Danke Griechenland

„Wenn es nach den Geschichtsbüchern geht, stammt die Demokratie aus Griechenland. Natürlich könnten sich die Historiker auch irren, aber dies ist die vorherrschende Sicht unter den westlichen Völkern, wenn sie denn ein ausreichendes Bewusstsein haben, sich dafür zu interessieren.
Was wir heute, am 2. Juli 2015 erleben, ist, dass in der westlichen Welt nach 2.500 Jahren nur die derzeitige griechische Regierung an Demokratie interessiert ist.
Zur Überraschung und zum Entsetzen jeder anderen europäischen Regierung, hat die griechische Regierung ein Referendum einberufen, bei dem das griechische Volk über das Schicksal Griechenlands entscheiden soll. Dafür, dass die griechische Regierung auf die Demokratie zurückgreift, wurde sie durchgängig in der westlichen Welt verurteilt. Soviel zur westlichen Demokratie. …
Wenn die Griechen sich für ihre Unterdrücker und gegen ihre eigene Regierung entscheiden, dann hört die Demokratie in der Europäischen Union auf zu existieren.
Das Schicksal der ganzen Welt liegt in Griechenlands Händen
Vor 2.500 Jahren sicherten die Griechen sich ihre Unabhängigkeit vom Persischen Reich. Die Wahl am Sonntag wird uns zeigen, ob die Griechen wieder der Freiheit gedient haben, oder ob sie dem Imperium aus Washington erlegen sind. Am Sonntag wird das Schicksal aller Europäer und aller Amerikaner besiegelt werden.“
Dies sagte Dr. Paul Craig Roberts.

Die Griechen dienten am 5. Juli der Freiheit und der Demokratie !

Die Volksabstimmung in Griechenland vom 5. Juli wird in die Geschichte als ein einzigartiger Moment eingehen, als eine kleine europäische Nation sich gegen die Schuldknechtschaft, die herrschende Finanzwelt und ihren politischen Marionetten erhob.
Oder wie sagte Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt in diesem Zusammenhang:
„Wir sind am Vorabend einer möglichen Revolution in Europa.“
Doch Griechenland ist nicht das erste und einzige Land, das den Mut aufbrachte sich gegen die kriminellen Machenschaften der herrschenden Finanzwelt zu wehren, indem es das eigene Volk befragte und den Weg des Volkes ging. Dies Land ist Island – das totgeschwiegene Vorbild.
Island müsste in unseren Medien eigentlich der absolute Knüller sein. Dass das gute Beispiel zur Bewältigung der Finanzkrise totgeschwiegen wird, sagt viel über unsere Pressefreiheit und Demokratie.
Es wäre weise dem Vorbild Island`s zu folgen, da es in Kürze das Schicksal aller Nationen sein wird. Spanier, Portugiesen, Italiener und alle Menschen in allen anderen Länder dieser Erde sollten dasselbe machen wie die Isländer:
  1. das Land retten und nicht die Banken
  2. die bankrotten Banken verstaatlichen und gesundschrumpfen
  3. auf Kosten der Anleger und nicht auf Kosten der Bevölkerung
  4. drei Regierungen wurden mit Hilfe von Dauerdemonstrationen des Volkes („Kochtopfrevolution“) gestürzt, weil sie die Banken vertraten
  5. das Zahlen der Spekulations-Schulden der Banken durch die Bürger wird in drei Volksabstimmungen abgelehnt
  6. eine neue Verfassung durch die Bürger erstellen, ohne Anwälte und Politiker
  7. die Bankiers inhaftieren. Bankmanager wurden zu Haftstrafen zwischen vier und fünfeinhalb Jahren wegen betrügerischer Marktmanipulationen und Untreue verurteilt.
  8. die Währung abwerten – aus dem Euro aussteigen
  9. Steuererhöhung für die Reichen und nicht für die Armen
  10. Island diktiert dem IWF die Bedingungen, und nicht umgekehrt
  11. nach nur 2-3 Jahren ging es der isländischen Wirtschaft und dem Volk wieder gut.
Einer der den Weg der Isländer in der dramatischen Situation mitging ist Ögmundur Jonasson. Er war zu dieser Zeit Gesundheits- und später Innen-Minister.
Ögmundur Jonasson schrieb vor der griechischen Volksabstimmung nachfolgenden Brief an die griechische Bevölkerung:
Danke Griechenland
Als Pandora die Büchse öffnete, entkamen alle möglichen Arten von Übel in die Welt, aber eine der letzten Dinge, die entflohen, war Elpis, über das uns nichtgriechisch Sprechenden gesagt wurde, es sei die Hoffnung.
Die griechische Frage betrifft viele Angelegenheiten. Es geht um Souveränität. Es geht um Demokratie. Es geht um kollektive Verantwortung. Es geht um kollektive Bestrafung. Es geht um die Grenzen von privatem Eigentum.
Das Überraschendste an den Rettungsplänen ist der Konsens der Experten. Plötzlich gibt es keine Meinungsverschiedenheiten mehr über Nationalökonomie oder Politik. Da herrscht eine unheimliche Stille. Viel zu viele Politiker in all den europäischen Ländern haben die gleiche Meinung. Unterschiede werden beiseite geschoben. Wie eine schweigende Menge am Orte einer Hinrichtung.
Von den 19 Staaten der Eurozone haben 16 konservative Regierungen. Erklärt das etwas? Alle sind der Ansicht, dass die Austeritätsmaßnahmen schreckliche Konsequenzen für die griechische Nation haben werden. Nach allgemeiner Übereinkunft sind kollektive Bestrafungen ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Macht das einen Unterschied?
Oder nicht?
Fehler wurden gemacht. Die frühere griechische Regierung war wohl nicht ganz unschuldig daran, dass Goldman Sachs zum Berater über die Haushaltsführung gewählt wurde, als Griechenland in die Eurozone aufgenommen wurde. Europäische Banken mögen der griechischen Regierung und den griechischen Banken zu viel Geld geliehen haben. Und die griechische Regierung hat vielleicht zu viel Militärausrüstung von Deutschland und Frankreich gekauft. Und Kumpel der Regierung in Athen sind wohl mit einigen Steuererleichterungen davon gekommen.
Die Steuerzahler von Europa, die Regierungen von Europa, die Wirtschaftstheoretiker von Europa, die Architekten der Eurozone, alle mögen Fehler gemacht haben in der Strukturierung, Finanzierung und dem Betrieb der Eurozone.
Aber anstatt nun die Fehler zuzugeben und anstatt nun die Kosten zu schultern, haben die Führer von Europa entschieden, einen Sündenbock zu suchen. Die Führer sind in Stimmung für eine Hinrichtung. Einer muss leiden, also lass uns den Schwächsten unter uns suchen und bestrafen. Das ist fast eine biblische Geschichte.
Die griechischen Schulden abzuschreiben wäre kaum ein spürbares Ereignis in der Wirtschaft der Eurozone, wenn es nicht um einen Aspekt ginge, nämlich das Beispielhafte dieses Vorgangs. Die Bedeutung der Bestrafung Griechenlands ist, ein Exempel zu statuieren. Darum geht es hier: Die Lehren, die gezogen werden, das Exempel, das statuiert wird. Es geht um Verbrechen und Bestrafung und wer darüber entscheidet, erst über das Verbrechen, dann über die Bestrafung.
Als die Griechen entschieden, die Demokratie regieren zu lassen, sagte Juncker, er fühle sich betrogen. Das war bemerkenswert, denn das erinnerte uns an die Grundlagen der Politik: Der Konflikt zwischen direkter Demokratie und Regierung durch Delegation. Die andere Konfliktlinie betrifft die Grenzen der Eigentumsrechte, darüber, wie weit ein Gläubiger gehen kann, ohne amoralisch genannt zu werden.
Dieser Konflikt betrifft also viele Dinge und gibt uns die Gelegenheit Politik, Wirtschaft, Ethik und die Probleme der westlichen Plutokratie zu diskutieren.
Was in diesem Kampf heraus sticht, ist die Entscheidung der Griechen, zur direkten Demokratie Zuflucht zu nehmen als der ultimativen Quelle des politischen Mandats. Das war auch die Waffe, die Island eingesetzt hat, um den Angriff der City of London und der niederländischen Regierung zurück zu schlagen. Etwas anderes Auffälliges ist Tsipras‘ Gebrauch der Sprache, die auf den ewigen Kampf des Normalbürgers um Menschenrechte Bezug nimmt, insbesondere der Gebrauch des Wortes Hoffnung.
Es hat mich gar nicht überrascht, dass die institutionelle Welt so reagiert wie sie es getan hat, als die griechische Regierung beschloss, sich mit einem Referendum an die Bürger zu wenden. Ich applaudiere den Griechen für diese Entscheidung und ich schließe mich den Millionen an, die die undemokratischen und abscheulichen Reaktionen der Hüter des Kapitalismus verdammen, der uns unangenehmerweise an Europas kolonialistische Vergangenheit erinnert.
Als Island im Jahre 2008 den Finanzcrash erlitt, sahen wir dem Sturm ins Auge. Als Regierungsmitglied zum Zeitpunkt des Anschlags durch große europäische Banken und Aasgeierfonds, unterstützt durch die Regierungen von Großbritannien und der Niederlande, war ich über die Boshaftigkeit dieser Regierungen schockiert. Es war Krieg. Das hatte nichts Zivilisiertes mehr.
Wir legten dem Volk die Streitfrage in einem Referendum vor, und das stellte sich als die entscheidende Waffe heraus. Die politische Überlegenheit der direkten Demokratie ist nicht so einfach in Frage zu stellen.
Das Ganze hat eine epische Dimension, nämlich, dass es wieder die Griechen sind mit ihrer Demokratie. Wieder!
Es gibt Millionen von Menschen, die dem resoluten griechischen Volk nun applaudieren.
Und hier in Island sind wir mit euch im Geiste geeint.
Danke dafür, dass ihr uns allen Hoffnung gebt. Hoffnung auf eine bessere Welt.

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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