David Graeber: Bürokratie – Die Utopie der Regeln

Buchbesprechung von Gerhard Hanloser, „Grundrisse“
graeberAnarchisten, das sind doch die Helfershelfer der Neoliberalen mit ihrem Ruf nach schrankenloser Freiheit, Eigenverantwortung und ihrer Staatskritik, die nur im Abbau staatlicher Leistungen münden kann. So weiß jeder Stalinist zu erzählen. Und so weiß es auch der ein oder andere Linksliberale, dem die anarchistische „Künstlerkritik“ am Gehäuse der Hörigkeit, an kafkaesken Entfremdungen zu wider ist und der lieber das Soziale gerechter verwalten will. Sie alle, und nicht nur sie, sollten das Buch von dem Occupy-Wall-Street-Aktivisten und Bestsellerautoren David Greaber lesen, denn er zeigt auf, dass dies lediglich Vorurteile sind. Mit den „libertären Rechten“, die ohnehin kaum das anarchistische Erbe für sich reklamieren können, will Graeber nichts zu tun haben.
Im Zentrum seines Buches formuliert er gar ein Zugeständnis an Pierre Bourdieu, wenn er (typisch für die amerikanische Linke) den europäischen Wohlfahrtsstaat mit kostenloser Ausbildung und allgemeiner Gesundheitsversorgung „als eine der größten Errungenschaften der Geschichte“ lobt. Allerdings bleibt Graeber bei diesem Urteil nicht stehen. Denn er führt weiter aus, dass dieser Wohlfahrtsstaat und seine Bürokraten eine Reihe von Annahmen über die Bedeutung der Arbeit, der Familie, von Nachbarschaft, Wissen, Gesundheit, Glück und Erfolg wissenschaftlich fixierten, „die mit den Lebensweisen der Armen und Arbeiter nichts zu tun haben, geschweige denn mit der Bedeutung, die diese ihnen beimessen“. Deswegen sei der Wohlfahrtsstaat auch zum Scheitern verurteilt gewesen. Er habe das Gefühl heraufbeschworen, dass „die bürokratische Autorität schon alleine durch ihre Natur einen Krieg gegen die menschliche Phantasie repräsentiert“. (101)
Dieser Krieg gegen die menschliche Phantasie ist keinesfalls nur in den 50er und 60er Jahren geführt worden, so die zentrale Aussage Graebers, sondern werde aktuell am vehementesten geführt, wenn auch nicht durch den Wohlfahrtsstaat und seine Agenten, sondern durch eine weit aggressivere Mischung aus Kontrolle und Ausbeutung.
David Graebers neuestes Buch über „Bürokratie“ besteht aus einer langen Einführung, in der er die aktuelle Situation als Ära der totalen Bürokratisierung definiert, zwei in sich abgeschlossenen Kapiteln, die bereits als Aufsätze im „The Journal of Ethnographic Theory und der Zeitschrift „The Baffer“ jeweils im Jahre 2012 erschienen sind, einem Abschlusskapitel und einem äußerst unterhaltsam geschriebenen Anhang über Superhelden und die Batman-Saga. Demnach ist dieses Werk von dem bis 2007 als Anthropologe in Yale und nunmehr am Londoner Goldsmith-College lehrenden bekennenden Anarchisten keine geschlossene Abhandlung zum Thema. Bescheiden erklärt Graeber auch, er wolle „Ansätze und Perspektiven (liefern), die andeuten, welche Richtung eine linke Bürokratiekritik heute einschlagen könnte.“ (55) Er selbst führt das Global Justice Movement als „erste linke antibürokratische Bewegung im Zeitalter der totalen Bürokratisierung“ an (40), nicht ohne als Bewegungsintellektueller, der selbst als Aktivist Erfahrungen macht, auch auf Bürokratisierungstendenzen in der Bewegung selbst hinzuweisen.
Graeber spricht sich für die Improvisation aus, das Spielen, das keineswegs klare Regeln ausschließt und er will, dass offizielle wie informelle Hierarchien keinen Raum und keine Legalität beanspruchen können. Eine Welt der absolut transparenten Regeln und der gewissenhaften Regelkonformität hält Graeber ebenso für eine „schillernde Illusion“ wie „eine Welt absolut freien Spielens“ (244). Freiheit, so könne man in Anlehnung an Erkenntnisse über Sprache, Grammatik und Sprachentwicklung definieren „ist demnach die Spannung zwischen dem freien Spielen menschlicher Kreativität und den Regeln, die es konstant erzeugt.“ (238)
Graeber erklärt zu Beginn seiner Einführung, dass eine Bürokratiekritik, wie sie in den 60er und 70er Jahren noch im Bereich der Sozialtheorien formuliert wurde, weitgehend verstummt ist, um umso vulgarisierter und demagogischer auf der politischen Rechten aufzutauchen. Während die Linke weitgehend in „erbarmungswürdigen Rückzugsgefechten“ (10) die Reste des alten Sozialstaates zu bewahren trachtet, ist es den intellektuellen wie praktischen Verfechter des Neoliberalismus – von Ludwig von Mises bis Ronald Reagan – gelungen, ihre eigenen Politik der Entfesselung der Märkte als antibürokratisch erscheinen zu lassen. „Deregulierung“ wurde so auch zum großen, positiv konnotierten Begriff, der diese Phase des aktuellen Kapitalismus, den Graeber finanzialisierten Kapitalismus nennt, eröffnete. Tatsächlich jedoch, so Graebers Argument, stimmt die Selbstpräsentation des Neoliberalismus als unbürokratische, deregulierende Bewegung zur Entfaltung der reinen Marktkräfte in keinster Weise mit der Wirklichkeit überein: „Die Aufrechterhaltung einer freien Marktwirtschaft erfordert tausendmal mehr Papierkram als eine absolutistische Monarchie wie die Ludwig XIV.“ (14) Aus dieser, von Graeber durch persönliche Anschauungen untermalte Erkenntnis leitet er das „Eherne Gesetz des Liberalismus“ ab: „Jede Marktreform, jede Regierungsinitiative, die den Amtsschimmel bändigt und die Marktkräfte fördert, resultiert in der Zunahme von Vorschriften, Verwaltungsarbeit und der vom Staat beschäftigten Bürokraten.“ (14)
Trotzdem will dieser Zusammenhang nicht ins Alltagsbewußtsein treten, wo besonders die populistische Rechte in den USA das Feindbild des „Bürokraten“ pflegt, die als ähnlich „parasitär“ abgewertet werden, wie die oft mit rassistischen Untertönen dargestellten Armen, die von unfähig-mitleidigen Bürokraten ständig mit fremden Geld ausgestattet würden.(1)Tatsächlich, so bemerkt Graeber, wird die pejorative Bezeichnung „Bürokrat“ oftmals mit „Beamter“ gleichgesetzt, was zurückgehe auf die Zeit des New Deals. Dagegen werden in der öffentlichen Wahrnehmung Firmenchefs der mittleren Ebene, Offiziere, Polizisten und Mitarbeiter der NSA praktisch nie als Bürokraten betrachtet.
Dabei sind letztgenannte unerlässliche Teile des Prozesses einer „totalen Bürokratisierung“, die entgegen der Selbstbeschreibung und ideologisch präformierten Wahrnehmung des Neoliberalismus, von Statten geht. In der Zeit des korporatistischen Kapitalismus sahen sich die Manager in einem fragilen Bündnis mit den Arbeitern, heutzutage stiften sie ein Bündnis mit den Investoren. (Die linke Bürokratiekritik der 70er, die das faschistisch-korporatistische Bündnis attackierte, sei demnach heutzutage vollkommen irrelevant.) Im Zentrum einer linken Bürokratiekritik auf der Höhe der Zeit müsste das „Bündnis aus Staat und Finanzwirtschaft“ stehen, das „häufig Ergebnisse hervor(bringt), die erschreckend den schlimmsten Bürokratie-Exzessen in der ehemaligen Sowjetunion oder in früheren rückständigen Kolonialgebieten im globalen Süden ähneln.“ (29) Diese Bürokratien sind jedoch weit davon entfernt, transparente und für alle gleiche kodifizierte Regelwerke zu schaffen: „Die Reichen spielen immer nach anderen Regeln“, denn bürokratische Systeme bringen immer eine „Kultur der Komplizenschaft“ als „Kriterium für die Loyalität“ hervor. (34/35) Doch Komplizenschaft alleine reicht nicht aus, um das bürokratische System zu stabilisieren. Es ist die Gewalt, die nach Graeber, dichter und allgegenwärtiger ist und er verweist auf Überwachungskameras, Ausweiskarten, Uniformen an jeder Straßenecke: „unpersönliche Regeln und Vorschriften funktionieren aber nur, wenn sie durch Gewaltandrohung gestützt werden.“ (42) Wenn Graeber hier reklamiert, diejenigen Sozialtheorien lägen falsch, die eine Abnahme von unmittelbarem Gewalteinsatz zur Aufrechterhaltung sozialer Kontrolle behaupten, so stört hier zum ersten Mal der bloß essayistische und nicht strikt wissenschaftliche Charakter dieser Schrift. Der Rezensent hätte sich hier eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Norbert Elias, Michel Foucault oder Steven Pinker gewünscht.
Überzeugend fällt dahingegen die zweite große These zur Durchsetzung bürokratischer Herrschaft aus. Laut Graeber ist diese nämlich nicht der Technologie als ursächlichem Faktor zuzuschreiben. Vielmehr sind soziale Faktoren und die Lenkung technologischen Fortschritts im Sinne von Herrschaftsinteressen zentral. Wie Graeber in dem absolut faszinierenden eigenständigen zweiten Kapitel unter der Überschrift „Von fliegenden Autos und dem Fall der Profitrate“ deutlich macht (und das ihn nicht nur als Science Fiction-Fan, sondern auch als technologieoptimistischen Anarchisten ausweist), wurden diejenigen Technologien, die die Schaffung alternativer Zukunftswelten ermöglichten, systematisch unterbunden. Dafür wurden Technologien für Kriege, Steigerung der Arbeitsdisziplin und der sozialen Kontrolle gefördert. Graeber gibt en passant auch eine Interpretation des sogenannten postmodernen Denkens, das sich in Schlüsselbegriffen wie „Simulieren“ und dem „Hyperrealem“ ausdrückt und dem eine merkwürdige Erschlaffung und Ermüdung in Hinsicht auf große Erzählungen anhaftet. Tatsächlich bemerkte die postmoderne Befindlichkeit, dass bloß noch Simulation möglich sei, dass wir in eine neue „bisher nicht gekannte historische Phase eingetreten seien, in der wir begreifen, dass es nichts Neues mehr gibt“ (135). Jeder Science Fiction Fan kann dies bis heute bemerken, denn wo bleiben die großen Zukunftsvisionen? Die fliegenden Autos? Von dem Sieg über schreckliche Krankheiten ganz abgesehen. In einer kurzen Phase des Kalten Krieges schien auch innerhalb des Westens die die wissenschaftliche Intelligenz sponsernde Herrschaft kreative Potentiale im Wettstreit der Systeme entfalten zu wollen. „Der endgültige Sieg über die Sowjetunion führte in Wirklichkeit nicht zur Herrschaft des ‘Marktes’. Er festigte vielmehr die Vorherrschaft einer konservativen Machtelite, von Wirtschaftsbürokraten, die unter dem Vorwand kurzfristigen Wettbewerbsdenkens alle ungewöhnlichen, neuartigen oder möglicherweise auch revolutionären Gedanken zu ersticken versuchen.“ (171)
Offensichtlich siegte also der Bürokratismus, der die Phantasie gerade nicht an die Macht (so die 68er-Hoffnung) brachte, sondern mit einer strukturellen Dummheit einhergeht. Das führt Graeber im zweiten Kapitel seines Buches aus. Nach einem locker geschriebenen, aber oberflächlich gehaltenen Abschnitt über Sozialtheorien von Max Weber über die Frankfurter Schule bis zu Foucault, das darin mündet die einen als „Optimisten“, die anderen als „Pessimisten“ auszuweisen, geht Graeber – für einen Anthropologen erstaunlich ketzerisch – der Dummheit und Banalität bürokratischer Gewalt nach. Gewalt hat keinen tieferen Sinn. Strukturelle Gewalt und Abhängigkeits- wie Ausbeutungsverhältnisse, so Graebers durchaus zutreffende Beobachtung, bringen einseitige Strukturen der Imagination hervor: Der Unterworfene leisten nicht nur physische Arbeit, sie müssen auch viel mehr interpretatorische Arbeit aufwenden. Das Dienstmädchen weiß meist mehr über die Hausherrin und muss ihre Gedanken weit besser lesen können, als die Herrin jene der Bediensteten. (89) Im Bereich der Fabrikproduktion, so Graeber weiter, stülpt sich dieses Verhältnis jedoch um: „Sie gehört zu jenen Bereichen, in denen die beherrschende Klasse mehr imaginative Arbeit leistet als die andere und nicht weniger“. Dies mag auf der Ebene der Verwaltung, der Technik, der geplanten Produktionsabläufe richtig sein, doch die operaistischen Fabrikuntersuchungen, die David Graeber als Diskutante und Freund des amerikanischen Midnight Note Collective bekannt sein dürften, haben auch hervorgehoben, dass die ArbeiterInnen einen Gutteil ihrer Zeit darauf verwenden müssen, Probleme zu beheben, Informationen zu verarbeiten und weiterzugeben, Ergebnisse und Erwartungen zu antizipieren. „Interpretationsarbeit“, wie Graeber das nennt und es vorrangig im Zwischenmenschlichen und in der Reproduktionssphäre ansiedelt, wird also auch in der großen Industrie geleistet – was Marx im übrigen auch bereits bekannt war.
Graeber kommt auf Marx zu sprechen und weist auf das Immanenz-Transzendenz-Problem hin, dem sich auch Marx stellte und das alle materialistischen Theoretiker bis zu Herbert Marcuse wiederholt beschäftigt haben: Wie kann man den Kapitalismus tatsächlich überwinden ohne einer reinen Steigerung der technischen Seite der Produktivkräfte das Wort zu reden (Immanenz) oder die Imagination, das Neue, das reine Begehren zu verabsolutieren (Transzendenz) und am Ende Donquichotterie oder Utopismus zu betreiben? Meines Erachtens ist hier Marx klarer und sich dieser Problematik durchaus mehr bewusst als Graeber suggeriert. Produktivkraftentwicklung hieß bei Marx nicht zuletzt allseitige Entfaltung des Vermögens der Menschen und Reduktion notwendiger Arbeit. Dies eröffnet ein immer größer werdendes „Reich der Freiheit“, dessen konkrete Ausgestaltung tatsächlich nicht im Hier und Jetzt zu bestimmen ist. Auf etwas dunkle Art deutet Graeber an, dass Marx vor dem Aufkommen des Feminismus „vielleicht auch die intellektuellen Werkzeuge“ zur Beantwortung der Transzendenzfrage fehlten. (115) Vielleicht löst sich Graebers Missverständnis in Bezug auf Marx auch auf, wenn man im Rechnung stellt, dass er reproduktive Arbeit (Interpretationsarbeit, Sorge, Fürsorge) als die primäre ansieht, die bloße Herstellung von Gütern nur als davon abgeleitet und dann behauptet, „der Aspekt des Kapitalismus, der am stärksten die Entfremdung forciert, besteht darin, uns zu zwingen, es umgekehrt zu sehen…“ (291, Fßn 36) Doch es ist keine Frage des Sehens, sondern eine Frage des materiellen Zwangs des Kapitalismus, der schließlich Privatarbeit und Profitprinzip als Totalität setzt.
Marx selbst wird von Graeber äußerst respektvoll eingeführt und behandelt. Dass Marx die Bourgeoisie als „revolutionäre Kraft einstufte (beispielsweise und ganz deutlich im Manifest) führt der Anarchist Graeber nicht etwa auf eine Fehlinterpretation von sozialer Revolution bzw. ihre Verwechslung mit industrieller Entwicklung zurück – wie Erich Mühsam, Gustav Landauer, schließlich sogar Karl Korsch und andeutungsreich Walter Benjamin kritisierten -, sondern Graeber konzediert, dass die Bourgeosie zu Zeiten von Marx tatsächlich eine „äußerst produktivistische Philosophie“ vertrat (111). Im übrigen teilt Graeber die Ansichten, die in der Arbeiterbewegung stets anarchistische wie marxistische Strömung einte: „Man bedenke, dass es stets um Wert geht“ (46). Kontrolliert, überprüft, gemessen wird stets wegen den Gewinnerwartungen und dem Profit einer nicht-arbeitenden Klasse.
Sicherlich könnte man in den programmatischen und politischen Schriften von Marx etliches Bürokratisches und den Bürokratismus des Leninismus vorwegnehmendes zu Tage befördern. Was ja auch im Begriff der „Kaderverwaltung“, die Administratives wie Schöpferisches zusammen führen sollte, tatsächlich aber die neue Klassenherrschaft verschleierte, deutlich wird. Mit dem bürokratisch-sozialistischen Regimes des 20. Jahrhunderts hält sich Graeber gar nicht lange auf, sie hätten Machttheorien der Rechten übernommen und lediglich Lippenbekenntnisse abgelegt zur bestimmenden Natur der Produktion, also Marx nur als Legitimationswissenschaft übernommen. So richtig im Prinzip letzteres ist, so stutzig wird man bei ersterer Behauptung. Gab es denn 1917 bereits elaborierte „Machttheorien der Rechten“? Kann man den Leninismus und den daraus resultierenden Stalinismus also einfach „der Rechten“ zuweisen? Für einen Anarchisten sind die Zeichnungen der bürokratischen Welt des real existierenden Sozialismus ohnehin erstaunlich milde ausgefallen, in vielen Punkten scheint Graeber ihm sogar einen (positiv konnotierten) Entwurfscharakter zu zu billigen. Für Graeber „markierten all die verrückten Pläne der Sowjets – auch wenn sie niemals verwirklicht wurden – den Höchststand dieser poetischen Technologien“, die er von den bürokratischen Technologien zu unterscheiden versucht (174). Das mag für die Frühphase des Bolschewismus gelten, mit seinem Futurismus und Konstruktivismus, spätestens ab Mitte der 20er Jahre war damit Schluss. Der Schrecken von Willkür und Bürokratismus, von Terror und Traum, von Menschenverschleiß und Propagierung des „neuen Menschen“ soll wohl nicht zu sehr vergegenwärtigt werden, wenn es gegen den Bürokratismus des finanzialisierten Kapitalismus des Heute geht, in dem „überall bewaffnete Wächter und Überwachungskameras auf(tauchen), (…) Wissenschaft und Kreativität unterdrückt (werden)“ und wir „einen wachsenden Teil unseres Tages dem Ausfüllen von Formularen opfern müssen“ (244)
Insgesamt stellt dieses Buch jedoch eine äußerst anregende Lektüre dar, es beansprucht ja selbst keinen geschlossenen Werkcharakter, sondern will Anregungen geben. Besonders in den erheiternden Passagen, in denen der Autor die Welt der Fantasy-Spiele als (immer noch verdinglichte) Gegenentwürfe zum Bürokratismus beschreibt, die Superhelden-Comics und ihre Verfilmungen als ideologische Produkte zum Ausschluss wirklich befreiender Aufsprengung der herrschenden Ordnung skizziert, in denen der Superheld für Ordnung sorgt und der böse Gegenspieler immer Chaos aus tyrannischem oder nihilistischem Eifer stiftet – und die anarchistischen Überschreitung des Gegebenen gebannt bleiben muss. Für popkulturell und cineastisch interessierte Leser stellt dies ein Genuss dar. Manchmal hat man den Eindruck, Graeber gefalle sich in einem Gestus des klugen und gewitzten Loslaberns und Assoziierens. Demnach wäre er die libertäre und damit um eine ganze Welt bessere Variante von Slovoj Zizek.
Originaltext
Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2016
Zur Ergänzung:

Sternstunde Philosophie

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Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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