Griechische Arbeiter übernehmen Fabrik in Selbstverwaltung

Aus „tv-orange“

Erklärung der Generalversammlung der Gewerkschaft der ArbeiterInnen/Beschäftigten von BIO.ME. in Griechenland

Liebe KollegInnen, im Rahmen unserer Generalversammlung haben wir, die ArbeiterInnen von BIO.ME, beschlossen, dass die einzige Lösung gegen den “Tornado” die ist, in unserer Eigenschaft als ArbeiterInnen direkt die Kontrolle über die Produktion zu übernehmen und die Verantwortung zu übernehmen, die Abläufe der Fabrik mittels unserer ArbeiterInnen- Generalversammlung zu dirigieren. Wir rufen die momentan arbeitenden Menschen, die Arbeitslosen, diejenigen, die gewerkschaftlich organisiert sind und die, die es nicht sind, dazu auf, eine Haltung einzunehmen und ihre Meinung mitzuteilen zu einem Punkt, der eine wirkliche Notwendigkeit wird. Wir haben unsere eigene Antwort gegeben;
wir wollen unsere Jobs zurück, wir wollen unsere Leben, wir wollen unsere Würde.
Wenn das als irrational abgetan wird, ja, dann sind wir irrational!
Wenn es gesetzwidrig erachtet wird, ja, dann verhalten wir uns gesetzwidrig!
Wenn es als undurchführbarer Traum abgetan wird, ja, wir sind unterwegs zu unseren Traum, und dazu, fähig zu werden, die Existenz unserer Familien zu sichern!
Wir rufen die Nachbarschaftsversammlungen der EinwohnerInnen, die verschiedenen Kollektive, die politischen Organisationen, die Gewerkschaften, die Jugendzentren dazu auf, ihre eigene Antwort zu geben! Wir rufen alle auf, die noch aufrecht gehen und hoffen können, wir sagen ihnen:
Ja, es gibt keinen Grund für unsere Kinder, wegzuziehen, um im Ausland ein besseres Leben zu finden; es ist nicht notwendig, unterwürfig zu sein, nur damit mensch einen Job findet. Ihr müsst nicht zu BettlerInnen werden, um überleben zu können! Gebt eine Antwort auf den Punkt, den wir heute weiterbringen! Steht auf und sprengt die Ketten, die euch fesseln! Macht den Kopf auf, den Mund und gebt eine Antwort!
Die Generalversammlung der Gewerkschaft der ArbeiterInnen/Beschäftigten von BIO.ME.
http://www.viome.org/p/deutsch.html
Eine Information von Stephan Lindner: Nach einer monatelangen Solidaritätskampagne, in der weltweit Spenden gesammelt wurden, nahm heute in Thessaloniki die seit Monaten von der Belegschaft besetzte Fabrik Bio.med, die biologische Baustoffe herstellt, als selbstorganisierter Betrieb die Produktion wieder auf. Dem Produktionsstart vorausgegangen war am Vorabend eine Demo durch die Innenstadt und ein großes Benefizkonzert.
Hier gibt es im Solidaritätsblog einen englischen Bericht und Bilder zu den Ereignissen der letzten Tagen: The machines of self-management have been switched on! http://www.viome.org/2013/02/the-machines-of-self-management-have.html Einige wichtige Dokumente zum Selbstverständnis der Arbeiter gibt es dort auch auf deutsch: http://www.viome.org/p/deutsch.html
Und auf youtube gibt es einige Videos vom Solidaritätskonzert:
http://youtu.be/VagD9XWhagM
http://youtu.be/kf2GWaLOHSc
Ankündigung der Gewerkschaft von VIO.ME für die Wiederinbetriebnahme der Fabrik
PRIVATE VEREINBARUNG FÜR DIE SELBSTVERWALTUNG UND DIE ARBEITERINNENKONTROLLE DER FABRIK
Die Unterzeichnenden, Mitglieder und Nichtmitglieder der Arbeitergewerkschaft von Viomichaniki Metaleftiki, stimmen in Folgendem überein:
1.Wir übernehmen den Betrieb der Fabrik unter der Bedingung voller Selbstverwaltung und ArbeiterInnenkontrolle, sowohl was die Produktions- als auch die Verwaltungsstrukturen betrifft. Grundlegend und zentral für den Betrieb der Fabrik, für die Weiterführung unseres Kampfes und unsere Pläne für die Zukunft ist das Prinzip der Gleichheit in der Teilhabe und der Entscheidungsfindung, das Prinzip horizontaler und direkter Demokratie. Jede Form von Differenzierung, schlechter Behandlung, Ausgrenzung und Fremdbestimmung ist unvereinbar mit unserem Vorhaben und jede nur erdenkliche Anstrengung muß erfolgen, um ein solches Benehmen und solche Praktiken zu vermeiden, die Hindernisse für unsere Emanzipationsbestrebungen schaffen. …
2. Unser oberstes Organ ist die Vollversammlung der ArbeiterInnen. Es ist als Organ errichtet und entscheidet sowohl auf allgemein-programmatischer Ebene als auch auf der Ebene spezifischer Angelegenheiten. Sie hat auch das Recht, einzelne Mitglieder zu bevollmächtigen, die Gewerkschaft zu repräsentieren; im Zusammenhang mit speziellen Vorgängen, wie auch um spezifische, genau umschriebene Angelegenheiten zu behandeln. All jene, die die Verantwortung haben, die Vollversammlung zu vertreten oder spezifische Angelegenheiten abzuwickeln, müssen detaillierte Rechenschaft über ihre Aktivitäten ablegen.
3. Die Teilnahme an den Vollversammlungen ist für alle Mitglieder verpflichtend.
4. Die von der Vollversammlung getroffenen Entscheidungen sind für alle bindend und die Umsetzung diese Beschlüsse ist auch verpflichtend, unabhängig davon, ob jemand persönlich mit ihnen übereinstimmt oder nicht.
5. Falls eine Entscheidung als falsch oder nicht umsetzbar eingeschätzt wird, egal ob von einer/m einzelnen oder einer Gruppe, dann soll sie in die Vollversammlung gebracht werden und es ist dann die Vollversammlung, die entscheidet, ob sie verändert, reformiert oder beibehalten wird. In jedem Fall bleibt eine solche Entscheidung für alle bis zur nächsten Diskussionsversammlung bindend und bis dahin wird von allen erwartet, das zur Umsetzung Notwendige zu tun. Im Falle der Nichtbefolgung einer bereits getroffenen Entscheidung wird die Vollversammlung Sanktionen festlegen, die von einer einfachen Verwarnung über eine zeitweilige Entlassung oder, in schweren Fällen, zum Rauswurf der nichtkooperativen Person reichen können.
6. Neben der Teilnahme an der Entscheidungsfindung und dem Planen der Strategie der Fabrik unter ArbeiterInnenkontrolle beinhaltet das Gleichheitsprinzip auch die Teilhabe an Verlusten und Gewinnen der Fabrik.
7. Nach sorgfältigem Abwägen und nachdem sichergestellt ist, dass alle wesentlichen Faktoren in der Diskussion erörtert worden sind, kann der Arbeitsplatz jeder/s Einzelnen durch die Vollversammlung festgelegt werden. Sie/er kann ihre/seine Einwände vorbringen, muss sich aber den Empfehlungen der Vollversammlung fügen.
Darüber hinaus sollte jedeR ArbeiterIn lernen- soweit das machbar ist- an jedem Arbeitsplatz, an den er/sie gebeten worden ist, zu arbeiten, für den sie/er als unabkömmlich erachtet wird.
Originaltext
About these ads

Über Akademie Integra

Als ich wusste, dass ich nicht wusste, was ich nicht wusste, hat mich die geistige Führung endgültig an den Rand der Verwirrung gebracht. Doch ich machte weiter, ...bis ich endlich fand!
Dieser Beitrag wurde unter Aufrufe, Éthnos, Bewußtsein, Geld, Kultur-Leben, Menschenwürde, Rechts-Leben, Soziales Leben, Wirtschafts-Leben, Zum Aufwachen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s