So durchschaut man politische Manipulationen

Das neue Buch von Albrecht Müller ist gerade auch für Nicht-Politiker lesenswert (…)
Christian Müller, Bericht-Auszüge aus „infosperber“

«Glaube wenig» – «Hinterfrage alles» – «Denke selbst».

So lautet der Titel eines Buches von Albrecht Müller, das vor wenigen Tagen im deutschen Westend Verlag erschienen ist. Und der Untertitel lautet: «Wie man Manipulationen durchschaut».
Es geht dabei, im ersten Drittel des Buches, ganz konkret um die Methoden, wie heute politische Parteien, Wirtschafts-Interessengruppen oder auch staatliche Mächte in politischen Auseinandersetzungen – nicht zuletzt eben auch vor Wahlen – die Meinungen der Stimmberechtigten zu beeinflussen versuchen.
Das kennt man ja alles schon? Nicht wirklich. Albrecht Müller, selber auf SPD-Seite jahrzehntelang im politischen Kampf um Stimmen involviert und engagiert, heute der wichtigste Kopf der Online-Plattform NachDenkSeiten, identifiziert und beschreibt 17 verschiedene Manipulationsmethoden. Mit vielen Beispielen. Da gehen auch dem langjährigen Polit-Beobachter manche Lichter auf.
Müller identifiziert und separiert folgende 17 Methoden:
1. Sprachregelung
2. Manipulation mithilfe von ständig gebrauchten und mit einer Bewertung versehenen Begriffe
3. Geschichten verkürzt erzählen
4. Verschweigen
5. Wiederholen – Steter Tropfen höhlt den Stein
6. Übertreiben – Es wird schon was hängen bleiben
7. Die gleiche Botschaft aus verschiedenen Ecken aussenden
8. Alle in der Runde sind der gleichen Meinung. Dann muss es ja richtig sein.
9. Der Wippschaukeleffekt
10. Umfragen zu nutzen, um Meinung zu machen
11. B sagen und A meinen
12. NGOs gründen oder benutzen
13. Ein Sammelsurium von Andeutungen macht in der Summe die Halbwahrheiten zur Wahrheit
14. Experten helfen – zu manipulieren
15. Namen verknüpfen und damit Einzelne bewerten
16. Gezielter Einsatz von Emotionen
17. Konflikte nutzen und inszenieren, um Meinung zu machen.
Ein paar Beispiele
B sagen, aber A meinen. Albrecht Müller: «Das eine sagen, aber das andere meinen. Diese Methode wird unentwegt angewendet. So ist der Niedergang der SPD des Öfteren mit der Behauptung begleitet worden, die SPD verkaufe sich schlecht ( = B). Damit transportiert aber wurde die Botschaft, ihre Politik sei eigentlich gut gewesen ( = A). Auf allen Ebenen der SPD spukt derweil dieses Gespenst herum: Wir sind eigentlich gut, aber wir verkaufen uns schlecht.»
«Auch die Agenda 2010 wurde und wird uns immer wieder auf diese Weise nahegebracht: Bundeskanzler Schröder habe sich, seine Kanzlerschaft und seine Partei geopfert, um das Land voranzubringen ( = B). Damit wird die Botschaft transportiert, die Agenda 2010 sei notwendig gewesen und nützlich.»
Wiederholen – Steter Tropfen höhlt den Stein. Ein Zitat aus dem Buch von Albrecht Müller: «Wiederholungen werden zum Beispiel massiv beim Umgang mit Russland eingesetzt. Russland verhalte sich aggressiv und expansiv. Da muss man sich zwar die Augen reiben, wenn man bedenkt, wie viele Kriege der Westen führt und wie viele Milliarden Dollar die USA (2018: 643,3 Milliarden US-Dollar) im Vergleich zu Russland (63,1 Milliarden) ausgeben. Extrem unterschiedlich ist auch die Zahl der Militärbasen, die einerseits die USA und andererseits Russland in der Welt unterhalten. Da ist das Verhältnis etwa 1000 zu 20. Aber die Wiederholung des Vorwurfs, Russland sei aggressiv und expansiv, zeitigt Erfolge. George Orwell dazu in 1984: ‹Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glauben – wenn alle Aufzeichnungen gleich lauten –, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.›»
Namen verknüpfen und damit Einzelne bewerten. Albrecht Müller zitiert in seinem Buch ein Dutzend Artikel aus deutschsprachigen Medien, inklusive öffentlich-rechtliche, wo mehrere Polit-Köpfe als Paket behandelt werden. Zum Beispiel die Hamburger Morgenpost: «‹Starke Kerle›, die keine Widerworte dulden und in ihren Ländern aufräumen wollen: Viktor Orban, Matteo Salvini, Donald Trump, Rodrigo Duterte, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan.» Und Müller zeigt auf, wie solche Namenpakete, mit denen einzelne Politiker falsch bewertet werden, gerne auch von anderen Medien abgeschrieben und übernommen werden.
(…)
«Glaube wenig» – «Hinterfrage alles» – «Denke selbst», so der Titel des Buches, schafft es, dass einem in vielen Punkten die Augen aufgehen. Offene Augen aber sind die Bedingung für eine aktive Beteiligung an der öffentlichen Meinungsbildung. Ohne offene Augen überlassen wir, Demokratie hin, Demokratie her, unsere Zukunft jenen, die sie zu ihrem persönlichen Vorteil und nicht zugunsten der Allgemeinheit manipulieren können.
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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Eine Antwort zu So durchschaut man politische Manipulationen

  1. Wer den Ratschlag ernst nimmt, ist auf dem besten Wegen, als Staatsfeind zu gelten.

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