Manfred Nowak: „Man darf sich nicht einschüchtern lassen“

nowak_1385225964542167 aus „Die Presse“
Am vergangenen Montag hat Manfred Nowak den Menschenrechtspreis der Universität Oslo erhalten. Sein Leben lang hat er, ob als Wissenschaftler oder UN-Sonderberichterstatter, für die Einhaltung von Menschenrechten gekämpft.
Herr Nowak, Sie haben Rechtswissenschaften in Wien studiert, ein Studium, mit dem man beruflich viele Wege einschlagen kann. Wie kam es dazu, dass Sie sich Ihr Leben lang mit Menschenrechten befasst haben?
Manfred Nowak: Das Jusstudium hat mich am Anfang nicht wirklich interessiert, weil ich Regisseur werden wollte. Mit der Zeit hat es mich aber zu interessieren begonnen, vor allem die Staatsphilosophie. Maßgeblich dafür war sicher auch Felix Ermacora (ehemaliger Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Uni Wien, Mitglied der Europäischen und der UN-Menschenrechtskommission; Anm.), bei dem ich nach dem Studium zu arbeiten begonnen habe. Aber noch mehr geprägt hat mich mein Studienaufenthalt an der Columbia University in New York. …
Was war danach anders als zuvor?
Das ist schwer zu sagen, es ist ja alles eine Entwicklung. Aber mir war danach klar, dass ich einen Beruf haben will, der mir Freude macht, hinter dem ich auch wirklich stehen kann, und nicht einen, bei dem es primär ums Geldverdienen geht. In dieser Zeit gab es nicht viele, die gesagt haben: „Ich bin Menschenrechtler.“ Und wenn, dann waren es irgendwelche Aktivisten, aber es war kein Beruf. Den musste man sich erst selbst formen. …
Ich bleibe jedesmal völlig erschüttert und verzweifelt zurück, wenn ich Berichte von Folteropfern höre oder sehe. Sie waren und sind damit ständig konfrontiert . . .
. . . und mir geht es dabei nicht anders als Ihnen. Als ich zum ersten Mal ein Folteropfer – es war ein chilenischer Flüchtling – interviewt habe, musste ich das Gespräch abbrechen, weil mir schlecht geworden ist. Ich dachte, ich bin völlig ungeeignet für diesen Job. Als man mich gefragt hat, ob ich Sonderberichterstatter der UNO über Folter werden will, habe ich zweimal abgelehnt. Beim dritten Mal habe ich lange überlegt, ob ich mir das antun soll.

Und schließlich haben Sie doch Ja gesagt. Weshalb?
Weil es letztlich um die Würde des Menschen geht. Menschenrechte werden meistens über ihre Verletzung wahrgenommen. Aber in Wirklichkeit stehen dahinter die Grundwerte unseres menschlichen Zusammenlebens: Gegenseitiger Respekt, Freiheit, Gleichheit, Würde. Es geht also um das Positive. Natürlich war die Situation in vielen Ländern viel ärger, als ich mir das je vorstellen konnte, bevor ich hingefahren bin. Aber ich habe dort und da etwas verhindern können. Jeder Einzelne, dem ich helfen konnte, war es schon wert, diese Arbeit zu tun. Erst gestern habe ich eine Nachricht von Jigme Gyatso, einem tibetanischen Mönch, erhalten, den ich 2005 in einem chinesischen Gefängnis besucht habe und der jetzt nach 17 Jahren Haft freigelassen wurde. Er bedankte sich, weil er nach meinem Besuch viel besser behandelt wurde. Und wenn ich nach den vielen Jahren sehe, dass international und national nun endlich Maßnahmen gesetzt werden, um Folter zu verhindern, dann habe ich das Gefühl, all die Anstrengungen waren nicht umsonst. …
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Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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