Ist ein “Russland ohne Putin” wirklich “besser”?

von Georg Farafonow aus „Farafonow.com“
Gehören Sie auch zu den Menschen, die der Meinung sind, dass es Russland ohne Putin besser ging? Loben Sie auch die großen demokratischen Errungenschaften des ehemaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin? Wollen Sie, dass Russland wieder so lebt wie in den 1990er Jahren?
Dann schauen wir uns die Situation, in der sich Russland in den 1990er Jahren befand, genauer an:
Vor 22 Jahren, im Jahre 1991, hat die Sowjetunion ihre völkerrechtliche Existenz aufgegeben. Es war die Geburtstunde des neuen Russlands. Ein Russland, das frei und demokratisch ist. Das russische Volk war voller Hoffnungen. Es schien, als stünde Russland vor einer hellen und glücklichen Zukunft.
Doch es kam anders. Die Würde des Staates wurde in Stücke gerissen, Panzer beschossen im Oktober 1993 das Parlament, das Land ist um ein Haar an einem schweren Bürgerkrieg vorbeigeschlittert, in Wirtschaft und Gesellschaft herrschte Zerfall und Demontage. Armut und Hunger griffen um sich, während die Banditen und Oligarchen ihre Taschen reich befüllten. Die Regierung wurde verkauft und gekauft. Die Ernennung von Ministern wurde aus Washington diktiert. Der russische Präsident Boris Jelzin trank vor den Kameras Wodka und dirigierte im angetrunkenen Zustand ein Orchester.
Zu Beginn der 2000er Jahre lag Russland im Koma. Man kann sagen, dass Russland bis dahin nicht existierte. Der Staat war bankrott, und jedes Jahr verließen 200.000 Menschen das Land. Die verbliebenen Bürger schämten sich für ihr Land. Die Auslandsschulden betrugen über 150 Milliarden Euro, was 158 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt ausmachte. 10 Millionen Menschen hatten keine Arbeit. Das monatliche Durchschnittseinkommen betrug 60 Euro, die monatliche Durchschnittsrente nicht einmal 20 Euro. Russland wurde weltweiter Spitzenreiter bei Abtreibungen, Selbstmorden und tödlichen Alkoholvergiftungen. 1998 betrug die Geburtenrate gerade mal 0,8 Kinder pro Frau (1988: 2,0 Kinder pro Frau). Die Sterberate war doppelt so hoch wie die Geburtenrate. Der natürliche, migrationsbereinigte Bevölkerungsverlust betrug knapp eine Million Menschen pro Jahr. Zehntausende Dörfer verschwanden von der Landkarte.
Russland schoss keine Raketen mehr in den Weltraum, baute keine Fabriken und schrieb keine Bücher. Beinahe haben die Russen ihr Land verloren und ihre Kinder ohne Heimat gelassen. Die Russen tranken Tequila und schauten amerikanische Filme, doch die eigene Kultur blieb auf der Strecke. Träume, Ziele und Wünsche wurden durch Wodka und Drogen eingetauscht.
Auch bei der Kriegsführung schnitt Russland katastrophal ab. 30.000 tschetschenische Freischärler wollten einen Islamistenstaat am Kaukasus schaffen. Die russischen Streitkräfte wurden zum Kampf gegen die Islamisten mobilisiert, doch mussten sie sich nach einer herben Niederlage 1995 ergeben. Der islamistische Terror grassierte durch das Land und forderte viele unschuldige Opfer. Die Regierung war vor lauter Angst schlichtweg paralysiert.
Russlands Präsident Boris Jelzin verkündete bei seiner Neujahrsansprache am 31. Dezember 1999: “Ich bin müde, ich reiche meinen Rücktritt ein.”
Und dann kam Wladimir Putin. Eine junge und bis dato wenig bekannte Persönlichkeit. Doch schnell wurde Putin zu der letzten Hoffnung Russlands.
Zusammen mit Putin an der Staatsspitze hat Russland das Unmögliche möglich gemacht. Allmählich geriet der Mechanismus in Fahrt und die Zeiger an der Uhr der russischen Geschichte bewegten sich wieder.
Der Tschetschenienkrieg wurde von den russischen Streitkräften gewonnen und die Ordnung in Tschetschenien wiederhergestellt. Wiederhergestellt wurde auch die Einheit Russlands, indem der regionale Separatismus eingedämmt wurde. Es gab keine regionalen Zölle mehr und keine lokalen Politiker, die eigenmächtig verfassungswidrige Gesetze beschlossen.
Die Russen wussten wieder, was es heißt zu arbeiten und gut zu verdienen. Im Jahr 1998 hatte die Mittelschicht einen Anteil von 5 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Im Jahr 2012 konnte man bereits ein Drittel der Bevölkerung der neuen Mittelschicht zuordnen.
Im Jahr 1998 lebten 50 Prozent der Russen unterhalb des nationalen Existenzminimums. Im Jahr 2006 war dieser Anteil bereits halbiert. Im Jahr 2012 waren es nur noch 12 Prozent Arme.
Das Durchschnittsgehalt stieg von 60 Euro monatlich (1998) auf knapp 700 Euro monatlich (Prognose 2013). Im selben Zeitraum stieg die Durchschnittsrente von 20 auf 350 Euro monatlich. Die Preise stiegen dabei um das 3,5-fache.
Russland wurde von einem überschuldeten zu einem schuldenfreien Land. Während 1998 die Verschuldung 158 Prozent des BIP betrug, beträgt diese heute nur noch 9 Prozent, was als faktische Schuldenfreiheit anzusehen ist.
Russland stieg zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Erde auf (1998: 36-größte) und wächst weiter. Im Zeitaum 1998-2013 hatte die Industrieproduktion einen Zuwachs von 175 Prozent(!).
Im Jahr 2012 wurden in Russland 1,9 Millionen Kinder geboren. Das sind 700.000 mehr als im Jahr 1998. Der jährliche, natürliche Bevölkerungsverlust pro Jahr, der 1998 eine Million Menschen betrug, reduzierte sich 2007 auf 280.000 Menschen. Im Jahr 2012 hatte Russlands erstmals seit Zerfall der Sowjetunion ein leichtes Bevölkerungswachstum. Die Geburtenrate stieg von 0,8 auf 1,7 Kinder pro Frau.
Die Russen leben wieder länger. Die Lebenserwartung eines Mannes, die 1998 katastrophale 57 Jahre betrug, stieg 2013 auf 66 Jahre und überstieg damit die männliche Lebenserwartung zu Sowjetzeiten.
Die Massenflucht aus Russland wurde stark verkürzt. Heute verlassen keine 200.000 Menschen pro Jahr mehr das Land. 2011 verließen nur noch 33.000 Russen das Land, von diesen waren 8o-90 Prozent tschetschenische Asylsuchende, die nach Westeuropa und Nordamerika gingen. Es immigrieren sogar auch einige EU- und USA-Bürger nach Russland. Im Jahr 2012 ließen sich 3.000 Menschen aus den EU-Staaten und den USA in Russland einbürgern, darunter der bekannte französische Schauspieler Gérard Depardieu. Auch die Migration aus dem schwer krisengebeutelten Griechenland führt mittlerweile nicht selten nach Russland.
In Russland wird weniger Alkohol getrunken als in den 1990er Jahren. Der Sport- und Nüchternheitskult setzt sich vermehrt durch. Während 1998 sich nur neun Prozent der Russen als Antialkoholiker bezeichneten, beträgt dieser Anteil heute 24 Prozent. Während jeder Russe 1998 im Schnitt 20 Liter reinen Alkohol getrunken hat, war es 2012 nur noch 14 Liter (Vergleich: Ein Deutscher trinkt pro Jahr 12 Liter reinen Alkohol).
Heute, im Jahr 2013, haben die Russen ihren Glauben an ihr Land wiedergefunden und glauben wieder an eine Zukunft in Russland. Russland ist wieder dazu in der Lage, solche internationalen Großereignisse wie die Olympischen Winterspiele 2014 oder die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 auszurichten.
Russland ist reifer geworden, die Lebensqualität hat sich deutlich verbessert. Zwar gibt es nach wie vor noch zahlreiche Probleme, doch die Zukunft macht Hoffnung. Putin hat als einstiger Hoffnungsträger nicht enttäuscht, und er bleibt auch weiterhin der Hoffnungsträger aller Russen, weswegen ihn bis heute 60 bis 65 Prozent der Bevölkerung voll unterstützen.
Und, sind Sie immer noch dafür, dass Russland in die 1990er Jahre zurückverfällt?
Originaltext
Ergänzung: Berichterstattung über Russland wird manipuliert
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Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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