Durch Entlassungen zum Jahrhundert-Manager

Wenn nur noch Zahlen zählen, nicht mehr Menschen

von Prof. Wolfgang Berger aus „BUSINESS REFRAMING“
FlugzeugeDurch den Wechsel des Finanzprofis Matthias Zachert von Merck an die Spitze von Lanxess ist die Merck-Aktie um zehn Prozent eingebrochen und die Lanxess-Aktie explodiert. Der Aufsichtsrat der Lufthansa hat trotzdem einen Piloten zum Vorstandschef ernannt: Carsten Spohr.
Siemenschef Joe Kaiser dagegen ist Finanzmann, ebenso die Chefs von Deutscher Telekom (Tim Höttges), BASF (Kurt Bock), Haniel (Stephan Gemkow), Celesio (Marion Helmes), Bertelsmann (Thomas Rabe), Eon, RWE, Fresenius und K+S. Die Zeiten, wo bei Chemiekonzernen Chemiker, bei Fahrzeug- und Maschinenbauern Ingenieure oder Naturwissenschaftler an der Spitze waren, wo das Produkt zählte, die technische Innovation und nicht die Vorgaben des Finanzmarkts, sind vorbei.
Es ist eine Kulturrevolution, bei der die angelsächsischen Länder vorangehen und Kontinentaleuropa hinterherläuft. Wird das gut gehen? 20 Jahre lang war Jack Welsch der Chef von General Electric. Er hat 100.000 Mitarbeiter entlassen, dadurch den Jahresgewinn versiebenfacht und ist daraufhin von der Fachwelt zum „Manager des Jahrhunderts“ gekürt worden. Acht Jahre nach seinem Ruhestand hat der Abstand vom Tagegeschehen ihn weise werden lassen:
„Genau betrachtet ist Shareholder Value die blödeste Idee der Welt“,
hat er gesagt.
Die Shareholder-Value-Idee ordnet alles der Reichtumsmehrung der Aktionäre unter. Der Reichtum darf durch eingebauten Verschleiß, durch gewollte Produktfehler, durch Verträge mit unsichtbaren Hintertüren erzielt werden. Wenn der Aktienkurs steigt, ist alles wunderbar; wenn nicht, gibt es Probleme. Unternehmensführer dürfen keine Rücksicht nehmen auf die Belegschaft, auf Kunden oder Lieferanten, auf Standorte oder Staaten, deren Infrastruktur sie benötigen.
Alle weltumspannenden Unternehmen sind mit Produkten groß geworden, die die Welt verändert haben
– so wie wir es heute bei „Enterprise 2.0“ erleben (Andrew McAfee: Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration In: MIT Sloan Management Review, Jg. 47, H. 3, S. 20–28).
Und jetzt verkommen sie zu Finanzkonglomeraten mit einer angeschlossenen Werkstatt, die noch etwas Nützliches herstellt, um die Fassade aufrecht zu erhalten.
Großbritannien und die USA sind schon weitgehend deindustrialisiert; sie überleben noch dank ihrer allgewaltigen „Finanzindustrie“. Wenn Kontinentaleuropa diesem Weg folgt, wird es bald von Asien als eine Kolonie entdeckt werden, in der erstaunlich viel Know-how brach liegt, das Kolonialherren nutzen können.
Originaltext
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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