Nelson Mandela ein Lehrer der Menschheit ?

von René Cassien
Nach dem Tod von Nelson Mandela überhäufen die westlichen Politiker und Medien ihn mit Lob. „Held der Freiheit„, „Widerstandskämpfer und Idol„, „Gigant für die Gerechtigkeit“ sind nur einige der Attribute die jetzt genannt werden. Der Spiegel schreibt: „Mit Nelson Mandela hat die Welt einen der größten Kämpfer gegen die Unterdrückung verloren, einen Jahrhundertpolitiker der für seinen Widerstand gegen die Apartheid in Südafrika jahrzehntelang im Gefängnis saß.“ Obama sagte über ihn: „Wir haben einen der einflussreichsten und wichtigsten Menschen verloren.
Politiker auf der ganzen Welt haben Südafrikas ersten schwarzen Präsidenten Nelson Mandela für sein Lebenswerk gewürdigt. Viele erinnerten an persönliche Begegnungen mit dem Friedensnobelpreisträger, die sie tief beeindruckt hätten.
„Sein Name wird für immer mit dem Kampf gegen die Unterdrückung seines Volkes und der Überwindung des Apartheidregimes verbunden sein“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Nacht zum Freitag. „Sein politisches Vermächtnis der Gewaltfreiheit und der Absage an jeglichen Rassismus werde für die Menschen auf der ganzen Welt noch lange Zeit Inspiration bleiben. Fast drei Jahrzehnte verbrachte der Anti-Apartheid-Kämpfer im Gefängnis. Auch diese Zeit habe ihn nicht brechen oder bitter machen können“, sagte Merkel. „Aus seiner Botschaft der Versöhnung ist schließlich ein neues, besseres Südafrika entstanden.“ Mit Dankbarkeit denke sie an ihre persönliche Begegnung mit Mandela in Südafrika zurück.
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sagte, Mandela habe der Welt gezeigt, was alles möglich sei, wenn man an Gerechtigkeit und Menschlichkeit glaube, davon träume und daran zusammen arbeite.
Großbritanniens Premierminister David Cameron bezeichnete Mandela als „Held unserer Zeit“. „Ein großes Licht unserer Zeit ist erloschen“, erklärte Cameron. „Eine Legende, während er lebte, und nun auch im Tode – ein wahrer globaler Held“.
All die schönen Worte von den Mächtigen der Welt sind zutreffend auf Mandela und gerechtfertigt. Ein internationales Procedere das üblich ist bei Trauerfällen von Staatsmännern und -frauen.
Ausgerechnet die Vertreter jener Staaten, die das mörderische Apartheidregime und all seine Verbrechen bis zum Schluss aktiv stützten und materiell sowie personell förderten und den ANC unter Führung Nelson Mandelas als „terroristisch“ denunzierten, vergießen nun Krokodilstränen.
Die gleichen welche die Apartheid in Israel zulassen und Gaza in ein KZ verwandelten, “trauern” um Mandelas Tod und zeigen wie immer “Gefühle”, die ihre Verlogenheit bestätigen und die nicht mit den gefährlichen Hegemonie-Kriegen die sie auf diesem Planet veranstalten, und mit der Verachtung gegenüber Menschenleben wie z.B. in Syrien zusammen passen.
Und keiner von den hier erwähnten und unerwähnten haben eine Ahnung davon was es heißt verantwortungsvolle Politik im Sinne der Bevölkerung zu betreiben. Es werden schöne Worte gefunden aber die eigenen Taten lassen doch sehr zu wünschen übrig.
Keiner kann dem Vorbild das Wasser reichen. Dabei würde es schon genügen nur einige der Tugenden von Mandela sich zu eigen zu machen.
Einer der den Friedensnobelpreis wirklich verdient hat wird von einem der den Friedensnobelpreis nicht verdient hat als Vorbild genannt. Das Vorbild erscheint hier als Tarnung.
Der, der den Friedensnobelpreis nicht verdient hat – Obama – erreichte mit seinen Worten den Gipfel der Heuchelei.
Eine halbe Stunde nach der Verkündung der Todesnachricht trat Obama vor die Kameras, begann mit einem Mandela-Zitat und sagte später:
„Wie so viele andere Menschen auf der Welt kann ich mir mein eigenes Leben nicht ganz vorstellen ohne das Beispiel, das Nelson Mandela gegeben hat, und so lange ich lebe, werde ich tun, was ich kann, um von ihm zu lernen“
und Obama fügte hinzu: „Er ist unsterblich.
Schade, dass er den Einfluss seines Vorbildes nicht ent-decken kann. Wie kann ein Mensch, der Freiheit einschränkt und bei jeder Gelegenheit zur militärischen Lösung greift, Nelson Mandela als Vorbild bezeichnen? Das grenzt an Beleidigung.
Die beiden Männer haben vielleicht ihre Hautfarbe und ihre juristische Ausbildung gemeinsam. Während Mandela sein halbes Leben gab im Kampf gegen ein pervertiertes System, wurde Obama Teil ebendieses Systems.
„Sein eigener Lebensweg sei ohne das Vorbild Mandela schwer vorstellbar“ – sagte Obama.
Obama war nicht Gefangener, sondern hält gefangen und foltert zudem. Nicht Robben Island, sondern Guantanamo und anderswo! Obama eint nicht, sondern hetzt seine Geheimdienste und Drohnen auf alles, was nicht amerikanisch ist oder sich unterworfen hat.
Die Buren trennten die Welt in weiß und nicht-weiß, Obama in amerikanisch und nicht amerikanisch. Hier sind die Seelenverwandtschaften. Neben der Hautfarbe hat Obama wirklich nichts mit Mandela gemein, denn gegensätzlicher könnte ihr Denken und Handeln nicht sein.
Vergessen hat Obama wahrscheinlich auch, dass Mandela bis Juli 2008 als Terrorist auf der „Terrorism Watch List“ der US-Regierung stand und gar nicht in die USA einreisen durfte ?
Der ANC und seine Mitglieder, wie Nelson Mandela, wurden von der US-Regierung noch als Terroristen eingestuft, obwohl er 1993 den Friedensnobelpreis erhielt und von 1994 bis 1999 Präsident von Südafrika war. Erst am 1. Juli 2008 wurde ein Gesetz erlassen, welches Mandela von der Terrorliste entfernte.
Aber die Doppelmoral und Heuchelei geht weiter.
Was die meisten auch nicht wissen, es war die CIA welche dem südafrikanischen Geheimdienst 1962 den Tipp gab, der zu Verhaftung von Nelson Mandela führte und ihn für die meiste Zeit seines Lebens hinter Gitter brachte.
Und was ist mit Bradley Manning, der zu 35 Jahre Gefängnis verurteilt wurde. Für was? Dafür das er die Welt über die Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak informierte und mit der Veröffentlichung der Botschafter-Depeschen, wie intrigant und kriminell die US-Aussenpolitik ist. Für Obama ist Mandela ein Held, aber Manning, Assange und Snowden sind Staatsfeinde die verfolgt und weggesperrt gehören.
Eines belastet jedoch Obama sehr, er durfte als US-Präsident seinem großen Idol nie begegnen.
Bei der ersten Reise Obamas nach Südafrika ließ Mandela offiziell durch seine Familie ausrichten: Er läge im Krankenbett im Koma und kann daher den US-Präsidenten leider nicht empfangen.
Inoffiziell wurde bekannt: Er wollte die Hand von Obama niemals schütteln, der zu dem Mann geworden ist, vor dem Afrika heute die größte Angst hat. Der schwarze Sohn Afrikas wurde zu einem der schlimmsten Räuber des afrikanischen Kontinents. Von der Elfenbeinküste bis zur Spaltung Sudans über die Zerstörung Libyens, um es in eine Heimstatt für Dschihadisten zu verwandeln.
Um nicht die Hand dessen schütteln zu müssen, den er „den Mörder seines Freundes und Bruders Muammar Gaddafi“ nennt, der so viel getan hatte, um den Kämpfern des ANC zu helfen, die während der Jahre seiner Verhaftung weitergekämpft hatten. Märtyrer, die der Westen nur allzu gerne der Vergessenheit anheimgeben will, indem man vor allem die 27 Gefängnisjahre Mandelas ins Licht rückt, um desto besser das äußerste Opfer Steve Bikos und seiner Genossen zu verbergen, die ihr Leben gegeben haben, damit in Südafrika die Freiheit herrsche, in einem Moment, als fast alle europäischen Regierungen und die USA die Feinde von Mandela, die ihn gefangen hielten, finanzierten und auch unterstützten.
Um nicht dem Mann begegnen zu müssen, der nach wie vor die Blockade über Kuba aufrecht erhält.
Bereits wenige Stunden nach Veröffentlichung der Todesnachricht wurde in Kuba eine mehrtägige Staatstrauer verkündet, die mit einem offiziellem Trauertag am 8. Dezember endet.
Kuba hatte in den 1980er Jahren eine entscheidende Rolle bei der Beseitigung der Apartheid in Südafrika gespielt. Seine Militärkräfte in Angola setzten dem südafrikanischen Regime zu und der sozialistische Karibikstaat lieferte direkte materielle Unterstützung für die südafrikanische Befreiungsbewegung ANC.
Mandela, den sein erster Auslandsbesuch nach der Freilassung aus dem Gefängnis nach Kuba führte, verband eine enge Freundschaft mit Fidel Castro. Bei seiner Ansprache in Matanzas am 26. Juli 1991 sagte Mandela: „Das kubanische Volk hat einen besonderen Platz in den Herzen der Völker Afrikas. Die kubanischen Internationalisten haben einen großen Beitrag für die Unabhängigkeit, Freiheit und Gerechtigkeit in Afrika geleistet, der wegen der Prinzipien und der Selbstlosigkeit, die ihn kennzeichnen, einmalig ist.“
Er bezeichnete die kubanische Revolution als „Quelle der Inspiration für alle freiheitsliebenden Völker“.
Nach mehrmaliger Einladung Mandelas besuchte Castro im Jahr 1998 Südafrika, wo er eine Rede vor dem Parlament hielt.
Die schwülstigen Nachrufe in den hiesigen Medien und der westlichen Politiker, insbesondere derer von Obama, charakterisierte Thejiwe Mtintso, die Botschafterin Südafrikas in Kuba, bereits im Dezember 2005 wie folgt:
„Heute hat Südafrika viele neue Freunde. Gestern haben diese Freunde unsere Führer und Kämpfer noch Terroristen genannt, uns aus ihren Ländern gejagt und zur gleichen Zeit das Südafrika der Apartheid unterstützt. Diese gleichen Freunde wollen heute, dass wir Kuba denunzieren und es isolieren. Unsere Antwort ist sehr einfach, es ist das Blut der kubanischen Märtyrer und nicht das dieser Freunde, das tief in der afrikanischen Erde fließt und den Baum der Freiheit und unser Vaterland nährt.“
Denn es war das sozialistische Kuba, das es damals nicht bei warmen Worten belassen hatte, sondern dessen Kämpfer ihr Blut gaben für die Befreiung des gesamten südlichen Afrika vom rassistischen Apartheidregime.
All jene, die die Welt mit neokolonialistischen Kriegen, mit Hunger, Elend, Folter und Tod überziehen, versuchen nun, Nelson Mandela nach seinem Tod für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und von seinen und den Zielen der südafrikanischen Befreiungsbewegung im Bewusstsein der Menschen abzulenken.
Doch das Gedächtnis der Menschheit wird sich nicht täuschen lassen.
Nachdem es nicht zu der persönlichen Begegnung zwischen Mandela und Obama kam, besuchte Obama den Ort, der Nelson Mandela für ihn zum Idol gemacht hat. Im Gefängnis von Robben Island schrieb Barack Obama ins Gästebuch :
„Im Namen meiner Familie sind wir zutiefst demütig, an einem Ort zu sein, wo Männer mit solcher Courage gegen das Unrecht gekämpft und sich der Ausbeutung widersetzt haben. Die Welt ist dankbar für die Helden von Robben Island, die uns daran erinnern, dass keine Gefängniszellen die Stärke des menschlichen Geistes zerstören können.“
Die Haft hat Mandelas Leben gravierend verändert.
Als er mal gefragt wurde: Warum er nach 27 Jahren im Gefängnis keine Rachegefühle habe, sagte Mandela:
„Sie haben mir alles genommen, nur meinen Verstand und mein Herz konnten sie mir nicht nehmen. Wenn ich ihnen nicht vergeben hätte, hätten sie auch das bekommen.“
Als Mandela als Präsident der Südafrikanischen Republik zurücktrat, atmete er auf: “Nicht mehr Präsident zu sein ist, wie zum zweiten Mal aus dem Gefängnis entlassen zu werden.” Zuvor hatte er erklärt, er sehne sich manchmal in seine Zelle zurück, “weil ich dort Ruhe und Zeit zum Nachdenken hatte.” Was sich verrückt anhört, traf den Kern seines inneren Wandels. Aus dem radikalen Schwarzenführer war ein weiser Politiker geworden.
Längst ist klar, dass Mandela einen Fehler machte, als er im Jahr 1999 eine zweite Amtsperiode ablehnte. Südafrikas Image in der Welt hätte weitere fünf Jahre von Mandelas souveräner Statur gut gebrauchen können. Sein Nachfolger Thabo Mbeki, von Komplexen geplagt, wurde vorzeitig aus dem Amt gejagt. Der jetzige Präsident, der etwas einfältige Jacob Zuma, hat der Korruption Tür und Tor geöffnet; Mandela konnte es nicht mehr verhindern. Er gab sein letztes Interview vor acht Jahren, danach wurde er von Partei und Familie rigoros abgeschottet. Seine Nibelungentreue zum ANC mag erklärbar sein, dennoch hat sie dem Land Schaden zugefügt.
Die meisten Südafrikaner pflichten heute Altbischof Desmond Tutu bei, wenn er wehmütig erklärt, er vermisse einen “inspirierenden Führer, einen moralischen Riesen”. Pessimisten behaupten, Südafrika drohe nach dem Ableben Mandelas möglicherweise dasselbe Schicksal wie Jugoslawien nach dem Tode Titos, zumal sich die Zulus, Südafrikas größter Stamm, unter Zuma offenbar auf eine lange Herrschaftsperiode vorbereiten. Mandela war Xhosa.
Bei seinem Amtsantritt im Mai 1994 versprach Nelson Mandela seinem Volk viel „Freiheit von Mangel, von Hunger, Entbehrung, Ignoranz, Unterdrückung und Angst”. Davon kann 19 Jahre später keine Rede sein. Millionen Südafrikaner sind heute so arm wie eh und je. Jeder vierte, immerhin 13 Millionen Menschen, hat täglich Hunger, ermittelte eine Studie im vergangenen Jahr. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 40 Prozent und nimmt weiter zu. Pro Jahr werden 45.000 Bürger ermordet, erschlagen oder totgefahren. Südafrikas Schulen gehören inzwischen zu den schlechtesten der Welt. Die Gier der herrschenden Klasse, besonders der Politiker, kennt keine Grenzen.
An seinem Sarg erlebt man (wie oben beschrieben) viel Heuchelei. Der Streit um sein Millionenerbe hat bereits begonnen. Der ANC wird den Geist Mandelas beschwören, um im kommenden Jahr noch einmal die Wahlen zu gewinnen. In den Köpfen der Menschen aber wird er „Madiba“ bleiben.
Was jede Nation ersehnt, was Washington für die USA, Nelson für Großbritanien und Gandhi für Indien war, war Mandela für Südafrika: der unangefochtene Nationalheld.
Wenn die Welt nur einen Vater haben könnte, die Menschen hätten Nelson Mandela gewählt. Er hat Südafrika die Freiheit, Afrika Stolz und Würde und der Welt den Glauben an das Gute im Menschen zurückgegeben.
Mandela war eine Ausnahmeerscheinung. Einer, dessen Name auch in Zukunft noch mit Bewunderung ausgesprochen wird. Einer, der einen Platz in den Herzen der Menschen gefunden hat, nicht nur in den Geschichtsbüchern, weil er sich treu geblieben ist, mutig, herzlich, bescheiden und konsequent. Er hat Grenzen überwunden, die als unüberwindbar galten. Und er hat die Welt verbessert.
„Ein großes Licht unserer Zeit ist erloschen“, meint Cameron.
Doch mit dieser Aussage liegt Cameron, durch sein eingeschränktes Bewusstsein und seine eingeschränkte Sichtweise völlig daneben.
Das große Licht Mandelas ist nicht erloschen – wir müssen es nur wahr-nehmen lernen, dann wird es uns immer erleuchten.
Für mich wird das Licht von

Nelson Rolihlahla „Madiba“ „Dalibunga“ „Tata“ Mandela

immer leuchten, neben den Lichtern von Simon Bolivar, Martin Luther King und Mahatma Gandhi.
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