Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung weckt breites internationales Interesse

von René Cassien
Damit haben wir nicht gerechnet: drei Jahre nach dem Start hat die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung ein breites internationales Interesse geweckt. Anfragen und Einladungen erreichen uns aus aller Welt.
Am 4. Dezember wurde mit dem Schweizer bereits der vierte nationale Verein gegründet, und die Aktivitäten erstrecken sich von Finnland über Holland bis in die USA und von Warschau und Wien bis Mexiko City und Buenos Aires.
Rund 1500 Menschen engagieren sich ehrenamtlich in den lokalen Energiefeldern, in den AkteurInnenkreisen und in der Koordination und den Vereinen.
Die „Gemeinwohl-Ökonomie“ ist eine wirtschaftliche Systemalternative zu kapitalistischer Markt- und zentraler Planwirtschaft, ein vollständiger Dritter Weg und zum Teil auch eine Synthese aus den beiden großen historischen Entwürfen.
Der Autor und politische Aktivist Christian Felber hat in seinem Buch „Neue Werte für die Wirtschaft. Eine Alternative zu Kommunismus und Kapitalismus“ 2008 die Grundlagen ausgearbeitet. Daraufhin bildete sich ein Kreis von UnternehmerInnen, die das Modell gemeinsam mit Felber weiterentwickelt und mit einem Namen versehen haben.
Die „Gemeinwohl-Ökonomie“ ist tendenziell eine Form der Marktwirtschaft, in der jedoch die Motiv- und Zielkoordinaten des (privaten) unternehmerischen Strebens „umgepolt“ werden – von Gewinnstreben und Konkurrenz auf Gemeinwohlstreben und Kooperation.
Zeitgenössische Forschungsergebnisse zeigen, dass diese Alternative entgegen tief sitzender Vorurteile gut mit der „Menschennatur“ vereinbar ist. Mehr noch: Die Gemeinwohl-Ökonomie baut auf genau den Werten auf, die unsere zwischenmenschlichen Beziehungen gelingen lassen: Vertrauensbildung, Verantwortung, Mitgefühl, gegenseitige Hilfe und Kooperation.
Diese humanen und nachhaltigen Verhaltensweisen werden gemessen („Gemeinwohl-Bilanz“) und belohnt, mit einer Fülle von Anreizen und „systemischen Aufschaukelungen“: das Marktstreben wird „ethisch umgepolt“.
Heute gilt Finanzgewinn als allentscheidendes Kriterium für unternehmerischen Erfolg. In der Gemeinwohl-Ökonomie muss nicht „letztendlich das Geld“ stimmen, sondern die Gemeinwohl-Bilanz. Dann geht es den Menschen und allen Wesen gut.
Ein Unternehmens-Beispiel:

Der Utopist

von Johannes Pennekamp, Auszüge aus „brand eins“
Helmut Lind ist Chef einer Bank aber harte Zahlen interessieren ihn nicht. Er will, dass seine Firma Gutes tut. Und präsentiert eine Gemeinwohlbilanz.
Der Banker, der mit all dem brechen wird, was den Erfolg einer Bank bislang bestimmte, wirkt an diesem Nachmittag selbst zerbrechlich. Helmut Lind sitzt gebeugt am Schreibtisch, das Kinn auf einen Handballen gestützt, und schaut lange aus dem Fenster, bevor er seine Sätze formuliert. „Die Schraube“, sagt er dann und zeichnet mit dem Finger kleine Halbkreise auf den Tisch, „sie ist schon sehr fest angezogen. Und Sie wissen ja, was nach sehr fest kommt.“ Der große Knall, das Ende des Wirtschaftens, wie wir es kennen, es stehe kurz bevor, das will der Vorstandsvorsitzende der Münchner Sparda-Bank sagen. So wie bislang – mit unmenschlichem Druck am Arbeitsplatz und umweltzerstörender Produktion – darf es nicht weitergehen, davon ist der 50-Jährige überzeugt. …
Lind ist dabei, seine Genossenschaftsbank – die für das zurückliegende Geschäftsjahr eine Dividende von 5,5 Prozent (rund 3,3 Millionen Euro) an ihre Mitglieder ausschütten wird – grundlegend zu verändern. Dieses Ziel verfolgt er ebenso konsequent wie früher seine Karriere.
Dass er ausgerechnet bei der Sparda-Bank die Möglichkeit dazu hat, ist kein Zufall. Das Geldinstitut tickt anders als die Konkurrenz. Statt in einem Büroturm sitzt der Vorstand in einem biederen Bau, nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt. Gegründet wurde die einstige Eisenbahn-, Spar- und Darlehnskasse vor 81 Jahren in München von 33 Eisenbahnern, die sich in finanzieller Not zusammentaten. Weil sie ihre Löhne nur im Vierteljahresrhythmus ausgezahlt bekamen, zum Quartalsende oft pleite waren und Kredite zu Wucherzinsen aufnehmen mussten, entschlossen sie sich zur Selbsthilfe. Von Anfang an bestimmte die Förderung der Mitglieder – nicht die Gewinnmaximierung die Geschäftspolitik. Dabei blieb es auch, als sich die Münchner Bank später nach und nach für Nicht-Eisenbahner öffnete und zu einem prosperierenden Unternehmen heranwuchs, das heute rund 320 000 Sparkonten verwaltet. …
Helmut Lind arbeitet (…) unverdrossen weiter am Umbau seiner Bank. Er hat eine zehnköpfige Arbeitsgruppe zusammengetrommelt, die gerade damit begonnen hat, die einzelnen Bilanzkriterien mit der Unternehmensrealität zu vergleichen. Da, wo man schlecht abschneidet, will Lind in den kommenden Jahren Stück für Stück nachbessern. „Das wird funktionieren, weil die ganze Gesellschaft umdenken wird“, sagt er.
Warum er sich da so sicher ist? Da kommt der Banker wieder auf die Schraube zurück, die zerbrechen wird, wenn der Druck nicht bald abnimmt. Er wolle ja keine Panik verbreiten, sagt Helmut Lind, aber das Rentensystem, die Krankenkassen und die Geschäftspraxis der Großbanken – das könne nicht mehr lange gut gehen. –
Volltext
Siehe auch: GEMEINWOHL-ÖKONOMIE boomt !
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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Eine Antwort zu Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung weckt breites internationales Interesse

  1. Stefan Wehmeier schreibt:

    „Bitte, bitte, lieber Gott, mach uns alle solidarisch, damit wir das von allen Erarbeitete brüderlich teilen können.“ Damit hat der Moralverkäufer die vielen Armen, die sich nichts dabei denken, auf seiner Seite; in Wahrheit wird wieder nur das Folgende bewiesen:

    „Die größte Tragödie in der Geschichte der Menschheit ist wohl die, dass die Moral von der Religion mit Beschlag belegt wurde.“

    Arthur C. Clarke

    Der Moralverkäufer überträgt das Prinzip der Solidarität, das nur in der Familie oder in einer dörflichen Urgemeinschaft von bis zu 150 Mitmenschen funktioniert, auf eine Volkswirtschaft mit vielen Millionen Menschen, in der dieses Prinzip begreiflicherweise nicht funktioniert. Solange aber genügend Dumme glauben, eine „Moral“ könne wichtiger sein als die Regeln der makroökonomischen Grundordnung, lässt sich das arbeitende Volk umso leichter ausbeuten!

    Macht oder Konkurrenz

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