Eine andere Zeitung ist möglich! In Griechenland entsteht neuer Graswurzel-Journalismus

von Christopher Senf aus „Berliner Gazette“
Abbau des Sozialstaats, Privatisierungswellen, Massenarbeitslosigkeit – Unter dem Regime der Troika bleibt Griechenland keine Unannehmlichkeit erspart. Doch die Krise trägt ungeahnte Blüten: Anstelle von staatlicher Absicherung und Lohnarbeit tritt kollektive Selbstorganisation. Egal ob jung oder alt, arbeitslos oder hochspezialisiert, die Leute schließen sich zusammen. Sie gründen kostenfreie Ärzte-Netzwerke, Suppenküchen und sogar Medienkollektive. Christopher Senf hat eine der Protagonistinnen der alternativen Medienszene getroffen.
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Das wohl bekannteste Beispiel der Selbstorganisation ist die Besetzung des staatlichen Fernsehsenders ERT. Im Juni 2013 hatte die Regierung Griechenlands den Sender von einem Tag auf den anderen geschlossen, um Geld zu sparen. 2500 Mitarbeiter wurden entlassen. Doch viele von ihnen hielten das TV-Gebäude besetzt und produzierten ein eigenes Programm im Internet weiter. Anstatt staatstragender- wurden nun regierungskritische Beiträge gesendet, Alternativen zur Sparpolitik diskutiert und die Opposition interviewt. Auch als die Polizei den Sender okkupiert, wurde nicht klein beigegeben. Ein Netzwerk der Solidarität, weit über die Grenzen Griechenlands, wurde auch bei der Berliner Gazette-Jahreskonferenz COMPLICITY spürbar.
Doch nicht nur in der Hauptstadt Athen weht ein frischer Wind. Journalismus von unten betreiben auch die 15 Medienaktivisten von alterthess.gr. Die Story der Onlinezeitung steht sinnbildlich für die aktuellen Dynamiken im Land. „Wir sind ein Resultat der Krise“, erklärt die alterthess-Redakteurin Stavroula Poulmeni.
Ein Großteil der Mitarbeiter des basisdemokratischen Medienkollektivs war zuvor bei etablierten Zeitungen in Thessaloniki beschäftigt. Nachdem es 2010 zu Massenentlassungen kam, standen sie als professionelle- jedoch arbeitslose Journalisten vor der gemeinsamen Frage: Wie weiter? Sie gründeten ihre eigene Zeitung!
Was sie ursprünglich als gedruckte Zeitung konzipiert haben, entwickelte sich vom belebten Blog zu einer professionell ausgearbeiteten Homepage mit weitreichender Community. Die Mitarbeiter von alterthess.gr verstehen sich heute als „die alternative Stimme Thessalonikis“.
“Wir werden ernst genommen”
Sie wollen unabhängig von Firmeninteressen sein und über Sachverhalte berichten, die von Mainstreammedien ignoriert werden. Sie senden live von Demonstrationen aus dem ganzen Land, liefern Hintergrundanalysen zu politischen Debatten sowie kurze News zu kulturellen Events. An normalen Tagen erreichen sie ca. 5000 Leser. Wenn es zu Massenprotesten kommt, greifen bis zu 10.000 Menschen auf ihre Homepage zu. „Wir stehen in einer linken Tradition“, beschreibt Stavroula die politische Ausrichtung des Medienkollektivs, „zu unserer Leserschaft gehört eher der progressive Teil Thessalonikis“.
Trotz ihres kleinen Budgets und ihrer kleinen Redaktion, in der auch journalistische Neulinge mitarbeiten, würden etablierte Medien positiv auf die Arbeit ihrer Onlinezeitung reagieren. „Andere Journalisten behandeln uns als professionelle Ansprechpartner“, berichtet Stavroula. Im Unterschied zu diesen finanziert sich alterthess.gr ausschließlich über Spenden, den Verkauf von Büchern und kleine Werbeanzeigen.
Eine Zusammenarbeit mit Unternehmen oder Parteien lehnen sie ab. Ihre journalistische Arbeit entspringt Idealen: Sie wollen die Entwicklung der Gesellschaft positiv beeinflussen. „Wir sehen darin eine Form der Komplizenschaft. Wenn uns die Gesellschaft vertraut und wir kollektive Bedürfnisse erfüllen, dann wird unser Zeitungsprojekt überleben“, resümiert Stavroula wegweisend.
Originaltext
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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