Ins (Traum)Land von Milch und Honig

Von Gisbert Kuhn aus „Journal21“
Deutschland zwischen „Willkommenskultur“ und wachsender Sorge vor Überfremdung. Die Lage könnte sich sehr rasch zuspitzen.
War da neulich wirklich mal etwas mit Griechenland? Irgendwas mit Staatspleite und einem weiteren, EU-finanzierten milliardenschweren Hilfspaket? Haben sich tatsächlich erst vor wenigen Wochen noch die Leitartikler und Titel-Gestalter in den Medien geradezu überschlagen, normalerweise seriöse Politiker in den 28 Mitgliedstaaten der Gemeinschaft sich allen Ernstes auf das Wüstete beschimpft und ansonsten im Grossen und Ganzen zufriedene Bürger um den Untergang von Wirtschaft und Währung gebangt? Oder ist das alles nur ein Albtraum gewesen? Tatsache jedenfalls ist, dass das Thema Griechenland völlig aus den Schlagzeilen verschwunden ist, die es vorher über Monate beherrschte – zumindest was Euro-Krise, drohenden EU-Zerfall usw. usw… anbelangt.
Die neue, wirkliche Katastrophe
Kein Wunder – erleben wir doch in diesen Tagen eine neue, eine wirkliche Katastrophe. Wir sehen fassungslos und nahezu hilflos zu, wie eine wahre Völkerwanderung über Westeuropa, hauptsächlich jedoch über Deutschland, hereinbricht. Und wieder einmal versagt das organisierte Europa – die EU – kläglich. Wieder einmal zeigt sich, dass das ganze Gerede von der „Wertegemeinschaft“ immer dann nichts anderes als eben Gerede war und ist, wenn es nicht mehr um die Verteilung von Wohltaten geht, sondern um wirkliche Solidarität und gegenseitige Hilfe, die dann – notgedrungen – halt auch mit Opfern, Erschwernissen und Einbußen verbunden ist.
Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Deutschland und die Deutschen angesichts der aktuellen Lage vor der wahrscheinlich größten Herausforderung seit Kriegsende stehen. Vor einer Bewährungsprobe, deren Bewältigung deutlich schwerer sein wird als die mit der Wiedervereinigung vor einem Vierteljahrhundert verbundenen Schwierigkeiten. 800´000 Menschen, vielleicht sogar mehr als eine Million, wollen allein in diesem Jahr hier Aufnahme, Sicherheit für Leib und Leben, Unterkunft und wahrscheinlich auf unabsehbare Zeit ihr Auskommen finden. Menschen, jedenfalls viele davon, durch Krieg, Folter, Flucht und Armut traumatisiert, dazu aus völlig anderen Religions- und damit Kulturkreisen, ohne Sprachkenntnisse sowie mit unseren Vorstellungen vielfach unakzeptablen Sitten, Rechts-, Moral- und Ehrbegriffen und oft genug mit total irrealen Vorstellungen von dem gelobten reichen Land namens Alemanya, in dem angeblich Milch und Honig fließen. Wie soll das funktionieren?
Das Stimmungsbarometer schlägt aus
Die Deutschen – wir also – sind ja nicht gerade berühmt für innere Gelassenheit und gesellschaftliche Stabilität. Grenzenloser Jubel (etwa beim Fall der Berliner Mauer) machte von einem Tag zum anderen (Probleme beim Organisieren der nationalen Einheit) irrationalen Ängsten Platz, gewiss ernstzunehmende Sorgen (z.B. beim sogenannten Nato-Doppelbeschluss – wer weiß eigentlich noch, was das war?) trieben genauso Hunderttausende schreckensbleich auf die Strassen wie verwaltungstechnische Nichtigkeiten (Volkszählung). Am nächsten Tag schüttelte man sich jedes Mal einmal kurz: War da was?
Auch jetzt schlägt zwischen Rhein und Oder, Flensburg und Konstanz das – virtuelle – Stimmungsbarometer im Land wieder kräftig aus, nachdem es zuvor erstaunlich lang öffentliche Ruhe und Immobilität verzeichnete. Man gab sich als Bürger fassungslos (war es wohl auch) gegenüber den Bürgerkriegen und unglaublichen Verbrechen im Nahen Osten, in Nord- und Zentralafrika, blickte mit Entsetzen auf die riesigen Flüchtlingscamps in der Türkei, in Jordanien, im Libanon und – sehr viel seltener schon – in der Mitte des Schwarzen Kontinents. Eine gewisse Unruhe machte sich erst breit, als sich auf dem Mittelmeer immer mehr Tragödien abspielten. Aber selbst da war man ja noch nicht direkt betroffen, sondern konnte mit Kopfschütteln und gewissem Unverständnis die Probleme in Italien und später Griechenland bei der Registrierung der (unwillkommenen) Ankömmlinge kommentieren.
Lawine über die „Balkanroute“
Und dann, mit einem Mal, die menschliche Lawine über die so genannte Balkanroute. Und praktisch alle wollen nach Deutschland! Machen wir es kurz – wer möchte (mit Moral und Gewissen ausgestattet) in der Haut der in der Politik verantwortlichen Personen stecken, die angesichts der Bilder von den griechischen Inseln, aus Mazedonien und – allen voran – Ungarn nicht im Prinzip genauso gehandelt hätten wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungen im Bund und in den Ländern? Und, im Ernst, waren „wir“ nicht auch klammheimlich stolz auf „uns“, als die Abertausenden in München und anderswo von großen Teilen der Bevölkerung mit Applaus und Willkommensrufen empfangen wurden? Gaben „wir“ damit nicht zu erkennen, dass „unser“ Herz heisser und „unser“ Gewissen sozialer ist als überall sonst in den Nachbarländern?
Man täusche sich freilich nicht. Volkes Stimmung kann schnell wechseln. Gemeint sind damit nicht die entsetzlich dämlichen (wenngleich gefährlichen, weil hochgradig kriminellen) Glatzköpfe mit den Springerstiefeln und deren kaum minder zur Gewaltanwendung entschlossenen „Partner“ auf der extremistischen Linken. Gemeint sind auch nicht die unsäglichen, offensichtlich unbelehrbaren Hassprediger in den sogenannten sozialen Netzwerken, die in grossen Teilen längst zu unsozialen Hetzwerken mutierten. Nein, wirklich brenzlig würde es, wenn angesichts der Massen an Zuwanderern in der Mitte der Gesellschaft Sorgen und Ängste die Überhand bekämen. Denn diese „Mitte“ ist schliesslich die entscheidende Stütze des Staates.
Strapazierter Begriff:  „Willkommenskultur“
Und manches deutet durchaus darauf hin, dass der Gipfel der verbal mitunter geradezu überstrapazierten „Willkommenskultur“  bereits erreicht, wenn nicht gar überschritten sein könnte. Sind es nicht gerade jene Medien, welche jetzt die Entscheidung der Kanzlerin zur offenen Grenze und zum ungeregelten Eintritt nach Deutschland zu kritisieren beginnen, nachdem sie ihr noch kurz vorher Zögerlichkeit und Hartherzigkeit unterstellten? Und applaudieren nicht momentan explizit diejenigen am lautesten dem Beschluss zur zeitweisen Grenzschließung, die noch vor wenigen Tagen anklagend auf den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer wiesen, als der genau diese Massnahme forderte? Nein, die Rolle der (wankelmütigen) deutschen Medien in diesen Tagen verdient (wieder einmal) gewiss nicht den Pulitzer-Preis.
In der Zwickmühle
Doch auch ungeachtet dessen, befindet sich Angela Merkel in einer fiesen Zwickmühle. Es ist – erstens – sicher richtig, dass sich Deutschland seiner humanitären Verpflichtung stellt, die ja eigentlich die Pflicht aller Mitgliedstaaten wäre. Es ist – zweitens – genauso richtig, auf europäischer Ebene eine solidarische Haltung einzufordern. Was aber passiert, wenn beides nicht geschieht? Falls also Polen, Slowaken, Balten und Ungarn in ihrer – zutiefst unchristlichen – Position verharren, wenn überhaupt dann ausschiesslich Christen und auf gar keinen Fall Muslimen Schutz und Aufnahme zu gewähren? Oder anders herum – was geschähe, wenn auch jene Länder sich Flüchtlingen öffnen würden, diese sich jedoch weigerten, dorthin zu gehen und stattdessen unter allen Umständen in Deutschland bleiben wollten? Zwangsabschiebung? Das funktioniert ja noch nicht einmal bei abgelehnten Asylbewerbern vom Balkan.
Die Situation mit den Kriegsflüchtlingen und jenen, die zuvorderst aus wirtschaftlichen Gründen von daheim fortgegangen sind, ist schliesslich auch deshalb noch komplizierter geworden, weil wir es – ganz anders als früher –  mit hunderttausenden Entwurzelter zu tun haben, die indessen über die neuen elektronischen Medien total miteinander und auch darüber hinaus vernetzt sind. Warum wollen denn die Allermeisten nur nach Deutschland? Weil sie – einerseits – über ihre Smartphones die (meist zwar falschen) Informationen zu dem ersehnten Milch- und Honigland bekommen. Und – andererseits – auf diese Weise auch die Kontakte zu den Schleuserbanden erhalten.
Auswirkungen auf die Gesellschaft
Zusammengefasst: Es mag uns gefallen oder nicht, wir täten jedoch auf jeden Fall gut daran, uns darauf einzustellen, dass sich vermutlich schon im Verlauf der nächsten Jahre deutliche Veränderungen in der Gesellschaft vollziehen werden. „Wir“, das heisst jeder Einzelne, aber auch Kirchen, Politik, Sozialverbände usw. Das Entscheidende dabei wird sein, ob es gemeinsam gelingt, diesen unausweichlichen Prozess friedlich, geordnet, zivilisiert und in gegenseitigem Respekt zu bewältigen. Das setzt freilich manches voraus. Zum Beispiel, dass man sich möglichst rasch von dem überschwänglichen Willkommens-Journalismus und der in Teilen verbreiteten „Kommt-alle-herein“-Haltung verabschiedet und gegenüber den Neuankömmlingen frühzeitig und unmissverständlich einige Grundsätze anspricht.
Und zwar mehr noch als nur anspricht. Dass man die aus völlig anderen (Rechts)Kulturen kommenden Flüchtlinge mit den hier geltenden  rechtsstaatlichen Spielregeln und Prinzipien vertraut macht und darlegt, dass der Kernbestand dieser Werte nicht verhandelbar ist. Ganz oben steht dabei das Postulat, dem zufolge hierzulande über allem die Verfassung steht – also auch über Bibel oder Koran. Und dass Deutschland ein Land ist, in dem man an Gott glauben oder es sein lassen kann – und es auch erlaubt ist, das offen auszusprechen. Ein Land, in dem man es zwar als geschmacklos empfinden kann, aber sich trotzdem über Jesus oder den Propheten lustig machen darf. Dazu ein Land, in dem die Gleichheit der Geschlechter herrscht, also auch Frauen ein selbst bestimmtes Leben führen dürfen, in das Väter, Brüder und auch Ehemänner nicht hinein zu regieren haben. Und in dem Schulpflicht gilt, wobei selbstverständlich auch Mädchen am gemeinsamen Schwimmunterricht und an Klassenfahrten teilzunehmen haben.
Das sind Selbstverständlichkeiten? Weit gefehlt. Mögen es bislang auch erst wenige Meldungen von ethnischen und religiösen Konflikten sowie von Vergewaltigungen und Drogenhandel aus den diversen Auffanglagern sein, so deuten sie doch auf Entwicklungen hin, auf die sich Staat und Bevölkerung einstellen müssen. Eigentlich beginnen die wirklichen Schwierigkeiten und Herausforderungen erst jetzt.
Originaltext

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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Eine Antwort zu Ins (Traum)Land von Milch und Honig

  1. lunovis schreibt:

    Genau! Und: die Fremden bleiben Fremde in der Fremde. Solche Horden lassen sich nicht assimilieren.

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