Meine Erdreise

5 Jahrzehnte zur Verteidigung von Biodiversität, Leben und Freiheit
Eine Mitteilung für den Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt, am 22. Mai 2020
Von Dr. Vandana Shiva

Navdanya

Wir sind die Erde.
Wir sind die Biodiversität.
Wir sind Jiva (das Leben).
Wir sind Bewusst.
Wir sind Lebendig.
Wir sind Frei.
Wir sind Teil einer vernetzten Erdfamilie, unabhängig, eigenständiger, selbstbestimmter, voneinander abhängiger, intelligenter Wesen.
Wir sind die Biodiversität, vernetzt zu anderen Wesen durch Essen und Wasser, durch Atem und Luft, durch Leben und Intelligenz.
Sowie alle andere Erdbewohner sind wir Menschen unabhängige, lebendige, intelligente, selbstbestimmte und eigenständige Wesen, die voneinander abhängen und sich gegenseitig unterstützen.
Im lebendigen Leben der Biodiversität ist jedes Leben heilig, und Leben strebt die Nahrung und die Unterstützung des Lebens an. Die Existenz ist die Eigenschaft des Lebens.
Die Patentierung und die Piraterie des Lebens, der Biodiversität, von natürlichen Prozessen, von der Natur selbst (Geist und Körper von Menschen eingeschlossen), ist ein Verbrechen gegen das spirituelle Recht, gegen das ökologische Recht, gegen das Biodiversitätsrecht und die Menschenrechtsgesetzgebung. Um ein “Diebstahl” als “Diebstahl” zu sehen muss man nicht “Diebstahl” mit dieser Perspektive betrachten. Die Patentierung von Leben ist der Diebstahl von Leben – das zu beanspruchen, was man nicht beanspruchen kann. Patente auf Leben sind ganz einfach die Versklavung des Lebens selbst, indem sie die Natur des Lebens stehlen (oder fälschen).
Der mechanistische Geist trennt, fördert und entnimmt 
Der mechanistische Geist, der mit der Geldmaschine der Entnahme verbunden ist, hat die Illusion geschaffen, dass Menschen von der Natur, die nur ein toter, inerter Rohstoff zum Ausbeuten wäre, getrennt sind.
Die Annahme des “Todes der Natur” ist im Zentrum der Extraktionslogik und der Metapher der Förderung von Land von indigenen Völkern, von Bodenfruchtbarkeit, von Wasser von Flüssen und unterirdischen Grundwasserspeicher, von Biodiversitätsgenen und von Wissen von indigenen Gemeinschaften. Biopiraterie ist die Förderung von Wissen und von Biodiversität für Patente und Intellektuelles Eigentumsrecht.
Eine neue Biopiraterie ist auf dem Weg, durch Patente auf Daten über unseren Körper und unseren Geist und durch Förderung von Daten wie zum Beispiel “Aktivität des menschlichen Körpers”. Wir werden zu einem neuen Rohstoff verwandelt. Unser Geist und unser Körper sind die letzten Kolonien für Förderung und Entnahme. Sie sagten „Daten sind das neue Öl“, und so wie die Ölindustrie Öl gewonnen hat, um ihren Krieg auf dem Planeten zu führen, werden Daten bereits gegen den Verstand und den Körper der Menschen verwendet.
Dies ist ein höheres Niveau von Biopiraterie, weil es Versuche von Bildung neuer Manipulations- und Kontrollwerkzeuge sind. Es ist ein Versuch, Menschen in einer Welt verschwinden zu lassen, die von kurzsichtigen mechanistischen Geistern regiert wird, die nicht weiter als ihre extraktiven geldproduzierenden Maschinen sehen können. Der mechanistische Geist sieht nur sein Ziel: Profit.
Wir stehen vor dem Aussterben. Werden wir zulassen, dass unsere Menschlichkeit als lebendige, bewusste, intelligente, autonome Wesen von der Giermaschine ausgelöscht wird, die keine Grenzen kennt und nicht in der Lage ist, ihre Kolonisierung und Zerstörung auszubremsen? Oder werden wir die Maschine stoppen und unsere Menschlichkeit, unsere Freiheit und unsere Autonomie verteidigen? So viele Arten wurden zum Aussterben getrieben, nicht mehr in der Lage zu überleben, weil die Bedingungen für deren Fortbestehen nicht mehr vorhanden waren. Wir stehen vor einer Wahl: wollen wir die Bedingungen für unser Überleben beschützen, oder wollen wir jegliche Lebensform für Profit entziehen und einen toten Planeten hinter uns lassen, auf dem Weg zu unserer eigenen Beerdigung.
Fünf Jahrzehnte lang habe ich mich mit der Realität der Untrennbarkeit befassen, einschließlich meiner Doktorarbeit über Nichtlokalität und Untrennbarkeit in der Quantentheorie. Mein leidenschaftliches Engagement, mein Leben dem Verständnis des ökologischen Zusammenhangs der biologischen Vielfalt und dem Schutz der Biodiversität zu widmen, begann mit der Chipko-Bewegung. Für mich bedeutet der Schutz der Biodiversität den Schutz sowohl der Unversehrtheit des Lebens als auch der Rechte und Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaften, die Bewahrer und Hüter der biologischen Vielfalt waren.
Ich habe miterlebt, wie der Mechanistische Geist – von mächtigen Männern, die die Geldmaschine steuern – die Wälder, die Wasser-, Nahrungs- und Treibstoffquellen für die lokale Bevölkerung darstellten, zu Holzminen für die Gewinnung reduzierte. Sie reduzierten Flüsse, darunter auch den heiligen Ma Ganga, zu Kubikfüßen Wasser, das für die Privatisierung gewonnen wird, oder zu Kilowatt Energie, die durch Dämme und Wasserkraftwerke gewonnen wird.
Leben ist keine Erfindung. Saatgut ist keine Maschinen. 
1987, als ich an einer Konferenz über die „Gesetze des Lebens“, über die neuen Biotechnologien, teilnahm, hörte ich zum ersten Mal, wie das Giftkartell (die Gruppe der Chemieunternehmen einschließlich der ehemaligen IG Farben) versuchte, lebende Organismen und Saatgut als Maschinen zu definieren, die sie erfunden hätten und patentieren wollten. Mir war bewusst, dass Saatgut keine Maschine ist, die von Chemiekonzernen zusammengebaut wird. Es ist die Verkörperung der biologischen Vielfalt und des Drangs der Natur, sich zu reproduzieren, sich zu erneuern und sich zu vermehren. Genetisch verändertes Saatgut ist Saatgut, das von Bauern geraubt und mit Genen von natürlich vorkommenden Bakterien modifiziert wurde. Die einzige „Erfindung“ ist das Erschießen von Genen in einem Labor mit einer Genpistole oder das Infizieren einer Zelle mit Agrobacterium, einem Pflanzenkrebs. Konzerne kopieren Saatgut illegal und bauen Gene ab, um GVO herzustellen. Die Patentierung von Saatgut war ökologisch, ethisch und ontologisch falsch. Es ist ein Irrtum, der korrigiert werden muss. Vor 33 Jahren begann ich meine Reise, um die biologische Vielfalt, die Unversehrtheit und Vielfalt von Saatgut zu schützen sowie Biopiraterie und Patente auf Saatgut zu verhindern.
Navdanya wuchs aus diesem Engagement für die Biodiversität. Die Bewegung hat Saatgut als Gemeingut zurückerobert und 150 gemeinschaftliche Saatgutbanken gegründet. Auf der ganzen Welt haben wir die „Seed Freedom“-Bewegung inspiriert. Ein neues Bewusstsein über die Saatgutsouveränität ist gewachsen.
Wir haben auch Gesetze und Verträge zum Schutz der biologischen Vielfalt verabschiedet. Auf dem Erdgipfel von Rio 1992 wurde ein neuer Rechtsrahmen für das Übereinkommen über die biologische Vielfalt geschaffen.
Indien verabschiedete 2002 ein nationales Biodiversitätsgesetz:
„Ein Gesetz, das die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile sowie die faire und gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung der biologischen Ressourcen, des Wissens und für damit verbundene oder damit zusammenhängende Angelegenheiten ergebenden Vorteile vorsieht“.
Indien hat Gesetze verabschiedet, die anerkennen, dass Saatgut keine Erfindung ist und daher nicht patentierbar ist.
Im Artikel 3 des Patentgesetzes wird klar definiert, was keine Erfindungen sind und daher von der Patentierbarkeit ausgeschlossen ist.
Der Artikel 3j des indischen Patentgesetzes schließt von der Patentierbarkeit aus:
„Pflanzen und Tiere im Ganzen oder in Teilen mit Ausnahme von Mikroorganismen; jedoch einschließlich Saatgut, Sorten und Arten sowie im Wesentlichen biologische Verfahren zur Erzeugung oder Vermehrung von Pflanzen und Tieren“.
Dies war der Artikel, den das indische Patentamt benutzte, um ein Monsanto-Patent auf klimaresistentes Saatgut sowie Monsantos Patentansprüche auf Bt-Baumwollsaatgut aufzulösen.
(Quelle: The Corporate Plunder of Nature and Culture. Natraj, 2018)
Das indische Gesetz mit dem Titel „Plant Variety Protection and Farmers Rights Act 2001“ (“Gesetz für den Schutz von Pflanzenvielfalt und bäuerliche Rechte 2001”) enthält eine Klausel über die Rechte der Landwirte.
„Ein Landwirt gilt als berechtigt, seine landwirtschaftlichen Erzeugnisse, einschließlich Saatgut einer nach diesem Gesetz geschützten Sorte, in derselben Weise zu speichern, zu verwenden, auszusäen, wieder auszusäen, zu tauschen, zu teilen oder zu verkaufen, wie er vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes berechtigt war“.
Wir haben nicht nur die Unversehrtheit des Lebens und der biologischen Vielfalt gesetzlich verankert, indem wir klar erkannten, dass Pflanzen, Tiere und Samen keine Erfindung sind, sondern wir haben auch gekämpft und Fälle gewonnen, um Patente anzufechten, die auf Biopiraterie beruhen – wie USDA und WR Grace Neem (Patent Nr. 436257), Ricetecs Basmati (Patent Nr. 56,63,484 ) und Monsantos Weizenpatent (Patent Nr. 962578).
Ich habe in meinem Buch „Biopiracy“ geschrieben, dass Patente auf Leben und Patente auf Saatgut das zweite Auftreten von Kolumbus sind.
Im Jahr 1492 erhielt Kolumbus von König Ferdinand und Königin Isabel von Kastilien in Spanien ein Patent, um „einige Inseln und Kontinente im Ozean zu entdecken und zu unterwerfen“. Der Kontinent, den Kolumbus suchte, war Indien, deshalb werden alle indigenen Völker Nordamerikas als Indianer bezeichnet. Nachdem er von der „Entdeckung Amerikas“ zurückgekehrt war, schrieb er an den König und die Königin über das Gold, seinen Abbau, seine Verarbeitung und seinen Transport nach Kastilien. Kein Wort über das ursprüngliche Volk, kein einziger Gedanke über deren Beraubung.
Diebstahl und Piraterie waren zentral für die Kolonialisierung und sind es immer noch.
1493 gab Papst Alexandar eine päpstliche Bulle „Inter Caetera“ heraus, um die Übernahme von Land, Territorien und Reichtümern der Ureinwohner zu legalisieren und den Kolonialismus als die zivilisatorische Mission der Kirche durch die europäischen Könige und ihre Piraten und Händler-Abenteurer zu definieren.
In unserer Zeit sind Kolumbus, die Monarchen, der Papst und Gott alle zu einer Einheit zusammengebrochen – die Milliardäre, die Gott durch ihre Werkzeuge und Technologien spielen, die die neuen „zivilisatorischen Missionen“ definieren und gestalten, die auf diesen Werkzeugen und Technologien der Gewinnung und Kontrolle basieren. Neue Religionen, die der ganzen Welt gewaltsam aufgezwungen werden müssen.
PATENT Nr. WO 060606 : Unsere Körper und unser Geist sind keine „Minen“ für „Daten“. Wir sind souveräne, autonome Lebewesen
Auf dem Höhepunkt der Coronapandemie und inmitten des Lockdowns, am 26. März, wurde Microsoft von der WIPO – der Weltorganisation für geistiges Eigentum – das Weltpatent Nr. WO 2020/060606 erteilt.
Genauso wie unsere biologische Vielfalt und unser indigenes Wissen für Patentierung und Biopiraterie „abgebaut“ wurden – , und es gab den Versuch, uns zu Verbrauchern von GVO-patentiertem Saatgut zu reduzieren, das manipuliert und manipuliert wurde, indem unser Saatgut ohne unsere Erlaubnis und Zustimmung illegal kopiert wurde – gibt es nun den Versuch, die Daten aus unserem Körper und unserem Geist ohne unsere Erlaubnis und Zustimmung abzubauen und zu kopieren. Unsere Menschlichkeit und unsere Autonomie werden gestohlen. Wir werden zu „Benutzern“ der „Maschinen“ reduziert, die unsere Menschlichkeit und unsere Informationen extrahieren, um die nächste Stufe der mechanistischen Geldmaschine zu bauen.
Das Patent 060606 lautet
„Human Body Activity“ (Aktivität des menschlichen Körpers), die mit einer Aufgabe verbunden ist, die einem Benutzer zur Verfügung gestellt wird, kann in einem Abbauverfahren eines Kryptowährungssystems verwendet werden. Ein Server kann eine Aufgabe für ein Gerät eines Benutzers bereitstellen, das kommunikativ mit dem Server gekoppelt ist. Ein Sensor, der kommunikativ mit dem Gerät des Benutzers gekoppelt oder in diesem enthalten ist, kann die Körperaktivität des Benutzers erfassen. Körperaktivitätsdaten können auf der Grundlage der wahrgenommenen Körperaktivität des Benutzers erzeugt werden. Das mit dem Gerät des Benutzers kommunikativ gekoppelte Kryptowährungssystem kann überprüfen, ob die Körperaktivitätsdaten eine oder mehrere vom Kryptowährungssystem festgelegte Bedingungen erfüllen, und dem Benutzer, dessen Körperaktivität überprüft wird, Kryptowährung zuteilen.”
Das Patent verändert die Bedeutung des Menschseins dramatisch.
Erstens definiert es uns neu als „Minen“ für Daten – es beraubt uns unserer Autonomie, unserer Souveränität und der Kontrolle über unsere Körper und unseren Geist. Das Patent ist ein geistiger Eigentumsanspruch auf unseren Körper und unseren Verstand. Und nur über ihren „Server“ verbunden zu sein, bedeutet Zustimmung.
Genauso wie sich die Kolonisatoren durch den Kolonialismus das Recht zugestanden haben, sich das Land, die Ressourcen und die Erde der indigenen Völker anzueignen, ihre Kulturen und Souveränitäten auszulöschen und sie im Extremfall zu vernichten, so ist das Patent WO 060606 eine einseitige Verkündung von Microsoft über unsere Körper und unseren Geist als ihre neuen Kolonien. Wir werden auf Minen von „Rohmaterial“ – die aus uns extrahierten Daten – reduziert.
Die „Körperaktivität“, die Microsoft ohne unsere Erlaubnis, ohne unsere Zustimmung fördern will, umfasst, ist aber nicht darauf beschränkt:
„Strahlung, die vom menschlichen Körper emittiert wird, Hirnaktivitäten, Fluss der Körperflüssigkeit (z.B. Blutfluss), Organaktivität oder -bewegung, Körperbewegung und alle anderen Aktivitäten, die durch Bilder, Wellen, Signale, Texte, Zahlen, Grade oder jede andere Form von Informationen oder Daten wahrgenommen und dargestellt werden können. Beispiele für Körperstrahlung, die vom menschlichen Körper emittiert wird, können die Strahlungswärme des Körpers, die Pulsfrequenz oder die Hirnstromaktivität sein. Hirnwellen können zum Beispiel, aber nicht beschränkt auf, folgendes sein: i) Gammawellen, die bei Lern- oder Gedächtnisaufgaben beteiligt sind, ii) Betawellen, die beim logischen Denken und/oder bewussten Denken beteiligt sind, iii) Alphawellen, die mit unterbewussten Gedanken in Verbindung stehen können, iv) Thetawellen, die mit Gedanken in Verbindung stehen können, die tiefe und rohe Emotionen beinhalten, v) Deltawellen, die beim Schlaf oder bei tiefer Entspannung beteiligt sein können, oder vi) das Elektroenzephalogramm (EEG), das zur Messung der elektrischen Aktivität im Gehirn, wie z.B. tiefe Konzentration, verwendet werden kann. Beispiele für die Körperbewegung sind Augenbewegungen, Gesichtsbewegungen oder jede andere Muskelbewegung.“
Zweitens löscht es unsere Menschlichkeit aus – als souveräne, lebende, spirituelle, bewusste, intelligente Wesen, die ihre Entscheidungen und Beschlüsse mit Weisheit und ethischen Werten über die Auswirkungen unseres Handelns auf die natürliche und soziale Welt treffen, von der wir ein Teil sind; und mit der wir untrennbar verbunden sind. Wir werden darauf reduziert, „Benutzer“ von Aufgaben zu sein, die uns von der extraktiven digitalen Megamaschine übertragen werden. Ein „Benutzer“ ist ein Konsument ohne Wahl im digitalen Imperium. Menschliche Kreativität und menschliches Bewusstsein verschwinden in der in #patent060606 vorgestellten Welt.
Drittens definiert das Patent die menschlichen Werte und den Wert des Menschseins neu. Zu den menschlichen Werten gehören ethische, ökologische und spirituelle Werte. Für uns ist der richtige Lebensunterhalt Dharma, das Rechte Handeln in dem Netz des Lebens, von dem wir ein Teil sind. Unsere ökologischen Beziehungen als Erdfamilie und unsere sozialen Beziehungen als eine Menschheit in unserer Vielfalt zu erhalten und zu nähren, macht uns zu spirituellen, selbstorganisierten und mitfühlenden Wesen. Der Wert des Menschseins wird durch Liebe und Mitgefühl, durch Teilen und Geben gemessen. Das Maß und die Währung des Lebens sind Leben und Liebe. Das englische Wort für Wert („value“) ergibt sich aus „valere“ – stark sein. Stärke kommt aus unserer selbstorganisierten Autonomie und unseren Beziehungen, aus unserer spirituellen, emotionalen und ökologischen Widerstandsfähigkeit, die tief aus unserem Inneren wächst.
Das Patent 060606 zielt darauf ab, uns unserer tiefen Menschlichkeit zu berauben. Wir werden von selbstorganisierten, bewussten, kreativen, autopoietischen Wesen in externe Eingabe-„Benutzer“ verwandelt, deren Wert in Kryptowährung durch Algorithmen zugewiesen wird, und zwar von genau der Maschine, die uns die Aufgabe überhaupt erst gestellt hat.
Nachdem sie unsere „Körperdaten“, einschließlich unserer Gehirnfunktion, extrahiert haben, werden uns Algorithmen einen „Zielwert der gültigen Körperfunktion“ zuweisen. Eine Maschine wird bestimmen, welcher Typ von Maschine wir sein dürfen.
„Zum Beispiel kann das Benutzergerät Rohdaten der wahrgenommenen Körperaktivität erzeugen und sie an ein Kryptowährungssystem übertragen, und dann kann das Kryptowährungssystem die Rohdaten kodieren… Das Kryptowährungssystem überprüft, ob die Körperaktivitätsdaten des Benutzers eine oder mehrere Bedingungen erfüllen, die von einem Algorithmus des Kryptowährungssystems festgelegt wurden… Die Bedingung kann durch die Simulation der menschlichen Körperaktivität über alle Körperaktivitäten hinweg festgelegt werden… Algorithmen des maschinellen Lernens können verwendet werden, um Körperaktivitäten zu simulieren und die Bedingungen für gültige Körperaktivitäten festzulegen… Wenn die vom Benutzergerät übertragenen Körperaktivitätsdaten eine oder mehrere Bedingungen erfüllen, die vom Kryptowährungssystem festgelegt wurden, vergibt das Kryptowährungssystem Kryptowährung an Benutzer.“
Unser Wert als menschliche Wesen wird von einer Maschine, dem Kryptowährungssystem, zugewiesen werden.
Der Ursprung der Bedeutung von „Währung“ ist die „Bedingung des Fließens“. Leben fließt zwischen lebenden Systemen, zwischen der biologischen Vielfalt, die die Familie Erde ausmacht. Die Währung des Lebens ist das Leben. Die Währung des Lebens ist die Nahrung. Die Währung des Lebens ist das Wasser. Die Währung des Lebens sind Atem und Luft. Die Währung des Lebens ist das lebendige Wissen. Die Währung des Lebens ist die Intelligenz. Die Währung des Lebens ist Freiheit.
Und da das Leben auf Gegenseitigkeit und Geben beruht, ist die Währung des Lebens nicht eine Einweg-Extraktion, sondern ein Zweiweg-Fluss, ein nährender und in Liebe, Freundschaft, Dankbarkeit und Einheit zurückgebender Fluss. Es ist die Währung des Lebens, die die Beziehungen in der Erdfamilie webt und den Fluss des Lebens aufrechterhält.
Die Geldmaschine hat die Bedeutung von „Währung“ darauf reduziert, nur Geld zu sein. Dann hat die Geldmaschine dem Geld den Krieg erklärt und das Bargeld illegal gemacht. Währung wurde zwangsweise auf digitale Währung reduziert, um die Kontrolle der Benutzer zu verringern. Das Patent 060606 ist der nächste Schritt des Reduktionismus und der totalen Kontrolle, indem es uns von pulsierenden Lebewesen auf Minen zur Gewinnung von „Daten“ als dem neuen Öl, dem neuen Rohstoff, reduziert, wobei unser Wert und unsere Wertschätzung durch den Extraktor in „Kryptowährung“ angegeben wird.
Unser Wert in der Microsoft-Welt ist nicht als souveräne Wesen, sondern als Kryptowährung, die von der Maschine zugeordnet wird. Wir werden auf ihre digitale Währung reduziert. Unsere Realität wird zerstört, um uns in virtuelle Punkte der digitalen Maschine zu verwandeln, die sich der Kontrolle von Menschen, Demokratien und sogar nationalen souveränen Regierungen entziehen.
Wie das Patent besagt:
„Eine virtuelle Währung (auch als digitale Währung bekannt) ist ein Tauschmittel, das im Allgemeinen über das Internet implementiert wird, nicht an eine bestimmte „flache“ (gedruckte) Währung der Regierung wie den US-Dollar oder den Euro gebunden ist und typischerweise so konzipiert ist, dass es sofortige Transaktionen und eine grenzenlose Eigentumsübertragung ermöglicht. Ein Beispiel für eine virtuelle Währung ist die Kryptowährung“.
Das Patent ist in der Tat ein Patent, das die Menschheit und die Menschen als Verkörperung von Freiheit und Autonomie auf der Grundlage von Verbundenheit und Einheit mit anderen Wesen beenden wird. Als Minen für „Körperdaten“, als „Benutzer“ von Kontrollstrukturen, denen unser Wert durch Algorithmen in Kryptowährungen zugewiesen wird, werden wir als lebende, atmende, denkende, mitfühlende, souveräne Wesen ausgelöscht. In der digitalen Geldmaschine und der digitalen Diktatur von Microsoft werden wir zu digitalen Rädchen im Getriebe der digitalen Geldmaschine und der digitalen Diktatur von Microsoft reduziert.
Wir sind weder eine genetische Mine, noch eine Mine für „Daten“ unserer „Körperaktivität“, Daten, die ohne unsere Erlaubnis und Zustimmung abgebaut werden. Biopiraterie ist ein Verbrechen, egal welches Instrument der Extraktion und der Piraterie benutzt wird, egal welches biologische Wesen illegal kopiert und patentiert wird.
Es handelt sich um Kolonialismus und Piraterie, die mit den Daten unseres Körpers als neue Kolonie auf die ultimative invasive Ebene gebracht werden. Dies ist der ultimative Separatismus und Reduktionismus des mechanistisch-reduktionistischen Geistes.
Dies ist nicht nur Biopiraterie unseres autonomen lebendigen Körpers, es ist die Technik des Verschwindens von Menschen, menschlichen Werten, menschlicher Bedeutung, menschlichem Sinn. Es ist die Planung des Verschwindens von Lebewesen und ihrer lebenden Intelligenzen. Sie inszeniert das Ende der Demokratie in Ökonomien, die von wirklichen Wesen für die eigentlichen Bedürfnisse der Lebewesen geführt werden. Sie setzt ein Ende der Souveränität auf jeder Ebene und in jeder Form in Gang. In der indischen Philosophie sind alle Lebewesen, auch die Menschen, durch mehrfache Energiehüllen vielschichtig. Alle Wesen stehen durch diese vielfältigen Energien und Flüsse in Beziehung zu anderen Wesen. Die äußerste Hülle ist der Annakosh, die Nahrungsmittelhülle. Die nächste ist Pranakosh, die Energiehülle. Dann kommt Manomayakosh, die Verstandeshülle. Der Vijanamayakosh, die Unterscheidungshülle. Das Innerste ist der Anandamayakosh, die Hülle der Glückseligkeit.
Das Patent 060606 ist eine Verkörperung der Philosophie des Adharma, einer gegen das Leben, gegen die menschliche Vorstellungskraft gerichteten Philosophie. Und wie in allen Zeitaltern muss Dharma erwachen, wenn Adharma versucht zu herrschen und zu dominieren. Unser Vijanana, unser Wissen, unsere Intelligenz, unser Urteilsvermögen, müssen uns so führen, dass wir nicht von den realen, aber unsichtbaren Gefängnissen gefangen werden, die durch „virtuelle“ Konstrukte geschaffen werden.
Die Zukunft des Menschseins kann nicht Microsoft und den Patentämtern überlassen werden, so wie wir die Zukunft der biologischen Vielfalt nicht in die Hände von Monsanto und dem Giftkartell gelegt haben.
Als ich vor 33 Jahren hörte, wie das Giftkartell seine kriminelle Fantasie, Saatgut besitzen zu wollen, enthüllte, verpflichtete ich mich, mein Leben dem Schutz unserer biologischen Vielfalt und der Freiheit des Saatguts zu widmen.
An diesem Tag der biologischen Vielfalt verspreche ich, den Rest meines Lebens dem Schutz allen Lebens, der Freiheit aller Wesen und der Freiheit des Menschen zu widmen.
Originaltext
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«Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt»

Von Christoph Zollinger, „Journal21“
Sollten wir uns in diesen Tagen der Ungewissheit gedanklich der Zukunft zuwenden? Stehen wir am Anfang eines epochalen Neubeginns?
Es stellt sich die Frage, ob der weltweite Lockdown etwas Grundsätzliches signalisiert – etwas, das bereits mit der Klimadiskussion ansatzweise angetippt wurde. War unser westlicher Lebensstil schon vor Ausbruch der Pandemie überhaupt nicht nachhaltig vertretbar – sollte er infolge fehlender Einsicht «mit Gewalt» beendet werden?
Zum Beispiel die Fliegerei
«In einer wirtschaftlich vernetzten Welt ist es völlig undenkbar, nicht zu fliegen», der das sagt: Carsten Spohr, Chef der Lufthansa in der ZEIT. Albert Einsteins Rat vor rund hundert Jahren: «Wir können die Probleme nicht mit demselben Denken lösen, mit dem wir sie geschaffen haben.»
Schon stehen wir mitten in der aktuellen Problematik. Während die Regierungen staatliche Hilfe in Milliardenhöhe zur Rettung prestigeträchtiger Fluggesellschaften – hierzulande die Swiss – sprechen, geraten wir in den mentalen Lockdown. Schliesslich sind zehntausende von Jobs allein bei den Airlines involviert, es sind weitere tausende in den Zulieferbranchen und die Auftragsbücher der grossen Flugzeugbauer sind rammelvoll. Es sind diesen Regierungen keine Vorwürfe zu machen. Doch eines ist klar: Wir denken immer noch in Kategorien der Vergangenheit.
Die rückwärtsgerichtete Äusserung des Lufthansa Chefs, «Die Lufthansa hat die drei besten Jahre ihrer Konzerngeschichte hinter sich. Wenn sie auch künftig erfolgreich sein soll, muss sie auch weiterhin ihr Schicksal unternehmerisch gestalten können» (ZEIT), zeigt glasklar, dass in dieser Branche auch nach Jahren der Diskussion das Thema Klimaerwärmung verdrängt wird (Anteil des Flugverkehrs am menschenverursachten Klimaproblem: 5 Prozent weltweit, 18 Prozent in der Schweiz).
Das Problem: Man kann die Aussagen des CEOs der Lufthansa aus der Sicht seines Auftrags ihm nicht übelnehmen. Was für die Branche gilt, ist im ganzheitlichen Denkansatz aber kontraproduktiv. Dies widerspiegelt die gegenwärtige Situation weltweit und in vielen anderen Branchen. Und dies ist auch der Grund, weshalb die politischen Klimaversprechen in der Praxis reine Makulatur bleiben. Kurzfristig dominiert der Denk-Fokus auf das individuelle Wohlergehen, langfristig müssten die Ziele einer nachhaltigeren Welt ganz anders formuliert werden.
Marschhalt 1: Was wir wissen und wie wir handeln
Irgendwie ahnten wir es seit langem. Unsere Lebensart, die des einen Prozentes der Weltbevölkerung, sie ist langfristig nicht kompatibel mit den Geboten des Klimaschutzes, des qualitativen Wachstums, der Ökologie oder des Artenschutzes. Aber wir verdrängen das. Der Professor für Erkenntnistheorie und Philosophie an der Universität Bonn, Markus Gabriel, formuliert das so: «Wir wissen eigentlich intuitiv, dass die westliche Lebensform, in der wir uns behaglich eingerichtet haben, fatale Konsequenzen für sehr viele Menschen auf dem Planeten hat.» (NZZ)
Deutsche Autoindustrie in existentieller Krise
Studien prognostizieren, dass bereits 2025 keine Fahrzeuge mit traditionellen Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden. Auch das Nutzungsverhalten wird sich grundlegend ändern, weg vom Besitz, hin zur Nutzung von Fahrzeugen. Und entscheidend: das Auto als Prestigeobjekt hat bei jüngeren Leuten völlig an Bedeutung verloren. Doch wie oft bei solch dramatischem Wandel unterschätzen die traditionellen Anbieter die Gefahr. Steht die deutsche Paradebranche vor dem Abgrund? Der Absatz bricht ein, bei Innovationen wie der E-Mobility und digitalem Verkehr geht es nicht voran, ein E-Auto-Bauer ist pleite und die EU beharrt auf ihren CO₂-Vorgaben.
Während noch darüber gestritten wird, in welcher Form der staatlichen Geldspritzen der notleidenden Branche (die eben noch Milliardengewinne auswies) geholfen werden soll, damit der kurzfristige Corona-Einbruch überbrückt werden kann, zeigt sich auch hier: Die Vorstellung, dass «nach Corona» alles wieder so werde wie vorher ist in den Köpfen der betroffenen CEOs tonangebend. Doch ähnlich wie in der Flugzeugindustrie mehren sich die Warnrufe jener, die über den täglichen, einschläfernden Tagesrhythmus hinaussehen: Was, wenn ein verändertes gesellschaftliches Verhalten zur Mobilität dem Individualverkehr zukünftig neue Regeln definiert? Dazu meint der deutsche Verkehrsexperte von Greenpeace, Benjamin Gehrs: «Wenn die Bundesregierung mitten im fundamentalsten Branchenumbruch der Automobilgeschichte alte Antriebe fördert, verwechselt sie Gaspedal mit Bremse.»
Marschhalt 2: Was wir nicht wissen und wie wir handeln
Aymo Brunetti, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bern, mahnt zu vorsichtiger Beschlussfassung. «Das Problem besteht darin, dass wir mit einem makroökonomischen Schock konfrontiert sind, den es so noch nie gegeben hat. Wir wissen nicht, in welchem Zustand sich die Wirtschaft in einigen Monaten befinden wird; es besteht die Gefahr, dass überstürzte Massnahem kontraproduktiv wirken können.» (NZZ)
Das Ende der fossilen Weltordnung
Im April 2020 konnten wir in der ZEIT einen Satz lesen, der ausgezeichnet zu den oben beschriebenen Zuständen der Flugzeug- und Autoindustrie passt. Er kann durchaus als Übertitel verstanden werden: «Die Weltordnung, in der das Verbrennen von Erdöl normal war und sich politische Macht auf fossile Rohstoffe gründete, geht zu Ende.»
Einerseits werden wir Zeugen eines noch nie dagewesenen Preiszerfalls für Rohöl. Bereits ist in den USA einer der grössten Fracking-Betriebe (Produzent von Schieferöl durch Aufbrechen von Gestein) pleite gegangen, weitere werden zweifellos folgen. Da geht nicht nur ein weiteres Hobby des US-Präsidenten und Teil seines Machtgehabens bachab. Die einzigartige Baisse signalisiert einen fundamentalen Wandel der 150-jährigen Weltordnung: War es da der Zugang zu Öl, der Regierungen stärkte und Staaten Kriege und Hegemonie gewinnen liess, kämpfen heute viele Ölunternehmen ums Überleben.
Die Gretchen-Frage
Jetzt fragen wir uns: Ist die Gleichzeitigkeit der Klimadiskussion – die bisher von den Ölgiganten diskret hintertrieben wurde – und jene zur Corona-Katastrophe ursächlich gar zusammenhängend? Was läuft ab in den Köpfen der Menschen? Wächst da etwa eine Einsicht für persönliche Verhaltensänderung, die bislang verdrängt wurde? Spriessen auf dem Boden der Gesellschaft die zarten Vorboten klimaresistenter «Pflanzen»? Geht da eine Ära zu Ende, die wie «geschmiert» lief – ohne Rücksicht auf Verluste?
Ist dies die Gretchen-Frage (nomen est omen), personalisiert durch jenes Mädchen, deren Beantwortung sich aufdrängt? Darüber nachzudenken in diesen Tagen ist spannend – eigentlich lohnende Bürgerpflicht. Warum spukt da in unseren Köpfen plötzlich Goethes Erlkönig – «Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt» – herum? Wir wissen es nicht. Stehen wir gar am Anfang eines epochalen Neubeginns?
Originaltext
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Austritt afrikanischer Nationen aus der WHO

Der Präsident von Madagaskar, Andry Rajoelina hat alle afrikanischen Nationen aufgefordert aus der WHO auszutreten und viele folgen seinem Aufruf.
Mit dem Austritt der Afrikaner aus der WHO beginnt ein neuer Zeitabschnitt auf dieser Welt. Wie lange werden die Europäer noch den Anweisungen der WHO und deren Hintermänner und Stiftungen folgen?
Sollte die Mehrheit afrikanischer Nationen aus der WHO austreten, dann ist das Ende von Bill Gates Impfprogramm und der WHO eingeleitet. Gleichzeitig ist damit die Pandemie in Afrika ausgestanden. Denn die Afrikaner haben ein Covid-19-Medikament und benötigen weder die Hilfe der Europäer noch deren umstrittene Impfungen.
Nachfolgend die Übersetzung des Artikels aus Celesylv Updates.
Den Link zum Originalartikel findet ihr am Ende.
Der Präsident von Madagaskar, Andry Rajoelina, hat alle afrikanischen Nationen aufgefordert, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wegen des mangelndem Vertrauens Europas gegenüber Afrika zu verlassen.
Der madagassische Präsident sagt, Europa habe Organisationen gegründet, mit dem Wunsch, dass die Afrikaner von ihnen abhängig bleiben.
Afrika hat ein Medikament gegen das Corona-Virus gefunden, aber Europa glaubt, dass es ein Monopol der Intelligenz als solches hat, und weigert sich, dies zuzugeben.
Vor diesem Hintergrund lade ich alle afrikanischen Nationen ein, aus den internationalen Organisationen auszutreten, damit wir unsere aufbauen können.
Rajoelina hat seinen Ruf und seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt, um die Medizin als Heilmittel zu bewerben. Er sagte: „es heilt COVID-19 in 10 Tagen“. „Niemand wird uns davon abhalten, vorwärts zu kommen – kein Land, keine Organisation“, antwortete Rajoelina auf die Bedenken der WHO.
Er sagte, der Beweis für die Wirksamkeit des Tonikums sei die „Heilung“ von „unseren Patienten“.
Er nannte die Medizin ein „vorbeugendes und heilendes Mittel“.
Rajoelina sagte, Madagaskar hat bis heute 212 Coronavirus-Infektionen und 107 Genesungen gemeldet. Das Land hat einen kritischen Fall, aber keinen Tod.
„Die geheilten Patienten haben kein anderes Produkt als Covid-Organics eingenommen“, sagte der Präsident und fügte hinzu, dass sein Land eine Geschichte der traditionellen Medizin hat.
„Was wäre, wenn dieses Mittel von einem europäischen Land anstelle von Madagaskar entdeckt worden wäre?“, fragte Rajoelina die WHO und andere Skeptiker.
Würden die Leute so sehr daran zweifeln? Das glaube ich nicht “, sagte Rajoelina gegenüber FRANCE 24 und RFI.
Das Getränk stammt aus Artemisia – einer Pflanze mit nachgewiesenen Anti-Malaria-Eigenschaften – und weiteren einheimischen Kräutern.
„Was ist eigentlich das Problem mit Covid-Organics?“, Sagte er.Könnte es sein, weil dieses Produkt aus Afrika stammt?“
„Könnte es sein, dass es unmöglich erscheint, dass ein Land wie Madagaskar, das 63. ärmste Land der Welt (diese Formel) entwickelt, die helfen kann, die Welt zu retten?“ fragte Rajoelina.
Mein Land Madagaskar verlässt heute Abend alle Organisationen und ich fordere andere afrikanische Nationen auf, dasselbe zu tun.“
Originaltext


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Unwahrscheinliches geschieht – immer

Eduard Kaeser, „Journall21“
Die Wahrscheinlichkeit, dass mich am 8. Mai 2020 um 9 Uhr morgens ein betrunkener, Schutzmaske tragender Nationalrat auf dem Berner Bundesplatz mit seinem E-Bike über den Haufen fährt und anschliessend Fahrerflucht begeht, ist sehr klein.
Aber an diesem 8. Mai geschieht genau das. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Coronavirus eine Pandemie auslöst, ist sehr klein. Aber genau das ist geschehen.
Das Unwahrscheinlichkeitsprinzip
Das erste Beispiel ist fiktiv, beim zweiten handelt es sich um die Aussage des amerikanischen Virologen Anthony Fauci am 26. Januar 2020, der damals noch als Berater des Präsidenten fungierte. Beide Beispiele haben eines gemeinsam: Sie rechnen nicht mit dem Unwahrscheinlichen. Aber das Unwahrscheinliche geschieht. Ständig. Wenn es nach unserem Verständnis nicht geschehen kann, dann liegt das an unserem Verständnis, nicht am Lauf der Dinge. Der Zufall hat seine Gründe, sagte der alte Römer Petronius. Wir Menschen kennen sie einfach nicht (alle). Ich kann mir schlicht nicht alle Faktoren vorstellen, die dazu führen, dass mir auf dem Bundesplatz so etwas passiert.
Vom englischen Mathematiker David Hand stammt das sogenannte „Unwahrscheinlichkeitsprinzip“: „Ereignisse, die wir als höchst unwahrscheinlich ansehen, geschehen, weil wir die Sache falsch verstanden haben. Finden wir heraus, wo wir in die Irre gegangen sind, wird das Unwahrscheinliche wahrscheinlich werden.“
Ein notorischer Irrtum
Denken in Wahrscheinlichkeiten führt uns notorisch in die Irre. Und Irrtümer infizieren auch die Information in den Medien. Typisch ist die Betrachtung aus der Einzelperspektive. Kürzlich war in einer Schweizer Tageszeitung zu lesen, dass die Replikationsrate auf 0.9 gesunken sei. Kommentar: „Ein Infizierter steckt weniger als eine Person an.“ – „Weniger als eine Person“? Was hat man sich darunter vorzustellen? Gibt es halbe, dreiviertel, elfzwölftel Personen?
Betrachten wir ein triviales Beispiel. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich in der Schweiz durch einen Verkehrsunfall umkomme? Machen wir eine Überschlagsrechnung. Die Statistik sagt uns, dass es im Jahr 2019 187 Verkehrstote gab. Die Schweiz zählt etwa 8.5 Millionen Einwohner. Die Wahrscheinlichkeit beträgt also 0.002 Prozent (187/ 8‘500‘000). Die Zahl ist verschwindend klein, ergibt aber keinen Sinn, wenn ich sie auf mich als Einzelperson beziehe: Bin ich 0.002 Prozent Schweizer? Die Zahl ergibt Sinn, wenn ich ihren Kehrwert betrachte: 2019 kam von 42‘500 (= 8‘500‘000/ 187) Schweizern einer durch einen Verkehrsunfall um. Nimm eine genügend grosse zufällig ausgewählte Teilmenge der Schweizer Bevölkerung, und das Unwahrscheinliche geschieht mit Gewissheit bei jemandem (hoffentlich nicht bei mir).
Size matters
Es geht hier nicht um Zahlen, sondern um die Denkweise. Sie hat uns auch beim Coronavirus in die Irre geführt. Es erscheint sehr unwahrscheinlich, dass das Virus auf zufällige Weise von irgendeiner Fledermaus auf irgendeinen Menschen überspringt. Sagen wir, Schätzungen sprechen von 1 zu einer Million. Aber das ist eine zu isolierte, abstrakte Sicht. Entscheidend ist, auf welche Bezugsmenge man sie anwendet. Betrachtet man 11 Millionen Menschen in Wuhan, beläuft sich die Wahrscheinlichkeit schon auf 1 zu 11. Das Überspringen eines Virus auf einen einzelnen Menschen mag für sich betrachtet ein extrem unwahrscheinliches Einzelereignis sein, aber das bedeutet nicht, dass dieses Ereignis bei einer genügend grossen lokalen Bevölkerungsdichte alarmierend wahrscheinlich wird. Und es braucht zudem ein einziges extrem unwahrscheinliches Virus, um eine Epidemie auszulösen.
Unwahrscheinliches Glück
Wir kennen den Ausdruck „unwahrscheinliches Glück“. Ich begebe mich auf eine abenteuerliche Bergwanderung. Später, unbeschadet zurückgekehrt, trumpfe ich auf: Ich hätte in einem gewaltigen Gewitter vom Blitz getroffen werden, in einen Murgang geraten, ich hätte mich verirren oder in einen Abgrund stürzen, ich hätte verhungern oder erfrieren – kurz: ich hätte nicht zurückkehren können. Dieses Narrativ betrachtet Unwahrscheinlichkeit in der Rückschau, aus der Position der Gewissheit, des Heimgekehrten. Ich liste die möglichen Ereignisse auf, „wie es hätte anders kommen können“, und je grösser deren Zahl, desto „unwahrscheinlicher“, sprich aussergewöhnlicher meine Wanderung. Es handelt sich also um den Trick, einen Normalfall zu einem einzigartigen hochzustilisieren.
Streng genommen ist das keine Wahrscheinlichkeitsüberlegung, denn diese erfolgt stets aus der Position der Ungewissheit. Oft in betrügerischer Absicht, wie etwa bei jenem Schützen, der auf eine Scheunenwand schiesst, um dann die Zielscheibe dort hinzumalen, wo die Kugel eingeschlagen ist. Er erweckt so den Eindruck eines „unwahrscheinlich“ guten Schützen. Man spricht von „Rückschaufehler“. Zufälle in der Rückschau sind keine Zufälle, sondern eben real gewordene Möglichkeiten.
Warum gibt es uns, wenn wir so unwahrscheinlich sind?
Er unterläuft uns häufiger, als uns das vielleicht bewusst ist. Auch in den Naturwissenschaften. Dass es uns Menschen mit Bewusstsein gibt, ist gewiss: Wahrscheinlichkeit = 1 (sehen wir dabei ab von exotischen Anthropologien, die den Menschen als Zombie beschreiben). In der Rückschau auf die Geschichte des Universums kommt uns diese Gewissheit in dem Masse „unwahrscheinlicher“ vor, in dem wir auf immer mehr Zufälligkeiten in der kosmischen Vergangenheit stossen, angefangen beim Big Bang, über die Erzeugung der Elementarteilchen, der Atome, Moleküle, der Galaxien und Galaxienhaufen, der Koinzidenz von „günstigen“ Bedingungen für die Entstehung unseres Sonnensystems, des Lebens auf unserem Planeten, der Evolution des menschlichen Bewusstseins aus rund 10 hoch 27 bewusstlosen Molekülen – eine letztlich unseren Verstand übersteigende Kette unwahrscheinlicher Feinabstimmungen. Viele meinen sie nur so erklären zu können, dass sie das naturalistische Narrativ mit supranaturalistischen Zusatzannahmen anreichern: Gott, Intelligent Design, Panpsychismus, oder ein „anthropisches Prinzip“. Letzteres ist eine Art kosmisches Murphy-Gesetz: Unglaublich viel hätte „schieflaufen“ können. Das heisst, die Wahrscheinlichkeit, dass es uns nicht gibt, ist im naturalistischen Kosmos-Narrativ sehr gross, nahezu 1. Deshalb ist es äusserst unwahrscheinlich, dass es uns gibt. Aber nun gibt es uns, ergo kann es kein Zufall sein, dass es uns gibt. Wir Menschen sind „unwahrscheinlich“ exzeptionell. Erinnert uns das nicht an die Geschichte des Bergwanderers? Wäre er nicht zurückgekehrt, könnte er auch nicht von seiner „unwahrscheinlichen“ Heldentat prahlen. So zimmert man Wunder.
Das Unwahrscheinliche der ersten und der zweiten Art
Es gibt das Unwahrscheinliche der ersten Art: Zufallssituationen, in denen wir alle Möglichkeiten kennen. Bekannte Unbekannte. Meist handelt es sich um relativ künstliche Spiel-Arrangements. Zum Beispiel der Münzwurf: zwei Möglichkeiten, Kopf oder Zahl; der Würfelwurf: sechs Zahlen; das Zahlenlotto: über 31 Millionen Möglichkeiten, aus 42 Zahlen sechs richtige und aus sechs Zusatzzahlen eine richtige auszuwählen. Reale Situationen sind aber – wenn man so will – „offene“ Spiele, sie sind gerade nicht so „konstruiert“, dass ihr Horizont alle möglichen Ereignisse umfasst. Jenseits liegen die unbekannten Unbekannten. Das ist das Unwahrscheinliche der zweiten Art. Mit ihm ist zu rechnen. Ständig. Der Eigensinn der Welt ist zu gross, als dass er sich mit unserem bisherigen Verständnis zähmen liesse. Das gilt nicht zuletzt für die Welt der Viren.
Das Zeitalter der Ungewissheit
Wenn wir in die Zukunft schauen, schauen wir eigentlich stets in die Vergangenheit, das heisst, wir projizieren das Bekannte hinter uns auf das Unbekannte vor uns. Ohne Zweifel lässt sich aus der Vergangenheit vieles lernen – ja, müssen wir vieles lernen –, aber bilden wir uns nur nicht ein, die Gewissheiten der Vergangenheit auf die Zukunft übertragen zu können. Die Retrospektive ist immer perfekt. Die Prospektive deplorabel.
Wir leben im Zeitalter der Ungewissheit. Und dies trotz all der raffinierten Diagnose- und Prognosetechnologien, der simulierten Zukunftsszenarien, der Trendkalkulationen und des Risikomanagements, der ungeheuren Datenmengen und statistischen Hochrüstung – immer lauert das Unwahrscheinliche. Das klingt wie eine Drohung, ist aber im Grunde ein Trost. Oder vielmehr ein Appell zur Bescheidenheit: Habe den Mut, einzugestehen, dass du den Lauf der Dinge zu wenig verstehst.
Ein Witz als Coda
Im Berner Bahnhof steht ein Mann vor dem Stadtplan. Er sieht darauf einen kleinen roten Pfeil und liest „Ihr Standort“. Er fragt sich tief bestürzt: Woher zum Teufel kennt die SBB meinen Standort?
Originaltext
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“Die Coronavirus Pandemie wird die Welt-Ordnung für immer verändern”

von Henry Kissinger

(aus VoltaireNet)
Henry Kissinger – Wikipedia
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Die surreale Atmosphäre der Covid-19 Pandemie ruft in meiner Erinnerung Gefühle wach, die ich als junger Mann der 84.ten Infanterie-Division während des Kampfes in den Ardennen hatte. Genauso wie heute befiel mich im späten 1944 das Gefühl einer undefinierten Gefahr, nicht verbunden mit irgend einer speziellen Person, sondern zufällig, wahllos und verheerend. Aber es ist ein entscheidender Unterschied zwischen den lang zurückliegenden Zeiten und heute. Das damalige amerikanische Durchhaltevermögen wurde befestigt von einem höchsten nationalen Zweck. Jetzt, in einem geteilten Land, bedarf es notwendig einer effizienten und weitblickenden Regierung um die beispiellosen Widrigkeiten in ihrer Größe und globalen Bedeutung zu überwinden. Das öffentliche Vertrauen aufrecht zu erhalten ist entscheidend für die soziale Solidarität, das Verhältnis von sozialen Gemeinschaften untereinander und für internationalen Frieden und Stabilität.
Nationen halten zusammen und blühen auf in dem Vertrauen, dass ihre Institutionen Katastrophen vorhersehen, ihre Wucht aufhalten und Stabilität wieder herstellen können. Wenn die Covid-19 Pandemie vorüber ist, wird das Versagen der Institutionen vieler Länder zu Tage treten. Ob dieses Urteil objektiv fair ist ist irrelevant. Die Realität ist, dass die Welt nach dem Coronavirus nicht mehr dieselbe sein wird. Jetzt zu argumentieren nur auf Erfahrungen der Vergangenheit macht es umso härter das zu tun, was getan werden muss.
Das Coronavirus hat mit beispiellosem Ausmaß und Brutalität zugeschlagen. Sein Wachstum ist exponentiell: Die U.S. Infektionszahlen verdoppeln sich alle fünf Tage. Während ich dies schreibe, ist noch kein Heilmittel bekannt. Die medizinische Unterstützung ist nicht ausreichend um mit den sich ausweitenden Wogen der Infektionen Schritt halten zu können. Intensiv-Pflege Einheiten sind kurz davor und danach überflutet zu werden. Testen allein ist nicht ausreichend gegenüber der Aufgabe das Ausmaß der Infektion einzugrenzen, ganz zu schweigen davon die Verbreitung umzukehren. Ein erfolgreicher Impfstoff könnte noch 12 bis 18 Monate entfernt sein.
Die U.S. Administration hat einen soliden Job gemacht indem sie die unmittelbare Katastrophe verhindert hat. Der ultimative Test wird sein, ob die Ausbreitung des Virus gestoppt und dann umgekehrt werden kann in einem Maße und einer Breite, dass das öffentliche Vertrauen in Amerikas Fähigkeit sich selbst zu regieren aufrecht erhalten werden kann. Die Anstrengung der Krise, wenn auch gewaltig und nötig, darf nicht die dringende Aufgabe verdrängen, parallel dazu eine Unternehmung zu starten für den Übergang in die Post-Coronavirus Ordnung.
Führer behandeln die Krise auf breiter nationaler Ebene, aber die gesellschafts-auflösenden Effekte des Virus kennen keine Grenzen. Während der Angriff auf die menschliche Gesundheit hoffentlich nur temporär bleiben wird, könnte der politische und ökonomische Umbruch, den er ausgelöst hat, über Generationen andauern. Kein Land, selbst nicht die USA, kann mit einer rein nationalen Anstrengung den Virus überwinden. Die Notwendigkeiten des Augenblicks müssen entsprechend ultimativ mit Vision und Programm zu globaler Zusammenarbeit verbunden werden. Wenn wir nicht beides gleichzeitig machen können, werden wir das Schlimmste von beiden zuerst in Angriff nehmen.
Indem wir die Lektionen von der Entwicklung des Marshall-Planes und des Manhatten-Projektes uns zu Nutze machen, sind die USA verpflichtet einen Kraftakt auf drei Gebieten in Angriff zu nehmen.
Erstens, weltweite Verstärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Infektionskrankheiten. Triumphe der Medizin, wie der Polio Impfstoff und die Ausrottung der Pocken oder aus statistischer Technik und zunehmender künstlicher Intelligenz hervorgehende verbesserte Diagnosen haben uns in einer gefährlichen Selbstzufriedenheit eingelullt. Wir müssen neue Techniken und Technologien zur Infektions-Kontrolle und entsprechende Impfstoffe für breite Bevölkerungsschichten entwickeln. Städte, Staaten und Regionen müssen sich übereinstimmend vorbereiten um ihre Bevölkerung vor Pandemien durch Bevorratung, kooperative Planung und Forschung bis an die Grenzen der Wissenschaft, zu schützen.
Zweitens, Anstrengungen die Wunden der Weltwirtschaft zu heilen. Globale Führer haben wichtige Lektionen durch die Finanzkrise 2008 erhalten. Die aktuelle Krise ist wesentlich komplexer: Die vom Coronavirus ausgelöste Rezession ist in Geschwindigkeit und globaler Ausdehnung bedeutender als Alles bisher je Dagewesene. Nötige Maßnahmen für die öffentliche Gesundheit, wie die Einschränkung sozialer Kontakte, Schul- und Unternehmens-Schließungen tragen zur wirtschaftlichen Not bei. Programme sollten also versuchen die Auswirkungen des bevorstehenden Chaos auf die weltweit verletzlichsten Bevölkerungsschichten zu verbessern.
Drittens, Sicherung der Prinzipien der liberalen Welt-Ordnung. Die Gründungslegende moderner Regierungen ist eine von Mauern umgebene Stadt, geschützt von mächtigen Fürsten, manchmal despotisch, zu anderen Zeiten gütig, aber stets stark genug um das Volk von einem externen Feind zu schützen. Die Denker der Aufklärung deuteten dieses Konzept um, argumentierend, dass die Aufgabe eines Rechts-Staates darin besteht dem Volk die fundamentalen Güter zur Verfügung zu stellen: Sicherheit, Ordnung, wirtschaftlichen Wohlstand und Gerechtigkeit. Individuen können diese Dinge nicht durch sich selber sicherstellen. Die Pandemie hat einen Anachronismus wieder aufgerufen, ein Wiederaufleben der mauerumgebenen Stadt zu einer Zeit wo Wohlstand abhängt von weltweitem Handel und Personenverkehr.
Die Demokratien der Welt müssen ihre Werte der Aufklärung verteidigen und unterstützen. Ein weltweiter Rückzug vom Gleichgewicht der Kräfte mit Rechtmäßigkeit wird zur Folge haben, dass der soziale Vertrag beiderseits explodiert, innenpolitisch und international. Aktuell kann diese Jahrtausend-Herausforderung von Rechtmäßigkeit und Macht nicht gleichzeitig entschieden werden mit der Anstrengung, die Covid-19 Plage zu überwinden. Einschränkung ist auf allen beiden Seiten nötig, innenpolitisch und auf Seiten internationaler Diplomatie. Prioritäten müssen festgelegt werden.
Wir kamen vom Kampf in den Ardennen in eine Welt mit wachsendem Wohlstand und erweiterter Menschenwürde. Jetzt leben wir in einer epochalen Periode. Die historische Herausforderung für Führer besteht darin, die Krise zu managen, während die Zukunft aufgebaut wird. Ein Scheitern könnte die Welt in Brand setzen.
Originaltext
Quelle:
Wall Street Journal
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Im Suk der Experten

Von Eduard Kaeser, „journal21“
Den Lockdown lockern ja, aber wie weit und wie schnell? Für jede der widerstreitenden Ansichten gibt es eine Expertenmeinung. Wie orientiert man sich da?
Zurzeit haben bekanntlich Experten das Wort. Wir hören gebannt, was sie zu sagen haben, aber zugleich wächst auch die Skepsis gegenüber ihren Ratschlägen und ihrer Legitimität. Man hört Unkenrufe über eine Expertokratie oder „Medicokratie“, über den „virologischen Imperativ“, gar über einen von Epidemiologen definierten Ausnahmezustand. Immer regt sich dabei eine gewisse Indigniertheit gegenüber einer „staatlichen Bevormundung“ des souveränen Bürgers, der doch selber wisse, was er zu tun habe und wie er sich verhalten solle.
Wir befinden wir uns zweifellos in einem Suk der Experten. Kein Politiker, kein Konzern, keine Organisation, die auf lokaler oder globaler Bühne ihren Part spielen möchte, kann heute noch auf das Expertenurteil verzichten. Das zieht sich mittlerweile bis in unseren Alltag hinein. Die Regale der Buchhandlungen biegen sich unter der Last der Ratgeber. Wie es scheint, gibt es vor, während und selbst nach dem Leben kaum noch etwas, worüber nicht schon Expertenmeinungen abgesondert worden wären.
Schwindendes Vertrauen in Experten
Nun beschleicht einen schnell der paradoxe Eindruck, dass proportional zur Expertenschwemme das Vertrauen in die Leute vom Fach schwindet. Ein zentraler Grund liegt darin, dass sich das Verhältnis des kritischen Bürgers zur Wissenschaft generell gewandelt hat. Lange Zeit war diese Beziehung geprägt von einem Idealbild des Wissenschafters auf erhöhtem Podest, der – eigentlich gar nicht von dieser Welt – uns sagt, wie die Welt wirklich tickt. Noch Einstein konnte seinesgleichen zu „Tempeldienern“ der reinen Erkenntnissuche hochstilisieren.
Uns Heutigen erscheint dieses Bild zunehmend als Augenwischerei, vielleicht aus enttäuschten Erwartungen in ein wissenschaftliches Ethos, das sich regelmässig diskreditiert sieht. Wir sind irritiert, wenn uns die eine Studie Kohlenhydrate empfiehlt, die andere davon abrät. Wir sind indigniert, wenn ein Mediziner wie Andrew Wakenfield 1998 einen Zusammenhang zwischen Autismus und einem Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln konstruiert, nur um diesen Impfstoff im Auftrag einer Interessengruppe in Misskredit zu bringen.
Wie viel Expertentum verträgt eine liberale Demokratie überhaupt? Politiker müssen immer mehr Entscheidungen auf der Grundlage von Kompetenzen treffen, die sie selber nicht haben, sondern an moderne wissenschaftliche „Geheimräte“ delegieren. Sie sind abhängig von Ausschüssen, Stäben, Kommissionen, deren Zusammensetzung sich vielfach einer demokratischen Kontrolle entzieht. Zudem spielt hier so etwas wie eine gegenseitige Verführung hinein: Wenn Politiker ihre Entscheidungen auf wissenschaftliche Basis stellen, dann können sie sich dabei verleitet fühlen, auch einen Teil ihrer Verantwortung an die Wissenschafter zu delegieren; was wiederum diese verleiten kann, unter dem Mantel der neutralen Expertise Verfügungsgewalt auszuüben, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden.
Gerade weil Politik und Wissenschaft untrennbar verflochten sind, sollte man die Legitimitäten klar trennen: Politiker sind (auf Zeit) legitimiert, Entscheidungen für die Gesellschaft zu treffen, Wissenschafter nicht. Wissenschafter sind legitimiert, z. B. die Schadstoffkonzentration in der Luft festzustellen. Sie können daraus legitimerweise gewisse Szenarien für die Gesellschaft ableiten und womöglich gewisse Massnahmen empfehlen. Aber sie können nicht legitimerweise selber Schadstoffgrenzen festsetzen. Denn dies ist letztlich ein politisches (demokratisches), kein wissenschaftliches Problem: Welche Luft wollen wir? Suchte Wissenschaft solche Fragen zu entscheiden, so überforderte, ja, missbräuchte sie ihre Legitimität. Ohnehin riskiert Wissenschaft ihre Vertrauenswürdigkeit, wenn sie sich zu sehr in die öffentliche Sache – ein Minenfeld von Normen, Interessen, Vorurteilen – einmischt. Was umso schwerer wiegt, als eine offene Gesellschaft auf das Vertrauen in die Wissenschaft baut.
Der Wissensbürger
Eine demokratische Wissensgesellschaft braucht deshalb einen neuen Typus Bürger: den Wissensbürger, Menschen also, die sich nicht nur durch ein Mindestmass an wissenschaftlicher – und wissenschaftstheoretischer! – Bildung auszeichnen, sondern über wissensbürgerliche Kompetenzen verfügen. Ein entsprechendes Unterscheidungsvermögen scheint mir vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie an Gewicht zu gewinnen: Wie unterscheiden wir den Experten vom Nicht- oder Pseudo-Experten?
Darauf gibt es keine einfache und allgemeine Antwort. Expertise ist ein weites Feld. Und genau aus diesem Grund werden wissensbürgerliche Kompetenzen im Suk der Experten in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen. Das meiste, was wir wissen, glauben wir zu wissen. Das erscheint heute unumgänglich. Aber wir sollen qualifiziert glauben.
Qualifizierter Glaube beruht auf einer scheinbar paradoxen Mischung aus Skepsis und Vertrauen gegenüber dem täglichen Ausstoss an Wissen. Er bedeutet, dass der Wissensbürger sich nicht für dumm verkaufen lässt von Lobbyisten, die ihm erzählen, gewisse wissenschaftliche Debatten seien noch nicht abgeschlossen. Der Wissensbürger misstraut Erklärungen, die komplexe Phänomene auf simple Kausalmechanismen oder patente Kalkulationen reduzieren. Er vertraut dem Expertenurteil, das ihm Lösungen als Handlungsoptionen verständlich offeriert und nicht als Handlungzwänge („Fakten“) auferlegt. Er schenkt dem Wissenschafter Glauben, der – um hier Bismarks berühmtes Wort aus der Politik zu übernehmen – als „ehrlicher Makler“ des Wissens auftritt.
Eine Wissens- und Vertrauensgemeinschaft
Das Informationszeitalter mutiert insgeheim zu einem Zeitalter der Desinformation. Die Überinformiertheit macht uns nicht kognitiv autonomer, sondern vielmehr abhängiger vom Urteil anderer Leute oder auch künstlicher Ratingsysteme. Der Appell an die Autorität erstarkt. Aber an welche? Als tendenziell fatal stellt sich jetzt heraus, dass die Wissenschaft in der Postmoderne an Autorität eingebüsst hat – aus welchen Gründen auch immer. Sie muss sich mit pseudo- und parawissenschaftlichen „Autoritäten“ messen, mit medialen Schlaubergern und Schlitzohren, mit Ideologen und politischen Fatzkes. Und dies ausgerechnet in einer Situation, in der wir – nicht nur politische Entscheidungsträger, sondern jede Bürgerin und jeder Bürger – vital auf „gesunde“ Informationen angewiesen sind.
Sheila Jasanoff, Professorin für Wissenschaftspolitik an der Harvard University, hat schon in den 1990er-Jahren das Ideal einer Wissens-und Vertrauensgemeinschaft in die Diskussion gebracht. Eine Gemeinschaft, die für sich bestimmte Verbindlichkeiten ausgehandelt hat und diese nun in Wissen umzusetzen sucht. Nur so lasse sich verhindern, dass der unvermeidbare Dissens der Experten in lange und gesellschaftlich unfruchtbare Debatten ausarten würde. Der viel gehörte Ruf „mehr Forschung“ ist zwar wichtig, aber zuviel Forschung kann die politische Entscheidungsfindung hemmen oder auf die lange Bank schieben. Wissenschaft öffnet uns bestenfalls die Augen, aber sie begründet keinen „zwingenden“ politischen Gang. Wer so etwas beansprucht, ist entweder ein Ignorant oder ein Ideologe (oder meist beides).
Das Expertentum eigener Erfahrung
Nicht zuletzt aber löckt der Wissensbürger immer wieder mit der subversiven kleinen Frage gegen den Stachel der Expertise: Sind wir Laien denn wirklich so inkompetent, dass wir stets und überall die Meinung des Experten einholen müssen? Sind wir nicht selber auch Experten im alten Sinn des Wortes „expertus“, was so viel bedeutet wie „erfahren sein“? Genau darum geht es nämlich: die „Expertise“ eigenen Lebens, eigenen Denkens und Handelns einzufordern und zu fördern. Sie ist die schlechteste nicht. Und vor allem ist sie unverzichtbar. Denn gewisse Probleme sind zu ernst, um der Wissenschaft allein überlassen zu werden.
Vor allem aber geht es nicht bloss um die Frage, ob wir mit hinreichender Genauigkeit und Gewissheit die Zukunft voraussehen können, sondern darum, dass wir einen gewissen Common Sense nicht verlieren, der uns lehrt, nicht nur traditionelle und liebgewordene Perspektiven zu hätscheln, sondern sie auch zu verabschieden, wenn es an der Zeit ist. Das Risiko der Wissensgesellschaft lauert nach wie vor in jenem Zustand, aus dem zu befreien sie uns verspricht: in einer neuen selbstverschuldeten Unmündigkeit des Menschen.
Originaltext
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Das Coronavirus erweckt den Menschen in uns

von Leonardo Boff 
Die Coronavirus-Pandemie zwingt uns alle zum Nachdenken: Was zählt wirklich: Leben oder materielle Güter? Der Individualismus eines jeden für sich allein, ohne sich um den anderen zu kümmern, oder die Solidarität des einen mit dem anderen? Können wir die natürlichen Güter und Dienstleistungen gedankenlos weiter nutzen, um bequemer zu leben, oder können wir uns um die Natur, die Vitalität von Mutter Erde und um das Gute Leben kümmern, nämlich die Harmonie zwischen und mit allen Wesen der Natur? Hat es sich jemals für die kriegsliebenden Länder gelohnt, immer mehr Massenvernichtungswaffen anzuhäufen, jetzt, da sie vor einem unsichtbaren Virus in die Knie gezwungen werden, das die Ineffizienz all dieses tödlichen Apparats offenbart? Können wir unseren konsumbetonten Lebensstil fortsetzen und grenzenlosen Reichtum in den Händen Weniger auf Kosten von Millionen armer und elender Menschen anhäufen? Ist es immer noch sinnvoll, dass jedes Land seine Souveränität gegenüber anderen Ländern bekräftigt, während wir eine globale Regierung brauchen, um globale Probleme zu lösen? Warum haben wir immer noch nicht das einzigartige Gemeinsame Haus, Mutter Erde, und unsere Pflicht entdeckt, uns um sie zu kümmern, damit wir alle, die Natur eingeschlossen, darin Platz finden?
Das sind Fragen, denen wir nicht ausweichen können. Niemand hat die Antworten. Ein Sprichwort, das Einstein zugeschrieben wird, ist jedoch wahr: “Die Weltsicht, die die Krise verursacht hat, kann nicht die gleiche sein wie die, die uns aus der Krise führt”. Wir müssen uns drastisch ändern. Das Schlimmste wäre, wenn alles würde wie zuvor, mit der gleichen konsumbetonten und spekulativen Logik, möglicherweise mit noch größerer Heftigkeit. Dann, vielleicht, weil wir nichts gelernt haben, würde uns die Erde ein weiteres Virus schicken, das möglicherweise dem katastrophalen menschlichen Projekt ein Ende setzen könnte.
Doch wir können den Krieg, den das Coronavirus weltweit hervorruft, aus einem anderen, positiven Blickwinkel betrachten. Das Virus zwingt uns, unsere tiefste und authentischste menschliche Natur zu entdecken. Unsere Natur ist zweideutig, gut und schlecht. Schauen wir uns die gute Seite an.
In erster Linie sind wir Wesen, die in Beziehungen miteinander stehen. Wir sind, wie ich schon mehrfach erwähnt habe, ein Knoten totaler Beziehungen in alle Richtungen. Folglich ist niemand eine Insel. Wir neigen dazu, Brücken in alle Richtungen zu bauen.
Zweitens, was daraus folgert, sind wir alle aufeinander angewiesen. Der afrikanische Ausdruck “Ubuntu” drückt es gut aus: “Ich bin ich selbst durch dich”. Folglich ist jeder Individualismus, die Seele der kapitalistischen Kultur, falsch und menschenfeindlich. Das Coronavirus ist ein Beweis dafür. Die Gesundheit des einen hängt von der Gesundheit des anderen ab. Diese gegenseitige Abhängigkeit, bewusst übernommen, wird Solidarität genannt. In einer anderen Zeit ermöglichte uns die Solidarität, die anthropoide Welt zu verlassen, und half uns, menschlich zu werden, zusammenzuleben und einander zu helfen. In diesen Wochen haben wir bewegende Gesten wahrer Solidarität gesehen, bei der nicht nur Überflüssiges gespendet wird, sondern das geteilt wird, was man besitzt.
Drittens sind wir im Grunde genommen fürsorgliche Wesen. Ohne Fürsorge, vom Augenblick unserer Zeugung an durch das ganze Leben hindurch, könnte niemand leben. Wir müssen für alles sorgen: für uns selbst, sonst könnten wir krank werden und sterben; wir müssen uns um die anderen kümmern, um die, die mich retten könnten, oder ich könnte sie retten; ich muss mich um die Natur kümmern, sonst wird sie mit einem schrecklichen Virus, verheerenden Dürren und Überschwemmungen, extremen Wetterereignissen über uns kommen; uns um Mutter Erde kümmern, damit sie uns weiterhin alles gibt, was wir zum Leben brauchen, und damit sie uns immer noch auf ihrem Boden haben will, auch wenn wir sie seit Jahrhunderten erbarmungslos verwundet haben. Gerade jetzt, unter dem Angriff des Coronavirus, müssen wir alle für die Schwächsten sorgen, zu Hause bleiben, soziale Distanz wahren und uns um die sanitäre Infrastruktur kümmern, ohne die wir eine humanitäre Katastrophe biblischen Ausmaßes erleben würden.
Viertens stellen wir fest, dass wir alle mitverantwortlich sein müssen, das heißt, uns der positiven oder böswilligen Folgen unserer Handlungen bewusst zu sein. Leben und Tod liegen in unseren Händen, Menschenleben, soziales, ökonomisches und kulturelles Leben. Es reicht nicht, dass der Staat oder ein paar Leute Verantwortung zeigen. Es muss die Verantwortung aller sein, denn wir sind alle betroffen, und jeder von uns kann den anderen schaden. Wir alle müssen die Ausgangssperre akzeptieren.
Letztendlich sind wir spirituelle Wesen. Wir entdecken die Kraft der spirituellen Welt, die uns in der Tiefe ausmacht, wo große Träume geschaffen werden, wo die ultimativen Fragen über den Sinn unseres Lebens entstehen und wo wir das Gefühl haben, dass es eine liebevolle und machtvolle Energie gibt, die alles durchdringt; eine Energie, die den Sternenhimmel und unser eigenes Leben aufrechterhält, worüber wir nicht die volle Kontrolle haben. Wir können uns dieser Energie öffnen, sie wie in einer Wette willkommen heißen, darauf vertrauen, dass diese Energie uns in ihrer Hand Geborgenheit verleiht und trotz aller Widersprüche ein gutes Ende für das ganze Universum garantiert, für unsere Geschichte, die sowohl weise als auch verrückt ist, und für jeden von uns. Wenn wir diese spirituelle Welt kultivieren, fühlen wir uns stärker, fürsorglicher, liebevoller und schließlich auch menschlicher.
Mit diesen Werten besitzen wir die Fähigkeit zu träumen und eine andere Art von Welt zu schaffen: eine Welt, die sich um das Leben dreht, in der die Wirtschaft, geleitet durch eine andere Raison, eine weltweit integrierte Gesellschaft unterstützt, die mehr durch affektive Bündnisse gestärkt wird als durch rechtliche Verträge. Es wird die Gesellschaft der Fürsorge, der Sanftmut und der Lebensfreude sein.
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Veröffentlicht unter Éthnos, Bewußtsein, Einheit der Menschen, Entfaltung der Menschenwürde, Kultur-Leben, Menschenwürde, Rechts-Leben, Soziales Leben, Transformation, Wirtschafts-Leben, Zum Aufwachen | Kommentar hinterlassen

Frivoles Spiel mit unserer Zukunft

„Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit“
Klaus Madersbacher, „antikrieg“
Mit einer Mischung von Diktatur und geschürter Massenhysterie werden wir – wir im deutschen Sprachraum und in großen Teilen der westlichen „Wertegemeinschaft“ seit kurzer Zeit tyrannisiert und in einer Situation gehalten, die jeglicher Vorstellung von Rechtsstaat und Demokratie direkt ins Gesicht schlägt.
Sind unsere Regierungen überfordert? Sind sie zu dumm? Sind sie bestochen und gekauft?
Angesichts der sichtlich professionellen Inszenierung einer ungeheuren Krise mit Beraterstäben, Experten, und wie neuerdings bekannt wurde, Werbeagenturen, kommen immer mehr Zweifel an der Redlichkeit und Kompetenz der Handelnden auf.
Experten, die in einem finanziellen Naheverhältnis stehen zu Bill Gates, der alle Menschen impfen will, auf dass sie gerettet werden und dass es ihnen wohl ergehe; Experten, die Angst und Schrecken verbreiten mit hochgerechneten Hausnummern, die den immer deutlicher ans Licht kommenden Tatsachen in keiner Weise standhalten können? Experten, die verkünden, dass man mit der Aufhebung des allgemeinen Ausnahmezustands noch jahrelang warten müsse, bis die vom reichsten Mann der Welt und Menschenfreund Bill Gates projektierte Impfung verfügbar sei – eine völlig wahnwitzige Vorstellung, die diese sogenannten „Experten“ an sich schon als billige/vielleicht auch teure Lockvögel disqualifiziert.
Zum Beispiel, dass es sich bei der – von der von Bill Gates und seiner „Stiftung“ mitfinanzierten – Weltgesundheitsorganisation WHO ausgerufenen „Pandemie“ um eine ziemlich harmlose Art von grippalem Infekt handelt, der höchstens für eine kleine Anzahl von sehr alten Menschen, die bereits an schweren/tödlichen Krankheiten leiden, ein zusätzliches Risiko birgt, dessen Ausmaß noch kaum erfasst worden ist. Wissenschaft im Sinne von Wissen, sprich belegbaren/beweisbaren Fakten, spielt sichtlich keine Rolle, wenn etwa genaue Untersuchungen von Gestorbenen hintertrieben werden, unter anderem etwa durch sofortige Verbrennung der Leichen. Mittlerweile haben Ärzte, die bei diesem Spiel nicht mitmachen, Fakten gesammelt, die ein ganz anderes Bild ergeben als das von den Regierenden und ihren Handlangern und Sprachrohren verbreitete (siehe mehr dazu auf coronaversteher.com).
Was bringt die Regierenden dazu, sich an diese „Experten“ zu klammern?
Ich werde mich hüten, hier irgendwelche „Verschwörungstheorien“ zum Besten zu geben, da soll sich jeder selber denken, was er will. Dass ein Treiben hinter verschlossenen Türen, das laufend zu grotesken und dubiosen Ergebnissen führt, nicht geeignet ist, Vertrauen zu erwecken, sollte man eventuell mit den Beratern, Experten, Werbeagenturen usw. klären. Auftritte mit amateurhaftem Virologensprech und Durchhalteparolen werden auf Dauer kaum geeignet sein, die Menschen bei der Stange zu halten.
Als einen der wenigen, die mit einer wirklich gefährlichen virusbedingten Seuche, nämlich den Pocken und deren Ausrottung zu tun hatten, kann mich das ganze Affentheater um eine relativ harmlose Art von Grippe nicht beeindrucken. Die WHO war damals in den 1970er Jahren noch kein von Oligarchen wie Bill Gates gekaufter Laden, sondern diente irgendwie noch dem Wohl der Menschheit. Wie man sieht, haben sich die Zeiten geändert.
Es ist ja gut und recht, wenn einer der reichste Männer der Welt Gutes tun – „seinen Reichtum den Menschen zurückgeben“ will, wie er behauptet. Nur geht das nicht so einfach – sich das Wohl der Menschheit zu kaufen, ohne diese auch nur zu fragen, geschweige denn mit einzubeziehen, wird nicht gehen. Warum er seinen Reichtum nicht einfach verteilt? Das wird wohl nicht gehen, wahrscheinlich werden „die Menschen“ zu dumm sein, um einen „gescheiten“ Umgang mit so viel Geld zu bewältigen, wie der wirklich Reiche „weiß“.
Unseren Regierenden macht das wohl auch nix aus, dumm wie sie sind. Oder gekauft wie sie sind.
Das widerliche Treiben mit irgendwelchen aus der Luft gegriffenen Terminen, bis zu denen diese oder jene „Lockerung“ des verfassungswidrigen/grundgesetzwidrigen Zustandes gnädigerweise gewährt werden könne, weist darauf hin, dass eine Aufrechterhaltung dieses Zustands gewünscht ist.
Nun, was für ein Zustand ist das?
Ein Zustand, der jegliche Kommunikation unter den Menschen unterbindet, die darauf gerichtet ist, sich gegen die Obrigkeit zu Wehr zu setzen. Aus der Sicht der Obrigkeit, des Staates, des „Tiefen Staates“, der Regierung, der Herrschenden ist das ja ganz in Ordnung.
Die Menschen stehen unter Hausarrest und können sich nicht frei bewegen.
Nicht nur unter behördlich angeordnetem Hausarrest, sondern weil ihnen ihre geliebte Regierung ins Hirn gedrückt hat, dass sie zuhause bleiben müssen, um „Leben zu retten“.
Die infame Verdrehung, dass man dafür sorgen müsse, dass angesichts der verheerenden Pandemie genügend Krankenhausbetten zur Verfügung stehen, also dass es um Leben und Tod geht, hat dazu geführt, dass die Krankenhäuser Kapazitäten freihalten mussten, anstatt ihren Aufgaben gerecht zu werden.
Dieser „Logik“ entsprechend war es zum Beispiel in Tirol verboten, sich auf den Bergen zu bewegen, um nicht durch Bergunfälle Betten für Corona-Patienten zu blockieren. Na ja, was soll man da sagen? Gott segne diese Regierung, die wirklich auf die Menschen schaut und für sie sorgt?
Für derlei „Hochrechnungen“ braucht man nix als ein gewöhnliches Excel-Programm, in das man die gewünschten Formeln eingibt und dann mit irgendwelchen Hausnummern füttert. Ich kenne das und habe auch schlechte Erfahrungen damit gemacht, weil diese Prozedur nur zu leicht dazu verführt, sich einem Wunschdenken hinzugeben. Welche Wünsche die Regierenden verfolgen, weiß ich nicht.
Nicht unerwähnt bleiben soll die Rolle der Sudelmedien, die bekanntlich irgendwelchen Oligarchen/Konzernen gehören. Immer günstig für diese Art von „Nachrichtenmedien“ sind Dinge wie „Ballermann“ Ischgl, einer „Drehscheibe“ für die Pandemie. Nun gibt´s aufgrund der „Pandemie“ – sprich Massenhysterie – bereits Klagen vor Gericht.
Fortsetzung demnächst …
„Die größte Bedrohung für die Freiheit ist ein untätiges Volk.“
Richter am Obersten Gerichtshof Louis D. Brandeis
Originaltext
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Die Gefahr, die aus der Kälte kommt

Jürg Müller-Muralt, „infosperber“
Seit Jahren warnen Forschende vor Keimen in den auftauenden Permafrostböden. Vielleicht hört man ihnen jetzt besser zu.
«Corona und der Klimawandel haben kaum etwas gemein»: So lautet der Titel eines Kommentars in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) von Anfang April 2020. Natürlich: Man kann den von verschiedenen Städten ausgerufenen Klimanotstand mit dem gegenwärtigen Pandemie-Notstand nicht vergleichen. Trotzdem besteht ein innerer Zusammenhang zwischen der Corona-Pandemie und dem ökologischen Zustand der Erde. «Neue Krankheiten wie Covid-19 entstehen, weil das Ökosystem aus dem Gleichgewicht ist»: So leitet – ebenfalls – die NZZ in der Printausgabe ein Interview mit Gertraud Schüpbach ein, Professorin für Veterinary Public Health an der Universität Bern.
Verschwundene Virenbarrieren
Die Wochenzeitung (WOZ) macht auf die nicht mehr existenten Virenbarrieren aufmerksam und verweist auf den US-amerikanischen Virologen Nathan Wolfe und sein Buch «Virus. Die Wiederkehr der Seuchen». Wenn immer mehr Menschen in Regionen mit einer mikrobiellen Vielfalt Wildtiere jagen würden, kämen zwangsläufig viele mit neuen Erregern in Kontakt: «Erreger, die den ganzen Planeten verheeren können.» Die Armut in diesen Gegenden werde «sehr unmittelbar zu unser aller Problem», konstatiert Wolfe. Die Pandemien, so schreibt die WOZ, «haben also viel mit der Globalisierung zu tun, die riesige Ökosysteme fundamental verändert hat. Die Welt wurde mit Strassen und Flugplätzen überzogen, viele natürliche Virenbarrieren sind durch die beschleunigte Mobilität verschwunden. Die Viren kennen keine Grenzen, weder geografisch noch bezüglich Arten. Sie mutieren ständig und nehmen, was gerade passt.»
Der Berner Klimaforscher Heinz Wanner wiederum macht auf Infosperber darauf aufmerksam, dass die Corona-Pandemie Ausdruck einer ökologischen Verbundkrise sei. Wanner zählt gleich mehrere Gründe auf: Klimawandel, Luft- und Gewässerverschmutzung, Monokulturen, Wohndichte und enge Käfighaltung von Tieren.
Uralte Viren und Bakterien
Wenig geschrieben wird derzeit jedoch über Pandemie-Gefahren ganz anderen Ursprungs. Und da die Wahrscheinlichkeit verheerender Seuchen in der jüngsten Vergangenheit unterschätzt worden ist, wie die aktuelle Krise zeigt, lohnt es sich, einmal mehr auf eine schlummernde Gefahr aufmerksam zu machen – auf eine Gefahr, die sehr direkt mit der Klimaerwärmung zu tun hat. Immer wieder hat es in den vergangenen Jahren warnende Stimmen aus der Wissenschaft gegeben, die sich mit der Frage beschäftigten: Was würde passieren, wenn wir plötzlich tödlichen Bakterien und Viren ausgesetzt wären, die es seit Tausenden von Jahren nicht mehr gibt oder denen wir noch nie begegnet sind? «Vielleicht sind wir dabei, dies herauszufinden. Der Klimawandel lässt Permafrostböden schmelzen, die seit Tausenden von Jahren gefroren sind, und wenn die Böden schmelzen, setzen sie uralte Viren und Bakterien frei, die wieder zum Leben erwachen», heisst es beispielsweise in einem Beitrag der britischen BBC.
«Die unbewohnbare Erde»
Einer, der diese Gefahr eindrücklich dokumentiert hat, ist David Wallace-Wells, stellvertretender Chefredaktor des New York Magazine. Unter dem Titel «Die unbewohnbare Erde» hat er 2017 einen Artikel (siehe Infosperber-Beitrag) und 2019 ein gleichnamiges Buch publiziert. Der Autor beschreibt darin die schlimmstmöglichen Folgen der Klimaerwärmung. Er hat mit Dutzenden von Klimatologen und anderen Wissenschaftlern Interviews geführt und Hunderte von Studien zum Klimawandel verarbeitet. Das Resultat ist ein Text, der mit Informationen und Szenarien aufwartet, die wohl die meisten Menschen bisher in dieser Art kaum durchdacht haben: «Ganz egal, wie gut informiert Sie sind, ausreichend alarmiert sind Sie nicht», schreibt der Autor.
Zu den Gefahren des auftauenden Permafrosts hält Wallace-Wells fest, dass im arktischen Eis Krankheiten steckten, die seit Millionen Jahren nicht mehr in der Luft zirkulieren – einige davon gingen schon um, bevor es Menschen gab, die ihnen hätten ausgesetzt sein können. «Das bedeutet, dass unser Immunsystem keine Ahnung hätte, wie es diese prähistorischen Krankheiten abwehren sollte, sollten sie wieder freigesetzt werden.»
Viele Unbekannte beim Klimawandel
Doch nicht nur in der Arktis lauern Gefahren. Furchterregende Keime sind im Permafrost auch aus jüngerer Zeit gespeichert. In Alaska haben Forscher bereits Überreste der Grippeviren von 1918 (Spanische Grippe) gefunden, die Millionen Menschen infizierten und die bis zu 100 Millionen Menschen das Leben kostete.
In Sibirien wurde 2016 ein Fall bekannt, bei dem sich zuerst Rentiere und dann Menschen mit Milzbrand infizierten. Laut Professor Warwick F. Vincent von der Laval University in Quebec ist eines der bemerkenswertesten Beispiele für solche Krankheitserreger das Bakterium Anthrax. Auf der Halbinsel Jamal in der russischen Arktis starben durch die Infektion mit Anthrax-Bakterien und Sporen etwa 2600 Rentiere. Polarjournal.ch schreibt, der Erreger sei wahrscheinlich im warmen Sommer durch das Auftauen einer alten Grabstätte mit Rentierkadavern freigesetzt worden; 36 Rentierhirten hätten sich ebenfalls infiziert. «Es ist nur ein weiteres Beispiel dafür, dass es so viele Unbekannte im Zusammenhang mit dem Klimawandel gibt. Wir wissen, dass wir am Rande grosser Veränderungen im Norden stehen und das ist ein weiterer Prozess, den wir sehr genau beobachten sollten».
Infektionen durch ausgestorbene Tierarten?
In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau vom 11.09.2016 sagte der Infektiologe Christoph Stephan vom Universitätsklinikum Frankfurt: «Infektionen durch Sporen bildende Bakterien haben im Tierreich eine grosse Bedeutung. Wenn zum Beispiel Milzbrand-Erreger auftauen und an die Oberfläche gelangen, können sie zunächst Tiere befallen, die dann auch Menschen anstecken – etwa wenn sich die Sporen im Fell festsetzen und von Menschen, die Kontakt mit den Tieren haben, eingeatmet werden. Daraus kann sich dann ein Lungenmilzbrand entwickeln.» Es sei denkbar, dass selbst Sporen längst ausgestorbener Tierarten – etwa Mammuts – Infektionen auslösen könnten; denn Sporen seien «überaus widerstandsfähig und können in gefrorenen Böden über einen sehr langen Zeitraum überleben.»
Sorgen um globale Gesundheitsrisiken
Das Polarjournal.ch berichtete am 22.11.2019 von einer Konferenz mit 55 Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen in Hannover im November 2019, bei der es um das bessere Verständnis der globalen Gesundheitsrisiken durch arktische Mikroorganismen ging. «Wir wissen, dass der Permafrost auftaut und dass die Menschen zunehmend in Kontakt kommen mit tauendem Permafrost, entweder direkt durch Aktivitäten an Land wie Jagd und Forschung oder indirekt durch Wildtiere. Und wir wissen, dass Permafrost eine Vielzahl von Viren und Bakterien enthält. Und wir wissen auch, dass nicht alle Viren und Bakterien gesundheitsgefährdend für Tiere und Menschen sind, und es ist wichtig, die gefährlichen vom breiteren Mikrobiom, den anderen Mikroorganismen, unterscheiden zu können», wird Joshua Glasser zitiert, Aussenbeauftragter des Büros für Ozeane und internationale Umwelt- und Wissenschaftsangelegenheiten des US-Aussenministeriums.
Indikatoren genau beobachten
Für Susan Kutz, Wildtierärztin und Professorin an der University of Calgary, ist es äusserst wichtig, diese Veränderungen richtig überwachen zu können. Sie beschäftigt sich seit den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Krankheiten unter arktischen Wildtieren. Im Polarjournal.ch wird sie wie folgt zitiert: «Ungewöhnliche oder pathogene Keime, die aus dem Permafrost oder Eis auftauen, könnten die ersten Indikatoren für eine Veränderung der Tierwelt und der Gesundheit der Tiere sein. Da die Wildtiere über die gesamte Landschaft verteilt sind und auch dort weiden, wo Permafrost auftaut, könnten sie als Indikator und Frühwarnung für das Geschehen da draussen fungieren, bevor Keime Auswirkungen auf Menschen haben.»
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, so schreibt Polarjournal.ch, seien «angesichts der bereits realen und noch lauernden Gefahren für Mensch und Tier infolge des Auftauens der Permafrostböden» sehr besorgt. Die Konferenz von Hannover habe auch gezeigt, dass die Möglichkeiten derzeit unzureichend seien, die Gefahren zu bewältigen; deshalb sei schnelles Handeln angezeigt.
Unbekannte Viren aus der Tibet-Hochebene
Doch nicht nur in Alaska, in der Arktis und im sibirischen Permafrost verbergen sich potenziell gefährliche Keime. Auch im Eis der Tibet-Hochebene froren vor Jahrtausenden verschiedene unbekannte Viren ein. Virologen durchsuchten jüngst Eisbohrkerne, welche Klimaforscher 2015 aus dem Eis des Tibetplateaus gezogen hatten. Die Viren aus dem alten Tibeteis gehörten dabei zu 33 unterschiedlichen Virenpopulationen. Bloss vier dieser Viruspopulationen waren den Forschern bereits bekannt, den Rest definierten sie nach der genetischen Ausstattung als bisher unbekannte Virusgattungen, wie das Spektrum der Wissenschaft am 20.01.2020 schreibt. Auch das Wissenschaftsmagazin befürchtet, dass die vermehrt auftauenden Böden und Eisflächen eine bisher unbekannte Infektionsgefahr für Mensch und Tier darstellen. Denn schon seit einiger Zeit «häufen sich nicht nur anekdotische Hinweise darauf, dass in Russland verschiedene Krankheiten wie Tollwut, Hirnhautentzündungen und Zoonosen (von Tier zu Mensch und umgekehrt übertragbare Krankheiten, J.M.) zugenommen haben, seit Erreger vermehrt aus auftauenden Böden auftauchen».
Die Klimaerwärmung birgt also wohl noch weit mehr Gefahren als ansteigende Meeresspiegel, verheerende Stürme, Hitzesommer und Dürreperioden.

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Lockdown: Bald geht es wieder los – es bleibt, wie es ist!

Gesundheitliches Elend – kein Versagen, sondern Resultat systemimmanenter Logik

Der 1. Januar 1975 war der Tag des Weltuntergangs – der 03. Mai 2020 wird der Tag der Weltauferstehung.
Klaus Hecker, „Ublättle“
Die Zeugen Jehovas haben seinerzeit den 1. Januar 1975 als Datum des Weltuntergangs prophezeit. Dafür sind sie verlacht worden. Zu Recht. Merkel und Co. erklären den 03. Mai 2020 zum Tag der nationalen Wiederauferstehung. Dafür sind sie nicht verlacht worden. Zu Recht – aber leider aus falschen Gründen. Die ehrwürdige Wissenschaftsakademie Leopoldina hat in Gestalt von 26 Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Bereichen schon einmal den Weg gewiesen. Mehr Adelung politischer Beschlüsse mit diesem Verein im Hintergrund geht nicht: Hier hat der Weltgeist sich materialisiert.
Ich möchte im Folgenden allerdings dahingehend argumentieren, dass das, was hier scheinbar dem Reagenzglas von unseren Nationalvirologen Wieler und Drosten abgelauscht wurde und wird, dann durch Leopoldina geisteswissenschaftlich noch aufgestockt, sich einer ganz anderen eigentümlichen Mixtur gesellschaftlich gültiger Kriterien verdankt. Ziemlich weit vorne dabei (Ganz oben auf der Liste): Wie steht’s mit der Gewinnmaximierung und dem Ausbeutungsmaterial, das es dafür braucht – in diesem Zusammenhang Volksgesundheit benannt.
Das magische, aber falsche Viereck
Allerdings gleicht das gewöhnliche, in der Gesellschaft kursierende Vorstellungsbild den Entscheidungsprozess betreffend eher einem Viereck – durchaus auch in linken Kreisen verbreitet:
  • Hier das naturwissenschaftliche Unschuldslamm namens Corona.
  • welches nun in das gewinnorientierte Krankenhaus geliefert wird und dort ins Bett gelegt wird.
  • Jetzt die Experten Wieler und Drosten
  • und schliesslich die Politiker, die als Träger der Gesamtverantwortung den Expertenrat unter Berücksichtigung von als Sachzwang definierten Dingen in die Praxis umsetzen.
Nun rückt der Reihe nach aus jeder Ecke einer vor und alle ergänzen sich. Dieses Bild ist insofern schief, als das Virus dort in einem äusserlichen Verhältnis zu der kapitalistischen Ordnung steht. Demgegenüber wäre zu erkennen, dass das Virus selbst auch bereits in seiner einfachen Naturwissenschaftlichkeit kapitalistisch verseucht ist.
Das Virus ist nicht einfach da oder angeflogen gekommen, sondern Produkt einer kapitalistischen Kalkulation, es in seinen Anfangsgründen nicht weiter unter die Lupe nehmen zu wollen. Das könnte man Geburtshilfe nennen. In dem von Virologen 2012 für die Regierung erstellten Epidemieplan ist genau von einem solchen Szenario die Rede, mit dem wir es jetzt zu tun haben. Da wurde abgewunken. So kann man ein Virus anzüchten.
Gesundheitliches Elend – kein Versagen, sondern Resultat systemimmanenter Logik
Dass Gewinnmargen die Gesundheitsfürsorge bestimmen, wird kritisch eher und gerne in anderen Länder beobachtet. Amerika hat das beste Gesundheitssystem der Welt – für Millionäre.
Bezogen auf die Bevölkerungsbreite ist das dortige System kollabiert. Dort reisen sozial denkende Zahnärzte gelegentlich durchs Land reisen, um in Turnhallen kostenfreie zahnärztliche Behandlungen durchzuführen.
Ecuador zeigt, dass die westlichen Mächte in Gestalt des IWF ihre Margen u.a. aus dem Gesundheitswesen ziehen, welches seine Leistungen in den letzten Jahren um 30% reduziert hat, mit verheerenden Folgen.
Die Verstorbenen liegen in den Armenvierteln auf der Strasse und werden von Anwohnern aus Verzweiflung dort schliesslich verbrannt. Dass unter Federführung Deutschlands während der Finanzkrise das griechische Gesundheitswesen zum Kollaps geführt wurde, ist bekannt. Aber auch in Deutschland ist ersichtlich, was es bedeutet, wenn Gesundheit als Gewinnmaschine aufgezogen wird: Für die Betrachtung unter dem Gesichtspunkt einer Fallpauschale ist der Corona-Infizierte nicht wirklich nützlich oder ergiebig. Wenn der Kapitalismus sich rühmt, wie effektiv die just-in-time Produktion ist, da die Lagerhaltung auf die Autobahn verlegt wurde, so nun, was Schutzbekleidung betrifft: „just“ ist nichts da und „in-time“ auch nicht. Wie soll Vorsorge, wie soll denn Lagerplatz sich auch in den hier geltenden Kriterien abbilden?
Wie wäre es nun, dies nicht als leider verpasste, aber eigentlich angepeilte Versorgung zu betrachten, sondern als systematische Konsequenz einer kapitalistischen Gesellschaft, welcher alle Lebensbereiche der Gewinnmaximierung unterwirft und Vorsorge nun einmal als dysfunktionaler Kostenfaktor zu betrachten ist.
Nationalismus als medizinisches Schutzprogramm
Mailand ist 300 km von München entfernt, nach Hamburg sind es 900 Km. Es scheint einleuchtend zu sein, dass Schutzmassnahmen bei einer Fahrt nach Italien – man könnte auch Österreich als Beispiel anführen – einen ganz anderen Charakter annehmen und annehmen müssen als nach Hamburg. Im ersten Fall ist hier der Zöllner der Oberarzt. Das leuchtet nur ein, wenn man in nationalstaatlichen Kriterien denkt und deren Wahrheit durch die Praxis an der Grenze beglaubigt. Eine umspannende Betrachtung nach Hotspots hat spätestens an der Grenze aufzuhören.
Die Un(-Logik) des lockdown
  • Der 3. Mai scheint nun variantenreich als Ende des shutdowns gesetzt zu sein.
  • Ist das nun naturwissenschaftliches Expertenwissen, was eine solche Öffnung begründet? Wohl kaum. In erster Linie stellt sich die Frage, das Problem, wie mit dem Niedergang der Wirtschaft – der DAX fällt und fällt – umzugehen ist, genauer, wie die Wirtschaft wieder angekurbelt werden kann. Es ist zu erwarten, nicht nur das, es steht fest, dass die Zahl der Toten, dass die Zahl der Infizierten im Vergleich zu Beginn der restriktiven Massnahmen noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen hat. Dennoch eine jetzige Auferstehung?
  • Ich plädiere hier weder für noch gegen ein lockdown, möchte vielmehr die seltsamen Begründungsmuster der politischen Verantwortungsträger hinterfragen, im Gegenteil, siehe meine Sympathie für Prof. Streeck und seine Kritik an dem gewaltigen shut-down im folgenden.
  • Nach den zu Beginn der Krise und jetzt noch geltenden Paradigmen wäre/ist eine solche Öffnung kaum vertretbar. Umgekehrt steht aber das ökonomische Interesse unrüttelbar im Zentrum. Also müssen neue Paradigmen herbei, die genau dieses als die naturwissenschaftliche Ultima Ratio begründen. Und dieser Weg ist ja auch bereits vorgezeichnet: Handy-Überwachungs-Apps erlauben, den Kontakt zu Infizierten nachzuzeichnen. Das schwedische oder auch südkoreanische Modell mit Durchtestung der Bevölkerung auch und gerade der nicht Infizierten bzw. der unter Ansteckungsverdacht-Stehenden wird vermutlich als eine flankierende Massnahme hinzukommen.
  • Ob nun der 3. Mai der Einstieg in den Ausstieg sein wird oder eine Woche später oder noch eine Woche später und wie dieses erfolgen wird: Zuerst öffnet der Friseur und dann Opel oder umgekehrt ist nicht entscheidend. Welche Lehren könnte und sollte aus dem Unheil oder besser noch dem Umgang damit gezogen werden.
Vorsorge im Sozialismus – einer gebrauchswertorientierten Ökonomie
Vom Standpunkt einer sozialistischen Gesellschaft wäre das alles der reine Blödsinn: Da könnte man ohne Weiteres noch ein paar Wöchelchen dicht machen, Hose, Hemd und Fernseher hat jeder, zu futtern gibt es auch noch genug, ein neues Handy braucht es auch nicht, muss auch nicht entwickelt werden, weil die letzte Generation ja gerade mal ein Jahr alt ist… Und das Schönste, die Hauptsorge unseres derzeitigen Systems – au weiah, oh weh! – der DAX stürzt ab, tritt nicht nur nicht ein, sondern wird auch nicht befürchtet: Es gibt ihn ja gar nicht.
Ist das etwa die Wiederauferstehungsformel?
So vielleicht?: Corona x prognostizierte Wirtschaftsleistung: befürchteten DAX Niedergang x Gesundheitskosten. Gibt diese (komplizierte) Formel und nicht das Virus selbst den 19.April vor.
Innereuropäische Konkurrenz als Formelwert
Hinzuzunehmen sind weitere Faktoren, die sich schwer in einer Formel abbilden lassen. Wie ist das Verhältnis von medizinischer Hilfeleistung für Italien zu der Konkurrenz durch die italienische Wirtschaft. Die deutsche spekulative Variante hier: medizinische Hilfe gegen Null halten, auch wenn allein aufgrund geographischer Nähe eine Rückwirkung auf Deutschland droht. Das wirtschaftliche Debakel Italiens ist wiederum eine günstige Gelegenheit und passend zu Obigem adieu Überlegenheit der deutschen Wirtschaft in Szene zu setzen – bildhaft ausgedrückt in der absoluten Zurückweisung von Corona bonds.
Und der italienische Ministerpräsident tritt zur besten deutschen Sendezeit um 20.15 Uhr an und bettelt förmlich bei dem deutschen Bürger um Unterstützung. Auch das ist nicht das Corona oder eine eigentümliche Mixtur aus dem Reagenzglas des Herrn Drosten, das oder die sich hier zu Wort melden. Nein, es sind in diesem Fall die innereuropäischen imperialistischen Streitereien, in denen Deutschland gemeinsam und alle Vizemächte wie Italien, Frankreich und Spanien düpiert.
So darf man sich die Welt nach Corona vorstellen. Der Streit um die Abwälzung der Corona-Kosten wird die bisherige Konkurrenz gewaltig potenzieren.
Ist früh starten gut oder schlecht?
Handlungsoffensiv hat Österreich schon vor einer Woche die erste Runde mit der Ankündigung eines differenzierten Lockdowns eröffnet. Entsprechend sind die Kommentare – von ‚irgendwann muss es losgehen‘, bis ‚viel zu früh, das geht schief‘, „Herr Kurz, sehr kurz gedacht“. Allen Kommentaren ist gemein, dass bei genauer Hinsicht nicht über Österreich geredet wird, sondern über sich selbst bzw. die Wirkung des österreichischen Handelns auf den eignen Laden. Übt die österreichische Initiative nun einen Handlungszwang für Deutschland aus. Fahren die damit als erste und dann mit Vorsprung aus der Krise heraus. Was ist, wenn wir dicht folgen, aber wie würde der DAX eine sich noch ausweitende Krankenzahl in seiner schlichten Zahlenkolonne wiedergeben.
Frankreich geht den umgekehrten Weg und betoniert den shutdown noch einmal vier Wochen länger. Das ist genauso hoch gepokert wie die österreichische Variante. Welchem dieser Länder in der Konkurrenz zueinander der grosse Erfolg auf Kosten des Anderen beschert wird, ist offen. Lässt sich die Volksgesundheit in Gestalt lebendiger Arbeitskräfte schon für den nationalen Erfolg einspannen oder muss noch mal die Volksgesundheit an die Boxen fahren, besser ins Krankenbett.
Wer sich hier verpokert, wird in der europäischen Konkurrenz gewaltige Einbussen hinnehmen müssen. Volksgesundheit ist also gar nicht einfach die Zahl der Kranken bzw Einzelner Individuen, die man mit allerlei Wohltaten versucht wieder aufzupäppeln, sondern ein nationaler Konkurrenzfaktor
Die Auferstehung – In Wahrheit ist es doch so:
Virologen äussern sich in der Regel nicht zum Virus und seiner Qualitäten, sondern zur Epidemie und ihrer Entwicklung. Das ist aber nicht Naturwissenschaft, sondern Epidemiologie, also Statistik, deren Exponentialkurve ein Rechenmodell ist, das darauf beruht, dass einer krank ist und dann zwei weitere ansteckt, die zwei dann vier und so entsprechend der Potentialrechnung weiter. Das Modell ist ein Hilfsmittel um den Verlauf der Seuche zu bewerten. Mit der Pandemie ist die wesentliche Bedingung für die kapitalistische Reichtumsproduktion gefährdet, die menschliche Grundlage. Deshalb jetzt die Verkehrung, die Bedingung muss zum Zweck werden – Wiederherstellung der Volksgesungheit, damit die Wirtschaft wieder florieren kann. Dazu muss ausgerechnet das, worauf es ankommt, eingeschränkt werden. Von daher ergeben sich die Überlegungen, wieviel Volksgesundheit braucht es und was an Toten kann in Kauf genommen werden, damit die Wirtschaft wieder ihren Gang nehmen kann.
Alles vorhanden – kein Krieg – die Systemfrage
Und die Wirtschaftsweisen klären gegenüber allen Misanthropen auf, kein Grund zur Panik. Die wesentlichen Voraussetzungen für kapitalistisches Wirtschaften stehen bereit. Wir stehen nicht auf einem Trümmerfeld. Man muss nur wollen oder besser gesagt, die Politiker den lockdown nicht allzu sehr rausschieben. Das sehen die genau so.
„Sollten die aktuellen massiven Einschränkungen in Wirtschaft und öffentlichem Leben nicht allzu lange anhalten, halten sie aber auch eine relativ schnelle Erholung der deutschen Wirtschaft für wahrscheinlich. ‚Es ist nicht wie in einem Krieg, wo der Kapitalstock zerbombt wäre und die Arbeiter an der Front sind‘, sagte der Wirtschaftsweise Volker Wieland.“ (René Höltschi, Wirtschaftsweiser Wieland: „Wir brauchen eine Ausstiegsstrategie“, NZZ, 30.03.2020)
Herr Wieland macht deutlich: das konstante Kapital (Anlagen, Maschinen, Rohstoffe etc.) ist vorhanden, das variable Kapital (menschliche Arbeitskraft) auch. Zugleich kennt er staatliche Kalkulationen, in denen das variable Kapital mal auf den Schlachtfeldern seines Herrn sein Leben lassen darf. Darum geht es jetzt aber nicht, jetzt ist es, das variable Kapital, vorhanden und könnte den Reichtum der Nation mehren. So schlecht ist die Lage also nicht. Fragt sich bloss für wen?
Gewissermassen wirft er die Systemfrage auf: Wer will sich diese praktische Behandlung als Mittel des nationalen wirtschaftlichen Erfolgs oder als Kanonenfutter oder in der Dauer eines Menschenlebens mal als dies mal als das schon gefallen lassen. Bisher die Mehrheit – Aber ist das ein gutes Argument? Sollte noch einmal überdacht werden!
Originaltext
AKADEMIE INTEGRA
empfiehlt zur Lösung der oben behandelten Probleme die

Gemeinwohl Ökonomie“.

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