„IHRE Kriege – UNSERE Toten“

"IHRE Kriege- UNSERE Toten"

Ist die Welt heute verrückter als gestern? Ich glaube nicht.
Das Problem ist, dass die Mehrheit der Menschen immer nur dann reagiert, wenn sie direkt betroffen ist. Bomben und Schüsse in Paris gehen uns „nah“, aber die Bomben, Schüsse und der tägliche Terror des ökonomischen Elends ausserhalb der sog. „Westlichen Welt“ finden zwar den Weg in die Medien, aber dort gerinnt diese fürchterliche aktuelle Realität zu einem Stück „Informations-NORMalität“, über die wir nicht mehr wirklich nachdenken, sondern nur an uns vorbeiflimmert. Erst wenn uns das Blei buchstäblich selbst um die Ohren fliegt, verstehen wir die Realität von Tod, Verlust, Zerstörung, Trauer und Verzweiflung am eigenen Leibe nachzuvollziehen.
Und dann ist das Geschrei gross. Aber was bei „uns“, im “Westen”, der „Ausnahmezustand“ ist, ist in einigen Ländern des nahen und mittleren Ostens, in Afrika und Lateinamerika der Lebensalltag. Es wäre gut, wenn man sich das wirklich klar machen würde.
Ungeachtet aller politischen Instrumentalisierungen, die natürlich stattfinden und stattfinden werden, sind es zwei Dinge, die man berücksichtigen sollte, wenn man seine „Betroffenheit“ ausdrücken möchte:
  • Jedes Menschenopfer politisch motivierter Gewalt ist eines zuviel. Das ist der rationale Kern des Pazifismus.
  • Gewalt, Krieg und Terror sind das notwendige und logische Produkt einer Welt, die zutiefst auf Ungleichheit und der Vermehrung der Ungleichheit basiert
Wer also über den „Terrorismus“ spricht, darf vom “Raubtier-Kapitalismus” (Helmut Schmidt) und Imperialismus nicht schweigen!
Es sind „ihre“ Kriege, Kriege der herrschenden Klassen und Eliten – aber „unsere“ Opfer, Opfer der “Überflüssigen” (Kai Ehlers), der noch abhängigen „Unterklassen“.
Darum darf es keinerlei Burgfrieden geben mit Hollande, Merkel, Obama, Netanjahu, Erdogan und wie sie alle heissen mögen.
Mit Worten von Kai Ehlers:
“Ein globaler Verwertungsprozess reißt uns aus unseren lokalen familiären, wirtschaftlichen und geistigen Verankerungen und spuckt uns am Ende als menschlichen Müll wieder aus. Nur wenige Profiteure sind die Nutznießer dieses Vorganges, eine wachsende Mehrheit sieht sich als „überflüssig“ ins Abseits gedrängt. Millionen der heute sieben Milliarden Menschen schaffen nicht einmal den Sprung in die Verwertung. Sie bleiben gleich auf den Müllhalden der Zivilisation stecken. Kein Ausweg?  Keine Perspektive? Nur noch der große Crash? Nur noch lang angelegte strategische Selektion zwischen Nützlichen und nicht Nützlichen, bis hin zu eugenischen Selektionsphantasien der heute Mächtigen? Oder eine Revolte der „Überflüssigen? Aber wie könnte diese Revolte aussehen?
Schauen wir genau hin: Die „Überflüssigen“ sind nicht das Problem, das entsorgt werden müßte – sie sind die Lösung. Sie sind Ausdruck des über Jahrtausende angesammelten Reichtums der Menschheit – wirtschaftlich, sozial und kulturell. Sie sind Ausdruck der Kräfte, welche die Menschheit heute zur Verfügung hat, um vom physischen Überlebenskampf aller gegen alle in eine ethische Kulturgemeinschaft überzugehen, die am Aufstieg des Menschen zum Menschen orientiert ist und keinen Menschen mehr ausschließt.”
Welche Kräfte liegen in ihrem „Überflüssigsein“? Welche Kraft würden die „Überflüssigen“ bilden, wenn sie sich entschließen, ihr Leben selbst zu organisieren – und schließlich einen Weg der Selbstorganisation in eine neue, sozial orientierte Gesellschaft zu gehen?
Aber ist eine not-wendende “kritische Masse” der “Überflüssigen” schon so weit den neuen Weg zu gehen?
Bei dieser Frage kam mir das Gedicht von Günter Eich in den Sinn:
Wacht auf!
Wacht auf, – denn eure Träume sind schlecht!
Bleibt wach, – weil das Entsetzliche näher kommt.
 
Auch zu dir kommt es, der weitentfernt wohnt
von den Stätten, wo Blut vergossen wird,
auch zu dir und deinem Nachmittagsschlaf,
worin du ungern gestört wirst.
Wenn es heute nicht kommt, kommt es morgen,
aber sei gewiß.
 
„Oh, angenehmer Schlaf
auf dem Kissen mit roten Blumen,
einem Weihnachtsgeschenk von Anita, woran sie drei Wochen gestickt hat,
 
oh, angenehmer Schlaf,
wenn der Braten fett war und das Gemüse zart.
Man denkt im Einschlummern an die Wochenschau von gestern abend:
Osterlämmer, erwachende Natur, Eröffnung der Spielbank in Baden-Baden,
Cambridge siegte gegen Oxford mit zweieinhalb Längen, –
das genügt, das Gehirn zu beschäftigen.
 
Oh, diese weichen Kissen, Daunen aus erster Wahl!
Auf ihm vergißt man das Ärgerliche der Welt, jene Nachricht zum Beispiel:
Die wegen Abtreibung Angeklagte sagte zu ihrer Verteidigung:
Die Frau, Mutter von sieben Kindern, kam zu mir mit einem Säugling,
für den sie keine Windeln hatte und der
in Zeitungspapier gewickelt war.
Nun, das sind Angelegenheiten des Gerichtes, nicht unsre.
Man kann dagegen nichts tun, wenn einer etwas härter liegt als der andre.
Und was kommen mag, unsere Enkel mögen es ausfechten.“
 
Ach, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!
Schon läuft der Strom in den Umzäunungen, und die Posten sind aufgestellt.
 
Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid mißtrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für
euch erwerben zu müssen.
Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit
der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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Eine Antwort zu „IHRE Kriege – UNSERE Toten“

  1. Gray Man schreibt:

    Ich vermute es ist nicht das Problem das Menschen zusammenarbeiten und eine bessere Zukunft organisieren können.
    Das Problem ist das „die Mächtigen“ nur dann profitieren wenn sie Gemeinschaften infiltrieren, instrumentalisieren und ausbeuten. Sobald sich eine Alternative andeutet wird diese kompromittiert oder liquidiert. Etwas anderes kann ein „Mächtiger“ nicht zulassen, sonst wäre es vorbei mit _seiner/Ihrer_ Macht.

    Wenn man über Alternativen nachdenkt geht es nicht nur um eine bessere Welt, man muss auch über Wehrhaftigkeit, Tarnung vor und Abgrenzung zu Entitäten/Ideologien etc. nachdenken die destruktiv agieren, wie über mögliche Entwicklungen die sich daraus ergeben.
    Die Welt ist alles andere als friedlich, Raubtiere und Parasiten sind alles andere als sozial, sie bedienen sich nur der Mimikrie.

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