Köln und Kant

Was hätte der Königsberger Philosoph zu Silvester gesagt?

von Prof. Wolfgang Berger aus „Business Refraiming“
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Dass die Lage in Köln an Silvester außer Kontrolle geriet, war wohl „Political Correctness“ und weniger eine Überforderung der Polizei. „Ab einer bestimmten Eskalationsstufe wäre die Ultima Ratio Lagebereinigung gewesen“, hat ein Polizist ausgesagt. Das ist der Polizeijargon für „knüppeln statt festnehmen“. Bilder von Ordnungshütern, die vor dem berühmtesten Dom Deutschlands auf 1.000 Nordafrikaner oder Araber einprügeln, wären um die Welt gegangen. Mit dem Leid bedrohter, begrabschter und bestohlener Frauen ist das verhindert worden. Ich schlage deshalb vor, ihnen das Bundesverdienstkreuz zu verleihen.
In seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ hat der große Königsberger Philosoph 1795 gefordert, dass ein Fremder nur abgewiesen werden dürfe, wenn dies „ohne seinen Untergang geschehen kann“. Dies folgt aus Immanuel Kants Konzept eines Weltbürgerrechts, das ein Besuchsrecht einschließt, nicht aber ein Bleiberecht gegen den Willen der Bewohner des besuchten Gebiets.
Kant hatte wohl an den Schiffbrüchigen gedacht, der mühsam und hilflos Land erreicht hat und nicht wieder ins Meer gestoßen werden darf. Den heutigen Brüchigen ist nicht das Schiff untergegangen, sondern ihr Land. Aus dem Konzept eines Weltbürgerrechts leitet sich ein moralischer Imperativ zur Flüchtlingshilfe ab.
Ein Besuchsrecht darf nicht missbraucht werden. In britischen Städten gehören bandenmäßige Überfälle von Migranten auf junge Frauen zum Alltag. Aus „Political Correctness“ verbietet sich unsere Presse, darüber zu berichten. Ein Besucher, der meine Frau bedroht, begrabscht und bestiehlt, wird des Hauses verwiesen.
Kants Konzept des Weltbürgerrechts ist umfassender. Es geht davon aus, dass die Erde einmal im Gemeinbesitz aller auf ihr lebenden Menschen war. Daraus folgt, dass das Nebeneinander von Staaten, die ihren Bewohnern sehr unterschiedliche Lebenschancen bieten, ethisch gleich zu beurteilen ist wie das Feudalsystem. Damals war das Leben durch die Geburt in eine Familie determiniert. Heute ist das Leben durch die Geburt in eine Staatsbürgerschaft determiniert.
Das hat kulturelle Folgen. Die meisten in einem Gebiet lebenden Menschen erschaffen eine gemeinsame Kultur. Die Kultur prägt die Regeln des Zusammenlebens und -arbeitens durch Sprache, Gewohnheiten und Verhaltensnormen. Und das hat wirtschaftliche Folgen. Es gibt Modelle, die Glück verheißen, wie z. B. Bhutan. Es gibt Modelle, die Reichtum verheißen, wie z. B. die Vereinigten Staaten. Und es gibt Modelle, die sozialen Frieden verheißen, wie z. B. Kontinentaleuropa (solange es noch über sich selbst bestimmt hat).
Wo Glück, Reichtum oder sozialer Frieden aus eigener Lebenseinstellung und Leistung erwachsen, herrscht Frieden. Wo sie aus Diebstahl oder Raubüberfällen erwachsen, erschaffen sie Konflikte. Solche Konflikte müssen innerhalb eines Staates durch das Gewaltmonopol des Staates nach seinen Gesetzen gelöst werden. Zwischen Staaten sollten sie durch das Regelwerk der Vereinten Nationen gelöst werden.
Dass das nicht immer realistisch ist, ersehen wir aus einer Auseinandersetzung innerhalb der US-Regierung von Präsident George W. Bush, der im Herbst 2001 gegen Afghanistan Krieg führen wollte. Als ein Berater ihn darauf hinwies, dass ein solcher Krieg das Völkerrecht breche, wurde der Präsident wütend und sagte: „Das ist mir egal. Ich will jemandem in den Arsch treten (kick in the ass)“. Diese Entscheidung hat die USA seitdem in jedem Jahr ca. 100 Milliarden Dollar gekostet und die Zahl der Toten geht in die Millionen.
Die Besinnung auf gemeinsame Werte erscheint als die große Aufgabe unserer Zeit – sowohl im Inneren als auch im Äußeren. Selbstaufgabe ist schleichender Selbstmord. Das gilt für jeden einzelnen, für jedes Unternehmen, für jedes Land und jetzt vor allem auch für Europa.
Originaltext

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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