Sprachrohr Tagesschau: Griechenland kommt nicht zu Wort

von Urs P. Gasche aus „infosperber“

Die Tagesschau bringt breit die Position von Deutschland & Co. Griechenlands beste Argumente werden dem Publikum vorenthalten.

Griechenland habe die Gespräche mit der Euro-Gruppe über eine Verlängerung des Kredite platzen lassen, meldete die Tagesschau am 16.2.2015 um 19.30 Uhr.
Im fast dreiminütigen Beitrag kamen zu Wort
  • zweimal Jeroen Dijsselbloem, der Vorsitzende der Euro-Gruppe, und
  • einmal Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble und
  • einmal Luxemburgs Finanzminister Pierre Gramegna.
Alle schoben die Schuld für das Scheitern der Verhandlungen Griechenland zu.
Der Standpunkt Griechenlands hat die Tagesschau dem Publikum vorenthalten. Es kam weder ein Vertreter des betroffenen Landes zu Wort noch wurde einer zitiert. Die Tagesschau begründete nicht, weshalb sie keinen Vertreter der griechischen Delegation befragen konnte.
Brüssel-Korrespondent Sebastian Ramspeck erklärte lediglich, die Euro-Gruppe habe einen «Kompromissvorschlag» präsentiert, der für Griechenland «unannehmbar» gewesen sei. Er sagte nicht warum.
Damit hat die Tagesschau die Rolle eines Sprachrohrs der Euro-Gruppe übernommen. Ein Mediensprecher der Euro-Gruppe hätte diesen Beitrag kaum anders produziert.
„10vor10“ informiert ebenso wenig über den griechischen Standpunkt
Am gleichen Abend berichtete «10vor10», der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis habe (zu) hoch gepokert und wollte den Vorschlag der EU-Finanzminister nicht akzeptieren. Damit habe er die Euro-Gruppe «brüskiert». Korrespondent Sebastian Ramspeck warf Varoufakis vor, «unprofessionell» in die Verhandlungen gestiegen zu sein, weshalb sich innerhalb der Euro-Gruppe «die harte Linie durchgesetzt» habe.
Worum es denn überhaupt ging, und um welche Bedingungen denn konkret gestritten wird, erfuhren die Zuschauenden nicht. Zwar brachte «10vor10» einen kurzen Ausschnitt einer Pressekonferenz von Varoufakis, jedoch nur mit einer allgemeinen Aussage.
Über die wichtigsten Argumente Griechenlands müssten Tagesschau und 10vor10 informieren, bevor man sie allenfalls in Frage stellt oder Griechenland den schwarzen Peter zuschiebt.
Was Varoufakis u.a. konkret gesagt hat
Infosperber informiert im Folgenden, was Yanis Varoufakis nach dem Scheitern der Verhandlungen am Montag gesagt hat:
  • die Auflagen der Euro-Gruppe würden eine humanitäre Krise in Griechenland verschärfen;
  • eine weitere Kürzung der tiefsten Renten sei inakzeptabel;
  • eine nochmalige Erhöhung der Mehrwertsteuer würge Wachstumsmöglichkeiten Griechenlands ab.
Der griechische Finanzminister erklärte, er sei am Montag bereit gewesen, in Brüssel eine gemeinsame Vereinbarung zu unterschreiben, die Pierre Moscovici von der EU-Kommission ausgearbeitet hatte. Doch «Minuten vor der Unterzeichnung» habe der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, dieses Einigungspapier zurückgezogen und ersetzt durch einen andern Vorschlag, der nur undefiniert «some flexibility» versprochen habe, an den harten Auflagen aber festhielt.
Verfolgen Sie selbst die Pressekonferenz von Finanzminister Varoufakis, mit deutscher Übersetzung:
Originaltext

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Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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Eine Antwort zu Sprachrohr Tagesschau: Griechenland kommt nicht zu Wort

  1. cashca schreibt:

    Die deutsche Presse, die Medienlandschaft ist sowas von unkultiviert und erbärmlich geworden, man kann das Geschwafel nicht mehr hören. Sie vergessen, dass sie nicht von der Politik und Interessenverbänden , oder gar von der Nato und USA bezahlt werden, sondern von uns, vom Volk über die Gebühren. Eigentlich sollte es heissen: „Wess Brot ich ess, des Lied ich sing. “
    Das heißt, eine neutrale größtmöglich wahrheitsgemäße , unparteiische Berichterstattung.
    Das Desaster was wir derzeit haben, die Entwicklung und die Ergebnisse die noch kommen werden, haben die Medien mitzuverantworten. Ob sie noch wissen, was VERANTWORTUNG bedeutet? Ich glaube nicht. Ob Nachrichten, oder sonstige Infosendungen, überall ist die Steuerung in eine bestimmte Richtung vorprogrammiert und leicht erkennbar. Es kotzt einem oft nur noch an.
    Der Dämon, der Unbelehrbare, der uneinsichtige ist immer Russland und Putin.
    Damit forcieren sie die weitere Eskalation gegenüber Russland und in der Ukraine.
    Dass der Westen alles angezettelt hat, es aber nun mal schief gegangen ist. das verschweigt man.
    Das gleiche Spiel mit Griechenland, sie allein sind die schuldigen, die nicht einlenken wollen, die nicht verstehen, was Europa will. Richtig, genau–WAS EUROPA WILL !!
    Dass sie erst die Schuldenorgien möglich gemacht haben, sie dazu veranlasst haben, sie regelrecht hineingetrieben ahben, mit Hilfe der vorigen korrupten Mafiaregierung, die sich schmieren ließ, bis die Taschen platzten, von all dem , kein Wort.
    Jetzt stehen sie vor den Trümmern, auch hier haben die Medien ihren Teil dazu geleistet.
    Ob sie dafür auch reichlich belohnt werden? Ich gehe davon aus.

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