Drei der letzten Stützen des Dollars brechen weg

Internationalisierung des Yuan, Öffnung Saudi-Arabiens, Explosion der Europäischen Union

Pressemitteilung des GEAP
„Es war Nacht und der Regen fiel ; und da er fiel, war es Regen; aber da er gefallen war, war es Blut.“ Diese Worte von Edgar Allan Poe passen perfekt zu der gegenwärtig sich allmählich vollziehenden Auflösung der Weltordnung, wo all die kleinen Ereignisse scheinbar ohne Bedeutung sind (der Regen), aber in ihrer Gesamtheit die Grundlagen des sterbenden internationalen Systems untergraben (das Blut). Dass der Prozess langsam vonstattengeht, dass diese Ereignisse unbedeutend zu erscheinen vermögen, lässt sich paradoxerweise damit erklären, dass die Krise die erste wahrhaft globale Systemkrise ist: Sie greift tiefer als die von 1929, sie zieht alle Länder in Mitleidenschaft, und lässt im Zentrum des Systems kaum einen Stein auf dem anderen. Die Krise von 1929 war für die neue Weltmacht USA wie eine Kinderkrankheit; heute liegt das Land nach beinahe 70 Jahren als Supermacht auf dem Sterbebett. Aber da die gegenwärtige Weltordnung so lange auf der Stellung der USA aufgebaut war, versuchen alle Länder zu vermeiden, dass die USA abtreten und die Weltordnung zusammenstürzt, bevor sie nicht auf eigenen Füßen stehen können. Alle versuchen, sich allmählich und unauffällig von der Abhängigkeit von Amerika zu befreien und dabei nach außen den Eindruck zu wahren, alles gehe seinen üblichen Gang. Dadurch erleben wir einen Zusammenbruch wie in Zeitlupe.
Das ist fast so wie bei Eltern, die sich aus dem Zimmer ihres Babys schleichen, damit es nicht aufwacht und wieder zu schreien beginnt. Das Baby ist der Dollar und die Eltern sind Rabeneltern, denn sie wollen das Kind im Stich lassen.
China ist in dieser Kunst inzwischen Meister, aber auch viele andere Länder setzen sich mehr oder weniger diskret von den USA ab, wie z.B. Saudi- Arabien. Für die Europäische Union, letzte Stütze Amerikas und ihnen in unerschütterlicher Treue zugetan, ist die Lage sehr schwierig. Wir gehen davon aus, dass die Wahlen von 2014, bei denen die rechtsextremen und euroskeptischen Parteien einen bedeutenden Sieg einfahren werden, die europäischen Institutionen durcheinander wirbeln werden und dass dann Euroland die neue politische Struktur Europas werden wird. Wir analysieren diese mögliche Entwicklung in dieser Ausgabe des GEAB.
2014 werden drei der letzten Stützen der amerikanischen Macht wegbrechen : China wandelt mit äußerster Kraftanstrengung den Yuan in eine internationale Währung und schwächt damit die zentrale Rolle des Dollars im internationalen Währungssystem; Saudi- Arabien, wichtiger Baustein im System des Petrodollars, setzt sich von den USA ab; und die unerschüttlich americanophile EU wird durch Euroland verdrängt, das mit seiner eigenen Währung zu einem weiteren Rivalen der USA aufsteigt. Damit frisst sich die schleichende Zersetzung der gegenwärtigen Weltordnung immer tiefer in ihr Fundament.
Die USA haben darauf gesetzt, dass der Aufwand, um die Hürde zwischen dem Status Quo der Welt von Gestern und der Welt von Morgen zu überwinden, von anderen Ländern als zu hoch gescheut werde, und sie, obwohl sie vieles aus einer Neuorganisation der Welt zu gewinnen hätten, den Rubikon nicht überschreiten würden. Die USA glaubten z.B., China könne wegen seiner gigantischen Dollarreserven, die kaum mehr etwas wert wären, würde China zu offensichtlich die Weltmacht USA stürzen wollen, China daran hindern werde, sich aus dem Dollarsystem zu befreien. Sie glaubten auch, Saudi- Arabien werde nicht einen wichtigen Kunden und dessen ausdrückliche Sicherheitsgarantie verlieren wollen und sei daher dazu verdammt, weiterhin den USA die Treue zu halten. Aber inzwischen machen die Länder eine reine Kosten – Nutzen- Rechnung auf und viele stellen fest, dass die Kosten des gegenwärtigen Systems inzwischen höher sind als der Nutzen, den sie daraus ziehen. Wir gehen also davon aus, dass die Hoffnungen der USA auf die Trägheit des Systems schon heute reine Illusion sind.
Inhalt der gesamten Veröffentlichung:
1. IM WESTEN NICHTS NEUES
2. DER UNMÖGLICHE US- AUFSCHWUNG
3. ALLES WENDET SICH GEGEN DIE USA
4. SAUDI-ARABIEN : ÖFFNUNG EINES ABGESCHOTTETEN LANDES
5. DER YUAN AUF DEM WEG ZU EINER INTERNATIONALEN WÄHRUNG
6. SPALTUNG OST/WEST
7. 2014 : DIE BRICS LÖSEN DAS NORDKOREAPROBLEM
8. EUROPA IST TOT, LANG LEBE EUROPA
9. EUROPA VON GESTERN, EUROPA VON MORGEN
10. DAS ENTSTEHEN VON ALTERNATIVSYSTEMEN
In dieser Pressemitteilung stellen wir Auszüge von 1., 2. und 8. Kapitel vor.
IM WESTEN NICHTS NEUES
Die Finanzmärkte können sich freuen : Janet Yellen, die im Januar 2014 die Nachfolge von Ben Bernanke an der Spitze der Fed antreten wird, hat bereits anklingen lassen, dass sie das Programm der quantitativen Lockerung (QE3) fortzuführen gedenke. Es ist natürlich richtig, dass sie insoweit auch über keine Alternative verfügt. Denn die Illusion einer funktionierenden Wirtschaftsmacht USA kann nur dank dieses Programms aufrecht erhalten werden, da mit dem generierten Geldstrom der Immobilienmarkt und die Finanzmärkte künstlich aufgebläht wurden sowie die amerikanische Regierung zu niedrigen Zinsen ihr Defizit finanzieren konnte.
Aber es gibt ja nicht nur die Finanzmärkte und ihre Interessen. Die anderen Länder stellen sich die Frage, wann die Spekulationsblasen, die mit dem billigen amerikanischen Geld aufgeblasen wurden, platzen werden und – soweit sie sich noch nicht ausreichend von den USA abgesetzt haben – welche Auswirkungen, dies bei ihnen zeitigen wird. ‚Mainstreet‘ in Amerika weiß schon seit langem, dass die positiven Effekte des QE bei ihnen nie ankommen werden. Jährliche Geldflüsse in Höhe der gesamten Ausgaben des New Deal ergießen sich ausschließlich in die Finanzmärkte und helfen in keiner Weise den einfachen Menschen. Und die Realwirtschaft fragt sich, wann die Zinsen endlich wieder auf ein vernünftiges Maß ansteigen werden, damit Investoren wieder einen Anreiz verspüren, konkrete Projekte zu finanzieren, weil sie dafür (zumindest) eine geringe Bezahlung erhalten.
Von Seiten der Fed also nichts Neues. Auch nichts Neues bei den sonstigen Schwierigkeiten, vor denen das Land steht; und wenn doch, dann nur, dass sie sich verschlimmern. Inzwischen wird in der allgemeinen Presse von Hunger in Amerika berichtet. Die Kriminalität nimmt seit zwei Jahren wieder zu; der Drogenkonsum explodiert; obwohl die Haushaltsbeschränkungen die Strafvollzugsbehörden zwingen Gefangene vorzeitig frei zu lassen, gibt es in den USA mehr Gefängnisinsassen als Ingenieure oder Sekundarschullehrer (vgl. unten stehendes Schaubild); obwohl nach den offiziellen Zahlen sich die Lage bessern soll, nimmt die Massenarbeitslosigkeit zu; beim Erhalt der Infrastruktur wird das Geld gespart; die Forschung wird nicht mehr ausreichend finanziert usw.
[…]
Zahl der Gefängnisinsassen, Ingenieure, Krankenpfleger, Sekundarschullehrer usw. in den USA. Quelle : Huffington Post.
Zahl der Gefängnisinsassen, Ingenieure, Krankenpfleger, Sekundarschullehrer usw. in den USA. Quelle : Huffington Post.
DER UNMÖGLICHE US- AUFSCHWUNG
Die Schwierigkeiten der USA könnten im gegenwärtigen Rahmen auch gar nicht behoben werden, denn das Land steht vor einem Dilemma: Zieht die Realwirtschaft wieder an, muss die Fed ihr Förderprogramm einstellen, aber das würde wie schon im September eine Panik an den Märkten auslösen, womit der Aufschwung sogleich abgewürgt würde.
Und ganz allgemein sieht die Lage einfach so aus, dass – sollte auch nur annähernd ein Quäntchen an Wachstum irgendwo in den USA zu verzeichnen sein – zumindest ein Teil der gigantischen Geldströme, die die Fed erzeugt hat und die in die Schwellenländer geleitet wurden, wieder in die USA zurückströmen werden, um vom heimischen Aufschwung profitieren zu können. Das würde eine massive Inflation auslösen und damit den Aufschwung in kürzester Zeit abwürgen. Diese Schwankungen zwischen Hoffnung und Verzweiflung werden sich fortsetzen, solange die Krise mit den Instrumenten und Maßnahmen der Welt vor der Krise bekämpft wird, oder bis es zu einem weiteren Schock kommt, der in Erinnerung ruft, wie verheerend die Gesamtsituation in Wirklichkeit ist. Denn das QE wird nicht die Wirtschaft heilen können, da seine Erfolge lediglich darin bestehen, wirtschaftliche Zombies und Spekulationsblasen zu schaffen, ohne jedoch das Grundübel zu beseitigen.
[…]
EUROPA IST TOT, LANG LEBE EUROPA 
Konfliktlösung, Handel, Finanzen…, der Graben zum Westen wird weiter und tiefer. Europa jedoch bleibt noch die Möglichkeit, auf den Zug der neuen Seidenstraße, die Asien und Europa verbinden soll, aufzuspringen und sich der Welt von Morgen zu öffnen. Dafür muss Europa sich aber endlich von den USA abnabeln; der richtige Moment dafür dürften die Europawahlen 2014 sein, nach denen in Europa vieles nicht mehr so sein wird wie vorher.
Vormarsch der rechtsextremen und euroskeptischen Parteien, demokratisches Defizit, Lobbymacht, Bürgerferne, Brüsseler Zentralisierung, Bürokratie und Technokratie… die Europäische Union steht vor ihrem Ende. Nach unserer Auffassung werden die Europawahlen 2014 dazu führen, dass der aktuelle Institutionenrahmen der EU auseinander bricht und die Union wieder politischer und endlich die lang überfällige Debatte über die Zukunft Europas führen wird. Diese Repolitisierung Europas hat eigentlich schon jetzt begonnen, zum Beispiel mit den Grünen, die mit gemeinsamen Kandidaten auf dem gesamten EU- Gebiet antreten wollen, womit erstmalig eine echte „europäische“ Wahl möglich wäre40, oder auch mit den sozialdemokratischen/sozialistischen Parteien Europas, die sich auf Martin Schulz, den gegenwärtigen EP – Präsidenten als sehr ernst zu nehmenden Kandidaten für den Posten des Präsidenten der Kommission einigen konnten.
Aber nach unserer Auffassung wird diese Neugründung Europas, falls sie Erfolg hat, einige Zeit in Anspruch nehmen, viel Zeit sogar. Der entscheidende Zeithorizont für ein demokratisches Europa sind also die Europawahlen 2019. Wir widmen das Teleskop einer ausführlichen Analyse der kommenden Entwicklung der Europäischen Union.
Diese Europäische Union, die zu Ende geht, ist das Europa, dass die USA wollten und dessen Entwicklung sie lenkten. Es ist ein Europa, das nicht mehr sein sollte als ein riesiger Binnenmarkt, immer auf Erweiterung bedacht und offen für amerikanische Waren. Es ist das Europa, das vor Monsanto zu Kreuze kriecht und Europa gegen den Willen der Mehrheit der Mitgliedstaaten für dessen gentechnisch modifiziertes Saatgut öffnet. Diese Entscheidungen, die in Europa im amerikanischen Interesse getroffen wurden und werden, wie auch z.B. der Türkeibeitritt, den weder die Menschen in Europa noch in der Türkei, den aber die Amerikaner wollen, haben nun keine Chance auf Verwirklichung mehr. Schon jetzt stocken die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei massiv; nach den Europawahlen 2014, wenn die rechtsradikalen Parteien in großer Zahl ins EP einziehen werden, werden sie endgültig scheitern. Damit ist dieses Europa, das nach angelsächsischen Wünschen und als Verlängerung amerikanischer Interessen konzipiert und geformt wurde, die dritte Stütze Amerikas, die nun zusammen bricht.
Aber Europa wird nicht bis 2019 warten, um sich neu zu organisieren. Welche Form wird aber das Europa von Morgen annehmen? In der Zwischenzeit, bis diese neue Form gefunden sein wird, wird Euroland, wie wir im Teleskop darlegen werden, als neues politisches Projekt die Lücke füllen, die die Europäische Union gelassen haben wird. […]
Originaltext
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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