„80 Prozent deiner Klamotten brauchst du nicht“

Warum Bea Johnson, die Ikone der Zero-Waste-Bewegung, ein glückliches Leben führt.

Michael Rebmann, „Triodos“
Wenn Bea Johnson ihren Koffer packt, ist sie in Nullkommanichts fertig. Warum? Weil sie einfach ihren ganzen Kleiderschrank mitnimmt. 80 Prozent unserer Klamotten ziehen wir überhaupt nicht an, sagt die amerikanische Bestsellerautorin und Ikone der Zero-Waste-Bewegung. Bea Johnson hat dieses Prinzip radikal umgesetzt: Insgesamt 15 Kleidungsstücke besitzt die gebürtige Französin, die mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in den USA lebt. Doch die 15 Kleidungstücke sind so ausgewählt, dass Bea sie auf 50 unterschiedliche Arten und für alle möglichen Anlässe kombinieren kann. Mehr brauche sie nicht, sagt sie.
Der Trick mit der Garderobe ist nur einer von wenigen, der Bea und ihrer Familie hilft, so gut wie nichts wegwerfen zu müssen und fast keinen Müll zu produzieren. Der ganze Abfall, den die vier 2016 produziert haben, passt in ein Einmachglas, das Bea zu ihren zahlreichen Vorträgen in der ganzen Welt mitbringt – so auch am Dienstag im Haus am Dom in Frankfurt am Main. Bea Johnson kann lustig und lebhaft erzählen. Sie gestikuliert viel und hat einen charmanten französischen Akzent. Aber das Wichtigste ist: Sie ist überzeugend. Die Zuhörinnen und Zuhörer hängen ihr an den Lippen.
„Refuse, Reduce, Reuse, Recycle and Rot“
„Kaufen heißt wählen“, ist eine von Beas wichtigsten Botschaften, die sie ihrem Publikum nahe bringen will. Wer immer wieder verpackte Lebensmittel kauft, der zeigt der Industrie, dass Verpackungen gewünscht sind und mehr und mehr davon produziert werden. Bea war es auch, die die „magischen fünf Rs“ der Zero-Waste-Bewegung ins Spiel gebracht hat: „Refuse, Reduce, Reuse, Recycle and Rot“ („Ablehnen, Reduzieren, Wiederverwenden, Recyceln und Kompostieren“) – so lautet die Formel ihrer Müllvermeidung. Seit sie und ihre Familie sich seit 2008 nach und nach diese Regeln eingeführt haben, hat sich ihr Leben radikal geändert – und zwar zum Positiven, wie Bea sagt.
„Überlege, was du wirklich brauchst und sage zum Rest einfach nein“, erklärt Bea Johnson. Viele kleine Maßnahmen führten dazu den privaten Müllberg schnell schrumpfen zu lassen. So könne man Werbepost ablehnen und auf Visitenkarten verzichten. „Kerzen halten länger, wenn ihr sie in die Gefriertruhe legt“, sagt die Bloggerin und sorgt für ein Raunen im Saal. Der Trick mit den Kerzen, der Verzicht auf Visitenkarten und Werbepost reichen Bea und ihrer Familie nicht aus. Sie gehen noch viel weiter. Bea beispielsweise braucht fast keine Kosmetika mehr, nutzt biologisches Schokoladenpulver als Rouge und verkohlte Mandeln als Kajal.

Bea Johnson sieht in ihrem Lebensstil aber nicht nur einen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht, sondern auch eine Anleitung zum Glücklichsein. Der Zero-Waste-Lifestyle schaffe Raum für die schönen, einfachen Dinge des Lebens und sei positiv für Gesundheit und Finanzen. „Wir haben fast alle giftigen Stoffe aus unserem Haushalt verbannt“, sagt Bea. Ihre Familie sei seit dem Lebenswandel viel gesünder. Außerdem bleibe am Ende des Monats deutlich mehr im Geldbeutel, durchschnittlich 40 Prozent mehr als vor 2008. Wenn Bea, ihr Mann oder ihre Söhne etwas kauften, dann schauten sie immer, ob man es Second Hand bekommen könne, erklärt sie. „Wenn ihr etwas neu kauft, dann achtet auf Marken, die eine lebenslange Garantie für ihre Produkte ausgeben“, sagt die gebürtige Französin. Sie habe selbst einen Sockenproduzenten entdeckt, bei dem dies der Fall sei. „Ist das nicht Wahnsinn?“, ruft die Frau mit den 15 Kleidungsstücken in die Runde.
Auch in Deutschland hat Bea Johnson viele Fans, die es ihr gleichtun wollen und versuchen, möglichst wenig Müll zu produzieren. In vielen Städten gibt es inzwischen Läden, die Waren ohne Verpackung anbieten. Einer davon ist der Triodos-Kunde „Original Unverpackt“ in Berlin. Hier gibt’s mehr dazu.
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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