„Bête noire“ der französischen Machthaber

von Diana Johnstone, Übersetzung Horst Frohlich, aus „Voltaire.net“

Dieser ursprünglich in den Vereinigten Staaten erschienene Artikel versucht den Ausländern die hysterische Anprangerung durch die französische Regierung des beliebtesten Komikers des Landes, Dieudonné, zu erklären. Für Diana Johnstone ist es eine Gelegenheit zu zeigen, warum und wie die französische Führungsschicht alle republikanischen Werte aufgibt, an die sie glaubt.

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Manuel Valls. Der französische Innenminister, der sich „Israel ewig verpflichtet“ erklärte, will jegliche Herausforderung des Systems im Allgemeinen und den israelischen Kolonialismus insbesondere für Antisemitismus verfolgen.
In Paris beginnen die traditionellen Medien und die Politiker das neue Jahr mit einem gemeinsamen Entschluss für 2014: einen französisch-afrikanischen Komödianten, der bei jungen Leuten zu beliebt wird, dauerhaft mundtot zu machen.
Zwischen Weihnachten und Neujahr ist es niemand anderer als der Präsident der Republik, François Hollande, der bei einem Besuch in Saudi-Arabien für (sehr große) Handelsabkommen sagte, dass seine Regierung einen Weg finden müsse, die Auftritte von dem Komiker Dieudonné M‘Bala M‘Bala zu verbieten, ebenso wie der französische Innenminister Manuel Valls dazu aufrief.
Der Führer der konservativen Oppositionspartei UMP, Jean-François Copé, gab dazu sofort seine Zustimmung, mit „totaler Unterstützung“, um den unkontrollierbaren Schauspieler zum Schweigen zu bringen.
Mitten in diesem einstimmigen Medien-Chor schrieb die Wochenzeitschrift Le Nouvel Observateur einen Leitartikel, dass Dieudonné „bereits tot“, ausgelaugt, fertig sei. Die Redaktion diskutierte offen über die beste Taktik, entweder zu versuchen, ihn für „Anstiftung zum Rassenhass“ ins Gefängnis zu stecken, oder die Aufführungen auf Grund der möglichen „Bedrohung der öffentlichen Ordnung“ zu verbieten, oder auf die Gemeinden Druck auszuüben, dass ihre Kultur-Subventionen reduziert würden, wenn sie ihn auftreten ließen.
Das Ziel von Manuel Valls, Schirmherr der Nationalpolizei, ist klar, aber die Macht sucht noch die Methode.
Das spöttische Klischee, das ständig wiederholt wird, ist, dass „Dieudonné niemanden mehr zum Lachen bewegt.“
In Wirklichkeit ist es das Gegenteil, das zutrifft. Und da ist auch das Problem. Auf seiner letzten Tour in französischen Städten zeigen die Videos große Säle voller Leute, die sich mit ihrem Lieblings Komiker schier krummlachen. Er popularisierte eine einfache Geste, die er Quenelle [Klößchen] nennt. Diese Geste wird von jungen Leuten in ganz Frankreich imitiert. Sie bedeutet ganz einfach und klar: sie haben die Nase voll.
Um einen Vorwand zu erfinden, um Dieudonné zu zerstören, haben die wichtigste jüdische Organisation, der CRIF (Ratsvertreter der jüdischen Institutionen Frankreichs, das französische Äquivalent der AIPAC) und die LICRA (Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus), die besondere Privilegien im französischen Recht genießt [1], eine extravagante Geschichte herausgegeben, die Dieudonné und diejenigen die ihm folgen, als „Nazis“ abstempelt. Die Quenelle ist natürlich nur eine unflätige Geste, die etwa „im Arsch“ bedeutet, mit einer, auf den anderen nach unten zeigendem Arm gelegten Hand, um die Länge der Quenelle anzuzeigen.
Aber für den CRIF und die LICRA ist die Quenelle „ein Nazi-Gruß in umgekehrter Richtung“. (Man ist nie „wachsam“ genug, wenn man einen versteckten Hitler sucht).
Wie jemand erwähnte, kann ein „umgekehrter Nazi-Gruß “ gut als Anti-Nazi betrachtet werden, falls die Geste etwas mit Heil Hitler zu tun hätte. Aber das ist eindeutig nicht der Fall.
Aber die Medienwelt nimmt diese Behauptung voll auf, und zeigt zumindest, dass „manche die Quenelle als einen umgekehrten Nazi-Gruß betrachten.“ Egal, ob diejenigen, die diese Geste praktizieren keinen Zweifel daran haben, was sie bedeutet: „N*que le système“ [F*** the system!]
Aber inwieweit sind der CRIF und die LICRA „das System“?
Frankreich hat ein großes Lach-Bedürfnis
1-4144-f28d4-79ee6Die französische Industrie verschwindet allmählich, mit Fabriken, die eine nach der anderen schließen. Die Besteuerung von einkommensschwachen Bürgern ist im Vormarsch, um die Banken und den Euro zu retten. Die Enttäuschung über die Europäische Union ist immer stärker. Die EU-Vorschriften verhindern jegliche ernsthafte Schritte, um den Zustand der französischen Wirtschaft zu verbessern. In der Zwischenzeit schwingen die Politiker von Links und Rechts weiterhin ihre hohle Rhetorik, geschmückt mit Klischees über „Menschenrechte“ – vor allem als Vorwand für einen Krieg im Nahen Osten oder für Schmähreden gegen China und Russland -. Der Anteil der positiven Meinungen über Präsident Hollande ist auf 15 % gesunken. Noch wählen die Leute, mit dem Ergebnis der gleichen, von der EU beschlossenen Politik.

 

Warum konzentriert also die herrschende Klasse ihre Anprangerung auf „den talentiertesten Humoristen seiner Generation“ (so wie seine Kollegen zugeben, selbst wenn sie ihn auch denunzieren)?
Eine kurze Antwort ist wahrscheinlich, dass die steigende Popularität von Dieudonné bei der Jugend eine Steigerung der Kluft zwischen den Generationen bedeutet. Dieudonné macht auf Kosten des gesamten politischen Establishments lachen. Was zu einer Flut von Beleidigungen führt und zu Ansätzen, um Aufführungen zu verbieten, ihn finanziell zu ruinieren und sogar ins Gefängnis zu stecken. Die verbalen Angriffe bieten günstige Umstände für körperliche Angriffe gegen ihn. Vor ein paar Tagen wurde sein Assistent Jacky Sigaux am helllichten Tag von mehreren maskierten Männern vor dem Rathaus des 19. Bezirks – direkt gegenüber dem Park der Buttes-Chaumont – körperlich angegriffen. Er hat Klage eingereicht.
Aber welchen Schutz können wir seitens einer Regierung erwarten, deren Innenminister, Manuel Valls – zuständig für den Polizei – versprochen hat, Wege zu finden, um Dieudonné zum Schweigen zu bringen?
Dieser Fall ist wichtig, aber es ist fast sicher, dass er in den Medien außerhalb Frankreichs nicht richtig behandelt werden wird, – genauso, wie er in der französischen Presse nicht korrekt behandelt wird, die die Quelle von fast allem ist, was im Ausland gemeldet wird. Probleme im Zusammenhang mit der Übersetzung, ein Anteil von Missverständnissen und Falschdarstellung kommen noch zur Verwirrung hinzu.
Warum hassen sie ihn?
Dieudonné M’Bala M’Bala kam in den Vororten von Paris vor 48 Jahren auf die Welt. Seine Mutter war eine Weiße aus der Bretagne, sein Vater war ein Afrikaner aus Kamerun. Dies sollte aus ihm ein Modell-Kind des „Multikulturalismus“ machen, den die vorherrschende Ideologie der Linken zu fördern sucht. Und während des ersten Teils seiner Karriere, im Duo mit seinem jüdischen Freund Elie Semoun, war er genau das: Er machte Kampagne gegen den Rassismus, konzentrierte seine Angriffe auf den Front National, und präsentierte sich sogar bei den Kommunalwahlen gegen einen Kandidaten des Front National in Dreux, eine Schlafstadt 90 Kilometer westlich von Paris, wo er wohnt. Wie die besten Humoristen hat Dieudonné immer die aktuellen Ereignisse aufs Korn genommen, aber mit ungewöhnlichem Engagement und seltener Würde in seinem Beruf. Seine Karriere war blühend, er spielte in Filmen, wurde im Fernsehen eingeladen und arbeitete dann allein. Er ist ein sehr guter Beobachter, brillanter und subtiler Nachahmer von verschiedenen Arten von Persönlichkeiten und Volksgruppen, von den Afrikanern bis zu den Chinesen.
Am 1. Dezember 2003, vor zehn Jahren, als Gast in einer Aktuelles behandelnde Fernsehsendung, mit dem Titel „On ne peut pas plaire à tout le monde“ [Man kann nicht allen gefallen], einem sehr passenden Namen, war Dieudonné als „zum extremistischen Zionismus Konvertierter“ vage verkleidet auf die Bühne gekommen, und schlug den anderen Protagonisten vor, „Mitglied der guten israelisch-amerikanischen Achse“ zu werden. Diese relativ moderate Infragestellung der „Achse des Bösen“ von George W. Bush schien völlig im Einklang mit der Zeit. Der Sketsch endete mit einem kurzen „Isra-Heil“ Gruß. Man war weit entfernt von dem Dieudonné des Anfangs, aber der populäre Komiker wurde dennoch mit Begeisterung von den anderen Akteuren begrüßt, während das Publikum ihm eine standing ovation gab.
Es war im ersten Jahr des US-Angriffs auf den Irak, an dessen Beteiligung Frankreich sich geweigert hatte, was Washington dazu führte, die französischen „pommes frites“ (Belgisch in Wirklichkeit) auf „freedom fries“ umzutaufen.
Dann haben die Proteste begonnen, insbesondere im Hinblick auf die End-Geste, die als eine Äquivalenz zwischen Israel und Nazi-Deutschland angesehen wurde.
„Antisemitismus!“ rief man, auch wenn das Ziel des Sketschs Israel (und die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten im Nahen Osten) war. Die Aufrufe multiplizierten sich, um die Aufführungen zu verbieten, ihn vor Gericht zu verklagen, seine Karriere zu zerstören. Dieudonné hat versucht, zu erklären, dass sein Sketsch nicht die Juden als solche betrifft, aber anders als Andere vor ihm, entschuldigte er sich nicht für eine Beleidigung, die er seinem Erachten nach nicht begangen hat. Warum gab es keine Proteste seitens der Afrikaner, die er verspottet? Oder der Moslems oder der Chinesen? Warum hat eine Gemeinschaft allein mit so viel Wut reagiert?
Dann kam ein Jahrzehnt Eskalation. Die LICRA begann eine lange Serie von gerichtlichen Klagen gegen ihn („Aufforderung zu Rassenhass“), die sie am Anfang verlor, aber dennoch nicht einstellte. Statt nachzugeben, stieß Dieudonné nach jedem Angriff seine Kritik an dem „Zionismus“ weiter voran. Zur gleichen Zeit wurde Dieudonné allmählich von den Fernsehstudios ausgeschlossen und von den Mainstream-Medien wie ein Paria behandelt. Es ist erst die jüngste Überfülle von Internet-Bildern, die die von jungen Leuten gemachte Geste der Quenelle zeigen, die das Establishment zum Schluss brachte, dass ein frontaler Angriff effektiver wäre als der Versuch, sie zu ignorieren.
Der ideologische Hintergrund
Um die Bedeutung der Dieudonné-Affäre versuchen zu verstehen, ist es notwendig, den ideologischen Kontext1-4146-45c4f-f7680 zu kennen. Aus Gründen, die zu komplex sind um sie hier vorzustellen, gibt es die französische Linke – deren Hauptanliegen einst das Wohlergehen der Arbeitnehmer, soziale Gerechtigkeit, gegen Aggressions-Kriege, Meinungsfreiheit war – praktisch nicht mehr. Die Rechte gewann die entscheidende Schlacht der Wirtschaft mit dem Triumph der Strategien, die die Währungsstabilität und die Interessen des internationalen Finanzkapitals („Neoliberalismus“) fördern. Als Trostpreis hat die Linke eine bestimmte ideologische Vorherrschaft, basierend auf Anti-Rassismus, Anti-Nationalismus und das Engagement für die Europäischen Union – und sogar das hypothetische „soziale Europa“, das sich schnell entfernt und den Friedhof der verschwundenen Träume erreicht -. In der Tat fällt diese Ideologie perfekt mit einer Globalisierung zusammen, die den Anforderungen des internationalen Finanzkapitalismus entspricht.
Aus Mangel einer echten sozialen und wirtschaftlichen Linken, versank Frankreich in einer Art „Politik der Identität“, die sowohl Multikulturalismus lobt, als auch vehement gegen „Kommunitarismus“ reagiert, d.h. die Behauptung, jeglicher Partikularismus sei unerwünscht. Aber manche ethnische Besonderheiten sind noch weniger willkommen als andere. Der islamische Schleier wurde zuerst in den Schulen verboten und Forderungen, ihn im öffentlichen Raum zu verbannen, werden immer aktueller. Der Niqab und die Burka sind zwar selten, aber gesetzlich verboten. Kontroversen über Halal-Essen brechen in Kantinen aus, über Gebete auf öffentlichen Straßen, während Karikaturen regelmäßig den Islam verspotten. Egal, wie man darüber denkt, der Kampf gegen den Kommunitarismus kann von manchen, als einer gegen eine bestimmte Gemeinschaft gerichteter angesehen werden. Zur gleichen Zeit nahmen die französischen Politiker die Spitze der Befürworter ein, die für den Krieg in muslimischen Ländern wie Libyen und Syrien sind, während sie ihre Ergebenheit gegenüber Israel zur Schau tragen.
Zur gleichen Zeit ist eine andere Gemeinschaft dauerndes Objekt liebevoller Fürsorge. In den letzten 20 Jahren, während die religiöse Praxis und das politische Engagement merklich nachgelassen haben, wurde der Holocaust der in Frankreich Shoah genannt wird, allmählich zu einer Art Staatsreligion. Die Schulen feiern jedes Jahr den Holocaust, er dominiert in einem historischen Bewusstsein, das wie andere Aspekte der Sozial- und Geisteswissenschaften rückläufig ist. Insbesondere ist das einzige, von allen Ereignissen der langen Geschichte Frankreichs durch ein Gesetz geschützte, die Shoah. Das so genannte Gayssot-Gesetz verbietet jede Befragung über die Geschichte der Shoah, eine absolut beispiellose Beeinträchtigung der Meinungsfreiheit. Darüber hinaus wurden bestimmten Verbänden wie der LICRA Privilegien zugestanden, um Einzelpersonen vor Gericht auf Grund von „Anstiftung zum Rassenhass“ (sehr breit und ungleich ausgelegt) verfolgen zu können, mit der Möglichkeit, Schadenersatz und Zinsen im Namen der „beleidigten Gemeinschaft“ einkassieren zu können. In der Praxis werden diese Gesetze vor allem für die Verfolgung des angeblichen „Antisemitismus“ und „Revisionismus“ der Shoah verwendet. Auch wenn sie oft von den Gerichten abgewiesen werden, gestatten solche rechtliche Maßnahmen Belästigung und Einschüchterung. Frankreich ist eines der wenigen Länder, wo die BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestition, Sanktionen) gegen die israelischen Koloniesiedlungen auch vor Gericht angefochten werden kann, wegen „Anstiftung zum Rassenhass.“
Die gewalttätige Organisation Ligue de Défense Juive (LDJ), [jüdische Verteidigungs-Liga], in den Vereinigten Staaten illegal und selbst in Israel, ist bekannt für zusammengeschlagene Buchhandlungen oder Angriffe auf isolierte Einzelpersonen, manchmal auch alte Leute. Wenn die Angreifer identifiziert sind, ist die Flucht nach Israel ein guter Ausweg. Die Opfer der LDJ erwecken niemals in den öffentlichen Massen etwas Vergleichbares mit der massiven öffentlichen Empörung, wenn ein jüdischer Bürger einen grundlosen Angriff erleidet. Darüber hinaus, gehen die Politiker zum jährlichen Dinner des CRIF mit dem gleichen Eifer wie die der Vereinigten Staaten zum AIPAC-Abendessen gehen – nicht um ihre Wahlkämpfe zu finanzieren, sondern um das Wohlwollen ihrer Gefühle zu beweisen -.
Frankreich hat die größte jüdische Gemeinde in Westeuropa, eine Bevölkerung, die der Abschiebung während der deutschen Besatzung weitgehend entgangen ist, während der die jüdischen Immigranten in Konzentrationslager deportiert wurden. Neben einer jüdischen Gemeinde, die seit langem etabliert ist, gibt es viele Neulinge mit Ursprung aus Nordafrika. All dies trägt zu einer Bevölkerung mit sehr dynamischem Erfolg bei, sehr präsent in den sichtbarsten und beliebtesten Berufen (Journalismus, Show-Business, wie auch Wissenschaft und Medizin u.a.).
Von allen französischen politischen Parteien ist die Sozialistische Partei (vor allem über die Labour Partei von Shimon Peres, der Mitglied der Sozialistischen Internationale ist) diejenige, die die engsten historischen Verbindungen mit Israel hat. In den 1950er Jahren, als Frankreich die algerische nationale Befreiungsbewegung bekämpfte, hatte die französische Regierung (über Peres) zum israelischen Projekt der Produktion von Atomwaffen beigetragen. Heute ist es nicht die Labour Partei die Israel führt, sondern die Rechts-extreme. Der letzte freundliche Besuch von François Hollande bei Benjamin Netanyahu zeigte, dass der Rechtsdrall des politischen Lebens in Israel die Beziehungen absolut nicht beeinträchtigt hat -, die enger als je zuvor erscheinen -.
Dennoch ist die jüdische Gemeinde sehr klein im Vergleich zu der Vielzahl der arabischen Einwanderer aus Nordafrika oder der schwarzen Einwanderer aus den ehemaligen französischen Kolonien in Afrika. Vor einigen Jahren hatte Pascal Boniface, renommiertes Mitglied der Intellektuellen, vorsichtig die Führer der Sozialistischen Partei gewarnt, dass ihre Vorliebe für die jüdische Gemeinde schließlich Wahlprobleme verursachen könnte. Diese Warnung war in einem Dokument der politischen Analyse enthalten und hatte einen Aufschrei provoziert, der ihn fast seine Karriere gekostet hatte.
Aber die Tatsache bleibt: Es ist für die Franzosen arabischer und afrikanischer Herkunft nicht sehr schwierig, das Gefühl zu haben, dass der „Kommunitarismus“, der wirklich Einfluss hat, der jüdische Kommunitarismus ist.
Die politische Verwendung des Holocaust
1-4145-7a986-93406Norman Finkelstein hat vor einiger Zeit gezeigt, dass der Holocaust für wirklich wenig noble Zwecke benützt werden kann: wie Gelder von Schweizer Banken zu erpressen. Allerdings ist die Situation in Frankreich ganz anders. Es gibt wenig Zweifel, dass die ständigen Erinnerungen an die Shoah als eine Art Schutz für Israel wirken, gegen die Feindseligkeit, die durch die Behandlung der Palästinenser generiert wird. Aber die Religion des Holocaust hat eine tiefer greifende politische Auswirkung, die keine direkte Verbindung mit dem Schicksal der Juden hat.
Mehr als alles andere wurde Auschwitz als Symbol dafür interpretiert, wozu der Nationalismus führt. Der Hinweis auf Auschwitz wurde verwendet, um Europa ein schlechtes Gewissen zu geben, und besonders den Franzosen, wenn man berücksichtigt, dass ihre relativ bescheidene Rolle in diesem Fall [Auschwitz] eine Folge der militärischen Niederlage und Besetzung des Landes durch die deutsche Wehrmacht gewesen ist. Bernard-Henri Lévy, der Schriftsteller, dessen Einfluss in den letzten Jahren in groteskem Verhältnis wuchs (er hetzte Präsident Sarkozy in den Krieg gegen Libyen), begann seine Karriere, indem er argumentierte, dass „Faschismus“ die authentische „französische Ideologie“ sei. Schuld, Schuld, Schuld. Da man aus Auschwitz das bedeutendste Ereignis der Zeitgeschichte gemacht hatte, rechtfertigen eine Reihe von Schriftstellern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens die wachsende Macht der Europäischen Union als notwendige Erneuerung der europäischen, grundsätzlich „schlechten“ Nationen. Nie wieder Auschwitz! Die Nationalstaaten in einer technokratischen Bürokratie auflösen, befreit von dem emotionalen Einfluss der Bürger, die nicht richtig wählen könnten. Fühlen Sie sich Franzose? Oder Deutscher? Sie sollten sich dafür schämen – wegen Auschwitz.
Die Europäer sind immer weniger enthusiastisch über die EU, weil sie ihre Volkswirtschaften ruiniert und ihnen jede demokratische Kontrolle auf sie entzieht. Sie können für Homo-Ehe wählen, nicht aber für die geringste Keynes‘sche Maßnahme und noch weniger für eine sozialistische. Die Schuld für die Vergangenheit soll zumindest ihre Loyalität gegenüber dem europäischen Traum aufrechterhalten.
Die Fans von Dieudonné, nach den Fotos zu urteilen, scheinen vor allem junge Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren zu sein. Sie sind gut zwei Generationen nach dem zweiten Weltkrieg geboren. Sie haben ihr Leben lang über die Shoah sprechen gehört. Mehr als 300 Pariser Schulen tragen eine Gedenktafel über das katastrophale Schicksal jüdischer Kinder, die in Konzentrationslager deportiert wurden. Was kann die Wirkung von alldem sein? Für viele von denen, die lange nach diesen schrecklichen Ereignissen geboren wurden, scheint es, dass jeder sich schuldig fühlen sollte, – wenn es auch nicht für das ist, was sie nicht getan haben, dann ist es für das, was sie gemacht hätten, wenn sie die Gelegenheit dazu gehabt hätten [wenn sie damals gelebt hätten] -.
Als Dieudonné Chaud Cacao, ein altes, ein bisschen rassistisches, „tropisches“ Lied zu Shoah Ananas umwandelte, wurde der Refrain von den Dieudonné-Fans massiv aufgenommen. Ich hoffe, dass sie nicht die wirkliche Shoah verspotten, sondern eher diejenigen, die sie die ganze Zeit an Ereignisse erinnern, die ihnen ein Gefühl einflössen sollen, sich schuldig, unbedeutend und kraftlos zu fühlen. Ein Großteil dieser Generation ist des Geredes über den Zeitraum von 1939-1945 müde, während ihre eigene Zukunft düster ist.
Niemand weiß, wann aufhören
Letzten Sonntag hat Nicolas Anelka, ein bekannter Afro-belgischer Fußballspieler [2], der in England spielt, eine Quenelle gemacht, nachdem er ein Tor geschossen hatte – aus Solidarität mit seinem Freund Dieudonné M‘Bala M‘Bala -. Nach dieser einfachen und grundsätzlich unbedeutenden Geste, hat der Tumult neue Höhen erreicht.
In der französischen Nationalversammlung vertritt Meyer Habib die „Franzosen aus dem Ausland“ – darunter 4000 Israelis französischer Herkunft [3]. Am vergangenen Montag hat er getweeted: „Die Quenelle von Anelka ist unerträglich! Ich werde einen Gesetzesantrag vorlegen, um diesen neuen von Antisemiten praktizierten Nazi-Gruß zu bestrafen.“
Frankreich hat Gesetze verabschiedet, um den „Antisemitismus zu bestrafen“. Das Ergebnis ist umgekehrt. Solche Bestimmungen zielen einfach darauf ab, die alte Idee zu bestätigen, dass die „Juden das Land dirigieren“ und tragen zum Aufstieg des Antisemitismus bei. Wenn junge Franzosen einen Franco-Israeli sehen zu versuchen, eine einfache Geste in ein Delikt zu verwandeln, wenn die jüdische Gemeinde sich mobilisiert, um ihren Lieblings Komiker zu verbieten, kann das nur den Antisemitismus und sogar noch schneller aktivieren.
Es bleibt, dass das Gleichgewicht der Kräfte in dieser Eskalation sehr ungleich ist. Ein Komiker hat als Waffen nur seine Worte und Fans, die verschwinden könnten, wenn die Situation sich zuspitzt. Auf der anderen Seite aber sind die vorherrschende Ideologie und die Macht des Staates.
In dieser Art von Konflikt hängt der Zivil-Frieden von der Weisheit und der Kapazität jener ab, die die Macht haben, Zurückhaltung zu zeigen. Wenn sie nicht auf diese Weise handeln, könnte es ein Spiel ohne Sieger sein.
[1] Der Autor spricht vom Recht, als Nebenkläger auftreten zu können, Anm. des engl.-franz Übersetzers.
[2] Die Familie von Anelka ist in Wirklichkeit aus den franz. Antillen, Anm. des engl.-franz Ü.
[3] Mehr als 78.000 auf den Wahlregistern in Wirklichkeit registriert, Anm. des engl.-franz Ü.
Originaltext
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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