Herausforderungen der Großen Transformation

von Leonardo Boff
Die Große Transformation besteht aus dem Übergang von einer Marktwirtschaft zu einerMarktgesellschaft. Oder, anders ausgedrückt, von einer Gesellschaft mit Markt zu einer Gesellschaft, die ausschließlich aus Markt besteht. Märkte gab es schon immer in der Geschichte der Menschheit, doch es gab noch nie eine Marktgesellschaft, die die Ökonomie zur einzigen Achse macht, um die sich das ganze soziale Leben dreht und die sich die Politik unterordnet und die Ethik aufhebt. Alles ist käuflich, selbst das Sakrale.
Es geht nicht einfach um irgendeine Art von Markt. Es handelt sich um einen Markt, der von der Konkurrenz bestimmt ist, nicht von der Kooperation. Was zählt sind der individuelle Profit oder der der Konzerne, nicht das Gemeinwohl der Gesellschaft als ganzer. Profite werden im allgemeinen zu Lasten der Natur und zum Preis ihrer Zerstörung als auch durch das perverse Fördern sozialer Ungleichheiten gemacht. In diesem Sinne ist die wissenschaftliche Arbeit von Thomas Pikettys mit dem Titel „Kapital im XXI. Jahrhundert“ unwiderlegbar.
Der Markt muss frei sein, folglich weist er Kontrollen zurück und sieht den Staat als größtes Hindernis, dessen Aufgabe, wie wir wissen, darin besteht, die Gesellschaft und den Bereich der Wirtschaft mit Hilfe von Gesetzen und Normen zu ordnen und die Suche nach dem Gemeinwohl zu koordinieren. Die Große Transformation postuliert einen minimalistischen Staat, der praktisch auf Fragen zur Infrastruktur und der so gering wie möglich gehaltenen Finanzverwaltung sowie auf Fragen zur Sicherheit beschränkt wird. Alles andere muss vom Markt erbeten werden, der sich dafür bezahlen lässt.
Der Drang danach, alles zur Ware zu machen, hat alle Bereiche der Gesellschaft durchdrungen: Gesundheit, Bildung und Sport, die Welt der Kunst und der Unterhaltung und sogar wichtige religiöse Bereiche und die Kirchen. Religionen und Kirchen übernehmen die Logik des Marktes, die Kreation einer enormen Masse an Konsumenten und symbolischen Gütern. Diese Kirchen sind arm im Geiste, doch reich im Sinne von Gelderwerb. Es ist nicht selten, dass ein Tempel und eine Einkaufspassage nebeneinander im selben Einkaufszentrum bestehen. Es geht immer um dasselbe: Einkünfte zu erlangen, sei es durch materielle oder durch „spirituelle“ Güter.
Der ungarisch-nordamerikanische Wirtschaftshistoriker Karl Polanyi (1886-1964) studierte diesen zerstörerischen Prozess im Detail. Polanyi prägte den Begriff Die Große Transformation, der Titel eines seiner Bücher, das er 1944 vor Ende des 2. Weltkriegs schrieb. Zu seiner Zeit fand das Buch keine große Beachtung. Heute, da seine Thesen sich mehr denn je bestätigt sehen, wurde das Buch zur Pflichtlektüre für alle, die verstehen wollen, was im Bereich der Ökonomie geschieht, was in allen Bereichen menschlicher Aktivität Widerhall findet, einschließlich der religiösen Aktivität. Man geht davon aus, dass Papst Franziskus sich von Polanyi inspirieren ließ, als er das aktuelle Vermarkten von allem, selbst von Menschen und ihrer Organe, verurteilte.
Diese Art und Weise, die Gesellschaft rund um die ökonomischen Interessen zu organisieren, hat die Menschheit von oben bis unten gespalten: eine enorme Schere hat sich geöffnet zwischen den wenigen Reichen und den vielen Armen. Eine grausame soziale Ungerechtigkeit wurde hergestellt mit einer Vielzahl an ausgegrenzten Menschen, die als unökonomisch erachtet werden, verbranntem Öl, Menschen, für die der Markt sich nicht mehr interessiert, da sie sehr wenig produzieren und fast nichts konsumieren.
Gleichzeitig hat die Große Transformation der Marktgesellschaft eine gefährliche soziale Ungerechtigkeit hervorgebracht. In ihrem Anhäufungs-Eifer wurden die Naturgüter und -ressourcen auf äußerst räuberische Weise ausgebeutet, wobei ganze Ökosysteme verwüstet wurden, die Erde kontaminiert wurde sowie Wasser, Luft und Lebensmittel ohne sich über ethische, soziale oder hygienische Belange Gedanken zu machen.
Ein solches Projekt, das auf unbegrenztes Anhäufen abzielt, kann von einem begrenzten, kleinen, alten und kranken Planeten nicht getragen werden. Auch ein systemisches Problem ist erstanden, das Ökonomen, die diese Art des Wirtschaftens befürworten, selten bedenken: Die physikalisch-chemisch-ökologischen Grenzen des Planeten Erde sind bereits erreicht worden. Diese Tatsache erschwert das beständige Wachstum des Systems, wenn es dieses nicht sogar unmöglich macht, denn es erfordert eine Erde voller Ressourcen (Güter und Dienstleistungen oder „großzügige Geschenke“ in der Sprache der indigenen Völker).
Wenn wir diesen Weg weiter verfolgen, können wir erleben, wie es bereits geschieht, dass die Erde darauf mit Gewalt reagiert. Als eine sich selbst regulierende, lebende Entität, reagiert die Erde auf Aktionen, die ihre Fähigkeit schwächen, ihr Gleichgewicht zu erhalten, mit extremen Ereignissen, Erdbeben, Tsunamis, Orkanen und einem völligen Fehlen von Klima-Regulierung.
Diese Transformation erweist sich durch ihre eigene interne Logik als zerstörerisch für das Leben, das Ökosystem und die Umwelt. Es zerstört systematisch die Basis, die das Leben erhält. Das Leben ist in Gefahr, und so könnte, sei es durch die bestehende Aufrüstung an Massenvernichtungsmitteln oder durch das ökologische Chaos, die menschliche Spezies von der Erde verschwinden. Das könnte die Konsequenz unserer Verantwortungslosigkeit sein und von unserem völligen Mangel an Achtsamkeit für alles, was lebt und existiert.
Bisher analysierten wir die Herausforderungen, welche die Transformation der Marktwirtschaft zu einer Marktgesellschaft mit sich bringt, einschließlich ihrer doppelten Ungerechtigkeit: der sozialen und der ökologischen. Jetzt geht es uns um die Auswirkungen im ökologischen Bereich in Hinsicht auf die erweiterte ökologische, soziale, geistige und physikalische Bedeutung.
Eine einzigartige Tatsache lässt sich beobachten: Im dem Maß, in dem der Schaden für die Natur wächst und immer mehr Gesellschaften und deren Lebensqualität beeinträchtigt, wächst gleichzeitig ein Bewusstsein, dass 90 % dieser Schäden auf die unverantwortliche und irrationale Aktivität der Menschen zurückzuführen sind, insbesondere der ökonomischen, politischen und kulturellen Elite sowie der Medien, die sich selbst zu großen multilateralen Konzernen organisiert haben und nun das Geschick der Welt lenken. Es ist höchste Zeit, dass wir etwas unternehmen, um sie auf ihrem Weg zum Abgrund zu stoppen. Wie die Erd-Charta bereits warnt: „Entweder bilden wir eine globale Partnerschaft, um für die Erde und füreinander zu sorgen, oder wir riskieren, uns selbst und die Vielfalt des Lebens zugrunde zu richten.“ (Präambel)
Die ökologische Frage wurde, vor allem nach dem Bericht des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“ von 1972, zu einem zentralen Thema der Politik und der weltweiten wissenschaftlichen Community sowie in den Gruppen, die sich mehr Gedanken und Sorgen über unsere gemeinsame Zukunft machen.
Das Hauptinteresse der Frage verschob sich von nachhaltigem Wachstum/Entwicklung (was unmöglich ist in der freien Marktwirtschaft) zur Nachhaltigkeit allen Lebens. Zuerst müssen wir die Nachhaltigkeit des Planeten Erde gewährleisten, die seiner Ökosysteme und aller natürlichen Bedingungen, die den Fortbestand des Lebens sichern. Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, ist es möglich, über nachhaltige Gesellschaften und über nachhaltige Entwicklung zu reden oder über irgendwelche anderen Aktivitäten, die unter diese Kategorie fallen.
Der Blick der Astronauten verstärkte dieses neue Bewusstsein. Von ihren Raumschiffen oder vom Mond aus wurde ihnen bewusst, dass die Erde und die Menschheit eine einzige Wesenseinheit bilden. Sie sind weder voneinander getrennte noch parallele Realitäten. Die Menschheit ist ein Ausdruck der Erde, ihres bewussten, intelligenten Aspekts, der verantwortlich ist für die Bewahrung der Bedingungen, welche beständig Leben produzieren und reproduzieren. Im Namen dieses Bewusstseins und der Dringlichkeit entstanden das Prinzip Verantwortung (Hans Jonas) und das Prinzip Achtsamkeit (Boff u. a.), das Prinzip Nachhaltigkeit (Brundtland Report), das Prinzip der Interdependenz-Kooperation Heisenberg/Wilson/Swimme), das Prinzip Prävention/Vorsicht (UNO-Charta von Rio de Janeiro, 1992), das Prinzip Mitgefühl (Schopenhauer/Dalai Lama) und das Prinzip Erde (Lovelock und Evo Morales).
Die Überlegungen zur Ökologie stellten sich als sehr komplex heraus. Sie können nicht nur auf die Bewahrung der Umwelt reduziert werden. Das ganze Welt-System ist in Gefahr. Daher entstand eine Umwelt-Ökologie, deren Hauptziel in der Lebensqualität besteht; eine soziale Ökologie, die nach einer nachhaltigen Lebensform forscht (Produktion, Verteilung, Konsum und Abfallbehandlung); eine mentale Ökologie, die Vorurteile und Weltsichten verurteilt, welche dem Leben feindlich gesonnen sind, und die ein neues Design für die Zivilisation erarbeitet, das auf den Prinzipien und Werten beruht, wie das Gemeinsame Haus auf eine neue Weise bewohnt werden kann; und schließlich eine integrale Ökologie, die sich dessen bewusst ist, dass die Erde Teil eines sich entwickelnden Universums ist und dass wir in Harmonie mit dem Ganzen leben müssen, vereint, komplex und Sinn erfüllt.
So wurde ein theoretischer Rahmen geschaffen, um die Gedanken und die Lebenspraxis in lebensbejahender Weise auszurichten. Es wurde klar, dass die Ökologie weniger eine Technik für den Umgang mit raren Gütern ist, sondern eher eine Kunst, eine neue Art der Beziehung mit der Natur und der Erde, und die Entdeckung, dass die Aufgabe des Menschen im kosmologischen Prozess und in der Gesamtheit aller Wesen darin besteht, für diese zu sorgen und sie zu bewahren.
Überall in der Welt entstanden Bewegungen, Institutionen, Organismen, Nichtregierungsorganisationen, Forschungszentren, die alle ein Hauptaugenmerk besitzen: einigen geht es um die Wälder, anderen um die Ozeane, um die Erhaltung der Biodiversität, gefährdete Spezies, die höchst unterschiedlichen Ökosysteme, das Wasser, die Erde oder die Samen und organischen Landbau. Unter all diesen Bewegungen verdient Greenpeace besondere Beachtung für seine Beharrlichkeit und für seinen Mut zur Konfrontation, unter Inkaufnahme aller Risiken, mit denen, die das Leben und das Gleichgewicht von Mutter Erde bedrohen.
Die Vereinten Nationen selbst haben eine Reihe an Institutionen gegründet, deren Ziele die Beobachtung der Erde einschließen. Vor allem sind dies das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Biodiversitäts-Konvention (CBD) und insbesondere der Weltklimarat (IPPC) u. a.
Diese Große Transformation des Bewusstseins hat sich auf eine anstrengende Reise begeben, eine Reise, die notwendig ist, um ein neues Paradigma zu schaffen, welches in der Lage ist, die eventuelle ökologisch-soziale Tragödie in eine vorübergehende Krise zu verwandeln, welche uns einen qualitativen Sprung machen lässt in Richtung eines höheren Levels zu einer freundlichen, harmonischen und kooperativen Beziehung zwischen Erde und Menschheit. Wenn wir diese Aufgabe nicht annehmen, ist unsere gemeinsame Zukunft bedroht.
Übersetzung  Bettina Gold-Hartnack
Originaltext Teil1Teil2
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Mein Appell an das Volk Israels: Befreit euch, indem ihr Palästina befreit

Von Erzbischof Emeritus Desmond Tutu

aus haaretz ; Übersetzung Avaaz
In den vergangenen Wochen erlebten wir beispiellose Handlungen durch Mitglieder der Zivilgesellschaft rund um den Globus gegen die Ungerechtigkeit von Israels unverhältnismäßig brutaler Reaktion auf die Raketenabschüsse aus Palästina.
Zählt man alle Menschen zusammen, die sich am vergangenen Wochenende versammelt haben, um Gerechtigkeit in Israel und Palästina zu fordern – in Kapstadt, Washington D.C., New York, Neu-Delhi, London, Dublin und Sydney, und all den anderen Städten – so war dies sicherlich der größte öffentliche Aufschrei für ein einzelnes Anliegen in der Geschichte der Menschheit.
Vor einem Vierteljahrhundert nahm ich an einigen gut besuchten Demonstrationen gegen die Apartheid teil. Ich hätte mir nie vorstellen können, wieder Demonstrationen dieser Größe zu sehen. Aber die Teilnehmerzahl am letzten Samstag in Kapstadt war genauso groß, wenn nicht größer als damals. Unter den Teilnehmern waren Junge und Alte, Muslime, Christen, Juden, Hindus, Buddhisten, Agnostiker, Atheisten, Schwarze, Weiße, Rote und Grüne vertreten … wie man es von einer dynamischen, toleranten, multikulturellen Nation erwarten würde .
Ich bat die Menge, mit mir zu skandieren: “Wir sind gegen die Ungerechtigkeit der illegalen Besetzung von Palästina. Wir sind gegen das willkürliche Morden im Gazastreifen. Wir sind gegen die Erniedrigung von Palästinensern an Kontrollpunkten und Straßensperren. Wir sind gegen die von allen Beteiligten begangenen Gewalttaten. Aber wir sind nicht gegen Juden.”
Anfang der Woche forderte ich den Ausschluss Israels aus der Internationalen Architektenvereinigung, die in Südafrika tagte.
Ich bat die israelischen Schwestern und Brüder, die auf dieser Konferenz anwesend waren, darum, sich persönlich und auch in ihren beruflichen Aktivitäten, aktiv von dem Entwurf und der Konstruktion der Infrastruktur zu distanzieren, durch die das Unrecht aufrechterhalten wird. Dazu zählen sowohl die Trennmauer, die Sicherheitsstationen und die Kontrollpunkte, als auch die Siedlungen, die auf besetzten Gebieten der Palästinenser errichtet wurden.
“Ich bitte Sie, diese Botschaft mit auf den Weg zu nehmen: Bitte wenden Sie das Blatt gegen Gewalt und Hass, indem Sie sich der gewaltlosen Bewegung für Gerechtigkeit für alle Menschen in der Region anschließen” sagte ich.
In den vergangenen Wochen sind mehr als 1,6 Millionen Menschen weltweit dieser Bewegung beigetreten, indem sie eine Avaaz-Kampagne unterzeichnet haben, die Firmen, die von der israelischen Besetzung profitieren und/oder an der Misshandlung und Unterdrückung von Palästinensern beteiligt sind, auffordert, sich zurückzuziehen. Die Kampagne richtet sich insbesondere gegen den niederländischen Rentenfonds ABP, Barclays Bank, den Anbieter von Sicherheitssystemen G4S, das französische Transportunternehmen Veolia, den Computerhersteller Hewlett-Packard und den Bulldozerhersteller Caterpillar.
Letzten Monat haben 17 EU-Regierungen ihre Bürger gedrängt, keine Geschäfte mit oder Investitionen in illegale israelische Siedlungen zu tätigen.
Wir wurden kürzlich auch Zeugen des Abzugs zweistelliger Millionenbeträge aus israelischen Banken durch den niederländischen Rentenfonds PGGM, des Kapitalabzugs aus G4S durch die Bill and Melinda Gates Foundation und des Abzugs geschätzter 21 Millionen Dollar aus HP, Motorola Solutions und Caterpillar durch die presbyterianische Kirche der USA.
Es ist eine Bewegung, die an Fahrt gewinnt.
Gewalt erzeugt Gegengewalt und Hass, was wiederum mehr Gewalt und Hass erzeugt.
Uns Südafrikanern sind Gewalt und Hass nicht fremd. Wir kennen den Schmerz, die Außenseiter der Welt zu sein; wenn es scheint, als verstünde niemand unsere Perspektive oder wäre auch nur willens, zuzuhören. Das sind unsere Wurzeln.
Wir wissen auch um die Vorteile, die uns der Dialog zwischen unseren Staatsführern schließlich gebracht hat; als das Verbot angeblich “terroristischer” Organisationen aufgehoben und ihre Anführer, darunter Nelson Mandela, aus Haft, Verbannung und Exil entlassen wurden.
Wir wissen, dass sich die Beweggründe für die Gewalt, die unsere Gesellschaft zerstört hatte, auflösten und verschwanden, als unsere politischen Führungskräfte miteinander zu sprechen begannen. Terrorakte, die nach Beginn der Gespräche begangen wurden – wie zum Beispiel Angriffe auf eine Kirche und eine Kneipe – wurden fast einhellig verurteilt und der Partei, die man dafür verantwortlich machte, wurde an der Wahlurne die kalte Schulter gezeigt.
Das Hochgefühl, das unserer ersten gemeinsamen Wahl folgte, war nicht allein den schwarzen Südafrikanern vorbehalten. Der wahre Triumph unserer friedlichen Einigung war, dass sich alle einbezogen fühlten. Und später, als wir eine Verfassung vorstellten, die so tolerant, mitfühlend und integrativ ist, dass sie Gott stolz machen würde, fühlten wir uns alle befreit.
Natürlich war es hilfreich, dass wir einen Kader herausragender Führungspersönlichkeiten hatten.
Was diese Führungspersönlichkeiten jedoch letztlich zusammen an den Verhandlungstisch zwang, war die Mischung aus überzeugenden, gewaltfreien Mitteln, die damals eingesetzt worden waren, um Südafrika wirtschaftlich, akademisch, kulturell und psychologisch zu isolieren.
Ab einem gewissen Zeitpunkt – dem Wendepunkt – realisierte die damalige Regierung, dass die Kosten für die Aufrechterhaltung der Apartheid den Nutzen eindeutig überstiegen.
Der Rückzug verantwortungsbewusster multinationaler Konzerne aus dem Handel mit Südafrika in den 1980ern war schließlich einer der entscheidenden Hebel, der den Apartheidstaat – ohne Blutvergießen – in die Knie zwang. Diese Unternehmen sahen ein, dass sie zur Aufrechterhaltung eines ungerechten Status Quo beitrugen, indem sie zur Wirtschaft Südafrikas beitrugen.
Diejenigen, die weiter mit Israel Handel treiben, die zu einem Gefühl der “Normalität” in der israelischen Gesellschaft beitragen, tun den Menschen in Israel und Palästina damit keinen Gefallen. Sie tragen damit nur zum Fortbestehen eines zutiefst ungerechten Status quo bei.
Diejenigen aber, die dazu beitragen, Israel für eine gewisse Zeit zu isolieren, sagen damit, dass Israelis und Palästinenser ein gleichwertiges Recht auf Würde und Frieden haben.
Letztlich werden die Ereignisse der vergangenen Monate im Gazastreifen testen, wer an den Wert der Menschen glaubt.
Es wird immer deutlicher, dass Politiker und Diplomaten einfach keine Anworten finden und dass die Verantwortung, eine nachhaltige Lösung für die Krise im Heiligen Land zu erarbeiten, bei der Zivilgesellschaft und den Bewohnern Israels und Palästinas selber liegt.
Abgesehen von der jüngsten Verwüstung im Gazastreifen sind anständige Menschen überall – darunter auch viele in Israel – zutiefst verstört von der Tatsache, dass täglich die Menschenwürde und die Bewegungsfreiheit der Palästinenser an Kontrollpunkten und Straßensperren verletzt wird. Und die Tatsache, dass Israel die illegale Besetzung und die Errichtung von Pufferzonen-Siedlungen auf besetztem Land vorantreibt, verschärft die Problematik, eine zukünftige Einigung zu erarbeiten, die für alle akzeptabel ist.
Der Staat Israel verhält sich, als gäbe es kein Morgen. Seine Bewohner werden nicht das friedliche und sichere Leben leben, nach dem sie sich sehnen – und auf das sie Anrecht haben – so lange seine Führung Bedingungen aufrechterhält, die den Konflikt am Leben erhalten.
Ich habe diejenigen verurteilt, die in Palästina für das Abfeuern von Geschossen und Raketen auf Israel verantwortlich waren. Sie schüren die Flammen des Hasses. Ich bin gegen alle Manifestationen der Gewalt.
Aber wir müssen uns absolut darüber im Klaren sein, dass die Palästinenser jedes Recht haben, für ihre Würde und Freiheit zu kämpfen. Es ist ein Kampf, der von vielen Menschen auf der Welt unterstützt wird.
Kein von Menschen geschaffenes Problem ist unlösbar, wenn die Menschen sich mit der ernsthaften Absicht zusammensetzen, es zu überwinden. Frieden ist immer möglich, wenn die Menschen entschlossen sind, ihn zu erreichen.
Frieden erfordert von den Menschen in Israel und Palästina, sich selbst und den anderen als menschliche Wesen anzuerkennen, um ihre wechselseitige Abhängigkeit zu verstehen.
Raketen, Bomben und ungehobelte Schmähungen sind nicht Teil der Lösung. Es gibt keine militärische Lösung.
Die Lösung könnte wohl eher in dem gewaltlosen Instrumentarium liegen, das wir in den 1980ern in Südafrika entwickelt haben, um die Regierung von der Notwendigkeit zu überzeugen, ihre Politik zu ändern.
Der Grund dafür, dass dieses Instrumentarium – Boykott, Sanktionen und Kapitalabzug – sich letztendlich als effektiv erwiesen hat, war, dass es eine kritische Masse an Unterstützung erhielt, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes. Die Art von Unterstützung, die wir in den vergangenen Wochen auf der ganzen Welt in Bezug auf Palästina beobachtet haben.
Mein Appell an die Menschen in Israel ist es, über den Augenblick hinauszuschauen, über die Wut der andauernden Belagerung hinauszuschauen, und vielmehr eine Welt zu sehen, in der Israel und Palästina koexistieren können – eine Welt, in der gegenseitige Würde und Respekt herrschen.
Es erfordert ein Umdenken. Ein Umdenken mit der Erkenntnis, dass jeder Versuch, den gegenwärtigen Status quo aufrechtzuerhalten, künftige Generationen zu Gewalt und Angst verdammt. Ein Umdenken, das damit bricht, legitime Kritik an der Politik eines Staates als Angriff auf das Judentum zu verstehen. Ein Umdenken, das zu Hause beginnt und sich über Gemeinschaften und Länder und Regionen ausbreitet – bis hin zur Diaspora, die über die Welt, die wir teilen, verstreut ist. Die einzige Welt, die wir teilen.
Menschen, die sich im Streben nach einem gerechten Anliegen zusammentun, sind nicht aufzuhalten. Gott mischt sich nicht in die Belange der Menschen ein. Er hofft, dass wir wachsen und lernen, indem wir unsere Schwierigkeiten und Differenzen selber lösen. Aber Gott schläft nicht. Die jüdischen Schriften sagen uns, dass Gott vorzüglich auf der Seite der Schwachen und der Vertriebenen steht, der Witwe, des Waisen und des Fremden, der Sklaven freiließ, damit sie auszogen in ein gelobtes Land. Es war der Prophet Amos, der sagte wir sollen Gerechtigkeit wie einen Strom fließen lassen.
Am Ende setzt sich das Gute durch. Das Streben danach, die Menschen in Palästina von der Demütigung und Verfolgung durch die Politik Israels zu befreien, ist ein gerechtes Anliegen. Die Menschen in Israel sollten dieses Anliegen unterstützen.
Von Nelson Mandela stammt der berühmte Ausspruch, die Südafrikaner würden sich nicht frei fühlen, bis auch die Palästinenser frei sind.
Er hätte ebenfalls hinzufügen können, dass die Befreiung Palästinas auch Israel befreien wird.
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„Platonisches Weltenjahr“ – Sonneneruption – Geomagnetischer Sturm

von René Cassien
Ich habe in vielen Beiträgen über die Abhängigkeit der Erde und der Entwicklung der Menschheit vom „Platonisches Weltenjahr“, den Sonnenaktivitäten und den daraus resultierenden geomagnetischen Stürmen auf der Erde (evtl. gepaart mit Vulkanausbrüchen, Tsunamis, etc.) berichtet (siehe z.B.: „Am Abgrund“).
Heute, am 20. August 2014, sind die Sonnenaktivitäten wieder gefährlich intensiv – Kp-Index über 4 (siehe Bilder) und bewirken wiederum starke geomagnetische Stürme auf der Erde mit gravierendem magnetischem Einfluss auf uns Menschen.
noaa_satenvnoaa_kp_3dDiese heutigen Sonnenaktivitäten möchte ich zum Anlass nehmen und auf eine Nachricht der NASA vom 24. Juli 2012 verweisen:

Extremer Sonnensturm verfehlte die Erde

Am 23. Juli 2012 schleuderte die Sonne Billionen Tonnen magnetisiertes Plasma ins All – glücklicherweise kurz nachdem die Erde aus der Schussbahn geflogen war.
“Hätte sich die Eruption eine Woche vorher ereignet, wäre die Erde im Weg gewesen”,
sagt Baker von der NASA.
“Wir haben unglaubliches Glück gehabt.”
Die Analyse der Satellitendaten belegen: Ein heftiger Sonnensturm hat die Erde am 23. Juli 2012 nur knapp verfehlt. Er hätte Schäden von mehreren Billionen Euro verursacht und die Infrastruktur der Erde gravierend verändert und es könnte sich schon bald wiederholen.
Naturkatastrophen gelten meist so lange als Horrormärchen, bis sie eintreten – wie der Meteoriteneinschlag von Tscheljabinsk oder der Südasien-Tsunami von 2004 gezeigt haben. Auch Sonnenstürmen wird kaum Priorität eingeräumt. Das könnte sich als fahrlässig erweisen: Folgenschwere Sonnenstürme kommen weitaus häufiger vor als angenommen.
Diese Nachricht wurde von den Medien nicht weiter publiziert, sie wurde wie so häufig sehr bedeckt gehalten.
Doch stellen wir uns einmal vor, dieser Sonnensturm hätte die Erde getroffen, wie laut NASA-Nachricht durchaus möglich.
Dann hätten wir (die noch Überlebenden !) auf Erden eine völlig zerstörte Infrastruktur – keine Elektrizität, kein Wasser, etc. Zusätzlich verheerende Auswirkungen von explodierenden Transformatoren und Kraftwerken, Tsunamis und Vulkanausbrüchen.
Welchen Stellenwert hätten dann noch unsere üblichen Alltags-Sorgen, die Geschehnisse um die Ukraine, Gaza, Irak, Syrien, Iran, usw. usf. ???
Wir lebten innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde in einer völlig veränderten Welt. Alles was uns bisher GEWOHNHEIT war, wäre verschwunden.
Doch vergessen wir diese Vorstellung so schnell als möglich, denn
die „Kräfte“, die hier wirk-en und die wir nicht beeinflussen oder beherrschen können,
dienen der Transformation der Erde und der Menschheit.
Der Transformations-Prozess geschieht für Mensch und Erde auf die schonendste Art und Weise.
Doch er ist ein bewusster Prozess der Reinigung und Befreiung, sowohl für die Erde als auch für uns Menschen. Reinigung und Befreiung (gerade von unserer GEWOHNHEITEN) ist für uns Menschen immer mit Trennungs-Schmerzen evtl. Trennungs-Katastrophen und für die Erde mit sog. Naturkatastrophen verbunden.
Fazit:
Nehmen wir die Sonne und ihre Aktivitäten als „Lebens-Spender“ in unser Bewusst-Sein, wie es unsere Ahnen und zwar aller Kulturen über Jahrtausende von Jahren pflegten.
Wir leisten dadurch nicht nur einen Beitrag zu unserer eigenen Befreiung und Heilung sondern auch zur Befreiung, vieler, durch historische Ereignisse, deformierter Gebräuche, Symptome und Symbole.
Siehe z.B.:

Swastika

220px-Swastika1.svgHinduistisch-indische Darstellung
120px-Chromesun_4_uktenas_designDonnervögel in Swastika-Form aus der Mississippi-Kultur
117px-LabachSonnenkreuz am Fuß des Taufsteins der Pfarrkirche Labach
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Wer bist du und warum vermummst du dich?

von Hamid Beheschti aus “Tlaxcala”
gal_8670- Weil ich nicht erkannt werden will.
Warum möchtest du nicht erkannt werden?

- Weil mich meine Frau, meine Tochter und mein Nachbar nicht ausfragen sollen.

Und wenn sie dich nicht befragen, ist es dann OK? Fragst du dich nicht, weshalb du tötest, weshalb du dir erlaubst, andere zu terrorisieren?

So denke ich mir, könnte ein Gespräch mit dem unter der Maske versteckten Dschihadist laufen. Mit der Vermummung möchte er sich der sozialen Kontrolle entziehen. Dann fragt ihn niemand mehr, weshalb er sich an den Gräueltaten beteiligt. Dann könnte er ohne Bedenken sein Aussehen ändern und unter die Leute gehen, einkaufen gehen, Freunde besuchen oder einfach wie ein normaler Mensch rumlaufen. Aber das eigene Gewissen, das ihn fragen kann, wird mit anderen Mitteln verblendet.

Seine Antworten wären:

  • Das sind Feinde Gottes,
  • Ich mache das, was meine Vorgesetzten mir sagen,
  • Ich ahme meinen Vorbildern nach (z.B. palästinensischen Jugendlichen, die in den besetzten Gebieten Widerstand leisten).
Auch andere Begründungen gibt es, die zur Betäubung seines Gewissens herhalten. Und wenn er gefragt wird, nach welchen religiösen Vorschriften er handelt, worauf sie sich gerne berufen, findet er sicherlich vorgefertigten Antworten.
Sich hinter einer Maske zu verstecken, ist die offensichtlichste und plumpest Form der Flucht vor Verantwortung für begangene Verbrechen. Man denke nur an den Einsatz von bewaffneten Drohnen oder von Söldnertruppen anstelle der eigenen Armee, die gerne als private Sicherheitskräfte bezeichnet werden. Die Gräueltaten von Söldnern, worüber fast nicht berichtet wird oder die „Kollateralschäden“, die für die PR-Abteilungen der Streitkräfte etwas Kopfzerbrechen bereiten, sind einige Beispiele dafür. Auch in diesen Fällen wird das Gewissen der Täter abgeschirmt und mit Bezeichnungen, wie Terroristenbekämpfung, betäubt. Und weil es keine Bilder von den Gräueltaten mit den Verbrechern gibt, die sie begehen, deshalb können wir auch nicht fragen, wer sie sind oder weshalb sie sich vermummen.
Originaltext
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Frieden lernen

von Alfred Buß aus “ARD”

 

Ein russischer Schriftsteller sah Kindern beim Spielen zu.

Was spielt ihr fragte er.

Wir spielen Krieg, sagten die Kinder.

Darauf der Schriftsteller: Spielt doch mal Frieden.

Gute Idee, meinten die Kinder.

Dann Beratung, Tuscheln, Schweigen. Schließlich trat ein Kind vor und fragte:

Großväterchen, wie spielt man Frieden?

Wie spielt man Frieden?

 Vor genau 100 Jahren war Mobilmachung in Europa. Ausbruch des 1. Weltkriegs. Junge Leute meldeten sich freiwillig. Kriegsbegeistert. Siegessicher. Hatten gelernt, Krieg zu spielen von Kindesbeinen an – mit Helmen, Säbeln, Steckenpferden,Tschinderassassa. Gott mit uns stand auf ihren Koppeln, als sie in die Schlacht zogen.

Als der Krieg endlich zu Ende ging, hatten 17 Millionen Menschen ihr Leben verloren. Und noch viel mehr waren tief verwundet an Leib und Seele – für ihr ganzes Leben.

Jetzt – hundert Jahre danach – werden wieder Unzählige traumatisiert – in Israel und Gaza, in der Ukraine. An schrecklich vielen Orten gibt’s Krieg und Kriegsgeschrei.

Und wieder klingt’s: Gott mit uns! Gotteskrieger wüten im nördlichen Irak. Pervertieren Religion. Maßen sich an, selber Gott zu sein, Herren über Leben und Tod. Verjagen und ermorden brutal Schiiten, Christen und kurdische Jesiden – nur, weil die anders sind als sie.

Gestern griff Obama ein. Will Verfolgte schützen und versorgen. Völkermord hindern. Hoffentlich bleibt’s dabei.

Es gibt nicht den gerechten Krieg. Es gibt nur den gerechten Frieden. Bush’s verheerender Irak-Krieg machte erst die Gotteskrieger stark.

Wer Frieden will, der muss den Frieden vorbereiten. Mit langem Atem. Gestern feierte Augsburg sein Friedensfest. Nun schon seit mehr als 360 Jahren. Damals hatte der 30jährige Krieg getobt in der Mitte Europas, zwischen katholischen und protestantischen Ländern. Gotteskrieger auf beiden Seiten. Kämpften um politische und wirtschaftliche Macht. Ganze Landstriche wurden verwüstet und geplündert, bluteten aus – bis zur Erschöpfung.

Dann endlich der Westfälische Friede. Mit zwei grundlegenden Erkenntnissen. Die eine: Keine Religion darf herrschen. Es braucht Toleranz und Respekt. Die andere: Der Staat ist nicht für das Seelenheil der Menschen zuständig. Aber für ihr Wohl. Er muss auch die Glaubens- und Gewissenfreiheit garantieren.

In Augsburg durften die Protestanten wieder ihren Glauben leben -, gleichberechtigt – zwei Jahre nach dem Westfälischen Friedensschluss. Seitdem feiern sie Friedensfest – immer am 8. August. Wohlgemerkt, Protestanten und Katholiken gemeinsam.

Das Hohe Friedensfest ist sogar gesetzlicher Feiertag im Stadtkreis Augsburg, seit 1950 –- einzig in der Welt.

Inzwischen feiern Menschen aller Völker und Religionen dort gemeinsam. Bringen Speisen und Getränke selber mit, nehmen an der Tafel Platz, teilen kulinarische Köstlichkeiten, feiern ein Friedensmahl.

Wie spielt man Frieden? fragten die Kinder. Frieden ist Buntheit und Vielfalt. Wenn alle leben dürfen – in ihrer Muttersprache, Kultur, Lebensart und Religion. Gleichberechtigt. Frieden ist der Ernstfall. Überall auf der Welt. Darum müssen Kinder ihn spielend lernen. Und Erwachsene alle Wege wirklich gehen, die zum Frieden führen.

Quelle
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Am Abgrund

Von Stephan Wehowsky aus “Journal 21″
Unser Alltag geht weiter, während ringsum das Entsetzen wächst. Aber seine Normalität bekommt einen schrillen Unterton.
Die Nachrichten der letzten Wochen und Tage haben eine neue Qualität erreicht. Sie handeln nicht mehr von dieser oder jener Katastrophe, sondern von Konflikten, für die niemand einen Ausweg weiss.
Gesteigerter Hass
Was uns aus den Medien entgegentritt, ist gesteigerter Hass. Dieser Hass ist ethnisch, religiös und politisch so tief verwurzelt, dass er mit den üblichen Mitteln vernünftigen Verhandelns nicht besänftigt werden kann. Und weltweit bricht dieser Hass auf.
Die Nachrichten berichten von einer Eskalation nach der anderen. Es sind Eskalationen, die sich wie von selbst steigern und deren Logik kein Ende vorsieht. Wenn nicht die unwahrscheinlichsten Wunder geschehen, werden sich die Konflikte immer weiter ausbreiten.
Der Grauschleicher
Unser Alltag ist davon bislang unberührt. Die Berichte der Medien gehören immer noch so zu unserem alltäglichen Konsum, als wären sie blosse Unterhaltung. Aber noch nie wurden so viele weinende Menschen gezeigt.
Spendenaufrufe in den Nachrichtensendungen wirken hilfloser denn je. Womit und wie kann Flüchtlingen geholfen werden, deren Zahl in die Millionen geht und deren Elend unser Fassungsvermögen selbst im Zeichen medialer Zubereitung übersteigt?
Aber etwas geschieht. Es geschieht mit uns. Ein Schleier legt sich über alles, was wir tun und vor allem: was wir planen. Das Entsetzen, das von allen Seiten bei uns anklopft, verhallt nicht ungehört. Wir spüren, dass das, was wir für unseren normalen Alltag halten, so normal nicht mehr ist.
Fatale Gleichzeitigkeit
Der Alltag wird mehr und mehr zu einer Parodie auf das Grauen ringsum. Und wir spüren, dass sich etwas tiefgreifend verändert hat. Eben noch hat man mit wohligem Gruseln die zahllosen Filme, Schilderungen und Analysen im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg auf sich wirken lassen, da stellt man fest, dass der Abstand nicht allzu gross ist. Das Schicksal unserer Väter holt uns ein.
Wir leben nicht dort, wo wir dachten. Unsere Welt ist nicht so aufgeklärt, dass sie sich weit von dem Verhängnis unserer Vorfahren entfernt hätte. Wir haben über die Vorgängergenerationen keine „natürliche Überlegenheit“ erlangt. Wir sind so verstrickt und so hilflos wie sie. Unser Alltag war nur eine Art Urlaub. Wir spüren, dass dieser Urlaub nun zu Ende gehen wird.
Kein Entrinnen
Was ist der Mensch? Wir hatten geglaubt, dass es trotz aller Rückschläge einen Fortschritt gibt. Denn dieser Fortschritt war für uns sichtbar und spürbar und allgegenwärtig. Und als die Nutzer immer besserer Technik und Kommunikation fühlten wir uns mehr und mehr wie Könige in unserem Reich. Und jetzt wachen wir auf und stellen fest, dass wir Ameisen sind.
Die inneren Alarmglocken schrillen. Aber gerade sie konfrontieren uns mit der Ausweglosigkeit. Wie Ameisen existieren wir auf einem eng begrenzten Biotop, aus dem es kein Entrinnen gibt, es sei denn, es schüttelt uns einfach ab. Und so machen wir weiter wie bisher und schauen uns mit Schaudern zu.
Originaltext
Ergänzung zu diesem Artikel von René Cassien:

Stehen wir am Abgrund?

Ich frage mich: Stehen wir wirklich am Abgrund ?
Zur Einleitung zitiere ich einige Sätze aus einem Kommentar zu diesem Artikel:
„So hat die Sowjetunion unter Breschnew und seinen Kurzzeit-Nachfolgern ausgesehen.
So hat das Römische Reich unter Romulus Augustulus ausgesehen.
Sogar die CIA prognostiziert heute einen Machtzerfall des Imperiums.
Ich denke wir erleben die letzte Phase des US-Imperiums, wo die Widersprüche keine rationale Geopolitik mehr zulassen.
Es gibt Gründe, optimistisch zu sein.“
Ja – es gibt wahrlich Gründe optimistisch zu sein.
Wir leben in einer Zeit der Transformation, in der sich nicht nur der Mensch (die Menschheit) transformiert, sondern auch die Erde und das gesamte Universum.
Dieser Transformationsprozess wird überwiegend be-wirkt von „Kräften“ und „Energien“ (Prof. Dürr würde „Wirks“ gesagt haben) die wir – die Menschen – nicht beeinflussen können, sondern durch die wir – die Menschen – beeinflusst werden.
Die Erde und der auf der Erde lebende Mensch wird überwiegend wiederum von der Sonne und ihren Aktivitäten beeinflusst. Die Sonne bestimmt das Werden und Vergehen der Natur. Wie die Sonne sich verhält, so folgt die Natur.
Was für die physische Entwicklung bei Mineral, Pflanze, Tier und Mensch gilt, trifft auch für die gesamte geistig-kulturelle Erden-Entwicklung zu. Die geistig-kulturellen Entwicklungsschritte der Menschheit geschehen nicht willkürlich, sondern sind durch den Sonnenumlauf, durch Sonnenaktivitäten, vorgegeben.
Diese Entwicklung ist immer charakterisiert durch ein wellenförmiges Auf und Ab, eine Wellenbewegung, es ergibt sich immer ein frühlingshaftes Erblühen, hochsommerliches Entfalten, herbstliches Verblassen und winterliches Vergehen.
Auch in der Entwicklung ganzer Völker und Kulturen zeigt sich dieses wellenförmige Auf und Ab. Man sieht, wie Völker und Kulturen sich zu Geist und Erkenntnis aufschwingen und ihre Entfaltung vorantreiben, aber dann auf der Fülle ihrer Kräfte wieder den Einfluss des Lebensspenders verlieren und in der Macht der geistfernen Phase allmählich untergehen.
Doch das Leben auf der Erde ist noch weiteren Zyklen unterworfen. Einer der wichtigsten Zyklen für die Menschheitsentwicklung ist das sog. „Platonische Weltenjahr“ (kurz genannt: Weltenjahr).
Das Weltenjahr mit seiner Dauer von etwa 25 920 Jahren – ist die Zeit, die die Sonne als Folge der Präzessionsbewegung der Erdachse braucht, um rückläufig durch alle 12 Epochen des Tyrkreises (“Tyr-Kreis” – Dieses Wort stammt aus der nordischen Mythologie und bedeutet Tyr-Tri-Drei – die Dreiheit von Werden, Sein und Vergehen) wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückzugelangen – ist von grundlegender Bedeutung für die menschheitliche Entwicklung.
Die Zeitdauer in der die Sonne einen Tykreis durchläuft, einem 1/12 des Weltenjahres, also 2160 Jahre, bezeichnet man auch als eine Kulturepoche (oder Weltentwicklungsstufe).
Die Menschheit tritt also ungefähr alle 2160 Jahre in eine andere geistige Entwicklungsstufe ein.
Da aber jedes Tyrkreisfeld von einer anderen Energie, einem anderen Lebensgeist erfüllt ist, geht der Übergang der Sonne von einem Feld in das andere nicht ohne Auswirkungen vor sich.
Das ist der Grund, weshalb man auf der Erde ungefähr alle 2000 Jahre Erschütterungen und Umschichtungen wahrnehmen kann.
Betrachten wir uns nun einmal kurz die Menschheits-Geschichte.
In der ersten Hälfte (ca. 13.000 Jahre) des vergangenen Weltenjahres entwickelten sich erstaunliche Kulturen zu einem Höhepunkt, zerfielen dann langsam und wurden letztendlich durch Katastrophen zerstört.
Mit diesem Untergang, der etwa vor einem halben Weltenjahr stattfand, hat die Erde einen neuen Zyklus begonnen, mit einer gravierenden Veränderung :
Zu diesem Zeitpunkt fiel die Menschheit vom Einheitsbewusstsein in die Dunkelheit der Dualität.
Auf Grund von gravierenden Klimaveränderungen, dem Zusammenbruch der Umwelt- und Kulturbedingungen, die zu weltweiten Wanderungen der Menschen führten und dadurch die Bindungen zwischen Mutter und Kind sowie zwischen Frau und Mann in traumatisch prägender Weise zerstört haben, entstanden patriarchale Herrschaftsstrukturen.
Anhand von archäologischen, paläoklimatischen, sprachwissenschaftlichen und soziologischen Studien ermittelten Wissenschaftler, dass der Übergang von egalitären, als friedlich angenommenen Verhältnissen, zu gewaltsamen, kriegerischen in besonderen Gegenden der Alten Welt, nämlich in Nordafrika, im Nahen Osten und in Zentralasien stattgefunden habe.
Kann man da eventuell Parallelen zu heute entdecken?
Die Menschheit hat wieder neu angefangen, das Jagen und Sammeln gelernt, die ersten größeren Gemeinschaften gebildet, das Rad erfunden, unzählige Kriege geführt… Dabei wurde immer auch dem Wahren, Schönen und Guten Raum gegeben, und doch ist es unzweifelhaft, daß die Menschheit das letzte halbe Weltenjahr (zumindest die letzten ca. 6000 Jahre) ein männlich dominiertes Zeitalter durchlebt hat.
Wir haben unsere Technik unglaublich hoch entwickelt. Wir kommunizieren per Internet um den halben Erdball, reisen mit Jets in ferne Länder, erforschen das Weltall, aber glücklicher und friedlicher sind wir dadurch nicht geworden. Die Dualität wird immer größer. Hier materieller Überfluß, dort Mangel und Armut.
Die jetzige Zeit, der Beginn des neuen Weltenjahres, ermöglicht den Wechsel in ein neues Zeitalter.
Ein Transformationsprozess, der uns mit allen Begleiterscheinungen wie z.B. Kriegen, Seuchen, Naturkatastrophen und gesellschaftlichen Zusammenbrüchen usw. usf. letztlich zum Ende dieses Zyklus` in ein neues Zeitalter führen wird.
„Nichts kann existieren ohne Ordnung. Nichts kann entstehen ohne Chaos.“    Albert Einstein

Jetzt gilt es frei von Angst zu sein, das ist der Schlüssel zur Transformation.

Wir dürfen auch wahr-nehmen (= die Wahrheit an-nehmen), dass gerade in der jetzigen Zeit dem Wahren, Schönen und Guten mehr Raum gegeben wird. Nur wird darüber in unseren hasserfüllten und kriegslüsternen Medien und schon gar nicht von den herrschenden Psychopathen berichtet.
Der Schlüssel zur Transformation liegt in der Entwicklung des Bewusstsein des Neuen Menschen, der Schlüssel zur Beherrschung der Gesetze der Materie durch das Bewusstsein in der Materie – das Bewusstsein ganz oben ist das Bewusstsein ganz unten.
Das ist das Tor in die Welt der Zukunft und die Neue Erde, welches viele Schriften schon seit zweitausend Jahren ankündigten.
Es besteht keine Notwendigkeit zur Angst oder wie auch gearteten Weltflucht, alles ist vollkommen gegenwärtig – die Freude, das Bewusstsein, die höchsten Kräfte.
Arbeiten wir also am Erwachen des Neuen Menschen auf der Neuen Erde, so ist dies sicher eine bessere Motivation, als das fassungslose Stehen vor dem Abgrund oder das Erwarten des Untergangs der Welt.

“Das Ende der Zeit ist der bewusste Beginn der Ewigkeit”

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Verdeckte Kriegsführung – Ein Blick hinter die Kulissen der Machtpolitik

von René Cassien
Auf der AZK im Juli 2014 referierte Prof. Dr. Daniele Ganser zur verdeckten Kriegsführung des Westens. Daniele Ganser gehört zu den namhaftesten Historikern im deutschsprachigen Raum. Sein Buch „NATO-Geheimarmeen in Europa – Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung” wurde 2005 veröffentlicht und in zehn Sprachen übersetzt. Es gilt als das Standardwerk zum Thema staatlich organisierter Terror. Diese Publikation machte ihn international bekannt.

Daniele Ganser ist Schweizer Historiker, Energie- und Friedensforscher
Leiter des Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER)

Forschungsschwerpunkte:
Internationale Zeitgeschichte seit 1945
Verdeckte Kriegsführung und Geostrategie
Geheimdienste und Spezialeinheiten
Peak Oil und Ressourcenkriege
Globalisierung und Menschenrechte
Dr. Daniele Ganser sagt zu seiner Arbeit:
“In meiner Arbeit untersuche ich die Themen Energie, Krieg und Frieden aus geostrategischer Perspektive. Tausende Menschen engagieren sich heute weltweit für Frieden und erneuerbare Energien. Ich glaube, dass auch Wissenschaftler helfen können, einen Teil der Lügen und der Brutalität zu überwinden, die unsere Welt noch immer prägen.”
Dr. Daniele Ganser gehört wohl, zu den „Top Ten“ Beobachtern der Zeitgeschichte.
Bereits seit Zuspitzung der Ukraine- Krise vor ein paar Monaten sollte klar sein (ist es aber den meisten wohl noch nicht), daß es diesmal auch „den (europäischen) Westen“ empfindlich treffen kann, und die bewährten Strickmuster diesmal schmerzhaft auf uns zurückschlagen dürften.
Sie sollten dieses Video nicht nur aufmerksam ansehen, sondern dieses Video sollte eine weite Verbreitung finden, da es die perfiden Strukturen der Geheimdienste und Kriegstreiber nebst ihrer Motive und Handlungsmuster in sauberer und fundierter Weise darstellt – nicht von einem “Verschwörungstheoretiker”, sondern von einem Profi-Historiker.
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MH 17 – der Glaubwürdigkeits-GAU

Zwischen Vasallenpolitik und willfährigen Medien 

von Peter Vonnahme, ehem. Richter am Bayer. Verwaltungsgerichtshof, aus tv-orange
Wenn Sie eine klare Antwort auf die Frage erwarten, wer für den Absturz der malaysischen Passagiermaschine MH 17 verantwortlich ist, dann ist es besser, Sie legen diesen Aufsatz gleich wieder zur Seite und lesen stattdessen die Bildzeitung. Denn BILD ist immer dabei und weiß im Gegensatz zu mir alles ganz genau!
Wenn Sie aber politische Zerrbilder und Diffamierungskampagnen nicht für hilfreich halten, sondern Trennschärfe bei der Bewertung von Politik und glattgebürsteter Publizistik bevorzugen, dann lesen Sie weiter.
Der Aufsatz ist ein Versuch, die Mechanismen fremdgesteuerter Politik und die geistige Engführung des bundesdeutschen Nachrichtendschungels auszuleuchten. Er versucht, die mediale Spreu vom Weizen zu trennen. Das ist schwierig, weil in (Vor-)Kriegszeiten sogar Tatsachenberichte ideologisch eingefärbt und verfälscht werden. Die traditionellen Medien verlieren rapide an Verlässlichkeit. Umso wichtiger werden Kriterien für die eigene Bewertung von Nachrichten. Deshalb soll der Aufsatz die Beliebigkeit und Einseitigkeit politischer und publizistischer Aussagen anhand richterlicher Überprüfungsroutinen sichtbar machen. Zunächst müssen dazu möglichst viele Informationen gesammelt, auf ihre Plausibilität hin überprüft und gewichtet werden. Aus der Informationsfülle muss sodann von einer gedanklich und strukturell unabhängigen „Instanz“ ein nachprüfbar stimmiges Gesamtbild geformt werden. Unverzichtbar ist dabei, dass bei Bewertungen in jedem Fall die gleichen Maßstäbe angelegt werden. Wünschenswert ist, dass der Bewertende Unstimmigkeiten und Lügen erkennt und den Mut hat, sie als solche zu bezeichnen.
Unvermeidlich ist, dass bei einem solchen Unterfangen auch persönliche Überzeugungen des Verfassers sichtbar werden. Das ist auch so gewollt. Ich bemühe mich um Objektivität, nehme aber in Kauf, dass ich mich trotzdem angreifbar mache.
PV
Erster Befund
Die Trümmer der MH 17 lagen noch qualmend irgendwo im ostukrainischen Niemandsland, da war für die USA, für die NATO, für die EU und für die ukrainischen Machthaber bereits klar, wer an dem Flugzeugabsturz schuld ist:
Putin, dem bekanntlich jederzeit und überall jede Schandtat zuzutrauen ist, hilfsweise die von ihm ferngesteuerten „prorussischen Separatisten“. Höchstvorsorglich wurde für den Fall, dass beide Varianten an Nachweisproblemen scheitern, das Modell eines raffinierten Zusammenspiels zwischen Putin und den Separatisten bereitgehalten.
Nicht unerwartet machten sich die deutsche Regierung, das vereinigte Schwarzrotgrün im Bundestag sowie die Nachrichtenagenturen und Massenmedien diese durch keinerlei Fakten gestützte Schnelleinschätzung sofort zu eigen. Warum sollte man sich auch mit Unschuldsvermutungen oder gar mit eigenen Recherchen das Leben schwer machen? Dergleichen braucht man in der Politik nur, wenn Parteifreunde im Verdacht einer strafbaren Handlung stehen. Dann warnen die Generalsekretäre mit gekräuselter Stirn und staatsmännischem Gehabe vor übereilten Verdächtigungen. Doch rechtsstaatliche Grundregeln gelten natürlich nicht bei der Vorverurteilung „notorischer Rechtsbrecher“ wie Putin, zumal dieser „selbsternannte Zar“ ohnehin auf der politischen Abschussliste der NATO-Verbündeten steht.
War somit die Schuldfrage am Flugzeugabsturz frühzeitig auf höchster politischer Ebene beantwortet, war fortan auch die Zielrichtung der deutschen Fernseh- und Rundfunkanstalten sowie der Presse vorgegeben. Die Welt war erfreulich einfach, es gab ein klares Feind- und Täterbild. Die Leitmedien stellten keine unschicklichen Fragen, sondern sie orchestrierten das politische Verdikt mit wilden Verdächtigungen und entrüsteten Vorverurteilungen. Reflexartig kamen Forderungen nach einer Bestrafung („Putin muss zahlen“), nach Sanktionen gegen Russland und nach einer verstärkten militärischen Präsenz der Nato in den russischen Vorhöfen.
Die offenkundige Möglichkeit, dass auch die ukrainische Regierung als Täter in Betracht kommt, berücksichtigten weder die NATO- Analysten noch der smarte Rechtsgelehrte im Weißen Haus. Auch der sonst so gottvatergleich abwägende deutsche Außenminister kam nicht auf diese Idee. Selbstredend ließen auch ARD, ZDF & Co. sowie die deutschen „Qualitätszeitungen“ unkeusche Gedankenspiele gar nicht erst aufkommen. Sie begnügten sich mit der Rolle des Lautverstärkers einer ohnehin überlauten Antirusslandfront.
Reaktionen

Als russische Militärsprecher das Denkmodell einer Kiewer Täterschaft ins Spiel brachten, kommentierten die westlichen Leitmedien trocken, Russland „leugne“ seine Verantwortung. Leugnen?? Das heißt in Klarschrift: Der Täter steht bereits fest, er gibt die Tat nur noch nicht zu, es bedarf noch weiterer Drehungen an den Daumenschrauben.
Demgemäß rief die amerikanische UN-Botschafterin den russischen Präsidenten auf, er solle endlich seine schändlichen Anstrengungen aufgeben, sich seiner Verantwortung („very clear responsibility“) zu entziehen. Obama sprach – mit dem dünnen Zeigefinger auf Russland deutend – von einer Gewalttat unvorstellbaren Ausmaßes, übersah allerdings, dass drei seiner Finger auf ihn selbst wiesen. DER SPIEGEL schloss sich den amerikanischen Richtungsweisern beflissen an und forderte, Putin für den Abschuss von Flug MH 17 zur Rechenschaft zu ziehen. Er mahnte zum „Ende der Feigheit“. Zur Verstärkung prangte auf der Titelseite der Ausgabe Nr. 31 das Konterfei Putins mit dem Schriftzug „STOPPT PUTIN JETZT!“, hinterlegt mit Fotos von Absturzopfern. Damit hatte DER SPIEGEL endgültig Bildzeitungsniveau erreicht. Die FAZ wollte im Wettstreit der Scharfmacher nicht zurückstehen und ermunterte ihre Leser mit dem Appell „Stärke zeigen“. Erinnert das nicht an Kaiserworte vom August 1914? Was heißt denn Stärke zeigen? Strafexpeditionscorps? Generalmobilmachung?
Auf politischer Ebene gab es business as usual: Angela tadelte den bösen Wladimir, der Friedensnobelpreisträger Obama hetzte Westeuropa gegen Russland auf und der NATO-Kriegstreiber Rasmussen drohte schmallippig „Die NATO steht bereit“.
Die EU verhängte mehrmals wie von Obama angesonnen Sanktionen, die – wie man heute erkennt – nicht der amerikanischen, kaum der russischen, wohl aber der eigenen Wirtschaft schaden.
Zum ultimativen Schlag gegen Putin holte Top-Populist Horst Seehofer aus: Man müsse Russland die Fußball-WM 2018 wegnehmen – ein stilles Eingeständnis, dass das grandiose Populismus-Thema „Ausländermaut“ zum Rohrkrepierer geworden ist.
Faktencheck
Als die ersten Schuldvorwürfe gegen Putin und/oder die Separatisten laut wurden, waren weder die Umstände des Absturzes, geschweige denn die hierfür Verantwortlichen bekannt. Wir wissen bis heute nichts Genaues.
Zu jenem frühen Zeitpunkt war nur klar, dass ein Passagierflugzeug der Malaysia Airlines nahe der Stadt Donezk abgestürzt ist, irgendwo im Separatistengebiet. Schon bei der Grundfrage nach der Absturzursache gab es höchst widersprüchliche Antworten. Während das westliche Meinungskartell keine Zweifel daran ließ, daß die MH 17 von einer Boden-Luft-Rakete des russischen Flugabwehrsystems Buk abgeschossen worden sei, wiesen russische Militärs darauf hin, dass als Absturzursache auch ein Beschuss durch ein in nächster Nähe befindliches ukrainisches Kampfflugzeug (Typ SU 25) in Betracht komme. Hierfür sprächen neben Radaraufzeichnungen insbesondere die Einschusslöcher an den Wrackteilen.
Unterstellt, es waren – wie vom Westen behauptet – Boden-Luft-Raketen, dann wäre damit über den Täter noch nichts ausgesagt. Vielmehr wäre zu fragen: Erstens, wer verfügt über solche Waffen? Zweitens, wer ist in der Lage, sie fachgerecht zu bedienen? Und drittens, welche Beweismittel gibt es? Die Antwort auf die ersten beiden Fragen ist einfach: jedenfalls Russland und die Ukraine, beide haben das Waffensystem. Offen ist hingegen, ob auch die Separatisten über das Buk-System verfügen. Der Rebellenkommandeur Chodakowski bestritt dies. Da aber nicht auszuschließen ist, dass er log und die Volksmilizen im Verlauf der Kämpfe eine Buk erobert haben, wäre weiter zu prüfen, ob die Milizionäre die hochkomplizierte Abschusstechnik auch beherrschten. Insoweit gibt es Zweifel von Experten. Eine Ungereimtheit fällt auf: Wenn die ukrainische Flugsicherung wirklich annahm, dass die Separatisten Buk-Raketen haben, weshalb hat sie dann die MH 17 über das Kampfgebiet umgeleitet? Alles offene Fragen, es ist zu früh für Urteile.
Beim zweiten Denkmodell – Abschuss durch ein ukrainisches Militärflugzeug – ist es nicht anders. Auch hier türmen sich die Fragen. Belastbare Antworten: noch Fehlanzeige!
Die Frage nach dem Motiv
Eine Täteridentifikation anhand der wenigen unstrittigen Fakten ist beim jetzigen Wissensstand spekulativ. Deshalb stellt sich zwingend die weitere Frage: Wer hat ein Motiv für eine solche – scheinbar sinnlose – Schandtat? Die nüchterne Antwort hierauf lautet: Zuzutrauen ist sie jedem. Den Separatisten, den Russen und selbstverständlich auch der ukrainischen Regierung samt Unterstützern.
Bei den zwei Erstgenannten bedarf es keiner großen Darlegungen mehr, die deutschen Medien haben hierzu in den letzten Wochen ihrer kreativen Phantasie freien Lauf gelassen und alles Erdenkliche zusammengetragen. Da das meiste mit logischen Gründen nicht ausschließbar ist, lassen wir es als Hypothese stehen.
Übergangen wird aber zumeist, dass auch die Ukraine ein veritables Tatmotiv haben kann. Es ist seit jeher Hauptziel der psychologischen Kriegsführung, dem Gegner die Rolle des Bösen, des gewissenlosen Rechtsbrechers, zuzuweisen. Konkret: Wenn es der ukrainischen Regierung (und ihren Steigbügelhaltern) gelingt, die Weltöffentlichkeit glauben zu machen, dass die prorussischen Rebellen nicht davor zurückschreckten, ein ziviles Flugzeug abzuschießen, dann hat die Regierung zumindest den Propagandakrieg gewonnen.
Diese Erwägungen sind leider nicht abwegig. Sie fügen sich in das unübersehbare US-amerikanische Streben nach vollkommener Weltherrschaft ein. Dieses Konzept umfasst alles, was Putin zumindest politisch, wenn nicht sogar militärisch in die Defensive zu bringen kann.
Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass der USA bzw. der NATO propagandistische Tricks durchaus geläufig sind. Zumindest folgende Kriege wurden durch Lügen vorbereitet:
  • Der sog. „Tonkin-Zwischenfall“ war eine bewusste Falschinformation und Auslöser für das amerikanische Eingreifen in den Vietnamkrieg (1964).
  • Die „Brutkastenlüge“ diente als Begründung für den Kriegseintritt der USA gegen den Irak (1991).
  • Der „Hufeisenplan“ und das unaufgeklärte „Massaker von Račak“ dienten zur Rechtfertigung der NATO-Militärintervention im Kosovokrieg (1999).
  • Die von G.W. Bush beschworenen „Massenvernichtungswaffen“ von Saddam Hussein und die „Yellowcake-Lüge“ waren Begründungen für den völkerrechtswidrigen zweiten Irakkrieg (2003).
  • Der (unbewiesene) „Sarin Gas“-Vorwurf gegen Assad war Vorwand für eine geplante US-Militärintervention in Syrien (2013), die jedoch in letzter Minute durch Putins Agieren verhindert worden ist.
Bis heute ist ungeklärt, wer die Todesschüsse auf dem Maidan abgegeben hat, was aber westliche Stellen nicht hinderte, den prorussischen Präsidenten Janukowitsch sogleich als Täter zu bezichtigen. Umgekehrt sprachen Geschichtsklitterer angesichts der 48 Brandopfer im Gewerkschaftshaus von Odessa von einem „Unglück“ (das Gebäude sei „in Brand geraten“), obgleich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit regierungsnahe Faschisten Brandsätze geworfen hatten.
Und jetzt erlebt die Welt den Versuch der „westlichen Wertegemeinschaft“, dem Sündenbock Putin zumindest die mittelbare Schuld an dem Flugzeugabsturz zuzuweisen.
Derlei Meinungsmanipulationen sind demokratischer Rechtsstaaten unwürdig. Nicht weniger schlimm ist, dass sich große Teile der deutschen Presse und des staatsfrommen Rundfunks/Fernsehens nicht gescheut haben, sich als Lokomotive vor den Propagandazug spannen zu lassen.
Globale Veränderungen
Die Vorgänge um die MH 17 machen es überdeutlich: Wir leben in einer Zeit rasch zunehmender internationaler Spannungen und Krisen. Zu den ungelösten Konflikten (Afghanistan, Irak, Libyen, Iran, Syrien, Ägypten, Palästina, Südostasien, Westpazifik usw.) ist ein weiterer Problemfall hinzugekommen, die Ukraine. Dieses Land liegt vor unserer Haustüre. Es ist Interessensphäre zweier Großmächte. Mit einer verbindet uns ein in den letzten Jahren zum rücksichtslosen Interventionsbündnis verwildertes „Verteidigungs“-System, mit der anderen eine lange leidvolle Geschichte. Europa tut gut daran, mit der Ukraine wegen der territorialen und kulturellen Verflechtung äußerst bedachtsam umzugehen.
Tragisch ist, dass Europa in dieser Krisensituation keine Außenpolitik hat, sondern – so Peter Scholl-Latour – „eine Unterwerfungspolitik gegenüber den USA“ vollzieht. Auch unsere Regierung tanzt nach der Pfeife Obamas – bis an die Grenze der Selbstverleugnung. Ureigene deutsche und europäische Interessen werden vermeintlichen Bündnisinteressen untergeordnet.
Das ausufernde Putin-Bashing hat seine Urheberschaft nachweisbar nicht in Deutschland. Erinnern wir uns! Vor nicht allzu langer Zeit flogen die deutschen Herzen Michail Gorbatschow zu. Ohne ihn hätte es die deutsche Wiedervereinigung nicht gegeben. Wir waren ihm und Russland dankbar. Das Grauen des Zweiten Weltkriegs und die lähmende Nachkriegszeit waren zwar nicht vergessen, aber für das Deutschland der ausklingenden Kohl-Ära war Russland zum geachteten Partner geworden.
Was ist seither geschehen, dass die deutsche Gorbimanie in eine dumpfe Putinphobie umgeschlagen ist? Die schlichte Antwort lautet: Nichts! Der Stimmungswandel wurde nicht durch eine gegen Deutschland oder Europa gerichtete russische Politik ausgelöst. Nein, die Eintrübung des deutsch-russischen Verhältnisses war Nebenfolge der amerikanischen Dominanz- und Einkreisungspolitik gegenüber Russland, der Deutschland blind Gefolgschaft leistete. Die schleichende Entfremdung wurde von einer zunehmend transatlantisch eingestimmten Journaille medial verstärkt.
Selbst überzeugte Amerikafreunde können nicht leugnen: Nicht Russland hat die Welt im letzten Vierteljahrhundert herausgefordert. Es waren unsere „Freunde“ jenseits des Atlantiks, die mit ständig neuen Kriegen die Welt an den Rand des Abgrunds geführt haben. Zu Recht schrieb unlängst der emeritierte Völkerrechtsprofessor Michael Bothe: Nicht Russland, der Westen ist das Problem…
Was folgt daraus?
  • Die Welt muss innehalten. Es ist höchste Zeit, dass geistig abgerüstet wird. Das gilt zuvörderst für die Supermacht USA, für die von ihr beherrschte NATO, aber auch für die außenpolitisch unterwürfige EU. Die Erfahrung lehrt, dass jeder Krieg mit verbaler Aufrüstung beginnt. Verdächtigungen, Diffamierungen und Provokationen sind der Nährboden für einen Automatismus, an dessen Ende die Mobilmachung steht.
  • Damit keine Zweifel aufkommen: Ich halte Putin nicht für einen „lupenreinen Demokraten“. Aber ebenso wenig halte ich ihn für den Provokateur oder Kriegstreiber, zu dem er hierzulande gemacht wurde. Ich gestehe, ich bin ein Putin-Versteher. Das ist für mich kein Schimpfwort. Ich versuche zu verstehen, weshalb und wogegen er sich wehrt. Es ist das unaufhaltsame Näherrücken von NATO und EU an die russischen Grenzen und die Benachteiligung des großen russischsprachigen Bevölkerungsanteils durch das ukrainische Putschregime. Das kann Putin nicht klaglos hinnehmen: Er ist der Präsident der Russen. Dieses Volk erwartet etwas von seinem Präsidenten. Das ist in den USA nicht anders.
    Ich glaube, dass Putin einen Fehler gemacht hat. Die Art und Weise, wie er die Krim in die Russische Föderation eingliederte („zurückholte“) ist rechtlich problematisch. Allerdings gibt es ernst zu nehmende Völkerrechtler, die den Vorgang anders beurteilen. Doch selbst wenn man das Vorgehen Putins für kritikwürdig hält, zeugt es von Geschichtsblindheit, ihn mit Hitler zu vergleichen. Es gibt auch keinen Grund für die ausufernde antirussische Hysterie; andernfalls hätten die Vereinigten Staaten angesichts der von ihnen rechtsgrundlos besetzten Staaten jahrzehntelang Ziel wilder internationaler Anfeindungen sein müssen. Vor allem aber ist Putins Verhalten kein Anlass für eine Politik, die Elemente der Kriegsvorbereitung enthält.
  • Es wäre besser, wenn der Westen eine kritische Bestandsaufnahme seiner Ukrainepolitik machte. Das beginnt mit der Beantwortung einer einfachen Frage: Wollte sich Russland nach Westen ausdehnen oder der Westen Richtung Russland? Die Antwort widerlegt die These eines neu erwachten russischen Imperialismus. Sodann wäre zu fragen: Wie kam es zur Destabilisierung der Ukraine? Das Unheil begann mit dem EU-Assoziierungsangebot. Erst später folgten das Aufbegehren der Menschen auf der Krim und deren Anschluss an Russland. Die USA und Europa haben Anteil an dem neu entfachten Nationalismus, an den Pogromen und an dem köchelnden Bürgerkrieg. Schließlich: Da die Ukraine (noch) nicht zur NATO gehört, ist schierer Bellizismus, wenn deren Generalsekretär Rasmussen in Kiew tönt: “Die Nato steht bereit, die Ukraine zu unterstützen.”
  • Die vom Westen angefangene Sanktionspolitik ist schädlich und gefährlich. Sie funktioniert nach der Logik des Krieges: Gibt der Gegner nicht nach oder wendet er seinerseits Gegen-Sanktionen an, dann werden die Daumenschrauben fester angezogen usw. Es ist wie im Krieg, man bringt immer schwerere Geschütze in Stellung. Die dünne Trennlinie zwischen Sanktionen und Krieg droht verloren zu gehen.Die EU wundert sich heute über russische Gegensanktionen. Hat sie erwartet, dass Russland zum Dank für die empfangenen Ohrfeigen die andere Wange hinhält?
  • Es gibt nur einen Weg, der den leidgeprüften Menschen in der Ukraine wirklich hilft, das ist der Weg des Verhandelns. Reden ist unter vernunftbegabten Wesen besser als strafen oder schießen.Ein Krieg zwischen Russland und der NATO ist bei Andauer der praktizierten Phantasielosigkeit nicht mehr undenkbar. Er wäre gleichbedeutend mit dem Untergang der Zivilisation auf diesem Planeten. Also bleibt nur eins, reden, reden, reden! Trotz Krim! Trotz MH 17!
  • Auch die Europäische Union muss sich wieder besinnen. Sie ist einst als Friedensprojekt gestartet, entstanden auf den Trümmern zweier Weltkriege. Ihre Kultur war ursprünglich die der Aussöhnung und des Gesprächs, nicht die der Drohung und der Gewalt. Im Verlauf eines halben Jahrhunderts hat sich viel verändert. Heute sind Aufrüstung und Expansion Ziele der Unionspolitik. Wer heute von „mehr Verantwortung übernehmen“ spricht, denkt nicht an die Rettung schiffbrüchiger Afrikaner im Mittelmeer, sondern an Sicherung der Rohstoffwege und an Militäreinsätze. Die EU muss höllisch aufpassen, dass sie nicht immer mehr zur Erfüllungsgehilfin einer US-geführten NATO wird.
  • Und ja, auch der deutsche Journalismus muss sich besinnen. Seine Aufgabe ist es nicht, Herold eines transatlantischen Bündnisses zu sein, auch nicht, eins zu sein mit der Politik. Er ist Vierte Gewalt im Staat! Seine Aufgabe ist es, wachsam zu sein, selbst zu recherchieren – und die Bürger mündig zu machen. Diese Rolle erfüllen die Presseagenturen und die Leitmedien nur noch unzureichend. Auch Organe mit einer großen aufklärerischen Tradition sind zu Gleichschrittmarschieren verkommen. Die Berichterstattung über MH 17 ist der Beweis dafür.
  • MH 17? Seit dem Abschuss ist fast ein Monat vergangen. Gerechtigkeit braucht manchmal Zeit. Lassen wir der internationalen Inspektorengruppe diese Zeit, um Beweismittel zu sammeln, sie zu sichten und auszuwerten. Es ist gut, dass die offizielle Untersuchung unter der Leitung der Niederlande (mit Unterstützung von Australien und Malaysia) steht. Noch besser ist, dass die Streitparteien Ukraine und Russland dabei keine führende Rolle spielen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit sachgerechter Ermittlungen. Unschön ist allerdings, dass die Auswertung wichtiger Beweismittel (Blackbox) heute in den Händen des NATO-Landes GB liegt, ein Umstand, der auf russischer Seite nicht unbedingt Vertrauen schafft.
Und wenn demnächst Verantwortliche für das Verbrechen benannt werden, dann ist das kein Anlass für militärische Strafaktionen, für Bombardements und Artilleriebeschuss. Dann muss die Stunde der Justiz anbrechen. Die Verdächtigen gehören vor den internationalen Strafgerichtshof, nichts anderes. Das ist zumindest in Rechtsstaaten so üblich.
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US-Politik radikalisierte ISIS-Führer Baghdadi

von R. L. aus “Infosperber”
Die US-Armee hatte Bakr al-Baghdadi im Jahr 2004 gefangen genommen, seine Gefährlichkeit aber nicht erkannt. Das enthüllt die NYT.
BakralBaghdadiDer selbst ernannte Kalife und ISIS-Führer war in US-Gefangenschaft
Der heute brutale ISIS-Führer und selbst ernannte Kalife Bakr al-Baghdadi stammt aus einer armen Bauernfamilie in der Nähe von Samarra. Die Familie gehörte den Sufis an, einer asketischen schiitischen Strömung, die für ihre Toleranz bekannt ist. «Die New York Times» NYT zitiert u.a. Hisham al-Hashimi, einen irakischen Wissenschaftler, der das Leben von Bakr al-Baghdadi erforscht hat.
Nicht im Visier des US-Geheimdienstes
Die erste Begegnung machte die US-Armee mit dem heutigen ISIS-Führer im Jahr 2004, als sie ihn in der Nähe von Falluja zusammen mit sunnitischen Aufständischen verhafteten. Sie betrachteten ihn als einen untergeordneten Gefolgsmann, von dem der US-Geheimdienst noch nie etwas gehört hatte. Sein Name war damals Ibrahim Awad Ibrahim al-Abdry.
Die Karriere des heutigen extremistischen «Kalifen» wurde «geformt von der Politik der USA im Irak», schreibt die NYT: «Die meisten Änderungen seiner politischen Haltung, die ihn zum radikalen Kämpfer und Führer machten, entstanden direkt als Folge von amerikanischen Handlungen». Die NYT erwähnt konkret das brutale Massakrieren von Minderheiten und gezielte Bombardierungen.
Nach Recherchen von Hisham al-Hashimi soll Bakr al-Baghdadi einige Zeit in einer Haftanstalt der USA im Irak verbracht haben, wo er noch stärker radikalisiert worden sei. «Bakr al Bagdhadis extremistische Ideologie wurde durch Grausamkeiten der US-Invasion geformt und verfeinert», kommt die NYT zum Schluss. Die Invasion der USA habe Baghdadi und seinen sunnitischen Alliierten einen Feind, ein Feindbild geschaffen und die Rekrutierung von Gefolgsleuten erleichtert. Bagdhdadi habe sich mit einer Clique von Geheimdienstleuten und früheren Militärs des Baath-Regimes Saddam Husseins umgeben, die das Kämpfen verstehen.
Die ISIS sei heute finanziell unabhängig, indem sie sich mit dem Ertrag eroberter Ölquellen und mit Zwangsabgaben finanziere, die sie in den eroberten Gebieten erhebt. Heute würde Bagdhadi nicht mehr nur einer terroristische Organisation vorstehen , sondern einer regelrechten Armee.
Originaltext

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USA züchten Terrorgruppen

USA die besten Schüler des Niccoló Machiavelli, der meinte:
“Das beste Mittel gegen einen Anschlag des Feindes ist, das freiwillig zu tun, wozu er dich zu zwingen vorhat. Denn tust du es freiwillig, so kannst du es mit Ordnung zu deinem Vorteil und seinem Nachteil ausführen; tätest du es gezwungenermaßen, so würde es deinen Untergang herbeiführen.”

USA züchten Terrorgruppen, um sie dann zu instrumentalisieren

Der Historiker Stanislaw Iwanow vom Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften schreibt:
„Auf die schweigende Zustimmung Washingtons und manchmal auch mit der direkten Unterstützung der USA und ihrer westlichen und regionalen Verbündeten hat sich der internationale Terrorismus über den ganzen Planeten verbreitet, und zunehmend die Menschheit gefährdet. Neben Terrororganisationen wie Al-Qaida und die Taliban, die einst im Inneren der CIA, des Pentagons und des US-Außenministeriums herangezüchtet wurden, kommen immer neue Terrorgruppen.“
Iwanow analysiert die Ziele des Al-Qaida-Ablegers IS, der jetzt einen großen Teil des irakischen Territoriums kontrolliert und während seiner Offensive im Sommer massiv moderne Militärtechnik und Waffen erbeuten konnte.
Der Historiker stellt fest, IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi habe in den besetzen syrischen und irakischen Gebieten ein islamisches Kalifat ausgerufen. Dessen Attribute seien die Scharia, eine gewaltsame Islamisierung sowie Exekutierungen von Gefangenen, Andersgläubigen und Andersgesinnten. Al-Baghdadi wolle weitere Gebiete im Irak und in Syrien erobern, um dann in den Libanon und nach Kuwait einzudringen. Die bewaffneten Einheiten des Kalifats seien insgesamt 100.000 Mann stark.
Der Experte beschäftigt sich mit der Frage, warum das „neue Terror-Monster“ so stark ist. Erstens bekomme die IS-Gruppe massiv Finanzhilfe aus Katar sowie von Wahhabiten- und Salafisten-Organisationen in der Golf-Region. Der Gruppe hätten sich auch manche Kämpfer der sogenannten Freien Syrien Armee und der extremistischen Al-Nusra-Front angeschlossen. Zweitens sei es den IS-Kämpfern gelungen, einige syrische und irakische Ölfelder und Ölraffinerien an sich zu reißen, aber auch einen Abschnitt der Kirkuk-Ceyhan-Pipeline, wichtige Treib- und Schmierstoff-Depots, ein großes Wasserkraftwerk sowie einen Staudamm, der ermögliche, die Wasserversorgung zentraler irakischer Gebiete zu kontrollieren. Die Dschihadisten-Gruppe habe also nicht nur genug Strom, Wasser und Treibstoff, sondern könne sie auch verkaufen. Sie schrecke auch nicht vor Waffen- und Drogenhandel zurück, kidnappe Menschen, fälsche Geld und schmuggle gestohlene Museumsbestände. ISIS sei derzeit eine der reichsten Terror-Gruppen, ihr Jahresetat betrage mehrere Milliarden US-Dollar.
Da die IS-Gruppe auch aktiv gegen das Regime von Baschar Assad kämpfe, schaue Washington drittens über viele negative Seiten der Terroristen-Offensive hinweg, so Iwanow:
„Die Waffen, die die Amerikaner an Saudi-Arabien, Katar, die Türkei und die Freie Syrische Armee liefern, gelangen zum Teil letztendlich in den Besitz von Terroristen. Die US-Regierung will, dass IS und ähnliche Terror-Gruppen den syrischen Präsidenten stürzen. Auf diese Weise wollen die USA den Iran und die proiranischen Schiiten-Gemeinden in der Region (vor allem die libanesische Hisbollah) isolieren. Selbst die von US-Präsident Barack Obama in Aussicht gestellte Hilfe für die irakische Führung beschränkt sich auf schärfere Sicherheitsmaßnahmen an den US-Vertretungen, auf gezielte Luftangriffe gegen die Artillerie-Stellungen, die US-Bürger gefährden, sowie auf den Abwurf humanitärer Güter für Flüchtlinge (vor allem Jesiden und arabische Christen) im Gebirge.“
Der russische Historiker schlussfolgert:
„Die Strategen hinter dem Ozean ziehen leider keine Lehre aus der Geschichte und begehen immer wieder dieselben Fehler. Nach Al-Qaida haben sie die IS-Gründung initiiert. Das Kalifat bleibt aber nicht innerhalb des Rahmens, den seine Sponsoren planen. Zehntausende Kämpfer, unter denen auch US-, EU-, und GUS-Bürger sind, kehren früher oder später in ihre Heimatländer zurück, um dort den Dschihad fortzusetzen. Die von Washington und Brüssel betriebene Politik des Doppelstandards, wobei man zwischen ‚nützlichen‘ und ‚nicht nützlichen‘ Terroristen unterscheidet, schürt weltweit die Gefahr des internationalen Terrorismus.“
Quelle
Veröffentlicht unter Éthnos, Bewußtsein, Kultur-Leben, Menschenwürde, Rechts-Leben, Soziales Leben, Wirtschafts-Leben, Zum Aufwachen | Hinterlasse einen Kommentar