„Etwas mehr Hirn, bitte.“

Auszüge aus dem Neujahrs-Gruß von Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. habil. Gerald Hüther mit Vorstellung seines neuen Buches.
Meine als Sabbatical getarnte Auszeit ist zu Ende, ich bin wieder zurück und wünsche Ihnen und Euch viel Glück und gutes Gelingen, vor allem viel Freude beim Entdecken all der Möglichkeiten, die das Leben an jedem neuen Tag in diesem Jahr für jede und jeden bereithält.
Für mich war das vergangene Jahr ohne Vorträge und Verpflichtungen eine sehr gute Erfahrung. Es hat mir gezeigt, wie viel es tagtäglich zu entdecken gibt und was alles möglich wird, wenn ich mir dafür einfach Zeit nehme. Ich habe wieder intensiv mit den Studierenden an der Uni gearbeitet und dabei bemerkt, wie viel Freude mir das macht. Ich war viel draußen in der Natur und konnte dort spüren, wie mein altes Biologenherz wiedererwacht ist. Und ich hatte endlich wieder genügend Zeit für meine Lieblingsbeschäftigung: Nachdenken.
Vielleicht geht es nicht allen Menschen so, aber mich begeistert es immer wieder, wenn es mir gelingt, einem Problem so lange nachzugehen, bis ich herausgefunden habe, woran es liegt, dass es zu einem Problem werden könnte. Meist erfahre ich so etwas über mich selbst, oft ist es aber auch etwas, was nicht nur mich, sondern uns alle betrifft. Zum Beispiel die Frage, weshalb wir zu Hause, in Kindergärten und Schulen, in Universitäten und an der Arbeit auf eine Art und Weise zusammenleben, die uns nur selten glücklich, ja manche sogar krank macht, die einfach nicht so ist, wie sie sein müsste, damit wir die in uns angelegten Potentiale wirklich entfalten können. Es war nicht so leicht, aber ich habe eine Antwort, am Ende sogar eine sehr einfache Antwort auf diese Frage gefunden. Und weil ich ein Wissenschaftler bin, der die Erkenntnisse, zu denen er gelangt ist, gern mit anderen teilt, habe ich dieses Thema in einem Buchmanuskript so darzustellen versucht, dass es auch möglichst viele verstehen und Lust bekommen, selbst weiter darüber nachzudenken.
Das Buch heißt „Etwas mehr Hirn, bitte.“ Es ist eine Einladung zur Wiederentdeckung der Lust am eigenen Denken und der Freude am gemeinsamen Gestalten und erscheint Anfang März. Was mich besonders froh macht: In diesem Buch ist es mir nicht nur gelungen, so ziemlich alles, was mich bisher bewegt hat zu einem ganzheitlichen Konzept zusammenzuführen. Es bietet auch einen recht einfachen und praktisch leicht umsetzbaren Ansatz, um unser Zusammenleben künftig etwas weniger aufreibend und anstrengend und dafür mit etwas mehr Freude und Leichtigkeit zu gestalten.
Bei der Arbeit an diesem Buch ist für mich dann auch sehr deutlich geworden, wie sehr all das miteinander verwoben ist, was mich in den letzten Jahren beschäftigt hat: der Förderwahn in der Früherziehung, die ungünstigen Lernerfahrungen in Schulen, ADHS und Computersucht, Gesundheit und Krankheit, Potentialentfaltung und Führungskompetenz, Mitarbeiterzufriedenheit und Betriebsklima.
Alles hat eine gemeinsame Ursache, nämlich die Art und Weise unseres Umganges miteinander, unsere gegenwärtig vorherrschende Beziehungskultur. Statt einander als Subjekte zu begegnen, machen wir uns gegenseitig zu Objekten unserer Erwartungen, Interessen, Bewertungen oder gar Maßnahmen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. So kann niemand die in ihm angelegten Potentiale entfalten.

Etwas mehr Hirn, bitte

Eine Einladung zur Wiederentdeckung der Freude am eigenen Denken und der Lust am gemeinsamen Gestalten
978-3-525-40464-5Nur wir Menschen sind in der Lage, unsere Lebenswelt immer besser nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten. Indem wir uns aber immer perfekter an die so gestaltete Lebenswelt anpassen, verlieren wir allzu leicht auch unsere Fähigkeit, immer wieder nach neuen Wegen zu suchen und dabei aus den eigenen Fehlern zu lernen.
Doch: Wir sind frei, wir haben die Wahl. Wir können diese selbstverständlich gewordenen Vorstellungen  hinterfragen, wir können sie loslassen und uns entscheiden, unser Leben und unser Zusammenleben anders zu gestalten. Denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Und für die Entfaltung der in uns angelegten Potentiale brauchen wir die Begegnung und den Austausch mit anderen.
Die Freude am eigenen Denken und die Lust am gemeinsamen Gestalten sind die großen Themen dieses Buches. Der Biologe Hüther macht deutlich: Jedes lebende System kann das in ihm angelegte Potential am besten in einem ko-evolutiven Prozess mit anderen Lebensformen zur Entfaltung bringen. Oder einfacher: Gemeinsam kommen wir weiter als allein. Und finden zurück zu dem Lebendigen, das uns ausmacht: zu neuer Kreativität, zum Mut zu sich selbst und zu persönlichen Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens.
Wir verfügen über Talente und Begabungen und ein zeitlebens lernfähiges Gehirn, das für die Lösung von Problemen optimiert ist. Wir können Erfahrungen anderer übernehmen und über Generationen weitergeben. Doch alte, gebahnte Denkmuster verhindern, was für das Entstehen von Potentialentfaltungsgemeinschaften erforderlich ist: Vertrauen, Austausch, Begegnung. Wenn wir erkennen, dass unser Gehirn sein Potential in Netzwerken mit anderen entfalten kann, dass wir in all unserer Verschiedenheit zusammengehören, voneinander abhängig und miteinander verbunden sind, dann öffnet sich auch der Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft, denn: Gemeinsam verfügen wir über deutlich mehr Hirn als allein!
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht; ISBN 978-3-525-40464-5; erscheint März 2015

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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Eine Antwort zu „Etwas mehr Hirn, bitte.“

  1. heureka47 schreibt:

    „Hirn“ ist genug da – natürlicherweise bei allen.
    Mehr braucht’s wahrhaftig NICHT.
    WAS aber – dringend – gebraucht wird, ist BEWUSSTSEIN von der Qualität, die auch OHNE Hirn exisitiert und denken und kreativ sein kann: FEINSTOFFLICHES Bewußtsein, das völlig frei und unabhängig vom GROBSTOFFLICHEN Sein existent ist.

    Das Problem der zivilisierten Gesellschaft („Globale Krise“ usw.) ist der – akut lebensbedrohliche – Mangel an diesem feinstofflichen Bewußtsein. Obwohl dieser „Stoff“ („Stoff“ ist niederdeutsch für „Staub“!), „Sternenstaub“, der Kern unseres Seins ist. Wir SIND in Wahrheit dieser feinstoffliche „Staub“. Wir müssen uns nur erinnern, be-sinnen.

    Herzlichen Gruß!

    Wolfgang Heuer
    Projekt Seelen-Oeffner
    http://www.Seelen-Oeffner.de
    http://www.ebay.com.sg/sch/heureka47/m.html

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