Das Begrünen der Wüste mit Permakultur – Jordanien

von Susanne Schuster aus „Tlaxcala“
„Man kann alle Probleme der Welt in einem Garten lösen“
Kürzlich bot sich mir die Gelegenheit, einen Permakultur-Einführungskurs zu einem sehr niedrigen Preis zu machen. Das Thema an sich interessiert mich schon eine Weile, allerdings wusste ich konkret noch nicht so viel davon. An dieser Stelle möchte ich nun die Ethik und Prinzipien der Permakultur vorstellen. Außerdem werde ich in einer Reihe von Artikeln inspirierende Beispiele der Permakultur aus Jordanien, Simbabwe und Eritrea vorstellen. Diese Modelle zeigen, wie man mit relativ einfachen, lokal vorhandenen Ressourcen sogar stark versalzte, geschädigte Böden regenerieren kann.
Permakultur
Permakultur setzt sich zusammen aus den Begriffen Permanente Agrikultur. Es gibt viele verschiedene Definitionen für Permakultur. Im Wesentlichen ist es ein praktisches System für nachhaltiges Leben und die Erneuerung der Erde und unserer Gemeinschaften. Es basiert auf der Beobachtung von Prinzipien und Mustern in der Natur. Die Permakultur hilft uns dabei, lebendige Systeme als Ganzes, statt als Einzelteile, zu sehen und die Beziehungen zwischen den Dingen zu maximieren, in einem ethischen Rahmen. Sie bestärkt Menschen auf der ganzen Welt darin, dynamische und widerstandsfähige Systeme und Projekte zu entwickeln, die mit der Natur arbeiten, statt gegen sie.
 Die Permakultur beruht auf drei ethischen Grundwerten:
Achtsamer Umgang mit der Erde (earth care)
Achtsamer Umgang mit den Menschen (people care)
Fairer Austausch von Ressourcen (fair share)
Dies sind einige der wichtigsten Prinzipien der Permakultur:
Produziere keinen Abfall
Optimiere die Vielfalt
Benutze vorhandene Ressourcen
Jedes Element erfüllt verschiedene Funktionen
Mit den kleinsten Änderungen die größte Wirkung erzielen
Das Problem ist die Lösung
Kleine und langsame Lösungen
Relative Platzierung
Randzonen nutzen und schätzen
Es kommt drauf an…
Ein weiteres grundlegendes Element ist die Zonenbildung, die Zonen werden danach eingeteilt, wie viel menschliche Arbeit erforderlich ist.
Letztendlich sind diese Prinzipien uralt und für die meisten von uns intuitiv erfassbar, doch die industrielle und mechanistische Produktionsweise und Auffassung der Umwelt hat sie weitgehend verdrängt, mit den entsprechenden katastrophalen Folgen. Sie stehen der profitorientierten Wirtschaftsweise des Kapitalismus, dem sich die Bedürfnisse der Menschen und der Umwelt absolut unterwerfen müssen, diametral entgegen. Mit der Permakultur kann man die Weltbevölkerung nachhaltig ernähren und Hunger und Armut erfolgreich bekämpfen, wie das folgende Beispiel zeigt. Bei den Hightech-Lösungen von Monsanto, Bayer und all den anderen Agrarindustriegiganten geht es hingegen nie darum, die Welt zu ernähren, ihr Ziel ist, die Taschen der Anteilseigner zu füllen.
Die Begrünung der Wüste in Jordanien
Der australische Permakulturist Geoff Lawton und seine jordanische Frau Nadia Lawton zeigen mit ihren Permakulturprojekten in Jordanien, wie man die Wüste begrünen kann. Jordanien besteht zu mehr als 92 Prozent aus Wüste und sie breitet sich immer weiter aus. Es ist eines der wasserärmsten Länder der Welt. Die Nutzung der erneuerbaren Wasserquellen liegt bei 120 Prozent, es ist also absehbar, dass diese Wasserquellen bald erschöpft sein werden. Die industrielle, chemieintensive Landwirtschaft verbraucht wie überall in der Welt 70 Prozent des Wassers. Die Regenerierung der Böden ist daher eine Überlebensfrage.
Mit Geoff Lawtons erstem Projekt im Jahr 2001 wurde ein 4 ha (10 acres) großes Grundstück erneuert, in der trockensten Gegend der Welt 400 m unter dem Meeresspiegel, mit stark geschädigten und versalzten Böden. Dabei wurden insgesamt 1,5 km Mulden (swales) angelegt, in denen jeder Tropfen Regenwasser aufgefangen wurde, der auf das Land fiel. Die Mulden wurden entlang von Höhenlinien angelegt und dann mit einer dicken Schicht Mulch bedeckt. An der oberen Seite der Mulden wurden stickstoffanreichernde, widerstandsfähige Wüstenbäume und an der unteren Seite verschiedene Fruchtbäume gepflanzt. Die Leute lachten Lawton und sein Team zunächst aus, weil die Gräben für die Regenwasserernte nicht gerade waren, sondern in Konturen verliefen. Doch es geschahen unglaubliche Dinge: Innerhalb von vier Monaten trugen die Feigenbäume Früchte, was in dieser Gegend eigentlich unmöglich ist. Es stellte sich heraus, dass der Boden entsalzt wurde und zwar mit nur 20 Prozent der Wassermenge, die zum Auswaschen der versalzten Böden normalerweise benutzt wird und unter der Mulchschicht entstand so viel Feuchtigkeit, dass sogar Pilze wuchsen. (Die Leute dort hatten noch nie Pilze gesehen, weil es in der lebenden Erinnerung noch nie so viel Feuchtigkeit gab.) Der Boden wurde lebendig mit Insekten und Kleintieren. Das Netz der Pilze sonderte eine wachsartige Substanz ab, die das Salz abstieß und der Verwesungsprozess ließ das Salz fest werden.
Da die Finanzierung dieses Projekts nach drei Jahren auslief, wurde es beendet und sich selbst überlassen. Als Lawton nach acht Jahren 2009 zurückkam, war zwar vieles schlecht bewirtschaftet worden, doch das grundlegende Design des Permakultursystems war immer noch intakt, was seine Widerstandsfähigkeit beweist.
Geoff Lawton sagte: „Man kann alle Probleme der Welt in einem Garten lösen“. Doch viele Menschen wüssten das nicht und seien daher verunsichert.
Nun arbeitet Lawton an einem zweiten “Greening the Desert”-Projekt in unmittelbarer Nähe des ersten Projekts, aber mit einer langfristigen eigenen Finanzierung, damit die richtige Bewirtschaftung gesichert ist. Seitdem wurden viele praktische Projekte initiiert und die Permakulturtechniken von Bauer zu Bauer und von Land zu Land weitergegeben. Das neue Permakulturprojekt genießt eine breite Unterstützung im Volk und sogar seitens der jordanischen Regierung. Man hat wohl erkannt, wie notwendig ein radikales Umdenken ist.
Während einer Trockenheit im Jahr 2008 fiel die Olivenernte in ganz Jordanien aus – außer im Permakulturdorf Bayoudah. Durch Mulchen und Kompostieren konnten die Bäume überleben.
 Das höchst wichtige Mulchen im Permakulturprojekt im Jordantal
Diese Bilderserie zeigt die blühende grüne Oase, die mit dem „Greening the Desert“-Projekt in einer der klimatisch extremsten Gegenden der Welt erschaffen wurde. Wenn nur ein Bruchteil des Geldes, das für die grausamen Kriege auf der Jagd nach Öl und anderen Rohstoffen, mit denen die unersättliche kapitalistische Maschine am Laufen gehalten wird, für solche Projekte ausgegeben würde, wie viel lebenswerte Umwelt und menschliches Glück könnte man damit wohl erreichen?
Dieses etwa 30 Minuten lange Video dokumentiert das erste und zweite “Greening the Desert”-Projekt von Geoff und Nadia Lawton. Sehr zu empfehlen!
Greening the Desert II: Die Begrünung des Nahen Osten auf Vimeo oder in 4 Teilen auf Youtube.
Weitere Informationen zu Permakultur:
Permakulturinformationen
Permakulturinstitut
Permakultur-Forschungsinstitut
10 Permakultur-Ideen zum Selbermachen
(1/5) Permakultur – eine Führung durch den Garten
Originaltext
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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