Armut ist kein Verbrechen: Armut bekämpfen statt Arme bestrafen!

aus „Armutskonferenz Österreich“
Armutskonferenz besorgt über zunehmende Kriminalisierung Bedürftiger. „Armut fällt nicht vom Himmel“
armut-bekaempfen_copyright_roma-service„Alarmierend“ sind für die Armutskonferenz die jüngsten Zeichen für eine zunehmende Kriminalisierung Bedürftiger in österreichischen Gemeinden. „Die Vertreibung von Obdachlosen aus dem öffentlichem Raum auf Basis geltender Kampierregeln, die wie die Wiener Verordnung bereits das ‚Auflegen und Benützen von Schlafsäcken’ verbieten, verschärft soziale Probleme anstatt sie zu lösen“, analysiert Michaela Moser von der Armutskonferenz, dem österreichischen Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung. 
Europaweit lassen sich seit einiger Zeit Tendenzen zur Vertreibung von Armutsbetroffenen beobachten, europaweit Aufsehen und Proteste erregte kürzlich eine Verfassungsänderung in Ungarn, welche die Inhaftierung von Obdachlosen aufgrund ihres Lebens auf der Straße ermöglicht.
Grundrechte sichern!
„Bei der Empörung über die Verhältnisse in Ungarn darf es nicht bleiben“, appelliert die Armutskonferenz an EntscheidungsträgerInnen in Österreich, „es gilt Grundrechte zu sichern – und das hier wie dort.“ Besonders gefordert seien Bürgermeister/innen und Gemeindepolitik, in deren Verantwortungsbereich viele Verordnungen rund um den Aufenthalt im öffentlichen Raum fallen. „Es muss den Verantwortlichen bewusst werden“, so Moser, „dass Menschen, die unter widrigsten Umständen zu überleben versuchen, nicht zum Ziel des Strafsystems werden dürfen. Armut ist kein Verbrechen. Soziale Herausforderungen sind nicht durch den Einsatz von Polizei sondern durch sozialpolitische Maßnahmen lösbar. Und im Bedarfsfall sollte Vorrang für sozialarbeiterische Intervention gelten“.
Fehlende Investitionen in den sozialen Ausgleich
„Armut fällt nicht vom Himmel. Die aktuelle Entwicklung in Europa hat auch etwas mit politischen Entscheidungen zu tun. Zunehmend sichtbare Armut auf den Straßen ist eine Folge europäischer Austeritätspolitik und fehlender Investitionen in den sozialen Ausgleich. EU-Institutionen, nationale Regierungen und lokale Politik müssen zusammenarbeiten, um Grundrechte für alle Menschen zu garantieren, dazu zählen dass Recht auf sichere Unterkunft, adäquate Hygiene und Ernährung, Gesundheitsversorgung und öffentlichen Raum“, so die Armutskonferenz abschließend.
Originaltext
Die Armutskonferenz Österreich hat ein Buch über Armut und Commons herausgebracht. Oder präziser: Über neue Perspektiven (Commons-Perspektiven) in der Armutsbekämpfung.
Der Titel lautet: “Was allen gehört” und wird am 11. Dezember um 19 Uhr in der Hauptbücherei der österreichischen Hauptstadt vorgestellt.
Wir stellen es nachfolgend schon kurz vor:

WAS ALLEN GEHÖRT

Commons – Neue Perspektiven in der Armutsbekämpfung. Das Buch zur 9. Armutskonferenz

Klappentext

Was sind Commons und was haben sie mit Armutsbekämpfung zu tun?
Aufbauend auf den Arbeiten der Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom untersuchen die Autor_innen die Bedeutung der gemeinschaftlichen Organisation von Gemein- und Allmendegütern für gerechtere Gesellschaften, bessere Verteilung und mehr Teilhabe.
Armutsbekämpfung durch Aneignung: „Claim the market! Claim the state!“
buchcover_was-allen-gehoertStaat wie Markt sollen rückerobert werden. Die Beteiligten organisieren Ressourcen so, dass Ausschlussmechanismen vermieden und die Regeln für die Benutzung miteinander ausverhandelt werden. Die einen engagieren sich, eine neue demokratische Bank zu gründen, die sich an den alten Genossenschaftsbanken orientiert. Andere organisieren sich in Versammlungen, um an der Budgeterstellung in der Gemeinde mitzuwirken. Wieder andere gründen Selbstorganisationen, um ihre Anliegen direkt zu vertreten, erobern öffentlichen Raum zurück und besetzen oder bauen Häuser zur Schaffung alternativen Wohnraums. Im Mittelpunkt steht hierbei, gemeinsam Ressourcen zu nutzen und zu pflegen, Regeln auszuhandeln, sich die Welt anzueignen, ohne sie in Besitz zu nehmen.
Armutsbekämpfung durch Zusammenarbeit und Kooperation
Gebrauchen, Zusammenarbeiten, Teilen und Beitragen sind vier zentrale Prinzipien von Commons. Diese Prinzipien eröffnen auch in der Armutsbekämpfung neue Perspektiven. In diesem Buch werden sowohl die umkämpften Ressourcen und Güter – öffentlicher Raum, Finanzsektor, soziale Dienste, Ernährung – als auch Möglichkeiten und Grenzen der partizipativen Organisation bzw. demokratischer Aushandlungsprozesse beleuchtet. Was braucht es, damit Commons Armut und Ungleichheit wirksam verringern und sozialer Ausgrenzung entgegenwirken? Wie können Finanzdienstleistungen neu organisiert werden? Wem gehören soziale Organisationen? Wie funktionieren Medien auf Commons-Basis? Wie können demokratische Prozesse verbessert werden?
Website zum Buch
Buch als Download (pdf)
Silke Helfrich hat in diesem Buch 3 Thesen zum Thema formuliert und begründet. Diese Thesen werden wir in nachfolgenden Beiträgen vorstellen.
Zur Ergänzung:
Commoning als Strategie der Armutsvermeidung
Commons ermöglichen Primärverteilung
Wo Commons lebendig sind, gibt es kein Elend

 

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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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Eine Antwort zu Armut ist kein Verbrechen: Armut bekämpfen statt Arme bestrafen!

  1. Anna Giovanoli schreibt:

    Bitte senden sie mir keine weiteren Beiträge mehr. Bin total überfordert damit.
    Vielen Dank für ihr Verständnis

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