So geht’s nicht weiter

sagten 50 Förderer, Haupt- und Ehrenamtliche die sich im Juni 2016 zur zweiten „Postwachstumswerkstatt“ in der Greenpeace-Zentrale in Hamburg trafen und diskutierten: Wo kommt in unserem Alltag Wachstum vor? Wo können wir etwas verändern?
Und Greenpeace schreibt weiter:
Wohin wollen wir wirtschaftlich wachsen? Wie können wir Ressourcen sparen? Schwierige Fragen, die auch Greenpeace bewegen. Das Konzept „Gemeinwohlökonomie“ könnte Antworten geben.
Die vergangenen Jahrzehnte haben viel zum Guten verändert: Das Umweltbewusstsein ist gestiegen, der Naturschutz hat bedeutende Fortschritte gemacht. Dennoch sind das Klima, die Meere und die Artenvielfalt bedrohter denn je. Nach mehr als 40 erfolgreichen Jahren steht Greenpeace wie die gesamte Umweltbewegung vor dem Dilemma, dass sich trotz vieler Teilerfolge das Gesamtproblem eher verschärft hat.
Hauptursache ist der unaufhaltsam wachsende Ressourcenverbrauch und seine Auswirkungen auf die Umwelt – Folge einer auf Wachstum und Massenkonsum ausgerichteten globalen Kultur. Dabei wäre es ökologisch notwendig, den Ressourcenverbrauch zu drosseln und Wirtschaftswachstum um jeden Preis in Frage zu stellen. Das Konzept der Gemeinwohlökonomie bietet dazu einige Denkansätze.
Das Ziel von Greenpeace ist, unsere ökologischen Lebensgrundlagen zu erhalten. Deshalb ist es nötig, dass wir uns auch mit den tieferliegenden Ursachen ihrer Zerstörung beschäftigen. Wir tun dies derzeit auf unterschiedlichen Ebenen.
International…
Bei Greenpeace gibt es derzeit unter intensiver deutscher Beteiligung einen internationalen Diskurs, wie wir in unserer Arbeitsweise und bei unseren Kampagnen mit dem Thema Wachstum umgehen wollen. Wie werden wir in Zukunft Kampagnen gestalten? Welche tiefer liegenden Denkweisen und -strukturen müssen wir aufdecken und verändern? An welchen Stellen können wir am besten wirksam werden? Internationale Grundsatzbeschlüsse zu diesen und weiteren Fragen sollen noch in diesem Sommer gefasst werden; Ergebnisse erwarten wir für den Herbst 2016.
… und in Deutschland
Der Greenpeace e.V. will in einem ersten konkreten Schritt das eigene Handeln überprüfen und eine „Gemeinwohlbilanz“ erstellen: Diese stellt im Sinne der Gemeinwohlökonomie dar, wie stark ein Unternehmen oder ein Verein auf das Gesamtwohl der Gesellschaft wirkt. Unsere gesamte Arbeit steht dabei auf dem Prüfstand: von der Materialbeschaffung über den Umgang mit Mitarbeitern bis zur Wirksamkeit unserer Kampagnen.
In der Gemeinwohlökonomie geht es nicht um die Gewinnmaximierung einzelner Personen oder Gesellschaften, sondern darum, positiv auf das Wohl aller einzuwirken. Sie braucht deshalb neue Gradmesser für wirtschaftliches und gesellschaftliches Handeln: Ausgehend von den Werten „Solidarität“, „Menschenwürde“, „ökologische Nachhaltigkeit“ und „demokratische Mitbestimmung und Transparenz“ wird das Handeln untersucht und bewertet. Wir wollen uns mit diesem Messinstrument auseinandersetzen und durch die Erstellung einer eigenen Bilanz ganz konkrete Erfahrungen in der Anwendung sammeln.
Arbeiten in der Postwachstums-Werkstatt
Wir möchten aber nicht nur eine Bilanz aufstellen, sondern auch miteinander ins Gespräch kommen, um auszuloten, welche Veränderungen wir für nötig und machbar halten, und wo wir selbst Einfluss nehmen können. Hierzu haben wir Anfang März einen ersten Zyklus unserer „Postwachstumswerkstatt“ gestartet. Mit 50 Förderern, Ehren- und Hauptamtlichen haben wir Antworten auf folgende Fragen gesucht: Wo kommt in unserem Alltag Wachstum vor? Gibt es Bereiche, in denen Wachstum keine Rolle spielt? Wo sehen wir Veränderungsbedarf? Wo könnten wir etwas verändern? Wo hakt es dabei?
Es gibt großes Interesse an dem Thema, die Suche nach neuen Wegen hat begonnen. Greenpeace ist unterwegs – aber noch lange nicht am Ziel!
…………………
logo_gwoe

 

cf-lachend-kleinInitiator der Projekte Demokratische Bank und Gemeinwohl-Ökonomie ist Christian Felber, geboren am 9. Dezember 1972 in Salzburg. Autor von zwölf Büchern, unterrichtet an der Wirtschaftsuniversität Wien, an der Universität Graz und ist UNESCO-Lehrbeauftragter sowie zeitgenössischer Tänzer und Performer.

Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist ein neues Wirtschafts-Modell. Die mitwirkenden Unternehmungen erstellen eine „Gemeinwohlbilanz“ (Gemeinwohl, was allen Menschen zugute kommt) ihrer Tätigkeiten. Sie ist ein bewusstes Gegenmodell zur üblichen Bilanz, denn neben Einnahmen und Ausgaben bewertet sie auch ökolo­gische und soziale Werte wie Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung. Die GWÖ und Christian Felber wird im AHS-Schulbuch für Geografie- und Wirtschafskunde neben Keynes, Hayek, Friedman, Marx als eine von 5 wichtigen Wirtschaftstheorien genannt.
Aus einem Dutzend Unterstützer-Unternehmen zu Beginn im Jahre 2010 sind mehr als 2100 geworden, fast 400 haben die Gemeinwohl-Bilanz erstellt, darunter, wie oben dargestellt, Greenpeace. Drei Banken haben bilanziert, ebenso drei Hochschulen, und gerade ist die erste Universität dabei (Barcelona).
Die Universität Barcelona hat auch einen Lehrstuhl GWÖ bei der UNESCO eingereicht. Die Fachhochschule Burgenland plant einen Master-Lehrgang GWÖ. Dutzende Gemeinden haben angedockt oder machen sich auf den Weg zur Gemeinwohl-Gemeinde. Weltweit sind 150 lokale Gruppen entstanden, allein 30 in Deutschland. 19 Vereine wurden gegründet, von Österreich bis Chile, der internationale Verband ist im Aufbau. Die GWÖ hat es in die Regierungsprogramme von Salzburg und Baden-Württemberg geschafft.
Der bisher größte politische Erfolg:
Der Europäische Wirtschafts- und Sozialaussschuss hat eine 10-seitige Stellungnahme zur GWÖ verfasst und mit 86% Stimmenmehrheit angenommen: die EU-Kommission möge die GWÖ in das EU-Recht einbauen.
Einige Zitate von Christian Felber zur Gemeinwohl-Ökonomie:
“Das schöne an der GWÖ ist, dass sie nicht zentral und spektakulär gelingt, sondern fein verteilt wie Goldstaub an 1000 Orten: in Form von Unternehmen, Vereinen, Projekten, Schulen, Universitäten, Gemeinden, Personen und Netzwerken, die in ihrem persönlichen Wirkungsradius zur Tat schreiten und zur Wandlung bereit sind. Das kann eine Gemeinwohl-Bilanz für ein Unternehmen sein, die Gründung einer neuen Unternehmung unter dem Gemeinwohl-Leitstern, ein Unterrichtsprojekt in einer Schule oder ein Forschungsprojekt an einer Universität. Es ist die Stadt Stuttgart, die 100.000 Euro für GWÖ – Projekte genehmigt hat oder die spanische Gemeinde Orendain, die alle BürgerInnen gefragt hat, ob sie sich auf den Weg zur Gemeinwohl-Gemeinde machen wollen. Knapp 90 Prozent haben mit Ja geantwortet. Irgendwann kommt der erste kommunale Wirtschaftskonvent und irgendwann die erste demokratische Verfassung, in der Geld als öffentliches Gut definiert ist. Von vielen Aktiven – UnternehmerInnen, BürgerInnen, KommunalpolitikerInnen, WissenschaftlerInnen – weiß ich, dass sie in ihrer Arbeit und ihrem Engagement spirituell motiviert sind. Einer von ihnen bin ich selbst.”
“Eine spirituell grundierte Ökonomie ist per definitio­nem gemeinwohlorientiert. Sie ist durchdrungen vom Geist der Ganzheit und der achtsamen Perspektive auf alle. Sie lässt keinen Wert unberücksichtigt und grenzt kein Lebewesen aus. Sie sorgt gleichermaßen für starke Bindungen und individuelle Freiheitsräume.
Spirituelle, von diesem Geist durchdrungene, von dieser Energie durchflossene Menschen agieren aus innerem Antrieb heraus, weil politisches Handeln ih­rem Herzen entspringt. Wer mit allem verbunden ist und mit allen fühlt, wird
  • Dinge nie nur um des Geldes willen machen,
  • nicht versuchen, sich auf Kosten anderer zu berei­chern,
  • keinen spekulativen und sinnlosen Tätigkeiten nachgehen,
  • die Schädigung von Grundwerten und Gemein­schaftsgütern vermeiden,
  • an der Errichtung einer Wirtschaftsordnung mit­wirken, die Gemeinwohl-Verhalten belohnt,
  • mitverantwortlich auf die Einhaltung der Regeln achten,
  • mit gutem Beispiel vorangehen, unabhängig vom Inhalt der Gesetze.”
Wann sagen sie:

So geht’s nicht weiter

Wann werden sie Mitglied der Gemeinwohl-Ökonomie
oder erstellen als Unternehmen / Institution / Verein eine „Gemeinwohlbilanz“ ?

 

Weitere (sehr empfehlenswerte) Informationen:
“Die Gemeinwohl-Ökonomie”, http://www.hanser-literaturverlage.de/autor/christian-felber/
“Die innere Stimme”, http://www.publik-forum.de
website Christian Felber: http://www.christian-felber.at/cv.php
website GWÖ: http://www.ecogood.org/de/
Advertisements

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
Dieser Beitrag wurde unter Éthnos, Bewußtsein, Entfaltung der Menschenwürde, Geld, Kultur-Leben, Menschenwürde, Pioniere der Zukunft, Rechts-Leben, René´s Notizen, Soziales Leben, Transformation, Wirtschafts-Leben, Zukunfts-Wegweiser, Zum Aufwachen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s