Uli Hoeneß muss drei Jahre und sechs Monate in Haft

von René Cassien
Das Magazin Cicero titelte am 28. April 2013:

Uli Hoeneß und das psychopathische Moment

Und schrieb in der Schlagzeile:
Der Psychologe Kevin Dutton beschreibt in seinem neuen Buch die Psychopathen unserer Gegenwart und fragt, was wir von ihnen lernen können. Einiges davon trifft auf Uli Hoeneß zu.
nur-ein-tor-kein-freispruch-uli-hoeness-goennt-sich-beim-spiel-seiner-bayern-gegen-arsenal-entspannung-von-seinem-steuerprozessUli Hoeneß einen Tag vor der Urteilsverkündung beim Champions-Liga-Spiel FC Bayern München gegen Arsenal London.

„Gute Menschen sind nur selten mißtrauisch: Sie können sich nicht vorstellen, daß jemand etwas tut, wozu sie selbst nicht imstande wären; für gewöhnlich akzeptieren sie die unspektakuläre Lösung als die beste und lassen damit die Dinge auf sich beruhen. Dazu kommt, daß ein normaler Mensch dazu neigt, sich einen Psychopathen als jemanden vorzustellen, dessen Erscheinung ebenso monströs ist wie seine Psyche – aber kaum etwas könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. … Diese Monster des Alltags hatten für gewöhnlich ein normaleres Aussehen und Verhalten, als ihre tatsächlich normalen Brüder und Schwestern; sie präsentierten ein überzeugenderes Bild der Tugend als die Tugend selbst – ähnlich der wächsernen Blüte einer Rose oder dem künstlichen Pfirsich, die dem Auge viel perfekter erscheinen als das mit Makeln behaftete Original, nach dessen Vorbild sie modelliert worden sind.“

William March aus „The Bad Seed“
Mich erinnert der Prozess um Uli Hoeness weniger an das Buch von Kevin Dutton und dem was wir von Psychopathen lernen können, sondern an das Buch von Prof. Dr. Robert D. Hare:

Gewissenlos. Die Psychopathen unter uns

In dem er diese Kategorie von Menschen und ihren Einfluss auf die Gesellschaft sehr treffend analysiert. Robert D. Hare meint u.a.:
Psychopathie ist in unserer Gesellschaft etwa so verbreitet wie Schizophrenie, eine verheerende Geisteskrankheit, die herzzerreißendes Leid für den Patienten und seine Angehörigen mit sich bringt. Die Schmerzen und die Verzweiflung, die von Schizophrenie verursacht werden, sind allerdings unbedeutend im Vergleich zu der menschlichen, sozialen und wirtschaftlichen Verwüstung, die von Psychopathen angerichtet wird. Sie fischen mit einem großen Netz, in dem fast jedermann sich auf die eine oder andere Art verfängt.
Der auffälligste – aber keineswegs einzige – Ausdruck von Psychopathie besteht in abscheulichen und kriminellen Verletzungen der gesellschaftlichen Regeln. Es ist nicht überraschend, daß viele Psychopathen Verbrecher sind; vielen von ihnen gelingt es allerdings, dem Gefängnis zu entgehen. Mit Charme und chamäleonartiger Anpassungsfähigkeit schlagen sie eine breite Schneise der Verwüstung durch die Gesellschaft und lassen zerstörte Leben hinter sich.
Zusammengesetzt ergeben die Einzelteile des Puzzles das Bild einer egozentrischen, gefühllosen und brutalen Persönlichkeit ohne jegliches Mitgefühl, unfähig, warmherzige Gefühlsbindungen einzugehen, eines Menschen, der ohne die Instanz eines Gewissens „funktioniert“. Man muß feststellen, daß in diesem Bild genau jene Qualitäten fehlen, die es uns ermöglichen, in gesellschaftlicher Harmonie zusammenzuleben.
Es ist kein schönes Bild, und gelegentlich wird bezweifelt, daß es solche Menschen gibt. Um solche Zweifel zu zerstreuen, muß man nur einige der in letzter Zeit immer häufiger in unserer Gesellschaft auftretenden, dramatischen Beispiele von Psychopathie betrachten. Dutzende von Büchern, Spielfilmen, Fernsehberichten, Hunderte von Zeitungsartikeln und Schlagzeilen erzählen die Geschichte: Die Menschen, über die in den Medien berichtet wird, sind zu einem großen Teil Psychopathen – Serienmörder, Vergewaltiger, Diebe, Schwindler, Betrüger, gewalttätige Ehemänner, Wirtschaftskriminelle, Anlagebetrüger, gewissenlose Aktienhändler, Kinderschänder, Bandenmitglieder, Rechtsanwälte und Ärzte, denen die Zulassung entzogen wurde, Drogenbarone, Mitglieder der organisierten Kriminalität, Terroristen, Sektenführer, Söldner und skrupellose Geschäftsleute. …
Psychopathen sind oft geistreich und wortgewandt. Sie können amüsante, unterhaltsame und schlagfertige Gesprächspartner sein und unwahrscheinliche, aber glaubhafte Geschichten erzählen, die sie selbst in einem guten Licht erscheinen lassen. Sie können sich sehr geschickt gut darstellen und sind häufig liebenswert und charmant. …
Psychopathen haben ein narzißtisches und immens aufgeblähtes Bild ihres eigenen Wertes und ihrer Wichtigkeit, sind unglaublich egozentrisch, leben in der Gewißheit, daß ihnen alles zusteht („sense of entitlement“) und sehen sich selbst als den Mittelpunkt des Universums an, als überlegenes Wesen, das das Recht hat, nur nach seinen eigenen Regeln zu leben. …
Nur selten machen Psychopathen sich Sorgen über ihre rechtlichen, finanziellen oder persönlichen Probleme. Sie sehen sie als vorübergehende Rückschläge an, als Ergebnis von Pech, illoyalen Freunden oder ein unfaires und untaugliches Gesellschaftssystem. …
Psychopathen sind überzeugt, mit ihren Fähigkeiten auf einem beliebigen Gebiet reüssieren zu können. Unter den richtigen Voraussetzungen – Gelegenheit, Glück, willige Opfer – kann sich ihre Grandiosität spektakulär auszahlen. So dreht zum Beispiel der psychopathische Unternehmer ein „großes Rad“ – aber meistens mit dem Geld anderer Leute. …
Psychopathen sind Naturtalente im Lügen, Täuschen und Manipulieren.
Mit ihrer regen Einbildungskraft und konzentriert auf sich selbst können Psychopathen durch die Möglichkeit – oder gar Gewißheit –, ertappt zu werden, kaum aus der Fassung gebracht werden. Bei einer Lüge ertappt oder mit der Wahrheit konfrontiert, reagieren sie nur selten ratlos oder verlegen – sie ändern einfach ihre Geschichte oder versuchen die Umstände neu zu erfinden, so daß sie zu der Lüge passen. …
Psychopathen scheinen stolz zu sein auf ihre Fähigkeit, zu lügen. …
Bei vielen Beobachtern stellt sich der Eindruck ein, daß Psychopathen manchmal unbewußt lügen; es ist, als ob die Worte ein Eigenleben haben, unabhängig davon, daß der Sprecher weiß, daß der Zuhörer die Tatsachen kennt. Die Indifferenz des Psychopathen, als Lügner ertappt zu werden, ist wirklich außergewöhnlich; sie läßt manchmal den Zuhörer am Geisteszustand des Sprechers zweifeln. Häufiger jedoch wird der Zuhörer eingewickelt. …
Bedenkt man ihre Redegewandtheit und die Leichtigkeit, mit der ihnen Lügen von den Lippen gehen, ist es nicht überraschend, daß Psychopathen mit großem Erfolg ihre Mitmenschen beschummeln, belügen, betrügen, hereinlegen und manipulieren, ohne deswegen auch nur die geringsten Gewissensbisse zu haben. Häufig bezeichnen sie sich selbst geradeheraus als Schwindler oder Trickbetrüger. Ihre Äußerungen verraten ihre Überzeugung, die Welt würde aus „Gebern und Nehmern“ bestehen, aus Jägern und Opfern, und daß es dumm wäre, die Schwächen anderer nicht auszunutzen. Außerdem haben sie häufig eine feine Nase für solche Schwächen und wie sie sie am besten zu ihrem Vorteil ausnutzen können. …
Die Fähigkeit, Freund und Feind gleichermaßen zu betrügen, macht es Psychopathen leicht, Betrug, Unterschlagung und Hochstapelei zu begehen, gefälschte Aktien und wertlosen Grundbesitz zu verscherbeln und alle nur denkbaren großen oder kleinen Schwindeleien anzustellen. …
Für Psychopathen … haben die Täuschung und Manipulation … nicht nur das Ziel, Geld zu machen, sondern sie prägen ihre Beziehungen zu allem und jedem, einschließlich Familie, Freunden und Justiz. Häufig schaffen sie es, Gefängnisstrafen zu entgehen, und selbst wenn sie erwischt und verurteilt werden, erhalten sie meist eine milde Strafe und frühzeitige Bewährung – nur um da weiterzumachen, wo sie unterbrochen worden sind.
Trotzdem haben ihre Verbrechen verheerende Folgen für die Gesellschaft. …
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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Eine Antwort zu Uli Hoeneß muss drei Jahre und sechs Monate in Haft

  1. drbruddler schreibt:

    Hier liegt im Grunde die Wurzel des Übels begraben. Eine Gesellschaft, die verlernt hat die Werte der Aufrichtigkeit zu lehren und zu verteidigen und Verantwortlichkeit genau zu zuordnen, beklatscht und fördert eben diese Psychopaten. Am leichtesten ist das zu erkennen an der heutigen Justiz die den Täter im Focus hat und deren Opfer verdrängt und deshalb immer zu zu milden Urteilen kommt oder die falschen Täter verurteilt.

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