudolf Prinz zur Lippe (Auszug aus der Potsdamer Denkschrift 2005):

„Wir müssen lernen, auf neue Weise zu denken.“

Diese Forderung radikal ernst zu nehmen, bedeutet tatsächlich, uns auf Wege des Lernens zu begeben. Wesentliche Orientierungen sind offensichtlich: negative, die Umkehr gebieten, und positive, die zu anderen Ausrichtungen ermutigen. Auf neue Weise zu denken, heißt aber auch, mit anderen Denkformen vertraut zu werden als denen der problematischen, immer noch geltenden Konventionen, und sogar unser Gebrauch der Sprache bedarf der Weiterentwicklung und Ergänzung. Die Bedeutung sehr vieler Worte und Wendungen in der Alltagssprache ist (durch fahrlässigen Verschleiß, doch neuerdings auch bewusst zur Irreführung durch „new-speak“ im Orwellschen Sinne) verengt und deformiert worden. Dazu haben die verschiedenen Disziplinen der Wissenschaften, um begriffliche Schärfe zu erzielen, notwendig ihre Inhalte immer spezieller definiert und dadurch ihr je eigenes Idiom geschaffen.
Deshalb kann eine Verständigung über die Grenzen, die wir zu überwinden versuchen, selbst da wirklich schwierig werden, wo wir bereits in gleiche Richtungen gehen und bemüht sind, im gegenseitigen Verständnis uns zu begegnen. Gerade die Verständigung darüber ist aber das entscheidende Medium des Wandels. In den Reaktionen der Anderen uns selber besser zu erkennen, im Hin- und Herwenden der Aspekte und Begründungen das, worum es uns geht, klarer und vielseitiger zu sehen. Bei einem neuen Denken müssen wir jedoch auch gewärtig sein, dass unsere Welt, die Wirklichkeit, die wir damit nachzeichnen wollen, sich nicht mehr als ein theoretisch geschlossenes System herausstellt, so dass es prinzipiell nicht mehr auf alle Fragen, die wir aus unserer begrenzten Sicht glauben stellen zu können, Antworten gibt, da sie ins Leere stoßen. …
Vergleiche anzustellen ist nicht Biologismus im alten Sinne…“
[...] Wenn wir, reichlich ungeschützt, diese Betrachtung auf den Menschen als in die Mesosphäre
eingebettetes Lebewesen übertragen, ergeben sich daraus tief greifende Konsequenzen im Umgang mit unserer Lebenswirklichkeit und unserer Beziehung zur lebendigen und zur dinglichen Mitwelt. Der einzelne Mensch, wie alles Andere auch, bleibt prinzipiell nie isoliert, wird im allverbundenen Gemeinsamen in seiner nur scheinbaren Kleinheit zugleich unendlich vielfältig einbezogen und bedeutsam.
In all unserem Handeln wirkt die Vielzahl von Einflüssen und Impulsen anderer Menschen und unserer Geobiosphäre mit, und nicht nur über die durch unsere Sinne vermittelte Brücke materiell-energetischer Wechselwirkungen, sondern auch direkt über die allen gemeinsame immaterielle potenzielle Verbundenheit. Unser Handeln beeinflusst gleichermaßen auch wieder die gesamte gesellschaftliche Verfasstheit und verändert die sich ständig dynamisch wandelnde Potenzialität der lebendigen Wirklichkeit. So ist die Einzigartigkeit des Einzelnen tragender Bestandteil im gemeinschaftlichen kulturellen Evolutionsprozess.
Wir können aus den vielschichtigen Erscheinungsformen der belebten Welt lernen, wie Diversität und Pluralität sich in lebendigen Komplexen kooperativ verbindet und sich zu höher-dimensionaler Lebendigkeit organisiert. Praktisch führt dies auch zu einer größeren Flexibilität, die hierbei eine lebensdienliche Folge aus kooperativer Integration ist und weniger, wenn gängig darwinistisch interpretiert, Ursache der erfolgreichen Höherentwicklung eines oder mehrerer Individuen.
Höhere Dimensionalität meint hierbei eine Vermehrung der verschiedenartigen Qualitäten.
Menschen und menschliche Gemeinschaften repräsentieren mit ihren kulturellen und gesellschaftlichen Ideenwelten, ihren geistigen und schöpferischen Prozessen und ihrem bewegten Austausch eine besondere, tief verbundene Sphäre der belebten Welt. Solche Vergleiche anzustellen ist nicht Biologismus im alten Sinne, dem die Bedeutung des Determinierten und Ungeistigen anhaftet, denn Prä-Lebendigkeit ist Wesenszug von Allem, auch der zu Grunde liegenden dinglichen – gewöhnlich als ‚tot’ begriffenen – Wirklichkeit. Mag die Nähe zu einem mechanistisch verengten Naturalismus auch Missverständnisse provozieren, so sind wir aufgrund der neuen Einsichten angehalten, in einem grundlegend neuen Denken zu einem umfassenderen Verständnis unserer Wirklichkeit zu gelangen, in der auch wir Menschen uns als Faser im Gewebe des Lebens verstehen, ohne dabei etwas von unseren besonderen Qualitäten opfern zu müssen.
Im Gegensatz zu streng abgeschlossenen Systemen, wie sie insbesondere im Bereich des Unbelebten näherungsweise konstruiert werden können, bei denen (entsprechend dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik) gilt, dass „das Wahrscheinlichere in Zukunft wahrscheinlicher passiert“, lernen wir durch unsere neuen Einsichten – was uns die Existenz des Lebendigen deutlich vor Augen führt – im Kontrast dazu:
In der zeitlichen Entwicklung einer offenen Welt, in der Teilsysteme durch ständige Zufuhr von (arbeitsfähiger) Energie (besser: Exergie oder Syntropie = Negentropie), dynamisch in instabilen Gleichgewichten balanciert werden, muss „das Unwahrscheinliche nicht mehr unwahrscheinlich bleiben“. Durch Selbstorganisation öffnet sich hier ein unbegrenztes Feld von Möglichkeiten.
Leben kann sich also unerwartet in immer reicheren und komplexeren Formen entfalten. Das Prälebendige organisiert sich dann in der Diversität einer ‚höheren’ bioökologischen Lebendigkeit, wie sie uns in der Mesosphäre unseres täglichen Lebens begegnet. [...]
Wo auch die Wissenschaften uns unsere Abhängigkeiten und Gemeinsamkeiten mit den Bedingungen des Lebensortes Erde erklären, kann Dankbarkeit für die uns tragenden Möglichkeiten erwachsen und unseren Sinn für das Miteinander ausbilden. Diese Dankbarkeit drückt sich aus in Freude am ‚Lebendig-Sein’ im Leben. Es bedarf also einer weiteren Antwort. Hier gilt es, über den Verstand hinauszugehen und, um seine Unausgeglichenheiten wieder einzufangen, von dem Vermögen der Vernunft Gebrauch zu machen. Vernunft ist das geistige Organ des Menschen, Beziehungen komplex, sich selbst einbeziehend, wahrzunehmen und in Beziehungen setzen zu können. Wenn der Verstand der Forderung nach Präzision zu genügen sucht, so geht die Vernunft bewertend von der Forderung nach Relevanz aus. Die Vernunft sagt uns, dass wir eine Freiheit haben und nicht einfach nur in Bedingungen eingebunden sind. Vernünftigerweise ist aber ebenso klar, dass wir im Reiche der Freiheit eine eigene Form brauchen, nicht nur die Mitwelt zu benutzen, sondern sie zu erspüren und auf sie zu antworten. Das ist die Liebe. Mit unseren Eingriffen in die Welt antworten wir auf unsere Ko-existenz mit allem Anderen einerseits und auf unsere Freiheit andererseits. Aus menschlicher Freiheit die eigene Existenz als Antwort und als Miteinander zu begreifen, ist das Gefühl der Liebe und das Engagement zur Verantwortung. [...]
Die alten Prinzipien zentralistischer Kontrolle, gewaltsamer Bemächtigung des Anderen, rücksichtslose Zwecksetzungen, welche die klassische Physik so erfolgreich beim Umgang mit dem ‚Unbelebten’ durch- und umgesetzt hat, prägen das herrschende Bild von dem Menschen und vom homogenen Nationalstaat ebenso wie die Vorstellungen der Vernunft und Wahrnehmung der Menschen, das Verhältnis zu den Künsten und die Forderungen an die Logik.
Diese reduktive Denkweise schlägt sich auch in der vorgeblichen Begrenzung der menschlichen Erkenntnis und Urteilsbildung auf ausschließlich kognitive Kompetenzen nieder. Unter Verleugnung der Kreativität des Unbewussten bleiben die vorsprachlichen Erfahrungsschätze der individuellen Entwicklung ungenutzt und mächtige emotionale Barrieren können fortbestehen.
Entsprechend befinden sich die modernen Gesellschaften eigentlich in einem kalten Krieg gegen Vielfalt und Wandel, Differenz und Integration, gegen offene Entfaltung und die Ausgleichsbewegungen durch Risiken und Chancen hindurch: also gegen alles, was die lebendige Evolution in der Natur und mit ihr die Menschen bestimmt, bis hinein in den prä-lebendigen ‚Grund’, der uns und alles Leben trägt.
Den vollständigen Text findet man auf den Internetseiten des von dem Physiker Hans-Peter Dürr begründeten Global Challenge Network: http://gcn.de/download/denkschrift_de.pdf
Zum Abschluss noch der Versuch einer Antwort auf die Frage:

Was ist soziale Dreigliederung?

In dem Wort „Dreigliederung“ steckt zum einen der Gedanke, dass Gesellschaft kein einheitliches Gebilde ist, sondern sich in unterscheidbare Subsysteme differenziert. Dies ist mehr oder weniger Gemeingut der Soziologie. Hierfür sei nur stellvertretend der amerikanische Soziologe Daniel Bell genannt, der sozio-kulturelles, politisch-administratives und sozio-ökonomisches Subsystem unterscheidet.
In der sozialen Dreigliederung werden nun diese Systeme unter dem Gesichtspunkt angeschaut, wie in ihr das Verhältnis geordnet sein muss, damit Menschen ihre sozialen Verhältnisse gestalten können. Diese Frage nach der Gestaltbarkeit der sozialen Verhältnisse durch die Menschen selbst ist der entscheidende Gesichtspunkt.
Das heißt es wird nicht nur gefragt, welche unterschiedlichen Gebiete wir in der Gesellschaft konstatieren können. Sondern es wird auch die Frage gestellt: was will da werden, wie kann sich das verändern, was können wir zu dieser Veränderung beitragen? Im sozialen Leben stecken wir eben immer selber im Geschehen mit drin. Wir können es nicht von außen beobachten, sondern unsere Gedanken, unsere Empfindungen, das was wir wollen, was wir planen, das fließt in das soziale Geschehen ein.
Weiterhin ist in diesem Begriff des sozialen Organismus die Auffassung enthalten, dass Gesellschaft kein mechanisches Gebilde ist, an dem man herumschrauben kann, sondern dass es sich um ein lebendiges Beziehungsgefüge zwischen den Menschen handelt: Gesellschaft entsteht dadurch, dass wir zusammenleben, zusammenarbeiten, dass sich dadurch ein Geflecht an Interaktionen ergibt, das einen Lebendigkeitscharakter hat, ein „social web of life“ darstellt, in einer neueren Terminologie ausgedrückt.
Und die Betonung der „Drei“ ist keine Zahlenmystik, sondern sagt aus, dass zwischen diesen drei Gebieten bestimmte Beziehungen bestehen, die qualitativer Art sind, dass es eine Art Polarität gibt zwischen dem geistig-kulturellen Leben und dem Wirtschaftsleben und dass das Rechtsleben zwischen diesen beiden Gebieten vermittelt. Das kann man institutionell betrachten, man kann es funktionell betrachten, was aber hier nicht weiter ausgeführt werden kann.
Wichtig ist, dass in der Dreigliederung davon ausgegangen wird, dass wir heute in einer Situation sind, wo der Einzelne gestalten will und dazu die Möglichkeit haben muss. In einer Situation, in der die Verhältnisse aus dem Bewusstsein heraus neu gegriffen werden müssen, einer Situation, in der man sich nicht mehr verlassen kann auf alte Gemeinschaftsorientierungen, wie sie früher im Unterbewusstsein der Menschen verankert waren. Um diese bewusste Gestaltbarkeit herzustellen ist ein Verständnis der sozialen Prozesse notwendig, es müssen aber dann auch aus diesem Verständnis heraus die Räume in der Gesellschaft geschaffen werden, die von den Menschen real gestaltet werden können: Selbstverwaltungsräume.
Wenn man das mehr im Kontext der historischen Entwicklung betrachtet, muss man sagen: Dieser
Arbeitsansatz der Dreigliederung reagiert auf eine ganz bestimmte historische Situation. Diese historische Situation ist dadurch charakterisiert, dass auf der einen Seite der Einzelne seine Freiheit und Mündigkeit beansprucht, auf der anderen Seite sich gleichzeitig eine Wirtschaft entwickelt, die sich arbeitsteilig über den ganzen Globus hin immer mehr vernetzt.
Menschheitsgeschichtlich kommen wir aus Gemeinschaftsverhältnissen, in denen der einzelne Mensch noch kaum für sich in Betracht kommt, noch nicht empfindet „Ich bin ein Mensch für mich“, sondern sich über die Gemeinschaft definiert. Er lebt das Leben dieser Gemeinschaft mit, er „schwimmt mit“ und wird dadurch auch vom Gemeinschaftsstrom getragen. Die Gemeinschaftsorientierungen geben ihm Verhaltenssicherheit, er befindet sich dadurch aber gleichzeitig in einer bevormundeten Rolle. Das wäre zu differenzieren für bestimmte historische Epochen. Als großen Trend kann man aber konstatieren: Je weiter man zurückgeht in der Geschichte, um so mehr findet man solche Gemeinschaftsverhältnisse.
Das löst sich dann langsam auf und am Beginn der Neuzeit kommt es dann zu einem regelrechten Entwicklungsschub. Jetzt wird das enge begrenzte alte Gemeinschaftswesen wie aufgebrochen, und zwar nach zwei Seiten hin. Jetzt tritt der Einzelne heraus aus der Gemeinschaft, empfindet sich immer mehr als Mensch für sich und erhebt den Anspruch, selbst über sein Leben zu bestimmen, sein eigenes Urteil über die Dinge zu haben und aus diesem eigenen Urteil heraus zu handeln.
Das andere ist, dass die Ökonomie aus der Enge der alten Selbstversorgungswirtschaft hinauswächst in die weltweite Arbeitsteilung und Zusammenarbeit.
Damit entsteht die Frage, wie man denn eine solches arbeitsteiliges Wirtschaftswesen so gestalten kann, dass wir nicht nur objektiv füreinander tätig sind, sondern auch das Selbstversorgungsdenken und durch dieses geprägte soziale Einrichtungen überwinden und die Verhältnisse so ordnen, dass jeder zu seinem gerechten Anteil kommt und versorgt ist. Das ist die Frage nach dem fairen Handel, nach gerechten Preisverhältnissen usw.
Ein anderer Fragenkreis ergibt sich aus der Individualisierung: Was ist zu tun, damit die Freiheit die
Gesellschaft nicht schlicht zersplittert, mit der Folge des Kampfs aller gegen alle? Wie kann Freiheit mehr sein als ein Auflösungsprinzip der Sozialität, wie kann und muss aus Freiheit heraus neue Gemeinschaft entstehen? Wie können sich freie Verantwortungsgemeinschaften bilden, wie können Menschen, die sich so zusammentun und im eigenen Auftrag, nicht mehr auf Weisung der Gemeinschaft, tätig werden, ihre Beiträge für das Gemeinwesen leisten?
Und eine dritte Frage entsteht in der Mitte zwischen Kultur- und Ökonomie: Wie ordnen mündige Menschen ihre Beziehungen untereinander selbst? In der alten Gemeinschaft war die Ordnung der Beziehung vorgegeben, oft in hierarchischer Weise, dadurch dass es Persönlichkeiten an der Spitze der alten Gemeinwesen gab, die sich für geistig legitimiert hielten, allen anderen die Richtung ihres Lebens vorzugeben. Die Ordnung des Miteinander war damals keine Frage, in der Neuzeit erst wird sie zu einer solchen permanenten Frage. Die Ordnung des Miteinander der Mündigen ist die Frage nach der demokratischen Gleichheit, während aus der erwachten Selbstständigkeit des Einzelnen als Kulturträger die Frage nach der verantwortlich gelebten und lebbaren Freiheit erwächst und aus dem Füreinander-Tätig-Sein in der modernen Arbeitsteilung die Frage nach der Solidarität, der Brüderlichkeit oder Geschwisterlichkeit, wie immer man das nennen will.
Es ergeben sich hier also für die moderne Gesellschaftsentwicklung drei große Fragezeichen. Diese
drei Fragezeichen sind eigentlich das große Thema der Dreigliederung. Die soziale Dreigliederung ist im Kern nichts anders als der Versuch, aufzuzeigen, wie die Gesellschaft auf den Gebieten, auf denen diese Fragen entstehen, sich umgestalten muss. Das Thema der Dreigliederung ist die Umgestaltung der Gesellschaft in einem Zeitalter, in dem der einzelne Mensch seine Mündigkeit beansprucht und in der er gleichzeitig durch die Entwicklung der modernen Ökonomie in eine globale soziale, ökologische und ökonomische Verantwortung hineinwachsen muss.
Dass diese drei Fragen heute nicht wirklich beantwortet sind, liegt auf der Hand. Überall haben wir
gesellschaftliche Strukturen ausgebildet, die allenfalls eine Teilantwort geben oder gar in die Irre führen.
Die einzigen bisher im großen Maßstab erprobten Antworten in der Ökonomie sind die kapitalistische Marktwirtschaft und die sozialistische Planwirtschaft.
Dass die Planwirtschaft gescheitert ist, wird heute nur noch von wenigen bestritten. Dass die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise etwas mit dem Versagen kapitalistischer Wirtschaftsformen zu tun hat, empfinden immer mehr Menschen. Aber wir tun uns schwer, aus dem Zirkel falscher Alternativen auszubrechen. Kapitalistisches Privateigentum und sozialistisches Staatseigentum, staatsmonopolistischer Kapitalismus und staatsmonopolitischer Sozialismus, teilautonome oder gänzlich durch Staat oder Wirtschaft fremdbestimmte Kultur, all das ist oder war zumindest gesellschaftliche Realität. Von einer wirklich konsequenten Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse im Einklang mit der Mündigkeit des modernen Menschen sind wir dagegen im gesamtgesellschaftlichen Maßstab noch recht weit entfernt, wenn es auch viele hoffnungsvolle Ansätze im Kleinen geben mag.
Dass wir nur so langsam mit der gesellschaftlichen Erneuerung vorankommen, das hängt damit zusammen, dass viele Menschen – und besonders Vertreter der sogenannten gesellschaftlichen Eliten – ein Misstrauen hegen gegen das Potenzial der menschlichen Freiheit.
In ihrem Menschenbild kommt verantwortlich gelebte Freiheit nicht vor, zumindest nicht in dem Bild, dass sie sich von anderen Menschen machen. Aus Freiheit folgen Menschen in dieser Betrachtung prinzipiell nur ihrem Egoismus, dass sie aus Freiheit heraus für andere Menschen etwas tun, ist nicht vorgesehen. Wer so denkt, hat naturgemäß Probleme, ein autonomes selbstverwaltetes Kulturleben zu denken, genauso wie er Probleme haben wird, ein Wirtschaftsleben zu denken, das durch neue Formen solidarischer Kooperation geprägt ist, und einen Staat, in dem eine wirkliche Teilnehmerdemokratie blüht und nicht bloß eine Zuschauerdemokratie vorhanden ist. Das alles wird man mit den gleichen Gründen beargwöhnen, mit denen man dem freien Menschen misstraut.
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Wie ist die Welt entstanden ?

Von René Cassien
Die jüngsten Ereignisse um die Ukraine veranlassen mich einiges über die Weltsicht der US-Amerikaner Revue passieren zu lassen.
Bei meinen häufigen und auch langfristigen Aufenthalten in den USA beschäftigte ich mich sehr intensiv mit dem sog. „Way of life“ der US-Amerikaner. So interessierte ich mich auch für das US-amerikanische Schul- und Bildungs-System, besuchte Schulen und Institute von der „Elementary school“ bis zur Universität und nahm auch teil am Unterricht oder Vorlesungen.
Eines Tages saß ich in der dritten Klasse einer „Elementary school“.
Wie jeden morgen begann der Unterricht mit einem gemeinsamen Morgenritual, dem „Pledge of Allegiance“. Der Lehrer ruft einen Schüler auf vor die Klasse zu treten, die USA-Nationalflagge zu berühren und gemeinsam mit allen Schülern, das in allen US-amerikanischen Schulen übliche Treue-Gelöbnis gegenüber der Nation und der Flagge der Vereinigten Staaten, zu sprechen:
„Ich schwöre Treue auf die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für jeden.“
Anschließend spricht die gesamte Klasse ein Gebet (letztlich ein Verfassungsbruch, da die US-amerikanische Verfassung strikte Trennung von Staat und Kirche vorsieht).
Bei diesem allmorgendlichem Ritual lief es mir, speziell als Deutscher, jedes mal eiskalt den Rücken runter. Stellen sie sich vor, wir würden dieses Ritual jeden Morgen in Deutschland zelebrieren, wie schnell würde die US-amerikanische Presse uns wieder als Nazis beschimpfen.
Im Laufe des weiteren Unterrichts stellte der Lehrer dann folgende Frage an die Schüler:
„Wie ist die Welt entstanden ?“
Einige Schüler erhoben die Hand und der Lehrer bat einen um seine Antwort. Der Schüler antwortete:
„Der liebe Gott hat Columbus erschaffen und der hat Amerika entdeckt. So ist danach die Welt entstanden.“
Diese Art der Weltsicht, bar jeglicher vorhergehender Historie und sonstiger Geografie, ist in den USA weit verbreitet. Der Durchschnitts-Amerikaner nimmt sie bereits mit der Muttermilch auf, bzw. erhält sie von frühester Kindheit eingetrichtert.
George W. Bush hat diese Weltsicht in seiner Rede zur Amtseinführung 2001 noch konzentrierter formuliert:
„USA the best, fuck the rest!“
Die USA sind schon lange eine große Nation. Sie wurden es aber vor allem durch Vernichtung, Unterdrückung und Eroberungen anderer Völker und Gebiete. Schauen wir zurück:
Mit der Eroberung und „Christianisierung“ von Nordamerika wurden im Laufe der Jahrhunderte die verschiedenen Indianerstämme aus ihren angestammten Regionen vertrieben. Diese „Ungläubigen“ wurden verfolgt, ermordet, als Untermenschen gesehen – bis heute. Man sollte nicht vergessen, dass die Indianer in den USA erst vor knapp 80 Jahren überhaupt Bürgerrechte erhielten. Auch in der Gegenwart werden sie von Teilen der Bevölkerung noch als minderwertig angesehen, und ihr Status in der gegenwärtigen US-Gesellschaft ist gering.
Bevor Columbus Amerika entdeckte ging man davon aus, dass ca. 3-4 Millionen Ureinwohner in Nordamerika lebten. Die anderen 72 Millionen Menschen lebten in Mittel- und Südamerika. Um die Jahrhunderwende, 1900, blieben noch 200.000 nordamerikanische Ureinwohner übrig, die nicht Krankheiten, Seuchen und der Ausrottung des weißen Mannes zum Opfer fielen.
Als man trotz Unterdrückung der Indianer nicht genügend Arbeitskräfte fand, holte man sich ca. 4 Millionen Sklaven aus Schwarzafrika und richtete hier unsägliches Leid an. Die christlich verbrämte Sklaverei dauerte Jahrhunderte. In einer Zeit, in der man infolge der Aufklärung und des Humanismus in einem Großteil Europas die Sklaverei aufgehoben hatte, bestand sie in den USA weiter, besonders stark in den Südstaaten. Das blieb so bis 1865, bis zum Ende des amerikanischen Bürgerkrieges.
Schon ein bis zwei Jahrzehnte vorher hatte man große Teile Mexikos erobert, große Teile des Landes annektiert und auch hier die einfache Bevölkerung – meist indianischen Ursprungs – unterdrückt.
Karlheinz Deschner schreibt in seinem Buch „Der Moloch“:
„Die USA, die, seit es sie gibt, allen anderen Moral predigen, um ihre eigenen Gräuel zu kaschieren, entstanden selbst auf dem Boden nackter Gewalt: durch Ausmordung der Roten und Versklavung der Schwarzen – die Basis ihrer ganzen Freiheit und Demokratie: blutige ‚Realpolitik’ und bigottes Geschwätz.“
Und der Baptistenprediger Richard Land schreibt:
„Einen gerechten Krieg zu führen ist ein Akt christlicher Nächstenliebe. Das Böse muss bestraft werden, das Gute belohnt werden. Die Zeit für Gewalt ist gekommen.“
Vor allem von amerikanischen charismatischen Bewegungen wird im Rahmen ihres Sendebewusstseins propagiert, dass die USA das von Gott auserwählte Land sei. Ohne Gottes Hilfe könne Amerika nicht führend in der Welt sein. Sie glauben – ähnlich wie auch weitere reaktionäre Gruppierungen – dass man auf Seiten Gottes sei, wenn man andere Länder abhängig macht, wenn man gegen andere, die ja das „Böse“ verkörpern, Krieg führt. Menschenrechte zählen nicht, da es wichtiger sei mit allen Mitteln die christliche göttliche Ordnung zu stützen. So können demnach Amerikaner wegen Verletzung der Menschenrechte nicht vor den Internationalen Gerichtshof gestellt werden.
Dr. Michael Schmidt-Salomon, Trier, schreibt mit Recht:
„‚Gottesstaat’ und ‚Gotteskrieger’: Bislang neigten wir dazu, bei diesen so unzeitgemäß erscheinenden Begriffen in den Nahen Osten zu schauen. Es könnte aber durchaus sein, dass wir … vermehrt auch irritiert gen Westen blicken müssen – in die unumstrittene Machtzentrale der Weltpolitik. In den USA, der einzig verbliebenen Supermacht, hat eine christlich-konservative „Achse des Guten“ das Ruder übernommen, die im „Auftrag des Herrn“ und mit freundlichem Segen des „industriell-militärischen Komplexes“ (Eisenhower) damit begonnen hat, innenpolitisch den „liberalen Saustall Amerikas“ auszumisten und außenpolitisch die Welt auf typisch amerikanische Weise (Pax Americana) zu „befrieden“.
Wir erleben eben immer stärker die verkürzte Denkweise: Da die USA Gottes eigenes Land ist, gilt letztlich, dass alles gut ist, was den Vereinigten Staaten von Amerika dient, besonders natürlich den Wirtschaftsinteressen der führenden Kräfte des Landes. Böse ist alles andere. Nur am amerikanischen Wesen kann die Welt genesen – anders geht es nicht. Eine schlimme arrogante Entwicklung! Evangelikale, Fundamentalisten, Charismatiker nehmen – im Einklang mit den Wirtschaftsinteressen der Schlüsselindustrien des Landes – zunehmend Einfluss auf die Politik des Landes.
Vor dem Hintergrund fundamentalistischer und anderer konservativ-religiöser Anschauungen wird in den Medien, aber auch von Politikern gesagt, dass man in der Endzeit leben würde. Krieg wird von den religiös fundamentalistischen Kräften – aber nicht nur von diesen – als Selbstverständlichkeit, als Notwendigkeit im Kampf gegen das Böse gesehen. Der Endzeitglaube ist auf Grund der Propaganda immer häufiger in breiteren Schichten der Bevölkerung anzutreffen.
Jürgen Moltmannn, emeritierter Professor für Systematische Theologie an der Universität Tübingen schreibt dazu in „Die Zeit“:
„In sektiererischen Zirkeln hat es solche Vorstellungen immer gegeben, im heutigen Amerika aber sind sie eine Massenerscheinung. Mehr und mehr Amerikaner lesen und sprechen über das Weltende, während Europäer das ziemlich kalt lässt. Warum? Ein Land, das seine Bestimmung von Anfang an in göttlicher Vorsehung begründet, hat eine natürliche Schwäche für Prophetien. Ein Volk, das eine „neue Welt“ gegenüber einer „alten Welt“ in Europa bauen wollte, ist geneigt, in dualistischen Kampfkategorien zu denken: hier die Guten – dort die Bösen und „wer nicht für uns ist, ist wider uns“. … Heute schwanken viele zwischen einem messianischen Sendungsbewusstsein für das American empire und den dargestellten Weltuntergangsängsten. Es sind zwei Seiten derselben Medaille, die man auch Egomanie nennt.“
Die offiziellen staatlichen Institutionen und die Wirtschaft unterstützen diese Anschauungen und Politiker sehen das lenkbare Wählerpotential. Die Militärausgaben steigen ins Unermessliche, sind nicht mehr bezahlbar. Kulturell und sozial notwendige Aufgaben bleiben auf der Strecke.
Michael Moore, der berühmte kritische amerikanische Regisseur und Autor schreibt in seinem Bestseller “Stupid White Men“:
„Aber halt, verzweifelt nicht! Unter den führenden zwanzig Industrienationen sind WIR die Nummer Eins!! Wir sind die Nummer Eins bei den Millionären. Wir sind die Nummer Eins bei den Milliardären. Wir sind die Nummer Eins beim Militär. Wir sind die Nummer Eins bei den Todesopfern durch Feuerwaffen… Wir sind die Nummer Eins beim Ausstoß von Kohlendioxid… Wir sind die Nummer Eins beim Haushaltdefizit … Wir sind die Nummer Eins bei der geringsten Wahlbeteiligung… Wir sind die Nummer Eins bei Verletzten und Toten durch Verkehrsunfälle… Wir sind die Nummer Eins bei der Anzahl nicht unterzeichneter Menschenrechtsabkommen. Wir sind die Nummer Eins bei der Hinrichtung straffällig gewordener Jugendlicher… Wir sind die Nummer Eins als erste Gesellschaft der Geschichte, in der die Kinder die ärmste Bevölkerungsgruppe stellen.“
Als Folge der Politik der letzten Jahrzehnte wird das allgemeine kulturelle Niveau eines Großteils der Bevölkerung der USA extrem niedrig gehalten, nur Spezialwissen auf einigen Gebieten ist gefragt. Kulturelle Zusammenhänge, Verständnis gegenüber anderen Völkern, Kulturen und Anschauungen bleiben auf der Strecke.
Die amerikanische Geschichte ist eine blutige Geschichte. Seit der ausgerufenen Republik 1776 führten die USA bis zum heutigen Tag mindestens 133 Kriege, Militäraktionen und Interventionen. Dies bedeutet maximal alle 2 Jahre wurde irgendwo in der Welt militärisch interveniert.
Wobei hier die unzähligen CIA-Operationen nicht berücksichtigt wurden.
Siehe hierzu:
Liste der Militäroperationen der Vereinigten Staaten
Militärgeschichte der Vereinigten Staaten
Liste bekannt gewordener CIA-Operationen.
Diese unselige Bilanz der Gewalt veranlasste den Journalisten und Aktivisten Danny Haiphong zu folgender Aussage:
Lynchjustiz: Die Wurzel des US-Imperialismus
Die politische und wirtschaftliche Grundlage der Vereinigten Staaten ist auf Leichen von legalem Lynchen, oder “Lynchjustiz” aufgebaut. Ohne den Völkermord und die Versklavung von Schwarzen und indigenen Völkern, konnte die US-Kapitalistenklasse ihre Gewinne, Reichtum oder Macht nicht angehäuft haben.
“Lynchjustiz” ist auch die globale Taktik des US-Imperialismus, seine Weltherrschaft aufrecht zu erhalten. Washington verwendet eine Verbindung von Intelligenz und militärischen Institutionen um weltweit das Leben von Menschen und ihre Ressourcen zu lynchen.
Dies kann in spezifischen Fällen begutachtet werden, wie die Tausende von Menschen im Nahen Osten und Afrika, die durch Drohnenangriffe der Obama-Administration ermordet wurden oder die NATO-Bombardierung Libyens, wobei Zehntausende getötet und die schwarze libysche Bevölkerung fast ausgerottet wurde. Die CIA hat mehr als 50 ausländische Regierungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gestürzt.
Dies sind nur einige wichtige Beispiele dafür, wie Washington und seine Herren, die Kapitalistenklasse, die Mehrheit der Menschen auf der Welt lynchen müssen, um ihren Reichtum und ihre Macht zu erhalten.
Die zunehmende Gewalt, Leid und sozialer Tod unterdrückter Menschen durch die US- imperialistische “Lynchjustiz” macht den Bankrott des liberalen Flügels der kapitalistischen Klasse offensichtlich. Gestützt von den Konzernmedien, wie MSNBC, diese selbsternannten “Linken”, die sich aktiv am überparteiliche Lynchen in all seinen Formen beteiligen, um ihren Werdegang mit der liberalen imperialistischen Demokratischen Partei und dem unantastbaren faschistischen Commander-in-Chief , Barack Obama zu forcieren. Jede Bewegung , die an dem Markenzeichen des Linksradikalismus hängt und das Ende der US- Lynchjustiz will, ist zum Scheitern verurteilt. Eine Volksbewegung für vollständige Gerechtigkeit muss durch den Kampf der unterdrückten Mehrheit der Schwarzen Amerikas und allen Gemeinden, die unter der US-faschistischen Herrschaft leiden, geführt werden. Wir müssen jeden Tag mit dem Aufbau einer Bewegung verbringen, die die unterdrückten Menschen befähigt, die Macht ihr eigenes Schicksal zu bestimmen, kollektiv zu verlangen. Diese Bewegung ist weit entfernt vom Sieg, aber jeder Tag, in dem wir nicht handeln, wird ein weiterer ausgebeuteter Mensch von dem US-imperialistischen System gelyncht.
Nach diesem Text kann man auch verstehen, dass viele Menschen in den USA das Reich Ahrimans sehen.
Ahriman setzt jeder Schöpfung eine negative Gegenschöpfung entgegen. Er ist die Verkörperung allen Bösen, der Finsternis, Tod, Zerstörung und Unheil in die Welt bringt. Das Reich Ahrimans ist die Materie. Durch Ahrimans Wirken verdunkelt sich dem Menschen der Einblick in die geistige Welt, so dass er nur mehr die materielle Außenwelt sieht.
Ahriman verführt den Menschen auch zu Irrtum und Lüge.
Ein weiteres Symbol für Finsternis, Tod, Zerstörung und Unheil findet man in den USA auch in dem Vereinswappen einer Studentenverbindung namens “Skull and Bones” (Schädel und Knochen).
Bones_logo-250x236“Skull and Bones” ist mehr als eine gewöhnliche Studentenverbindung. Die auch “Brotherhood of Death” (Bruderschaft des Todes”) oder “Orden des Todes” genannte Gemeinschaft wurde 1832 an der Yale University in New Haven, Connecticut als Geheimbund gegründet.
Diese bruderschaftlichen Geheimbünde dienen als Rekrutierungsbasis für junge Männer, die für Karrieren in Regierung, Justiz, Finanzen und anderen einflussreichen Sektoren in den Vereinigten Staaten bestimmt sind. Skull & Bones ist der Elitärste unter diesen Geheimbünden.
Die Mitglieder des Ordens „Skull and Bones“ stammen aus den ältesten und reichsten Familien der USA. Seit vielen Generationen unterwandern sie Politik, Wirtschaft und Justiz. Und immer wieder werden sie als Drahtzieher von Verbrechen genannt. Einen maßgebenden Einfluss bei „Skull and Bones“ hat die Familie Bush.
Während des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2004 wurden die Kandidaten für das Weiße Haus, der republikanische Amtsinhaber George W. Bush und sein demokratischer Herausforderer John Kerry (heutiger US-Aussenminister), von dem NBC-Starmoderator Tim Russert getrennt interviewt. Als Russert sie auf ihre Mitgliedschaft in einem studentischen Orden der Yale University mit dem Namen „Skull and Bones“ ansprach, antworteten beide fast gleichlautend: „Das ist so geheim, darüber kann ich nicht sprechen.“
Jedes Mitglied des Ordens hätte so geantwortet, denn die „Bonesmen“ (Knochenmänner), wie sie sich nennen, sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.
„Die große Stärke unseres Ordens liegt in seiner Verschwiegenheit“, sagen die Mitglieder.
Es war das erste Mal in der Geschichte der USA, dass beide Parteien Bonesmen als Präsidentschaftskandidaten aufstellten. Aus Sicht des Ordens war das Rennen damit bereits gelaufen, denn einer aus ihren Reihen würde auf jeden Fall siegen: Bush oder Kerry.
Alexandra Robbins, Journalistin und Kennerin der amerikanischen Geheimbundszene, sagt:
„Im Grunde genommen werden die Vereinigten Staaten seit Jahren von Skull and Bones regiert.“
Damit untertreibt sie ein wenig: Der Geheim-Orden „Skull and Bones“ stellte mit George W. Bush nicht nur seinen dritten Präsidenten – Senatoren, Kongressabgeordnete, Kabinettsmitglieder und Bundesrichter zählen seit fast zwei Jahrhunderten zu den Mitgliedern von „The Order“, wie der Orden im internen Sprachgebrauch heißt. Die größte Bonesmen-Dichte unter den amerikanischen Regierungs-Organisationen weist der Geheimdienst CIA auf.
Der Historiker und Yale-Professor Gaddis Smith sagt deshalb: „Die CIA hat den Charakter eines Klassentreffens.“ Die 300-Jahr-Feier der Yale University im Jahre 2001 war denn auch ein Schaulaufen der Reichen und Mächtigen des Landes – die Bonesmen allen voran.
Der deutsche Geheimbund-Experte Andreas von Rétyi sagt, was viele denken:
„Hinter der sichtbaren Regierung der USA steht ein finsteres Gebilde, dessen zentraler Kern die Bonesmen sind. Die auf ihren geheimen Treffen gefällten Entschlüsse gleichen Urteilen eines Weltgerichts. Sie stellen die Weichen für den künftigen Kurs der Geschichte.“
Doch auch dies sollten wir berücksichtigen.
In den USA gibt es eine breite Front – auch wenn sie heute noch Minderheit ist – gegen die reaktionäre, bigotte, fanatische Kriegspolitik der Regierenden. Nicht nur in Europa sind hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen, auch in den USA selbst! Und diese Amerikaner haben es schwerer als wir Europäer, da sie doch von den mehr oder weniger gleichgeschalteten Medien noch ganz anders manipuliert werden als wir in Europa.
Ja, es sind wichtige Gruppen, die in den USA die Regierungspolitik nicht mittragen wollen und sich gegen Fundamentalismus ebenso wehren wie gegen die zunehmende Plutokratie und das Vormachtsdenken im Lande. Dazu gehört eine breite Friedensbewegung, aber eben erst recht rationalistische, atheistische, humanistische, freidenkerische Gruppen, welche sich gegen den religiösen Wahn im Lande wehren, gegen die Vermengung von Religion, Politik und Wirtschaft.
Unsere Aufgabe als Europäer ist, diese Kräfte zu unterstützen, mit ihnen gemeinsam zu wirken, den Hegemonieansprüchen der Regierenden zu widerstehen und mit allen Mitteln gegen die zunehmende Militarisierung und Aggressionsbereitschaft der US-Regierung aufzubegehren. Tun wir alles für die unveräußerlichen Menschenrechte: sie müssen gerade auch in den USA voll verwirklicht werden!
Logischerweise tun wir uns als nicht-souveränes Deutsches Volk, als US-amerikanische Besatzungszone mit 230 US-amerikanischen Mitlitärstützpunkten, beim Aufbegehren besonders schwer. Daher möchte ich zum Abschluss mit der Bemerkung – Es hätte auch anders kommen können – auf den nachfolgenden Artikel aus dem „Contra Magazin“ verweisen:

Westmächte wollten nie einen Friedensvertrag mit Deutschland

Wäre es nach der Sowjetunion gegangen, hätte Deutschland trotz der enormen Verluste während des Krieges einen Friedensvertrag erhalten und wäre wie Österreich ein neutraler Staat zwischen Ost und West geworden. Dass es nicht so gekommen ist, haben die Deutschen ihren falschen Freunden in London, Washington und Paris zu verdanken.
… Während nämlich die Sowjetunion an einer Deeskalation der Differenzen mit den kapitalistischen Westmächten interessiert war, schufen diese nach und nach Tatsachen. Schon 1955 wurde die Bundesrepublik in das westliche Militärbündnis NATO eingegliedert. Dieses wurde nach den Worten von Lord Ismay aus folgenden Gründen geschaffen:
“To keep the Americans in, the Germans down, and the Russians out”.
Also um die Amerikaner in Europa drin, die Deutschen am Boden, und die Russen draußen zu halten. Ein freies, selbstbestimmtes Deutschland lag niemals im Interesse Londons und Washingtons, weshalb die Wünsche Moskaus stets ohne Gehör zu finden verhallen mussten.
Selbst heute, 15 Jahre nach dem Fall der Mauer, steht Deutschland unter westalliierter Besatzung. Getarnt unter dem Deckmantel der NATO befinden sich westalliierte Truppenverbände auf deutschem Territorium und nutzen dieses für ihre völkerrechtswidrigen Angriffe auf andere Staaten. Noch heute, nachdem Russland als Rechtsnachfolger der UdSSR auf alle Besatzungsrechte verzichtet hat um den Deutschen in der ehemaligen SBZ ihre Souveränität zu schenken, weigern sich die Angloamerikaner standhaft gegen die Aufgabe ihrer Besatzungsgewalt.
Wenn es eine Möglichkeit gibt, die Angloamerikaner in Zugzwang zu bringen, dann nur damit, dass Deutschland und Russland einen Friedensvertrag unterzeichnen. Doch so lange die Parteien der Transatlantiker – CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne – noch ein Wort mitzureden haben, wird die deutsche Bundesregierung keinen Finger rühren. Dabei könnte Deutschland im Zuge eines Friedensvertrags mit Russland die NATO verlassen und die Neutralität ausrufen. Der Großteil des deutschen Sprachraums – Deutschland, Österreich und die Schweiz – wären dann das neutrale Herz Europas.
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Die Pearl-Harbor- und 9/11-Traumata von Russland

von Prof. Floyd Rudmin; Übersetzung Barbara Stiner; aus “Infosperber”
Die USA scheuen keinen Aufwand, um ein neues 9/11 zu verhindern. Russland tut dasselbe, damit sich Vergangenes nicht wiederholt.
Die Ereignisse in der Ukraine dürfen auf keinen Fall in einen Krieg ausarten. Für geopolitische Machtspiele und Militärbündnisse hat die Menschheit keine Zeit. Sie muss sich dringend zusammenraufen, um die internationalen Probleme der Wirtschaft und des Klimawandels in den Griff zu bekommen.
«Die Geschichte ist ein Albtraum»: Dieses berühmte Zitat von James Joyce beschreibt die Ereignisse in der Ukraine treffend. Aus diesem Albtraum sollten wir erwachen. Die beteiligten Staaten stehen unter dem Einfluss der erinnerten, verfälschten, vergessenen und mythologisierten Geschichte, die sie in ihren Köpfen haben.
Das Chaos auf dem Maidanplatz, Neofaschisten auf Machtpositionen in Kiew, die russische Annektion der Krim: Dies sind alles Episoden, die jeder auf seine Weise interpretiert, und zwar je nach der historischen Sicht, die sein Denken beeinflusst. Die nationalistischen Erinnerungen haben die Leidenschaft und die Macht, uns in blinden Hass und Krieg zu treiben. Die Geschichte, an die wir glauben, macht uns anfällig für Manipulation und katastrophale Aktionen.
Die USA schaffen mit «Hitler» ein Feindbild
Hillary Clinton verglich am 5. März die Sorge von Putin für die Russen in der Ukraine mit der «Sorge» von Hitler für die Deutschen in Polen und der Tschechoslowakei. Es ist die gleiche Sorge, wie die von Ronald Reagan für amerikanische Medizinstudenten in Grenada, mit welcher er 1983 seine Invasion dieses kleinen Inselstaates rechtfertigte.
Um zu mobilisieren, soll das Böse bekämpft werden, das durch einen neuen Hitler personifiziert wird. John Kerry sagte, Assad sei Hitler. John McCain sagte, Castro sei Hitler. George Bush sagte, Saddam sei Hitler. Donald Rumsfeld sagte, Chavez sei Hitler. Auf der Liste von Regierungschefs, welche von den USA als Hitler bezeichnet wurden, stehen auch Allende (Chile), Noriega (Panama), Ortega (Nicaragua), Milosevic (Serbien), Arafat (Palästina), Qaddafi (Libyen), Ahmadinejad (Iran) und Kim (Nordkorea).
Noch heute glauben US-Amerikaner, Hitler sei vor allem dank ihnen besiegt worden
Um Hitler zu besiegen, hatte die Sowjetunion grössere Opfer gebracht und länger gekämpft als die USA. Nach der Schlacht von Stalingrad im Februar 1943 und der Schlacht von Kursk im August 1943 hatte Deutschland eigentlich den zweiten Weltkrieg verloren. D-Day war ein Jahr später im Juni 1944. Die sowjetischen Armeen fügten den Deutschen 90 Prozent ihrer Verluste zu. Trotzdem sind die US-Amerikaner der Meinung, dass sie Hitler besiegt haben.
Nie wieder 9/11
Amerika erlebte die Invasion durch fremde Truppen im Unabhängigkeitskrieg in den 1770er Jahren und dann nochmals in kleinerem Mass im Krieg von 1812. Aber nur zwei fremde Angriffe sind im historischen Gedächtnis der amerikanischen Seele tief eingebrannt. Einer ist der Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941, der weniger als zwei Stunden dauerte und 2’400 Amerikaner tötete. Der andere ist der 11. September 2001, die Angriffe auf New York und Washington DC, die weniger als drei Stunden dauerten und fast 3’000 Opfer forderten.
Die Wut der US-Amerikaner und der Wille diese Angriffe zu rächen ist tief und dauerhaft, und es gibt keine finanziellen oder gesetzlichen Grenzen, wenn es darum geht zu verhindern, dass solche Angriffe je wieder geschehen können. Deshalb könnten die US-Amerikaner nachvollziehen, wenn es auch für Russland keine finanziellen oder gesetzlichen Grenzen gibt bei der Verhinderung künftiger Angriffe. Ihr Erlebtes sitzt der russischen Nation tief im Nacken.
Die USA haben nie eine Invasion erlebt
Die USA haben keine Invasionen erlebt, weil ihr Land im Osten und Westen an grosse Ozeane und im Norden und Süden an machtlose, friedliche Staaten grenzt. Dagegen hat Russland keine natürlichen Schutz-Barrieren und ist auf drei Seiten von historisch aggressiven Staaten umgeben. Obwohl sie diese Geschichte gerne vergessen, haben Türken, Polen, Schweden, Franzosen, Briten und Japaner Russland alle mehr als einmal überfallen.
Es ist nicht der besondere Charakter von Peter dem Grossen oder von Präsident Putin, der für Russland Nachbarn verlangt, die keine Bedrohung darstellen. Es ist das kollektive russische Gedächtnis an Invasionen. Jede geschichtliche Periode hatte ihre militärische Supermacht, und jede dieser Supermächte hat zu ihrer Zeit Russland angegriffen:
Die mongolische Supermacht: Das mongolische Reich war das grösste der Geschichte und hatte das chinesische wie das persische Reich erobert. 1238 überschritten die Mongolen die Wolga mit 35’000 berittenen Bogenschützen und 70’000 türkischen Hilfstruppen sowie chinesischen Belagerungseinrichtungen für den Angriff auf befestigte Städte. Geschätzte 500’000 Bewohner der Kiewer Rus (Russen, Ukrainer, Weissrussen) starben während der mongolischen Invasion. Noch während mehreren Jahrhunderten danach führten regionale Khans Angriffe auf Russland durch. Beispielsweise belagerte die Goldene Horde 1382 Moskau, tötete 24’000 Moskauer und führte tausende als Gefangene ab.
Die osmanische Supermacht: Auf der Höhe seiner Macht im 17. Jahrhundert beherrschte das Osmanische Reich das halbe Mittelmeer, das gesamte Schwarze Meer und die Gegend des Roten Meeres. Die Krimtataren belieferten den osmanischen Sklavenhandel durch ‘Abgrasen der Steppe’, wobei zwischen 1500 und 1700 geschätzte zwei Millionen Russen als Sklaven gefangen wurden. Im Jahr 1571 überfiel eine 120’000 Mann starke kombinierte krimtatarische und osmanische Streitmacht Russland, verbrannte Moskau, tötete ungefähr 80’000 Russen und brachte 150’000 Gefangene auf die Sklavenmärkte der Krim. Historiker rechnen mit mehr als 50 Angriffen der Tataren. Die letzte ‘Ernte’ russischer Sklaven war 1869.
Im 7. Russisch-Tatarischen Krieg eroberten die Russen die Krim und befreiten sich endgültig von tatarischen Übergriffen und Sklaverei. 1783 annektierte Russland die Krim. Dies ist die gleiche historische Periode, in welcher die amerikanischen Kolonien sich endgültig von der drückenden britischen Steuerlast befreiten.
Die napoleonische Supermacht: Napoleon benutzte die Ideale der Französischen Revolution für eine Diplomatie der Stärke und neue militärische Taktiken der Massenarmeen und mobilen Artillerie. Er war deshalb unbesiegbar und eroberte Kontinentaleuropa in nur neun Jahren. 1812 stellte Napoleon die grösste Armee auf, die Europa je gesehen hatte, bestehend aus rund 600’000 Mann wovon etwa 98’000 aus Polen. Napoleon gewann zwar die Schlachten von Wilna, Smolensk und Borodino, aber die russische Rückzugsstrategie der verbrannten Erde über weite Distanzen hungerte die Invasionstruppen aus und demoralisierte sie. Auch Moskau wurde evakuiert und abgebrannt. Nur wenige überlebten den Rückzug aus Moskau im Winter. Die russischen Verluste werden auf 150’000 bis 400’000 Soldaten und ebenso viele unter der Zivilbevölkerung geschätzt.
Die Nazi-Supermacht: Hitler missbrauchte die Ideale des Faschismus ebenfalls für eine Diplomatie der Stärke und die neue militärische Taktik des Blitzkriegs und war so in der Lage, Kontinentaleuropa innerhalb von zwei Jahren zu erobern. 1941 stellte Hitler die grösste Armee auf, die Europa je gesehen hatte, bestehend aus etwa 3,2 Millionen deutschen Soldaten und ungefähr 500’000 aus Italien und Rumänien.
Obwohl Hitler weite Gebiete eroberte, gelang es ihm nicht, Moskau, Leningrad, Stalingrad oder die kaspischen Ölfelder zu erobern. Die Toten der Sowjetunion werden auf 8 bis 12 Millionen Soldaten und bis zu 20 Millionen zivile Opfer geschätzt. So starben beispielsweise 200’000 Soldaten und 1,2 Millionen Zivilpersonen bei der Belagerung von Leningrad. Demgegenüber betrug die Gesamtzahl der Toten auf amerikanischer Seite im zweiten Weltkrieg 418’000 militärische und weniger als 2’000 zivile Opfer.
Die Supermacht USA: Die USA benutzten die Ideale der Demokratie für eine Diplomatie der Stärke und neue Taktiken von verdeckten Operationen, hochentwickelte Waffentechnologie und wirtschaftliche Kriegsführung, um, wie sie es nennen, ‘full spectrum dominance’ (allumfassende Vorherrschaft) zu erreichen. Angesichts ihrer immensen militärischen Mittel und jener der übrigen Nato-Staaten unter ihrer Vorherrschaft, plus der Ressourcen ihrer asiatischen Verbündeten Australien, Neuseeland, Japan und Südkorea, haben die USA die grösste Militärmacht unter ihrem Kommando, welche die Welt je gesehen hat.
Wie die vergangenen Supermächte haben die USA und ihre Nato-Verbündeten offensichtlich Russland im Visier. Vielleicht verleitet sie die Geschichte des Kalten Krieges dazu, Russland mit der Sowjetunion unter der grausamen Herrschaft von Stalin (einem Georgier) und Chruschtschow (einem Ukrainer) zu verwechseln. Oder vielleicht geistert immer noch das Konzept der Russen als ‘Untermenschen’ im westlichen Denken. Oder vielleicht sind die natürlichen Ressourcen Russlands einfach zu verlockend, um nicht zuzugreifen.
Wiedervereinigung gegen Nato-Abstand
Präsident Gorbatschow stimmte der Wiedervereinigung Deutschlands zu aufgrund von Versprechen von Präsident Bush senior und von Bundeskanzler Kohl, wonach die Nato sich nicht nach Osten ausdehnen werde. Doch dann machte die Nato genau das und lud sogar Georgien und die Ukraine ein, sich auf eine Mitgliedschaft vorzubereiten.
Nato anerkennt antirussische Regierung in Kiew
Georgien liegt näher bei Indien als beim Nordatlantik. Die USA sind fest entschlossen, in Polen ein Raketenabwehrsystem einzurichten, angeblich für den Abschuss nicht-existierender Interkontinentalraketen aus dem Iran, aber verdächtig gut geeignet, um die nukleare Abschreckung Russlands zu unterwandern. Kürzlich abgehörte Telefongespräche zeigen, dass Beamte des US-Aussendepartements (Victoria Nuland und Geoffrey Pyatt) eine anti-russische Regierung für die Ukraine geplant hatten, als die verfassungsmässig gewählte Regierung noch im Amt war. Dann führte ein von nicht identifizierten Heckenschützen verursachtes Chaos in Kiew zum Sturz der gewählten Regierung. Wie von den USA geplant übernahm die auserwählte anti-russische Regierung die Macht in Kiew und wurde sofort von den Nato-Staaten als legitim anerkannt.
In Rhetorik des Kalten Kriegs gefangen
Es ist leicht nachzuvollziehen, weshalb Russland in diesen Ereignisse erneut eine Supermacht sehen kann, die im Begriff ist, sich auf einen Angriff auf Russland vorzubereiten. Es war voraussehbar, dass Russland sich dagegen wehren würde, ohne Rücksicht auf die Kosten. Es ist eine mentale Manipulation durch Schlüsselwörter, wenn man Putin als ‘Hitler’ bezeichnet, oder dass die ‘Rote Armee’ wieder Europa bedrohe. Weil die Amerikaner nichts wissen über die Geschichte Russlands und keine Erfahrung einer fremden Invasion haben, können sie den Grenzen ihrer eigenen Rhetorik des Kalten Kriegs nicht entkommen. Sie können die Geschichte nicht aus der russischen Perspektive sehen.
Die Europäer jedoch kennen den Horror eines Krieges auf ihrem eigenen Gebiet und können sich gut an ihre eigene Geschichte von Angriffen auf Russland erinnern. In dieser Krise müssen die europäischen Staaten aufstehen und die Supermacht wecken, bevor ein Zwischenfall in einen konventionellen Krieg und dieser in einen Raketenkrieg und dann in einen Atomkrieg ausartet. Diese Übergänge könnten weniger als eine halbe Stunde dauern. Zum jetzigen Zeitpunkt der menschlichen Geschichte hat die Weltgemeinschaft dringendere Sorgen als die Neuinszenierung von geschichtlichen Albträumen.
«Floyd Rudmin» ist Professor für soziale und gesellschaftliche Psychologie an der Universität von Tromsö in Nordnorwegen, nahe der Grenze zu Russland. Sein Familienname ist litauisch, sein Grossvater wanderte 1897 aus, als Litauen unter russischer Herrschaft stand.
Originaltext 
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“Putin-Versteher”

von Johannes Mosmann
“Putin-Versteher” ist mein neues Lieblingsschimpfwort. Als sei es eine Tugend, jemanden nicht zu verstehen. Doch die Demonstration größtmöglichen Unverständnisses gilt zunehmend als Ausweis moralischer Integrität. Wenn die Presse schreibt: “Helmut Schmidt hat Verständnis für Putin”, dann heisst das auf Neu-Deutsch: iiih, der mag Putin. Und natürlich lassen die Grünen die Gelegenheit nicht ungenutzt, sogleich die eigene geistige Jungfräulichkeit zu demonstrieren: man habe “Unverständnis für Schmidts Putin-Verständnis.”
Eigentlich ein Pubertätsproblem. Einem pubertierenden Kind verzeiht man, dass es “nicht verstehen” will, wovon es sich abgrenzen möchte. Ein Erwachsener dagegen kann selbst einen Mörder verstehen, ohne sich zu besudeln. Etwas Verstehen, ja Verständnis für das Wollen eines anderen Menschen zu haben, beeinträchtigt in der Seele eines Erwachsenen nicht das eigene Sein. Dachte ich zumindest bis jetzt. Doch die geballte Potenz europäischer Wachstumsstörungen stampft die Blüte der Erkenntnis zurück in den Boden der Affekte. Nein, ich bin kein Putin-Anhänger, weil ich mich bemühe, ihn zu verstehen. Immer öfter sehe ich mich gegenwärtig genötigt, diesen aus meiner Sicht ganz einfachen Gedanken händeringend zu erklären – und werde nicht verstanden. Ich bin doch auch nicht pro-westlich, nur weil ich die Amerikaner verstehe, oder? Wenn ich allerdings auch das noch ausspreche, verlasse ich verständnismäßig bereits die Umlaufbahn der Erde. Was, der versteht Putin und Obama? Das ist so was wie die unheilige Kreuzung aus Edathy, Herman und Wulff.
Aber ich stehe dazu: ich verstehe den Osten, und ich verstehe den Westen. Zumindest bemühe ich mich. Und ich kann deshalb beruhigen: das Verständnis frisst einen nicht auf. Im Gegenteil: je besser ich den anderen verstehe, desto fester ruhe ich in mir selbst. Weil das aber ein Lebensgesetz ist, weil mit mathematischer Exaktheit aus dem zur Schau getragenen Unverständnis der Europäer geschlossen werden kann, dass Europa sich selbst nicht versteht, treibt Europa nun orientierungslos im All, als Weltraum-Schrott der Geschichte.
Eines fällt jedoch auf, und macht Hoffnung: die von Politik und Medien propagierte Gedankenlosigkeit ist nicht repräsentativ. Offensichtlich nabelt sich da etwas ab. Während sich die Macher der “Öffentlichkeit” dem Bewusstseinszustand einer Zimmerpflanze nähern, gärt etwas im Unterboden, das immer häufiger die verordnete Oberflächlichkeit durchbricht, und aus dem eigenen Stamm Erkenntnis, ja Verständnis für den anderen Menschen hervortreibt.
Anmerkung von René Cassien:
Im Sinne dieses Textes bin auch ich ein “Putin-Versteher”
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Der Majdan-Aufstand als Auftrag?

Jenseits aller Querelen und Auseinandersetzungen um den richtigen Weg in der Ukraine-Frage stellt Herbert Schliffka von der Dreigliederungsinitiative “Achberger Kreis” die Frage:
“Wie können wir uns von den undemokratischen und amerikahörigen Parteien befreien? Erfordert die globale Gesellschaftsentwicklung eine demokratische Volksbewegung zur Erneuerung der EU?”
von Herbert Schliffka aus “Themen der Zeit”
Kann der Aufstand in der Ukraine, der auf dem zentralen Platz Kiews, dem Majdan Nesaleschnosti (Platz der Unabhängigkeit), begann, auch als ein Auftrag für eine demokratische Befreiungsbewegung in der EU verstanden werden? Ihre Aufgabe wäre es, die Kultur und das gesamte Geistesleben (d.h. vor allem das Medien- und Bildungswesen) von der Fremdbestimmung durch die Staats- und Geldmacht zu befreien, die bestehende Demokratie von einer nur-parlamentarischen, also vormundschaftlichen, zu einer echten, d.h., einer komplementären Demokratie weiterzuentwickeln und wirksame Beiträge für eine global-solidarische Weltwirtschaft zu leisten.
Es sind solche Beiträge notwendig, die bewirken, dass der globale Vernichtungswettbewerb beendet werden kann, der zwischen den global agierenden Unternehmen und den nationalstaatlichen Standorten, in denen die Unternehmen angesiedelt sind, als Kampf gegeneinander ausgetragen werden muss, weil sie einer privatkapitalistischen Rechtsordnung unterworfen sind, die sich seit über 200 Jahren über den Globus ausgebreitet hat und die Weltwirtschaft wie eine Krake in ihrer Gewalt hält. Spätestens seit 1989-91 zeigte sich, dass das seit 1917 geschaffene staatskapitalistische Gegenmodell – zunächst im europäischen Raum – scheitern musste, weil eine staatlich zentral verwaltete Planwirtschaft, die durch eine staatlich-totalitäre Diktatur unter Führung einer hierarchisch geleiteten „kommunistischen“ Partei ganz unmöglich die hochkomplexen Probleme der modernen, in gesellschaftliche Funktionssysteme ausdifferenzierte Weltgesellschaft zu lösen vermochte. Das „Politbüro“ der von der „kommunistischen“ Herrschaftsideologie geprägten Partei war letztendlich das einzige (und deshalb totalitäre) Entscheidungsorgan in diesem System.
Eine solche monopolistische Herrschaftsstruktur, die einer säkularisierten Theokratie ähnliche ist, konnte den von ihr beherrschten Teil der komplex gewordenen, kommunikativ vernetze Weltgesellschaft mit ihrem sich globalisierenden, arbeitsteiligen Wirtschaftsorganismus, in welchem die so entstehende Fremdversorgung aller Menschen global-solidarisch zu organisieren wäre, nicht steuern. – Selbst dann nicht, wenn das staatlich-totalitäre, zentral verwaltete Planwirtschaftsystem anstelle des privatkapitalistischen Systems die Weltherrschaft erlangt hätte. Das zentrale Entscheidungsorgan „Politbüro“ musste aufgrund seines Allmachtanspruches auch der Entwicklungstendenz der Menschen zu freien Individuen entgegenwirken. Das kann letztlich nicht gelingen.
Denn es kann beobachtet werden, dass die Entwicklung, besonders im Westen, tendenziell dazu führt, dass die Menschen selbst über ihre Bedürfnisse und die Ausbildung und den Einsatz ihrer Fähigkeiten auf der Grundlage selbst gewonnener Erkenntnisse bestimmen wollen, und dass sie über die zu setzenden Regeln ihres gesellschaftlichen Zusammenlebens demokratisch mittelbar durch Wahlen und unmittelbar durch Volksabstimmungen über Gesetze und andere politische Entscheidungsvorlagen in einem solchen dreistufigen Verfahren mitentscheiden wollen, dass ihnen ermöglicht, Gesetzesinitiativen aus freien Impulsen einzelner Individuen gemäß ihrem Rechtsempfinden zu ergreifen.
Das im Ostblock bis 1991 etablierte Gesellschaftssystem musste scheitern, weil es, noch stärker als das privatkapitalistisch gesteuerte, den menschlichen und gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen entgegengerichtet war. Es richtete sich mit totalitärer Staatsgewalt sowohl gegen das Bestreben des Geistes- und Kulturlebens nach Emanzipation von der Fremdbestimmung durch die Staats- und Geldmacht, als auch gegen echt demokratische Mitbestimmung durch die mündigen Menschen bei der Gesetzgebung im Rechtsleben des Staates. Und es richtete sich sowohl gegen die freie Bedürfnisentwicklung der individuellen Menschen, deren Bedarf als Motor im Wirtschaftsleben wirkt, als auch gegen die freie Initiative in der Produktionssphäre. Erst wenn die Menschen ihre Fähigkeiten im Arbeitsleben aus freier Initiative einbringen können, werden sie so wirken, dass genügend Waren produziert und diese neben den Dienstleistungen auf den Märkten angeboten werden können, damit die Bedürfnisse aller Menschen global befriedigt werden können.
Für die sozial gerechte Verteilung der global gemeinsam erzeugten Waren und Dienstleistungen ist eine Neugestaltung des Geld- und Bankensystems notwendig. In Europa könnte dessen Erneuerung beginnen. Erfordert die hier angedeutete globale Gesellschaftsentwicklung eine solche Volksbewegung zur Erneuerung der EU, wie sie in der Ukraine beim Aufstand auf dem Majdan als revolutionäre Kraft zur Beendigung der Herrschaft eines rechtmäßig gewählten Präsidenten geführt hat, weil dieser über die Köpfe vieler mündig gewordenen Menschen hinweg, die Verbindung zu einem anderen – im russischen Nachbarland ebenso legal gewählten – Präsidenten gesucht hat? Wie schon in Ägypten zeigt sich auch hier wieder: Wahlen alleine legitimieren noch nicht demokratisch die Einzelentscheidungen von Präsidenten oder Parlamenten. Wie kann ein solcher Gedanke vom Auftrag des „Euromaidans“* zur Erneuerung einer demokratischen EU entstehen?
Man könnte einwenden, dass es in der EU doch nicht diese Art von nationalstaatlich gewordenen Übergangssystemen gibt, die sich aus dem staatlich-totalitären, zentral verwalteten Planwirtschaftsystem der sogenannten „Sowjetunion“ herausgebildet haben und die teilweise immer noch halbautoritär und mehr präsidialdemokratisch als parlamentarisch-vormundschaftlich geführt werden. Aber in der EU, ebenso wie in den nationalstaatlichen Übergangssystemen des ehemaligen Ostblocks – und damit auch in der Ukraine – gibt es verschiedene Illusionen, die durch die Semantik in den westlichen Medien verbreitet werden.
Eine Illusion ist, dass die westeuropäischen Staaten – im Unterschied zu den ehemaligen Ostblockstaaten – frei seien von Abhängigkeiten. Nur wenige sehen, was es bedeutet, von der privatkapitalistischen Ideologie beherrscht zu werden. Diese ideologische Herrschaft bewirkt eine entsprechende Gesetzgebung im politischen System der Weltgesellschaft – das primär in nationalstaatliche Sektoren unterteilt ist. Diese politische Herrschaft wird vor allem durch die Machtstellung der USA gesichert und am Leben erhalten. In der Ukraine und anderswo will man möglichst schnell zu den Gewinnern dieser Herrschaft hinzugehören, ohne zu wissen, wie das gehen soll. Man hofft auf die Hilfe der bisherigen Gewinner dieses Systems in Europa, wenn man deren gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Aus Furcht davor, russische „Satellitenstaaten“ zu werden, streben sie an, dasjenige zu werden, was die westeuropäischen Staaten schon sind:„Satellitenstaaten“ der USA.
Das zeigt sich in folgenden Beobachtungen. Die USA haben in der Nato, der WTO, der Weltbank, dem IWF und in anderen weltweiten oder regionalen Organisationen, die die Nationalstaaten durch Verträge binden, die ausschlaggebende Stimme. Dabei spielt auch die Sonderstellung des Dollar in der bestehenden Geldordnung der Welt eine besondere Rolle. Und mehr noch als es früher die Geheimdienste des Ostblocks vermocht haben, wird die Kommunikation der Bürger durch den US-Geheimdienst NSA abgehört.
Der Aufstand auf dem Majdan sollte die vom ukrainischen Präsidenten angestrebte stärkere Verbindung zum östlichen Nachbarn verhindern und – aufgrund der oben beschriebenen, ideologisch herbeigeführten Illusion – die angestrebte Verbindung zum Westen ermöglichen. Treibende Kraft des Aufstandes war bei vielen Menschen im Westen der Ukraine also die zunächst illusionäre Hoffung auf einen größeren wirtschaftlichen Wohlstand, der von ihnen durch eine Verbindung mit der EU angestrebt wird. Wie kann eine demokratische Befreiungsbewegung den „Majdan-Auftrag“ in Europa erfüllen? Occupy- und Blockupy-Bewegung, sowie die Protestmärsche der „Empörten“ in Europa zeigen, äußere Versammlungen auf Plätzen und Straßen und deren Besetzungen können hier alleine nicht viel bewirken.
Was unterscheidet diese Bewegungen vom „Euromaidan“ in der Ukraine? Forderung beim Euromaidan war die Unterzeichung des EU-Assoziations-Vertrages und der damit als notwendig angesehene Regierungswechsel. Es ging um den Erhalt der Autonomie gegenüber Russland, damit ein schneller ökonomischer Wohlstand erreicht werden kann. Erfolgt die Unterwerfung unter die EU-Bedingungen aus Unwissenheit oder wird sie als kleineres Übel begriffen? Occupy, Blockupy und die Empörten-Bewegung haben keine eigenen Vorstellungen für eine Alternative zu dem von ihnen kritisierte Geld und Bankensystem oder für eine zeitgemäße Gesellschaftsform mit dem Antlitz des Menschen. Sie fordern bloß, die Verantwortlichen im Geldsystem und im politischen System sollen es irgendwie besser machen.
Der Widerstand gegen das TTIP Handelsabkommen, das derzeit zwischen den USA und der EU verhandelt wird, sowie gegen die NSA Abhör- und Überwachungspraxis, zielt nur auf die Verhinderung dieser Folgen, die durch die Geldherrschaft im kapitalistischen System bewirkt werden. Gibt der „Majdan-Aufstand“ ganz Europa den Auftrag, die Energien, die in den sozialen Bewegungen ihre Veränderungs-Kraft zeigen, mit vorhandenen Ideen zu verbinden, die eine Alternative sowohl zum bestehenden als auch zu gescheiterten Gesellschaftssystemen aufzeigen? Wenn sich dementsprechend die wirklich demokratisch neu zu gestaltenden vereinigten Staaten Europas (EU) mit einer demokratisch neu zu gestaltenden „Eurasischen Union“ assoziieren, könnte für das so gegliederte gesamte „Haus Europa“ eine größere Unabhängigkeit von der bestehenden Vorherrschaft der USA und der entstehenden Dominanz Ostasiens (China, Indien usw.) bewirkt werden.
Dazu könnte neben vielen anderen zivilgesellschaftlichen Aktivitäten das Projekt „Konzertierte Aktion aus der Zivilgesellschaft“ ein wichtiger Schritt werden. Es fordert: Geldherrschaft beenden! Ein dienendes Geldwesen schaffen durch direkte Demokratie – Volksabstimmung gemäß GG Artikel 20.2.
*Euromaidan ist die gebräuchliche Bezeichnung für die Proteste in der Ukraine seit dem 21. November 2013, die hier als „Majdan-Aufstand“ bezeichnet werden.
Originaltext
Zur Ergänzung:
Europa – Ukraine – Russland: Der Gasversorgungs-GAU?
Die Abmachung zwischen den USA und Russland über Ukraine
Russland kündigt die Entkopplung seines Handels vom US-Dollar an
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Russland kündigt die Entkopplung seines Handels vom US-Dollar an

China will die alte Seidenstraße als neue Handelsroute wiedereröffnen
und damit Deutschland, Russland und China verbinden

Von Peter Koenig aus “Luftpost” (Information Clearing House)
Russland hat gerade eine weitere Bombe platzen lassen – mit der Ankündigung, nicht nur seinen Handel vom Dollar abzukoppeln, sondern auch den Verkauf seines Erdöls und Erdgases in Zukunft nur noch in Rubel oder der Währung des jeweiligen Handelspartners abzuwickeln; das hat die Stimme Russlands berichtet.
Die Erdgas- und Erdölverkäufe Russlands summieren sich auf rund eine Billion Dollar pro
Jahr. Auch andere BRICS-Staaten und mit ihnen assoziierte Länder könnten sich (dem Beispiel Russlands) anschließen und dem Petrodollar als Zahlungsmittel für Öl und Gas den Rücken kehren. Dadurch würde die Nachfrage nach Dollars um einen zweistelligen Billionenbetrag pro Jahr absinken, was schwerwiegende Auswirkungen auf die US-Wirtschaft hätte.
Zum Vergleich: Nach im Dezember 2013 erhobenen Zahlen betrug das Bruttoinlandsprodukt / BIP der USA im Jahr 2013 rund 17 Billionen Dollar.
Außerdem hat der iranische (nicht der russische, wie in dem Artikel angegeben) Fernsehsender Press TV heute (auf seiner Website) gemeldet, China werde die alte Seidenstraße als neue Handelsroute wiederbeleben, um Deutschland, Russland und China miteinander zu verbinden; entlang dieser Route sollen sich in Zentralasien und im Westen Chinas neue Märkte entwickeln und der ganzen Region wirtschaftliche und politische Stabilität bringen.
Die erste neue Entwicklungszone könnte in Lanzhou in der Provinz Ganzu, einer der ärmsten im Nordwesten Chinas, entstehen. (Diese Meldung, aus der nachfolgend zitiert wird, ist aufzurufen unter http://www.presstv.ir/detail/2014/04/06/357386/china-uses-economy-to-avert-cold-war/ .)
“Während seines Besuchs in Duisburg machte der chinesische Präsident Xi Jinping
einen meisterlichen Schachzug der Wirtschaftsdiplomatie, mit dem er die Bemühungen
der Neokonservativen in Washington, eine neue Konfrontation zwischen der NATO und
Russland herbeizuführen, konterte.
Die Rolle nutzend, die Duisburg als größter Binnenhafen der Welt, als historisches europäisches Transportzentrum und als Zentrum der deutschen Stahlindustrie an der
Ruhr spielt, bot er Deutschland an, beim Bau einer “Seidenstraße der Wirtschaft”, die
China mit Europa verbinden soll, eng mit China zu kooperieren und sich am Ankurbeln
der Wirtschaftsentwicklung in Eurasien zu beteiligen.”
Seltsamerweise haben die westlichen Medien beide Ereignisse bisher vollkommen ignoriert.
Es scheint so, als wollten sie das von Lügen und Arroganz geprägte Trugbild von der Stärke der westlichen Wirtschaft noch möglichst lange bewahren.
Deutschland, der wirtschaftliche Motor Europas – die viertgrößte Wirtschaft der Welt mit einem BIP von 3,6 Billionen Dollar – würde als westlicher Endpunkt der neuen Handelsroute wie ein riesigen Magnet wirken und auch die anderen europäischen Handelspartner Deutschlands zur Nutzung der neuen Seidenstraße animieren. Für Russland und China wäre die neue Handelsachse ein großer Gewinn, weil sie beiden auch Sicherheit und Stabilität brächte – für Washington wäre sie allerdings ein nicht zu kompensierender Verlust.
Wenn sich die BRICS-Staaten auf eine neue Gemeinschaftswährung verständigen, die auf einem Korb nationaler Währungen aufgebaut ist, und im internationalen Handel und als neue Reservewährung genutzt werden kann, würde damit gleichzeitig der durch die hohe Verschuldung der USA fast wertlos gewordene Dollar abgelöst, was ein Segen für die ganze Welt wäre.
Zusammen mit der neuen Währung der BRICS-Staaten und der mit ihnen assoziierten Länder wird auch ein neues internationales Zahlungsabwicklungssystem entstehen, das den SWIFT- und IBAN-Geldverkehr ersetzen und damit auch die Hegemonie der berüchtigten, die Währungen und den Goldpreis manipulierenden schweizerischen privaten Bank for International Settlements / BIS in Basel, die oft als Zentralbank der Zentralbanken bezeichnet wird, brechen würde.
Die BIS, eine in Privatbesitz befindliche, profitorientierte Institution, wurde Anfang der 1930er Jahre während der Weltwirtschaftskrise, der größten Rezession des 20. Jahrhunderts, gegründet. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, zusammen mit der ebenfalls in Privatbesitz befindlichen Fed und den Wall Street Banksters das Geldsystem der Welt zu kontrollieren; sie ist der Garant des privaten, unregulierten Kapitalbesitzes.
Es ist bekannt, dass die BIS jährlich mindestens ein halbes Dutzend Geheimtreffen für die Finanzelite der Welt abhält, bei denen über das Schicksal ganzer Staaten und ihrer Bevölkerungen entschieden wird. Ihre Entmachtung wäre ein weiterer Großgewinn für die Welt.
Wenn durch die neue Handelsstraße ein neues Geldsystem entsteht, dem sich auch andere Staaten anschließen können, die sich bisher noch in den Klauen der US-Abhängigkeit befinden, würden Washingtons vom militärisch-industrieller Komplex dominierte Wirtschaft und seine NATO-Tötungsmaschine fortschreitend isoliert.
Durch diese ökonomische Neuorientierung könnte das US-Imperium ohne jedes Blutvergießen in die Knie gezwungen werden. Eine Ära neuer Hoffnung auf Gerechtigkeit, auf mehr Gleichheit und auf die Wiedergeburt souveräner Staaten könnte anbrechen und aus dem Dunkel ins Licht führen.
Peter Koenig ist Wirtschaftswissenschaftler und hat früher für die Weltbank gearbeitet. Er
beschäftigt sich intensiv mit Umweltproblemen und der Trinkwasserversorgung der ganzen Welt.
Originaltext
Zur Ergänzung:
Europa – Ukraine – Russland: Der Gasversorgungs-GAU?
Die Abmachung zwischen den USA und Russland über Ukraine
Der Majdan-Aufstand als Auftrag?
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Die Abmachung zwischen den USA und Russland über Ukraine

von Pepe Escobar; Übersetzung Michèle Mialane, aus “Tlaxcala”

Wenn Sie diese Zeilen lesen, wird die Ukraine unter russischer Besatzung stehen. Zumindest hat es General der US Air Force Philip Breedlove, Oberster Alliierter Befehlshaber der Nordtatlantikvertrags-Organisation soeben prophezeit. Laut Super-Breedlove sind die Russen „bereit, loszugehen“ und sie könnten ohne Schwierigkeit im südöstlichen Teil der Ukraine die Kontrolle übernehmen. Die großen westlichen Medien haben ihre Kevlarwesten schon abgestaubt.

Nun vergleichen Sie Super-Breedlove mit einem ausgereiften Diplomaten, dem russischen Außenminister Sergej Lawrow, der die NATO aufgerufen hat, bitte bitte die „unvernünftige“ Kriegsrhetorik zu entschärfen, welche die offizielle Einstellung jeder zivilen und militärischen Zusammenarbeit mit Russland sowie die Planung neuer Militärvorstößein Osteuropa mit einbezieht.
Während die NATO – eine Abkürzung für Europaabteilung des Pentagons – durchdreht, insbesondere über seinen abtretenden Generalsekretär, den dänischen Strohmann Anders Fogh Rasmussen, schauen wir uns näher an, wie es vor Ort aussieht, aufgrund von Infos, die von Lecks aus der Umgebung von Lawrow und sowie aus jener des US-Staatssekretärs John Kerry stammen.
Die Kernfrage – die ein Hysterieregenbogen vernebelt- ist, dass weder Washington noch Moskau sich wünschen, dass die Ukraine zur eiternden Wunde wird. Laut einer offiziellen Erklärung an Washington beabsichtigt Moskau keinesfalls, die Ukraine zu „überfallen“. Und laut einer Gegenerklärung von Washington besteht bei aller überspannten Rhetorik dort kein Wunsch nach einem NATO-Beitritt der Ukraine oder Georgiens.
Was für Schritte Washington auch unternimmt, so werden sie nicht im Stande sein, den Kreml zu überzeugen, dass der Putsch in Kiew nicht großteils durch Handlanger des Kaghanats* der Nuländer (alias Vizestaatssekretärin Victoria Nuland) orchestriert wurde. Gleichzeitig weiß der Kreml, dass die Zeit für ihn arbeitet – so wäre die bloße Erwägung einer „Invasion“ des östlichen Teils der Ukraine vollkommen kontraproduktiv.
Nun summieren Sie den lautstarken Zwist zwischen den kniffeligen Gruppen in Kiew, von den Faschisten bis hin zur Heiligen Julia „Tötet alle Russen“ Timoschenko, den Entschluss von Gasprom, den Preis des Erdgases um 80% zu erhöhen, und den IWF, der dabei ist, eine bösartige strukturelle Anpassung zu starten, nach welcher Griechenland an Aschenputtel, das sich in einem Rosengarten herumtummelt, erinnern würde: angesichts all dessen braucht Moskau nur, sich hinzusetzen, zu entspannen und das (interne) Gemetzel anzuschauen.
Dasselbe gilt auch für die Baltischen Staaten – die laut den hysterischen Behauptungen der NATO schon nächste Woche überfallen werden könnten. Da die Baltischen Staaten zur NATO gehören, dürften die Brüsseler Robocops dann tatsächlich durchdrehen. Doch können nur markengeschützte unwissende /arrogante Neocons glauben, dass Moskau seine komplexen politischen und Handelsbeziehungen mit Europa – insbesondere mit Deutschland- durch die Gefahr eines offenen Krieges in den Baltischen Staaten abbrechen wird. Auch die Deutschen wollen keinen Krieg, weder kalt noch offen. Und wenn so was bei aller Unwahrscheinlichkeit doch vorkäme- was würde dann unsere ach so chauvinistische NATO unter Führung des Pentagons machen? Das russische Territorium überfallen?
Das darf man nicht mal als miserablen Witz bezeichnen.
Übrigens, wenn wir schon von schlechten Witzen reden, dann ist es schwer, den Vizepräsidenten der Kafkaschen Europäischen Kommission Olli Rehn zu übertreffen: er hat nämlich erklärt, dass „im Interesse der Friedenserhaltung und der Stabilität auf unserem Kontinent“ die EU für ein Teil des Elf-Milliarden- Pakets IWF/ Plünderung durch den Disasterkapitalismus – entschuldigen Sie bitte: der der Ukraine gestatteten „Hilfe“ – aufkommen wird, wobei die EU-BürgerInnen millionenweise entweder arbeitslos oder arg verarmt sind.
Und was Berlin anbelangt, so versucht es vorrangig, die EU vor einem allgewaltigen Krach zu schützen. Dazu gehört, dass das ebenfalls wirtschaftlich verwüstete Zentral- und Club Med-Europa an Bord bleiben kann und dazu dem Aufstieg des bösen “ normalisierten“ Faschismus die Front zu bieten. Dazu wird ein „massives Engagement“ nicht mal als schüchterner Anfang erscheinen. Warum dieser unverdaulichen Bouillabaisse auch noch eine Konfrontation mit Moskau hinzugeben?
Die hohen moralischen Predigten, wie z.B. dieser Leitartikel des Guardian (“eine Halbinsel hat er gewonnen, dafür aber ein Land verloren”) haben keinen Zweck. Das gilt auch für die polnische Marionette, die in Panik gerät und von der Brüsseler Mafia mehr „Schutz“ verlangt.
Wie es zu erwarten war haben die westlichen Medien erzählt, dass Putin „gezwinkert habe“ als er den US-amerikanischen Präsidenten Obama angerufen hat, um ein Lösungspaket auszuarbeiten, das vor allem eine Föderalisierung der Ukraine mit einbezieht. Die Obama-Regierung, auch wenn sie von verblüffend mittelmäßigen Mitarbeitern strotzt, weiß, dass es keinen anderen zweckmäßigen Ausweg gibt. Und dass kein noch so starker Druck Moskau zum Biegen zwingen wird. Die gesegnete Zeit, wo man dem Serientrunkenbold Jelzin jede Laune aufzwingen konnte, ist längst vorbei. Gleichzeitig ist Moskau ein realistischer Akteur, vollkommen bewusst, dass eine Lösung für die ukrainische Krise zusammen mit Washington ausgearbeitet werden muss- anders geht’s nicht.
So ist die Ukraine vor allem ein Detail – und „Europa“ nur ein ohnmächtiger Zuchauer. Wen rufen Sie an, wenn Sie sich mit Europa besprechen wollen? Die Magrittesche Null Herman von Rompuy, Präsident des Europäischen Rates? Wer in Brüssel war, weiß ganz gut, dass „Europa“ nur eine hoch gepriesene Sammlung Fürstentümer ist, die sich in einem sprachlichen Wirrwarr zanken. So hätte sie Machiavelli vermutlich definiert.
Zu guter Letzt hat die Obama-Regierung keine blasse Ahnung dessen, was SIE sich in der Ukraine wünscht. Eine „verfassungsrechtliche Demokratie“? Damit könnte Moskau einverstanden sein, auch wenn man dort ganz gut weiß, dass es aufgrund einer Menge historisch-kultureller Gründe zum Scheitern verurteilt wäre. Die „rote Linie“ ist definiert und bis zum Überdruss eingehämmert worden: keine NATO-Stützpunkte in der Ukraine.
Die vernünftigen Players in Washington- ohnehin eine Minderheit- haben es sicher wohl gemerkt: wenn man auf Moskaus Spiel nicht eingeht, dann wird Russland bei den Verhandlungen des P5+1 (ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates plus Deutschland) über das iranische Atomprogramm ein sehr hartes Spiel spielen.
Nur Blinde sehen nicht ein, dass Moskau und Teheran sowie Moskau und Beijing eine engere Partnerschaft entwickeln. Tatsächlich gibt es eine neue strategische geopolitische Lenksäusle unter der Haube: Moskau-Beijing-Teheran, und alle Entwicklungsländer haben schon gemerkt, dass in Wirklichkeit sich dort alles abspielt. Was die Ukraine anbelangt ist es aber Tatsache, dass alles sich um Russland und die USA dreht.
* Wortspiel des Verfassers zwischen Khanat – ein türkisches bzw. mongolisches Königreich unter der Führung eines Khans – und dem Neocon und Ehemann von Frau Nuland Robert Kagan.
Originaltext
Zur Ergänzung:
Europa – Ukraine – Russland: Der Gasversorgungs-GAU?
Russland kündigt die Entkopplung seines Handels vom US-Dollar an
Der Majdan-Aufstand als Auftrag?
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Europa – Ukraine – Russland: Der Gasversorgungs-GAU?

von “Konjunktion”
Anscheinend dachten die europäischen Politdarsteller wirklich, dass sie Russland – als sie die Sanktionen aufgrund der Situation in der Ukraine verabschiedeten – zum Umdenken bewegen könnten. Dass sich diese Annahme als politisch falsch und unter Einschaltung des gesunden Menschenverstandes als fahrlässig heraus stellen wird, hat sich schneller bewahrheitet als Merkel, Hollande, Cameron und Co. ihre duckmäuserische Haltung gegenüber den USA einnehmen konnten.
So hat jetzt der russische Präsident Putin indirekt in einem Brief an 18 europäische Staaten auf die Sanktionen geantwortet und zwar indem er auf den (Fast-)Staatsbankrott der Ukraine hinweist und in dessen Folge die russischen Gaslieferung nach Europa in Gefahr sieht. Unter anderem ging dieses Schreiben an die Politdarsteller in Berlin, Paris, Rom, Athen oder Ankara.
Zur Erklärung: Derzeit schuldet der ukrainische Gasversorger Naftogas der russischen Gazprom 2,2 Milliarden US-Dollar aufgrund ausstehender Gaslieferungszahlungen. Deswegen sieht sich Gazprom gezwungen – was jede andere, halbwegs seriöse Firma wohl auch bei uns tun würde – weitere Gaslieferungen nur noch gegen Vorkasse vorzunehmen:
“In other words, we’ll be supplying exactly the volume of gas that Ukraine pays for a month in advance.” – Wladimir Putin
(In anderen Worten, wir werden genau das Volumen an Gas liefern, das die Ukraine für ein Monat im Voraus bezahlt hat. – Wladimir Putin)
Weiterhin fordert Putin die Ukraine auf seine Gasspeicher zu füllen, so dass die Lieferungen im Herbst und Winter an Europa reibungslos möglich sind und es zu keinem “Abzapfen” durch die Ukraine kommt. Für das Befüllen der Speicher müsste die Ukraine 5 Milliarden US-Dollar aufwenden, ansonsten kann kein unterbrechungsfreier Transport nach Europa garantiert werden:
“In order to guarantee uninterrupted transit, it will be necessary, in the nearest future, to supply 11.5 billion cubic meters of gas that will be pumped into Ukraine’s underground storage facilities, and this will require a payment of about 5 billion US dollars.” – Wladimir Putin
(Um einen unterbrechungsfreien Transit gewährleisten zu können, wird es zeitnah notwendig sein 11,5 Milliarden Kubikmeter Gas in das ukrainische unterirdische Speichersystem zu pumpen, und dazu wird eine Zahlung von etwa 5 Milliarden US-Dollar nötig sein. – Wladimir Putin)
Dank der sinnbefreiten, unterwürfigen Unterstützung US-amerikanischer Interessen hat sich Europa einen – im wahrsten Sinne des Wortes – Bärendienst erwiesen und dürfte indirekt die Rechnung für das Hegemonial- und Machterhaltungsstreben der USA bezahlen. Ein Umdenken in der Haltung zu Russland in den europäischen Hauptstädten ist derzeit kaum zu erwarten und zeigt nur, dass die “Rücksichtnahme auf US-amerikanische Politik” für viele europäische Staaten nach wie vor Staatsräson ist. Also wird die EU – und damit letztendlich der europäische Steuerzahler – zur Sicherung der eigenen Gasversorgung, die Ukraine mit Milliardenhilfen unterstützen und auch deren Gasversorgung mitfinanzieren.
Das nenne ich dann einmal konsequent zu Ende gedachte Sanktionen, die einem Boomerang gleich zurückkommen. Aber sicherlich werden unsere Presstitutes, in Gemeinschaftsarbeit mit den EU-Politclowns, den “wahren” Schuldigen ziemlich schnell benennen, wenn es wirklich zu Engpässen bei der Gasversorgung in Europa kommen sollte. Und wer das ist, dürfte angesichts der positiven, veröffentlichten Meinung zu Russland klar sein…
Zu guter Letzt das komplette Schreiben Putins (in englisch) an die 18 europäischen Staaten, um die zu erwartenden Falschmeldungen durch unsere “Qualitätsmedien” dazu besser einschätzen und selbst seine Schlussfolgerungen ziehen zu können:
Ukraine’s economy in the past several months has been plummeting. Its industrial and construction sectors have also been declining sharply. Its budget deficit is mounting. The condition of its currency system is becoming more and more deplorable. The negative trade balance is accompanied by the flight of capital from the country. Ukraine’s economy is steadfastly heading towards a default, a halt in production and skyrocketing unemployment.
Russia and the EU member states are Ukraine’s major trading partners. Proceeding from this, at the Russia-EU Summit at the end of January, we came to an agreement with our European partners to hold consultations on the subject of developing Ukraine’s economy, bearing in mind the interests of Ukraine and our countries while forming integration alliances with Ukraine’s participation. However, all attempts on Russia’s part to begin real consultations failed to produce any results.
Instead of consultations, we hear appeals to lower contractual prices on Russian natural gas – prices which are allegedly of a “political” nature. One gets the impression that the European partners want to unilaterally blame Russia for the consequences of Ukraine’s economic crisis.
Right from day one of Ukraine’s existence as an independent state, Russia has supported the stability of the Ukrainian economy by supplying it with natural gas at cut-rate prices. In January 2009, with the participation of the then-premier Yulia Tymoshenko, a purchase-and-sale contract on supplying natural gas for the period of 2009-2019 was signed. The contract regulated questions concerning the delivery of and payment for the product, and it also provided guarantees for its uninterrupted transit through the territory of Ukraine. What is more, Russia has been fulfilling the contract according to the letter and spirit of the document. Incidentally, Ukrainian Minister of Fuel and Energy at that time was Yuriy Prodan, who today holds a similar post in Kiev’s government.
The total volume of natural gas delivered to Ukraine, as stipulated in the contract during the period of 2009-2014 (first quarter), stands at 147.2 billion cubic meters. Here, I would like to emphasize that the price formula that had been set down in the contract had NOT been altered since that moment. And Ukraine, right up till August 2013, made regular payments for the natural gas in accordance with that formula.
However, the fact that after signing that contract, Russia granted Ukraine a whole string of unprecedented privileges and discounts on the price of natural gas, is quite another matter. This applies to the discount stemming from the 2010 Kharkiv Agreement, which was provided as advance payment for the future lease payments for the presence of the (Russian) Black Sea Fleet after 2017. This also refers to discounts on the prices for natural gas purchased by Ukraine’s chemical companies. This also concerns the discount granted in December 2013 for the duration of three months due to the critical state of Ukraine’s economy. Beginning with 2009, the total sum of these discounts stands at 17 billion US dollars. To this, we should add another 18.4 billion US dollars incurred by the Ukrainian side as a minimal take-or-pay fine.
In this manner, during the past four years, Russia has been subsidizing Ukraine’s economy by offering slashed natural gas prices worth 35.4 billion US dollars. In addition, in December 2013, Russia granted Ukraine a loan of 3 billion US dollars. These very significant sums were directed towards maintaining the stability and creditability of the Ukrainian economy and preservation of jobs. No other country provided such support except Russia.
What about the European partners? Instead of offering Ukraine real support, there is talk about a declaration of intent. There are only promises that are not backed by any real actions. The European Union is using Ukraine’s economy as a source of raw foodstuffs, metal and mineral resources, and at the same time, as a market for selling its highly-processed ready-made commodities (machine engineering and chemicals), thereby creating a deficit in Ukraine’s trade balance amounting to more than 10 billion US dollars. This comes to almost two-thirds of Ukraine’s overall deficit for 2013.
To a large extent, the crisis in Ukraine’s economy has been precipitated by the unbalanced trade with the EU member states, and this, in turn has had a sharply negative impact on Ukraine’s fulfillment of its contractual obligations to pay for deliveries of natural gas supplied by Russia. Gazprom neither has intentions except for those stipulated in the 2009 contract nor plans to set any additional conditions. This also concerns the contractual price for natural gas, which is calculated in strict accordance with the agreed formula. However, Russia cannot and should not unilaterally bear the burden of supporting Ukraine’s economy by way of providing discounts and forgiving debts, and in fact, using these subsidies to cover Ukraine’s deficit in its trade with the EU member states.
The debt of NAK Naftogaz Ukraine for delivered gas has been growing monthly this year. In November-December 2013 this debt stood at 1.451,5 billion US dollars; in February 2014 it increased by a further 260.3 million and in March by another 526.1 million US dollars. Here I would like to draw your attention to the fact that in March there was still a discount price applied, i.e., 268.5 US dollars per 1,000 cubic meters of gas. And even at that price, Ukraine did not pay a single dollar.
In such conditions, in accordance with Articles 5.15, 5.8 and 5.3 of the contract, Gazprom is compelled to switch over to advance payment for gas delivery, and in the event of further violation of the conditions of payment, will completely or partially cease gas deliveries. In other words, only the volume of natural gas will be delivered to Ukraine as was paid for one month in advance of delivery.
Undoubtedly, this is an extreme measure. We fully realize that this increases the risk of siphoning off natural gas passing through Ukraine’s territory and heading to European consumers. We also realize that this may make it difficult for Ukraine to accumulate sufficient gas reserves for use in the autumn and winter period. In order to guarantee uninterrupted transit, it will be necessary, in the nearest future, to supply 11.5 billion cubic meters of gas that will be pumped into Ukraine’s underground storage facilities, and this will require a payment of about 5 billion US dollars.
However, the fact that our European partners have unilaterally withdrawn from the concerted efforts to resolve the Ukrainian crisis, and even from holding consultations with the Russian side, leaves Russia no alternative.
There can be only one way out of the situation that has developed. We believe it is vital to hold, without delay, consultations at the level of ministers of economics, finances and energy in order to work out concerted actions to stabilize Ukraine’s economy and to ensure delivery and transit of Russian natural gas in accordance with the terms and conditions set down in the contract. We must lose no time in beginning to coordinate concrete steps. It is towards this end that we appeal to our European partners.
It goes without saying that Russia is prepared to participate in the effort to stabilize and restore Ukraine’s economy. However, not in a unilateral way, but on equal conditions with our European partners. It is also essential to take into account the actual investments, contributions and expenditures that Russia has shouldered by itself alone for such a long time in supporting Ukraine. As we see it, only such an approach would be fair and balanced, and only such an approach can lead to success.
Originaltext
Zur Ergänzung:
Die Abmachung zwischen den USA und Russland über Ukraine
Russland kündigt die Entkopplung seines Handels vom US-Dollar an
Der Majdan-Aufstand als Auftrag?
Veröffentlicht unter Éthnos, Bewußtsein, Energie, Kultur-Leben, Menschenwürde, Rechts-Leben, Soziales Leben, Wirtschafts-Leben, Zum Aufwachen | 4 Kommentare