Neun auf einen Streich: S&P-Rating, die Euro-Zone oder wer wem vertrauen kann

von Stefan L. Eichner aus „QUERSCHÜSSE“
Standard & Poor´s hat gestern (Red: 13.01.2012) die Kreditwürdigkeit von Frankreich und Österreich um eine Stufe von AAA auf AA+ heruntergesetzt. Das Rating von Malta, der Slowakei und Sloweniens wurde ebenfalls um jeweils eine Stufe zurückgenommen. Die Bonität von Italien, Spanien, Portugal und Zypern verschlechterte sich um zwei Stufen. (1)
Am Donnerstag hatte das Handelsblatt berichtet, dass auch Fitch angekündigt hat, nach Abschluss einer laufenden Überprüfung und Neubewertung der Risiken könnte noch im Januar die Kreditwürdigkeit einiger Euro-Staaten herabgestuft werden. (2) Es könnte also bald noch dicker kommen.
Ebenfalls am Freitag wurde berichtet, der US-Präsident Barack Obama habe in einem Brief an den Präsidenten des Repräsentantenhauses, John Boehner, eine weitere Anhebung der US-Schuldengrenze um 1,2 Billionen Dollar verlangt, weil dies nötig sei, um Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. (3)
(…)
Vor dem Hintergrund der Entwicklung fällt es zunehmend schwer nachzuvollziehen, nach welchen Kriterien die großen Ratingagenturen Standard & Poors, Moody´s und Fitch Bonität von Staaten bewerten – zumal sich gezeigt hat, dass im Krisenfall die Staaten auch für die Schulden des Finanzsektors geradestehen müssen.
Für Ratingagenturen sind ebenso wie für die Finanzmärkte Glaubwürdigkeit und Vertrauen entscheidende Geschäftsgrundlagen. Doch beides geht mit jedem weiteren schwer nachvollziehbaren und deswegen umstrittenen Rating sukzessive verloren. Die große Aufmerksamkeit und Aufregung, die Ratingentscheidungen bezüglich Staatsanleihen seit Monaten in Presse und Medien erhalten bzw. entfalten, indizieren unerschütterliches Vertrauen in die Bonitätsurteile, sind aber trügerisch. Denn vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit Top-Ratings für strukturierte Wertpapiere, die sich im Zuge der US-Immobilienkrise massenhaft als toxisch herausstellten, werden Investoren sich zunehmend die Frage stellen müssen, inwieweit sie bei Anlageentscheidungen noch auf die Ratings der großen Ratingagenturen vertrauen können – sofern sie nicht gesetzlich dazu verpflichtet sind. Ein gebranntes Kind scheut bekanntlich das Feuer und die Nervosität an den Finanzmärkten ist aufgrund der fragilen Stabilität hoch. Wo die größten Risiken liegen, ist keineswegs ausgemacht.
Damit ist die Lage auch für Ratingagenturen kritisch. Ist das Vertrauen erst einmal weg, wird es für Ratingagenturen schwierig werden, es wieder zurückzuerlangen. Bedeutungsverlust wäre damit vorprogrammiert.
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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Eine Antwort zu Neun auf einen Streich: S&P-Rating, die Euro-Zone oder wer wem vertrauen kann

  1. Gunnar schreibt:

    Hast du noch weitere Informationen darueber ?

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