Das Ganze im Blick

Spirituelle Neuorientierung für Erziehung und Gesellschaft

Verantwortlich handeln in der globalisierten Welt

Ein Beitrag im Vorfeld zum Kongress „Wissenschaft und Spiritualität“
von Prof. Dr. Wolfgang Roth
„Quidquid agis, prudenter agas et respice finem“:
was auch immer du tust, handele klug und bedenke das Ende, (was daraus werden kann) – römisches Sprichwort
So notwendig es wäre, das Ganze im Blick zu haben, um negative Folgen unseres Handelns möglichst zu vermeiden, so wenig scheint es für uns erreichbar. Selbst die Götter des Olymp hatten immer lediglich ihr Sujet, das Meer, die Liebe, den Krieg und damit ihr Interesse im Blick. Erst im Monotheismus gibt es die Figur des alles im Blick habenden Übermenschen, der auch die Antwort auf alle existentiellen Fragen ist: wer bin ich, woher komme ich, wohin gehen wir, was ist die Welt, was soll ich tun und was soll ich lassen, was ist Glück und gutes Leben, wie ist Entwicklung und Fortschritt zu gestalten.
Sollen wir uns gar auf diesen alles durchblickenden Gott einlassen oder müssen wir selbst göttlich werden, um Krisen, wie wir sie gegenwärtig in der Gesellschaft und in der Bildung erleben und wie sie die Menschheit immer schon erlebt hat, zu vermeiden? Viele Menschen setzen tatsächlich auf eine solche Entwicklung unseres Bewusstseins (z.B. Wilber 2007). Aber was tun wir, bis wir diesen Zustand erreicht haben? Als ‚Zwischenlösung’ schlage ich eine allmähliche und behutsame Veränderung unserer Kultur und Erziehung vor.
 Um die Richtung zu finden, in der diese Veränderungen anzustreben sind, müssen wir unsere Situation etwas besser verstehen. Dass es sich dabei immer nur um eine vorläufige und grobe Analyse handeln kann, ist unvermeidbar und kann dennoch zu einem brauchbaren Ergebnis führen. Immer nur können wir mit unseren durch die Evolution und Kultur geformten Erkenntnisstrukturen die Welt wahrnehmen, so dass wir uns letztlich nicht über die Wahrheit und Wirklichkeit selbst, sondern nur über unsere Bilder von ihr austauschen (z.B. Watzlawick 1976/2007). Gleichzeitig zeigt sich, dass sich einfache Theorien oder sogar Metaphern oft besser in Parallele zur Wirklichkeit bringen lassen und damit brauchbarer sind als komplizierte (Dürr 2004, 2008). Das gibt uns – bei vollem Bewusstsein der Unzulänglichkeit – die Hoffnung auf die Brauchbarkeit unserer nachfolgenden Analyse und der sich darauf gründenden Vorschläge. Deren Brauchbarkeit misst sich auch nicht alleine auf Grund der Situationsanalyse, aus der sie abgeleitet werden, sondern auch aufgrund der Stimmigkeit in sich, der Machbarkeit und der positiven Effekte, die sich schon bei teilweiser Umsetzung zeigen müssten.
 1. Gefährliche Entwicklung?
Seit dem Gebrauch von Werkzeugen hat sich die Möglichkeit des Menschen, in den Ablauf des lokalen und letztlich globalen Geschehens einzugreifen, sowohl in der Tiefe der Eingriffe als auch in ihrer Zahl (qualitativ und quantitativ) exponential entwickelt, ohne dass mit diesen Fähigkeiten auch die notwendige Weitsicht zugenommen hätte. Folgenabschätzung scheint evolutionär nicht angelegt. Der Affe lässt die Schale dort fallen, wo er die Banane futtert. Auf diesem Niveau befinden wir uns noch heute – zumindest muss man diesen Eindruck gewinnen, wenn man Menschen beobachtet und wenn man Firmenverhalten analysiert. Schaut man allerdings genauer hin, so zeigt sich alles biologische Verhalten sehr wohl von der jeweils gemachten Erfahrung (mit)gesteuert. Der Mensch zeichnet sich gerade durch seine hohe Lernfähigkeit aus. Allerdings springt diese Fähigkeit nur dort an, wo sie notwendig erscheint. Dass sich eine Folgenabschätzung bei Menschen und Firmen ergibt, setzt die Einsicht in die Notwendigkeit, unmittelbare innere Folgen (Skrupel) oder äußere Konsequenzen /Strafe) voraus.
Damit wir nicht wie die Affen unsere Schalen überall fallen lassen, arbeitet die Gesellschaft meist mit Strafen. In der Industrie ist die Folgenabschätzung vor allem ein Kostenfaktor, und in sofern hängt die Auseinanderentwicklung von wissenschaftlichem Erkennen und technischem Können einerseits und der Folgenabschätzung ihrer Umsetzung und Nutzung andererseits entscheidend mit unserer Wertorientierung zusammen: Wenn der Besitz materieller „Güter“ und die Gewinnmaximierung der Maßstab für Fortschritt und Wohlergehen sind, dann wird eine kostspielige Folgenabschätzung und die damit verbundene Verzögerung von Gewinn verheißenden Produkten und Veränderungen eher umgangen.
 Die gegenwärtige Finanzkrise ist damit aber alleine wohl nicht zu erklären, denn einige Folgen ließen sich auch ohne genauere Analyse vorhersehen. Entscheidender dürfte der pervertierte Größenwahn sein, der jegliche Bodenhaftung und realistische Einschätzung von dem, was Mensch wirklich braucht, verloren hat. Hier zeigt sich die unangenehme Seite des weitgehenden Fehlens der Instinktgeleitetheit des Menschen. Allerdings gilt dies nicht nur für den Kreis der direkt agierenden Banker, sondern auch für Politiker, die Verordnungen ‚liberalisieren’ und als Segenbringer bei der Bevölkerung erscheinend ihre Macht erhalten wollen. Letztlich aber sind wir es selbst, die wir mit unseren Wünschen und Träumen den Boden bereitet haben für solche Segen verheißenden Politiker und Banker. Nach Einschätzung von Brodbeck (2009) ist es neben Hass und Gier vor allem die Illusion des Individualismus, der prinzipiell zur Krise führen muss: Erst die Vorstellung vom Ich, das abgetrennt von seiner Umgebung und unabhängig handelt und denkt, ist die Voraussetzung für die Vorstellungen von Eigentum und seiner Vermehrung. Und hier ergibt sich ein Zirkelschluss derart, dass wir etwas auf uns beziehen und zum Besitz erklären und dass dann umgekehrt der Besitz die Illusion des unabhängigen Ichs befeuert. Abgesehen davon, wer hier wen besitzt, das Ich den Besitz oder umgekehrt, ergibt sich ein in sich stabiler Zirkel. Dieser reicht weit in die Natur zurück, denn auch ein Vogel verteidigt ‚sein’ Nest und die Katze ‚ihr’ Revier. Mit der Sesshaftigkeit im Neolithikum wurde diese Betrachtungsweise vorherrschend – und mit ihr die Kette endloser kriegerischer Auseinandersetzungen. Diesen Aspekt haben wir schließlich in unserer angeblichen Gottesebenbildlichkeit in der christlichen Religion und dann auch in der Aufklärung (Cogito ergo sum) weiter kultiviert. Wir haben uns unsere Weltanschauungen also einer langen (tierischen) und alten Menschheiserfahrung gemäß geschneidert. Die etwas kompliziertere, der Realität aber wohl näher stehende Einsicht in die Illusion aller individualistischen Getrenntheit haben wir hingegen vernachlässigt.
2. Allverbundenheit, ein brauchbares Konzept?
Von der nüchternen Überlegung ausgehend, dass ich mich nicht selbst schädigen oder gar umbringen möchte, ist zu erwarten, dass ein Mensch, der sich mit der Natur und der Welt als eng verbunden ansieht, mit ihr in gleicher weise behutsam umgehen wir mit sich selbst. In der christlichen Aufforderung, den Nächsten so zu lieben wie sich selbst, ist diese Sichtweise in ihrer Konsequenz angelegt. Keine Sekunde kann der Mensch ohne den Austausch mit seiner Umgebung leben, und in sofern ist es eine ungeheuere Brutalität, was wir mit uns über den Umweg der Naturzerstörung, der Luft- und Wasserverpestung anrichten. Gefordert ist also nicht nur ein Mitgefühl für das Gegenüber, sondern für den Hintergrund, auf dem sich unsere Individualität als Teil dieses Hintergrundes entfaltet.
Das klingt vielleicht ein bisschen wie ein ‚Zurück ins Nomadentum’, das in den-68ern in der Verehrung geschönter indianischer Ideologien und Lebensweisen und in der Kommune ihren Niederschlag fand. Bekanntlich hat diese Lebensform nur auf kleinen Inseln überlebt, während um sie herum das Geld, der Besitz und deren Vermehrung hoch wogen. Auch wenn wir den aussichtslosen Versuch einer Restaurierung nicht machen, stellt sich die Frage, wie wir die Vorteile der Betonung der Allverbundenheit erreichen und die mit dem Subjektzentrismus verbundene Gier, den Hass, die Konkurrenz und letztlich den Krieg zumindest reduzieren können. Wie lässt sich eine Kultur der Allverbundenheit fördern, ohne ins Nomadentum zurückzufallen?
Bevor wir auf diese Frage eingehen sollte geklärt sein, ob dieses Ziel auch ein wünschenswertes ist. Ist eine Welt ohne Geld und Privatbesitz wirklich friedlicher – und schon bei der Formulierung der Frage ist klar, dass der real existierende Sozialismus den Gegenbeweis eindrücklichst erbracht hat. Tatsächlich scheinen „Geschäft und Frieden Hand in Hand zu gehen. Der größte Teil der Geschäfte braucht den Frieden um zu gedeihen, und umgekehrt wird der Frieden gestärkt durch Unternehmertum und die Entwicklung von Handel“ (Russel 2008). Das scheint auch der Global Peace Index zu bestätigen, in dem 140 Länder an Hand von 24 qualitativen und quantitativen Kriterien hinsichtlich ihrer Friedfertigkeit eingeschätzt wurden (Vision of Humanity 2008). Überraschenderweise ist auch hinsichtlich der Religionen nur ein Trend, aber keine klare Antwort zu geben. Zu viele Faktoren der Geschichte, der Staatsformen, aktueller Konflikte usw. haben einen Einfluss. Alle Faktoren berücksichtigt ergibt sich, dass „friedfertige Länder meist einen hohen Grad an Demokratisierung und Transparenz der Regierung, einen hohen Erziehungsstandard und materielles Wohlergehen haben“ (zit. nach The Buddhist Channel 2007). Kommt also doch das Fressen vor der Moral? Ist Friedensarbeit in erster Linie Förderung von Demokratisierung, Bildung und Ökonomie? Oder zeigt sich hier, dass die Selbstdefinition der Menschen und ihre Ziele bereits über das Materielle zum Standard geworden sind? Wie dem auch sei, die Förderung von Demokratie, die Armutsbekämpfung und Bildung sind sicher zentrale Aspekte, über die aber die Aspekte Folgenabschätzung und Allverbundenheit nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Wirklichen Fortschritt kann es nicht gegen die Mitwelt geben, von der alles ein Teil ist und auf der alles ruht!
3. Wie kommen wir zur Allverbundenheit?
So notwendig strengere Verordnungen, genauere Kontrollen und die Stärkung des wiederentdeckten Staates als demokratische Kontrollmacht für eine nachhaltige Entwicklung und die Vermeidung von Krisen kurzfristig sinnvoll erscheinen, so notwendig wird langfristig eine ideologische Untermauerung und die Entwicklung einer Kultur und Erziehung notwendig, die diese Allverbundenheit als allgemeine Wertorientierung selbstverständlich macht. Es muss eine allgemeine Motivation vorhanden sein, die flexibel auch bei veränderten Bedingungen gilt und sich selbstständig weiter entwickelt. Verordnungen und Verbote sind jeweils hinfällig, wenn sich die Ausgangslage verändert. Eine Idee und eine Überzeugung hingegen hat die Chance, auch dann stabil zu sein und sich dem ‚Geist’ gemäß weiter zu entwickeln, wenn sich die Lebensumstände verändern. Beispielsweise wirkt das Verbot, bestimmte Speisen zu essen, anders als die allgemeine Motivation, ein einfaches Leben zu führen. Verbot verliert ihre Gültigkeit vielfach, wenn die verbietende Institution oder Person wechseln oder sich die Situation verändert. Andererseits sind sie starr und lassen sich nur bedingt in neuen Situationen adaptieren. Das ist das Problem vieler religiöser Vorschriften, die zwar Klarheit geben hinsichtlich dessen, was Mensch zu tun und zu lassen hat, aber ihre Starrheit geht in veränderten Situationen am Sinn der ursprünglichen Absicht des Religionsstifters vorbei.
Allverbundenheit (Advaita) ist aber nicht nur ein in sich geschlossenes Konzept, sondern eine Lebensweise. Die total-systemische Sichtweise der Verbundenheit aller Lebewesen und allen Seinenden wird von Gregory Baetson (zit. in Felber, 2008) als der „größte Bissen vom Baum der Erkenntnis seit 2000 Jahren“ bezeichnet und stellt zu unserer westlichen Denk- und Lebensform einen echten Paradigmenwechsel dar: Die übliche Betonung der Individualität, auf der nahezu all unsere Modelle auch der Ökonomie basieren, der damit zusammen hängende Konkurrenz und die Begriffe von Besitz und seiner Mehrung heben sich mit der Allverbundenheit prinzipiell auf bzw. verkehren sich ins Gegenteil und unterstreichen die Beziehung – so wie in der Quantenphysik alles zu einem allumfassenden Energiefeld wird, das auch den Betrachter selbst umfasst. Wenn aber „die Welt primär nur auf Verbundenheit basiert, dann gibt es keine Teile mehr, die sich verbinden (Dürr/Panikkar 2008. S. 31). Das widerspricht so stark unserer Erfahrung, dass wir Mühe haben, es ernst zu nehmen und nicht als mystischen Unsinn abzutun. Dass dies von ernst zu nehmenden Naturwissenschaftlern, gar von Quantenphysikern so gesagt wird, macht die Sache nicht leichter. Und selbst dann, wenn man es ernst nimmt ist unklar, welche Konsequenzen das haben soll.
Zunächst ist festzuhalten, dass unsere auf Analyse hin gerichtete Wissenschaft durch sich selbst relativiert wurde. Die Quantenphysik musste erkennen, dass ihre bisherigen Modellvorstellungen von Materie und Energie und damit von der (physikalischen) Welt falsch sein müssen und dass in Folge davon auch ihre Methoden nicht angemessen sind. Wir brauchen also neue Zugänge zu uns selbst und zu dieser Allverbundenheit. Da es diese gegenwärtig m.W. nicht gibt, beschränken wir uns vorläufig auf das Bewusstsein von dieser Gegebenheit. Wir arbeiten also weiter wie bisher, tun so ‚als ob’ und registrieren unsere Ergebnisse als vorläufig. Gleichzeitig öffnen wir uns nicht nur einer Methodenvielfalt, sondern auch einer Modellvielfalt bei gleichzeitiger Zurückhaltung, was die Umsetzung von empirischen Forschungsergebnissen betrifft. Qualitative Methoden und ihre Ergebnisse erhalten wieder gleichen Rang und Bedeutung, sind sie doch andere Zugangsweisen, die das Ganzheitliche eher zu berücksichtigen erlauben als das analytische Denken und Arbeiten. Dürr geht sogar darüber hinaus und berichtet von seiner Arbeit mit Heisenberg, wie sie sich ab einem bestimmten Punkt nur noch in Gleichnissen über ihren Forschungsgegenstand austauschen konnten. Hier verschwimmen gar die Grenzen zwischen Wissenschaft und Kunst.
Im letzen Kongress 2007 haben wir den Versuch unternommen, Wissenschaft und Spiritualität zu koppeln, um auf diese Weise die Erkenntnismöglichkeiten zu erweitern (Hüther/Roth/von Brück 2008). Wir waren über die Resonanz überrascht und versuchen, an diesem Projekt weiter zu arbeiten. Es gibt dabei viel zu tun, da bislang Spiritualität vielfach noch mit Religion verbunden gesehen oder gar mit ihr gleichgesetzt wird. Ich bin allerdings der Meinung, dass eine ‚nachsaekulare’ Spiritualität entwickelt werden muss, die den Vorteil einer breiten und tiefen und transrationalen Erkenntnisquelle hat und gleichzeitig den Nachteil einer eingeengt-religiös orientierten Spiritualität vermeidet, die bislang zumindest im christlichen Bereich nicht über die Trennung von Schöpfer und Geschöpf hinwegkommt. Ansätze für eine nach-saekulare Spiritualität bietet die Psychologie in zahlreichen Modellen der Humanistischen und der Transpersonalen Psychologie (Bucher 2007, Roth in Hüther, Rotn, von Brück 2008).
Unter dem Paradigmenwechsel der Allverbundenheit verändert sich also unser Forschen, unser Denken und letztlich auch unser Handeln. Der seit einiger Zeit in Mode gekommene Begriff der Achtsamkeit (awareness) ist schon sehr alt und stellt den Einstieg in dieses neue Denken und Handeln dar. Die verschiedenen Formen der Meditation, bei der wir einer je individuell nur erfahrbaren Allverbundenheit näher kommen können, wäre ein zweiter Schritt. Seit einiger Zeit ist die Meditation sogar in den Focus der Forschung gerückt, da erkannt wurde, dass in ihr Erfahrungen gemacht werden, die nachweisbar das Leben positiv verändern (Ricard/Singer 2008). Beide Ansätze sind direkt in die Schule und in unser Leben zu übertragen und führen zur Konzentration und erhöhten Aufmerksamkeit.
Die Aufklärung hat uns zwar frei gemacht von irrationalen Ängsten und von der Ausbeutung unserer Hoffnungen und Ängste durch kirchliche und weltliche Fürsten, aber sie hat das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und das rationale Denken als alleinige Erkenntnisquelle akzeptiert und zur Lebensform hochstilisiert. Heute können wir wieder entspannter sehen, dass es ‚Einsichten’ und bedeutsame Erfahrungen gibt, die nicht logisch und nicht rational ableitbar erscheinen.
4. Der Teufel in Person
Machen wir uns nichts vor: Während wir diese Neuorientierung zelebrieren, feiern in aller Welt die Oligarchen und verprassen die an uns verdienten Milliarden und spinnen ihre Netzwerke der Korruption und Verführung, mit denen sie ihren Reichtum auf unsere Kosten zu vermehren suchen. Angesichts dieser auseinanderklaffenden Parallelwelten stellt sich die Frage, wie gut wir deren Spinnennetze durchschauen und ihnen entgehen können. Bis in die Neuzeit hinein gilt der Teufel als Symbolfigur der Verführung. Nach der Aufklärung bekommen die Verführer in den Geschäftemachern und Trendsettern ein Gesicht und eine Gestalt. Sie möchten uns gerne die Annehmlichkeiten ihrer Angebote verkaufen, uns davon abhängig machen, so dass wir unser Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Zuwendung und Anerkennung mittels ihrer Waren befriedigen. Den ‚Abweichlern’ wird man gerne unterstellen, sich als die besseren Menschen definieren zu wollen, obwohl sie eigentlich neidisch seien auf die Prasser und dass sie sich mit einem erzwungenen Verzicht zu schmücken versuchten. Dennoch: zeigen die Krisen, wie anfällig diese Hilfsmittel sind und wie notwendig es ist, unser Vorstellungen von Glück und Erfolg, die derzeit fest mit ihnen verbunden sind, zu überdenken und neu zu bestimmen.
Diejenigen, die andere Inhalte wie Mitmenschlichkeit, Bescheidenheit, Demut, Respekt und Dankbarkeit als zentral ansehen und sich neue Lebensformen erschließen, brauchen ebenfalls ein Netzwerk, um sich auszutauschen und gegenseitig anzuregen. Es wird nicht darum gehen, möglichst viele für eine Neuorientierung zu gewinnen, sondern für sich einen Weg zu finden und sich darüber auszutauschen. Wer für sich selbst etwas erreicht, eine andere Einstellung, eine andere Lebenspraxis, der hat schon fast das Maximum dessen erreicht, was möglich erscheint. Dabei zeigen etwa die zahlreichen Regionalwährungen, dass andere Formen des Lebens und Wirtschaftens ohne materiellen Verzicht möglich sind. Die auf dem Kongress vorgestellten Modelle im Bildungsbereich und in der Arbeitswelt sind weitere Beispiele auf dem Weg der Verbindung von Ökologie und Ökonomie mit menschlichem Vorzeichen. In diese Forschung und Modellentwicklung zu investieren bringt den Fortschritt, der auch nachhaltig ist.
Literatur:
Brodbeck, Karl-Heinz (2009). Die Finanzkrise als Götterbote. In: Ursache & Wirkung. Die Zeitschrift für Buddhismus, Spiritualität und Gesundheit. http://www.ursache.at/content/view/239/79/
Bucher, Anton (2007). Psychologie der Spiritualität. Handbuch. Weinheim/Basel: Beltz.
Dürr, Hans-Peter (2004). Auch die Wissenschaft spricht nur in Gleichnissen. Freiburg: Herder.
Dürr, Hans-Peter und Raimon Panikar (2008). Liebe – Urquelle des Kosmos. Ein Gespräch über Naturwissenschaft und Religion. Freiburg: Herder.
Felber, Christian (2008). Allverbundenheit, Abhängigkeit: http://www.gea-brennstoff.at
Hüther, Gerald; Wolfgang Roth und Michael von Brück (Hrsg.) (2008). Damit das Denken Sinn bekommt. Spiritualität, Bewusstsein und Selbsterkenntnis – mit Texten des Dalai Lama. Freiburg: Herder.
Human Rights Maps 41 (2009): Global Peace Index: http://filipspagnoli.wordpress.com
NNa (2007). Buddhist Countries not so peaceful after all: http://www.buddhistchannel.tv
NNb (2008).Iraq, Somalia Least Peaceful Countries: Ricard, Matthieu & Wolf Singer (2008). Wie Meditation das Hirn verändert. Verrät die Meditation mehr über den menschlichen Geist als die Naturwissenschaft? Spiegel-Online Wissenschaft. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch
Roth, Wolfgang (2006). Sozialkompetenz fördern – auf humanistisch-psychologischer Basis. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
Russel, George (2008) in Business and Peace. http://www.visionofhumanity.org/businesspeace/ overview.php
The Buddhist Channel: http://www.buddhistchannel.tv
Watzlawick, Paul (1976/2007). Wie wirklich ist die Wirklichkeit – Wahn, Täuschung, Verstehen. Piper, München.
Wilber, Ken (2008). Integrale Spiritualität. Spirituelle Intelligenz rettet die Welt. Dtsch.: München: Kösel.
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Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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