Die innovative Bank of North Dakota

Die Reformen des Geld- und Bank-Wesens nehmen weltweit in erfreulichem Umfang zu. Dies nehmen wir zum Anlass einige Beiträge zu veröffentlichen. Als Gesamtbeitrag wäre es zu umfangreich geworden, daher haben wir es in folgende 5 Beiträge unterteilt.
Beitrag 1: Macht über das Geld
Beitrag 2: Bankenwesen – Geldschöpfung durch den Staat
Beitrag 3: Die innovative Bank of North Dakota
Beitrag 4: Wie WIR (Staaten) ihre eigene Wirtschaft finanzieren können
Beitrag 5: Modelle von Gemeinschafts-Banken
siehe auch: MINUTO
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Zurzeit sind nur drei von 50 US-Bundesstaaten solvent, ihre Einnahmen decken also die Haushaltsausgaben. Einer davon ist North Dakota, ein sehr unwahrscheinlicher Kandidat für diesen privilegierten Status. Denn North Dakota ist ein dünnbesiedelter Staat mit nicht einmal 700.000 Einwohnern, die zumeist in weit verstreuten Farm-Ansiedlungen leben und mit einem rauen Klima zu kämpfen haben. Und doch sind seit dem Jahr 2000 das BIP dieses Staates um 56 Prozent, das Durchschnittseinkommen um 43 Prozent und die Löhne um 34 Prozent gestiegen. Der Staat hat nicht nur keinerlei Schwierigkeiten, seine Ausgaben zu bestreiten, sondern er verfügt in diesem Jahr sogar über einen Haushaltsüberschuss von 1,2 Milliarden Dollar – dem höchsten in der Geschichte dieses Bundesstaates überhaupt.
North Dakota rühmt sich der einzigen bundesstaatlichen Bank in den ganzen USA. Die Bank of North Dakota (BND) wurde 1919 vom Landtag mit dem ausdrücklichen Ziel gegründet, die Farmer und Kleinunternehmer aus den Klauen der Bankiers und Eisenbahnmagnaten aus anderen Bundesstaaten zu befreien. Die explizite Aufgabe der Bank besteht darin, solide Finanzdienste anzubieten, mit denen Landwirtschaft, Handel und Industrie in North Dakota gefördert werden. Der Staat ist gesetzlich dazu verpflichtet, alle seine Gelder bei dieser Bank anzulegen, die dem Finanzminister dieses Bundesstaates konkurrenzfähige Zinsen zahlt. Der Bundesstaat North Dakota und nicht die (US-Bundeseinlagenversicherung) FDIC garantiert die Einlagen dieser Bank, die in Form von Krediten an die Landesregierung zurückfließen. Die Renditen der Vermögenswerte der Bank liegen bei etwa 25 Prozent, sie bezahlt dem Bundesstaat eine satte Dividende, die in diesem Jahr wahrscheinlich mehr als 60 Millionen Dollar betragen wird. In den letzten zehn Jahren hat die BND ungefähr 330 Millionen Dollar an das Finanzministerium überwiesen. Der ehemalige Präsident der Bank of North Dakota ist heute Gouverneur dieses Bundessstaates.
Durch Partnerschaften vermeidet die BND die Konkurrenz mit den Privatbanken. Die meisten Kredite werden von einer lokalen Bank vergeben. Dann tritt die BND auf den Plan, beteiligt sich an dem Kredit, teilt das Risiko und hält durch Zuschüsse den Zinssatz niedrig. Die BND bietet auch einen Sekundärmarkt für Immobilienkredite, die sie von den lokalen Banken aufkauft. Das Kredit-Portfolio für Wohnimmobilien liegt in North Dakota heute zwischen 500 und 600 Milliarden US-Dollar. Die BND vergibt auch Garantien für Neugründungen von Unternehmen und verfügt über ausreichende Gelder für Studentendarlehen (gegenwärtig laufen über 184.000 solcher Kredite). Außerdem kauft sie von öffentlichen Einrichtungen städtische Anleihen und garantiert Kredite an Farmer, die einen Betrieb neu übernehmen, zu einem Zinssatz von einem Prozent. Weiterhin verfügt die BND über eine gut gefüllte Kreditkasse für Naturkatastrophen, wodurch sich zumindest teilweise erklärt, dass es in der Stadt Fargo, die vor Kurzem von einer verheerenden Überschwemmung heimgesucht wurde, gelang, ähnlich furchtbare Zerstörungen wie vor einigen Jahren in New Orleans zu vermeiden.
Durch die Schaffung des eigenen Kredits konnte der Bundesstaat North Dakota auch der Kreditklemme entgehen. In den ganzen USA nimmt North Dakota in Fragen staatlicher Wirtschafts-Souveränität eine Vorreiterrolle ein. In Kalifornien und anderen Bundesstaaten sind die Arbeiter arbeitslos und die Fabriken liegen brach, weil das private Kreditsystem gescheitert ist. Eine Spritze neuen Geldes von einem System öffentlicher Banken nach dem Modell der Bank of North Dakota könnte die Kreditklemme lösen und den Märkten wieder neues Leben einhauchen.

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
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Eine Antwort zu Die innovative Bank of North Dakota

  1. Tony Katz schreibt:

    Genau so geht es: die Zinsen auf Kredite gehören NICHT den privaten Personen und erst recht nicht den privaten Banken (Provisonen können sie gerne noch verdienen) sondern dem Staat, ergo seinen – allen – Bürgern selber. Das das Modell hervorragend funktioniert geht doch eindeutig aus dem Bericht hervor. Übrigens: es gibt einem Staat, der es ähnlich macht und äußerst erfolgreich ist (hat auch noch ein paar andere Joker): China: staatliche Banken vergeben einfach Kredite Firmen werden innerhalb weniger Jahre zu weltweiten „Playern“ und zahlen die sehr günstigen Kredite an den Staat zurück, der wieder neu investieren kann, so einfach ist das eigentlich.
    Neuere Artikel über die BND:
    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/ellen-brown/usa-die-kreditkrise-der-wall-street-legt-bundesstaaten-und-kommunen-lahm.html

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