Die Ukraine will in die EU?

Dimitar Zdrawkow kennt darauf eine Antwort!

von Georg Farafonow
Dimitar Zdrawkow: Wollt ihr wissen, was die Ukraine in der EU erwartet? Dann kommt in die bulgarische Provinz!
Die Befürworter der EU-Integration der Ukraine versprechen sich von der EU goldene Berge. Die Redaktion der Zeitung “Glagol” hat sich entschlossen, einen Bewohner Bulgariens zu fragen. Bulgarien ist ein osteuropäisches, slawisches Land, das man ganz gut mit der Ukraine vergleichen kann. Bulgarien ist seit dem 1. Januar 2007 Mitglied der EU. Die Zeitung “Glagol” sprach mit Dimitar Zdrawkow, einem bulgarischen Gesellschaftsaktivisten.
Stell dir vor, du kommst abends nach Hause und schaltest den Fernseher ein. Dort siehst du immer wieder die selben idiotischen Shows und die endlosen verdummenden türkischen Serien – mit Werbepausen dazwischen. Werbung zu schauen ist schön. Dort wird Werbung für die EU gemacht – alle sind glücklich, alle haben fröhliche Gesichter. Die Werbung geht vorbei und du schaust dich um. Du siehst die selben finsteren Wände und die selben Leute um dich herum. Und das glückliche Leben ist irgendwo weit weg…
Es scheint, als wäre das Glück zum Greifen nah! Man kann sich ein Auto kaufen, es volltanken und zum Mittelmeer fahren. Nach Italien oder Spanien. Man braucht es nur zu wollen.
Doch ein Durchschnittsgehalt von 300 Euro im Monat, von welchem 100-150 Euro für Wasser, Strom und Heizung weggehen, hindern einen daran. Selbst wenn man ein Auto hat, mit einem Tank kommt man mit diesem Geld nicht weit.
Das ist eine typische Situation in Bulgarien. Einem EU-Land.
“Glagol”: Wie verändert sich die Situation in Bulgarien nach dem EU-Beitritt? Sind sie zu einem Europäer geworden? Fühlen sie sich wie einer?
Zdrawkow: Nun, wir sind zwar zur EU gekommen, die EU aber nicht zu uns. Wir haben genau die selbe korrumpierte Regierung wie beim EU-Beitritt vor sechs Jahren und genau die selben verkäuflichen Beamten. Wir bekommen zwar Geld aus Brüssel, dieses verschwindet aber in den bodenlosen Taschen der Beamten, die das Geld nur für “ihre” Leute und “ihre” Projekte verwenden. Wohin das Geld letztlich verschwindet, weiß niemand. Als Geschäftsmann braucht man nur ein “Dach” in der Stadtverwaltung zu haben, schon wird man gut leben.
“Glagol”: Und wie hat sich der EU-Beitritt auf die bulgarische Wirtschaft ausgewirkt?
Zdrawkow: Schlecht. Die Industrie wurde zu Spottpreisen massenprivatisiert und verscherbelt. Die Landwirtschaft wurde nahezu völlig vernichtet. Und zwar indem man uns Bedingungen aufdiktiert hat, die für Bulgarien unerfüllbar sind. Deswegen sind wir heute sehr stark von Importen abhängig, die dementsprechend teuer sind. Viele Familien ernähren sich nur noch von dem, was im Garten wächst, weil die horrenden Preise auf die Importartikel in den Supermärkten für einen bulgarischen Durchschnittsverdiener untragbar geworden sind. Das einzige, was Bulgarien zum Export anbieten kann, ist billige, unqualifizierte Arbeitskraft. Auch unser Bildungswesen geht vor die Hunde. Es wurden etliche “Privathochschulen” geschaffen, bei denen man sich für ein Apfel und ein Ei ein Diplom kaufen kann.
“Glagol”: Und die demografische Situation?
Zdrawkow: Katastrophal. Die bulgarische Bevölkerung ist seit 1990 von 8,7 auf 7,3 Millionen gefallen. Jedes Jahr verlieren wir fast ein Prozent unserer Bevölkerung. Das ist wie ein kalter Genozid, der unser Land heimsucht. Die jungen Menschen bekommen kaum Kinder mehr. Wer die Möglichkeit hat, der zieht weg. Nach Deutschland, Großbritannien oder in die skandinavischen Länder. Eine ganze Generation von Kindern wird von den Großeltern aufgezogen, weil ihre Eltern im Westen arbeiten. Wir haben alle gehofft, dass das Leben in der EU leichter wird, weil die Lage vor dem EU-Beitritt milde gesagt auch nicht gerade rosig war. Nein! Es ist nicht leichter geworden. Im Gegenteil, das Leben heute ist unerträglich.
“Glagol”: In der Ukraine wird gerade darüber diskutiert, ob man der EU beitreten soll. Was können Sie unseren Freunden in der Ukraine auf den Weg geben?
Zdrawkow: Liebe ukrainischen Freunde! Wenn ihr wissen wollt, wie ihr in der EU leben werdet, dann kommt nach Bulgarien. Und zwar nicht in die beliebte Urlaubsorte am Meer, wo ihr von einem schicken Restaurant zum nächsten spazieren könnt. Fahrt einige Kilometer tiefer ins Land. Ihr werdet auf Fabrikruinen und bittere Armut antreffen. Ihr werdet unsere Wirtschaft sehen, die von der EU zerstört wurde und Menschen, die am Ende sind. Junge Menschen werdet ihr nur noch wenige antreffen. Die leben und arbeiten im Westen. Viele nur vorübergehend, viele aber auch für immer.
“Glagol”: Aber was ist denn mit den “europäischen Werten” ?
Zdrawkow: Eigentlich haben wir Redefreiheit und auch auf die Regierung darf man schimpfen, aber nicht zu sehr. Das könnte sonst Probleme auf der Arbeit geben. Und wehe, du nimmst solche Wörter wie Russland oder Putin in den Mund. Dann gnade dir Gott. Dann bist du ein Spion, ein Todsünder. Natürlich haben wir auch offene Grenzen. Aber wem nützt das etwas? Die Regierung gibt an, dass die Arbeitslosenquote in Bulgarien 18 Prozent beträgt. Das ist eine dreiste Lüge! Sie liegt viel höher, mindestens doppelt so hoch. Man kann mutig sagen, dass jeder Vierte keine Arbeit hat, obwohl er arbeitsfähig ist. Wer die Möglichkeit hat, der fährt weg. Die Grenzen sind ja offen. Denkst du unsere Leute arbeiten dort als Ingenieure, als Technologen? Unsinn. Die arbeiten dort als Schwarzarbeiter und Tellerwäscher, auch wenn sie ein Universitätsdiplom haben. Das ist etwas, was uns die EU gebracht hat. Wir können als Gastarbeiter in die EU fahren und dort unqualifizierter Arbeit nachgehen.
“Glagol”: Hat denn überhaupt keiner von dem EU-Beitritt profitiert?
Zdrawkow: Doch! Es gab natürlich auch Menschen, die davon profitiert haben. Die Oligarchen beispielsweise, die sich mit dem räuberischen Ausverkauf von Industrie und Landwirtschaft beschäftigt haben. Nur die wenigsten leben in Bulgarien in Wohlstand. Die meisten müssen jeden Cent zweimal umdrehen.
“Glagol”: Welches Verhältnis hat man in Bulgarien zu Russland bzw. zur Zollunion?
Zdrawkow: Leider wird Bulgarien von westlicher Propaganda heimgesucht. Über Russland wird entweder geschwiegen oder es wird in den Dreck gezogen. Trotzdem denke ich, dass mindestens 75 Prozent der Bulgaren sich innerlich ein engeres Verhältnis zu Russland wünschen. Gerade die etwas ältere Generation erinnert sich gerne an die Zeit, als Bulgarien und Russland Freunde waren. Doch nur wenige trauen sich, das öffentlich zu sagen. Zu groß ist die Angst, seine Arbeitsstelle zu verlieren, die am seidenen Faden hängt.
“Glagol”: Also kennen und würdigen die Bulgaren ihre slawischen Wurzeln und ihre innere Verbundheit zu Russland?
Zdrawkow: Selbstverständlich! Wenn Sie mir nicht glauben, dann kommen Sie am 3. März nach Bulgarien. An diesem Tag wird der Befreiung Bulgariens aus der osmanischen Fremdherrschaft gedacht. Und es hat uns niemand anderes daraus befreit als die Russen. Viele Menschen gehen an diesem Tag zur Schipka, einem für uns Bulgaren sehr bedeutenden Ort und legen Blumen an den Denkmälern nieder. Diese Denkmäler würdigen große russische Kriegsherren wie Josef Gurko oder Fjodor Radezki. Das ist eine ehrenhafte Erinnerung für unser Volk.
Das Interview führte Maksim Rudawka.
Originaltext
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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