Eine Schandpauke

von Urs P. Gasche aus „infosperber“
Die Fluchtgründe Krieg, Verfolgung und Ausbeutung haben wir reiche Staaten mit verursacht. Es ist Zeit, in den Spiegel zu schauen.
Bequem in Polstersesseln gaben wir uns allzu lange der Illusion hin, wir hätten mit den Kriegen, Bürgerkriegen und dem wirtschaftlichen Elend nichts zu tun.
Doch wir Reichen sind mitverantwortlich: Für Kriege, Zerstörung und unsagbares Elend von Syrien über Irak, Jemen bis Libyen. Für Ausbeutung und sklavenartige Arbeitsverhältnisse in den beiden Kongos, Burkina Faso, Äthiopien, Eritrea, Bangladesh, Thailand oder Kambodscha.
A. Wir haben die USA politisch und publizistisch unterstützt, als diese zuerst in Afghanistan und dann im Irak völkerrechtswidrig Krieg führten.
B. Die internationale Rüstungsindustrie durchdringt die politischen Organe und schürt erfolgreich Feindesbilder. US-Präsident Dwight D. Eisenower hatte schon 1961 vor dem militärisch-industriellen Komplex gewarnt.
C. Der Westen verkauft modernste Waffen an Saudiarabien. Auch die Schweiz. Für die damalige US-Aussenministerin Hillary Clinton waren saudische Geldgeber bereits im Jahr 2010 «die grössten Finanzierer von terroristischen Sunniten-Gruppen weltweit». Zu diesen Gruppen gehören Al Kaida und die IS.
D. Für die grossen Flüchtlingslager in Jordanien, Libanon und der Türkei stellen die reichen Länder viel zu wenig Geld bereit. Es fehlt an Essen und Hygiene. (1)
E. In den genannten Ländern erhalten Millionen von Syrern keine Rechte als anerkannte Flüchtlinge, dürfen nicht arbeiten und können ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Gegen diese Verletzung der Genfer Flüchtlingskonvention unternehmen die reichen Staaten nichts.
F. Viele Länder haben die Türkei mit Kriegsmaterial bestückt. Auch die Schweiz. Zur Zeit entsteht dort ein neuer Brandherd. Noch mehr Kurden müssen flüchten.
G. Grossbanken und Hedge Funds, in der Schweiz sogar die Nationalbank, investieren in Unternehmen, die Minen und Streubomben herstellen. Weitere fünf Milliarden Franken haben allein Schweizer Grossbanken in Unternehmen investiert, welche Atomwaffen herstellen.
H. Konzerne und Investmentfonds kaufen oder leasen in Afrika grosse fruchtbare Regionen, um darauf Futtermittel und Agrartreibstoffe für uns Reiche zu herzustellen. Beispiel Äthiopien: «Wir produzieren genug, um die Nation zu ernähren, nur werden die Produkte überwiegend exportiert» (Jawar Mohámmed, Betreiber eines äthiopischen Fernsehsenders in der NZZ). In Äthiopien leiden 75’000 Kinder unter akuter Mangelernährung (Uno).
I. Wir überschwemmen Afrika mit Agrarprodukten, die wir mit Milliarden subventionieren. Gleichzeitig verbieten Weltbank und Weltwährungsfonds den armen Ländern, ihre lokale Produktion gegen die hoch subventionierten Importe zu schützen.(2)
J. Die Industriestaaten fischen mit modernster Technik und riesigen Flotten Afrikas Küsten leer und berauben die lokalen Bevölkerungen ihrer Lebensgrundlage.
K. Was wir bei den eigenen Bauern nie zulassen würden, muten wir den Kaffee-und Kakaopflanzern zu: Ihre Einkommen hängen von spekulativen Ausschlägen an den Rohstoffbörsen ab.(3)
  1. Wir importieren Kupfer, Gold, Uran und andere Rohstoffe, die unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut und gefördert werden, ohne die Rohstoffkonzerne zur Verantwortung zu ziehen.
  2. Wir kaufen billige Kleider, welche Textilkonzerne unter ausbeuterischen Bedingungen produzieren lassen.
  3. Wir helfen der reichen Oberschicht armer Länder, ihre durch Korruption und Ausbeutung erlangten Vermögen diskret auf unsere Banken zu verschieben und vor dem Fiskus und der Öffentlichkeit zu verstecken.
  4. Wir ermöglichen Konzernen, ihre Gewinne in armen Ländern auf Steueroasen zu verschieben. Auch in die Schweiz. Insgesamt fliesst viel mehr Kapital vom armen Süden in den Norden als umgekehrt.(4)
  5. Wir Wohlstandsländer gefährden das Klima – pro Kopf gerechnet – mit Abstand am stärksten. Flüchten vor den Folgen müssen andere.
Unter dem Eindruck des Weltkriegs und des Faschismus hat die Uno 1948 die universelle Deklaration der Menschenrechte verabschiedet: «Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren…Sie sollen einander in Brüderlichkeit begegnen…Jeder Mensch hat als Mitglied der Gesellschaft Recht auf soziale Sicherheit…Jeder hat das Recht, jedes Land, einschliesslich sein eigenes, zu verlassen…Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu geniessen.» (Art 13 und 14)
An Armut, Elend, Ausbeutung und Kriegen sind wir mitverantwortlich. Frei nach dem Kategorischen Imperativ des Philosophen Immanuel Kant hätten wir unsere Gesellschaft und unser Leben so einzurichten, dass alle Menschen auf unserem Planeten in absehbarer Zeit so leben können wie wir. Das geht nur, wenn wir uns von unserer Wachstums-, Konsum-, Wegwerf- und Ausbeutungsgesellschaft verabschieden.
(1) Die Lager sind laut Oxfam «massiv unterfinanziert». Die reichen Länder stellten weniger als 20 Prozent der Mittel zur Verfügung, die für das Existenzminimum der elf Millionen Menschen, die innerhalb und ausserhalb Syriens vertrieben wurden, notwendig wären.
(2) Die OECD beziffert die Stützungsleistungen für Landwirtschaftsbetriebe im Jahr 2013 auf 258 Milliarden.
(3) Ist es ethisch vertretbar, nur unseren eigenen Bauern Einkommen und Preise zu garantieren, jedoch Bauern in armen Ländern der Willkür von spekulativen, stark schwankenden Weltmarktpreisen von Mais, Getreide, Reis, Palmöl, Soja, Kaffee, Kakao, südländischen Früchten oder Baumwolle auszuliefern? Ist diese unterschiedliche Behandlung sogar rassistisch?
(4) Die UN-Wirtschaftskommission für Afrika schätzt den Kapitalabfluss aus Afrika auf jährlich über 50 Milliarden Dollar. Das sind bedeutend mehr als an Entwicklungshilfe nach Afrika fliesst. Dabei würden Fluchtgelder korrupter Potentaten den geringsten Teil ausmachen. Am meisten Kapital verlasse den Kontinent in Form meist versteckter Gewinne. Die Steuerumgehung über Steueroasen bringe den afrikanischen Fiskus um jährlich 10 Milliarden Dollar.
Originaltext
Ergänzung zum obigen Text von AI:
Die Aussagen im Text über die Schweiz können auch auf Deutschland übertragen werden.

Der Tag als die Einsicht kam … oder Schwanengesang ?

In der Nacht zum Donnerstag, 24.09.2015 erklärte Bundeskanzlerin Merkel bei einem Gipfeltreffen der EU in Brüssel, tags darauf in einer Regierungserklärung in Berlin, dass angesichts der „Flüchtlingskrise“ nicht nur über deren Integration, auch nicht nur über deren Eindämmung nachgedacht, sondern auch mit Assad gesprochen werden müsse.
Und nicht nur das: „Die Kanzlerin sprach von den Ursachen, die am Anfang aller Flüchtlingswellen stehen: Krieg, Völkermord, Hunger, Armut, Aussichtslosigkeit.“ Wer nicht versuche die Gründe „wenigstens zu verringern““ werde bei der „Symptombekämpfung immer überfordert bleiben“.
Den Kommentar zu diesem Schwanengesang wird die Wirklichkeit schreiben.

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
Dieser Beitrag wurde unter Éthnos, Bewußtsein, Kultur-Leben, Menschenwürde, Rechts-Leben, Wirtschafts-Leben, Zum Aufwachen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s