PEGIDA und rhetorische Kraftmeierei

Man kann zur PEGIDA-Bewegung stehen wie man will, aber unstrittig ist: Endlich ist mal was los! Bewegung! Blick in die Karten! Die politische Klasse zeigt sich als die eigentlich reaktionäre Kraft in ihrem Toben, in ihren „Schande!“-Rufen, ihrer wutblinden Empörung!
Viele Autoren haben sich mit den „zunehmend hysterischen Verbalkeulen“ der Altmedien schon intensiv auseinandergesetzt.
Die PEGIDA-Panik wächst in den Reihen der politisch-medialen Klasse. Ein Gradmesser sind die zunehmend hysterischen Wortmeldungen von Exponenten der Kartellparteien. Die Verbalkeulenschwingerei zielt inzwischen offensichtlich weniger auf Außenwirkung als darauf, die eigenen Reihen geschlossen zu halten und Abweichler abzuschrecken und zur Räson zu bringen.
Der politisch-mediale „Hauptstrom“ weiß erkennbar nicht so recht, wie der dem PEGIDA-Phänomen beikommen soll. Die Palette reicht von Beschimpfung („Nazis in Nadelstreifen“, „Schande für Deutschland“, „Mischpoke“), Dämonisierung mit der „Nazi“- und „Rechtspopulismus“-Keule und Kriminalisierung über den Versuch, mit der Verführungstheorie einen Keil zwischen böse Organisatoren („Rattenfänger“) und gutgläubige, aber naive Mitläufer-Demonstranten zu treiben, bis zur obrigkeitlichen Infantilisierung (die Politik muss die Untertanen „ernst nehmen“ und ihnen wie unmündigen Kindern „besser erklären“, dass schon alles gut so ist) und Pathologisierung der Kundgebungsteilnehmer als von „diffusen Ängsten“ und Alles-Mögliche-„Phobien“ getriebene „Frustbürger“.
Bisher scheinen die Attacken die Proteste eher zu befeuern, je grotesker und herablassender sie daherkommen. Die rhetorische Kraftmeierei kaschiert denn auch nur mühsam die steigende Nervosität angesichts einer Konstellation, die der Spiegel in einem „Apo von rechts“ betitelten Beitrag als einer der wenigen offen ausspricht: „CDU und CSU geben den konservativen Rand frei, teils mit Absicht, teils aus Unvermögen. Jetzt ist Platz für eine populistische Law-and-Order-Bewegung, die sich mit der AfD verbindet.“
Damit ist aus dem Sack, wovor sich diejenigen, die in Politik und Medien derzeit mit schwerstem Geschütz auf PEGIDA feuern, offenbar am meisten fürchten: dass die Protestbewegung keine vorübergehende Erscheinung bleibt, sondern durch die Verbindung mit einem politischen Arm Stetigkeit, Dauer und Durchschlagskraft gewinnt.
Der gebürtige Südkoreaner Byung-Chul Han findet, der radikale Islamismus habe nichts mit den realen Problemen zu tun. Er spricht von „verunsicherten Menschen mit diffusen Ängsten“, also von einer Klientel für die Psychocouch. Während Patzelt diese „Menschen“ nur für intellektuell unterbelichtet hält, attestiert Byung-Chul Han den „Menschen“ bei PEGIDA eine Art Neurose, ein Krankheitsbild.
In dieser Situation erscheint nun im Februar 2015 ein sehr lesenswertes Buch.
kleine-hartlage_unw-rterbuch_720x600Der Publizist und erfolgreiche Buchautor Manfred Kleine-Hartlage hat über mehrere Jahre Material zu einem Lexikon der Unwörter gesammelt. Es gelingt ihm, den „Jargon der Demokratie“ von A bis Z zu beschreiben und als Herrschaftsmittel zu entlarven: Von „alternativlos“ über „Aufarbeitung“, „Bereicherung“, „Homophobie“ und „mündiger Bürger“ bis „unerträglich“ sind Schwamm- und Kampfbegriffe in den Jargon der Politik und der diskutierenden Klasse eingesickert, die etwas weich verkaufen, was knallhart umgesetzt wird: Die Zerstörung des freien Meinungsaustauschs vor dem Hintergrund einer Zerstörung der ethnischen, mentalen und kulturellen Grundlage unseres Volkes.
So ist das, was wie eine Satire klingt und optisch an die offiziellen Sprachhüter der Deutschen angelegt ist, im Kern ein entlarvendes Buch: man kann, wenn man die Unwörter kennt, das politische Gerede dechiffrieren. Manfred Kleine Hartlage liefert den notwendigen Code.
Manfred Kleine –Hartlage hat in seinem bei Anatios erscheinenden Unwörterbuch diesen betulichen Psychosprech gültig auseinandergenommen und zusammengesetzt:
Ängste der Menschen ernstnehmen
Wann immer ein Projekt auf die öffentliche Kritik seitens derer stößt, die seine Folgen auszubaden haben, findet sich zuverlässig ein Politiker, der fordert oder versichert, man müsse oder werde „die
Ängste der Menschen ernstnehmen“.
Indem er von ihren „Ängsten“ spricht, sagt er zugleich, dass er sich nicht mit ihren Warnungen, Interessen und Argumenten auseinanderzusetzen gedenkt, deren Nichtexistenz oder auch Gegenstandslosigkeit er somit en passant als Selbstverständlichkeit unterstellt. Bevor noch irgendeine Debatte geführt werden kann, hat er bereits als deren Prämisse festgezurrt, dass er selbst recht hat und die Bürger nicht.
Da ist es folgerichtig, dass er diese Bürger nicht „Bürger“ nennt, sondern „Menschen“, ihnen also keinen politischen, sondern bloß einen biologischen Status zuerkennt. Und folgerichtig ist auch, dass er ihnen nicht zugestehen kann, „Furcht“ oder „Sorge“ zu empfinden, weil Furcht und Sorge sich nach landläufigem Verständnis auf etwas Konkretes beziehen: Vor Schlangen hat man Furcht, vor Gespenstern Angst.
Nachdem unser Politiker in dieser Weise als Ursache der Mißstimmung die Gefühle „der Menschen“ (und nicht etwa seine eigene Politik) dingfest gemacht hat, geht er – um auch wirklich jedes Mißverständnis auszuschließen – auf Nummer sicher und erklärt deren Furcht nicht nur zu „Angst“, sondern zu „Ängsten“, damit niemand über deren diffusen, irrationalen und therapiebedürftigen Charakter im Unklaren gelassen wird.
Er erklärt also die Bürger zu Kindern, insofern sie wohl Menschen-, aber keine Bürgerrechte haben, sich vor Gespenstern ängstigen, deswegen der psychotherapeutischen Betreuung bedürfen, in jedem Falle aber zu einem begründeten politischen Urteil nicht in der Lage sind. So legt er in nur zwei Worten gegenüber seinen Mitbürgern und Wählern eine Verachtung an den Tag, die kaum anders erklärbar ist als dadurch, dass er selbst seinen eigenen Charakter am besten kennt und daher naturgemäß jeden verachten muß, der ihn trotzdem wählt. Und so ist es wiederum folgerichtig, nicht etwa die verachteten Bürger „ernstzunehmen“, sondern lediglich deren „Ängste“ – und auch die nur in dem Sinne, in dem man auch eine faulende Bananenschale „ernstnimmt“, auf der man nicht ausrutschen möchte.
Verlag Antaios; Das Unwörterbuch. Neusprech für Unbelehrbare; ISBN 978-3-944422-27-5

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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Eine Antwort zu PEGIDA und rhetorische Kraftmeierei

  1. Günter Ehrens schreibt:

    …ich denke, da gibt es nichts zu kommentieren. Weiter machen bitte.
    Bitte nicht blenden lassen!
    Das Vorurteile des Einen ist heute das Vorurteil des Anderen. Wann finden wir den gemeinsamen Sinn? Sicher nicht mit Gewalt oder indem man sich vor oder hinter Demonstranten stellt und Metaphern benutzt. Schreiben miteinander, vorsichtig treffen wenn es passt und dann miteinander reden . Ich finde jetzt manche unserer Eliten peinlich.
    Kennen wir das nicht von der „Nationalen Front“? Ich möchte das nicht wieder haben….

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