„Die Freiheit ist ein Kind der Liebe – Die Liebe ist ein Kind der Freiheit“

Eine Naturgeschichte unserer menschlichsten Sehnsüchte – Eine Geistesgeschichte unserer menschlichsten Sehnsüchte

Neurobiologie trifft Philosophie: Gerald Hüther und Maik Hosang über Freiheit und Liebe

Verlagsmitteilung:
0003395235_0001_170Woher kommt die Fähigkeit zu lieben? Woraus erwächst diese tiefe Sehnsucht nach Autonomie und Freiheit? Und wie lässt sich beides miteinander vereinbaren? Ist die Sehnsucht nach beidem der menschlichen Natur mitgegeben? Diesen Fragen gehen der Neurobiologe Gerald Hüther und der praktische Philosoph Maik Hosang in einem gemeinsamen Buch nach, das von zwei Seiten beginnt: von der einen Seite wird der Wunsch nach Zugehörigkeit verfolgt, von der anderen die Sehnsucht nach Unabhängigkeit. In der Mitte treffen sich die Überlegungen, und – das ist kein Zufall: die Begegnung von Liebe und Freiheit ist nicht das Ende, sondern eher der zentrale Ort, von dem aus alles weitere ausgeht. Diese zwei Aspekte sind als untrennbare Kompetenzen unseres Seins miteinander verbunden, auch wenn sie bisher in der Wahrnehmung immer wieder voneinander getrennt worden sind. Eine Naturgeschichte unserer menschlichsten Sehnsüchte!
Rezension:
Der Inhalt des Buches ist nicht leicht zusammenzufassen. Ein Natur- und ein Geisteswissenschaftler stellen ihre Gedankengänge gegenüber, um sie schließlich ineinanderfließen zu lassen. Der Neurobiologe Gerald Hüther befasst sich dabei schwerpunktmäßig mit dem Aspekt der Zusammengehörigkeit, währen der Philosoph Maik Hosang mehr die Freiheit im Auge hat.

Hüther stellt eine Vielzahl von Beispielen und Untersuchungen zusammen, die ausgehend vom Einzeller über das Tierreich bis hin zum Menschen und gehirnphysiologischen Prozessen reichen. Dabei macht er deutlich, dass viele überlieferte Haltungen unser Denken bestimmen. So z.B. die Darwinsche These, Wettbewerb sei für die Evolution notwendig und der Stärkere würde überleben. Hüthers Beispiele zeigen, dass diese Aussage nicht richtig ist, sondern gerade das Zusammenwirken von Individuen kreative Potentiale hervorbringt und Weiterentwicklung ermöglicht. Ja, dass gerade das Zusammenspiel der Kräfte auch Spielräume frei werden lässt, sodass der einzelne sich als freies Individuum erfahren kann.

Hosang beleuchtet die geistesgeschichtliche Entwicklung des Freiheitsbegriffes. So beginnt er mit den alten Griechen, dem Buddhismus, dem Christentum und dem Islam. Er zitiert Philosophen der verschiedenen Epochen und beschäftigt sich mit den neuzeitlichen Innovationen wie Dampfmaschine, Eisenbahn u.a., welche die Weltsicht der Menschen wesentlich beeinflusst und neue Freiheitspotentiale ermöglicht haben. Essenz ist, dass sich das Ich im Du, also die Freiheit oder Autonomie in der Verbundenheit zum anderen findet.

Nun folgt der Abschnitt des Buches, welcher die Übereinstimmungen der beiden Annäherungen offenlegt. Hüther und Hosang entwickeln hier eine Vision, wie durch mehr Verbundenheit alte Glaubensregeln und Verhaltensweisen aufgebrochen werden, fortdauerndes Kriesenmanagement beendet und durch freigesetze Kreativität individualisierte Gemeinschaften entstehen könnten, in denen jedes Mitglied seine Potentiale entfalten und zur Entfaltung der Potentiale anderer beitragen könnte.

Durch zunehmende Vernetzung und fruchtbaren Austausch zwischen den Gemeinschaften und Kulturen könnten Angst, Druck und Auslese überwunden werden und Freiräume entstehen, um sich einzubringen und mitzudenken.
Die Autoren machen deutlich, dass wir nicht weitermachen dürfen wie bisher. Sie sprechen von einer Transformation der Beziehungskultur.
Verbundenheit und Freiheit müssen gleichermaßen erlebbar werden. Und das ist Liebe.
Da wir als Kleinkinder die Mutterliebe kennengelernt haben, müssen wir uns nur an etwas erinnern, was wir schon kennen. Nicht Einzelkämpfertum ist gefragt, sondern Teamwork. Viele Jugendliche, so weisen die Autoren nach, haben mit der Suche schon begonnen und sind dabei, neue Lebensformen zu entwickeln.
Als ich das trotz seiner Inhaltsfülle gut lesbare Buch las, wurde ich innerlich freier und stärker; und zugleich fühlte ich intensiver meine Verbundenheit mit vielen Anderen; ja sogar mit der Geschichte und Zukunft.
Den beiden Autoren gelingt es auf wissenschaftlich überzeugende Weise, diese beiden Sehnsüchte – nach Verbundenheit und nach Freiheit – als die bisher kaum erforschte Brücke zwischen unserer menschlichen Seele und der Gesellschaft und Geschichte sichtbar zu machen.
Die Paradoxie dieser beiden Sehnsüchte zeigt sich überraschend als entscheidende Triebkraft individueller und gesellschaftlicher Entwicklung. Und macht Hoffnung darauf, dass ein neues, bewussteres Zusammenspiel von freier individueller Kreativität und uns dabei unterstützender und sinngebender vielfältiger Verbundenheit noch erstaunliche Perspektiven von Mensch und Erde möglich macht.
Ich verstehe und fühle auf einmal besser, warum ich Menschen brauche, die mir das Herz warm werden lassen; die lächeln, wenn sie mich sehen – auch wenn ein mieser Tag hinter mir liegt. Und dass ich mich aber zugleich danach sehne, frei, autonom und intensiv all meine Potenziale zu entfalten.
Verlag Kreuz ,1. Aufl. 2013, ISBN 978-3-451-61144-5

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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