Amerika auf dem Rückzug

Pressemitteilung des GEAB
2013 ging zu Ende mit einer Welt vor der Krise, die in Stücke gefallen ist. 2014 wird grausam sein zu dieser Welt, von der nur noch Trümmerreste stehen. Aber, um Goethe zu zitieren, „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen“; und aus dem Chaos entsteht bereits die Welt von Morgen.
Die USA, Japan und die Europäische Union, von politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten gebeutelt, sind auf der Weltbühne immer weniger präsent, während Russland in der Syrienkrise und in den Beziehungen zu den alten Sowjetrepubliken Armenien und Ukraine seine diplomatischen Bauern auf dem Schachbrett der Geopolitik immer weiter nach vorne schiebt und China seine Vormachtstellung im Gelben Meer durchsetzt – das Machtvakuum, das die Mächte von Gestern hinterlassen, wird umgehend von den Mächten von Morgen ausgefüllt.

2014 wird sich dieser schwerwiegende Trend aufgrund des Zusammenwirkens vieler Faktoren beschleunigen: Kontrollverlust der USA über die globale Geopolitik, nachlassende Wirksamkeit der von Verzweiflung getragenen Notrettungsmaßnahmen (insbesondere Quantitative Easing), erneuter Zusammenbruch des Immobilienmarkts … und, nicht zu vergessen, die unausweichliche, den großen Mächten aufgezwungene Reform des internationalen Währungssystems. Um die gegenwärtige Lage mit einem Roulette- Spiel zu vergleichen: Bis vor Kurzem befand sich die Welt in der Phase „Machen Sie Ihr Spiel“, in der die Spieler ihre Einsätze bringen, also ihre Strategien vorbereiten und umsetzen konnten; heute ist die Welt in der Phase „Nichts geht mehr“ – bald werden die Spieler sehen können, wo die Kugel fällt, ob sie gewonnen oder verloren haben.

Das neue Internationale Währungssystem wartet auf den Euro

An der Währungsfront entwickeln sich die Dinge gerade mit unglaublicher Geschwindigkeit und alle bis jetzt unternommenen Anstrengungen sollten schon im Jahr 2014 zu einem konkreten Ergebnis führen. Die folgenden fünf Beispiele sind bezeichnend für die laufenden Entwicklungen:
  • Kuweit, Katar, Bahrein und Saudi- Arabien gaben Ende Dezember ihre Gemeinschaftswährung heraus. Zu Beginn wird diese Währung an den Dollar gekoppelt – obwohl der Handel dieser Länder mit den USA stetig an Bedeutung verliert. Warum also diese Bindung an den Dollar? Damit wollen die arabischen Verbündeten der USA lediglich verhindern, dass die Amerikaner ihre Anstrengungen sabotieren; schließlich kann sich die Golfgemeinschaftswährung in einem zweiten Schritt zu jeder Zeit und wohl kurzfristig als Folge einer rein politischen Entscheidung auf die stabilere Grundlage einer Bindung an einen vom US- Dollar unabhängigen Währungskorb stellen. Im Übrigen haben sich weiterhin fünf afrikanische Länder (Kenia, Tansania, Ruanda, Uganda und Burundi) auf die Schaffung ihrer Gemeinschaftswährung geeinigt …
  • Der bitcoin wird immer populärer, macht die Märkte nervös und auch die Zentralbanken, die versuchen, ihn zu regulieren. Wenn auch die Kurssteigerungen der letzten Zeit überwiegend der Spekulation geschuldet sind, so ist genauso richtig, dass der Erfolg des bitcoin bezeichnend ist für die gegenwärtig ablaufenden Entwicklungen: Misstrauen gegenüber den Papierwährungen (hier vor allen Dingen der Dollar), Wunsch nach einer nicht von den Zentralbanken manipulierbaren, dezentralisierten, nicht von einem Land dominierten und de-materialisierten Währung. Der bitcoin ist ein erster Versuch, sicherlich bei Weitem nicht perfekt, hoch volatil (als Folge der geringen Geldmenge und des Prinzips der vorab festgelegten Geldschöpfung), dem die nationalen Gesetzgeber sehr reserviert gegenüber stehen und der daher in näherer Zukunft verschwunden oder verdrängt sein wird. Dennoch sollten die besonderen Eigenschaften dieser virtuellen Währung bei den Überlegungen zur Erfindung einer neuen internationalen Tauschwährung berücksichtigt werden.
  • Wie wir schon mehrfach dargelegt haben, wandern immense Mengen an Gold von West nach Ost und untermauern immer massiver die internationale Legitimität des Yuan. Es gibt schon Stimmen, die sagen, dass der Westen den Goldkurs nicht lange mehr werde manipulieren können … Denn es fehle ihm dafür die notwendige Menge an Gold. Auch wenn es keinen Zweifel daran geben kann, dass der Goldstandard nicht Grundlage der neuen Weltwährung sein wird, da kaum den Anforderungen der heutigen Welt gewachsen, und auch wenn das neue internationale Währungssystem, wie auch immer es gestaltet sein mag, aller Voraussicht nach keinerlei Bindung an Gold aufweisen wird, bleibt dennoch der Besitz dieses Edelmetalls eine wichtige Rückversicherung im gegenwärtigen Währungschaos. Gold kann nützlich sein, um eine Währung zu stützen, die auf der Suche nach internationaler Anerkennung ist (oder diese erneut erlangen möchte); aber sobald sie diesen Status erreicht hat, schafft sie sich dieses Vertrauens allein aus diesem Status heraus. Gold wird damit wieder auf seinen Rang als „barbarisches Relikt“ reduziert, während moderne Währungen sich auf die echten Reichtümer der modernen Zeiten stützen: Energie, Wirtschaftsleistung etc. Der Zusammenbruch der Produktivität der US- Wirtschaft, auf die sich der Dollar als internationale Leitwährung stützte, erklärt die massive Geldkrise, in der die Welt gegenwärtig gefangen ist und auf die der Aufstieg des Yuan die richtige Antwort gibt, weil somit der konkrete Wert der Währungen wieder an die Leistungsfähigkeit ihrer Volkswirtschaften gekoppelt wird. Das Problem liegt nun darin, dass sich mit einem Aufstieg des Yuan zu einer internationalen Währung der Zusammenbruch des Dollars und der amerikanischen Scheinwirtschaft beschleunigen wird, was natürlich auch Auswirkungen auf den Rest der Welt zeitigen wird.
  • Wahrhaft internationale (oder ’multipoläre‘) Ratingagenturen entstehen, um das Monopol der angelsächsischen Agenturen zu brechen. Angesichts des massiven Einflusses der Bewertungen auf das Marktgeschehen, insbesondere der Bonitätsnoten der verschiedenen Volkswirtschaften, ist das alles andere als eine nebensächliche Entwicklung. Sicherlich ist dies kein unmittelbarer geldpolitischer Faktor, aber auch er trägt dazu bei, die Dominanz des Dollars zu brechen. Als Reaktion auf die Angriffe der amerikanischen Ratingagenturen auf die Bonitätsnoten der EU- Staaten zählte die EU zu den ersten, die die Gründung einer alternativen Agentur vorschlug. Leider verließ sie dann im April 2013 der Mut, eine europäische Agentur zu errichten, ein solches Projekt sei zu teuer und zu kompliziert. Seitdem haben alle, die Chinesen, die Russen, die Afrikaner (mit WARA), usw. ihre Ratingagenturen gegründet, die sich als weltweites Netzwerk zusammen schließen (z.B. im Rahmen der UCRG mit der chinesischen Dagong Global Credit Rating Co. Ltd, Egan-Jones Ratings Co and Russlands RusRating JSC) um ein Bewertungssystem zu bilden, das geeignet ist für die entstehende multipolare Welt. Und Europa kann mangels eigener Agentur nicht daran teilhaben. Das ist peinlich und erschreckend und gibt wieder einmal Anlass zur ewigen Frage: Wer hat die Gründung einer europäischen Ratingagentur verhindert? Wahrscheinlich dieselben, die auch versuchen, uns den transatlantischen Freihandelsvertrag, Freihandelszonen mit der Ukraine, Moldavien und Armenien, den Beitritt der Türkei usw. unterzuschieben, und die nur darauf hoffen, dass sich Europa für immer von der Weltbühne verabschiedet.
  • Die Verwendung des Yuan für die Bezahlung von Importen hat gerade die des Euros überholt und liegt nun weltweit auf dem zweiten Platz. Das ist ein wichtiges Symbol der Verschiebung der globalen Gleichgewichte. China hat Swap – Abkommen, die den Handel mit lokalen Währungen ermöglichen, mit Ländern in so gut wie allen Regionen der Welt abgeschlossen. Entsprechend ist der Anteil des Handels mit China, der mit Yuan abgewickelt wird, in weniger als einem Jahr von 12% auf 20% angestiegen, und der gesamte internationale Handel, der in Yuan abgewickelt wird, dürfte 2014 um 50% ansteigen. Diese enorme Beschleunigung der internationalen Verwendung des Yuan ist umso beeindruckender, als die chinesische Währung immer noch nicht frei handelbar ist – und der Beweis für die unwiderstehliche Anziehungskraft der chinesischen Wirtschaft.
Guthaben in Yuan in Hong-Kong (blau, linke Achse), Internationaler Handel in Yuan (orange- farben, rechte Achse). Quelle : Reuters.
Guthaben in Yuan in Hong-Kong (blau, linke Achse), Internationaler Handel in Yuan (orange- farben, rechte Achse). Quelle : Reuters.
Nichtsdestoweniger, wenn man die USA außen vor lässt, die auf keinen Fall vom Status quo lassen wollen, der für sie so günstig ist, kann ein echtes internationales System nur mit der Eurozone geschaffen werden, deren Gemeinschaftswährung als zweitwichtigste internationale Währung 30% der globalen Handelsströme und der globalen Währungsreserven ausmacht und damit mit großem Abstand vor ihren Verfolgern liegt. (In Wirklichkeit haben sie eigentlich nicht die Wahl, da ihre Macht auf ihrer Fähigkeit gründet, die Übermacht des Dollars zu gewährleisten.)
Jedoch ist der Euro eher eine Stütze des Dollars geblieben, als sich zu einer Alternative zu entwickeln, insbesondere weil er sich als unfähig erwiesen hat, sich als alleinige Handelswährung der europäischen Staaten an Stelle des Dollars durchzusetzen, was zu einem Paradox führt: Die enorme Dynamik des Handels der Eurozonenländer trägt unmittelbar zur fortbestehenden Dominanz des Dollars bei. Sicher ist, dass dieser Wahnwitz den bedeutenden Vorteil in sich trägt, zu verhindern, dass der Euro zu sehr im Wert steigt. Aber das ist auch der einzige Vorteil… Man kann sich also fragen, ob dies die Vorteile aufwiegt, die der Euro gewähren würde, wenn er eine unabhängige Währung wäre.
Der Wandel zu einem multipolaren Währungssystem ist damit zur Zeit abhängig von einer Entscheidung der Eurozone, den Dollar aufzugeben und auf den nicht mehr aufzuhaltenden Zug der gegenwärtigen geldpolitischen Umwälzung aufzuspringen, den insbesondere China aufs Gleis gesetzt hat.

Die Bankenunion, die Stück um Stück Realität wird und die EU immer weiter abdrängt, ist die Gelegenheit, die Gemeinschaftswährung zu stärken und ihr endlich die Rolle zuzuerkennen, die ihr die europäischen Politiker in einer anderen Zeit, als sie das Projekt aus der Taufe hoben, zudachten; wie auch der hoffentlich heilsame Schock der Europawahlen 2014, der die Eurozone noch etwas weiter von der EU abspalten wird. Ende 2014 oder spätestens 2015 wird also die Zeit gekommen sein, dass der Euro endlich seinen Beitrag leisten wird, das internationale Währungssystem aus der Übermacht des Dollars zu befreien.

 

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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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