Islam und „Islamismus“

Von Arnold Hottinger aus „Journal21“
Religionen sind fliessende Gebilde. Das ist ihren Anhängern oft nicht klar. Aber es hilft, sie zu verstehen.
DEN Islam gibt es nicht. Jedenfalls nicht in dem Sinne, dass es sich um ein einmaliges und feststehendes Phänomen handelte.
Alle Religionen, auch der Islam, wachsen auf, blühen und welken, blühen neu, verändern sich, können sterben, wie die Menschen. Dennoch haben sie eine Eigenheit, eine „Persönlichkeit“ wie die Menschen, die sich auch verändern kann, jedoch erkennbare und dauerhafte, – oder dauerhaftere? – Züge zeigt. Diese Eigenart lässt sich oft am „Gründungsmythos“ der Religionen festmachen. Die Gläubigen sprechen natürlich nicht von Gründungsmythos, sondern von der Gründungsgeschichte oder gar Grundoffenbarung. Wenn eine Religion sich erneuert, pflegt sie auf diese Gründungsgeschichte zurückzugreifen. Das geschieht immer wieder, indem sie sie neu versteht, das heisst in neuem Licht neu interpretiert.
Religionsgeschichte handelt von Tatsachen

Dass Religionen eine Geschichte haben, ist in abstracto den meisten Gebildeten bekannt, auch wenn sie selbst keine Religionshistoriker sind. Doch dem Gläubigen einer Religion ist die Entwicklungsgeschichte seiner Religion selten gegenwärtig. Für ihn steht im Zentrum, dass seine Religion „wahr“ ist. Also ewig und unveränderlich. In der Vergangenheit wurde sie manchmal falsch ausgelegt, missverstanden, so mag er es sehen. Er kennt ihre ewige Wahrheit aus eigener Glaubenserfahrung.

Das wendet der Gläubige einer Religion leicht auch auf die anderen Religionen an, die als „unwahr“ oder mindestens weniger wahr denn die eigene empfunden werden. Auch sie werden oftmals nicht als ein gewachsenes Phänomen erkannt und gewürdigt, sondern leicht als „fremde Essenz“ abgelehnt.

Was die Ungläubigen angeht, die keiner Religion anhängen wollen oder keiner bestimmten, so besteht auch bei ihnen eine Neigung, „die Religionen“ als feststehende Entitäten zu sehen, „dogmatisch“ daher unveränderlich. Was gerade einer der Gründe dafür sein kann, um sie alle abzulehnen.

Beispiele der Veränderbarkeit

Dennoch zeigt uns ein Blick auf die eigene Religion, welche die eigene Kultur massgeblich geprägt hat, dass es Entwicklungen in ihr gegeben hat. Weder das Christentum noch das Judentum sind sich von den Anfangszeiten bis heute immer gleich geblieben. Sie haben sich verändert, übrigens nicht nur in der zeitlichen Dimension, sondern auch in der räumlichen Ausdehnung über Länder und Kontinente hinweg. Dabei hat es Dinge gegeben, die man rückblickend als Krankheitserscheinungen („Verirrungen“) erkennt. Dazu gehören die Verfolgung der Albigenser und der „Neuchristen“ in Spanien oder, um auch die Protestanten nicht auszulassen, die Verbrennung von Servet in Genf im Jahr 1553 auf Betreiben Calvins. Seinerzeit wurden solche Verirrungen von vielen, wohl der grossen Mehrzahl der damaligen Gläubigen, als gerechtfertigt, ja geradezu als fromm angesehen.

Religionen haben ein langes Leben, gemessen an dem der Menschen. Doch auch sie vergehen, zerstört durch andere, die ihnen folgen. Oder sie sind aus anderen Gründen irrelevant geworden. Religionen verästeln sich in verschiedene Zweige, ausgehend von einem gemeinsamen Stamm. Sie können einander als Brudererscheinungen tolerieren oder als feindliche Brüder bekämpfen. Auch dies ist uns aus unserer eigenen Geschichte und Gegenwart bekannt. Es wäre jedoch auch anzuwenden auf das Verständnis „fremder“ Religionen, deren Entwicklungsgeschichte bei uns fast nur Spezialisten kennen.

Ursprungsmythen

Der Entstehungsort und die Entstehungsumstände einer Religion sind für die Gläubigen von Gewicht und bestimmen das, was man ihre charakteristischen Züge nennen kann, die jedoch bei genauerem Hinschauen ebenfalls Wandlungen durchmachen. Dies liegt am oben erwähnten Ursprungsmythos oder der Ursprungserzählung. Sie ist oft in den heiligen Schriften der Religion niedergelegt, als Erzählung, wie in der Bibel, oder auch implizit als der Hintergrund dieser Schriften, wie im Koran. Deshalb beziehen sich rückblickend die Religionsangehörigen auf sie, oftmals um ihr Verständnis der eigenen Religion zu erneuern und aufzufrischen. Sie pflegen dann die Grundschriften neu zu verstehen und neu auszulegen. Das Neuverständnis ist zeitlich und örtlich mitbestimmt. Die Grunderzählung erscheint in neuer Beleuchtung durch die neuen Lebensumstände, in die der Gläubige sich gestellt sieht.

Der Islam ist eine dem Judentum und dem Christentum verwandte Religion. Beide sieht er als Vorläufer und Verkünder des gleichen einzigen Gottes. Er ist jedoch in einem anderen Milieu und zu einer anderen Zeit entstanden als seine Vorläufer. Die Religion der Muslime hat ihre eigene Geschichte durchgemacht mit ihren Glanzpunkten und Katastrophen, die sich immer neu auf ihr Islamverständnis ausgewirkt hat. Die Geschichte der Muslime hat ihren Islam in sehr verschiedene Richtungen ausgerichtet und ausgebaut. Sie auch nur aufzuzählen und zu nennen würde den Rahmen dieses Artikels weit sprengen.

Was hat er erlebt?

Entstanden ist der Islam auf der Arabischen Halbinsel, nicht wie das Christentum in einer Randprovinz des römischen Reiches und nicht wie das Judentum im Alten Orient, dessen Kulturen vor den Griechen und Römern blühten. Sein heiliges Buch, der Koran (übersetzt: „die Rezitation“) ist keine zusammenhängende Erzählung sondern eine Sammlung von Inspirationen, die der Prophet Mohammed im Verlauf von 20 bewegten Lebensjahren zuerst in Mekka, dann in Medina stückweise „empfing“ und rezitierte. Sie sind zeitbedingt und werden von den Gelehrten im Zusammenhang bestimmter Ereignisse gelesen und verstanden, die sich in den 20 Jahren abspielten.

Worin diese Ereignisse genau bestanden, steht nicht im Koran. Man kennt sie jedoch (vorsichtiger: der Gläubige glaubt, sie weitgehend zu kennen) aus der höchst umfangreichen Literatur, die sich um den Propheten und sein Leben dreht. Es gibt einerseits die riesigen Sammlungen von Aussprüchen und Meinungen des Propheten, vermittelt durch als vertrauenswürdig geltende Zeitgenossen (Fachwort „Hadith“) und andrerseits die frühen Biographien Muhammeds, aus denen sich das Bild der zeitlichen Ereignisse zusammensetzt. Dieses ist als eine Erzählung vom Ursprung ihrer Religion allen Muslimen in den grossen Zügen bekannt. Doch die Einzelheiten werden von den Gelehrten diskutiert auf Grund der Quellenlage, und von den Gläubigen aufgenommen im Licht ihrer eigenen Lebensumstände und Erfahrungen, die sich natürlich mit Zeit und Raum sehr verändern können. So ergeben sich zum Beispiel unterschiedliche Bilder vom Propheten und von seinen Zeitgenossen, Verwandte, Freunde, Feinde, Männer und Frauen, deren Namen geläufig sind, positive und negative Vorbilder, die grösstenteils nicht aus dem Koran hervorgehen, sondern aus dieser weiten (und über die Jahrhunderte hinweg sich immer weiter ausdehnenden) sakralen „Sekundärliteratur“.

Der Koran spielt auf viele Erzählungen und Berichte aus früheren Zeiten an. Viele sind aus dem Alten Testament bekannt, einige aus dem Neuen. Sie waren den Zuhörern der „Rezitation“ geläufig. Für die Muslime ist die „Rezitation“ aufzunehmen und zu verstehen im Rahmen der jeweiligen Umstände und Bedingungen, in denen ihre einzelnen Teile entstanden – genauer enthüllt wurden, „hinabstiegen“, ist das von den Theologen gebrauchte Wort.

Der Rahmen der muslimischen Ursprünge

Die Rahmenbedingungen waren jene einer Wüstenstadt, Zentrum des Karawanenhandels im Arabien des 7. Jahrhunderts. Die Stadt, Mekka, war auch ein Pilgerzentrum der vorhergehenden „heidnischen“ Religion. Sie hatte keine Stadtregierung, sondern wurde durch eine Koalition der führenden Stammesautoritäten, deren Stämme in der Stadt sesshaft geworden waren, regiert. Sie besass kein geschriebenes Gesetz, doch es gab ein Gewohnheitsrecht, dass vom Stammesrecht abstammte. Dieses Recht war eng mit der Religion verbunden, vor Mohammed mit der „heidnischen“, nach ihm mit der neuen des einen Gottes. Die Trennung in eine rechtliche Sphäre, eine religiöse und eine politische, gab es nicht, weder vor Mohammed noch nach ihm.

Sie war jedoch weitgehend präsent in den umliegenden Grossreichen, Ostrom und Persien, weil es dort spezialisiertes Personal für die drei Bereiche gab: Priester, Juristen, Fürsten mit ihren Soldaten und Statthaltern. Viele andere Institutionen und Lebensbereiche gab es ebenfalls nicht in der Randposition von Mekka, die in den Reichszentren der Römer und Perser entstanden waren und seit langer Zeit funktionierten.

Ein neues Sozialgebilde

Die junge muslimische Gemeinde, die „Gemeinschaft der Gläubigen“, bildete nicht nur eine religiöse Einheit sondern auch eine soziale Gemeinschaft. Sie stand unter der Führung des Propheten, über ihm gab es keinen „weltlichen“ Machthaber, nur Gott selbst. Es ist eine Besonderheit der Geschichte dieser „islamischen“ (übersetzt: „gottergebenen“) Religion, dass sie sehr früh zwei Weltreiche militärisch bekämpfte und übermannte. Ihre Gläubigen gelangten dadurch innerhalb von zwei Generationen aus den Wüstenstädten Medina und Mekka zur Herrschft über Weltstädte wie Alexandria, Damaskus und Ktesiphon. Sie und ihre Religion sahen sich dadurch gefordert, auch in dieser neuen von ihnen beherrschten Umwelt relevant zu bleiben. Sie erreichten dies dadurch, dass sie von ihren neuen Untertanenen lernten. Der frühe Islam machte infolge seiner Verpflanzung in die Kulturzentren der Spätantike einen Prozess durch, den man als einen Zivilisierungs – und Urbanisierungsprozess beschreiben kann. Er passte sich ein in die neue, von seinen Trägern beherrschte Umgebung christlicher und zoroastrischer Prägung, ohne seine Eigenständigkeit zu verlieren. Ein grosser Teil dieser Anpassungsarbeit wurde von zum Islam bekehrten Angehörigen der alten Kulturen geleistet, im persischen und im oströmischen Bereich.

Die ursprünglich tribal geprägte Religion wurde neu interpretiert im Sinne einer urbanenen Kultur teils iranischer teils römisch-griechischer Prägung. Im legalen Bereich war dies die Arbeit der Scharia. Die sie gründenden Gelehrten der drei ersten Jahrhunderte der neuen Religion bauten das Gewohnheitsrecht der Stämme, das unter dem Propheten geherrscht hatte vorsichtig um durch Interpretation der eher spärlichen koranischen Grundlagen, die sie durch die wuchernd auslaufenden Berichte über das Sagen, das Tun und das Lassen des Propheten ergänzten und vervollständigten, um eine legale Grundlage zu erreichen, auf der das neue Weltreich beruhen konnte, ohne seine muslimische (übersetzt „gottergebene“) Religion aufzugeben.

Auch die Herrschaftsstrukturen wurden umgebaut. Nach der Eroberung regierten die „Nachfolger des Propheten“ (Kalifen) zuerst in Damaskus im Stil der byzantinischen Machthaber, dann in Bagdad in jenem der persischen Kaiser. Die Mischkultur und die ihr gemässe Islamaufassung entwickelten sich gemeinsam zur islamischen Hochkultur. Während das Christentum zuerst die Völkerwanderung durchmachte und überlebte, die dann in den frühmittelalterlichen Feudalismus einmündete mit seiner ihm angemessenen, und auf ihn eingestimmten Variante des Christentums.

Die Sonderentwicklung Europas

Für fast tausend Jahre gab es eine Parallelität der beiden verwandten Weltreligionen, eine jede in ihren geographischen Raum, beide in einer engen Verschränkung von weltlicher Macht und geistlicher Autorität. Beginnend im 16. Jahrhundert aber erst kulminierend im 19. und 20. machte Europa eine Sonderentwicklung durch, die keine der nicht europäischen Hochreligionen kannte. Dies war der Versuch, die weltliche von der geistlichen Autorität zu trennen und einer jeden eine eigene Sphäre zuzuweisen.  Dieser Versuch verband sich mit der „Aufklärung“, und diese führte ihrerseits zu einer raschen Entwickung der Wissenschaften der Technologie und der Arbeitsprozesse („Industrierevolution“) , die im späteren 19. und während des 20. Jahrhunderts die Machtverhältnisse weltweit verändern sollten.  Europäer (und auf ihrem Kontinent Amerikaner) wurden zu Herrschern über Kulturen, Religionen und Hochreligionen, die bisher aus eigener Vollmacht ihren Kulturraum gelenkt und geformt hatten. Sie hatten keine Wahl. Die Europäer  drängten sich ihnen kraft ihrer überlegenen Waffen auf. Sie gründeten Kolonien.

Im Gefolge des selbstzerstörerischen Zweiten Weltkrieges zogen sie ihre Truppen wieder ab. Doch die technologische und mit ihr die wirtschaftliche und wissenschaftliche Überlegenheit blieb. Die kolonisierten und dann aus der Kolonisierung entlassenen Völker mit ihren Religionen hatten keine andere Wahl als sich anzupassen.  Das heisst, möglichst weitgehend auch so zu werden, wie die übermächtigen Fremden, aber doch so zu bleiben, wie es den eigenen kulturellen und religiösen Wurzeln entsprach – falls möglich.

Die neue Umwelt der Muslime

Darum, ob dies möglich sein kann, und auf welche Art, dreht sich die Krise, in der die islamische Welt seit dem Abbau des Kolonialismus steckt. Ursprünglich gab es die Formel: „von ihnen nehmen, was wir benötigen, und vom Unsern behalten was uns eigen ist.“ Doch sie erwies sich als unhaltbar. Man sah sich genötigt immer mehr zu benötigen, weil die Entwicklung in der westlichen Welt keineswegs stillstand und deren Machtüberlegenheit eher wuchs als abnahm. Auch dort wo ihre Völker  darauf verzichteten, direkt regieren zu wollen, gaben sie dennoch den Ton an, wirtschaftlich, kulturell,machtmässig.

In der islamischen Welt war und blieb man der Überrannte. Man übernahm die Vorstellungen des Fortschritts und jene des Nationalismus von den Kolonialisten, doch die Machtüberlegenheit blieb, wie es am handgreiflichsten, weil im eigenen Innenraum, Israel demonstrierte, und später kamen amerikanische Gewaltmassnahmen dazu, um das gleiche zu zeigen.

Zwang zum Umbau

Umbau in allen Lebensbereichen wird notwendig, wenn man überleben will, der Umbau findet immer im Sinne der Anpassung und Übernahme europäischer und  amerikanischer Vorbilder  statt. Auch die Religion muss sich anpassen.  Doch sie muss dies erreichen, ohne sich sebst aufzugeben, wenn sie relevant bleiben will. Dies fordert die gegebenen Grundlagen neu zu verstehen. Eine Interpretationsarbeit, die geleistet wird, jedoch langsamer vor sich geht als der Umbruch in allen Bereichen des praktischen Lebens.

Die Interpretationsarbeit ist nicht für alle Muslime gleich relevant und gleich notwendig. Sie sind in sehr ungleichem Masse von der hereinbrechenden Globalisierung betroffen. Es gibt weit ausgedehnte Unterschichten, Millionen und Abermillionen von Muslimen, deren Leben durch die von aussen einwirkenden Veränderungen möglicherweise verarmte, aber nicht wirklich verändert wurde. Sie leben im wesentlichen weiter so, oder ähnlich, wie ihre Vorfahren. Ihr angestammtes Religionsverständniss zu verändern, besteht wenig Anlass.
Es gibt anderseits voll globalisierte und weitgehend globalisierte Oberschichten, die sehr viel mehr vor die Frage gestellt sind, wie sie es mit ihrer angestammten Religion halten wollen und halten können. Ihr Lebenszusammenhang hat sich verschoben. Viele von ihnen überlassen die religiösen Fragen den Spezialisten. Vielleicht suchen sie sich einen aus, dessen Meinungen nicht allzusehr ihrem „verwestlichten“ Lebensstil widersprechen.  Vielleicht schieben sie die religiösen Belange weitgehend zur Seite, wie das ja auch zum  westlichen Lebensstil zu gehören scheint. Man feiert die Feste und lässt sich schlussendlich mit geistlicher Assistenz begraben.

Die Opfer der Globalisierung

Doch es gibt auch, rapide zunehmend, jene Muslime die unter der um sich greifenden Globalisierung leiden. Primär, indem sie keine Arbeit finden und daher nicht wirklich „erwachsen“ werden. Für sie ist die globalisierte Umwelt ein Garten mit verschlossenem Tor, in den sie nicht eingelassen werden. Wie wirkt sich ihre Lage auf ihr Islamverständnis aus? – Sie haben natürlich keine islamische Theologie studiert. Ihr Wissen um den Islam ist verbal aus familiären Erzählungen und Vorbildern erworben und vielleicht dadurch ausgebaut, dass sie in ihren Lesefibeln auch einige Koranverse zu lesen bekamen, die ihnen im besten Fall von ihrem Lehrer erklärt worden sind. Sie sind in einer alten Hochsprache gehalten, die sich keineswegs mit ihrer Umgangsprache deckt.

Doch sie wissen genau, dies ist IHRE Religion. Soweit sie eine sichere Identität besitzen, ist sie in ihrem Islam und in ihrer Familie verankert. Sie sind geneigt, den islamistischen Ideologen Gehör zu schenken. Dies sind Personen, oft mit Führungs- und Machtambitionen, die ihnen ein Islamverständis nahezulegen suchen, das ideologische Triebfedern aufweist. Es verspricht  Erfolg, Macht, Ansehen, Reichtum – alles das Unerreichbare, was einem so dringend fehlt – wenn man nur ihrem Islamverständnis zu folgen gewillt sei und diesem entsprechend handle. Das Versprechen wird propagandistisch gestärkt und mit allen Tricks der modernen Meinungsmache unterlegt. Als islamisch begründet gilt es deshalb, weil es mit ausgesuchten Koranstellen arbeitet, den kriegerischen natürlich, die auch die europäischen Islamgegner gerne und ausschliesslich zitieren. Das traditionelle Koranverständnis, das die Gesamtheit des Buches der Offenbarungen und ihren jeweiligen Hintergrund in Betracht zieht und gegeneinander abwägt, wird überspielt. Seine erste Voraussetzung wäre – und bleibt es bis heute – dass man den ganzen Text auswendig weiss und als ganzes „bewahrt“, das heisst im Gedächtnis präsent hält.

Getragen von Heilserwartung

Dass diese Leute in ihrem Machtstreben Dinge tun, die der wirkliche Islam streng verbietet, wird auch überspielt. Ein Trick, um das zu bewirken, besteht aus der strengen Einhaltung von vermeintlichen Vorschriften (oft sind auch sie auslegungsbedingt) die bewirken, dass sich die Islamisten möglichst scharf und bestimmt, von gewöhnlichen Muslimen und schon gar von nicht muslimischen Westlern abheben. Die möglichst weit gehende Verschleierung der Frauen gehört dazu. Das in der Tat vorliegende Alkoholverbot auch, doch dazu nimmt man ein Rauchverbot, das der bisherige Normalislam nicht kannte. Für die Männer hat man den Bartzwang erfunden. Nicht nur, dass man selbst die Gebetszeiten einhält und das Zeremonialgebet peinlich genau durchführt, sondern auch dass man die anderen Muslime dazu anregt oder gar dazu zwingt.

Wenn man all dies tut, so wird suggeriert und sich selbst vorgesagt, ist man doch notwendigerweise ein guter Muslim. Eine willkürliche Interpretation des Begriffes „Dschihad“ gehört auch zu der Ideologie.

Anziehend wirkt diese Islamentstellung der islamistischen Ideologen in erster Linie auf  Menschen muslimischer Abstammung, die eine innere Verletzung erlitten haben. Sie fühlen sich zu recht oder zu unrecht ihrer Gesellschaft entfremdet. Dies kommt auch unter Muslimen in der europäischen Diaspora vor. Die Verheissung einer neuen Gesellschaft, die sie sich erkämpfen sollen und werden, wo sie oben stehn werden und erst noch im Himmel belohnt, verlockt sie umso mehr, je weniger sie hoffen, ihren Weg innerhalb ihrer bisherigen Gesellschaft zu finden.

Feinde der Globalisierung
Es ist die Globalisierung, die auf weite Schichten von nicht Europäern und nicht Amerikanern  entfremdend wirkt. Sie verändert ihre Gesellschaften in den oberen Rängen, die bei dieser Globalisierung mithalten können, und sie lässt Unterschichten, die dazu keinen Zugang finden, entfremdet zurück, das heisst ohne eigenen Standpunkt und ohne eigene Zukunftsaussichten.   Dort liegt der Echogrund für die islamistischen Ideologen. Sie finden dort ihr Publikum, dem sie ihre Islamverzerrung als Zukunftsverheissung – und auch schon als sinnerfüllende Gegenwart –  anbieten können und anbieten.

Die Globalisierung kam und kommt immernoch aus Amerika und aus Europa. Die Islamisten treten auf als als Antiglobalisierer, ja als angebliche Überwinder der Globalisierung. Kein Wunder, dass sie Zulauf finden unter den Opfern der Globalisierung. Man sollte sich nicht täuschen, es gibt sehr viele davon. Tendenz zunehmend. Den islamistischen Ideologen steht ein Gesamtreservoir, aus dem sie schöpfen können, von 1,6 Milliarden Menschen zur Verfügung. Aus diesen Gründen ist der Krieg gegen die Islamisten nicht vielversprechend. In bestimmten Lagen mag er notwendig sein zur Selbstverteidigung der Nicht-Islamisten, zu denen die Muslime und auch auch die nicht Muslime zählen. Doch der Krieg alleine wird die Anziehungskraft der islamistischen Ideologie nicht überwinden. Bisher hat er bewirkt, dass die Zahl ihrer Anhänger und Praktikanten angewachsen ist. Logischerweise, denn der Krieg selbst schafft immer neue Schichten von entfremdeten Muslimen.

Ideen gegen Ideologie?

Es ist ein Ideenkrieg getragen durch die gegenwärtige Entwicklung der Welt. Wie ist der Ideologie beizukommen? – Die traditionellen Muslime sagen, durch Stärkung des traditionellen Islams. Die modern ausgerichteten und an den Segnungen der Globalisierung teilhabenden, meist Mittel- und Oberschichten: durch ein neues Islamverständnis, das der heutigen Zeit und ihrem Sozialgefüge gerecht wird. Beides sind Ansatzpunkte. Es gibt einen dritten, die Korrektur der sozialen Missstände, welche die Wunden verursachen, die an der Wurzel der Anfälligkeit für die islamistische Verführung liegen. Alle drei Hebel wären anzusetzen. Doch es beibt offen, ob sie rasch und entscheidend genug zur Wirkung gebracht werden können, um der reissenden Flut der heutigen Globalisierung und ihrer entfremdenden Auswirkungen auf die grossen Mehrheiten der heutigen post-kolonialen islamischen Welt wirksam entgegenzutreten.

Originaltext
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Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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