Die Bibel – ein ewiger Skandal

Aus Zeit-Online

Liebe deinen Feind: Xavier Beauvois’ Film „Von Menschen und Göttern“ zeigt die Radikalität des Christentums.

Was den Publikumserfolg betrifft, so ist dieser Film ein profanes Wunder. Innerhalb weniger Wochen sahen in Frankreich zwei Millionen Zuschauer „Von Menschen und Göttern“, und das, obwohl der Film dramaturgisch gegen alle Marketingregeln verstößt und im Fernsehen vermutlich sofort in den Minoritätenknast der Dritten Programme abgeschoben würde. Tatsächlich hat Xavier Beauvois’ Film kaum Handlung und behelligt sein Publikum mit langen meditativen Einstellungen. Die Geschichte spielt in Algerien und zeigt, wie neun französische Trappistenmönche ihrem Tagewerk nachgehen.
Es sind diese unscheinbaren, fast beiseitegespielten Szenen, in denen dem Film gelingt, woran Heerscharen von Kanzelpredigern so oft scheitern: Er rührt an das Wesen der monotheistischen Religionen und entfaltet ihre großartige, ebenso radikale wie unlebbare Wahrheit. Der Gottesglaube, so wie er von diesen Mönchen verkörpert wird, verlangt etwas ganz und gar Widersinniges, nämlich die Liebe zum Feind und die Überwindung der Gewalt. Am Ende transzendiert die Religion sogar ihr eigenes Böses, und dann sagt Christian so unglaubliche Sätze wie diesen: »Ich habe genug gelebt, um zu wissen, dass auch ich ein Komplize des Bösen bin, das sich der Welt bemächtigt hat.« Die Religion, heißt das, »beichtet« ihre Verstrickung in die Gewalt, und bevor nicht jede andere Religion, erst recht der Islam, ein solches Bekenntnis ablegt, wird es keinen Frieden geben.
………….
An der Botschaft des Films, an seiner politischen Adresse, werden viele Anstoß nehmen, und das ist gut so. „Von Menschen und Göttern“ ist ein Ärgernis für jene, die im Geist eines Samuel Huntington die Welt in unversöhnliche, von Feindschaftslinien durchzogene Kulturkreise einteilen. Er ist ein Ärgernis für jene, die behaupten, der Monotheismus habe mit seiner Wahr-falsch-Unterscheidung die Gewalt erst in die Welt gebracht. Schließlich ist der Film ein Ärgernis für den Aufklärungsfundamentalismus der »Islamkritik«, die die Spirale der Verfeindung immer weiter treibt. Und nicht zuletzt provoziert „Von Menschen und Göttern“ den Neotriumphalismus einiger katholischer Bischöfe, die gegen den Islam eine »christlich-jüdische« Kampfleitkultur in Stellung bringen, anstatt mit ihren monotheistischen Brüdern für den Frieden der Welt zu beten.
Deutscher Kinostart: 16. Dezember 2010
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Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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