Bildung braucht Gastlichkeit

„Wenn man Fesseln lange genug trägt, hält man sie für Flügel.“

John Steinbeck
von Prof. Marianne Gronemayer aus „brennstoff“
Den größten Teil dessen, was wir wissen, haben wir alle außerhalb der Schule gelernt. Schüler lernen das meiste ohne ihre Lehrer und häufig trotz dieser. (…)
Wie man leben kann, lernt jeder außerhalb der Schule. Wir lernen sprechen, denken, lieben, fühlen, spielen, fluchen, politisieren und arbeiten, ohne dass ein Lehrer einen Anteil daran hätte. Die Schule lehrt uns, dass Unterricht Lernen produziere …, dass wertvolles Lernen das Ergebnis von Schulbesuch sei … und dass sich dieser Wert schließlich durch Zensur und Zeugnis messen und nachweisen lasse.
Tatsächlich ist Lernen diejenige menschliche Tätigkeit, die am wenigsten der Manipulation durch andere bedarf. Das meiste Lernen ist nicht das Ergebnis von Unterweisung. Es ist vielmehr das Ergebnis unbehinderter Interaktion in sinnvoller Umgebung. Die meisten Menschen lernen am besten, wenn sie „dabei sind‹“.
Der heimliche Lehrplan.
Wir Pädagogen wären demnach Leute, die unter einem ungeheuren Aufwand an Lebenszeit, Lebenskraft und Finanzen andere etwas zu lehren unternähmen, was die längst – und ohne unser Zutun sogar weit besser – können: Lernen, nämlich.
Dass in der Schule nichts gelernt wird, ließe sich notfalls verschmerzen, wenn doch sowieso das Wissenswerte außerhalb der Schule gelernt wird. Es wäre dann schlimmstenfalls kostbare Zeit verplempert worden.
Tatsache aber ist, dass die Schule in dem, worin sie die ihr Anvertrauten unterweist, sehr effizient ist.
Ihr heimlicher Lehrplan ist durchdringend wirksam und hat für die Bildung verheerende Folgen.
Offiziell ist die Schule eine Veranstaltung, deren höchstes Bestreben es ist, möglichst viele, im Idealfall alle Mitglieder der Gesellschaft möglichst viel lernen zu lassen, um die Teilhabechancen jedes einzelnen zu mehren und seine oder ihre Lebensaussichten zu verbessern.
Das Zauberwort, das die Bildungsbemühungen adelt, heißt Chancengleichheit.
Der Glaube an das segensreiche Wirken der Schule beruht auf einer Reihe moderner Selbstverständlichkeiten, die uns so in den Kleidern hängen, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, sie zu bezweifeln. Die Unbefragtheit dieser Selbstverständlichkeiten, die von Bildungsreform zu Bildungsreform litaneihaft wiederholt und als unerschütterliche Grundannahmen mitgeschleppt werden, machen, dass der heimliche Lehrplan sein Inkognito wahren kann.
Zu diesen Grundannahmen gehört zuallererst die Überzeugung, dass Bildung knapp sei, so knapp, dass sie – leider – nicht für alle reicht und deshalb unerhörte gesellschaftliche Anstrengungen unternommen werden müssen, um den Bildungsvorrat zu mehren, so dass von dem Surplus dann auch die bisher Benachteiligten, die Bildungshabenichtse, etwas abkriegen können.
Und diese Prozedur wird als ein Beitrag zur Verbesserung der Chancengleichheit propagiert.
Doppelter Etikettenschwindel.
Tatsächlich ist dies ein doppelter Etikettenschwindel. Denn erstens ist Bildung keineswegs knapp, im Gegenteil, sie ist überreichlich vorhanden, man findet sie buchstäblich auf der Straße oder in Feld, Wald und Wiese. Überall finden sich Menschen, die mich dies oder das lehren können, die von irgendetwas mehr oder anderes verstehen als ich. Man muss nur herausfinden, was das sein könnte und wie die vorhandene Kenntnis zur aufgekeimten Frage kommen kann. Jede Begegnung, auf die man sich einlässt, ist prinzipiell bildungsträchtig, solange man die Fähigkeit zu staunen und neugierig zu sein, nicht eingebüßt hat. Genau diese Fähigkeiten werden allerdings in der Schule gründlich niedergemacht.
Jeder Tag hat nicht nur 24 Stunden, sondern auch Tausende von Gelegenheiten, sich zu bilden, wenn man Augen und Ohren, Nase und Mund aufsperrt.
Jeder kann prinzipiell jedes Anderen Lehrer sein. Jede/jeder und sei er auch arm im Geiste. Denn:
„Es gibt keine uninteressanten Menschen auf der Welt“ (J. Jewtuschenko).
Wenn wir uns das zu Herzen nähmen, würden wir vielleicht erlöst werden können vom Besserungswahn und vom Erziehungsfuror. Bildung also ist nicht knapp. Knapp ist freilich schulische Bildung, der es vorbehalten ist, zertifiziert zu werden und die darum allein und exklusiv dazu taugt, mich vor anderen auszuzeichnen und meine gesellschaftlichen Rangansprüche zu beglaubigen.
Damit sind wir beim zweiten Etikettenschwindel: Es wäre ein Desaster, wenn tatsächlich alle die Chance bekämen, der Weihen der höheren Bildung teilhaftig zu werden und mit dem Abiturzeugnis in der Tasche die Schule zu verlassen. Denn: „If everybody stands on tiptoe, no one sees better“, sagt Fred Hirsch in seiner Studie über die Social Limits to Growth. Wenn alle auf den Zehenspitzen stehen, sieht niemand besser.
Will sagen, die Schule muss ganz unbedingt ihre Veranstaltung so einrichten, dass nicht alle in ihr reussieren können. Das ist ihr Beitrag zur Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Friedens. Wie sollte man, wenn alle die Chance bekämen, zum Schulerfolg zu gelangen, den Menschen erklären, warum in einer demokratischen Gesellschaft, in der das gleiche Recht für alle gilt, die einen im Dunkeln landen und die andern im Licht, die einen sich in den schlecht bezahlten und prekären Niederungen der Gesellschaft tummeln und die andern sich in den gehobenen Rängen sonnen. Es ist wahrscheinlich die wichtigste Aufgabe der Schule, mit der verglichen ihr Bildungsauftrag gänzlich unerheblich ist, dafür zu sorgen, dass diese Sortierung ohne Tumult vonstatten geht, weil nämlich die Erfolglosen glauben, dass sie sich ihr Versagen selbst zuzuschreiben haben. Es hat eben nicht zu mehr gereicht.
Entgegen der Doktrin des offiziellen Lehrplans kommt es also ganz und gar nicht darauf an, dass und was in der Schule gelernt wird, sondern lediglich darauf, dass sich alle nach dem Modell der Gaußschen Normalkurve sortieren lassen. Alle müssen miteinander vergleichbar sein. Und damit das klappt, müssen sich alle an denselben Standards messen lassen. Wollte man ernstlich alle am Schulerfolg teilhaben lassen, dann müsste ja jeder nach seiner Facon selig werden können.
Es müssten in der Schule so viele verschiedene Talente und Begabungen zum Zuge kommen, wie es Lernende und Lehrende in ihr gibt.
Wenn sich aber die Schule tatsächlich daranmachen wollte, allen eine Chance zu eröffnen, das ihnen Gemäße zur Erscheinung und zum Leuchten zu bringen und es zu seiner vollen Möglichkeit zu entfalten, dann gäbe es nichts mehr zu zensieren. Denn die Zensur dient ja ausschließlich dazu, die drop outs zu identifizieren und sie ihrer Selbstachtung zu berauben.
Auch das eine gut kaschierte Wahrheit über die Schule: Sie ist nicht daran interessiert, an ihren Schülern Könnerschaften zu entdecken und diese für das gemeinsame Lernen zu nutzen, sondern daran, sie bei ihren Unfähigkeiten, Unzulänglichkeiten, bei ihren Schwächen, Mängeln und Fehlern zu behaften, denn nur dann kann sie den Glauben an ihre Unentbehrlichkeit und heilsgeschichtliche Notwendigkeit nähren.
Daraus entsteht auch die irrige Vorstellung, dass Menschen zum Lernen nicht gemacht seien und durch sanften Druck oder deutlichen Zwang dazu gebracht werden müssen, es zu wollen, oder – wenn schon nicht zu wollen – es doch wenigstens zu tun. Tatsächlich muss man nur kleine Kinder dabei beobachten, wie sie sich mit nicht ermüdendem Eifer bemühen, diese oder jene selbstgesetzte Aufgabe zu bewältigen, um zu verstehen, dass die Angeödetheit, mit der junge Leute der Lernanforderung begegnen, nicht etwa eine anthropologische Konstante ist, sondern ein von der verfassten Pflichtschule erzielter „Erfolg“. Erst wenn die Lernlust den Kindern ausgetrieben wurde, werden sie ja schulreif, reif für Beschulung.
Nullsummenspiel.
Und noch ein weiteres Element des heimlichen Lehrplans dient der Schule zur Rechtfertigung. Die Annahme nämlich, dass in der  Bildung – wie überall – Konkurrenz das Geschäft belebt. Die Schule lehrt, dass mein Lernerfolg umso größer ist, je mehr andere ich hinter mir lasse. Schulisches Lernen ist ein Nullsummenspiel, bei dem es darauf ankommt, Sieger zu sein. Siegen-Wollen erfordert aber eine gänzlich andere Bemühung und Haltung als Erkennen-Wollen. Und tatsächlich sind beim Siegen-Wollen so viele wahrheits- und erkenntniswidrige Motive im Spiel, dass dabei jede Einsicht – außer der in die Spielregeln des Siegens – auf der Strecke bleibt.
Kurzum, unter Konkurrenzbedingungen hat Bildung keine Chance.
Die Schule sei eine Vorbereitung auf das Leben und müsse sich den Herausforderungen der Zukunft stellen, schärft man uns ein. Als ob die armen Schülerinnen und Schüler nicht auch jetzt schon leben würden, als ob sie sich in einem Wartestand in den Vorhöfen des Lebens aufhielten. Und das ewige Schielen nach der Zukunft! Als ob nicht die Gegenwart gut genug wäre, um ihr unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Wenn wir uns in der Gegenwart so einrichteten, dass es in ihr mit rechten Dingen zuginge, dann könnten wir die Zukunft getrost sich selbst überlassen. Wir könnten sie, was ihrem Wesen entspricht, kommen lassen, statt sie machen, zwingen und manipulieren zu wollen. Und wenn junge Leute etwas ihnen Gemäßes lernen könnten, statt nur an die fortgeschrittene Verwüstung unserer Lebenswelt angepasst zu werden, dann wären sie sehr gut in der Lage, selbst über ihre Zukunft zu befinden.
Die Komponenten, mit denen der heimliche Lehrplan ausstaffiert ist, sind aber damit noch nicht erschöpft.
Gänzlich selbstverständlich und also unbezweifelt ist die Praxis, die Lernenden in Rudeln von Gleichaltrigen zusammenzufassen, weil man glaubt, so das Lernen zu optimieren. Aber wieso soll ich die besten Lernbedingungen dann vorfinden, wenn ich ganz unter meinesgleichen bleibe? Es ist ja im Gegenteil nicht sehr anregend, wenn lauter Gleichaltrige die gleichen Aufgaben vorgesetzt bekommen und alle an denselben Standards gemessen werden. Solche Vereinheitlichung dient keinesfalls ihrer Bildung, sondern schafft die Möglichkeit, Lernen verfahrensmäßig zu organisieren und die Vergleichbarkeit der Lernenden sicherzustellen.
Enthusiasmus interruptus.
Und auch das gehört zum schulischen Ritual unverrückbar dazu, dass das Lernen in 45 Minuteneinheiten zerhackt wird. Wehe, wenn sich wider alles Erwarten doch ein Interesse am Gegenstand regt, wenn die Schüler sich verfangen und in eine Sache mit Leib und Seele hineingeraten.
Die Schulglocke sorgt dafür, dass sie schnell wieder abgekühlt werden. Enthusiasmus interruptus. Ein Schultag verlangt den Schülern ab, dass sie unablässig von einem Gegenstand zum andern hetzen, bei nichts verweilen, nichts studieren und nichts lieben lernen können.
Wie Wendehälse müssen sie ihre Aufmerksamkeit von einem Belang zum andern jagen. All das ist fatal und macht die Schule zu einer unwirtlichen, ungastlichen Bleibe, in der die Möglichkeit, sich zu bilden, der Möglichkeit, entweder Erfolge einzuheimsen oder zu versagen, geopfert wird.
Wirklich verhängnisvoll ist es aber, dass die Schule eine Veranstaltung ist, bei der die Lernenden (die Lehrenden übrigens auch) unablässig mit wirklich paradoxen Forderungen konfrontiert werden. Der Grundsatz, den sie lernen müssen, ist, dass sie nicht dürfen, was sie sollen. An paradoxen Forderungen kann man aber nur entweder krank werden oder verrückt oder gewalttätig, oder man flüchtet sich in Gleichgültigkeit. Nicht zu dürfen, was man gleichzeitig soll, ist eine heillose und beängstigende Lage:
  • Sie sollen sich sozial und rücksichtsvoll, kooperativ und solidarisch gegeneinander benehmen, aber belohnt werden sie dafür, dass sie andere in der härter werdenden Konkurrenz des Ausbildungsalltags niederringen, um ihren Vorteil zu wahren.
  • Sie sollen lernen, aufmerksam und bei der Sache zu sein, tatsächlich aber ist der ganze konsumistische Betrieb, an dem ja das vergötzte industrielle Wachstum hängt, darauf angesetzt, sie zu zerstreuen und mit Nebensachen zu beschäftigen.
  • Sie sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen, aber sie leben in einer Welt, in der es für sie nichts zu verantworten gibt, weil längst die Sachzwänge das Kommando übernommen haben.
  • Sie sollen vertrauensvoll und zuversichtlich sein, erfahren aber beständig, dass man ihnen nicht traut, weshalb sie mit Kontrolle und Überwachung drangsaliert und mit Zensuren diszipliniert und entwertet werden.
  • Sie sollen kreativ und erfinderisch sein, werden aber mit Dingen überschüttet, und in Verfahren eingefädelt, die jede eigene Idee im Keim ersticken.
  • Sie sollen Leistungen erbringen und ihren Beitrag zum Wohl der Allgemeinheit nicht schuldig bleiben, erfahren aber tagtäglich, dass es auf sie gar nicht ankommt, dass sie für überzählig und nicht verwendbar erklärt werden.
  • Sie sollen redlich und aufrichtig sein, werden aber von Kindesbeinen daran gewöhnt, sich vorteilhaft ins Bild zu setzen, Schwächen und Scheitern gut zu kaschie ren und an sich selbst nur gelten zu lassen, was gefällt.
  • Sie sollen Persönlichkeit entwickeln, erfahren aber, dass sie nur noch als Kontoposten in Budgetkalkulationen vorkommen.
  • Sie sollen couragiert und mutig sein, werden aber mit Sicherheitsvorkehrungen umstellt, die ihnen jede Eigenmächtigkeit austreiben.
Born to be wild?
Unlängst sah ich eine junge Mutter eine Kinderkarre schieben. „Born to be wild“ stand in aufdringlichen Lettern seitlich auf dem Fahrgestell. Und da saß dann das arme Wesen, das zur Wildheit geboren war, mehrfach angeschnallt und – bei strahlender Abendsonne – vor jedem Ein- und Andringen der Außenwelt durch einen Wind- und Wetterschutz und ein Insektengitter sorgsam bewahrt, in seinem Vehikel, in dem es umherkutschiert wurde, nach dem Richtungswillen der Erwachsenen: „born to be wild“.
Mir wurde dieser Anblick, der mich mit wirklichem Mitleid für das vollkommen wehrlose Wesen erfüllte, zum Inbegriff heutiger Existenz.
Aber genau von dieser Art sind die Zumutungen, die eine Gesellschaft, in der die Erfolgskriterien und die Kriterien des Anstands nicht nur auseinanderdriften, sondern in vollkommen gegensätzliche Richtungen weisen, ihren Mitgliedern auferlegt. Wir haben unsere gesellschaftlichen Verhältnisse so eingerichtet, dass Autorität, Ansehen und Macht demjenigen zukommen, der andere am nachhaltigsten und durchdringendsten zu schädigen versteht. Je mehr Mitwesen ich abhänge im rat-race um die guten Posten, je mehr ich den meisten vorenthalten kann, je mehr eigene Vorteile ich zu Lasten anderer akkumuliere, desto besser, will sagen angesehener stehe ich da, desto mehr Anspruch auf Gefolgschaft der Vielen kann ich geltend machen.
Erfolg wird also in Einheiten von Schaden, den ich andern zufügen kann, verrechnet. Und wir Pädagogen sind dazu ausersehen, durch geeignete Maßnahmen zu verhindern, dass die Vorteilssucht hemmungslos wird.
Pädagogik soll der entfesselten Egomanie, die das Triebwerk der modernen Gesellschaft ist und die darum nicht nur geduldet sondern sakrosankt ist, Zügel anlegen, damit die Wolfsnaturen nicht ungebändigt, sondern zivilisiert gegeneinander wüten.
Bei jeder Gelegenheit.
Vielleicht ist heutzutage die wichtigste Aufgabe von Pädagogen die, die paradoxen Forderungen, in deren Dienst sie gestellt werden, nicht weiterzugeben an die, die ihnen anvertraut oder ausgeliefert sind: Annahme verweigert! Vielleicht läge die Aufgabe darin, gemeinsam mit den Lernenden die Koalition der Nicht-Einverstandenen zu begründen und ihr eine Stimme zu geben.
Wohlgemerkt, ich rede nicht davon, dass wir den Versuch unternehmen sollten, das Unvereinbare vereinbar zu machen, der Geldlogik irgendwie Spuren von Anstand einzuhauchen, sie moralisch ein wenig aufzupäppen, um sie und uns vor ihren schlimmsten Auswüchsen zu bewahren. Ich meine nicht, wir sollten die Institutionen, derer diese Logik sich bedient, humanisieren.
Das wäre ein Kraftakt, bei dem wir uns bis zur Lächerlichkeit überheben und verschleißen. Ich spreche davon, dass wir überall, in den Institutionen und außerhalb ihrer, Nischen finden und gründen sollten, die sich gegen die Zumutung der paradoxen Anforderungen sperren, gastliche Orte eben, da wir uns versammeln, um freundschaftlich und aufeinander hörend miteinander nachzudenken. Es geht wohl nicht darum, es etwas besser zu machen, sondern es ganz anders zu machen, im Abseits, im Windschatten, bei jeder Gelegenheit.
MARIANNE GRONEMEYER, geb. 1941 in Hamburg. Acht Jahre Lehrerin an der Haupt- und Realschule. Zweitstudium der Sozialwissenschaften an den Universitäten Hamburg, Mainz und Bochum. Dissertation: Motivation und politisches Handeln, (Hamburg 1976). Von 1971 bis 1980 Friedensforschung an der Universität Bochum im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung. Von 1987 bis 2006 Professorin für Erziehungs-und Sozialwis senschaften an der Fachhochschule Wiesbaden. 2011 erhielt Marianne Gronemeyer den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung. Zuletzt ist im Primus Verlag das Buch „Wer arbeitet, sündigt. Ein Plädoyer für gute Arbeit“ erschienen.
………..

Langzeitstudie über unangepasstes Denken

Vor Kurzem wurde eine großartige Studie über unangepasstes Denken vorgestellt. Unangepasstes Denken ist nicht dasselbe wie Kreativität.
Aber es ist eine wichtige Voraussetzung für Kreativität. Es ist die Fähigkeit, viele mögliche Antworten auf eine Frage zu sehen. Viele Arten, eine Frage zu interpretieren und die Fähigkeit, nicht nur linear oder eindimensional zu denken. Der Test untersuchte 1.500 Personen.
Das Testprotokoll sah vor: Ab einer gewissen Punktezahl galt man als Genie im unkonventionellen Denken.
Wie viele der 1.500 Testpersonen erreichten das Niveau eines Genies im unkonventionellen Denken?
Alter : 3 – 5 Jahre

98 % erreichen das Level genial.

Es war eine Langzeitstudie. Man testete dieselben Kinder fünf Jahre später. Im Alter von 8 – 10.
Alter : 8 – 10 Jahre

32 % erreichen das Level genial.

Man testete dieselben Kinder fünf Jahre später. Im Alter von 13 – 15.
Alter : 13 – 15 Jahre

10 % erreichen das Level genial.

Man testete 200.000 Erwachsene ab 25 Jahren, nur zur Kontrolle.
Alter : 25+ Jahre

2 % erreichen das Level genial.

„Dies zeigt zwei Dinge. Erstens: Wir alle haben diese Fähigkeit.
Zweitens: Meistens verkümmert sie. Viel ist mit den Kindern passiert, als sie heranwuchsen. Eines der wichtigsten Dinge, davon bin ich überzeugt, ist, dass sie ausgebildet wurden. Sie gingen zehn Jahre zur Schule, wo man ihnen sagte, es gäbe nur EINE Antwort.
Nicht, dass die Lehrer das so wollen, aber es passiert eben auf diese Weise. Es liegt im Selbstverständnis des Bildungssystems.“
Sir Ken Robinson
in ALPHABET – der neue Film von Erwin Wagenhofer
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
Dieser Beitrag wurde unter Éthnos, Bewußtsein, Bildung, Entfaltung der Menschenwürde, Kultur-Leben, Menschenwürde, Rechts-Leben, Soziales Leben, Wirtschafts-Leben, Zum Aufwachen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Bildung braucht Gastlichkeit

  1. Pingback: Über die Doktrin des offiziellen Lehrplans ...

  2. Martin Bartonitz schreibt:

    Dieser Artikel sollte Lesepflicht für alle sein! Ich werde trommeln …

    Hier noch passend zu diesen Gedanken Die Schule der Tiere

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