Verschlusssache Picasso – Die Kunstwelt im Ausnahmezustand

Veröffentlicht von Paul Boegle in „Freie Zeit“

Poststempel bestätigt: Gefundener Picasso ist echt!

Es klingt wie ein Märchen. Doch die Experten sind sich einig. Der vor dem Hauptpostamt in Barcelona gefundene Picasso ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Original und zeigt den wohl berühmtesten Vertreter des kubistischen Frankierens kreisrunder Poststempel in seiner ganzen Pracht. Eine jetzt vom Museu Picasso de Barcelona in Auftrag gegebene Kunstexpertise, welche “Freie Zeit“, dem Blog für gefinkelte Wandmalereien und an die Wand gestellte Schmierfinke, vorliegt, datiert den Picasso auf das Jahr 1946. Anhand der sehr verlässlichen Radio-Carbon-Methode, dabei wird ein Radio bei voller Lautstärke um Mitternacht solange auf die Straße gestellt, bis genügend mit Sauerstoff angereicherter Kohlenstoff – meist wird dabei ”La Paloma oh C” von Hans Albers gespielt (das “C” steht hierbei natürlich, aber das wissen wir alle, für das Element Carbon) – entsteht, bis die Nachbarschaft nicht mehr schlafen kann und anfängt, aus lauter Verzweiflung Briefe zu schreiben.
Ganz genau sogar soll es sich um einen Picasso handeln, der am 25.01.1946 abgestempelt wurde und damit genau in den Zeitraum der sogenannten Blauen Periode fällt, in welcher, aber dies ist uns sowieso bekannt, solche berühmten Kunstwerke wie die “Blaue Mauritius mit Knick”, die deutsche Wohlfahrtsmarke “Audrey Hepburn beantragt Hartz IV” aus dem Jahr 2001 oder auch die bei Philatelistinnen und Briefmarkenalbumisten begehrte leicht verschimmelte Fehlprägung “Doppelgenf mit einfachem Schweizer Wurstsalat” des Jahres 1843 (siehe hierzu den in der Fachzeitschrift “Frank und frei – Kunst im öffentlichen Briefkasten” publizierten Artikel “Die Quadratur des Kornkreises – Konzeptioneller Bruch mit dem Getreidefeld oder die visuelle Dialektik des Schachtelhalms”) entstanden sind.
Zufallsfund dürfte schon seit Jahrzehnten auf Entdeckung warten
Die Kunstwelt vermutet schon lange, dass sich unter der bisher noch nicht abgestempelten Post – zumeist handelt es sich dabei leider nur um nichtssagende und wertlose Ansichtskarten von Touristinnen und Besuchern der katalanischen Hauptstadt – noch bisher unentdeckte Kunstschätze befinden. So wurde vor 137 Jahren, als die spanische Post gerade Mittagspause machte, ein wertvoller Pizzakarton (leider leer, sonst wäre er noch wertvoller gewesen) gefunden, der heute in der Kantine des Guggenheim Museums hinter Panzerglas hängt.Doch mit einem echten Picasso, der außerdem noch in SenftenbergStern-Hitler-Briefmarke-ent-192x250 abgestempelt wurde, hatte eigentlich niemand mehr gerechnet. Bisher waren nur echte Picassos bekannt, die entweder gar keinen Poststempel aufwiesen oder – wie zum Beispiel im Picassomuseum Münster zu sehen – ein Picasso mit einem handbemalten lithografischen Ersttagsstempel aus dem Jahre 1955 (Dauerleihgabe der Deutschen Post, die voraussichtlich erst im Jahre 2072 abgearbeitet werden kann), der mit seiner beachtlichen Größe von vier Quadratzentimetern zu den größten jemals abgestempelten Picassos zählt, die die spanische Post Correos bisher noch nicht in Umlauf gebracht hat.
Wie das damit beautragte Sachverständigenbüro – es soll sich dabei um den arbeitslosen Postzusteller Pablo Francesco Esperanza (hat 47 Semester für die spanische moderne Post gearbeitet) und seine Schwägerin Mathilda Maria Teresa Santa Maria della Marquez di Inspettore Colombo (hat 47 Semester postmoderne Kunstgeschichte neben der spanischen Post studiert) handeln, die schon die original gefälschten Hitler-Tagebücher als echt falsch identifizierten – auf dieses Datum kam, wollten oder konnten sie nicht sagen. Manche von uns können sich sicher noch gut an diesen sensationellen Fund erinnern. Das Magazin Stern entdeckte durch Zufall bei den Recherchen zur großen Reportage “Hamlet – Wahn oder Wirklichkeit: War der Dänenkönig vielleicht nur ein alter Schwede?” die bisher unentdeckten echten Hitler Briefmarken, die auf den schon entdeckten für fälschlich echt gehaltenen echt falschen Hitler Tagebüchern klebten, für Furore. Doch dies wird uns noch in unserer noch aufsehenerregenderen Reportage ”Wie unterscheide ich einen echten Picasso von einer Fälschung?” (Verlinkung folgt) beschäftigen, in welcher wir unter anderem der Frage nachgehen, ob Picasso möglicherweise der Dänenkönig Hamlet war und wie der Stern an seine täuschend echt nachgemachten Zacken kam.
Doch angesichts der erdrückenden Beweise, welche die beiden jetzt vorlegten, kann an der Echtheit des im dänischen Senftenberg abgestempelten Picasso nicht der geringste Zweifel bestehen.
Das unverwechselbare Brandenburg-Blau verwendete nur Picasso
Wer sich mit kubistischen Stempeln und quadratischen Briefmarken nur halbwegs auskennt, wird an der Echtheit kaum zweifeln können. Wer, wenn nicht Picasso selbst, konnte solchePicasso-Postkarte-250x178 unverwechselbaren Briefmarken abstempeln wie eben Picasso selbst. Nach seiner Auswanderung ins unter dänischer Besatzung leidende Brandenburg beschäftigte sich das großartige Genie zwar zunächst mit der Malerei, doch schon bald musste er einsehen, dass dies nichts weiter als brotlose Kunst war. Also besann er sich eines Besseren und nahm einen Halbtagsjob bei der Post an, um sich seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Und dabei entdeckte er seine Liebe für die Briefmarken und insbesondere für die schönen Zacken drumherum.
Und selbstverständlich das einmalige Blau, das so typisch für die Postkarten von Picasso sind. Verwendete er am Anfang noch kräftige Farben für die schillernden “Gebühr bezahlt” und sehr detailreichen “Priority Mail” Stempel, so wurden die Ansichtskarten mit der Zeit immer farbloser und gingen von einem himmelblauen Tiefblau langsam in ein himmlisch helles Tieffblau bis hin zu einem höllisch tiefen Hellblau über, welches mit der Zeit immer mehr ins heimelig triefend nasse Bläuliche mit tiefblau blassen Triefnasen verblasste und am Zenit der Blauen Periode nur noch aus taubengrauem Tizianblau mit graumeliertem Taubenblau bestand.
Und so kam, was kommen musste. Picasso schrieb am 25.01.1946 an seinen Mäzen Heinz Berggruen, dass er für immer in Brandenburg bleiben und dort für die Deutsche Post Briefe abstempeln will. Doch leider erreichte diese Postkarte niemals seinen Adressaten, da Picasso erstens vergessen hatte, die Adresse auf die Karte zu schreiben und, was wahrscheinlich die Sache nicht leider machte, er hatte schlicht und einfach vergessen, den Absender zu notieren. Und jetzt, nach über 60 Jahren der Irrungen und Wirrungen, taucht dieses unbezahlbare Stück plötzlich vor dem Hauptpostamt in Barcelona auf.
Zufälle gibt es, die gibt es eigentlich gar nicht. Sollten wir meinen. Oder glauben!
Originaltext
Advertisements

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
Dieser Beitrag wurde unter Éthnos, Bewußtsein, Kultur-Leben, Menschenwürde, Rechts-Leben, Soziales Leben, Wirtschafts-Leben, Zum Aufwachen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s