Gegen die Handlanger des Todes

von Prof. Dr. Peter Kern aus „Haus des Verstehens“
Wenn der Handlanger des Todes nach 1945 „Auschwitzlüge“ sagte, wurde er zum Kontinuum seiner eigenen Selbstverfälschung.
Wenn der Wohlstandsbürger heute nach Tschernobyl und Fukushima postuliert, „Kapitalismus muss sein“, dann ist auch er ein Handlanger des Todes, der seine Untaten von sich weist.
Immer will es keiner gewesen sein. Nie steht man zu seinen Verbrechen. Die Täter machen die realen Opfer zum virtuellen Abfall der Geschichte.
Wer mahnt und Einsicht und Umkehr einklagt, ist für die Handlanger des Todes  ein ideologisch verirrter Gutmensch, ein Träumer, der nichts von der Welt verstehe.
Zu diesen Empfindsamen hat sich ganz aktuell eine gewichtige Stimme hinzugesellt. Papst Franziskus höchst persönlich. In seinem Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“ (Freude des Evangeliums) kritisiert er u.a. das herrschende Wirtschaftssystem unmissverständlich.
Der Kapitalismus sei in der Wurzel ungerecht. Diese Form der Wirtschaft töte, denn in ihr herrsche das Gesetz des Stärkeren. Wer diese Stärke nicht aufbringe, wer nicht mithalten könne, der werde nicht nur unterdrückt und ausgebeutet, sondern auch noch ausgeschlossen und schlussendlich weggeworfen. Was herrscht, sind Finanzspekulation, Korruption und Steuerhinterziehung. Es regiere der pure Egoismus. Das Ziel auch der Katholischen Kirche müsse die Bekämpfung der sozialen Ungerechtigkeit und der Armut sein. Papst Franziskus wörtlich: „Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht.“
Töten
Unter Diktatoren wird das Unmenschliche von den Unterdrückten unter Zwang getan, sagt man. Nationalsozialisten ermordeten Millionen Juden, Sinti und Roma und russische Kriegsgefangene. Haben die Mörder human gefühlt während sie inhuman handelten?
Sie wären auch nach dem Kriege fähig gewesen, ihre Gräuel zu wiederholen.
Ganz offensichtlich sind wir alle bereit zu töten, auch unter günstigeren politischen Bedingungen, auch in Demokratien.
Wir in den reichen Regionen der Welt profitieren vom Kapitalismus. Wenn Papst Franziskus urteilt, diese Wirtschaftsform tötet, dann sind wir Profiteure alle Mörder, Mörder, die sich gut fühlen. Wir brauchen nicht einmal den Zwang einer politischen Diktatur, um unsere Gräueltaten zu verrichten, es reicht die Diktatur des Kapitals.
Sind solche Gedanken unzulässig, nur weil das Töten heute versteckt, schleichend und indirekt geschieht?
Genauso wenig wie der Kommandant von Auschwitz die Deportierten als Menschen auffasste, um sie verheizen zu können, genauso wenig fassen wir die Armen Afrikas als Menschen auf, um sie ohne Schuldgefühle im Mittelmeer absaufen zu lassen.
Wer Menschen zum Gegenstand entfremdet und als Material auffasst, erkennt in ihnen keine Menschen mehr. Man fühlt sich legitimiert, sie zu verheizen oder absaufen zu lassen.
Menschen nicht mehr als Menschen aufzufassen, das ist der eigentliche Skandal, aus dem dann alles Elend folgt.
Originaltext
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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