Atme tief …

Seit einigen Jahren gibt
die Wissenschaft der Meditation Recht:
In der Ruhe liegt die Kraft!

Überall auf der Welt haben mystische Traditionen und Religionen eigene Techniken der Meditation entwickelt. Die Ziele sind unterschiedlich: in einem höheren Bewusstsein eine obskure Gottheit zu treffen. Sich über Tage hinweg lebendig begraben zu lassen. Den Geist zu leeren.
Klar, nicht jedes dieser Ziele ist dazu geeignet, Naturwissenschaftler neugierig zu machen – weshalb Meditation über Jahrzehnte hinweg als esoterischer Mumpitz galt. Zu Unrecht, wie sich in den letzten Jahren herausstellt.
Denn die Situation hat sich von Grund auf geändert – lassen wir die höheren Sphären mal beiseite und bleiben wir im Hier und Jetzt zwischen den eigenen Ohren, dann hat Meditation ganz erstaunliche Effekte: Sie erhöht die soziale Kompetenz, trägt die erreichte Entspannung in den Alltag und verändert letztlich sogar das Substrat, das Gehirn selbst.
Wer hätte das gedacht?!
Daher berichten wir in diesem Schwerpunkt über die Effekte der Meditation, über Konzentration und therapeutische Ansätze und – ein Novum – liefern sogar ein Lexikon der esoterischen Praktiken.
Eine Einführung finden Sie hier nachfolgend. Sie stammt von Ulrich Ott, einem der bekanntesten deutschen Meditationsforscher.

Warum Meditation?

Vielen gilt Meditation auch heute noch der Esoterik zugehörig. Doch die Hirnforschung sieht das heute ganz anders, und daran hat der Psychologe Ulrich Ott von der Universität Gießen seinen Anteil. Hier erklärt er, warum wir meditieren sollten.

Meditation ist ein Oberbegriff für zahlreiche und auch ganz unterschiedliche Methoden der Geistesschulung. Sie alle wurden lange Zeit dem Feld der Religion, Spiritualität und Esoterik zugeordnet – der Begriff war mit dem Bild von Mönchen und Nonnen verbunden, die in Klöstern einen kontemplativen Lebenswandel führten. Oder mit asketischen Yogis, tief versunken im Lotossitz.
Zwar spielt Meditation als spirituelle Übung in den verschiedenen religiösen Traditionen nach wie vor eine zentrale Rolle, doch es sind weitere Anwendungsfelder hinzugekommen: Meditation gilt heute auch in der säkularen Welt als Entspannungsverfahren mit nachgewiesener Wirksamkeit. So werden zum Beispiel Trainingsprogramme mit Achtsamkeitsmeditation MBSR erfolgreich bei der Behandlung körperlicher und psychischer Erkrankungen eingesetzt Therapie. Auch ihr Nischendasein hat die Meditation längst überwunden. Und nur gesessen wird auch nicht: Neben der klassischen, bewegungslosen Sitzmeditation existieren auch Verfahren, die mit Bewegungen einhergehen. Hier sind vor allem Taichi, Qigong und die Körperübungen des Yoga weit verbreitet. Laut einer aktuellen Umfrage hat bereits jeder vierte Erwachsene in Deutschland praktische Erfahrungen mit einem dieser Übungssysteme gemacht. Wesentliche Motive sind oft der Abbau von Stress, die Förderung der Gesundheit und körperliche Fitness.
Fragen der Forscher
In der Hirnforschung wird Meditation in erster Linie als „mentales Training“ verstanden, das zu verbesserter Selbstwahrnehmung und Selbstregulation führt. Neben der Beeinflussung des vegetativen Nervensystems im Sinne einer Entspannungsreaktion Die Neurowissenschaft der Meditation steht dabei die Ausrichtung der Aufmerksamkeit im Mittelpunkt des Forschungsinteresses: Wie wirkt sich auf Dauer das Bemühen aus, die Aufmerksamkeit auf einem bestimmten Objekt zu halten – zum Beispiel der Empfindung beim Atmen – und nicht in Tagträume abzudriften?
Ein weiterer Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Regulation von Emotionen. Hier interessiert beispielsweise die Frage, wie durch die Einübung von Achtsamkeit der Umgang mit Schmerzen, Ängsten, Depression oder Süchten günstig beeinflusst werden kann. Ein anderer Strang der Forschung untersucht, wie mittels meditativer Schulung positive Emotionen wie Mitgefühl und liebevolle Güte kultiviert werden können Mitgefühl. An dessen Wirkung auf die Befindlichkeit forscht Tania Singer am Max Planck Institut für Kognition und Neurowissenschaft in Leipzig.
Seit im Jahr 2000 die erste Studie mit funktioneller Magnetresonanztomografie erschien, hat sich die Erforschung der Meditation mit bildgebenden Verfahren rasant entwickelt. Inzwischen kann von einem regelrechten Boom gesprochen werden. Ein wichtiger Motor dieser Entwicklung sind die Aktivitäten des Mind and Life Institute, die auf einen Dialog zwischen Vertretern religiöser Traditionen und Wissenschaftlern abzielen. Durch die enge Kooperation des Dalai Lama mit prominenten Hirnforschern – wie beispielsweise Richard Davidson oder Wolf Singer – und jährlichen Konferenzen wurde eine enorme Breitenwirkung erzielt. Mit einer internationalen Konferenz in Berlin 2013 ist dieser Trend inzwischen auch in Europa angekommen. Berichte in Presse und Rundfunk über positive Wirkungen von Meditation sind allgegenwärtig, und große Krankenkassen unterstützen die Teilnahme an entsprechenden Kursen.
Das veränderte Gehirn
In der Hirnforschung geht es aber vor allem darum, die neuronalen Mechanismen aufzuklären, über die Meditation sich auf Aufmerksamkeitsleistungen und die Fähigkeit zur Stressbewältigung auswirkt. In einer Reihe von Längsschnittstudien konnten Hölzel und ihre Kollegen zeigen, dass bereits nach acht Wochen Training mit täglich 45 Minuten Übungsdauer eine signifikante Verdichtung der grauen Substanz im Hippocampus zu beobachten ist – eine Struktur, die umgekehrt bei Dauerstress durch einen hohen Cortisolspiegel im Blut geschädigt werden kann. Die Abnahme der subjektiven Stressbelastung war zudem mit einer Abnahme der Dichte der grauen Substanz in der Amygdala verbunden, die unter anderem eine wichtige Rolle bei der Auslösung von Angstreaktionen spielt. Schließlich konnte die Forschungsgruppe in einer Studie mit Angstpatienten zeigen, wie durch das Meditationstraining die Konnektivität zwischen präfrontalem Cortex und Amygdala verändert wurde, die wiederum in direktem Zusammenhang mit der Schwere der Symptomatik steht.
Diese Möglichkeit, das Nervensystem durch Training zu verändern, um so Verhaltensänderungen zu bewirken, ist für das Verständnis der Wirkungen von Meditation grundlegend. Im therapeutischen Kontext geht es zudem darum, Körperempfindungen, Emotionen und Gedanken beobachten zu lernen, um starre Reaktionsmuster zu erkennen. Und durch eine größere Freiheit für alternative Sicht- und Reaktionsweisen zu überwinden. Die damit verbundene geistige Präsenz und Flexibilität könnten sich sogar in einer verlangsamten Hirnalterung niederschlagen. Auf diese Möglichkeit weisen gleich mehrere Forschungsgruppen hin. Zudem wird ein achtsamer Lebensstil als wichtiges Element der Prävention von Alzheimer-Demenz vorgeschlagen. Alles in allem scheint es ganz sinnvoll zu sein, den alten Hinweis von „Sitz nicht nur ‘rum, tu was!“, regelmäßig in „Tu nicht nur was, sitz mal rum“, zu verkehren.
zum Weiterlesen:
Hölzel BK, Carmody J, Vangel M, Congleton C, Yerramsetti SM, Gard T, Lazar SW (2011), Mindfulness practice leads to increases in regional brain gray matter density, Psychiatry Res.,191(1):36-43 30 Jan 2011, zum Abstract
Hölzel BK, Hoge EA, Greve DN, Gard T, Creswell JD, Brown KW, Barrett LF, Schwartz C, Vaitl D, & Lazar S, Neural mechanisms of symptom improvements in generalized anxiety disorder following mindfulness training, Neuroimage: Clinical, 2, 448-458 2013, zum Abstract
Britta Hölzel PhD, Institut für Medizinische Psychologie, URL: http://www.nmr.mgh.harvard.edu/~britta/ [Stand:15.04.14], zur Webseite
Lutz A, Dunne JD, Davidson RJ, Meditation and the Neuroscience of Consciousness, Cambridge Handbook of Consciousness edited by Zelazo P, Moscovitch M and Thompson E, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-67412-6 2007/, zum Abstract
Davidson RJ, Lutz, Buddha’s Brain, Neuroplasticity and Meditation, Signal Processing Magazine, IEEE, Volume:25 , Issue: 1 2007, zum Abstract
Sara Lazar, Labor Forschung in Meditation, URL: http://www.nmr.mgh.harvard.edu/~lazar/ [Stand: 15.04.14], zur Webseite
Waisman Labor für Gehirnabbildung und Verhalten, URL: http://brainimaging.waisman.wisc.edu/ [Stand: 15.04.14], zur Webseite
Originaltext in „das Gehirn“
Fortsetzung: „Die Neurowissenschaft der Meditation“
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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