Die heutigen Krisen: eine Denkkatastrophe – ihre Überwindung

von Alexander Caspar aus „Dreigleiderung“
Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustände und Einrichtungen sind Ergebnis des Denkens und der daraus folgenden Handlungen. Das heutige Denken erkennt sich jedoch in den wirtschaftlichen Gegebenheiten, etwa in der aktuellen Schuldenkrise, die ja kein Naturphänomen ist, nicht mehr als das Bedingende wieder. Beruhend auf der Denkungsart einer früheren Kulturepoche, sind derartige sich immer mehr zuspitzende Krisen dem heutigen Wirtschafts- und Finanzsystem innewohnend, und es ist müssig zu meinen, sie könnten aus herkömmlichen, den wirtschaftlichen Problemen nicht mehr gewachsenen Vorstellungen heraus „repariert“ werden. Staatlich diktierte ordnungspolitische Reglementierungen treten an die Stelle gedanklicher Entwirrung des Netzes, in das sich das Wirtschaftsleben im Zuge des ein Eigenleben entwickelnden Geldsystems verstrickt hat.
Wie aber kann man ein den Tatsachen gewachsenes Urteil gewinnen, womit zugleich offen gelegt würde, woran sich die heute herrschenden Gedanken festgefahren haben? Am besten, indem wir unser Augenmerk auf die Grundlagen und den Entstehungsmoment des Wirtschaftens richten, woraus sich im Verlauf der gesellschaftlichen Entwicklung Vorstellungen über Wert, Preis, Einkommen, über wirtschaftliche und rechtliche Einrichtungen wie Eigentum, Geld, Kapital entwickelt und etabliert haben:
  • Allem Wirtschaften liegen Bedürfnisse materieller und geistiger, kultureller Art zugrunde. („Geistig, kulturell“ im Folgenden mit „immateriell“ bezeichnet) Der immaterielle Bedürfnisbereich Wissenschaft und Bildung -man denke nur an die Medizin -hat in den letzten Jahrhunderten immer mehr Bedeutung erhalten.
  • Den Bedürfnissen gegenüber stehen materielle sowie immaterielle Arbeitsergebnisse, im Folgenden auch Leistungen genannt. Wie noch aufgezeigt wird, ist das Angebot immaterieller Leistungen, verbunden mit der Arbeitsteilung, von der Kapitalbildung im eigentlichen Sinn abhängig.
  • Arbeitsteiliges Wirtschaften umfasst den Austausch von materiellen und immateriellen Leistungen.
  • Die in Zirkulationssetzung unveränderter Naturprodukte oder mittels intelligent gelenkter Arbeit veränderter Stoffe der Natur bildet die Grundlage der arbeitsteiligen Wirtschaft. Alle immateriellen Leistungen sind nämlich durch materielle gedeckt. Denn alle Arbeit, die geleistet werden kann, hängt von der Bevölkerungszahl ab, und alles, womit sich die Arbeit verbindet, entstammt der Naturgrundlage. Das ist, was jeder benötigt, wovon jeder lebt. Und für diejenigen, welche wegen geistiger Leistungen oder als „reine“ Verbraucher Arbeit an der Naturgrundlage nicht erbringen, müssen die in der materiellen Produktion Verbleibenden deren Teil miterwirtschaften.
  • Durch Bedürfnis und Leistungserbringung erhalten Leistungen einen wirtschaftlichen Wert. Um dessen Erfassung und Stellung in der Wirtschaft als unabdingbare Voraussetzung eines Ausgleiches zwischen den menschlichen Bedürfnissen und dem Wert der menschlichen Leistungen wird es im Folgenden im Wesentlichen gehen. Die Wirtschaft hat es mit Werten, repräsentiert durch materielle und immaterielle Arbeitsergebnisse, zu tun.
  • Der durch Bedürfnis und Leistungserbringung initiierte Wirtschaftskreislauf besteht im Austausch von Werten, die über den Preis kommunizieren. Der Preis ist dabei das Resultat des im Austauschprozess erfolgenden Aufeinandertreffens von Wert gegen Wert.
  • Mit der Arbeitsteilung strebt der von Bedürfnis und Leistungserbringung dem Arbeitsergebnis im Zustand der Selbstversorgung zugeteilte einheitliche Wert auseinander, und es entsteht für jeden als Bedürfnisträger und Leistungserbringer die Frage, wieweit er aus dem Preis seiner Leistung seine Bedürfnisse (s.u.) aus den Leistungen anderer zu befriedigen in der Lage ist.
  • Die Preisfrage ist innerhalb der wirtschaftlichen Betrachtungen das Wichtigste. Ein richtiger Preis ist dann vorhanden, wenn der Erzeuger einer Leistung so viel als Gegenwert erhält, dass er seine Bedürfnisse, die Summe seiner Bedürfnisse, wozu auch die Bedürfnisse derjenigen zählen, die zu ihm gehören, bis zur Herstellung eines gleichen (oder gleichwertigen) Produktes befriedigen kann.
Diese Forderung, zugleich aber auch die zu lösende Aufgabe, beinhaltet, dass Preis und Wert der Leistung nicht von vornherein identisch sind, dass der Preis, um obiges Kriterium zu erfüllen, dem Wert permanent zustreben, idealiter sich mit ihm decken sollte. Damit ist nicht der sogenannte Gleichgewichtspreis gemeint, der den Markt räumt, der nach der Theorie zustande kommt, wenn Angebot und Nachfrage durch die Rückwirkung des Preises auf diese zur Deckung gebracht worden sind. Denn die Deckung der abstrakten Begriffe Angebot und Nachfrage gewährleisten nicht von vornherein den „richtigen“ Preis im Sinne obiger Forderung.
Das Verständnis des wirtschaftlichen Wertes
Man muss einsehen, dass man beim Ausbilden wirtschaftlicher Theorien – bei der Wert- und Preisdefinition – daran gestrauchelt ist, dass man etwas ständig Fluktuierendes wie den Wirtschaftsprozess nach naturwissenschaftlicher Methode als etwas aus Ruhepunkten Zusammengesetztes zu erfassen trachtete. Daher hat sich eine Anschauung herauskristallisiert, wonach der Wert wie der Preis eine Funktion von Angebot und Nachfrage sei. Das ist wie in der Naturwissenschaft Ergebnis einer äusseren Beobachtung: Ich gehe auf den Markt und beobachte, wie Angebot und Nachfrage wirken. Ich erfasse dabei aber nicht, was sich in der Wirklichkeit zwischen Produzent als Anbieter einer Leistung und Konsument als Nachfrager einer Leistung abspielt; was den Warenanbieter zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort zur Geldnachfrage veranlasst, wie der Warennachfrager zu dem die Nachfrage ermöglichenden Geld kommt. Denn beide sind in der Doppelrolle von Anbieter und Nachfrager: nämlich einerseits Anbieter von Ware und Nachfrager nach Geld, anderseits Anbieter von Geld und Nachfrager nach Ware. Und es ist nicht nur der Preis abhängig von Angebot und Nachfrage, sondern es sind auch umgekehrt Angebot und Nachfrage abhängig vom Preis.
In Bezug auf den „richtigen“ Preis, das heisst, in Bezug auf die Deckung von Bedürfnissen und Wert der Leistungen sagt die abstrakte Vorstellung vom Preis als dem Resultat von Angebot und Nachfrage nichts aus, das heisst, bleibt der Preis im Unbestimmten, egal ob aus Tausch von Gütern oder Ware gegen Geld resultierend. Geht man von der Annahme aus, dass im Preis Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht sind, hiesse das nach dem Satz der Identität, dass sie gleich wären in Bezug auf eine übergeordnete Mass-Grösse. (A1 und A2 sind im Gleichgewicht, wenn sie in Bezug auf den Gewichtsdruck im gleichen Verhältnis stehen.) Das wäre beim „richtigen“ Preis der wirtschaftliche Wert als eben diese übergeordnete Grösse, beim heute zustande gekommenen Preis ist es eine unbestimmte Zahl, was auch für den Wert im herkömmlichen Verständnis gilt. Nun spielt in die Preisbildung die Geldwirtschaft hinein, und da die heutige Geldschöpfung mangels Erkenntnis keinen inneren, notwendigen Bezug zum wirtschaftlichen Wert hat – worauf wir noch zu sprechen kommen -, wird aus dem vermeintlich gleichgewichtigen und damit gleichwertigen Tauschen ein Täuschen.
Ob man im Hinblick auf Kapitalrendite ein Gut erzeugen will, darüber mag die Nachfrage entscheiden. Ob eine Leistung zu einem Preis erbracht werden kann, der ihrem Wert im Sinne des „richtigen“ Preises entspricht, darüber kann die Nachfrage allein nicht entscheiden. Um das Verständnis dessen, wie im Währungsraum aus bedürfnisbedingter Nachfrage resultierende Preise zu „richtigen“ Preisen werden, werden können, wird es, wie eingangs unter dem fünften Punkt erwähnt, im Folgenden gehen.
Geht man mit dem heutigen, auf die Epoche des römischen Imperiums zurückgehenden Verständnis des wirtschaftlichen Wertes vom fertigen Arbeitsergebnis und dessen Preis aus, ist das daraus abgeleitete Rechtsverständnis so, dass der Verkaufserlös dem Eigentümer des Bodens oder der künstlichen Produktionsmittel, mittels deren die Arbeitsergebnisse erbracht wurden, zusteht, und der aus dem Verkaufserlös des Arbeitsergebnisses nach Abzug der Herstellungskosten einbehaltene „Mehrwert“ ist dann nach heutiger Auffassung das Kapital beziehungsweise die Kapitalrendite des Eigentümers. Daraus ergeben sich Probleme, mit denen die Menschheit heute offensichtlich nicht zu Rande kommt: Verkaufserlöse und Einkommen sind aufgrund der geschilderten heutigen Wertauffassung einander bedingende Variable, also muss Verbrauch oder blosser Verschleiss Arbeit schaffen, welche Einkommen schafft, die wiederum Verbrauch schaffen; andernfalls gibt es ein Konjunkturproblem mit beeinträchtigenden Folgen für Arbeit und Einkommen, wie wir sie aus Überproduktionskrisen und aus Kaufkraftmangel kennen. Indem nach heutiger Auffassung Arbeit aus dem Kapital heraus bezahlt wird, wird sie zum Unkostenfaktor, den es mit Rücksicht auf die Kapitalrendite nach Möglichkeit auszuschalten, zu beseitigen gilt mit dem Resultat der Arbeitslosigkeit. Andererseits ist Arbeit die Gelegenheit, um zu Einkommen zu kommen. Und so liegt der Impuls des heutigen Wirtschaftens darin, Kapital und Arbeit über die Menge des Gütererzeugens -und sei es Verschleiss, unnötige Arbeit, Arbeitsbeschaffung -ein möglichst hohes Einkommen zu verschaffen.
Der systembedingten Unsicherheit, zu existenzsicherndem Einkommen zu kommen, meint die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens Abhilfe schaffen zu können. Ein Vorschlag zu seiner Finanzierung lautet über eine auf den Warenpreisen erhobene Steuer, eine sogenannte Konsumsteuer. Nach wie vor würde ein solches Einkommen aus dem Kapital nach heutigem, oben erläutertem Verständnis bezahlt, weil ja diese Konsumsteuer als ein Prozentsatz des Leistungserträgnisses erhoben würde, wie alle heutigen sozialen (im Grunde sozialistischen) Ausgleichszahlungen vergütet in Form einer Umlagerung der Geldmittel beziehungslos zu den Konsumtionsmitteln, das heisst, ohne Nachweis seines Zusammenhanges mit der Leistungserbringung, der Produktion. Einkommen sind ja Anweisungen auf Konsumtionsmittel, die bedürfnisbedingt von Einkommensempfängern selbst oder für solche von Dritten im Rahmen rechtlich festgelegter gesellschaftlicher Zusammenhänge erwirtschaftet werden. Die Fiktion des leistungslosen Grundeinkommens liegt darin, dass dieses Konzept einer zunächst einmal leistungslosen Rente seine durch blosse Geldumlagerung gedachte Freistellung von Arbeit im wirtschaftlichen Sinn das für eine Gesellschaft erforderliche transparente Verhältnis, wer für wen was bedürfnisbedingt und damit auch aus einer Notwendigkeit heraus erzeugt, mangels der Erkenntnis des Begriffes des wirtschaftlichen Wertes im Unbestimmten lässt, das heisst, nicht in der Lage ist klarzulegen, wie dieses „Grund“einkommen durch materielle Leistungen unterlegt ist. Ausserdem hält das Konzept des Grundeinkommens Einkommen und Leistungserträgnis, also Warenpreise, gemäss waltendem System gerade in dem Abhängigkeitsverhältnis, das, wie im Folgenden aufgezeigt wird, zu überwinden ist, so dass der Wert der Leistungen über den Preis in den Bedürfnissen einkommensbedingt aufgeht. Es könnte sich nämlich herausstellen, dass zur blossen Existenzsicherung das Grundeinkommen gar nicht ausreichen würde. Wie wir noch sehen werden, müssen Einkommen im Zusammenhang mit dem begrifflich neu zu fassenden wirtschaftlichen Wert und nach diesem sich richtenden „richtigen“ Preisen gedacht werden.
Kapitalwachstum auf der Basis der heutigen Vorstellung und des heutigen Verständnisses von Kapital als dem geldlich individuell ausscheidbaren Mehrwert ist nur möglich durch forciertes Wachstum der materiellen Produktion bei gleichzeitiger Erhöhung der Geldmenge, die Kreditgeldmenge durch die Geschäftsbanken als Vorfinanzierer zusätzlicher Produktion inbegriffen. Die Erhöhung der Geldmenge, die natürlich durch eine Erhöhung der materiellen Produktion untermauert werden muss, damit sie nicht in einer Inflation verpufft, ermöglicht die Erzielung eines Kapitalwachstums, ohne einen Konflikt zwischen Kapitaleinkommen und Arbeitseinkommen im Seilziehen um den Verkaufserlös auszulösen. Letzteres Problem wurde mit der Geldschöpfung aus dem Nichts nach 1971 (der damaligen Aufhebung des Gold-Dollar-Standards und des Systems fester Wechselkurse) vorerst „gelöst“; ja, unter der Bedingung des Wachstums konnten „Profitrate“ und „Lohnrate“, sogar beide zusammen wachsen. Der frühere Kampf um die Geldmenge zwischen „Arbeitsleistern“ und Kapitaleigentümern im heutigen Sinn ist jetzt allerdings in einen globalen Kampf um Wachstum, ist in den Wachstumszwang ausgeartet mit teils grotesken Vorstellungen über das Ausmass bestimmter Einkommens“raten“. Aus der Gesellschaftsordnung so viel Kapitalrendite und zur Behebung von deren Kollateralschäden als systemerhaltende Gegenwirkung Zwangsabgaben (Steuern) herauszupressen als nur möglich, ist dem System aufgrund seiner Denkungsart, des heutigen Verständnisses von Kapital und staatlicher Ordnungspolitik eigentümlich, was im Begriff ist, die Gesellschaft zwischen Chaotisierung und Verbürokratisierung aufzureiben. Aus der Denkkatastrophe wird eben eine gesellschaftliche Katastrophe. Angesichts dessen sind auch die politischen Parteien hilflos, in ihrer vom Parlamentarismus her geprägten „rechts“-„links“-Orientierung eigentlich überholt: die Welt von gestern. Ob kapitalistisch oder sozialistisch-kommunistisch, Kapitalismus und Sozialismus-Kommunismus haben die gleichen Begriffe von wirtschaftlichem Wert, Kapital, Lohnzahlung, Geldschöpfung, Eigentum.
Man wird am bestehenden System erst etwas ändern und die unliebsamen Begleiterscheinungen des heutigen Kapitalverständnisses, nämlich Konjunktur, Arbeitslosigkeit, Wachstumszwang, auch das Problem der Landwirtschaft in ihrem Verhältnis zur Industrie erst lösen, wenn man gedanklich in der Lage und willens ist, für das Arbeitsergebnis den Begriff des wirtschaftlichen Wertes gegenüber dem Preis zu fassen, und -als das Allerentscheidenste -man dann die Währung daran bindet, das heisst, einen Parallelismus* von Sachwert und Zeichenwert (monetärem Wert) schafft, wodurch ein innerer, nicht wie heute höchstens oder bestenfalls statistischer Zusammenhang zwischen Leistungen und Geld gegeben ist und ein Transparenz schaffendes Instrument des Messens entsteht. Dazu braucht es ein gegenüber der heute von der Naturwissenschaft geprägten wissenschaftlichen Methode Unterschiedliches im Herleiten des Begriffes; denn die Naturwissenschaft ist eine theoretische Wissenschaft, die Wirtschaftswissenschaft eine theoretische und praktische, eine Seins-und Sollwissenschaft. Erstere steigt von der Erscheinung als dem Bedingten zu dem begrifflich Erfassbaren als dem Bedingenden auf; in letzterer ist das Bedingte zugleich das Bedingende, fallen das Bewirkende und das Bewirkte zusammen. Das Erzieherische der Naturwissenschaft sollte man allerdings darin sehen, auf Gedanken unabhängig von ihren Trägern wie auf Naturobjekte betrachtend einzugehen, ohne sie, weil ungewohnt beziehungsweise unbekannt, von herkömmlichen Vorstellungen dogmatisiert zu etikettieren.
Wenn man die drei Produktionsfaktoren, durch deren Ineinanderwirken sich nach der herkömmlichen Lehrmeinung die Wirtschaft abspielt, nämlich Natur, Arbeit, Kapital nebeneinander in Bezug auf das fertige Arbeitsergebnis betrachtet, kommt man in der Wertfrage nicht weiter. Der Wert der Produktionsfaktoren Natur oder Arbeit, jeder für sich genommen, ergibt eine naturwissenschaftlich definierte Grösse, z.B. Kalorien, aber keine wirtschaftliche. Einen wirtschaftlichen Wert hat erst das durch Arbeit hervorgebrachte Naturprodukt, das heisst, die durch Arbeit hervorgebrachte Ware im Vergleich mit ebenso entstandenen anderen Waren.
Man muss vom Prozess der Wertbildung ausgehen, indem man die Arbeit nicht für sich betrachtet, weil die Arbeit an sich gar keine Bestimmung im wirtschaftlichen Zusammenhang hat, sondern in ihrem Zusammenwirken mit zwei Polen: Stoff in Form der Natur und organisierendem Geist in der Erscheinung menschlicher Intelligenz. Körperliche Arbeit, unmittelbar angewandt auf die Natur, bildet die dingliche Grundlage des wirtschaftlichen Wertes (im folgenden Naturgewinnungswert oder W1 genannt) und als solche allein die Grundlage der messbaren Grösse des Wertes, weil Mass, Zahl und Gewicht auf Seiten des Stoffes liegen; es ist der Zustand des vorwirtschaftlichen, an der Grenze zur Tierwirtschaft stehenden Selbstversorgertums, in dem der vom Bedürfnis einem Gut erteilte und der von dessen Herstellung geforderte Wert noch zusammenfallen, eine Einheit bilden. W1 für sich allein hat noch den Charakter des Naturwertes und liefert noch nicht den wirtschaftlichen Wert als Mass in Form einer Zahl.
Es ist der Lebensunterhalt einer Gemeinschaft im Zustand körperlicher Arbeit unmittelbar an der Naturgrundlage. Nun erhält die Arbeit selbst – eben diese mit der Natur bzw. dem Stoff verbundene Arbeit einen wirtschaftlichen Wert, wenn und indem sich menschliche Intelligenz mit ihr verbindet, das heisst, sie zu wirtschaftlichen Arbeitsergebnissen hinlenkt, organisiert und ein verändertes Naturprodukt in Zirkulation bringt; wir geben ihm die Bezeichnung Organisationswert oder W2. W2 führt von der an der Grenze der „Tierwirtschaft“ stehenden „Selbstversorgerwirtschaft“ zum arbeitsteiligen Wirtschaften; W2 leitet die Trennung der Einheit von Bedürfniswert und Herstellungswert ein. Der Wert der geistig modifizierten Arbeit, also W2, bemisst sich invers polar* zu W1 in ersparter körperlicher Arbeit unmittelbar an der Naturgrundlage: das eigentliche Kapital, nämlich der Gegenwert ersparter körperlicher Arbeit unmittelbar an der Natur. In Anlehnung an das archimedische Prinzip in der Mechanik können wir sagen: der Wert der geistigen Arbeit entspricht dem, was sie an körperlicher Arbeit an der Natur erspart. Der Organisationswert (W2) führt zur Einsparung körperlicher Arbeit am Stoff; als Technik führt er zu stofflichen Mehrleistungen. Ohne W2 gäbe es keine wirtschaftliche Entwicklung, aber ohne W1 könnte sich W2 nicht verwirklichen.
Die neue Geldschöpfung: die Währung als Instrument des Messens
Mit und aus der Kapitalbildung folgt das Geld als Mittler und gedanklicher Schluss. Das Geld ist Ausdruck der durch Arbeitsteilung erwirtschafteten Werte, die mittels ihm von einem auf den anderen übertragen werden können. Indem man eine bestimmte Geldmenge dem Ergebnis körperlicher Arbeit einer bestimmten Bevölkerungszahl auf der von ihr zur Existenz benötigten Bodenfläche gleichsetzt, wandeln wir oben definierten Naturwert W1 in den messbaren wirtschaftlichen Wert um, in das Urmass, die Richtgrösse für die sonst unbestimmte Zahl des Preises. Damit machen wir das Bedingte, nämlich den Naturgewinnungswert, zum Bedingenden: Der Naturgewinnungswert in der Funktion des Geldes, und im so geschaffenen Parallelismus von Sach-und Zeichenwert verbinden sich Seins- und Sollwissenschaft. Das Geld wird dann zur Buchhaltung der Leistungen, die Geldmenge geht in den Leistungen auf. Wiederholen wir diesen Gedanken in anderer Form, in mehr buchhalterischer Form: In Übereinstimmung mit oben skizziertem Naturgewinnungswert, der Wertbildung am Naturpol, stellen wir uns eine Anzahl Menschen, bloss körperlich arbeitend, in der Bodenbearbeitung vor; man kann ja denken, es handle sich um die Urbarmachung eines unbearbeiteten Terrains, und wir bevorschussten die Menschen mit Geld. Was die Gruppe Menschen darauf dann an Naturprodukten erwirtschaftet, ist das Existenzminimum, die dingliche Seite des Naturgewinnungswertes, den wir nominell in unserer neu zu führenden Buchhaltung als Aktivum mit dem Zahlenwert des auf der Passivseite figurierenden Vorschusses , das heisst , eines damit neu geschöpften Geldes als die Währung einsetzen. Wegen ihrer Identität mit wirtschaftlichem Wert und Einkommen bildet diese Währung das Instrument des Messens, so dass ein Ausgleich zwischen bedürfnisbedingten Marktpreisen und den von der Leistungserbringung geforderten „richtigen“ Preisen möglich wird. In diesem Urwert wirkt der Organisationswert als körperliche Arbeit unmittelbar an der Naturgrundlage ersparender Faktor, solche körperliche Arbeit von ihrer Unmittelbarkeit an der Naturgrundlage loslösend und damit kapitalbildend, dessen nomineller Wert sich in erspartem Naturgewinnungswert bemisst.
Für den Menschen ergibt sich der wirtschaftliche Wert als Mass dadurch, dass er an der Wertbildung durch seine körperliche Arbeit beteiligt ist. Die Geldmenge ist daher parallel zur Wertbildung an die Bevölkerungszahl des betreffenden Währungsraumes gebunden. Aus dem jetzigen Verständnis der Wertbildung und des Wertbegriffes folgt, dass sich für die gegenseitige preisliche Bemessung Arbeitsergebnisse für sich genommen nicht ohne weiteres vergleichen lassen. Also, man kann nicht ohne weiteres fragen, wie viele Hemden entsprechen einem Kleiderschrank. Aus dem Tausch eines Apfels gegen 70 Rappen kommt man nie zu einer wirtschaftlichen Betrachtung. Der Wert des Arbeitsergebnisses ergibt sich aus dem oben charakterisierten Arbeitsprozess, und der Preis für das Arbeitsergebnis des einzelnen lässt sich aus dem Verständnis der Geldschöpfung -jetzt monetär-zahlenmässig -auf das Wertverhältnis zurückführen, bis zu dem Wertverhältnis zurückverfolgen, das für die Bodenarbeit herbeigeführt wird durch das Verhältnis der Bevölkerungszahl zu der benötigten, brauchbaren Bodenfläche. Das Geld ist die Erinnerung an das Urmass, mit dem sich der Geldpreis vergleichen lässt. Weil sich W1 und W2 kompensieren (W2 als Minus; Vergleich mit archimedischem Prinzip bedenken) bleibt bei gleicher Bevölkerungszahl der Wert sämtlicher Arbeitsergebnisse, ungeachtet ihrer Vermehrung, gleich. Das heisst, die Preise für die einzelnen Arbeitsergebnisse sinken in Abhängigkeit von der Zunahme von W2 und von der Zahl in der materiellen Produktion Tätiger im Verhältnis zu der Zahl geistig Tätiger und reiner Verbraucher.
Mit dem Verständnis von W2, seiner Wirkung auf die eigentliche Kapitalbildung in der Bodenbearbeitung (Landwirtschaft) und auf die Preisbildung wird uns auch die heutige Problematik zwischen Landwirtschaft und Industrie gerade in den kapitalkräftigen Ländern verständlich: Wie wir schon feststellten ist ein geldlich individuell ausscheidbarer Gewinn auf dem Ertrag des Produktiveigentums nach römischem Recht, eine Kapitalrendite im heutigen Sinn, nur möglich, wenn die Geldmenge mit der Menge der materiellen Arbeitsergebnisse aufgrund der Zunahme von W2 (Rationalisierung) wächst, was auf eine Monetarisierung von W2 hinausläuft. Das bedeutet, die Landwirtschaft kann vom Verbrauch und von den Naturgegebenheiten her die Palette ihrer Produkte nicht so erweitern und vermehren wie die Industrie, und statt der preisreduzierenden Wirkung von W2 werden mit besagter Geldmengenvermehrung im Zusammenhang mit der Zunahme der materiellen Produktion die Industriepreise im Gesamtdurchschnitt relativ zu den landwirtschaftlichen Preisen „aufinflationiert“ und W2 zu individuell ausscheidbarem Kapitalgewinn. Damit wird der Kompensationseffekt, der vom Organisationswert auf den Naturgewinnungswert ausgeht, an dessen Pol die wertebildende körperliche Arbeit ihren höchsten Zahlenwert hat -man erinnere sich an obige Darstellung der Geldschöpfung -, und der den Wert der dank W2 zunehmenden einzelnen Leistungen zahlenmässig verringert, zunichte gemacht. Aller Industrialismus lebt im Grunde vom Überschuss der Landwirtschaft, die Industrie arbeitet mit einem Passivum gegenüber der kapitalbildenden Bodenbearbeitung; die Industrie ermöglicht mit ihren Arbeitsergebnissen wiederum die Kapitalbildung. Von dieser her muss man die Wertbildung und „richtige“ Preisbildung sehen. Der Wert der von der unmittelbaren Bodenbearbeitung emanzipierten handwerklich-industriellen Produktion entspricht der dortigen Arbeitsersparnis, also dem zu deren Erzeugung von der Bodenbearbeitung erwirtschafteten Kapital. Und als Merkmal des Parallelismus von Sach-und Zeichenwert ist mit Bildung von Kapital, soweit dieses der materiellen Produktion und nicht dem Verbrauch zugeführt wird, eine Senkung des allgemeinen Preisniveaus im Währungsraum gegeben: der Effekt gegenseitiger Kompensation von W1 und W2.
Der Begriff der Sozialquote
Nennen wir den Quotienten aus der Division der Geldmenge dividiert durch die Bevölkerungszahl „Sozialquote“, das abstrakt rechnerische pro Kopf-Einkommen. Denkt man sich die von den in der materiellen Produktion Tätigen arbeitsteilig erwirtschafteten Sozialquoten durch das neue Geld transparent miteinander vernetzt, sind in allen Sozialquoten des Währungsraumes diese materiellen Leistungen in Form sich aufdividierender Werte enthalten. Mit den Bedürfnissen verändert sich natürlich die Gewichtung bestimmter Leistungen innerhalb der Sozialquoten. Mit der mengen-und artmässigen Zunahme der materiellen Leistungen dank W2 dividiert sich jede Sozialquote immer mehr auf; der Wertanteil der eigenen Leistung innerhalb der Sozialquote wird immer kleiner. Je grösser der Organisationswert und dadurch potentiell arbeitsteiliger und leistungsfähiger die Wirtschaft ist, umso mehr Arbeitsergebnisse stehen dem einzelnen zur Verfügung, entfallen auf seine Sozialquote, und umso mehr Sozialquoten kann er zusätzlich für andere, geistig Tätige, reine Verbraucher erwirtschaften.
Durch Kapitalbildung und Kapitalverbrauch wird das bei theoretisch nur körperlicher Arbeit notwendigerweise fixe Verhältnis von wirtschaftlichem Wert und Einkommen des einzelnen von der Egalisierung im Währungsraum befreit; die sonst starre Bindung der (Markt)-Preise an den wirtschaftlichen Wert beziehungsweise die Sozialquote löst sich jetzt mit den Bedürfnisveränderungen. Der Ausgleich wiederum zwischen Marktpreis und „richtigem“ Preis (wirtschaftlicher Wert/Sozialquote) ohne Zwangswirtschaft oder Marktchaos mittels der als Mass geschaffenen Währung bildet, wie noch erläutert wird, das gemeinsame, wesentliche Interesse von Produzenten und Konsumenten im Währungsraum. Das Fluktuierende in der Wertbildung am Naturpol (Ergiebigkeit des Bodens) und am Geistpol (Fähigkeiten, Begabungen) erfordern keine Egalisierung der Einkommen, auch nicht zwischen den Währungsräumen; sie ist aber auch existentiell nicht erforderlich, denn dadurch, dass immer mehr Leistungen durch Organisation der Arbeit aus der materiellen Produktion hervorgehen, können selbst bei Einkommensunterschieden die auf die Sozialquoten der unteren Einkommen entfallenden Leistungen in der Folge zunehmen. Eine gewisse Kompensation zwischen den Wertpolen in einem Währungsraum und zwischen Währungsräumen in dem Sinne, dass mangelnde Bodenergiebigkeit durch Erfindungen, Verfahrensverbesserungen in der Produktion und umgekehrt mangelnder menschlicher Geist durch Reichtum der Natur ausgeglichen wird, wird sich aus dem neuen Wert-, Kapital-und Geldverständnis ergeben.
Allerdings muss man dem Befreienden, das vom Geistpol ausgeht, das Gesetzgebende, dem das vom Naturpol Ausgehende unterliegt, gegenüberstellen. Denn, wenn man das von einer Bevölkerungszahl an der Naturgrundlage Erarbeitete unter Berücksichtigung des Produktivitätsgewinnes als Grundrente bezeichnet, muss man eigentlich sagen: Es kann niemand mehr verdienen, es kann einer noch so viel arbeiten, als was dem Quotienten aus der Division der Grundrente dividiert durch die Bevölkerungszahl entspricht. Wenn einer mehr erhält, tut er das aus den gesellschaftlichen Zusammenhängen heraus, in denen er drinnensteht und die ihm erlauben, ein Mehr auf sich zukommen zu lassen; das Verhältnis von Einkommen zur Sozialquote beruht auf Teilungsverträgen. – Das ist ein auch heute schon bestehender, aber verdrängter Tatbestand.
Nun könnte argumentiert werden: in der hier als zukünftig skizzierten Wirtschaft werde doch wie im heute herrschenden System das Einkommen aus dem Verkaufserlös des Arbeitsergebnisses bezahlt. Ja, nach seinem vereinbartem Grössenverhältnis zur Sozialquote, aber jetzt nicht mehr als in Abhängigkeit vom Leistungserträgnis gedacht. Die Einkommen der in der materiellen Produktion Tätigen und der ihnen anhängenden geistig Tätigen und reinen Verbraucher – abstrakt als Sozialquoten gerechnet – sind keine Variablen der Preise. Kriterium der Wirtschaftlichkeit der Unternehmen ist ja jetzt die Erwirtschaftung der Sozialquoten nach der Bevölkerungszahl.
Ein Einwand gegen den hier entwickelten Wertbegriff ist, es sei doch alles, was die Wertbildung ausmache, im Fluss: die Bedürfnisse, die Nachfragen, die Ergiebigkeit der Natur, die Fähigkeit, Begabung der Menschen, und daher könne man den Wert nicht fassen. Dem ist zu entgegnen: Dazu dient ja die Bindung des Geldes, der Geldmenge an die Bevölkerungszahl und die Projektion der Geldmengenzahl auf das jeweilig entsprechende Ergebnis körperlicher Arbeit unmittelbar an der Naturgrundlage und der daraus kapitalbedingt abgeleiteten Leistungen. Natur-und geistbedingt mag der wirtschaftliche Wert aufgrund des Fluktuierenden (Ergiebigkeit des Bodens am Naturpol, Kapitalbildung am Geistpol), dinglich gesehen, variieren, aber er ist zahlenmässig (monetär) zu erfassen und variiert solchermassen mit der Bevölkerungszahl. Bedürfnisbedingt mögen, dinglich gesehen, mehr oder weniger materielle Leistungen auf jede Sozialquote entfallen, was sich in den Preisen spiegeln würde, was aber nicht eine Einbusse des Lebensstandards wie der heutige Konjunktureinbruch bedeutete; dafür stehen bedürfnisbedingt mehr Sozialquoten für geistige Leistungen zur Verfügung oder ergäbe sich eine kürzere Arbeitszeit. Ausgangslage für die Wertbildung sind also: die Gegebenheiten der Pole Natur und Geist, für die aus deren Verbindung mit der Arbeit auf die Sozialquoten entfallenden Leistungen: die Bedürfnisse. Die Erfüllung der Sozialquoten bei freier Bedürfnisentfaltung im Zeichen von Angebot und Nachfrage ist das Entscheidende, auch möglich, weil ja Einkommen und Leistungserträgnisse nicht mehr einander bedingende Variable sind.
Es gibt keinen Wachstumszwang, von dem der Lebensstandard abhängig wäre; Arbeitslosigkeit und Konjunktureinbrüche im heutigen Sinn fallen weg. Denn der Gewinn in der als zukünftig skizzierten Wirtschaft entspricht dem realisierten Organisationswert als Kapital, das die aus der materiellen Produktion hervorgegangenen Werte zahlenmässig auf ein Geringeres zurückführt: eine allgemeine Verbilligung der Leistungen. Dagegen ist die heutige Form des Gewinnes als aus dem Leistungserträgnis individuell ausscheidbare Geldmenge nur möglich bei Erhöhung der materiellen Produktion und parallel dazu der Geldmenge oder durch Verringerung der aus dem Kapital nach heutiger Auffassung zu bezahlenden Einkommen. Durch die Technik und die wirtschaftliche Nutzbarmachung von Ergebnissen der Naturwissenschaften überhaupt ist der Organisationswert, W2, zum massgeblichen Produktionsfaktor geworden. Dieser für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung so förderliche Umstand, dem gehobenen allgemeinen Wissens- und Bildungsstand zu verdanken, ist durch die Dialektik, wonach mit dem waltenden Geldsystem, der waltenden Art der Geldschöpfung, W2 zu etwas individuell Ausscheidbarem geworden ist, was als Antrieb, ja sogar Sinngebendes des heutigen Wirtschaftens hingestellt wird, dieser wohlstandsfördernde Organisationswert zu etwas absolut Zerstörerischem, alles Niederwalzendem geworden: zur Kapitalrendite. Eigentlich ein Ideal, aber nicht in der mit Macht, Gewalt, Instinkt verbundenen heutigen Form des Zwangshaften. Das ist eben, was sich von der naturwissenschaftlichen Methode unterscheiden muss: die Bewusstwerdung des Organisationswertes als inverse Polarität zum Naturgewinnungswert. Zur Vermeidung von Konjunkturproblemen, Arbeitslosigkeit, Wachstumszwang muss die materielle Produktion vom Bedürfnis, darf nicht wie heute vom Leistungserträgnis als dem Initiator des Wirtschaftens ausgehen. Ihr Erfolg ist einerseits abhängig vom Reichtum der Natur (Stoffergiebigkeit), andererseits von Fähigkeiten, Begabungen, Bildung (Kapitalbildung). Das bedürfnisbedingte Zuviel oder Zuwenig materieller Leistungen findet seinen gegenseitigen Ausgleich im gesellschaftlichen Bereich des Geisteslebens, also Wissenschaft, Bildung, Kunst, und/oder der Arbeitszeit, Arbeit jetzt nicht mehr als wirtschaftliches Gut betrachtet, sondern in die Sphäre des Rechts gestellt. Der Gesundheitssektor steht wie das Geistesleben auf der Seite des Kapitalverbrauchs, dessen Höhe abhängig ist von der Kapitalbildung überhaupt und des Kapitalerfordernisses in der materiellen Produktion zu deren Erhaltung oder Erhöhung.
Waren die Menschen bisher in Religionsgemeinschaften, Ständen oder politischen Parteien zusammengefasst, werden sich im prospektiven Währungsraum Produzenten und Konsumenten mit der Bewusstwerdung der neu gefassten, die Arbeitsteilung übergreifenden wirtschaftlichen Prinzipien (invers-polare Wertbildung mit Parallelismus Wert/Währung) auf deren zu handhabender Basis zusammenschliessen, um aus ihren Einzelkenntnissen und -erfahrungen heraus die Produktion der Landwirtschaft im Rahmen ihrer natürlichen Gegebenheiten sowie der Industrie auf die Bedürfnisse der Bevölkerung auszurichten. Allgemein ist ein Ausgleich zwischen Produktion und Konsumtion in Befolgung der sich aus der Kapitalbildung ergebenden Preisbildung u.a. mittels Arbeitsverlagerung zu besorgen. Dadurch fällt der Zufall des Marktes weg, kommt ein Ausgleich zwischen Bedürfnis und Wert der Leistung zustande, ohne dass an die Stelle des freien Verkehrs im Zeichen von Angebot und Nachfrage eine Zwangswirtschaft tritt, und so kann sich der Einzelwille mit dem überschauenden Gemeinsinn identifizieren. Freiheit und Notwendigkeit finden hierin einen Ausgleich, Freiheit im Geistigen mit Notwendigkeit im Stofflichen. Die Währung, wenn in ihrer Schöpfung aus dem wirtschaftlichen Wert verstanden, ist das in ihrem Raum Denken und Wollen der wirtschaftenden Menschen Vereinigende, die nunmehr keine Veranlassung und Mittel finden werden, in ungerechter und unmoralischer Weise zu umgehen, was im Sinne dieser ihrer Gemeinschaft liegt.
Ob man für die gegenseitige Wertbemessung der Arbeitsergebnisse den Prozess der Wertbildung durch die sich einerseits mit der Natur, dem Stoff verbindende und andererseits vom Geist gelenkte Arbeit zugrunde legt oder vom Preis des fertigen Arbeitsergebnisses ausgeht, hat für den Ablauf des arbeitsteiligen Wirtschaftsprozesses, ja für die Gestaltung der Gesellschaft überhaupt immense Bedeutung. Der Staat als Transferagent, als Finanzierer des Sektors Bildung und Wissenschaft sowie des sogenannten sozialen Ausgleichs wird obsolet. Durch den neu gefassten Begriff des wirtschaftlichen Wertes und des Kapitals erhalten Wirtschaft und Bildung in der Gesellschaft Eigenständigkeit, und das von der Entstehung her wertmässig transparente Verhältnis der Arbeitsergebnisse zueinander im Wirtschaftsleben schafft auch im Rechtsleben ein anderes Bewusstsein von der Bedeutung und dem Gültigkeitsbereich des Eigentums. In Verbindung mit dem neuen Kapitalbegriff, der ja auf dem neuen Wertbegriff beruht, verliert der herkömmliche Eigentumsbegriff in Bezug auf Produktionsmittel seinen Sinn, egal ob als Privateigentum oder Gesellschaftseigentum vorgestellt, wobei unter letzterem meistens sowieso Fiskalisierung verstanden wird. (Die Geldmenge geht zeitlich parallel in den Leistungen auf; ab Erstellung sind Produktionsmittel keine handelbaren Leistungen mehr.)
Der neue Kapitalbegriff
Die Entstehung von Kapital im neuen Verständnis und die Verfügung über dasselbe in seiner zum Produktionsmittel realisierten Form sind nicht daraufhin angelegt, mittels Eigentum im herkömmlichen Sinn wirtschaftliche Arbeit in Abhängigkeit zu zwingen. Worauf es in Unternehmungsleitung und Produktion ankommt, ist, dass auf der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungsstufe Kapital das Mittel ist, durch das individuelle Fähigkeiten für weite Gebiete des sozialen Lebens nutzbringend wirksam werden können. Eine fruchtbare Betätigung individueller Fähigkeiten mittels Kapital kann allerdings nicht ohne Verfügung über dieses eintreten. Die Verfügung über Kapital in Form eines Produktionsmittels wird durch einen Rechtstitel vermittelt, der sich aus dem Wertbegriff und der daran gebundenen Geldschöpfung ergibt (an Fähigkeiten gebundener, nicht handelbarer Besitz auf Zeit). Damit sind zwei Dinge im gesellschaftlichen Leben verbunden, die für dasselbe von ganz verschiedener Bedeutung sind: die Verfügung über Kapital als Produktionsmittel und das Rechtsverhältnis, in das der Produktionsmittelbesitzer durch sein Verfügungsrecht mit anderen Menschen tritt, die davon ausgeschlossen sind. Nicht die ursprüngliche freie Verfügung wirkt im gesellschaftlichen Leben schädlich, sondern wenn das Recht auf diese Verfügung fortbesteht, während die Bedingungen, unter denen einem einzelnen oder einer Gruppe die freie Verfügung übertragen wurde, nicht mehr gegeben sind. Daher wird als ein nicht handelbares Verfügungsrecht ein an die Dauer produktiver individueller Fähigkeiten gebundenes, infolgedessen rotierendes Besitztum anzustreben sein.
In dem Masse, in dem die Technik immer mehr die materielle Produktion übernähme, würden nach den heutigen „Axiomen“ immer mehr Menschen zugrunde gehen, weil sie, nach dem heutigen Eigentumsverständnis aus dem Produktionsprozess ausgeschlossen, zu keinen Einkommen mehr kämen. Dass dem nicht so ist, geht auf Vater Staat zurück, der mit Zahlungen einspringt. Er verschuldet sich und läuft Gefahr, sich zu überschulden, indem die auf den Schulden zu bezahlenden Zinsen die Steuereinnahmen aufzehren. Staatsschulden sind noch nie zurückbezahlt worden und können es auch gar nicht, ohne die Gesellschaft und Wirtschaft bis zur Darniederlegung auszuquetschen. „Staaten gehen nicht unter, nur ihre Gläubiger.“ Aber Schuldenstreichung trifft Pensionskassen, Versicherungen… Deren Verpflichtungen müssten dann doch wiederum vom Staat eingelöst werden. Sofern es Forderungen aus anderen Wirtschaftsräumen trifft, wandeln sich deren Exportleistungen in Geschenke um.
Der Bildung und Wirtschaft verwaltende Einheitsstaat, Erbe des römischen Imperiums: Wenn und weil die gesellschaftlichen Probleme vom geistig-kulturellen Sektor der Gesellschaft aus nicht gelöst werden, regelt der Staat mittels Gesetzen sie. Aber wie soll ein staatlich bevormundetes, unter den wirtschaftlichen Nutzwert gestelltes Bildungsleben neue, nicht etablierte Begriffe entwerfen?
Wir brauchen ein Wissenschaft und Bildung umfassendes Geistesleben, das fähig ist, die materielle Leistungserbringung vernünftig, menschenwürdig zu gestalten, und eine materielle Leistungserbringung, ein Wirtschaftsleben, das fähig ist, dem Menschen die Freiheit zu einem freien Geistesleben zu geben, dessen Urteile nicht von der Lohnabhängigkeit abhängig sind. Und aus einem solchen heraus müssten die hier neu gefassten, einander bedingenden Begriffe von wirtschaftlichem Wert, Kapital, Geldschöpfung, Einkommen, Eigentum vom allgemeinen Bewusstsein aufgenommen und zu ihrer Verwirklichung weiterentwickelt werden. In ihrer herkömmlichen Form sind sie, aus einer früheren Kulturepoche stammend, überholt und führen die Zivilisation offensichtlich in den Niedergang. Kapital im herkömmlichen Sinn in Verbindung mit dem herkömmlichen Eigentumsbegriff und der waltenden gegenseitigen Abhängigkeit von Leistungserträgnis und Einkommen verleiht Macht, jederzeit neu entstehende Arbeit in seinen Dienst zu stellen, woraus sich seine Vermehrung ableitet, die nun wiederum über die Vermehrung des Eigentums an Landwirtschaft, Bergbau, Verarbeitung etc. Arbeit in seinen Dienst stellt. Da ja diese auf das herkömmliche Denken zurückgehende Kapitalvermehrung über die Menge des Gütererzeugens erfolgt, werden natürlich unter Vernachlässigung von Qualität, Ästhetik, Naturpflege immer grössere Stoffmengen umgesetzt. Und es besteht die Gefahr, dass die sich weiter entwickelnde Macht des Kapitals, woran wiederum die anderen erwähnten Begriffe gekoppelt sind, zu systemverteidigender sowie systembekämpfender Gewalt führt.
Mitteleuropa muss ansetzen, wo die Griechen aufgehört haben, als sie von den Römern versklavt wurden: beim Denken über das Denken. Wir brauchen vor allem Wettbewerb dort, wo er berechtigt ist, nämlich im Geistesleben. Aus ihm mit neuen Inhalten versehen, kann erst eine grosse Anzahl Menschen, gerade auch aus leitenden Stellungen der Wirtschaft, sich überhaupt in die Lage versetzt sehen, die Gesellschaft neu zu gestalten.
* Weiteres im Buch Das neue Geld, bestellbar unter www.gemeinsinn.net
Originaltext
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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